Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Mittwoch, 05. Mai 2021
Rachefeldzug
Wenn es schon pandemiebedingt keine Pressevorführung gibt, greift man eben zur 4K Blu-ray

PROMISING YOUNG WOMAN (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Promising Young Woman
Verleih: Universal
Land/Jahr: Großbritannien, USA 2020
Regie: Emerald Fennell
Darsteller: Carey Mulligan, Bo Burnham, Laverne Cox, Clancy Brown, Jennifer Coolidge, Christopher Mintz-Plasse, Molly Shannon, Angela Zhou, Sam Richardson, Steve Monroe
Kinostart: 10.06.2021

Die attraktive Cassie galt einmal als vielversprechendes Talent, als sie noch Medizinstudentin war. Doch ein Ereignis veränderte ihr Leben von heute auf morgen. Jetzt jobbt sie in einem Coffee Shop als Kellnerin und geht nachts auf Männerfang. Das allerdings gerät für die Männer, die sie abschleppen, zu einem Alptraum: Cassie erteilt all jenen Mannsbildern eine Lektion, die sie schamlos ausnutzen wollen. Jeder Freier führt zu einem weiteren Strich in ihrem Tagebuch. Eines Tages taucht ganz unvermittelt ein Kommilitone aus alten Zeiten bei ihr auf und Cassie wird mit ihrer noch unverarbeiteten Vergangenheit konfrontiert. Es wird Zeit für ihren Masterplan... Sie kam, sah und siegte – mit PROMISING YOUNG WOMAN gibt Emerald Fennell, bekannt als Camilla Shand in der Serie THE CROWN, ihr äußerst vielversprechendes Regie-Debüt, für das sie auch das Drehbuch selber schrieb und dafür jüngst einen Oscar erhielt: Promising Young Female Director. Fennells Thriller gehört zwar in die “Rape & Revenge”-Kategorie, verzichtet jedoch auf ausgespielte Brutalitäten oder Splatter-Einlagen. Dafür regiert Intelligenz und Sarkasmus. Letzterer kommt vor allem bei der Auswahl der über die Szenen gelegten Songs zum Ausdruck. Bitterböse. Carey Mulligan mimt die Rache nehmende junge Frau, die bis zum Äußersten geht, um ihr erlittenes Trauma zu heilen. Was bleibt ihr auch anderes übrig in einer von Männern dominierten Welt? Fennells Film ist ein interessanter Beitrag zu #Metoo-Bewegung. Toll fotografiert und mit einer ausgefeilten Tonspur. Aber es sei auch Kritik erlaubt. Denn Fennells Film vermittelt den Eindruck, dass alle Männer Schweine sind. In dieser Hinsicht macht es sich die Drehbuchautorin etwas zu einfach. Trotzdem lohnt sich dafür der Gang ins Kino, zumal der Film mit einem Ende aufwartet, dass so niemand kommen sieht. Chapeau!
Samstag, 01. Mai 2021
Seelenverwandtschaft
Samstagabend = Heimkinoabend

SOUL (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Soul
Land/Jahr: USA 2020
Regie: Peter Docter
Erstausstrahlung: 25.12.2020 (Disney+ (VoD))

Wenn er mit seinen langen schlanken Fingern in die Tasten haut, vergisst er alles um sich herum und lässt sich von der Musik in seine ganz eigene Welt entführen. Doch der farbige Joe Gardner hat nie eine Chance bekommen und fristet jetzt sein Dasein als Musiklehrer. Als ihn ganz unvermittelt ein alter Schüler anruft und ihm einen Auftritt mit einer legendären Saxophonistin vermittelt, scheint sich sein Traum von der Musikerkarriere endlich zu erfüllen. In seinem Übermut jedoch erleidet er einen Unfall und stirbt – um sich als Seelenwesen auf dem Weg ins Jenseits wiederzufinden. Diesem Schicksal widersetzt er sich aber vehement und darf zusammen mit dem verkappten Seelchen 22 wieder in sein altes Leben zurück. Allerdings gibt es einen Haken: Joes Seele schlüpft in eine Katze, während 22 in seinen alten Körper schlüpft! Gemeinsam müssen die ungleichen Seelen jetzt versuchen, das Beste aus der Geschichte zu machen... Peter Docters SOUL ist nur eines der vielen Opfer der Corona-Pandemie. Mit seinen exzellenten CinemaScope-Bildern schreit dieses computeranimierte Meisterwerk förmlich nach der Auswertung auf großer Bildwand. Leider hat sich die Führungsriege im Disney-Konzern dafür entschieden, aufgrund geschlossener Kinos weltweit den Film ins Streaming abzuschieben. Das ist umso unverständlicher angesichts der Tatsache, dass Disney seine Filme für die coronabedingte Auswertung in Autokinos an eine Mindestgröße der LED-Screen koppelt! Unterschreitet die Größe des LED-Panels eine bestimmte Quadratmeterzahl, so liefert Disney dafür keine Filme aus. Das wirft leider alles andere als ein gutes Licht auf diesen Konzern. Aber das nur vorneweg. Zum Film: in bewährter Weise verknüpft Pixar auch in SOUL Gefühl und Action und vermittelt eine leise Botschaft am Ende, die wunderbar in unsere schnelllebige Zeit passt. Der Soundtrack wartet mit hervorragend integriertem Jazz auf und unterstützt die ungewöhnlichen Seelenwelten mit sanften Elektro-Klängen. Nicht umsonst wurde den Komponisten Trent Reznor, Atticus Ross und Jonathan Batiste der Oscar für die beste Filmmusik zuteil. Ganz zu schweigen vom Oscar für den besten Animationsfilm, den Peter Docter für sein neuestes Werk einheimsen durfte. Die Kombination aus 2D- und 3D-Charakteren, die oft fotorealistische Wirkung vieler Bilder und eine hervorragende Tonspur in Dolby Atmos machen diesen Film zu einem echten Hingucker und Hinhörer. Einzig das Ende fällt etwas enttäuschend aus, führt es uns doch wieder einmal ganz deutlich vor Augen, dass es sich um einen amerikanischen Film handelt. Hier darf Pixar gerne noch etwas mehr erwachsen werden.


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