Wolfram Hannemann

Filmkritiker · Freelance Journalist · Filmemacher

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Dienstag, 28. Juli 2026
Eine Puppe lebt
Einmal mehr eine französische Komödie in der Pressevorführung heute

FRÜHSTÜCK BEI AUDREY (1:1.85, 5.1)
OT: La Poupée
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich 2025
Regie: Sophie Beaulieu
Darsteller: Vincent Macaigne, Cécile de France, Zoé Marchal
Kinostart: 10.09.2026

Filmposter: FRÜHSTÜCK BEI AUDREY Rémi ist ein Kauz wie er im Buche steht. Von Beruf Kunstrasenverkäufer, lebt der Vollbartträger ganz alleine in einem großen Haus. Tatsächlich ganz alleine? Nicht wirklich, denn es gibt das noch die hübsche Audrey. Lebensgroß und mundtot: Audrey ist eine Sexpuppe. Denn seit Rémi in seiner Schulzeit von seiner einzigen großen Liebe enttäuscht wurde, will er nichts mehr mit echten Frauen anfangen. Stattdessen teilt er sein (Liebes)Leben mit Audrey, die ihm keine Probleme bereitet. Doch ausgerechnet als er am Arbeitsplatz eine neue hübsche Kollegin bekommt, beginnt Audrey zu leben. Und nicht nur das: sie entwickelt ihren eigenen Willen... Eigentlich lautet der Originaltitel des Films schlicht und ergreifend LA POUPÉE, also DIE PUPPE. Doch das war dem deutschen Filmverleiher offenbar zu einfach. So wurde aus DIE PUPPE jetzt FRÜHSTÜCK BEI AUDREY, vermutlich um Erinnerungen an den Film FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI zu wecken. Oder vielleicht doch an FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY mit Audrey Hepburn? Wie auch immer – an keinen dieser Filme kommt Sophie Beaulieus Fantasy-Komödie heran. Die ist mit Vincent Macaigne und Cécile de France (jetzt mit Lockenkopf) gut besetzt, doch lässt das Drehbuch zu wünschen übrig. Hin und wieder generiert es einen kleinen Lacher, aber wirklich nur einen kleinen. Alles andere läuft in ausgetretenen Pfaden, Überraschungen gibt es fast keine. Immerhin dauert das Werk gerade einmal 80 Minuten, was ziemlich sympathisch ist. Letztendlich kein Film, für den man unbedingt ins Kino rennen muss. Und weh tut er auch nicht wirklich. Belanglos wäre wohl das Etikett der Wahl.
Dienstag, 21. Juli 2026
Räuber im Reisebus und Thomas Mann im Nachkriegsdeutschland
Sehr selten geworden: ein Presse-Doppel. Heute allerdings gab es eine Ausnahme.

DAS GEWISSE ETWAS (1:2.35, 5.1 + 7.1 + Atmos)
Verleih: Constantin Film
Land/Jahr: Deutschland 2026
Regie: Marc Rothemund
Darsteller: Max von der Groeben, Mala Emde, Florian Lukas, Jasmin Schwiers, Lorenzo Germeno, Frangiskos Kakoulakis, Antonia Riet, Simon Rupp, Jan Bobke, Natalie Kim Lehmann, Ferdinand Kuner, Luca Davidhaimann, Linn Bade, Timon Heinzl, Dieter Landuris, Bettina Mittendorfer
Kinostart: 03.09.2026

Filmposter: DAS GEWISSE ETWAS Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zum Film erst ab 24.08.2026 an dieser Stelle

VATERLAND (1:1.33, 5.1)
OT: Fatherland
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Polen, Deutschland, Italien, Frankreich 2026
Regie: Pawel Pawlikowski
Darsteller: Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl, Devid Striesow, Fritzi Haberlandt, Milan Peschel, Joachim Meyerhoff
Kinostart: 03.09.2026

Filmposter: VATERLAND Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt Thomas Mann erstmals aus dem Exil nach Deutschland zurück. Gemeinsam mit seiner Tochter Erika reist er von Frankfurt bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar, wo man anlässlich des Goethe-Jubiläums auf versöhnliche Worte des Nobelpreisträgers hofft. Doch während Mann hofiert und angefeindet wird, brechen alte familiäre Spannungen auf. Die Reise durch das zerstörte Land wird zugleich zu einer schmerzhaften Begegnung mit der eigenen Vergangenheit... Schon mit IDA und COLD WAR – DER BREITENGRAD DER LIEBE hat Pawel Pawlikowski bewiesen, wie eindrucksvoll er persönliche Schicksale mit den großen Umbrüchen der europäischen Geschichte verbinden kann. Auch VATERLAND erzählt weit mehr als nur eine deutsche Familiengeschichte: Der Film führt mitten hinein in die Verunsicherungen und Brüche der Nachkriegszeit. Besonders beeindruckend sind die kraftvollen Schwarzweißbilder (Kamera: Lukasz Zal, die durch das enge, an den Stummfilm erinnernde Bildformat eine beinahe beklemmende Intensität entfalten. Pawlikowski erzählt vom Ende einer Familie und zugleich von einem historischen Neuanfang. VATERLAND ist ein ebenso berührendes wie schonungsloses Drama, getragen von einem hervorragenden Ensemble und von Bildern, die noch lange nachwirken. Pawlowskis nur 82 Minuten dauerndes Drama richtet sich an ein anspruchsvolles Arthouse-Publikum, das sich insbesondere für Literatur und Nachkriegszeit interessiert.
Donnerstag, 16. Juli 2026
Der Heimkehrer
Heute stand eine Dienstreise nach Sinsheim auf dem Programm

DIE ODYSSEE (IMAX: 1:1.43 bzw. 1:1.90, Non-IMAX: 1:1.85 bzw. 1:2.35, 5.1)
OT: The Odyssey
Verleih: Universal Pictures International Germany
Land/Jahr: Großbritannien, USA 2026
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong'o, Zendaya, Charlize Theron
Kinostart: 16.07.2026

Filmposter: DIE ODYSSEE Während Odysseus schon seit vielen Jahren auf einer Insel mit der schönen Kalypso gestrandet ist, belagert ein ganzes Heer von Freiern sein Zuhause, um seine Frau Penelope zu heiraten. Ständig von bruchstückhaften Erinnerungen geplagt, beschließt Odysseus schließlich, in seine Heimat zurückzukehren... Die Bauchschmerzen, die mir die verschiedenen Trailer zum Film im Vorfeld bereitet haben, waren bei der gestrigen Sichtung des Films ziemlich schnell verschwunden. DIE ODYSSEE entpuppte sich als bildgewaltiges, wuchtiges Epos und nicht linear erzähllt in bester Nolan-Manier. Frei nach dem Werk Homers schildert Nolan die Heimkehr eines Mannes, eines Kriegers, dessen Erlebnisse ihn zum Umdenken bewegen. Damit ist Nolans Film hoch aktuell. Aber eben auch ziemlich brutal und teilweise etwas gewagt, wenn er beispielsweise Matt Damon in der Rolle des Odysseus als eine Art "One Man Army" inszeniert. Trotzdem fasziniert sein Film, der alle bekannten Stationen der Odyssee kraftvoll bebildert – sei es der Zyklop, die Hexe Circe, die Sirenen, Skylla und Charybdis oder der Krieg um Troja samt trojanischem Pferd. Gemeinsam mit seinem Kameramann Hoyte van Hoytema verzichtete Nolan dieses Mal auf ein Formatgeflimmer und ließ den Film mit einer eigens für dieses Projekt vom kürzlich verstorbenen Chief Quality Engineer von IMAX, David Keigley, entwickelten Kamera komplett in IMAX drehen. Das Ergebnis ist sensationell. Einmal mehr zeigt uns Nolan, wie richtiges Kino geht. Mögen ihm viele Filmemacher folgen. Wer Christopher Nolans Film in der von ihm konzipierten Fassung sehen möchte, dem empfehle ich den Besuch der IMAX-Kinos in Sinsheim oder Karlsruhe. Denn nur dort ist der Film in Deutschland im vollen 1:1.43-Format zu erleben, also jenem Format, in dem der Film tatsächlich aufgenommen wurde. Als gute Alternative empfiehlt sich natürlich auch die 70mm-Fassung, die in einigen deutschen Städten zum Einsatz kommt (mein Tipp: Schauburg Karlsruhe).
Mittwoch, 15. Juli 2026
Eine Teenagerin rettet ihr Volk
Nachsitztermin im Dolby Cinema

VAIANA (1:2.35, 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Moana
Verleih: The Walt Disney Company Germany
Land/Jahr: Neuseeland, USA 2026
Regie: Thomas Kail
Darsteller: Catherine Laga'aia, Dwayne Johnson, John Tui, Frankie Adams, Rena Owen
Kinostart: 09.07.2026

Filmposter: VAIANA Häuptlingstocher Vaiana folgt dem Ruf des Ozeans und wagt sich zum ersten Mal über das Riff ihrer Heimatinsel Motunui hinaus. Gemeinsam mit dem berühmt-berüchtigten Halbgott Maui begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise über die Weiten des Meeres, um die Zukunft ihres Volkes zu sichern... Einmal mehr hat der Disney-Konzern einem seiner Animationsfilme eine Live-Action-Verfilmung verpasst. Was zuvor bereits Klassikern wie DIE SCHÖNE UND DAS BIEST, SCHNEEWITTCHEN oder gar DAS DSCHUNGELBUCH widerfahren ist, trifft nun auch VAIANA, einen der jüngeren Beiträge im Mickey Mouse Animationsuniversum. War das nötig? Ganz sicher nicht. Denn streng genommen reduziert sich der sogenannte "Live Action"-Part auf ein paar Schauspielende und einige wenige echte Locations. Alles andere sind visuelle Effekte. Damit wäre die Animationsvorlage vollkommen ausreichend gewesen. Doch statt dieser einen erneuten Einsatz in den Kinos zu gönnen (man nannte das früher "Wiederaufführung"), wurde lieber eine Live Action Variante auf den Markt gebracht. Bei aller Kritik an so einer Vermarktungsstrategie muss man der Realverfilmung tatsächlich Respekt zollen ob der unglaublichen VFXs. Storymäßig (und meist auch bildmäßig) wurde die Animationsvorlage tatsächlich 1:1 umgesetzt. Sogar Dwayne Johnson, der Maui spielt, stammt aus dem Animationsfilm. Dort nämlich hatte er seinem animierten Pendant die Stimme geliehen – zumindest in der englischen Originalfassung. Wie schon beim Animationsfilm hat Disney auch jetzt wieder eine eigene Fassung für den europäischen Markt herstellen lassen. Denn überall dort, wo in der US-Version das Wort "Moana" (so der Originaltitel des Films) auftaucht, wurde es in allen europäischen Sprachfassungen (also auch in der britischen) durch "Vaiana" ersetzt. Auch die Songs sowie der Score von Mark Mancina wurden vom Original übernommen. Technisch für sich gesehen ist die Realverfilmung absolut brillant, trumpft mit einer sehr dynamischen und räumlichen Dolby Atmos Tonmischung auf und leuchtet in besten Farben dank Dolby Vision. Mein Fazit: wer das Original von 2016 kennt und schätzt, muss sich diese Neuauflage nicht unbedingt anschauen.
Dienstag, 14. Juli 2026
Der kleine Tod
Wenn der Horrorfilm queere Wege geht...

TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA (1:1.85, 5.1)
OT: Teenage Sex And Death At Camp Miasma
Verleih: MUBI
Land/Jahr: Großbritannien, Kanada 2026
Regie: Jane Schoenbrun
Darsteller: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Cherry, Sarah Sherman, Patrick Fischler, Dylan Baker, Jasmin Savoy Brown, Kevin McDonald, Quintessa Swindell, Jack Haven
Kinostart: 20.08.2026

Filmposter: TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA Fest dazu entschlossen, zu den erfolgreichen Teenager-Horror-Splasher-Filmen über das mysteriöse Camp Miasma, in dem der Lüftungsschachtmann Teenie um Teenie meuchelt, eine Fortsetzung zu drehen, reist eine junge Filmemacherin zu genau jenem Camp, in dem die Kinoreihe entstand. Denn dort lebt vollkommen zurückgezogen jene Schauspielerin, die im allerersten Film das letzte Mädchen verkörperte. Die Begegnung mit der inzwischen in ihren 60ern angekommenen Slasher-Ikone wird das Leben der jungen Regisseurin grundlegend verändern... Regisseurin Jane Schoenbrun, kürzlich mit I SAW THE TV GLOW prominent im Kino vertreten, zählt sich selbst zu den queeren Menschen. So wundert es nicht weiter, dass sich dieses neu entdeckte Lebensgefühl auch in ihrem neuen Film manifestiert. Ungewöhnlich allerdings die Form. Denn Schoenbrun verpackt ihre Botschaft in einen Slasher-Horror-Film. Das aber mit extrem viel Liebe zum Detail. So gibt es beispielsweise im Film im Film tatsächich sogar Überblendzeichen! Auch das gesamte Slasher-Genre mit seinen unzähligen Fortsetzungen sowie VHS- und DVD-Releases wird liebevoll in eine Hommage gekleidet. Natürlich gibt es auch Splattereinlagen – und was für welche! Da spritzt das Blut wahrhaftig viele Meter hoch aus geköpften Körpern. Genre-Fans werden schmunzeln, sind diese Sequenzen doch eher parodistischer Natur. Worum es in Schoenbruns Film tatsächlich geht, erfahren Zuschauende erst knapp vor dem Ende des Films. Man hat es zwar schon die ganze Zeit geahnt, aber erst dann gibt es Gewissheit. Für diese Erkenntnis ist der Film leider etwas zu lang geraten, auch wenn er immer wieder wunderschöne Bilder (aufgenommen auf 35mm Film) präsentiert. Für Horrorfans enttäuschend, aber sie sind ja auch nicht die Zielgruppe der Regisseurin. Horror fürs queere Arthouse.

TO MY SISTERS (1:2.35, 5.1)
Verleih: CineGlobal Filmverleih
Land/Jahr: Deutschland 2026
Regie: Faek Falak
Kinostart: 23.07.2026

Filmposter: TO MY SISTERS Drei Frauen – drei Schicksale. Da ist eine junge Kurdin, die in Syrien eine Fraueneinheit in den Kampf gegen den IS führt. Dann gibt es eine jesidische Überlebende, die als Kind versklavt wurde. Und dann ist da noch ein Deutsche, die sich freiwillig dem IS anschloss und jetzt mit den Konsequenzen leben muss. In seinem eindringlichen Dokumentarfilm zeigt Regisseur Faek Falak die unterschiedlichen Perspektiven dieser drei Frauen und die Ideologien, gegen die sie kämpften. Ideologien, die bis heute nachwirken und zeigen, wie fragil Freiheit und Selbstbestimmung tatsächlich sind – sogar in Europa. Der Film macht sichtbar, was langfristig auf dem Spiel steht: die Freiheit von Frauen, der Schutz von Minderheiten und die Frage, wie schnell gesellschaftliche Errungenschaften wieder verloren gehen können.Visuell beeindruckend in CinemaScope für die große Leinwand umgesetzt, wirkt der Flm oft beklemmend. Die Schilderungen der jesidischen Überlebenden sind dabei nur schwer zu ertragen, zeigen aber umso deutlicher die menschenverachtende Ideologie des IS.


Dienstag, 07. Juli 2026
Im Kopf des Träumers
Heute stand ein visuell betörendes Werk auf meinem Kinofahrplan

RESURRECTION (1:1.33, 1:1:85, 1:2.35, 5.1)
OT: Kuang Ye Shi Dai
Verleih: Plaion Pictures
Land/Jahr: China, Frankreich 2025
Regie: Bi Gan
Darsteller: Shu Qi, Jackson Yee, Mark Chao
Kinostart: 25.06.2026

Filmposter: RESURRECTION In einer Zukunft, in der die Menschen das Träumen verloren oder aufgegeben haben, bleibt ein Wesen übrig, das noch träumen kann: der Fantasmer. Eine Frau begegnet diesem Wesen und dringt in seine Träume ein, um zu verstehen, was in ihm verborgen liegt... Wodurch Bi Gans fast dreistündiger Film beeindruckt sind seine Bilder, die er gemeinsam mit Kameramann Dong Jingson erschaffen hat. Sie sind traumhaft und alptraumhaft zugleich und saugen die Betrachtenden ganz tief in sich hinein. Aufgeteilt in mehrere Kapitel mit unterschiedlichen Bildformaten und Filmstilen – vom Stummfilm bis hin zu einer beeindruckenden Plansequenz. Es ist eine Art Jahrhundertreise durch Kino, Erinnerung und chinesische Geschichte. Wer eine klare lineare Story erwartet, dürfte vermutlich eher überrascht werden; der Film setzt stark auf Atmosphäre, Bildwucht, Metaphysik und cineastische Referenzen.
Sonntag, 05. Juli 2026
Ein Klavierstimmer knackt Tresore
Heute mal wieder ein Kinoausflug der sich mehr als gelohnt hat

THE PIANO TUNER (1:1.85, 5.1 + Atmos)
OT: Tuner
Verleih: DCM
Land/Jahr: USA, Kanada 2025
Regie: Daniel Roher
Darsteller: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, Alisen Richmond-Peck, Jean Reno
Kinostart: 02.07.2026

Filmposter: THE PIANO TUNER Niki White ist ein hochbegabter Klavierstimmer mit absolutem Gehör. Doch er leider unter einer Krankheit, die seine Ohren überempfindlich machen und ihn alle Umweltgeräusche extrem wahrnehmen lässt. Nur mit Ohrstöpseln und Kopfhörern kann er überleben. Als gerissene Gangster zufällig sein akustisches Talent erkennen, heuern sie ihn an Tresore für sie zu öffnen. Um seinem Mentor aus einer misslichen finanziellen Lage zu helfen, lässt er sich darauf ein. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als er Musikstudentin Ruthie kennen- und lieben lernt... Dass Regisseur Daniel Roher seinen Film nur des Sounddesigns wegen realisiert hat, merkt man ihm in jeder Einstellung an. Sounddesigner Johnnie Burn hat hier ganze Arbeit geleistet. Ihm ist es zu verdanken, dass wir als Zuschauer in die akustische Welt von Niki eintauchen können und exakt so hören, wie er seine Welt wahrnimmt. Und die steht im krassen Gegensatz zu den Hörgewohnheiten anderer Menschen. Die Tonebene wechselt immer wieder zwischen diesen beiden Welten. Dabei reizt die Tonspur die Vorzüge des Dolby Atmos Verfahrens bis zur Schmerzgrenze aus. Wer die Möglichkeit hat, den Film in einem Dolby Cinema zu sehen und zu hören, sollte davon unbedingt Gebrauch machen. Optisch und akustisch ist das ein Filmerlebnis auf höchstem Niveau. Und was bietet der Film sonst? Ein tolles, originelles Drehbuch, überzeugende Darsteller, einen perfekt integrierten Jazz-Score (Will Bates, inklusive einem Kurzauftritt von Herbie Hancock), eine Hochglanz Kameraarbeit (Lowell A. Meyer) und ein atemloses Schnitttempo (Greg O'Bryant). Mit einem Satz: ein Kinoerlebnis für alle Sinne. Mein Geheimtipp für Juli.
Donnerstag, 02. Juli 2026
Sind wir noch sicher?
Heute gab es einen beklemmenden Thriller mit Realitätsbezug

STAATSSCHUTZ (1:1.85, 5.1)
Verleih: Plaion Pictures
Land/Jahr: Deutschland 2026
Regie: Faraz Shariat
Darsteller: Chen Emilie Yan, Jean Philippe Kodjo Adabra, Kathrin Angerer, Julia Jentsch
Kinostart: 27.08.2026

Filmposter: STAATSSCHUTZ Kaum tritt Seyo Kim, deutsche Staatsbürgerin mit asiastischer Abstammung, ihr Amt als Staatsanwältin an, entkommt sie nur knapp einem rechtsextremen Anschlag. Als sie selbst die Ermittlungen übernehmen will, stößt sie bei ihren Kollegen und Vorgesetzten jedoch auf eine unsichtbare Mauer. Die wollen die Geschichte als Bagatelldelikt zu den Akten legen. Doch Kim ist fest entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Mit extremen Folgen... Erweitert man den Filmtitel nur um einen einzigen Buchstaben und macht daraus STAATSSCHMUTZ, dann trifft das den Kern des Themas durchaus. Denn in Faraz Shariats Thriller geht es um die Unterwanderung der Staatsanwaltschaften sowie der Polizei durch Rechtsextreme. Dass der Thriller nicht nur ein Hirngespinst ist, belegen ähnlich gelagerte Fälle aus der jüngeren deutschen Geschichte. Auch wenn der Film an manchen Stellen etwas überspitzt wirkt, so verlässt man den Kinosaal dennoch mit einem sehr unguten Gefühl. Weil man weiß, wie fragil die deutsche Demokratie inzwischen geworden ist. Shariat inszeniert seinen Film souverän spannend. Es gibt bewusst keine ästhetischen Bilder, der Film wirkt grau, kalt und dunkel. Keine lebenswerte Welt, die hier gezeigt wird – in einem Thriller mit sehr realem Touch.