Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Donnerstag, 30. April 2009
Vaterjammer und Kifferglück
Eine Dokumentation und eine Komödie bildeten den Abschluss der Pressewoche...

DER ENTSORGTE VATER (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: GMfilms
Land/Jahr: Deutschland 2008
Regie: Douglas Wolfsperger
Darsteller: Douglas Wolfsperger
Kinostart: 11. Juni 2009

Douglas Wolfsperger porträtiert in seinem Dokumentarfilm einige Väter, die nach ihrer Scheidung die eigenne Kinder kaum mehr sehen können. Einer dieser Väter ist Wolfsperger selbst. Somit ist sein Dokumentarfilm leider alles andere als objektiv, sondern macht eigentlich gegen die Mütter mobil. So zeigt uns Wolfsperger als Gegenpol zu den Vätern dann auch eine geschiedene Mutter, die die gemeinsame Tochter “behalten” durfte – und er zeigt sie dem Zuschauer als Paradebeispiel für eine jener “bösen” Mütter, denen die Väter machtlos ausgeliefert sind. Mein lieber Herr Wolfsperger – es ist natürlich traurig, dass es solche Dinge überhaupt gibt. Aber wenn man eine Dokumentation machen will, dann sollte man doch bei den Fakten bleiben. Oder diese zumindest darstellen. In diesem Film jedenfalls habe ich vergeblich nach Hintergründen wie z.B. die rechtliche Situation gesucht. Und dass die wirklich Leidtragenden bei einer Scheidung die Kinder sind, das hat uns der Herr Wolfsperger auch verschwiegen.

CONTACT HIGH (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Delphi
Land/Jahr: Österreich/Deutschland 2009
Regie: Michael Glawogger
Darsteller: Michael Ostrowski, Ed Hauswirth, Pia Hierzegger
Kinostart: 18. Juni 2009

Es gibt richtig coole Filme und solche, die es gerne sein wollen. CONTACT HIGH gehört leider zu letzterer Kategorie. Erzählt wird die haarsträubende Geschichte einer Tasche ominösen Inhalts , die irgendwo in Polen abgeholt werden soll. Dafür werden ein paar durchgeknallte und meist zugedröhnte Typen rekrutiert. Bald jagt einer den anderen und der ganze Film ist zugekifft. Das Ganze wird dann unterlegt mit lauter, fetziger Musik und der Regisseur findet es vermutlich total abgefahren. Das Publikum wird das bestimmt ganz anders sehen...
Mittwoch, 29. April 2009
Ein Geheimtipp und einer zum Abhaken
Es kann ja nicht jeder Film gut sein. Doch der erste heute Vormittag entschädigte für vieles!

CORALINE (1:1.85, 2K Digital 3D, PCM 5.1)
OT: Coraline
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Henry Selick
Kinostart: 13. August 2009

Mein Highlight in dieser Woche! Wer A NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS mag, der sollte sich dieses neue Meisterwerk von Henry Selick unbedingt anschauen. Das kleine Mädchen Coraline zieht mit ihren Eltern in ein neues Haus mit seltsamer Nachbarschaft. Von ihren Eltern vernachlässigt geht sie alleine auf Entdeckungsreise. Schließlich findet sie eine geheime kleine Tür im Haus, die sie in eine andere Welt führt... Der mit viel Liebe zum Detail produzierte Puppentrickfilm hat für jeden etwas: Herz, Schmerz und schwarzen Humor satt. Für ganz kleine Zuschauer ist er möglicherweise sogar etwas zu gruselig. Ein erwachsenes Publikum allerdings dürfte er ins Staunen treiben. Sehr schön auch die Filmmusik von Bruno Coulais. Der Film wurde uns in der Pressevorführung in einer 3D-Version gezeigt, die erfreulicherweise überhaupt keine aufgesetzten Effekte aufweist. Doch letztendlich ist der Film derart gut, dass man die dritte Dimension gar nicht braucht. Meine Empfehlung: Starttermin schon jetzt dick im Kalender eintragen!

DER WOMANIZER – DIE NACHT DER EX-FREUNDINNEN (1:2.35, DD 5.1)
OT: Ghosts of Girlfriends Past
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Mark S. Waters
Darsteller: Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Lacey Chabert
Kinostart: 28. Mai 2009

Mark S. Waters‘ Komödie ist nichts anderes als eine Neuauflage des altbekannten SCROOGE-Stoffes aus der Feder von Charles Dickens. Einem oberflächlichen Playboy erscheinen am Vorabend der Hochzeit seines Bruders drei Geister und konfrontieren ihn mit der eigenen Vergangenheit und warum er zu einem solchen gefühllosen Kotzbrocken mutierte. Leider kommt der Film nicht ohne die typischen Elemente amerikanischer Hochzeitskomödien aus: kreischende Brautjungfern, eine zerstörte Hochzeitstorte, Verbalerotik. Ohne diese Zutaten hätte mir das Werk bestimmt besser gefallen.
Dienstag, 28. April 2009
Bolivien und Griechenland
Das Hamsterrädchen dreht sich weiter...

CHE – GUERILLA (1:1.85, DD 5.1)
OT: Che: Part Two
Verleih: Central
Land/Jahr: USA 2008
Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Benicio Del Toro, Lou Diamond Phillips, Franka Potente
Kinostart: 23. Juli 2009

Wer jetzt glaubt, Teil 2 von Soderberghs Che-Epos würde mehr Licht in dessen politisches Umfeld bringen als das im ersten Teil der Fall war, der irrt. Ganze zehn Jahre verschweigt uns der Regisseur. Denn der erste Teil endet damit, dass Che und seine Mannen kurz vor den Toren Havannas angekommen waren. Der zweite Teil beginnt zehn Jahre später und widmet sich Ches Aktivitäten in Bolivien, wo er als Guerilla-Kämpfer eine Revolution anzetteln will. Die erste Stunde des Films “handelt” fast ausschließlich von Begrüßungen inmitten bolivianischer Dschungellandschaften. Unzählig viele Namen fallen. Die sind aber genauso bedeutungslos wie die Begrüßungssequenzen selbst, tragen nichts zum Thema des Films bei. Am ehesten lässt sich der Film mit dem Wort “bruchstückartig” charakterisieren. Die spannende Frage ist, ob ein solcher Film zu seinem Publikum finden wird. Da helfen auch Kurzauftritte von Matt Damon und Franka Potente nicht viel...

KLEINE VERBRECHEN (1:1.85, DD 5.1)
OT: Mikro Eglima
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Griechenland/Deutschland 2008
Regie: Christos Georgiou
Darsteller: Aris Servetalis, Vicky Papadopoulou, Rania Iconomidou, Errikos Litsis, Vangelio Andreadaki, Arto Apartian, Eleni Kokkidou
Kinostart: 11. Juni 2009

Auf einer idyllischen griechischen Insel stürzt einer der Einwohner zu Tode. Der etwas dümmliche, aber herzensgute Dorfpolizist, der auf seine Beförderung hofft, wittert ein Verbrechen... Eine hübsche kleine Komödie in reizender Landschaft, die man sich auch gut im Fernsehen wird anschauen können. Den Gang ins Kino rechtfertigt sie indes nicht.
Montag, 27. April 2009
Revolution in Kuba und Spurensuche im Allgäu
Der Pressekalender für diese Woche ist prall gefüllt. Jeden Tag ein Doppelpack!

CHE – REVOLUCION (1:2.35, DD 5.1)
OT: Che: Part One
Verleih: Central
Land/Jahr: USA/Spanien 2008
Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Benicio Del Toro, Julia Ormond, Demian Bichir
Kinostart: 11. Juni 2009

Teil 1 von Steven Soderberghs Epos über Kubas Nationalhelden Che Guevera, inszeniert nach dessen Autobiographie, schildert den Beginn der kubanischen Revolution Ende der fünfziger Jahre. Das ambitionierte Werk lässt leider unbedarfte Zuschauer kalt im Regen stehen, indem es einfach politische Fakten verschweigt oder diese nur in einem Nebensatz abhandelt. Dadurch werden die großen Zusammenhänge nicht deutlich. Auch viele der agierenden Personen werden nur ganz rudimentär eingeführt und nicht weiter vertieft. Optisch hingegen ist der Film gelungen. Der Wechsel zwischen Farbe und Schwarzweiß funktioniert hervorragend. Auch der authentisch-dokumentarische Look ist perfekt gelungen. Der im Original überwiegend in lateinamerikanischem Spanisch gedrehte Film wird vermutlich in einer komplett eingedeutschten Fassung in unsere Kinos kommen, was ihm dann einiges an Authentizität nehmen wird. Sehr überzeugend: Benicio Del Toro als Rebellenführer Che.

DER ROTE PUNKT (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Movienet
Land/Jahr: Deutschland/Japan 2008
Regie: Marie Miyayama
Darsteller: Yuki Inomata, Hans Kremer, Orlando Klaus
Kinostart: 4. Juni 2009

Eine junge Japanerin macht sich auf den Weg von Tokio in ein kleines Dorf im Allgäu, um die Spuren ihrer leiblichen Eltern zu finden, die bei einem Unfall starben... Marie Miyayamas erster abendfüllender Spielfilm wäre besser ein Kurzfilm geworden. Denn gefühlte zweieinhalb Stunden bei einem 82minütigen Film sprechen Bände. Auch erschöpft sich ihre Geschichte schon nach kurzer Zeit, ist diese doch so leicht vorhersehbar. Was besonders stört: die deutschen Darsteller sprechen alle akzentfreies Hochdeutsch – und das als alteingesessene Bayern! Dies stört umso mehr, da sich der Film ansonsten sehr mit der Sprache Mühe gibt: die Japanerin spricht Japanisch (Deutsch untertitelt, versteht sich) und wenn dann sehr gebrochen Deutsch.
Freitag, 24.04.2009
Armutszeugnis mit Alu-Nägeln
Der Filmverleiher hat eine Nachrichtensperre verhängt. Daher lest Ihr diesen Blog-Eintrag frühestens am Montag, obwohl ich ihn bereits am Freitag eingetippt habe.

X-MEN ORIGINS: WOLVERINE (1:2.35, DD 5.1)
OT: X-Men Origins: Wolverine
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Gavin Hood
Darsteller: Hugh Jackman, Ryan Reynolds, Liev Schreiber
Kinostart: 29. April 2009

Nach STAR TREK ereilte mich in dieser Woche noch ein anderes Prequel: nämlich das zur X-MEN Saga. Als jemand, der noch keinen der vorhergehenden drei Teile gesehen hat, muss mein Urteil nach dem Konsum der Vorgeschichte lauten: kein Interesse! Es ist wieder eine jener Superhelden-Geschichten, bei denen Frauenfiguren vollkommen vernachlässigt werden und der Film dadurch zu einem “Guys Only”-Actioner mutiert. Freilich – Frauen kommen hier schon vor. Doch deren Rollen sind nicht weiter erwähnenswert. Und was die Jungs dann so treiben, das reicht leider nicht für einen gelungenen Kinoabend aus. Denn außer sich gegenseitig töten zu wollen, fällt den Mutanten mit Superkräften nicht viel ein. Wenn also die Story derart mau ist, dann konzentrieren wir uns eben auf das “Wie”. Aber auch hier Fehlanzeige. Denn was Bild und Ton angeht, bleibt das Sci-Fi-Fantasy-Spektakel weit hinter den Erwartungen zurück. Die Effekte überzeugen nicht wirklich sondern sehen eben wie Effekte aus. Bei der Tonmischung könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Sounddesigner noch nichts von der Erfindung des Surround-Sounds gehört haben. Und sogar die Musikaufnahmen klingen fast eindimensional. Frage an Hollywood: hat Euch das Geld gefehlt, um einen richtigen Film zu machen?
Donnerstag, 23. April 2009
Montana in Tennessee
Es singt und swingt ganz Tennessee als wär’s ein Stück Bollywood...

HANNAH MONTANA – DER FILM (1:1.85, 2K Digital, PCM 5.1)
OT: Hannah Montana – The Movie
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Peter Chelsom
Darsteller: Miley Cyrus, Emily Osment, Jason Earles
Kinostart: 1. Juni 2009

Die als Teenie-Superstar Hannah Montana ein Doppelleben führende Miley Stewart muss mit ihrem Vater zwangsweise eine Stippvisite bei ihrer Großmutter in einem kleinen Kaff in Tennessee machen. Dort erkennt sie erst nach und nach, dass die wahren Werte nicht im finanziellen Glück zu suchen sind... Dieses typische Disney-Produkt zielt mit aller Kraft auf pubertierende Mädels und solche, die kurz davor sind. Und die werden mit diesem Song & Dance Wohlfühl-Film mit Herz-Schmerz-Einlagen garantiert ihren Spaß haben. Ältere Filmfans sollten allerdings auf einen Besuch des schön fotografierten Werkes verzichten...
Mittwoch, 22. April 2009
Die jungen Wilden
Die Crew der Enterprise hielt mich heute vormittag in Atem...

STAR TREK (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2009
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Eric Bana
Kinostart: 7. Mai 2009

Kaum zu glauben, doch Paramount gönnte der Enterprise und ihrer Besatzung eine radikale Verjüngungskur! Der elfte Kinofilm der legendären STAR TREK Serie fungiert quasi als “Prequel” zur klassischen RAUMSCHIFF ENTERPRISE Fernsehserie. Wir dürfen hautnah miterleben, wie die altbekannte Crew um Kirk und Spock war, bevor sie das wurde, was sie ist. Um die vielen kleinen eingestreuten Witze zu verstehen, muss man die Serie natürlich schon bestens kennen. Aber auch Nicht-Trekkies werden ihren Spaß mit diesem Weltraumabenteuer mit Anleihen bei STAR WARS haben. Was ich persönlich sehr schade fand: es gibt kein so tolles Titelthema mehr, wie es Altmeister Jerry Goldsmith für die Kinofilme komponiert hatte.
Dienstag, 21. April 2009
Der Einbeinige und der Pennäler
Langsam aber stetig tut sich wieder etwas am Stuttgarter Pressehimmel: es gab gleich zwei Screenings heute!

PHANTOMSCHMERZ (1:2.35, DD 5.1 EX)
Verleih: Warner
Land/Jahr: Deutschland 2008
Regie: Matthias Emcke
Darsteller: Til Schweiger, Jana Pallaske, Stipe Erceg
Kinostart: 30. April 2009

Til Schweiger in der Rolle eines geschiedenen Radsportfreaks in Geldnöten, der nach einem Unfall ein Bein verliert und sich daraufhin mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss. Ein teilweise recht rührseliger Film, in dem es weit weniger um reale Phantomschmerzen geht, die nach einer Amputation auftreten können, als vielmehr um die Überwindung des inneren Schweinehunds, um einen Neubeginn zu wagen. Til Schweiger gibt sich in Bestform und wird mittels digitaler Effekte tatsächlich zu einem überzeugenden Einbeiner. Jana Pallaske als sein Neubeginn auf dem Beziehungskonto ist perfekt besetzt.

17 AGAIN (1:2.35, DD 5.1)
OT: 17 Again
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Burr Steers
Darsteller: Zac Efron, Leslie Mann, Thomas Lennon
Kinostart: 14. Mai 2009

Ein Loser erhält in seiner Lebensmitte noch einmal die Chance, wieder 17 zu sein und sein Leben in die Bahnen zu lenken, denen er ständig nachtrauert. Die Geschichte ist jetzt nicht unbedingt neu, doch ganz im Gegensatz zu vielen anderen amerikanischen Komödien verzichtet dieser Film erfreulicherweise auf Fäkalhumor. Stattdessen werden die guten amerikanischen Wertvorstellungen heraufbeschworen. Das mag für Manchen vielleicht genauso schwierig zu ertragen sein, doch ist weitaus harmloser und dazu noch unterhaltend. In den Rollen gut besetztes Wohlfühlkino.
Montag, 20. April 2009
Die (Super)böse Nanny
Schon wieder Montag...was für ein Horror. Da passte ja der Film zum Tag!

DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN (1:1.85, DD 5.1)
OT: The Uninvited
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Charles Guard, Thomas Guard
Darsteller: Arielle Kebbel, Elizabeth Banks, David Strathairn
Kinostart: 28. Mai 2009

Der nächste amerikanisierte Koreaner! Denn das Werk der Gebrüder Guard ist nichts anderes als die Neuverfilmung des spannenden koreanischen Geisterfilms A TALE OF TWO SISTERS. Teenager Anna wird aus der Psychiatrie entlassen, wo sie nach dem grauenvollen Tod ihrer Mutter hatte einsitzen müssen. Sehr zum Missfallen seiner Tochter ist Annas Vater inzwischen fest liiert mit der Krankenpflegerin seiner zu Tode gekommenen Frau. War es damals wirklich ein Unfall? Anna hat Visionen, die sie vom Gegenteil überzeugen... Der leider nur mäßig spannende Film lässt für Freunde gruseliger Geisterfilme viele Wünsche offen. In Bild- und Tongestaltung gut gelungen, vermag der Film nicht wirklich zu fesseln. Ein oder auch zwei Zuckmomente werden durch den Toneinsatz bewirkt, aber deren Wirkung hält nicht lange an. Alles läuft stereotyp nach Schema F und dauert immerhin nicht einmal 90 Minuten. Ich sollte mir unbedingt noch einmal das koreanische Original anschauen, denn da habe ich mich wirklich gegruselt.
Freitag, 17. April 2009
Blasse Doppelagenten
Mein Freitagmittagfilm brachte mich über weite Strecken zum Gähnen...

DUPLICITY – GEMEINSAME GEHEIMSACHE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Duplicity
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Tony Gilroy
Darsteller: Julia Roberts, Clive Owen, Tom Wilkinson
Kinostart: 30. April 2009

Zwei Industriespione lernen sich kennen und lieben und planen gemeinsam das ganz große Ding. Das das natürlich ein paar Haken und Kanten hat ist mehr als logisch – zumal sich die beiden gegenseitig nicht über den Weg trauen! Dass der Film sich immer wieder in Langeweile übt, liegt insbesondere an den beiden Hauptdarstellern. Zwischen Clive Owen und Julia Roberts funkt es einfach nicht. Den Rest erledigt das Drehbuch. Und was noch übrig ist, versaubeutelt die Regie. Aber ich möchte jetzt hier nicht als vollkommen überkritisch erscheinen. Denn wer auf Wer-haut-wen-in-die-Pfanne-Filme steht und seichte Unterhaltung jenseits von Blut und Gewalt mag, der ist bei diesen doppelten Geheimagenten richtig aufgehoben. Was mich ganz persönlich sehr gefreut hat: die 35mm-Kopie hatte eine sehr gute Bildqualität. Aber das macht freilich noch keinen Film aus.
Mittwoch, 15. April 2009
Stirb noch langsamer
Da es aus technischen Gründen, wie es offiziell heisst, keine Pressevorführungen für diesen Film gab, habe ich ihn mir in einer Preview angesehen.

CRANK 2: HIGH VOLTAGE (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Universum (Walt Disney)
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Mark Neveldine, Brian Taylor
Darsteller: Jason Statham, Amy Smart, Bai Ling
Kinostart: 16. April 2009

Eine Dosis Adrenalin gefällig? CRANK 2 liefert das Zeug gleich literweise! Die irrwitzige Geschichte vom Killer, der aussteigen will und nach langem Hin und Her mit einem künstlichen Herzen zu sich kommt und fortan auf der Suche nach dem echten Organ ist, lässt den Zuschauer einfach nicht zur Ruhe kommen. Dabei nimmt sich der Film, dessen Body Count die Fans mehr als erfreuen dürfte, absolut nicht ernst. Mit immer neuen Regieeinfällen (genial: die Titeleinblendung “9 Sekunden später” während einer Verfolgungsjagd zu Fuß!) sorgen die aus der Musikvideobranche entsprungenen Mark Neveldine und Brian Taylor für extrem harten Fun ohne Wenn und Aber. Die beiden Regisseure sind ganz bestimmt mit den köstlichen B-Filmen eines Fred Olen Ray vertraut und man könnte fast vermuten, dass sie mit ihrem Film jener oft zu unrecht gehänselten Subkultur Respekt zollen wollen. Jason Statham in der Rolle des unzerstörbaren Stehaufmännchens macht genau das, was er am besten kann: erst schießen, dann fragen. Ich fühlte mich bei derlei derben Späßen bestens unterhalten.
Montag, 06. April 2009
Ein Hohelied auf die Piraten
Die erste und gleichzeitig letzte Pressevorführung in der Woche vor Ostern...

RADIO ROCK REVOLUTION (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Boat That Rocked
Verleih: Universal
Land/Jahr: Großbritannien 2009
Regie: Richard Curtis
Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Bill Nighy, Rhys Ifans, Kenneth Branagh
Kinostart: 16. April 2009

England Mitte der 60er Jahre. Die BBC strahlt am Tag nur maximal 45 Minuten Rock’n Roll Musik aus. Denn nach wie vor ist diese neuartige Musik höchst anrüchig. Da springen Musikpiraten in die Presche, die 24 Stunden lange jede Menge Rockmusik über den Äther senden – von Bord ihres Schiffes in der Nordsee! Und das will natürlich die britische Regierung verhindern – mit allen Mitteln... Nach TATSÄCHLICH LIEBE (LOVE ACTUALLY) ist THE BOAT THAT ROCKED seine zweite Regiearbeit. Viele Stilelemente erinnern an seinen ersten Film. Sei es die Split-Screen-Technik oder die liebevoll recherchierte Musik. Liebe zum Detail heisst hier das Zauberwort. Doch hat im Erstlingsfilm das Timing noch perfekt gepasst, so weißt sein neuer Film leider erhebliche Längen auf. Die werden zwar immer wieder durch nette Drehbucheinfälle kaschiert, doch es reicht nicht ganz um sie zu vergessen. THE BOAT THAT ROCKED ist voll schrulliger Typen, die allesamt ihr tristes Leben dem Rock’n Roll verschrieben haben und als Radio-DJs fungieren. Im Kontrast dazu gibt es einen herrlich englisch agierenden Kenneth Branagh, den es im Original zu hören gilt! Schon alleine deswegen – und auch wegen des tollen Abspanns, der sich an begeisterte LP-Sammler richtet – ist diese Komödie sehenswert.
Freitag, 03. April 2009
Schatzsuche und Organspende
Leicht Verdauliches aus Frankreich und Erschütterndes aus dem Nahen Osten rundeten heute die quantitativ sehr dürftige Pressewoche ab.

WIR SIND ALLE ERWACHSEN (1:1.85, DD 5.1)
OT: Les Grandes Personnes
Verleih: Alamode (24 Bilder)
Land/Jahr: Frankreich/Schweden 2008
Regie: Anne Novion
Darsteller: Jean-Pierre Darroussin, Anaïs Demoustier, Judith Henry
Kinostart: 7. Mai 2009

Die 17jährige Jeanne verbringt ihre Ferien zusammen mit ihrem Vater an der schwedischen Küste. Unfreiwillig müssen die beiden das kleine Ferienhäuschen mit zwei erwachsenen Frauen teilen, von denen jede ihre eigenen Probleme hat. Aber wer hat die nicht – Jeanne muss ständig ihren pedantischen Vater ertragen, der einen geheimnisvollen Wikingerschatz heben möchte. Und der Vater selbst kommt nicht damit klar, dass seine Tochter allmählich erwachsen wird. Eine liebenswerte, kleine Komödie aus Frankreich, eingehüllt in wunderschöne Bilder. Die Darsteller sind allesamt gut ausgewählt und speziell Anaïs Demoustier in der Rolle der Jeanne hat es mir angetan.

DAS HERZ VON JENIN (1:1.85, Dolby SR)
Verleih: Arsenal
Land/Jahr: Israel/Deutschland 2008
Regie: Lior Geller, Marcus Vetter
Kinostart: 7. Mai 2009

Im Jahre 2007 wird ein palästinensischer Junge versehentlich von Soldaten angeschossen und schwer verletzt. Dem Vater wird nahegelegt, seinen Sohn für Organspenden freizugeben. Der willigt schließlich ein. So kann das Leben von fünf weiteren Kindern gerettet werden. Der Fall erregt Aufsehen in den Medien, da Organe nicht nur an Araber, sondern auch an Juden gespendet werden. Der Dokumentarfilm von Lior Geller und Marcus Vetter schildert den Fall eindringlich und begleitet den Vater ein Jahr später auf seiner Reise zu den Kindern, die durch die Organspende gerettet wurden. Keine einfache Angelegenheit in einem Land im Ausnahmezustand, in dem stets der Konflikt zwischen Araber und Juden schwelt und der auch angesichts von Menschlichkeit keinen Halt macht.


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