Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

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Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
Weitere Termine in Vorbereitung!
Alle Infos gibt es hier


FLITZER
Regisseur Peter Luisi und Hauptdarsteller Beat Schlatter zu Gast in Stuttgart

VOLL VERSCHLEIERT
Regisseurin Sou Abadi zu Gast im Stuttgarter Delphi Filmtheater

DJAM
Hauptdarstellerin Daphne Patakia zu Gast in Stuttgart

SOMMERHÄUSER
Filmpremiere in Stuttgart mit Regisseurin Sonja Maria Kröner

CASTING
Filmpremiere in Stuttgart mit Regisseur Nicolas Wackerbarth

DAS GRÜNE GOLD
Filmpremiere in Stuttgart mit Regisseur Joakim Demmer

DIE BESTE ALLER WELTEN
Filmpremiere in Stuttgart

THE END OF MEAT
Filmemacher Marc Pierschel zu Gast in Stuttgart

HAUS OHNE DACH
MFG-Premiere in Stuttgart mit Regisseurin Soleen Yusef

WESTERN
Regisseurin Valeska Grisebach zu Gast in Stuttgart

DIE GÖTTLICHE ORDNUNG
Petra Volpe und Marie Leuenberger zu Gast in Stuttgart

EINFACH LEBEN
Filmemacher Hans Haldimann zu Gast in Stuttgart

SOMMERFEST
Regisseur Sönke Wortmann zu Gast in Stuttgart

DIL LEYLA
Regisseurin Asli Özarslan zu Gast im Delphi Filmtheater, Stuttgart

MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE
Darsteller Yaniss Lespert zu Gast in Stuttgart

VOLKER ENGEL
Im Gespräch mit dem VFX Supervisor und Oscar-Gewinner

MEIN WUNDERBARES WEST-BERLIN
Regisseur Jochen Hick zu Gast in Stuttgart

Michael Huber & Alex Lemke
Die VFX Supervisoren (Ang Lees "Billy Lynn's Long Halftime Walk")

Berenice Robinson
Disney Animations Vice President Post Production im Gespräch

Christian Lerch, Dolby Sound Consultant
Dolbys Content Service Manager spricht über seine Arbeit und Dolby Atmos

A CONVERSATION WITH KELLY ASBURY
Director, Sony Pictures Animation

A CONVERSATION WITH DAVID E. FLUHR
Re-Recording Mixer at Walt Disney Studios Post Production Services

NATIONAL BIRD
Regisseurin Sonia Kennebeck zu Gast in Stuttgart

BEUYS
Regisseur Andres Veiel zu Gast in Stuttgart

RÜCKKEHR NACH MONTAUK
Volker Schlöndorff zu Gast in Stuttgart

5 FRAUEN
Filmpremiere in Stuttgart mit Olaf Kraemer und Odine Johne

A CONVERSATION WITH PETER LORD
The man who made chicken run - Peter Lord, Creative Director of Aardman

GAZA SURF CLUB
Regisseur Philip Gnadt und Ko-Regisseur/Produzent Mickey Yamine zu Gast in Stuttgart

HAPPY
Regisseurin Carolin Genreith zu Gast in Stuttgart

PAWLENSKI - DER MENSCH UND DIE MACHT
Regisseurin Irene Langemann zu Gast in Stuttgart

DER HUND BEGRABEN
Filmpremiere in Stuttgart

BAUER UNSER
Regisseur Robert Schabus zu Gast in Stuttgart

WILDE MAUS
Filmpremiere in Stuttgart mit Josef Hader

DIE GABE ZU HEILEN
Weltpremiere in Stuttgart

FROM BUSINESS TO BEING
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

NICHT OHNE UNS
Filmpremiere im Stuttgarter Metropol-Kino

DIE BLUMEN VON GESTERN
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

MORRIS AUS AMERIKA
Regisseur Chad Hartigan zu Gast in Stuttgart

INSIDE LUDWIGSBURG SINFONIE
Regisseur Marcel Wehn, Kameramann Jörg Rambaum,
Komponistin Meike Katrin Stein, Projektbetreuer Andreas Fuchs,
Professor für Filmkomposition Matthias Raue
und Produzent Wolfgang Kerber geben Einblicke in die Entstehung
des Stummfilmprojekts "Ludwigsburg Sinfonie"

LOTTE
Hauptdarstellerin Karin Hanczewski und Regisseur Julius Schultheiß zu Gast in Stuttgart

DAS VERSPRECHEN (THE PROMISE)
Regisseur Marcus Vetter und Kameramann Georg Zengerling zu Gast in Stuttgart

DIE LETZTE SAU
Regisseur Aron Lehmann im Interview

SMS FÜR DICH
Karoline Herfurth & Friedrich Mücke zu Gast in Stuttgart

24 WOCHEN
Regisseurin Anne Zohra Berrached zu Gast in Stuttgart

TONI ERDMANN
Regisseurin Maren Ade zu Gast in Stuttgart

ROB LEGATO - Visual Effects Supervisor
Der zweifache Oscar-Gewinner im Interview

DER NACHTMAHR
Regisseur Akiz spricht über guten Sound, breite Bilder und vieles mehr

RICHARD EDLUND - Visual Effects Supervisor
In seinem Fach ist der mehrfache Oscar-Gewinner bereits eine Legende

WILD
Nicolette Krebitz zu Gast in Stuttgart

IMAX 15/70 im National Media Museum, Bradford, UK

IMAX WITH LASER @FILMPALAST AM ZKM, KARLSRUHE
David Keighley & Andrew Cripps - the IMAX force

THINK BIG
Weltpremiere am 08. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Schauburg Cinerama Theater, Karlsruhe

REMEMBERING WIDESCREEN
An exciting new documentary about a very special "family" gathering
Now available on Blu-ray!
More info here: www.remembering-widescreen.de


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"Saturday, the 12th, began with a bang: It was Wolfram Hannemann`s "Remembering Widescreen" movie introduced by himself in a very funny way. A 37 minutes documentary not only about the organizing of the festivals but also with a lot of, never boring, interviews with wide-film-buffs mostly filmed during last year's Widescreen Weekends in the Pictureville Cinema. All, of course, shot in widescreen format. I hope the short will be released on DVD / Blu-Ray sometime. Wolfram – very well done, my congratulations."
Gerhard Witte, Widescreen Aficionado, via www.in70mm.com

"We now have a wonderful record of the WSW!"
Mark Lyndon, MBKS, Writer & Broadcaster, via Facebook

"It's a little piece of WSW history. So proud to be a part of it."
Tony Earnshaw, Film Journalist, via Facebook

"Would love to get a copy of your film....so please let me know when it will be available."
Grant Wakefield, Filmmaker, via E-mail

"Just watched this at Widescreen Weekend. Really excellent documentary. I like how people were just left to put across their point of view and personal opinion."
Paul Shackleton, via Youtube

"...delightful short film..."
Mark Trompeteler, Cinema Technology Vol. 27, No. 3, September 2014

„Es ist schon lobenswert, wenn ein filmbessesener Journalist selbst einen Film dreht. Umso mehr wenn er seiner Leidenschaft für die große Leinwand ein Denkmal setzt. Mit viel ansteckender Begeisterung hat er weitere „Widescreenfans“ zu Wort kommen lassen. Ein gelungenes Plädoyer für die große Leinwand und die Helden die sich darauf tummeln. In der Hoffnung diese Spezies stirbt nicht aus“!
Klaus Pellkofer, Kinobetreiber, Filmkritiker & Rundfunkmoderator

"Wolfram Hannemanns “Remembering Widescreen” ist eine ebenso kundige wie unterhaltsame Dokumentation über eine Szene von Filmenthusiasten, die sich jedes Jahr im britischen Bradford zu einem Festival des alten Großformatkinos trifft. Hannemann, der in seiner No-Budget-Produktion nicht nur die Regie führt, sondern auch die Rollen von Kameramann, Cutter und Komponist übernommen hat, ist selber Teil dieser Szene. In seiner Interviewmontage gelingt es ihm, die Begeisterung für die Breitleinwand (und auch für den guten Ton!) auf den Zuschauer zu übertragen. Man möchte danach sofort einen Filmpalast aufsuchen, um eine gut erhaltene Kopie von "Ben Hur", “Where Eagles dare" oder "2001 - Odyssee im Weltraum" zu sehen, besser: diese Werke im richtigen Format zu erleben."
Rupert Koppold, Filmkritiker & Freier Journalist


"Wolfram Hannemanns kenntnisreich gemachter Kurzfilm über das “Widescreen Weekend”-Festival im englischen Bradford war für mich ein 35 Minuten andauerndes Vergnügen. Sehr informative Interviews mit den Machern, dazu liebevolle Aussagen zahlreiche Festivalbesucher, die mir eine Menge, zum Teil lange vergessene Filme wieder in Erinnerung riefen. Dazu wurden einzelne Titel genannt (zum Beispiel "Zulu" von 1964), von denen ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie gehört hatte. Sie gaben Anlass für eilige Recherchen auf IMDB.

Der Film war wie eine Reise in die gute alte Zeit, lange vor den heute im Platz zwangsläufig oft arg eingegrenzten Multiplexen, als es zwar weder Eis noch Nachos, dafür aber superbreite Leinwände gab, über die ich in meiner Jugendzeit unter anderem Winnetou und Old Shatterhand reiten sah und, um nur einen Titel zu nennen, "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" bewundern konnte. In allen Fällen gab es Mehrfach-Sichtungen, was sich damals angesichts mangelnder Abwechslung (die Schulmädchen-Reporte begannen in dieser Zeit, auf Jahre hinaus die Leinwände zu verstopfen) beinahe von selbst versteht.

70 Millimeter-Filme - und die dazu passenden Kinos - sind heute, wie dieser Film berichtet, Raritäten, zum Glück von Enthusiasten am Leben erhalten und gar zu oft in Regalen achtlos geparkt, vernachlässigt und daher nicht mehr vorführbar. Von dem grandiosen und in der Doku erwähnten "Music Man" (1962) mit Robert Preston soll es zum Beispiel keine intakte Kopie mehr geben.

Wolfram Hannemanns Film ist - leider - auch ein Beweis dafür, wie engstirnig heute die Verantwortlichen in Hollywood auf jene Enthusiasten reagieren, die mit Hingabe und Sachverstand das Ereignis "70 Millimeter" in uns wach halten. Muss man tatsächlich so rigide das Einblenden von einstigen Trailern und sogar das Zeigen eines Plakates von damals verbieten? Es ist - zumindest für mich - nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar, zumal mit Dokumentationen dieser Art ja kein Geld verdient werden soll.

So bietet der Film zwar nur 35 Minuten, die dafür aber voller Gehalt und gespickt mit wissenswerten Informationen sind. Außerdem bleibt es jedem Seher vorbehalten, die Dokumentation für sich selbst nach Herzenslust zu verlängern, weil wir in Gedanken ja jede Menge Filmschnipsel in all die Interviews "reinschneiden" können.

Danke also für einen gelungenen Kinobesuch!"
Reinhard Thiel, Freier Journalist & Filmkritiker


Der Cinemaniker Wolfram Hannemann ist ein kenntnisreicher Liebhaber opulenter Bild- und Tonformate, aber auch der dahinter stehenden Kinotechnik, der gerade endenden Mechanikära im Vorführraum. Sein Dokumentarfilm „Remembering Widescreen“ erzählt nominell vom Widescreen-Weekend beim Bradford International Film Festival in Bradford, einem Mekka der Freunde von 70mm, Cinerama und IMAX. Aber die spannende Sammlung von Interviews ist gar kein Film über Formateigenheiten und Technikgeschichte, über die Problematik der Kopienausbleichung oder die Pflege alter Projektoren. Es geht hier um Menschen, nicht um das strahlende Bild auf der Leinwand, sondern um das Leuchten in den Augen der Zuschauer.

Hannemann lässt in klar durchdachten und abwechslungsreich montierten Einstellungen, die nie das bedrückende Gefühl einer Talking-Head-Galerie entstehen lassen, Besucher und Veranstalter ihre Begeisterung und Motivation darlegen. Es geht um die Liebe zum Kino, hier speziell um jene, die sich an den ganz großen Bildern entzündet hat und ein Leben lang anhielt. Aber wiederfinden können sich hier alle Kinoliebhaber, auch jene, deren Begeisterung nicht von „Lawrence von Arabien“ in voller Pracht angefacht wurde, sondern von der verregneten, unruhig laufenden 35-mm-Kopie eines alten Schwarzweiß-Films aus der B-Produktion eines C-Studios.

Dass die Cinephilen in Bradford nicht einem möglicherweise spöttelnd distanzierten Beobachter von außen Rede und Antwort stehen, sondern ihresgleichen, den sie als Referent und Präsentator kennen, ist ihrer Gelöstheit im Interview anzumerken, ihrer Bereitschaft, privates Glück öffentlich zu machen. Hier wird ihre Liebe zu einem Medium nicht kleingeredet, nicht rationalisiert, schon gar nicht als Irrweg der Auseinandersetzung mit Inhalten getadelt: hier wird die pure Entrückungsqualität von Kino gepriesen. „Remembering Widescreen“ ist absolut sehenswert – und man darf auf Hannemanns weitere Arbeiten zum Thema gespannt sein.
Thomas Klingenmaier, Kulturredakteur der "Stuttgarter Zeitung"

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Wolfram Hannemanns

Kanal

Walhalla   Fliegende Fische   Gottesaue   Bradford   Christmas   Tattoo   Bruno
Die Kunst zu lieben       Väter und andere Katastrophen
Im Gespräch mit Douglas Trumbull
Tabu       Jasmin       Die Kirche bleibt im Dorf
Herr Wichmann aus der dritten Reihe      Dichter und Kämpfer
Bittere Kirschen      Speed      Im Gespräch mit Dietrich Brüggemann
3 Zimmer/Küche/Bad      Die Wand      Gnade      Parked - Gestrandet
Im Gespräch mit Colm Meaney & Darragh Byrne
Im Gespräch mit Hermine Huntgeburth, Leon Seidel & Jacky Ido
Im Gespräch mit David Sieveking      Vergiss mein nicht
Jäger des Augenblicks      The Broken Circle (Langfassung)      5 Jahre Leben
The Broken Circle (Kurzfassung)    Ein Freitag in Barcelona
Wochenendkrieger    Wochenendkrieger - Die Filmmusik
UMMAH - Unter Freunden      Spieltrieb      BKM Preisverleihung
Die Nonne      Scherbenpark      IMAX im Filmpalast am ZKM
Live and Let Live      Kreuzweg      Cerro Torre      Die schöne Krista
Laser Hotline @ FMX 2014      Fascinating India 3D      Monsoon Shootout      Jadoo
Diplomatie      Vicious Brothers      Daniel Stamm      Wolfskinder
Im Labyrinth des Schweigens      Traumland      Ein Hells Angel unter Brüdern
Doktor Proktors Pupspulver      Willkommen auf Deutsch      10 Milliarden
The Forecaster      Das Zimmermädchen Lynn      Beyond Punishment
Victoria      Freistatt      Der Bunker      Die Kleinen und die Bösen
Stung      Paul Hyett talking HOWL      Heil



FANTASY FILMFEST #30 (01.-11-09-2016) - Ein Rückblick

Freitag, 17. November 2017
Die Musik ohne die Superman nicht fliegen kann
Einem meiner Steckenpferde wurde jetzt ein abendfüllender Dokumentarfilm gewidmet

SCORE – EINE GESCHICHTE DER FILMMUSIK (1:1.78, 5.1)
OT: Score – A Film Music Documentary
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Matt Schrader
Kinostart: 04.01.2018

Warum gibt es überhaupt Filmmusik? Braucht man die tatsächlich? Spätestens wenn der renommierte Filmmusiker David Newman erklärt, dass ohne Max Steiners imposante sinfonische Filmmusik die Erstverfilmung von KING KONG zu einer Lachnummer verkommen wäre, dürfte so Manchem klar werden, wie mächtig Filmmusik sein kann. In seiner knapp über 90 Minuten dauernden Dokumentation über Filmmusik begnügt sich Filmemacher Matt Schrader nicht etwa damit, nur ein paar zeitgenössische Filmkomponisten zu porträtieren, sondern nebst Produzenten, Regisseuren, Musikern, Filmhistoriker und Filmkritiker auch eine Wissenschaftlerin vor die Kamera zu holen. Letztere erzählt davon, was Musik und ganz speziell Filmmusik mit dem Körper des Zuschauers bzw. Zuhörers anstellt. Anhand vieler Filmausschnitte sowie einem ganzen Füllhorn an Interviewsegmenten zeigt Schrader hauptsächlich zeitgenössische Komponisten bei ihrer Arbeit – beim Komponieren, Experimentieren, Dirigieren. Als roter Faden dient dem Filmemacher dabei ein Interview mit dem amerikanischen Filmmusikexperten Jon Burlingame, das den gesamten Bogen der Filmmusik von ihren Anfängen bis heute abdeckt. Hans Zimmer, John Williams, Thomas Newman, Rachel Portman, David Arnold, Danny Elfman sowie viele weitere Hochkaräter der Hollywood-Filmmusik sprechen offen über ihre Arbeit, die oft unter Zeitdruck erledigt werden muss und die Komponisten dadurch extrem fordert. Wenn es an dieser Doku dann doch etwas auszusetzen gibt, dann ist es das Handwerkliche. Doch vermutlich ist genau dies dem neuen Zeitgeist geschuldet: Matt Schrader brennt seine Liebeserklärung an die viel zu selten beleuchtete Zunft der Filmkomponistinnen und –komponisten mit einem wahren Schnittfeuerwerk ab. Damit gibt er dem Zuschauer fast nie die Chance, die Menschen hinter den Noten in Ruhe kennenzulernen. Das ständige Wechseln der Perspektiven innerhalb von Interviews sowie das Montieren von Interviews mit verschiedenen Partnern zu einem einzigen Interview strengt auf Dauer an und macht am Ende gar nervös. Nichtsdestotrotz empfiehlt sich der Dokumentarfilm insbesondere für Filmmusikfans, aber nicht ausschließlich. Wer noch nie bewusst Berührung mit diesem Metier hatte, wird hier viel lernen.
Donnerstag, 16. November 2017
Fiesta Mexicana
Dass man immer zu seiner eigentlichen Bestimmung stehen sollte und wie man zu den eigenen Wurzeln findet, haben wir in der heutigen Doppelstunde gelernt

COCO – LEBENDIGER ALS DAS LEBEN (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Coco
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina
Kinostart: 30.11.2017

Der junge Miguel, Sohn einer mexikanischen Schuhmacherfamilie, liebt die Musik über alles – auch wenn seine Großmutter ihn recht massiv vom Musizieren abhält, nur weil der Vater seiner Urgroßmutter wegen der Musik seinerzeit in Ungnade gefallen ist. Am berühmten “Tag der Toten” will Miguel auf dem großen Platz im Dorf zum ersten Mal öffentlich musizieren, doch fehlt ihm eine Gitarre. Da hat er eine Idee: er will sich jene Gitarre “ausborgen”, die im Mausoleum des größten mexikanischen Musikers aller Zeiten aufbewahrt wird. Genau jetzt aber beginnt das größte Abenteuer seines Lebens, das ihn schnurstracks in das Reich der Toten führt... Mit ihrem neuesten Streich COCO beweisen die Pixar-Leute einmal mehr, dass sie animationstechnisch die Nase ganz weit vorn haben. Der von Lee Unkrich und Adrian Molina in Ko-Regie umgesetzte computeranimierte Film ist optisch atemberaubend gelungen – ein Fest der Farben und Formen! Zugegeben: die Story war bei Pixar schon einmal besser (ich erinnere an ALLES STEHT KOPF), aber trotzdem gibt es Szenen, die den Zuschauer wieder emotional tief in den Film hineinziehen werden. Etwas enttäuschend: die Songs im Film wurden eingedeutscht (wie auch alle Schrift-Inserts), was dem Film nicht sonderlich gut bekommt. Schließlich ist die Geschichte in Mexiko angesiedelt und da wäre es einfach nett, die Liedtexte im O-Ton hören zu dürfen (gerne untertitelt, wenn das unbedingt sein muss). Soundtechnisch lässt COCO keine Wünsche offen und dürfte insbesondere in Dolby Atmos Häusern für einen hervorragenden Hörgenuss sorgen.

EINE BRETONISCHE LIEBE (1:1.85, 5.1)
OT: Ôtez-moi D'un Doute
Verleih: Arsenal (Central)
Land/Jahr: Frankreich, Belgien 2017
Regie: Carine Tardieu
Darsteller: François Damiens, Cécile de France, Guy Marchand
Kinostart: 21.12.2017

Ein als Bombenentschärfer arbeitender Vater einer schwangeren Tochter ohne Mann erfährt durch Zufall, dass sein eigener Vater nicht sein biologischer Vater ist. Durch eine Detektivin lässt er de richtigen Vater ausfindig machen und gibt sich ihm nach einigem Zögern zu erkennen. Ohne es zu wissen verliebt er sich auch noch in die Tochter seines biologischen Vaters... Die Suche nach den eigenen Wurzeln ist ein immer wiederkehrendes Thema im Film – doch Carine Tardieu inszeniert es ihrem Film nicht etwa als großes Drama, sondern als eine leichte Komödie mit viel Gefühl und einem grandiosen Ensemble.
Mittwoch, 15. November 2017
Eine Frau wagt sich aufs Eis
Heute gab es ein kleines Fernsehspiel für zwischendurch

DIE ANFÄNGERIN (1:1.85, 5.1)
Verleih: farbfilm
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Alexandra Sell
Darsteller: Ulrike Krumbiegel, Annekathrin Bürger, Stephan Grossmann
Kinostart: 18.01.2018

Das Leben der Ärztin Annebärbel Buschhaus ist in Auflösung. Nicht nur wird die 58jährige Kinderlose über Nacht von ihrem Mann verlassen, auch ihre Mutter, deren Praxis sie mitsamt Patienten übernommen hat, drängt sich immer mehr in ihren Alltag ein und lässt kein gutes Haar an ihr. Schließlich wagt Annebärbel einen Ausbruch aus ihrem bisherigen Leben, schnallt sich Schlittschuhe um und wagt sich auf die Eisfläche, auf der sie zuletzt als Kind stand und eine Niederlage erlitt... Eigentlich läuft der Film nach bewährtem Muster ab: man weiß als Zuschauer einfach, was als nächstes passieren wird. Insofern unterscheidet sich Alexandra Sells Selbstfindungsdrama nicht von einem gewöhnlichen Fernsehfilm – was extrem schade ist. In schauspielerischer Hinsicht jedoch überrascht der Film. So wird die von Ulrike Krumbiegel dargestellte Ärztin zunächst als eine äußerst unangenehme Person eingeführt. Im Verlauf des Films aber gelingt es Krumbiegel, ihre Rolle ins Positive umzukehren, so dass man plötzlich mit ihr fühlt. Auch Krumbiegels Gegenpart, ihre dominante, alles bestimmende Mutter, ist mit Annekathrin Bürger exzellent besetzt. Ihr gelingt die Darstellung einer Frau, die nicht über ihren eigenen Schatten springen kann, hervorragend.
Dienstag, 14. November 2017
Wie uns ein Bär zu besseren Menschen macht
Heute war der große Tag der Fortsetzungen

BURG SCHRECKENSTEIN 2 - KÜSSEN NICHT VERBOTEN! (1:2.35, 5.1)
Verleih: Concorde
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Ralf Huettner
Darsteller: Maurizio Magno, Chieloka Nwokolo, Eloi Christ, Uwe Ochsenknecht
Kinostart: 07.12.2017

Als ein chinesischer Geschäftsmann das überschuldete Schloss Schreckenstein aufkaufen und Stein für Stein nach China transportieren möchte, müssen sich die Jungs vom Internat mächtig ins Zeug legen, um das Schlimmste zu verhindern. Da kommt die Kunde von einem versteckten Schatz gerade recht. Um den jedoch zu finden, müssen sich die Jungen mit den Mädchen von Schloss Rosenfels zusammentun... Ein Jahr nach Teil 1 beschert uns Ralf Huettner nun den zweiten Teil der SCHRECKENSTEIN Saga. Leider entpuppt sich das Werk zum überwiegenden Teil als pure Klamotte. Zwar werden die für Pubertierende so wichtige Themen wie der erste Kuss (auf den Soundtrack unterstützt von Songtexte wie “Wenn Du auf den Mund fällst, warum nicht auf meinen”) mit eingeflochten, treten aber gegenüber den überstrapazierten Komödienanteilen deutlich in den Hintergrund.

PADDINGTON 2 (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Paddington 2
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: Großbritannien, Frankreich 2017
Regie: Paul King
Darsteller: Brendan Gleeson, Sally Hawkins, Hugh Grant, Jim Broadbent
Kinostart: 23.11.2017

Eigentlich will er seiner Tante Lucy nur ein Geburtstagsgeschenk schicken. Doch eine Verkettung unglücklicher Umstände bringt den flauschigen Bären Paddington ala vermeintlichen Dieb ins Gefängnis. Während seine Gastfamilie fieberhaft nach dem wahren Übeltäter sucht, muss sich der kleine Bär mit seinem unfreiwilligen neuen Zuhause und seinen neuen “Freunden” arrangieren... Was für ein bäriges Vergnügen! Da soll noch einer sagen, dass Fortsetzungen nie so gut seien wie die Originale. Paul Kings Inszenierung beweist zumindest das Gegenteil. Mit einem wahren Füllhorn an Einfällen sowie einer wirklich großen Portion an Humor entspinnt er eine phantastische Geschichte für Jung und Alt! Alleine schon die visuelle Umsetzung eines Pop-Up-Buches über London gerät hier zum optischen Meisterwerk. Auch gelacht werden darf immer wieder. Beispielsweise wenn sich Paddington als Friseur versucht und schon vom elektrischen Haarschneider so richtig durchgeschüttelt wird. Da bleibt kein Auge trocken. Oder wenn er als Sträfling das gesamte Gefängnis in eine Wohlfühloase umkrempelt. PADDINGTON 2 empfiehlt sich bestens für die ganze Familie. Unbedingt anschauen! Kleiner Tipp: während des Abspanns nicht sofort das Kino verlassen – da gibt es noch eine herrliche Song & Dance Nummer im Stile alter Musicals.
Samstag, 11. November 2017
Im richtigen Flitzwinkel
Die Schweizer zeigen einmal mehr wie man Zuschauer zum Lachen bringt

FLITZER – MANCHMAL MUSS MAN MUTIG SEIN (1:2.35, 5.1)
OT: Flitzer
Verleih: X Verleih (Warner)
Land/Jahr: Schweiz 2017
Regie: Peter Luisi
Darsteller: Beat Schlatter, Doro Müggler, Bendrit Bajra
Kinostart: 16.11.2017

Lehrer Balz Näf hat ein großes Problem: durch eine Verkettung unglücklicher Umstände hat er das gesamte Geld seiner Schule, das für einen neuen Sportplatz reserviert war, verzockt! Um es möglichst schnell wieder zu beschaffen, bevor es jemand bemerkt, hat er eine ungewöhnliche Idee. Er überredet seinen Friseur und Buchmacher, Sportwetten auf Flitzer anzubieten. Je länger ein Flitzer nackt auf dem Fußballfeld bleibt, desto höher die Quote. Dafür braucht es natürlich qualifizierter Flitzer-Talente. So beginnt Näf mit der Rekrutierung – und ist erfolgreich. Doch eine Sonderkommission der Polizei in Person der attraktiven Sandra Strebel ist schon dabei, dem unscheinbaren Lehrer auf die Schliche zu kommen... Wer hat’s erfunden? Die Frage ist nach dem Humor. Und da liegt man bei den Schweizern gar nicht so daneben, vergleicht man dies beispielsweise mit depperten schwäbischen Möchtegernkomödien. Lieferte bereits Petra Volpe mit DIE GÖTTLICHE ORDNUNG viel Stoff zum Lachen, so setzt Peter Luisi mit seinen Flitzern jetzt noch eins drauf. Natürlich beruht sein Film nicht auf einer wahren Geschichte wie jener von Volpe. Das aber macht ihn deswegen keinesfalls weniger lustig. Eher das Gegenteil ist hier der Fall. Mit vielen witzigen Regieeinfällen fackelt Luisi in seinen Film ein wahres Feuerwerk an Gags ab. Mit Beat Schlatter, der gleichzeitig als Ideenlieferant fungierte, hat Luisi die perfekte Besetzung für Lehrer Näf gefunden, der sich im Laufe des Films von der grauen Maus hin zu einem selbstbewussten Mann entwickelt und am Ende gar über sich selbst hinauswächst. Auch die Nebendarsteller sind allesamt mit feinem Gespür für Komik ausgewählt, wie beispielsweise der kleine aber fiese Bauunternehmer und sein schweigsamer Riese von Vorarbeiter. Das Tüpfelchen auf dem “i” ist die Filmmusik (Martin Skalsky, Michael Duss, Christian Schlumpf), die in teils bester Rachel Portman Manier den Film emotional begeisternd unterstützt. Wenn Sie also wissen wollen, welches der beste Flitzwinkel ist, dann ist FLITZER Ihr Film!
Freitag, 10. November 2017
Herzensangelegenheit
Mit gemischten Gefühlen habe ich heute meine Pressewoche beendet

DIE LEBENDEN REPARIEREN (1:2.35, 5.1)
OT: Réparer Les Vivants
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: Frankreich, Belgien 2016
Regie: Katell Quillévéré
Darsteller: Tahar Rahim, Emmanuelle Seigner, Anne Dorval, Bouli Lanners
Kinostart: 07.12.2017

Als der 17jährige Simon mit zwei Kumpels per Auto von einem kurzen Surf-Trip heimfährt, ereignet sich ein Autounfall. Für Simon kommt jede Hilfe zu spät. Die Ärzte können nur noch seinen Hirntod feststellen. Die eilends herbeigerufenen Eltern sollen darüber entscheiden, ob ihr Sohn jetzt als Organspender fungieren soll. Unterdessen muss sich die zweifache Mutter Claire damit anfreunden, dass ihr Herz immer schwächer wird und sie dringend ein neues Herz benötigt. Eine Fügung des Schicksals verknüpft beide Geschichten miteinander... Regisseurin Katell Quillévéré hat ihren nach einem französischen Bestseller inszenierten Film zweigeteilt. Geht es in der ersten Hälfte noch um den Unfalltod des jungen Simon, der die Eltern mit der schwerwiegenden Entscheidung konfrontiert, ob sie seine Organe für Transplantationen freigeben sollen, so konzentriert sich die zweite Hälfte auf Claire, die dringend auf ein Spender-Herz wartet und letztlich jenes von Simon erhält. Bewegt zumindest der erste Teil des Films noch emotional (wunderbar: die Filmmusik von Alexandre Desplat), so dreht sich im zweiten Teil alles um die Herz-Transplantation und Gefühle werden komplett eliminiert. Stattdessen wird die Operation in aller Ausführlichkeit präsentiert (zart Besaitete werden hier reihenweise umkippen!), ohne das dies die Geschichte irgendwie weiterbringen würde. Spätestens hier darf man Katell Quillévérés Film wohl als eine Aufforderung zur Organspende verstehen. Auch optisch unterscheiden sich die beiden Teile. Während in der ersten Hälfte starke, suggestive Bilder die CinemaScope-Bildwand dominieren, geht es in der zweiten Hälfte extrem nüchtern zu. Da passt das eine dann nicht zum anderen und entlässt den Zuschauer mit fragendem Blick aus dem Kinosaal.
Donnerstag, 09. November 2017
Viel Teig um Nichts
Mein Donnerstag stand ganz im Zeichen eines schwäbisch-französischen Doppelprogramms

LAIBLE UND FRISCH: DO GOHT DR DOIG (1:2.35, 5.1)
Verleih: Kinostar
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Michael Rösel
Darsteller: Winfried Wagner, Simon Licht, Ulrike Barthruff
Kinostart: 28.12.2017

Der Familienbäcker Laible und der Großbäcker Frisch sind sich spinnefeind, drängt Letzterer den anderen durch Dunpingpreise vom Markt. Laibles Familie zieht die Notbremse und verkauft den Traditionsbetrieb an den Konkurrenten. Als Frisch jedoch von seinem eigenen Vater ausgebootet wird, gibt es nur noch eine Möglichkeit: Laible und Frisch müssen sich zusammentun. Oh je! - Wie bereits zwei Kinofilme von DIE KIRCHE BLEIBT IM DORF zementiert jetzt auch Michael Rösel mit seiner Komödie die Meinung, dass Schwaben alles können – außer Humor! Was vielleicht noch in einer TV-Serie funktioniert, geht bei einem abendfüllenden Spielfilm so richtig daneben. Weder wird so richtiges Schwäbisch gesprochen, noch zünden die Gags. Das Ergebnis zieht sich wie Kaugummi – und dürfte damit (die Erfahrung zeigt’s!) womöglich echtes Potenzial für einen Kassenknüller haben. Vom Cast wirkt eigentlich nur Simon Licht überzeugend – den überheblichen Kotzbrocken Frisch hat er richtig gut drauf. Wenn schon die Geschichte nicht zu punkten versteht, dann wenigstens die schönen Bilder von Bad Urach, die meist mit Drohnen aufgenommen wurden, sowie die Filmmusik von Jörg Lemberg, der das Beste aus dem Film herauszuholen versteht. Fazit: wer kein Kopfkino mag, der greife zum DOIG!

OPER. L’OPERA DE PARIS (1:1.85, 5.1)
OT: L' Opéra
Verleih: Kool (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich, Schweiz 2017
Regie: Jean-Stéphane Bron
Kinostart: 28.12.2017

Erinnern Sie sich noch an den grandiosen Dokumentarfilm über das Münchener Opernhaus? GANZ GROSSE OPER war der Titel von Toni Schmids Film, der im Juni in die Kinos kam. Jetzt legt Regisseur Jean-Stéphane Bron nach und porträtiert die Pariser Oper. Anders als in Schmids Film, der Mitarbeiter des Opernhauses zu Wort kommen lässt, nimmt Brons Kamera hier nur eine beobachtende Position ein. Das aber ist genauso spannend. Was tun, wenn ein Sänger wegen Krankheit plötzlich ausfällt? Oder wenn einer der Sänger das Wort “Wurst” einfach nicht richtig ausspricht? Was tun, wenn das Opernhaus durch einen drohenden Streik bedroht wird? Bron zeigt uns in seinem Film den Alltag der Pariser Oper, lässt uns teilhaben ans Proben von Chor, Orchester, Solisten und Tänzern – ja sogar an einem lebendigen Stier, der mit auf die Bühne muss und bei den Beteiligten für Unbehagen sorgt. Er zeigt uns einen jungen Russen, der aus Deutschland kommend ein zweijähriges Engagement an der Pariser Oper erhält und vor Freude kaum an sich halten kann. Auch der Nachwuchs spielt natürlich eine Rolle: das Jugendorchester probt für den ersten großen Auftritt (und erinnert irgendwie an LA MELODIE – DER KLANG VON PARIS, der am Dienstag auf meinem Pressefahrplan stand). Bron gelingt es wie Schmid zuvor, die Faszination Oper einzufangen. Doch im Gegensatz zu Schmids Film macht Bron das (leider) optisch eine Nummer kleiner: statt CinemaScope liefert er seine Bilder nur im kaschierten Breitwandformat und nimmt damit etwas von der Größe der Oper weg.
Dienstag, 07. November 2017
Ein Aufstand alter Männer
Kino der leisen Töne und gepflegte Langeweile – so also geht ein Dienstag im Kino

LA MELODIE – DER KLANG VON PARIS (1:2.35, DD 5.1)
OT: La Mélodie
Verleih: Prokino (24 Bilder)
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Rachid Hami
Darsteller: Kad Merad, Samir Guesmi, Alfred Renely
Kinostart: 21.12.2017

Ein Violonist soll an einer Schule im Pariser Banlieu einer Orchesterklasse Geigenunterricht erteilen und sie schließlich für die Pariser Philharmonie fit machen. Doch das raue Umfeld macht es ihm nicht leicht... Rachid Hami liefert mit seinem Film nicht etwa großes Gefühlskino wie beispielsweise der inhaltlich verwandte DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU, sondern inszeniert seine Geschichte als eine der leisen Töne. Großen Anteil daran hat sein Hauptdarsteller Kad Merad, der entgegen seinen bisherigen Rollen (man erinnere sich nur an WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS) extrem zurückhaltend, ja fast schon depressiv agiert. Dadurch jedoch wirkt der Film über die Bedeutung der Musik als Mittel der Erziehung von Kindern ganz besonders überzeugend. Auch das jugendliche Ensemble um Kad Merad herum gibt sich extrem authentisch. Die Wandlung vom wilden Haufen, der keine Gnade kennt, hin zu musikbegeisterten Geigern ist nachvollziehbar und steckt obendrein auch noch an.

ALTE JUNGS (1:2.35, 5.1)
OT: Rusty Boys
Verleih: Camino
Land/Jahr: Luxemburg 2016
Regie: Andy Bausch
Darsteller: André Jung, Marco Lorenzini, Pol Greisch, Fernand Fox
Kinostart: 04.01.2018

Nuckes, Fons, Lull und Jängi haben die Nase voll vom Altenheim. Unter Nuckes Führung proben die alten Herren den Aufstand. Ihr Ziel: eine Alten-WG gründen, um so ein autonomes Altenheim zu schaffen. Die passende Immobilie scheint auch sogleich gefunden zu sein. Nur am Kleingeld mangelt es. Aber das lässt sich ja irgendwie auftreiben...oder etwa nicht? - Wie viele geriatrische Komödien müssen wir denn noch über uns ergehen lassen? Ein oder zwei sind ja okay, aber spätestens wenn die dritte Auflage wieder alle altbekannten Witze aufwärmt, wird es einfach langweilig. So zieht sich Andy Bauschs Film hin ohne wirklich Neues zu bringen. ALTE JUNGS fühlt sich damit nach Fernsehen an (auch CinemaScope kann darüber nicht hinwegtäuschen). Allenfalls das Ensemble im vorgerückten Alter mag hier noch begeistern – die spielen alle so cool als ob das alles echt wäre.
Montag, 06. November 2017
Ein Film in Öl gemalt
Gleich zum Wochenbeginn buhlten Anspruch und Kommerz um meine Aufmerksamkeit

LOVING VINCENT (1:1.37, 5.1)
OT: Loving Vincent
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Großbritannien, Polen 2017
Regie: Dorota Kobiela, Hugh Welchman
Kinostart: 28.12.2017

Nach dem Tod Vincent van Goghs taucht im Nachlass des Künstlers ein nicht zugestellter Brief von Vincent an seinen Bruder Theo auf. Der junge Armand erhält den Auftrag, den Brief persönlich zuzustellen. Als er in diesem Zusammenhang an der letzten Wirkungsstätte des Malers aufschlägt, beginnt er ganz allmählich an dessen Selbstmord zu zweifeln... Über 100 Künstler waren damit beschäftigt, jedes einzelne Bild des Films in Ölfarben zu malen – und das ganz im Stil van Goghs. Entstanden ist dadurch einer der ungewöhnlichsten Animationsfilme der letzten Jahre mit einer ganz eigenen Ästhetik. Die Suche nach der Wahrheit über Vincent van Goghs Tod bleibt spannend bis zum Schluss und wird untermalt von einem hervorragenden Score aus der Feder von Clint Mansell.

BAD MOMS 2 (1:2.35, DD 5.1 + 7.1)
OT: A Bad Moms Christmas
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Jon Lucas, Scott Moore
Darsteller: Mila Kunis, Kristen Bell, Kathryn Hahn
Kinostart: 09.11.2017

Amy, Kiki und Carla stehen vor der größten Herausforderung im Leben einer Mutter: Weihnachten! Schließlich soll das Fest der Liebe für ihre Kinder die schönste Zeit des Jahres werden. Aber die “Bad Moms” haben die Rechnung ohne ihre eigenen Mütter gemacht. Denn die stehen ganz unverhofft vor den jeweiligen Türen und sorgen dafür, dass Weihnachten zum Alptraum des Jahres wird: die “Bad Grandmas” sind los! - Waren es im ersten Film noch die jungen Mütter, die für Chaos auf der Leinwand sorgten, so sind es jetzt deren Mütter, die ihren Töchtern das Weihnachtsfest vermiesen. Hier jagt ein Gag den anderen – Spaß beiseite: der Film zieht sich wie Kaugummi! Das führt letztlich dazu, dass der in Kapitel eingeteilte Film beim Zuschauer Schweißausbrüche generiert, wenn es heisst “Noch zwei Tage bis Weihnachten”. Denn alleine schon der Gedanke, dass jetzt noch zwei weitere Tage aufgetischt werden, macht beim Zuschauen angst und bang. Wie schon im ersten Film, so tummeln sich die Pointen (sofern man sie so bezeichnen kann) mit Vorliebe unterhalb der Gürtellinie. Wer so etwas mag, dem seien die Bad Grandmas wärmstens empfohlen. Allen Anderen sei dringend davon abgeraten.
Freitag, 03. November 2017
Der pedantische Detektiv
Gemischtes Doppel zum Wochenausklang

DIESES BESCHEUERTE HERZ (1:2.35, 5.1)
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Marc Rothemund
Darsteller: Elyas M'Barek, Philip Noah Schwarz, Nadine Wrietz, Uwe Preuss, Lisa Bitter, Jürgen Tonkel, Tesha Moon Krieg
Kinostart: 21.12.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 07.12.2017 an dieser Stelle


MORD IM ORIENT EXPRESS (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos / auch in 70mm 5.1 Datasat)
OT: Murder On The Orient Express
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Sir Kenneth Branagh
Darsteller: Sir Kenneth Branagh, Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley, Penélope Cruz, Willem Dafoe, Dame Judi Dench, Josh Gad, Derek Jacobi, Michael Peña, Leslie Odom Jr.
Kinostart: 09.11.2017

Eigentlich befindet sich der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot auf Urlaubsreise mit dem Orient Express. Doch wo Poirot ist, da ist das Verbrechen nicht weit. So geschieht es, dass einer der Passagiere, ein dubioser Geschäftsmann, während der Fahrt ermordet wird. Ausgerechnet jetzt sorgt eine Lawine dafür, dass die Lokomotive entgleist. Während die Zugpassagiere auf schnelle Bergung hoffen, beginnt Poirot mit der Aufklärung eines Falles, der sich alsbald als die größte Herausforderung seiner Karriere entpuppt... Mit großem Aufwand hat sich Kenneth Branagh daran gemacht, den Klassiker von Agatha Christie als Remake auf die Leinwand zu bringen. Kein leichtes Unterfangen angesichts des Oscar-prämierten Films von Sidney Lumet aus dem Jahre 1974, in dem Albert Finney die Rolle des Meisterdetektivs Hercule Poirot spielt. Wie Lumet so versammelt auch Branagh ein hochkarätiges Ensemble (besonders erwähnenswert: Johnny Depp als Fiesling) für diese “Whodunit”-Geschichte, die zum überwiegenden Teil im fahruntüchtigen Orient Express spielt. Dabei schlüpft Branagh selbst in die Rolle des Poirot, die er mit dem überdimensionalen Schnauzer perfekt ausfüllt. Um sein Remake bewusst von der Erstverfilmung zu unterscheiden, hat Branagh die Geschichte gleichzeitig etwas aufgepäppelt. Da gibt es eine längere Episode, mit der Poirots Genialität eingeführt wird, noch bevor der Orient Express überhaupt zum Thema wird. Sogar ein paar Action-Elemente hat er integriert (Poirot wird angeschossen!) und den Cast um einen farbigen Darsteller erweitert. Und weil Perfektionist Branagh seinen Film in keinem geringeren Format als 65mm Negativfilm hat aufnehmen lassen, gibt es ein paar spektakuläre Kamerafahrten und Landschaftspanoramen, die insbesondere in den Kinos voll zur Geltung kommen dürften, die den Film mit 70mm-Filmkopien zeigen (wie beispielsweise die Schauburg in Karlsruhe). Ob es wirklich ein Remake braucht, sei einmal dahingestellt. Fakt jedoch ist, dass Branagh spannendes und sehr unterhaltsames Kino abgeliefert hat, das man am besten im englischen Original anschauen sollte (Sorry, aber Willem Dafoe mit österreichischem Akzent in der deutschen Synchro geht gar nicht!). Übrigens hat Branagh gleich schon eine Fortsetzung angelegt, sollte sein Film finanziell erfolgreich sein. Drücken wir ihm die Daumen.
Donnerstag, 02. November 2017
Die Liebe kommt im Schnee
Survivaldrama und Liebesromanze – mit dem Erwerb eines Kinotickets für den heutigen Film schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe

ZWISCHEN ZWEI LEBEN – THE MOUNTAIN BETWEEN US (1:2.35, 5.1 + 7.1)
OT: The Mountain Between Us
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Hany Abu-Assad
Darsteller: Idris Elba, Kate Winslet, Beau Bridges, Dermot Mulroney
Kinostart: 07.12.2017

Weil ihr Flug gecancelt wurde, schließen sich ein Neurochirurg und eine Fotojournalistin zusammen und chartern eine kleine Propellermaschine, um noch pünktlich zu ihren Terminen zu kommen: Er zu einer wichtigen OP, Sie zu ihrer Hochzeit. Doch über der verschneiten Bergwelt schlägt das Schicksal zu: der Pilot erleidet einen Schlaganfall, die Maschine stürzt ab. Nur die beiden Passagiere sowie der Hund des Piloten überleben. In der extremen Natur beginnt ein gnadenloser Überlebenskampf. Und nicht nur das – auch die Liebe schlägt zu... In sehr imposanter Landschaft setzt Regisseur Hany Abu-Assad ein Rührstück um eine ungewollte Liebe in Szene: prächtige, mit Schnee überzogene Bergpanoramen bilden den Hintergrund für den Überlebenskampf von Idris Elba und Kate Winslet. Besonders gelungen ist der Flugzeugabsturz selbst, der ohne bemerkbaren Schnitt und mit 360-Grad-Kamerabewegungen von statten geht. Was die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten angeht: die wird zwar sehr behutsam angegangen und man lässt ihr viel Zeit, sich zu entwickeln. Allerdings – Vorsicht: Spoileralarm! – wirkt die sich an den Survival-Trip anschließende Exposition extrem aufgesetzt. Wenn also der erste Teil des Films die Zuschauer noch nicht zu Tränen gerührt hat, dann soll der zweite Teil hier ganz schnell Abhilfe schaffen. Denn ohne Tränen kommt hier keiner aus dem Kinosaal! Das könnte zumindest die Absicht der Filmemacher gewesen sein, die hier einen Roman von Charles Martin verfilmt haben. Etwas störend fällt auch ins Gewicht, dass Kate Winslet stets gepflegt aussieht – die ganze Zeit. Und das ob fürchterlicher Strapazen in der Wildnis. Passend dazu gibt es dann richtig schöne Waldhüttenromantik mit offenem Kaminfeuer, heisser Suppe und fordernden Blicken. Da geht es halt leider manchmal mit der Inszenierung durch. Immerhin geben Elba und Winslet ein hübsches gemischt-rassiges Paar ab, was in einem amerikanischen Film fast schon eine Sensation darstellt. Störend (und das ist nicht Neues): die klinisch reine deutsche Synchronisation. Wer’s mag...
Mittwoch, 01. November 2017
Im Hohen Norden mordet es sich besser
Es war mal wieder an der Zeit, einen Film nachzusitzen

SCHNEEMANN (1:1.85, DD 5.1 + 7.1)
OT: The Snowman
Verleih: Universal
Land/Jahr: Großbritannien 2017
Regie: Tomas Alfredson
Darsteller: Michael Fassbender, Rebecca Ferguson, Charlotte Gainsbourg, Val Kilmer, J.K. Simmons
Kinostart: 19.10.2017

Als in Oslo eine junge Mutter spurlos verschwindet, werden der alkoholkranke Harry Hole und die Nachwuchskollegin Katrine Bratt auf den Fall angesetzt. Im Verlauf ihrer Recherchen entdecken die beiden Ähnlichkeiten mit anderen Fällen und kommen alsbald einem Serienkiller auf die Spur, der mit der Polizeit ein tödliches Katz- und Maus-Spiel beginnt... Kalte, düstere Landschaften, gebrochene Helden, zerstückelte Leichen. Tomas Alfredsons Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jo Nesbo wirkt wie eine Art Quintessenz aller skandinavischer Krimis. Das hört sich eigentlich ziemlich spannend an. Eigentlich. Leider wirkt Alfredsons Inszenierung eher wie eine Schlaftablette und passt sich damit leider den Sehgewohnheiten altersschwacher Fernsehzuschauer an. Auch die Besetzung vermag hier nicht zu Punkten. Michael Fassbender nimmt man den fürsorglichen Vater nicht ab und Val Kilmer ist mehr Karikatur denn Charakter. Einzig Charlotte Gainsbourg und J.K. Simmons überzeugen in ihren Rollen. Dass am Ende dann auch noch eine Fortsetzung in Aussicht gestellt wird, fühlt sich damit nicht als Versprechen, sondern eher als Drohung an.

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