Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

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Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
jetzt neue Kinotermine!
Alle Infos gibt es hier


GAZA SURF CLUB
Regisseur Philip Gnadt und Ko-Regisseur/Produzent Mickey Yamine zu Gast in Stuttgart

HAPPY
Regisseurin Carolin Genreith zu Gast in Stuttgart

PAWLENSKI - DER MENSCH UND DIE MACHT
Regisseurin Irene Langemann zu Gast in Stuttgart

DER HUND BEGRABEN
Filmpremiere in Stuttgart

BAUER UNSER
Regisseur Robert Schabus zu Gast in Stuttgart

WILDE MAUS
Filmpremiere in Stuttgart mit Josef Hader

DIE GABE ZU HEILEN
Weltpremiere in Stuttgart

FROM BUSINESS TO BEING
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

NICHT OHNE UNS
Filmpremiere im Stuttgarter Metropol-Kino

DIE BLUMEN VON GESTERN
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

MORRIS AUS AMERIKA
Regisseur Chad Hartigan zu Gast in Stuttgart

INSIDE LUDWIGSBURG SINFONIE
Regisseur Marcel Wehn, Kameramann Jörg Rambaum,
Komponistin Meike Katrin Stein, Projektbetreuer Andreas Fuchs,
Professor für Filmkomposition Matthias Raue
und Produzent Wolfgang Kerber geben Einblicke in die Entstehung
des Stummfilmprojekts "Ludwigsburg Sinfonie"

LOTTE
Hauptdarstellerin Karin Hanczewski und Regisseur Julius Schultheiß zu Gast in Stuttgart

DAS VERSPRECHEN (THE PROMISE)
Regisseur Marcus Vetter und Kameramann Georg Zengerling zu Gast in Stuttgart

DIE LETZTE SAU
Regisseur Aron Lehmann im Interview

SMS FÜR DICH
Karoline Herfurth & Friedrich Mücke zu Gast in Stuttgart

24 WOCHEN
Regisseurin Anne Zohra Berrached zu Gast in Stuttgart

TONI ERDMANN
Regisseurin Maren Ade zu Gast in Stuttgart

ROB LEGATO - Visual Effects Supervisor
Der zweifache Oscar-Gewinner im Interview

DER NACHTMAHR
Regisseur Akiz spricht über guten Sound, breite Bilder und vieles mehr

RICHARD EDLUND - Visual Effects Supervisor
In seinem Fach ist der mehrfache Oscar-Gewinner bereits eine Legende

WILD
Nicolette Krebitz zu Gast in Stuttgart

IMAX 15/70 im National Media Museum, Bradford, UK

IMAX WITH LASER @FILMPALAST AM ZKM, KARLSRUHE
David Keighley & Andrew Cripps - the IMAX force

THINK BIG
Weltpremiere am 08. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Schauburg Cinerama Theater, Karlsruhe

REMEMBERING WIDESCREEN
An exciting new documentary about a very special "family" gathering
Now available on Blu-ray!
More info here: www.remembering-widescreen.de


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"Saturday, the 12th, began with a bang: It was Wolfram Hannemann`s "Remembering Widescreen" movie introduced by himself in a very funny way. A 37 minutes documentary not only about the organizing of the festivals but also with a lot of, never boring, interviews with wide-film-buffs mostly filmed during last year's Widescreen Weekends in the Pictureville Cinema. All, of course, shot in widescreen format. I hope the short will be released on DVD / Blu-Ray sometime. Wolfram – very well done, my congratulations."
Gerhard Witte, Widescreen Aficionado, via www.in70mm.com

"We now have a wonderful record of the WSW!"
Mark Lyndon, MBKS, Writer & Broadcaster, via Facebook

"It's a little piece of WSW history. So proud to be a part of it."
Tony Earnshaw, Film Journalist, via Facebook

"Would love to get a copy of your film....so please let me know when it will be available."
Grant Wakefield, Filmmaker, via E-mail

"Just watched this at Widescreen Weekend. Really excellent documentary. I like how people were just left to put across their point of view and personal opinion."
Paul Shackleton, via Youtube

"...delightful short film..."
Mark Trompeteler, Cinema Technology Vol. 27, No. 3, September 2014

„Es ist schon lobenswert, wenn ein filmbessesener Journalist selbst einen Film dreht. Umso mehr wenn er seiner Leidenschaft für die große Leinwand ein Denkmal setzt. Mit viel ansteckender Begeisterung hat er weitere „Widescreenfans“ zu Wort kommen lassen. Ein gelungenes Plädoyer für die große Leinwand und die Helden die sich darauf tummeln. In der Hoffnung diese Spezies stirbt nicht aus“!
Klaus Pellkofer, Kinobetreiber, Filmkritiker & Rundfunkmoderator

"Wolfram Hannemanns “Remembering Widescreen” ist eine ebenso kundige wie unterhaltsame Dokumentation über eine Szene von Filmenthusiasten, die sich jedes Jahr im britischen Bradford zu einem Festival des alten Großformatkinos trifft. Hannemann, der in seiner No-Budget-Produktion nicht nur die Regie führt, sondern auch die Rollen von Kameramann, Cutter und Komponist übernommen hat, ist selber Teil dieser Szene. In seiner Interviewmontage gelingt es ihm, die Begeisterung für die Breitleinwand (und auch für den guten Ton!) auf den Zuschauer zu übertragen. Man möchte danach sofort einen Filmpalast aufsuchen, um eine gut erhaltene Kopie von "Ben Hur", “Where Eagles dare" oder "2001 - Odyssee im Weltraum" zu sehen, besser: diese Werke im richtigen Format zu erleben."
Rupert Koppold, Filmkritiker & Freier Journalist


"Wolfram Hannemanns kenntnisreich gemachter Kurzfilm über das “Widescreen Weekend”-Festival im englischen Bradford war für mich ein 35 Minuten andauerndes Vergnügen. Sehr informative Interviews mit den Machern, dazu liebevolle Aussagen zahlreiche Festivalbesucher, die mir eine Menge, zum Teil lange vergessene Filme wieder in Erinnerung riefen. Dazu wurden einzelne Titel genannt (zum Beispiel "Zulu" von 1964), von denen ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie gehört hatte. Sie gaben Anlass für eilige Recherchen auf IMDB.

Der Film war wie eine Reise in die gute alte Zeit, lange vor den heute im Platz zwangsläufig oft arg eingegrenzten Multiplexen, als es zwar weder Eis noch Nachos, dafür aber superbreite Leinwände gab, über die ich in meiner Jugendzeit unter anderem Winnetou und Old Shatterhand reiten sah und, um nur einen Titel zu nennen, "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" bewundern konnte. In allen Fällen gab es Mehrfach-Sichtungen, was sich damals angesichts mangelnder Abwechslung (die Schulmädchen-Reporte begannen in dieser Zeit, auf Jahre hinaus die Leinwände zu verstopfen) beinahe von selbst versteht.

70 Millimeter-Filme - und die dazu passenden Kinos - sind heute, wie dieser Film berichtet, Raritäten, zum Glück von Enthusiasten am Leben erhalten und gar zu oft in Regalen achtlos geparkt, vernachlässigt und daher nicht mehr vorführbar. Von dem grandiosen und in der Doku erwähnten "Music Man" (1962) mit Robert Preston soll es zum Beispiel keine intakte Kopie mehr geben.

Wolfram Hannemanns Film ist - leider - auch ein Beweis dafür, wie engstirnig heute die Verantwortlichen in Hollywood auf jene Enthusiasten reagieren, die mit Hingabe und Sachverstand das Ereignis "70 Millimeter" in uns wach halten. Muss man tatsächlich so rigide das Einblenden von einstigen Trailern und sogar das Zeigen eines Plakates von damals verbieten? Es ist - zumindest für mich - nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar, zumal mit Dokumentationen dieser Art ja kein Geld verdient werden soll.

So bietet der Film zwar nur 35 Minuten, die dafür aber voller Gehalt und gespickt mit wissenswerten Informationen sind. Außerdem bleibt es jedem Seher vorbehalten, die Dokumentation für sich selbst nach Herzenslust zu verlängern, weil wir in Gedanken ja jede Menge Filmschnipsel in all die Interviews "reinschneiden" können.

Danke also für einen gelungenen Kinobesuch!"
Reinhard Thiel, Freier Journalist & Filmkritiker


Der Cinemaniker Wolfram Hannemann ist ein kenntnisreicher Liebhaber opulenter Bild- und Tonformate, aber auch der dahinter stehenden Kinotechnik, der gerade endenden Mechanikära im Vorführraum. Sein Dokumentarfilm „Remembering Widescreen“ erzählt nominell vom Widescreen-Weekend beim Bradford International Film Festival in Bradford, einem Mekka der Freunde von 70mm, Cinerama und IMAX. Aber die spannende Sammlung von Interviews ist gar kein Film über Formateigenheiten und Technikgeschichte, über die Problematik der Kopienausbleichung oder die Pflege alter Projektoren. Es geht hier um Menschen, nicht um das strahlende Bild auf der Leinwand, sondern um das Leuchten in den Augen der Zuschauer.

Hannemann lässt in klar durchdachten und abwechslungsreich montierten Einstellungen, die nie das bedrückende Gefühl einer Talking-Head-Galerie entstehen lassen, Besucher und Veranstalter ihre Begeisterung und Motivation darlegen. Es geht um die Liebe zum Kino, hier speziell um jene, die sich an den ganz großen Bildern entzündet hat und ein Leben lang anhielt. Aber wiederfinden können sich hier alle Kinoliebhaber, auch jene, deren Begeisterung nicht von „Lawrence von Arabien“ in voller Pracht angefacht wurde, sondern von der verregneten, unruhig laufenden 35-mm-Kopie eines alten Schwarzweiß-Films aus der B-Produktion eines C-Studios.

Dass die Cinephilen in Bradford nicht einem möglicherweise spöttelnd distanzierten Beobachter von außen Rede und Antwort stehen, sondern ihresgleichen, den sie als Referent und Präsentator kennen, ist ihrer Gelöstheit im Interview anzumerken, ihrer Bereitschaft, privates Glück öffentlich zu machen. Hier wird ihre Liebe zu einem Medium nicht kleingeredet, nicht rationalisiert, schon gar nicht als Irrweg der Auseinandersetzung mit Inhalten getadelt: hier wird die pure Entrückungsqualität von Kino gepriesen. „Remembering Widescreen“ ist absolut sehenswert – und man darf auf Hannemanns weitere Arbeiten zum Thema gespannt sein.
Thomas Klingenmaier, Kulturredakteur der "Stuttgarter Zeitung"

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Wolfram Hannemanns

Kanal

Walhalla   Fliegende Fische   Gottesaue   Bradford   Christmas   Tattoo   Bruno
Die Kunst zu lieben       Väter und andere Katastrophen
Im Gespräch mit Douglas Trumbull
Tabu       Jasmin       Die Kirche bleibt im Dorf
Herr Wichmann aus der dritten Reihe      Dichter und Kämpfer
Bittere Kirschen      Speed      Im Gespräch mit Dietrich Brüggemann
3 Zimmer/Küche/Bad      Die Wand      Gnade      Parked - Gestrandet
Im Gespräch mit Colm Meaney & Darragh Byrne
Im Gespräch mit Hermine Huntgeburth, Leon Seidel & Jacky Ido
Im Gespräch mit David Sieveking      Vergiss mein nicht
Jäger des Augenblicks      The Broken Circle (Langfassung)      5 Jahre Leben
The Broken Circle (Kurzfassung)    Ein Freitag in Barcelona
Wochenendkrieger    Wochenendkrieger - Die Filmmusik
UMMAH - Unter Freunden      Spieltrieb      BKM Preisverleihung
Die Nonne      Scherbenpark      IMAX im Filmpalast am ZKM
Live and Let Live      Kreuzweg      Cerro Torre      Die schöne Krista
Laser Hotline @ FMX 2014      Fascinating India 3D      Monsoon Shootout      Jadoo
Diplomatie      Vicious Brothers      Daniel Stamm      Wolfskinder
Im Labyrinth des Schweigens      Traumland      Ein Hells Angel unter Brüdern
Doktor Proktors Pupspulver      Willkommen auf Deutsch      10 Milliarden
The Forecaster      Das Zimmermädchen Lynn      Beyond Punishment
Victoria      Freistatt      Der Bunker      Die Kleinen und die Bösen
Stung      Paul Hyett talking HOWL      Heil



FANTASY FILMFEST WHITE NIGHTS 2017

Dienstag, 25. April 2017
Der Tag der Legenden
Ein begnadeter Musiker und ein großer Staatsmann waren Mittelpunkt des heutigen Presse-Doppels

BORN TO BE BLUE (1:1.85, 5.1)
OT: Born To Be Blue
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Kanada, Großbritannien 2015
Regie: Robert Budreau
Darsteller: Ethan Hawke, Carmen Ejogo, Callum Keith Rennie
Kinostart: 08.06.2017

1966 wird Chet Baker von einem Filmregisseur als Junkie aus einem italienischen Gefängnis geholt, weil er einen Film über den “James Dean des Jazz” oder den “King of Cool” drehen will. Die Afro-Amerikanerin Jane soll die Frau an seiner Seite spielen – und ist auch privat nicht abgeneigt. Doch Chets Junkie-Vergangenheit holt ihn ein und kostet ihn seine Vorderzähne. Damit scheint es vorbei mit einem Comeback. Doch mit Hilfe von Jane sowie eiserner Selbstdisziplin sowie dem Einsatz von Methadon rappelt sich Chet ganz langsam wieder auf... Lange hat es gebraucht, bis der schon 2015 veröffentlichte Film regulär in die deutschen Kinos kommt (im letzten Jahr wurde er immerhin auf dem Filmfest München gezeigt). Doch das Warten hat sich gelohnt. Nicht nur wegen der Musik von Jazz-Legende Chet Baker, sondern insbesondere wegen der starken Performance von Hauptdarsteller Ethan Hawke, der wirklich alles gibt, um in seiner Rolle so authentisch wie möglich zu erscheinen. Aber auch die ihm zuspielenden Nebendarsteller überzeugen in dem von Robert Budreau konventionell inszenierten Film. Allen voran die Britin Carmen Ejogo in der Rolle von Bakers Freundin Jane. Wer sich für Jazzmusik interessiert, wahre Geschichten liebt und tolle Schauspieler bei der Arbeit sehen möchte, dem sei BORN TO BE BLUE wärmstens empfohlen.

CHURCHILL (1:2.35, 5.1)
OT: Churchill
Verleih: SquareOne/Universum (DCM)
Land/Jahr: Großbritannien 2017
Regie: Jonathan Teplitzky
Darsteller: Brian Cox, Miranda Richardson, John Slattery
Kinostart: 25.05.2017

England kurz vor dem D-Day, jenem schicksalhaften Tag, an dem die Alliierten in der Normandie landen werden, um Frankreich von den Nazis zu befreien. Premierminister Winston Churchill will die Pläne zu Fall bringen, um Tausende von jungen Soldaten vor dem sicheren Tod zu bewahren. Vergeblich versucht er, die Amerikaner und auch die eigenen Leute davon zu überzeugen. Damit beginnen die schwersten Stunden seines Lebens... Der von Jonathan Teplitzky nach wahren Begebenheiten in Szene gesetzte Film ist britisches Historienkino vom Feinsten, wie man es von Filmen wie THE KING’S SPEECH kennt. Brian Cox übertrifft sich in der Rolle des großen britischen Staatsmanns, der nicht nur mit seinen inneren Dämonen, sondern auch um seine eigene Ehe kämpfen muss, selbst und liefert einen “Grumpy Old Man”, den man so schnell nicht vergessen wird. Von David Higgs exzellent im Scope-Format eingefangen und von Lorne Balfe mit einer imposanten Filmmusik ausgestattet, lässt der Film ein Stück Geschichte Revue passieren und teilhaben an den schicksalhaften Entscheidungen, mit denen Staatsmänner in Kriegszeiten konfrontiert werden. CHURCHILL ist spannendes und auch emotional überwältigendes Kino gleichermaßen.
Montag, 24. April 2017
Das behaarte Mädchen und die Hebamme
Ouvertüre zu einer (fast) randvollen Pressewoche, die am Wochenende auch noch nahtlos in die Fantasy Filmfest Nights übergeht. Au Backe!

DAS LÖWENMÄDCHEN (1:2.35, 5.1)
OT: Løvekvinnen
Verleih: NFP
Land/Jahr: Norwegen, Deutschland, Schweden 2016
Regie: Vibeke Idsøe
Darsteller: Rolf Lassgård, Aurora Lindseth Løkka, Mathilde Thomine Storm
Kinostart: 31.08.2017

In einer kalten Winternacht des Jahres 1912 bringt die Frau des Stationsmeisters Gustav Arctander eine Tochter zur Welt. Die Frau stirbt, das Kind lebt. Doch Gustav ist verzweifelt: das kleine Wesen ist von Kopf bis Fuß total behaart! Weil er sich ihrer schämt, beschließt der Vater, die Tochter von der Außenwelt abzuschotten... Der von Vibeke Idsoe nach einem Roman von Erik Fosnes Hansen inszenierte Film ist ein Beitrag zum großen Thema “Inklusion”. Dargeboten als großes Gefühlskino mit sinfonischer Filmmusik erzählt er die äußerst bewegende Geschichte eines Mädchens, das nur äußerlich anders als alle anderen, im Inneren aber hochintelligent ist. Von einem Vater aufgezogen, der sich für ihr Äußeres schämt und sie deshalb von der Außenwelt abriegelt, muss Eva ihren ganzen Mut aufbringen, um der Enge ihres Lebens schließlich zu entfliehen und ihren eigenen Weg zu gehen. Seelenverwandt mit David Lynchs DER ELEFANTENMENSCH, zeigt Idsoes Film die vielen Demütigungen, die ein Mensch erfahren muss, wenn er äußerlich nicht in die Norm passt. Auch wenn der Film am Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, hat sich daran auch heute noch kaum etwas geändert. Wer Lust auf einen schönen Kinoabend zu zweit hat, sollte diesen Film allerdings meiden. Denn die anhaltend depressive Grundstimmung drückt schwer aufs Gemüt.

EIN KUSS VON BEATRICE (1:1.85, 5.1)
OT: Sage Femme
Verleih: Universum Film
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Martin Provost
Darsteller: Catherine Deneuve, Catherine Frot, Olivier Gourmet
Kinostart: 08.06.2017

Claire ist eine Hebamme vom alten Schlag. Als alleinerziehende Mutter wehrt sie sich vehement gegen die geplante “Baby-Fabrik”, die ihre bisherige Entbindungsstation obsolet machen wird. Aus heiterem Himmel erhält sie einen Anruf von Beatrice, der ehemaligen Geliebten ihres Vaters. Sie trifft sich mit ihr und erfährt, dass Beatrice an einem Hirntumor leidet und vor ihrem Ableben noch ihre Angelegenheiten regeln möchte. Doch die Lebedame kommt zu spät: Claires Vater ist schon lange tot. Suizid. Damit ist eigentlich für Claire die Begegnung mit Beatrice abgehakt. Die aber lässt nicht locker, hat sie doch sonst niemand mehr, der ihr beistehen kann... Ein irgendwo zwischen Sozialdrama und Komödie angesiedelter Film, der insbesondere von seinen grandiosen Hauptdarstellerinnen lebt. Catherine Deneuve gibt sich als kleine spielsüchtige Furie, die dem Alkohol frönt und auch sonst nichts im Leben verpassen möchte. Catherine Frot ist ihr Gegenpol – sozial engagiert, Vegetarierin und nicht nur dem Alkohol, sondern auch allen anderen kleinen Freuden im Leben entsagend. Die sich langsam entwickelnde Freundschaft zwischen den beiden altersmäßig weit auseinander liegenden Frauen wird am Ende des Films ihre Spuren hinterlassen – im positiven Sinn. Allerdings ist der Film mit einer Spielzeit von knapp zwei Stunden etwas zu lang geraten.
Freitag, 21. April 2017
Sie wollen einen Mord vertuschen
Wo fünf Frauen sind fallen auch Späne oder so ähnlich...

5 FRAUEN (1:2.35, 5.1)
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Deutschland, Frankreich 2016
Regie: Olaf Kraemer
Darsteller: Anna König, Julia Dietze, Odine Johne, Kaya Möller, Stefano Cassetti, Mickey Hardt
Kinostart: 04.05.2017

Einmal im Jahr treffen sich Anna, Ginette, Nora und Steffi bei Marie und verleben ein unbeschwertes Wochenende im südfranzösischen Landhaus von Maries Eltern. Doch dieses Mal kommt alles anders: ein Fremder taucht eines nachts plötzlich im Haus auf – und wird in voller Panik von den Hübschen umgebracht. Als sich die Mädels gerade darauf geeinigt haben, den Mord zu vertuschen, taucht ein zweiter Fremder auf: Marek behauptet, seinen stummen Bruder zu suchen. Der wollte nämlich in der Nacht Hilfe holen, weil die beiden mit ihrem Auto eine Panne hatten. Damit wird die Freundschaft der Frauen plötzlich auf eine harte Probe gestellt. Sind Frauen tatsächlich so? Diese Frage drängte sich mir während des Films immer wieder auf. Und gerade als ich für mich beschlossen hatte, diese Frage mit “Nein” zu beantworten, machte mir das Drehbuch einen Strich durch die Rechnung: bei den fünf Freundinnen handele es sich um Frauen, die sich damals in der Bastelgruppe für verhaltensauffällige Mädchen kennenlernten. So erzählt es zumindest Marie dem männlichen Überraschungsgast. Damit also soll so etwas wie Plausibilität der Geschichte eingehaucht werden. Echt jetzt? Ganz so einfach sollte man sich das nicht machen. Schließlich sind die vor langer Zeit als verhaltensauffällig therapierten Girls zu erfolgreichen Frauen gereift. Dass sie jetzt wieder in die alten Rollen zurückfallen, erscheint mir doch relativ unwahrscheinlich. Aber das ist nicht die einzige Ungereimtheit in Olaf Kraemers Film. Wie schnell beispielsweise Anna die mitten in der Nacht eilends herbeigerufene Polizei wieder los wird, ist ziemlich absurd. Und dass Steffi direkt nach ihrer Ankunft Sex mit dem ihr vollkommen unbekannten Marek hat, könnte fast schon einem Porno entsprungen sein. Was das Drehbuch an Schwächen offenbart, machen dafür die Hauptdarstellerinnen etwas wett. Die unterschiedlichen Charaktere der fünf Schönen werden vom Ensemble überzeugend porträtiert. Überzeugend auch die Kameraarbeit von Clemens Baumeister, der sich nicht nur darauf versteht, die südfranzösische Landschaft in ausladendes CinemaScope zu kadrieren, sondern auch einen geschulten Blick für kleinste Details beweist. Erwähnenswert auch die Filmmusik von Philipp Fabian Kölmel, der seinen Score am Film Noir orientiert und gelegentlich sogar eine Chorstimme einsetzt. Alles in allem wieder ein Film, bei dem leider die technischen Werte die inhaltlichen dominieren. Bei Kraemers nächstem Film wird das ganz bestimmt besser.
Donnerstag, 20. April 2017
Das Leben ist eine Reise
Die einzige Pressevorführung dieser Woche bescherte mir heute einen wundervollen Dokumentarfilm

DIE FARBE DER SEHNSUCHT (1:2.35, 5.1)
Verleih: Piffl
Land/Jahr: Deutschland 2016
Regie: Thomas Riedelsheimer
Kinostart: 01.06.2017

“Das Ziel ist der Ort, von dem wir losgehen”, sagt die Stimme aus dem Off am Ende des Films. Eines Films, in dem es um Sehnsüchte geht. Die Sehnsucht Mensch zu sein, die Sehnsucht eins zu sein mit der Natur, die Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung, Heimat. Sehnsucht ist es, was einen Menschen durch das Leben treiben lässt. Layla aus Doha, Katar, sehnt sich danach, endlich den Schleier fallen lassen zu dürfen, sich ein Schmetterlingstattoo auf ihr Hinterteil stechen zu lassen und mit ihren Kindern Fahrrad fahren zu können. Als muslimische Frau mitten in einer grotesken Welt zwischen Wolkenkratzern, Shopping Malls und Wüstensand sind ihr all diese Dinge jedoch verwehrt. In die Geschichten, die sie schreibt, legt sie ihre ganzen Sehnsüchte. Layla gehört zu den acht Protagonisten in Thomas Riedelsheimers Dokumentarfilm, der von Portugal über Deutschland bis nach Japan und Mexiko reicht und Menschen unterschiedlichster Couleur samt ihren Sehnsüchten und Wünschen porträtiert. In wundervoll arrangierten CinemaScope-Bildern (vom Regisseur selbst eingefangen) lässt er den Zuschauer ganz nah an seine Protagonisten kommen und zeigt, dass selbst in japanischen Slums so etwas wie Sehnsüchte existieren. Genau dort, in Osaka, stellt er eine Dichterin vor, die Obdachlosen durch ihre Poesie eine Stimme gibt. Oder jene Afrikanerin in Lissabon, die sich nach ihrer Heimat und ihren Kindern auf den Kapverden sehnt, aber schon seit über 20 Jahren in Portugal lebt. Beim gemeinsamen Tanzen und Singen mit ihren schwarzen Brüdern und Schwestern stillt sie ihre Sehnsucht. Aber dann ist da auch noch die Sehnsucht nach dem Tod, die sich an einer Steilklippe in Japan manifestiert und mit der sogar ein junger Musiker aus München (der auch gleichzeitig die stimmungsvolle Musik für diesen Film beisteuerte!), der als sensibler Mensch mit dem Freitod seines Schulfreundes zurecht kommen muss. Riedelsheimers Film nimmt den Zuschauer mit auf eine ungewöhnliche Reise und liefert viele Impulse, sich mit dem eigenen Leben und seinen Wünschen und Sehnsüchten auseinanderzusetzen.
Montag, 10. April 2017
Eine punkige Musikrevue
Die letzte Pressevorführung für die kommenden zwei Wochen versorgte uns einmal mehr mit einer Dokumentation

GIMME DANGER (1:1.85, 5.1)
OT: Gimme Danger – Long Live The Stooges
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Iggy Pop, The Stooges
Kinostart: 27.04.2017

Anhand von umfangreichem Archivmaterial sowie aktuellen Interviews mir den noch lebenden Mitgliedern der legendären Punk-Band “The Stooges”, zeichnet Regisseur Jim Jarmusch nicht nur ein detailliertes Porträt dieser Band, sondern gleichzeitig auch einen Rückblick auf die Rockmusikszene jener Zeit. Die Geschichten, die James Osterberg alias Iggy Pop hier zum Besten gibt, sind teilweise so witzig, dass man vom Zuhören einfach nicht genug kriegen kann. Die vielen Geschichten werden visuell oft in Animationen umgesetzt oder mit historischem Filmmaterial, das vorzüglich dazu passt, präsentiert. Etwas vernachlässigt wird dabei allerdings die Musik, die meist nur mit kurzen Konzertausschnitten gezeigt wird. Trotzdem empfiehlt sich der Film nicht nur für Fans der “Stooges”, sondern für alle, die schon immer mal wissen wollten, was in den 1970er Jahren musikalisch abging.
Freitag, 07. April 2017
Sie schwimmen in Liebe
Der Mikrokosmos eines Schwimmbades war der Ausgangspunkt für eine bezaubernde Liebesgeschichte, die uns als Abschluss einer kargen Pressewoche kredenzt wurde

DER EFFEKT DES WASSERS (1:1.85, 5.1)
OT: L'Effet Aquatique
Verleih: Arsenal
Land/Jahr: Frankreich, Island 2016
Regie: Solveig Anspach
Darsteller: Samir Guesmi, Florence Loiret-Caille, Didda Jónsdóttir
Kinostart: 25.05.2017

In einem Vorort von Paris verliebt sich der Kranführer Samir in die Schwimmlehrerin Agathe, die im örtlichen Hallenbad arbeitet. Obwohl er schwimmen kann, gibt er sich als Nichtschwimmer aus, um ungestört mit Agathe anbandeln zu können... DER EFFEKT DES WASSERS ist eine bezaubernde Liebesgeschichte mit herrlich skurrilen Charakteren und Situationen und ein Beweis dafür, dass ansprechende Unterhaltung auch mit weniger als 90 Minuten Spielzeit (hier sind es genau 83) realisiert werden kann. Die Bilder von Kamerafrau Isabelle Razavet sind mit viel Liebe für Details eingefangen und die sparsam eingesetzte Filmmusik lockt den Zuschauer mit viel Sympathie in die Geschichte. Der männliche Protagonist, Samir Guesmi, könnte die französische Ausgabe eines Adam Sandler sein. Optisch zumindest. Mit seinem sehr zurückhaltenden, oft unsicher und gehemmt wirkendem Spiel füllt er die Rolle des Samir perfekt aus. Florence Loiret Caille gibt der Rolle der Agathe gleichzeitig etwas Weiches und Zerbrechliches, aber auch etwas Forsches. Die Zerrissenheit zwischen Verlangen und Loslassen spiegelt sich hervorragend in ihrer Darstellung. Die beiden Darsteller harmonieren wunderbar zusammen – auch wenn ihre Rollen das anfangs noch gar nicht wahrhaben wollen. Regisseurin Solveig Anspach, Jahrgang 1960, starb am 7. August 2015 noch vor Fertigstellung ihres Films. Der Film wurde gemeinsam von Cutterin Anne Riegel, Autor Jean-Luc Gaget, Komponist Martin Wheeler, Tonmann Jean Mallet und Produzent Patrick Sobelman vollendet. Der Film empfiehlt sich als Geheimtipp jenseits des Mainstreams.
Donnerstag, 06. April 2017
Wo Lehrer Schüler sind
Ein interessanter Dokumentarfilm führte mich heute gleich an drei Schulen

ZWISCHEN DEN STÜHLEN (1:2.00, 5.1)
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Deutschland 2016
Regie: Jakob Schmidt
Kinostart: 18.05.2017

Die meisten von uns kennen nur zwei Rollen: entweder ist man Schüler oder man ist Lehrer. Doch es gibt da noch eine dritte Spezies, einen echten Zwitter, der zwischen den Stühlen sitzt: der Referendar. Diesen Zwitter nimmt Regisseur Jakob Schmidt in seinem Dokumentarfilm genauer unter die Lupe. Anhand von zwei Referendarinnen und einem Referendar vermittelt er deren knallharten Alltag zum Greifen nah. Er beobachtet seine drei Protagonisten vom Beginn ihrer Referendarzeit bis hin zur finalen Prüfung. Schnell wird klar, dass Studium und Schulalltag zwei vollkommen verschiedene Welten sind. Da werden schon mal Illusionen zerstört, die man sich während des Studiums davon macht, wie schön es sein muss, Kindern etwas beizubringen. Denn Fachwissen und pädagogische Fähigkeiten sind zweierlei Dinge – und ein Lehrer muss beide beherrschen. Immer wieder lässt Schmidt seine Protagonisten vor der Kamera über sich selbst reflektieren. Selbstzweifel kommen auf: kann ich das? Schaffe ich das? Eine der beiden Frauen erwägt gar eine Zusatzausbildung als Schauspieler, um ihre nicht vorhandene Präsenz im Klassenzimmer zu eliminieren. ZWISCHEN DEN STÜHLEN ist ein Film, den sich vor allem diejenigen anschauen sollten, die mit dem Gedanken spielen, Lehrer zu werden. So manchen dürfte die wilde Schülermeute abschrecken, andere hingegen könnten das durchaus als eine Herausforderung sehen. Der ansonsten gut fotografierte und montierte Film leidet leider an einem oft unzulänglichen Ton, bei dem viele der Dialoge durch Umgebungsgeräusche unterdrückt werden. Vermutlich wurde bei den Filmaufnahmen oft nur mit einem einzigen Mikrofon gearbeitet.
Dienstag, 04. April 2017
Der radikale Künstler
Heute stand mal wieder ein Künstlerporträt auf meinem Stundenplan

BEUYS (1:1.78, 5.1)
Verleih: Piffl
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Andres Veiel
Kinostart: 18.05.2017

Mit einer schier unerschöpflichen Fülle von Archivmaterial sowie aktuellen Interviews einiger Wegbegleiter des 1986 verstorbenen Ausnahmekünstlers versucht sich Filmemacher Andres Veiel an einem Porträt von Joseph Beuys, wobei insbesondere der politische Aspekt seines Wirkens in den Fokus gerückt wird. Filmmaterial, Tonaufnahmen und Fotografien werden in Form von aufwändigen Collagen multimedial aufbereitet und erinnern so an die schillernde Persönlichkeit, die Beuys zu Lebzeiten war. Für Kunstbeflissene ein Pflichtkinobesuch.
Montag, 03. April 2017
Verflossene Liebe
Ein Schriftsteller zwischen zwei Frauen und das Reboot der Verfilmung eines bekannten Jugendbuches standen zum Wochenbeginn auf meiner “To Watch”-Liste

RÜCKKEHR NACH MONTAUK (1:2.35, DD 5.1)
OT: Return To Montauk
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: Deutschland, Frankreich, Iralnd 2017
Regie: Volker Schlöndorff
Darsteller: Stellan Skarsgård, Nina Hoss, Susanne Wolff, Isi Laborde, Niels Arestrup
Kinostart: 11.05.2017

Um seinen neuesten Roman zu promoten, reist der angesehene deutsche Schriftsteller Max Zorn nach New York. Dort erwartet ihn bereits seine jüngere Lebensgefährtin, die seine Lesereise voll unterstützt. Doch Max ist auch noch aus einem anderen, sehr privaten Grund nach New York gekommen: er will seine große Liebe Rebecca wiedersehen, die es dort inzwischen zu einer hochdotierten Anwältin gebracht hat. Heimlich trifft er sich mit ihr und die beiden fahren nach Montauk am Ende von Long Island, jenem Ort, der für ihre Liebe einst so viel bedeutete... Volker Schlöndorffs neuester Film versteht sich nicht etwa als eine Verfilmung von Max Frischs autobiographischer Novelle “Montauk”, sondern entstand nach einem Original-Drehbuch von Colm Toibin und ist als eine Hommage an den großen Schweizer Schriftsteller gedacht. Mit einem wunderbaren Ensemble erzählt der Film von der verlorenen Liebe eines Schriftstellers, die unverhofft wieder kurz aufzuflammen scheint, sich aber dennoch nicht erfüllt. Zu viele Jahre sind vergangen und Max‘ große Liebe Rebecca hat sich längst weiterentwickelt, auch wenn beide es zunächst nicht wahrhaben wollen. Die interessante filmmusikalische Ausgestaltung stützt sich auf einige Stücke von Max Richter sowie einem Score von Thomas Bartlett. Leider geht in der deutschen Synchronfassung die Mehrsprachigkeit des Originals verloren. Trotzdem empfiehlt sich der Film für eine gereifte Generation von Kinogängern, die im Laufe ihre Lebens möglicherweise sogar ähnliche Erfahrungen sammeln durften.

HANNI & NANNI: MEHR ALS BESTE FREUNDE (1:2.35, 5.1)
Verleih: Universal
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Isabell Suba
Darsteller: Laila Meinecke, Rosa Meinecke, Jessica Schwarz, Maria Schrader, Katharina Thalbach, Julia Koschitz, Henry Hübchen
Kinostart: 25.05.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 02.05.2017 an dieser Stelle


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