Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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In eigener Sache:
Als regelmäßigem Besucher meines Filmblogs ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen, dass in letzter Zeit einige Filme nicht rezensiert werden. Das hat seinen Grund. Als ich vor 10 Jahren mit diesem Filmblog begann, bestand die Absicht darin, möglichst alle Filme zu besprechen, denen ein offizieller Start in deutschen Kinos zuteil wurde. Da zur damaligen Zeit praktisch alle Filmverleiher ihre Filme in Stuttgart mit Pressevorführungen bedachten, war dieses hehre Ziel - mit wenigen Ausnahmen - tatsächlich zu erreichen. In den letzten Jahren jedoch verabschiedeten sich immer mehr Filmverleiher aus Stuttgart, d.h. diese Verleiher führen in Stuttgart keine Pressevorführungen mehr durch. Dazu zählen u.a. Warner Brothers, Sony Pictures, Concorde, oder inzwischen auch Disney. All jene Filme, die in Stuttgart keine Pressevorführung erhielten, in regulären Vorführungen "nachzusitzen", ist mir leider momentan aus Zeitgründen nicht möglich; das klappt nur hin und wieder. Die Devise lautet: Mut zur Lücke.

Wolfram Hannemann, im März 2018

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
Weitere Termine in Vorbereitung!
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VERLORENE
Drehbuchautor & Regisseur Felix Hassenfratz zu Gast in Stuttgart

SIBEL
Die Regisseure zu Gast in Stuttgart

DIE SCHNEIDERIN DER TRÄUME
Regisseurin Rohena Gera zu Gast in Stuttgart

MEIN BRUDER HEISST ROBERT UND IST EIN IDIOT
Im Gespräch mit Regisseur Philip Gröning

#FEMALE PLEASURE
Regisseurin Barbara Miller & Produzent Arek Gielnik zu Gast in Stuttgart

25 KM/H
In Gespräch mit Regisseur Markus Goller & Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg

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FANTASY FILMFEST WHITE NIGHTS 2019
Ein Rückblick



Dienstag, 22. Januar 2019
Du kommst hier nicht rein!
Türsteher in Berlin und Schwerverbrecher im Weltall huschten heute über die Leinwand

BERLIN BOUNCER (1:1.85, 5.1)
Verleih: farbfilm
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: David Dietl
Kinostart: April 2019

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 11.02.2019


HIGH LIFE (1:1.66, 5.1)
OT: High Life
Verleih: Pandora
Land/Jahr: Deutschland, Frankreich, Großbritannien 2018
Regie: Claire Denis
Darsteller: Mia Goth, Robert Pattinson, Juliette Binoche, Lars Eidinger
Kinostart: 30.05.2019

Eine Gruppe von Schwerverbrechern wurde in ein Raumschiff verbannt, wo sie den perversen Fortplanzungsversuchen einer Wissenschaftlerin ausgeliefert sind und rast derweil unaufhaltsam auf ein schwarzes Loch zu... Als ziemlich sperrig erweist sich Claire Denis‘ Ausflug in das Sci-Fi-Genre, das vermutlich nur metaphorisch verstanden werden soll. An der Tatsache, dass sich ihr Film weitaus länger anfühlt als er tatsächlich ist, ändert das leider nichts. Die Schlichtheit der visuellen Effekte erinnert an die Low Budget Produktionen längst vergangener Zeiten. SciFi fürs Arthouse Publikum.
Freitag, 18. Januar 2019
Wenn der zweite Mann die erste Geige spielt
Bitterböses aus Amerika stand heute auf dem Spielplan

VICE - DER ZWEITE MANN (1:2.35, DD 5.1)
OT: Vice
Verleih: Universum Film
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Adam McKay
Darsteller: Christian Bale, Amy Adams, Steve Carell, Sam Rockwell
Kinostart: 21.02.2019

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 22.01.2019

Nicht umsonst heisst es, dass Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Denn hier kann sogar ein Taugenichts ohne Hochschulabschluss und ständigem Gerangel mit der Polizei zum einem der einflussreichsten Männer des Landes aufsteigen. Eine solche Geschichte ist die des Dick Cheney, der unter Präsident George W. Bush zu einem der mächtigsten Politiker wurde und dessen Entscheidungen das Land und die Welt bis heute prägen... Mit VICE liefert Regisseur Adam McKay ein ebenso bitterböses wie grandioses Stück Kino ab! Mit einem nicht wiederzuerkennenden Christian Bale in der Rolle des Vizepräsidenten lässt er in fulminanter Weise die vergangenen 60 Jahre amerikanischer Geschichte auf der CinemaScope-Bildwand abrollen und demaskiert Dick Cheney als einen Machtmenschen, der alle Fäden in der Hand hielt und die Präsidenten wie Marionetten benutze, um seine Ziele durchzusetzen. Bale zur Seite stehen Steve Carell als absolut skrupelloser Donald Rumsfeld und Sam Rockwell als unsicherer George W. Bush, die beide in ihren Rollen ebenso überzeugend agieren wie Bale selbst. Mit tollen Regie-Einfällen (einmal beginnt mitten im Film bereits der Abspann, als sich Cheney aus der Politik zurückzieht, nur um sofort wieder abgebrochen zu werden, da ein solches Ende ja viel zu schön gewesen wäre!) verfliegen die 132 Filmminuten wie im Flug. Als Zuschauer bleibt man hier alleine schon deswegen am Ball, weil man neugierig darauf ist, in welcher Beziehung zu der ganzen Geschichte der Erzähler steht, der mal aus dem Off, mal direkt in die Kamera seine Kommentare abliefert. Wie die Faust aufs Auge passt der Song, der zu Beginn des echten Abspanns zu hören ist: “America” aus Leonard Bernsteins WEST SIDE STORY. Sarkastischer geht es fast nimmer! Nicht nur inhaltlich überzeugt McKays Abrechnung mit Amerikas Politik, auch handwerklich brilliert der Film. Dazu gehört auch die Filmmusik von Nicholas Britell, die sich oft in satirischer Überhöhung patriotisch gibt, aber auch gekonnt böse sein kann. Last but not least sei auch noch die Tonspur des Films erwähnt, die extrem dynamisch in ihren Bann zieht. Wer von den Dokus von Michael Moore genug hat, der sollte zur Abwechslung mal diese Politsatire anschauen. Es lohnt. Wirklich.
Donnerstag, 17. Januar 2019
Superhelden in der Psychiatrie
Am späten Abend habe ich mal wieder einen Nachsitztermin absolviert

GLASS (1:2.35, DD 5.1)
OT: Glass
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2019
Regie: M. Night Shyamalan
Darsteller: James McAvoy, Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Sarah Paulson
Kinostart: 17.01.2019

Gemeinsam mit seinem erwachsenen Sohn ist David Dunn auf der Suche nach den vermissten Schülerinnen, die in der Gewalt von Crumb befinden, einer multiplen Persönlichkeit. Durch seine Fähigkeit, mittels Berührung die Gedanken anderer Menschen zu sehen, kann Dunn tatsächlich die Mädchen befreien, wird dabei jedoch wie Crumb auch von der Polizei festgenommen und einer Wissenschaftlerin unterstellt. Ihr bleiben 48 Stunden Zeit, ihre beiden “Patienten” davon zu überzeugen, dass sie sich ihren Superheldenstatus nur einbilden. Doch noch ein Dritter ist im Bunde: Elijah Price, der nur noch schweigend im Rollstuhl sitzt. Price allerdings wartet nur auf den richtigen Moment... GLASS ist der dritte Teil der Trilogie, die Regisseur M. Night Shyamalan vor 19 Jahren mit UNBREAKABLE begonnen hatte und 2016 mit SPLIT fortsetzte. Wer also die ersten beiden Filme nicht gesehen oder längst vergessen hat, sollte dies als Vorbereitung für GLASS nachholen bzw. auffrischen. Es lohnt sich. Denn so erscheinen die Zusammenhänge und die handelnden Personen wesentlich klarer. Die Stärke von Shyamalans neuem Film liegt im Spannungsaufbau, den er zusammen mit Kameramann Mike Gioulakis vor allem über die Bilder entwickelt, die oft ungewöhnliche Perspektiven zeigen und eine ständige Bedrohung suggerieren. Unterstützt werden die Bilder von einem ausgefeilten Sounddesign sowie dem ambitionierten Score von West Dylan Thordson. Zudem hält das Drehbuch ein paar nette Überraschungen parat, so dass Langeweile erst gar nicht entsteht. Der mit HAPPENING beim Publikum in Ungnade gefallene Regisseur ist mit GLASS wieder auf dem besten Weg, spannende Kinounterhaltung zu liefern.
Mittwoch, 16. Januar 2019
RBG
Nach der Doku nun also ein Spielfilm über Amerikas Gerechtigkeits-Ikone

DIE BERUFUNG – IHR KAMPF FÜR GERECHTIGKEIT (1:1.85, DD 5.1)
OT: On The Basis Of Sex
Verleih: Entertainment One (Fox)
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Mimi Leder
Darsteller: Felicity Jones, Armie Hammer, Justin Theroux, Kathy Bates
Kinostart: 07.03.2019

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 22.02.2019
Dienstag, 15. Januar 2019
Wenn Drachen balzen
Um Beziehungen jeglicher Art ging es in den heutigen Pressevorführungen

WIE GUT IST DEINE BEZIEHUNG? (1:2.35, 5.1)
Verleih: X Verleih (Warner)
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Ralf Westhoff
Darsteller: Julia Koschitz, Friedrich Mücke, Bastian Reiber
Kinostart: 28.02.2019

Carola und Steve sind seit fünf Jahren zusammen und könnten der Inbegriff eines glücklichen Paares sein. Als Steve jedoch mit ansehen muss, wie sein bester Freund und Kollege Bob von seiner Freundin für einen älteren Mann verlassen wird, beginnt er seine eigene Beziehung zu hinterfragen. Frei nach dem Motto “Das passiert mir nicht!” beginnt er mit einer Selbstoptimierung – körperlich, seelisch und sexuell. Die arme Carola erkennt ihren Liebsten nicht wieder. Und ihre beste Freundin rät ihr, dem Ganzen zu misstrauen... Nach seinem Abstecher in eine der Alten-WG mit WIR SIND DIE NEUEN findet Drehbuchautor und Regisseur Ralf Westhoff mit WIE GUT IST DEINE BEZIEHUNG? wieder zurück zur pointierten Liebes- und Beziehungskomödie, die er mit DER LETZTE SCHÖNE HERBSTTAG 2010 perfektionierte. Julia Koschitz (damals schon im letztgenannten Film dabei) und Friedrich Mücke spielen heuer das Pärchen, das sich mit alltäglichen Beziehungsproblemen herumquälen muss. Der verbale Schlagabtausch, den sich die beiden zumindest in der ersten Hälfte des Films quasi im Sekundentakt dabei liefern, ist brillant und witzig, aber auch tiefgründig. Vieles von dem, was die beiden vornehmlich in der Küche diskutieren, kennen beziehungsgestresste Zuschauerinnen und Zuschauer garantiert aus der eigenen Erfahrung. Und genau darum ist es ja schön zu sehen, dass es anderen genauso geht – auch wenn es hier nur um Filmfiguren handelt. Die allerdings mit einem reichen Erfahrungsschatz unterfüttert wurden! Aber nicht nur die Hauptfiguren sind wie aus dem Leben geschnitten – auch die Nebenfiguren kennt jeder selbst aus seinem Umfeld. Sei es die ewige (und überzeugte) Single-Frau oder der sitzengelassene Computernerd. Auf den Punkt gebracht auch der Arbeitsplatz Steve, dem coolen Datenbankadministrator, der sich plötzlich von zwei Jüngelchen im Anzug sagen lassen muss, wo es mit der Firma langgeht. Bei all diesen perfekten Zutaten ist es dann umso enttäuschender, dass Westhoffs Film in der zweiten Hälfte seiner 111 Minuten ziemlich nachlässt. Da wird plötzlich nicht mehr alles so trefflich auf den Punkt gebracht, sondern eiert irgendwie herum und gleitet schließlich in eine Farce ab, die eigentlich jeglicher Authentizität entbehrt. Das ist extrem schade, weil der Film damit in die Länge gezogen wird und sein anfangs aufgenommenes Tempo komplett verliert. Darstellerisch gibt es nichts zu mäkeln. Hier beweist Westhoff das Gespür für die ideale Besetzung. Am Ende sei allerdings noch bemerkt, dass uns der Filmverleih den Film nur in einer vorläufigen Fassung präsentierte, was sich insbesondere in einer inakzeptablen Tonmischung niederschlug. Somit sollte diese Rezension als nur vorläufig betrachtet werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Film vor Kinostart noch überarbeitet wird.

DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 3: DIE GEHEIME WELT (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: How To Train Your Dragon: The Hidden World
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Dean Deblois
Kinostart: 07.02.2019

Als der böse Drachentöter Grimmel auftaucht und es auf sämtliche Drachen in Berk abgesehen hat, beschließt Stammeshäuptling Hicks, eine neue und sichere Heimat für die Drachen zu finden. Derweil verliebt sich sein Drache Ohnezahn in ein schönes, weißes Drachenweibchen... Nach dem enttäuschenden zweiten Teil der DRACHENZÄHMEN-Saga nähert sich Dean Deblois dritter Teil wieder den Qualitäten des ersten Films an. So hat es neben rasanter Action auf der CinemaScope-Leinwand noch viel Platz für große Gefühle. Besonders hübsch: das Balzritual des schwarzen und weißen Drachen. Animationstechnisch begeistert vor allem die “Geheime Welt”, die ein wenig an AVATAR erinnert und mit einer wunderbaren Farbenvielfalt die Blicke auf sich zieht. Wie schon für die beiden ersten Teile liefert auch dieses Mal wieder John Powell einen fulminanten Score, den man unbedingt laut hören sollte. Worauf man getrost verzichten kann: 3D bringt bei diesem Film keinen erkennbaren Mehrwert.
Sonntag, 13. Januar 2019
Ruhrpott-Melancholie
Meinen Sonntagnachmittag habe ich mal wieder für einen Nachsitztermin genutzt

DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT (1:2.35, 5.1)
Verleih: Warner
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Caroline Link
Darsteller: Julius Weckauf, Katharina Hintzen, Sönke Möhring
Kinostart: 25.12.2018

Anfang der 1970er Jahre im Ruhrpott. Der kleine Hans-Peter wächst zusammen mit seinem älteren Bruder bei seinen Eltern auf. Umgeben ist er von einem wahren Panoptikum an Charakteren, zu denen vor allem seine beiden “Ommas” gehören. Der aufgeweckte Junge hat ein unglaubliches Talent für Comedy, mit dem er Nachbarn wie Familie immer wieder zum Lachen bringt. Als seine Mutter infolge einer Operation jedoch in eine schwere Depression stürzt, gerät sein bisheriges Leben heftig ins Wanken... Julius Weckauf in der Rolle des kleinen Hans-Peter Kerkeling ist eine Offenbarung für den Film! Mit der Art und Weise wie er spricht und agiert spielt er selbst gestandene Schauspieler glatt an die Wand. Hier ist er ganz klar Star des Films. Eines Films, der sich mit viel Liebe zum Detail und perfektem Zeitkolorit den Jahren 1971 bis 1973 im Leben des Hape Kerkeling widmet und zeigt, wie er wurde was er ist. Alle Darsteller wurden auf Ruhrpott-Slang gedrillt, was auch durchaus überzeugt. Meine schwäbischen Ohren zumindest. Neben Weckauf gibt es noch einen zweiten Akteur im Film, ohne den der Film seine Wirkung längst nicht hätte: den Score von Niki Reiser. Mit Anklängen an AMELIE gibt er dem Film eine emotionale Ebene, die immer wieder zu Tränen rührt – vor Freude oder Trauer. Ein wahrhaftes Wechselbad der Gefühle. Caroline Links Film ist großes Gefühlskino nach einer wahren Geschichte und mit einem berührenden Ende. Ein Film für die ganze Familie. Nach soviel Lob sei noch angemerkt, dass ich persönlich einen Spannungsbogen vermisst habe. So bewegt sich der Film nahezu die ganze Zeit auf derselben Ebene ohne einem Höhepunkt entgegenzufiebern. Das ist zwar ein bisschen schade, hat aber der großartigen Unterhaltung keinen Abbruch getan.
Freitag, 11. Januar 2019
Überleben im Krankenhaus
Ein beliebtes Serienformat kommt auf die Leinwand

CLUB DER ROTEN BÄNDER – WIE ALLES BEGANN (1:2.35, 5.1)
Verleih: Universum Film (Walt Disney)
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Felix Binder
Darsteller: Tim Oliver Schultz, Luise Befort, Nick Julius Schuck, Jürgen Vogel
Kinostart: 14.02.2019

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 05.02.2019
Donnerstag, 10. Januar 2019
Eine bedingungslose Liebe
Asiatisch = episch. Diese Formel gilt immer.

ASCHE IST REINES WEISS (1:1.85, 5.1)
OT: Jiang Hu Er Nv / Ash Is Purest White
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: China 2018
Regie: Jia Zhang-ke
Darsteller: Zhao Tao, Fan Liao
Kinostart: 28.02.2019

Die aus einfachen Verhältnissen stammende Qiao liebt Bin, einen angesagten lokalen Gangster. Ihre Liebe zu ihm ist absolut bedingungslos. So bedingungslos, dass sie für ihn sogar fünf Jahre in den Knast wandert. Als sie entlassen wird, versucht sie wieder Kontakt aufzunehmen. Doch Bin ist unauffindbar... Jia Zhang-ke erzählt seine Geschichte einer bedingungslosen Liebe über einen Zeitraum von 17 Jahren und dokumentiert damit nicht nur die Veränderungen, die diese Liebe über die Jahre erfährt, sondern gleichzeitig auch die Veränderungen, denen China in dieser Zeit unterliegt. Mit 137 Minuten Spielzeit ist der Film typisch asiatisch episch, obgleich seine Zeitsprünge teilweise ziemlich abrupt vonstatten gehen. Mit Zhao Tao hat der Regisseur eine wunderbare Hauptdarstellerin gefunden, die die unterschiedlichen Gefühlslagen der Protagonistin hervorragend zum Ausdruck bringt. ASCHE IST REINES WEISS ist ein eindrucksvoller Liebesfilm vor der authentischen Kulisse eins Landes im Umbruch. Für Kinogänger mit Anspruch.
Mittwoch, 09. Januar 2019
Wenn der Schneepflugmann kommt
Schwarzhumorige Actionkost und ein intensives Drama bestimmten meinen Tagesablauf heute

HARD POWDER (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 +Atmos)
OT: Cold Pursuit
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: Großbritannien 2019
Regie: Hans Petter Moland
Darsteller: Liam Neeson, Emmy Rossum, Laura Dern
Kinostart: 28.02.2019

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 04.02.2019


DER VERLORENE SOHN (1:1.85, 5.1)
OT: Boy Erased
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Joel Edgerton
Darsteller: Lucas Hedges, Joel Edgerton, Russell Crowe, Nicole Kidman
Kinostart: 21.02.2019

Als der 19jährige Jared, Sohn eines streng gläubigen Baptisten-Predigers, sein Coming Out hat, wird er von seinem Vater dazu überredet, sich einem Programm zu unterziehen, das ihn von seiner Homosexualität heilen soll. Nach außen komplett abgeschottet gerät Jared in der Einrichtung unter die Fittiche des selbst ernannten Therapeuten Viktor Sykes, der seinen Patienten mit äußerst fragwürdigen Methoden ihre Veranlagung austreiben will... “Reparativtherapie” nennt sich jene menschenverachtende Umerziehung, mit der unter dem Deckmantel des christlichen Glaubens homosexuelle Männer und Frauen ihrer sexuellen Neigung entledigt werden sollen. Sogar heute noch gibt es diese Einrichtungen, die vornehmlich im amerikanischen “Bible Belt” existieren. Joel Edgertons Film basiert auf der Autobiografie von Garrard Conley, in der er seine Zeit im “Love in Action” Camp rekapituliert. Das handverlesene Ensemble, allen voran Lucas Hedge in der Rolle des Jared, lässt den Film zu einem intensiven Drama werden, das gleichzeitig ein Plädoyer gegen Homophobie und für ein selbstbestimmtes Leben.
Dienstag, 08. Januar 2019
Ziemlich beste Freunde und ein Rentier
Kino im Doppelpack. Wird bei schlechtem Wetter immer wieder gerne genommen

MEIN BESTER & ICH (1:1.85, 5.1)
OT: The Upside
Verleih: Constantin
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Neil Burger
Darsteller: Kevin Hart, Bryan Cranston, Nicole Kidman
Kinostart: 21.02.2019

Dell ist auf Bewährung draußen und braucht Unterschriften. Die bekommt er aber nur, wenn er zu Vorstellungsgesprächen erscheint. Nicht dass er je einen Job wollte. Doch das Schicksal will es, dass er wider allen Hoffnungen von dem querschnittsgelähmten und stinkreichen Philip als Betreuer eingestellt wird – Kost und Logie inklusive. Zwischen den aus vollkommen entgegengesetzten Welten stammenden Männern entwickelt sich im Laufe der Zeit eine ganz besondere Freundschaft... Ein US-Remake einer französischen Erfolgskomödie? Das kann ja eigentlich nur schiefgehen. Mit dem amerikanischen Remake von ZIEMLICH BESTE FREUNDE liefern Regisseur Neil Burger und Drehbuchautor Jon Hartmere den Beweis, das dem tatsächlich so ist. Der Charme des Originals wird hier einfach in den Wind geblasen. Nicht nur das: es wurden Handlungselemente komplett umgeschrieben. Oder besser: amerikanisiert. Denn hier lebt Dell jetzt den amerikanischen Traum: am Ende des Films hat er mit dem Startkapital, das er durch den Verkauf seines Bildes erhält, eine Firma eröffnet, die Spezialrollstühle fertigt. Dass auch noch Philips Liebesgeschichte mit seiner Brieffreundin ein vollkommen anderes Ende nimmt, ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass man Nicole Kidmans (Neben)Rolle mehr Bedeutung zuschanzen wollte (oder musste?). Auch die Musik wurde gegenüber dem französischen Original verändert: die fetzigen Rhythmen von Earth, Wind & Fire müssen der Soul-Queen Aretha Franklin weichen – möglicherweise nur, damit man der kürzlich verstorbenen Sängerin ein “In Memory”-Credit im Abspann widmen kann. Was die Schauspieler angeht: die tun wirklich ihr ziemlich Bestes, doch hat ein Kevin Hart keine Chance gegen die Charmeoffensive eines Omar Sy! Ärgerlich, wenn es am Anfang des Films dann noch heisst “Based On A True Story”. Das stimmt natürlich für das französische Original, hat aber mit dieser amerikanisierten Fassung nichts zu tun. Selbst wenn man die US-Fassung vollkommen losgelöst vom Original betrachtet, passt das ganze Konzept an vielen Stellen einfach nicht zusammen. Da fehlt es beispielsweise an einer plausiblen Unterfütterung, wenn Philip seinen zum Freund gewordenen Betreuer plötzlich auf die Straße setzt. Wer das französische Original kennt, dem sei dringend vom Besuch dieses Remakes abgeraten. Und wer das französische Original noch nicht gesehen hat, der sollte das jetzt im Heimkino nachholen und auf dieses ziemlich schlechte Remake gänzlich verzichten..

AILOS REISE – GROSSE ABENTEUER BEGINNEN MIT KLEINEN SCHRITTEN (1:2.35, 5.1)
OT: Ailo: Une Odyssée En Laponie
Verleih: Ascot Elite (NFP)
Land/Jahr: Frankreich, Finnland, Norwegen 2018
Regie: Guillaume Maidatchevsky
Kinostart: 14.02.2019

In seinem Dokumentarfilm verfolgt Guillaume Maidatchevsky mit seiner Kamera das erste Lebensjahr eines Rentiers in Lappland – von seiner Geburt bis zum ersten Geburtstag. In überwältigend schönen Bildern erzählt er von den vielen Gefahren, die auf das Ailo getaufte Rentier im kalten, wilden Norden warten. Für Bären, Wölfe oder auch das “Phantom der Taiga”, den Allesfresser, ist das kleine Rentier eine lohnende Beute. Die gefahrvollen Momente im Film werden freilich zu Gunsten Ailos aufgelöst, so dass jüngere Zuschauer nicht unnötig traumatisiert werden. Allerdings gilt in der freien Natur das Gesetz “Fressen oder gefressen werden”, was aber nur in einer Szene des Films – aus sicherer Distanz – bebildert wird. Für viel Abwechslung und Spaß sorgen lustige Gesellen wie der schneeweiße Hermelin, der mit großer Nervosität und blitzschnell über die gesamte Breite des CinemaScope-Bildes wuselt, mal am einen Ende der Leinwand blinzelt, mal am anderen. Auch die Begegnung des kleinen Ailo mit einem noch kleineren Hasen verläuft höchst amüsant und dürfte das Publikum verzücken. Die großartigen Naturaufnahmen erscheinen durch die unterlegte Filmmusik noch großartiger und erfahren sogar am Ende noch eine atemberaubende Steigerung, wenn die schneebedeckten Bäume wie Eisskulpturen wirken. Aus dem Off kommentiert Anke Engelke die deutsche Fassung des Films. Es ist bei solchen Filmen immer wieder grenzwertig, wenn durch den Kommentar allzu viele menschliche Gefühle in die Tiere hineininterpretiert werden, doch hält es sich in diesem Fall in einem erträglichen Rahmen.
Montag, 07. Januar 2019
Zwei Königinnen
Mit einem Exkurs in die britische Geschichte begann für mich heute offiziell das Filmjahr 2019

MARIA STUART, KÖNIGIN VON SCHOTTLAND (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Mary Queen Of Scots
Verleih: Universal
Land/Jahr: Großbritannien 2018
Regie: Josie Rourke
Darsteller: Saoirse Ronan, Margot Robbie, Maria Dragus, Guy Pearce
Kinostart: 17.01.2019

Nach dem Tod ihres Ehemanns kehrt Maria Stuart mit 18 Jahren 1561 von Frankreich nach Schottland zurück und beansprucht den schottischen Thron für sich. Damit entbrennt ein Machtkampf zwischen ihr und ihrer Cousine Elizabeth, der Königin von England. Ein Machtkampf, der in beiden Lagern alsbald zu Intrigen und Verschwörungen führt... Was von Josie Rourkes Rückblick auf die britische Geschichte haften bleibt, ist die darstellerische Leistung insbesondere von Saoirse Ronan als Maria Stuart. In der Rolle als tolerante Monarchin spielt sie ihre Widersacherin Margot Robbie als Königin Elizabeth glatt an die Wand. Ob sich alles so ereignet hat wie im Film dargestellt ist schwer zu beurteilen, doch scheint sicher zu sein dass Maria Stuart in ihrer Toleranz gegenüber Menschen anderen Glaubens und anderer sexueller Orientierung ihrer Zeit weit voraus war. Gekonnt versteht es Kameramann John Mathieson, die raue schottische Landschaft sowie Burgen und Paläste ins rechte Licht zu rücken, untermalt von Max Richters teils an Peter Greenaway erinnernder Score. Rourkes Film hat nur ganz wenige Action-Einlagen und konzentriert sich mehr auf die Intrigen am englischen und schottischen Hof sowie die Rivalität zwischen Maria und Elizabeth. Arthouse-Kino für Geschichsinteressierte.
Mittwoch, 02. Januar 2019
Minimalistisches Kammerspiel
Neues Jahr, neue Filme. Zum Auftakt ein Drama aus der Konserve

VERLORENE (1:2.35, 5.1)
Verleih: W-film
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Felix Hassenfratz
Darsteller: Maria Dragus, Anna Bachmann, Clemens Schick
Kinostart: 17.01.2019

Das Kaff Warmbronn in Süddeutschland. Hier leben die beiden Schwestern Maria und Hannah zusammen mit ihrem Vater, die Mutter lebt nicht mehr. Während Maria ihre Erfüllung beim Orgelspiel in der Kirche zu finden scheint, macht die jüngere Hannah lieber Party mit ihren Freundinnen. Alles ändert sich, als der Vater einen jungen Zimmermann auf der Walz bei sich aufnimmt, in den sich Maria verliebt. Doch sie kann offenbar nicht zu ihren Gefühlen stehen, was Hannah verwundert. Erst als sie zufällig ihre Schwester beim Sex mit dem Vater beobachtet, wird ihr klar, was der Grund dafür ist... Bernhard Kellers Kamera bleibt immer ganz nah bei den Protagonisten, isoliert diese oft durch einen bewusst gewählten unscharfen Hintergrund und verdeutlicht dadurch ihren Seelenzustand. Besonders wirkungsvoll in CinemaScope. In Felix Hassenfratzs Regiedebüt gibt es keine Filmmusik im eigentlich Sinn, sondern nur On-Screen-Musik. Durch den Verzicht auf einen Score gestaltet sich das Drama weitaus intensiver. Besonders Maria Dragus begeistert in ihrer Rolle als Maria, die vor allem ihre Schwester beschützen möchte, aber durch die Ankunft des jungen Zimmermanns in einen tiefen Gewissenskonflikt gestürzt wird. Zur Authentizität des Films trägt auch der schwäbische Dialekt bei, an dem sich die Darsteller versuchen (was ihnen auch durchaus gelingt). Hassenfratzs Film ist ein kammerspielartig inszeniertes, minimalistisches Drama mit ungewissem Ausgang.

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