Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

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Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
Weitere Termine in Vorbereitung!
Alle Infos gibt es hier


THE END OF MEAT
Filmemacher Marc Pierschel zu Gast in Stuttgart

HAUS OHNE DACH
MFG-Premiere in Stuttgart mit Regisseurin Soleen Yusef

WESTERN
Regisseurin Valeska Grisebach zu Gast in Stuttgart

DIE GÖTTLICHE ORDNUNG
Petra Volpe und Marie Leuenberger zu Gast in Stuttgart

EINFACH LEBEN
Filmemacher Hans Haldimann zu Gast in Stuttgart

SOMMERFEST
Regisseur Sönke Wortmann zu Gast in Stuttgart

DIL LEYLA
Regisseurin Asli Özarslan zu Gast im Delphi Filmtheater, Stuttgart

MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE
Darsteller Yaniss Lespert zu Gast in Stuttgart

VOLKER ENGEL
Im Gespräch mit dem VFX Supervisor und Oscar-Gewinner

MEIN WUNDERBARES WEST-BERLIN
Regisseur Jochen Hick zu Gast in Stuttgart

Michael Huber & Alex Lemke
Die VFX Supervisoren (Ang Lees "Billy Lynn's Long Halftime Walk")

Berenice Robinson
Disney Animations Vice President Post Production im Gespräch

Christian Lerch, Dolby Sound Consultant
Dolbys Content Service Manager spricht über seine Arbeit und Dolby Atmos

A CONVERSATION WITH KELLY ASBURY
Director, Sony Pictures Animation

A CONVERSATION WITH DAVID E. FLUHR
Re-Recording Mixer at Walt Disney Studios Post Production Services

NATIONAL BIRD
Regisseurin Sonia Kennebeck zu Gast in Stuttgart

BEUYS
Regisseur Andres Veiel zu Gast in Stuttgart

RÜCKKEHR NACH MONTAUK
Volker Schlöndorff zu Gast in Stuttgart

5 FRAUEN
Filmpremiere in Stuttgart mit Olaf Kraemer und Odine Johne

A CONVERSATION WITH PETER LORD
The man who made chicken run - Peter Lord, Creative Director of Aardman

GAZA SURF CLUB
Regisseur Philip Gnadt und Ko-Regisseur/Produzent Mickey Yamine zu Gast in Stuttgart

HAPPY
Regisseurin Carolin Genreith zu Gast in Stuttgart

PAWLENSKI - DER MENSCH UND DIE MACHT
Regisseurin Irene Langemann zu Gast in Stuttgart

DER HUND BEGRABEN
Filmpremiere in Stuttgart

BAUER UNSER
Regisseur Robert Schabus zu Gast in Stuttgart

WILDE MAUS
Filmpremiere in Stuttgart mit Josef Hader

DIE GABE ZU HEILEN
Weltpremiere in Stuttgart

FROM BUSINESS TO BEING
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

NICHT OHNE UNS
Filmpremiere im Stuttgarter Metropol-Kino

DIE BLUMEN VON GESTERN
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

MORRIS AUS AMERIKA
Regisseur Chad Hartigan zu Gast in Stuttgart

INSIDE LUDWIGSBURG SINFONIE
Regisseur Marcel Wehn, Kameramann Jörg Rambaum,
Komponistin Meike Katrin Stein, Projektbetreuer Andreas Fuchs,
Professor für Filmkomposition Matthias Raue
und Produzent Wolfgang Kerber geben Einblicke in die Entstehung
des Stummfilmprojekts "Ludwigsburg Sinfonie"

LOTTE
Hauptdarstellerin Karin Hanczewski und Regisseur Julius Schultheiß zu Gast in Stuttgart

DAS VERSPRECHEN (THE PROMISE)
Regisseur Marcus Vetter und Kameramann Georg Zengerling zu Gast in Stuttgart

DIE LETZTE SAU
Regisseur Aron Lehmann im Interview

SMS FÜR DICH
Karoline Herfurth & Friedrich Mücke zu Gast in Stuttgart

24 WOCHEN
Regisseurin Anne Zohra Berrached zu Gast in Stuttgart

TONI ERDMANN
Regisseurin Maren Ade zu Gast in Stuttgart

ROB LEGATO - Visual Effects Supervisor
Der zweifache Oscar-Gewinner im Interview

DER NACHTMAHR
Regisseur Akiz spricht über guten Sound, breite Bilder und vieles mehr

RICHARD EDLUND - Visual Effects Supervisor
In seinem Fach ist der mehrfache Oscar-Gewinner bereits eine Legende

WILD
Nicolette Krebitz zu Gast in Stuttgart

IMAX 15/70 im National Media Museum, Bradford, UK

IMAX WITH LASER @FILMPALAST AM ZKM, KARLSRUHE
David Keighley & Andrew Cripps - the IMAX force

THINK BIG
Weltpremiere am 08. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Schauburg Cinerama Theater, Karlsruhe

REMEMBERING WIDESCREEN
An exciting new documentary about a very special "family" gathering
Now available on Blu-ray!
More info here: www.remembering-widescreen.de


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Facebook

"Saturday, the 12th, began with a bang: It was Wolfram Hannemann`s "Remembering Widescreen" movie introduced by himself in a very funny way. A 37 minutes documentary not only about the organizing of the festivals but also with a lot of, never boring, interviews with wide-film-buffs mostly filmed during last year's Widescreen Weekends in the Pictureville Cinema. All, of course, shot in widescreen format. I hope the short will be released on DVD / Blu-Ray sometime. Wolfram – very well done, my congratulations."
Gerhard Witte, Widescreen Aficionado, via www.in70mm.com

"We now have a wonderful record of the WSW!"
Mark Lyndon, MBKS, Writer & Broadcaster, via Facebook

"It's a little piece of WSW history. So proud to be a part of it."
Tony Earnshaw, Film Journalist, via Facebook

"Would love to get a copy of your film....so please let me know when it will be available."
Grant Wakefield, Filmmaker, via E-mail

"Just watched this at Widescreen Weekend. Really excellent documentary. I like how people were just left to put across their point of view and personal opinion."
Paul Shackleton, via Youtube

"...delightful short film..."
Mark Trompeteler, Cinema Technology Vol. 27, No. 3, September 2014

„Es ist schon lobenswert, wenn ein filmbessesener Journalist selbst einen Film dreht. Umso mehr wenn er seiner Leidenschaft für die große Leinwand ein Denkmal setzt. Mit viel ansteckender Begeisterung hat er weitere „Widescreenfans“ zu Wort kommen lassen. Ein gelungenes Plädoyer für die große Leinwand und die Helden die sich darauf tummeln. In der Hoffnung diese Spezies stirbt nicht aus“!
Klaus Pellkofer, Kinobetreiber, Filmkritiker & Rundfunkmoderator

"Wolfram Hannemanns “Remembering Widescreen” ist eine ebenso kundige wie unterhaltsame Dokumentation über eine Szene von Filmenthusiasten, die sich jedes Jahr im britischen Bradford zu einem Festival des alten Großformatkinos trifft. Hannemann, der in seiner No-Budget-Produktion nicht nur die Regie führt, sondern auch die Rollen von Kameramann, Cutter und Komponist übernommen hat, ist selber Teil dieser Szene. In seiner Interviewmontage gelingt es ihm, die Begeisterung für die Breitleinwand (und auch für den guten Ton!) auf den Zuschauer zu übertragen. Man möchte danach sofort einen Filmpalast aufsuchen, um eine gut erhaltene Kopie von "Ben Hur", “Where Eagles dare" oder "2001 - Odyssee im Weltraum" zu sehen, besser: diese Werke im richtigen Format zu erleben."
Rupert Koppold, Filmkritiker & Freier Journalist


"Wolfram Hannemanns kenntnisreich gemachter Kurzfilm über das “Widescreen Weekend”-Festival im englischen Bradford war für mich ein 35 Minuten andauerndes Vergnügen. Sehr informative Interviews mit den Machern, dazu liebevolle Aussagen zahlreiche Festivalbesucher, die mir eine Menge, zum Teil lange vergessene Filme wieder in Erinnerung riefen. Dazu wurden einzelne Titel genannt (zum Beispiel "Zulu" von 1964), von denen ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie gehört hatte. Sie gaben Anlass für eilige Recherchen auf IMDB.

Der Film war wie eine Reise in die gute alte Zeit, lange vor den heute im Platz zwangsläufig oft arg eingegrenzten Multiplexen, als es zwar weder Eis noch Nachos, dafür aber superbreite Leinwände gab, über die ich in meiner Jugendzeit unter anderem Winnetou und Old Shatterhand reiten sah und, um nur einen Titel zu nennen, "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" bewundern konnte. In allen Fällen gab es Mehrfach-Sichtungen, was sich damals angesichts mangelnder Abwechslung (die Schulmädchen-Reporte begannen in dieser Zeit, auf Jahre hinaus die Leinwände zu verstopfen) beinahe von selbst versteht.

70 Millimeter-Filme - und die dazu passenden Kinos - sind heute, wie dieser Film berichtet, Raritäten, zum Glück von Enthusiasten am Leben erhalten und gar zu oft in Regalen achtlos geparkt, vernachlässigt und daher nicht mehr vorführbar. Von dem grandiosen und in der Doku erwähnten "Music Man" (1962) mit Robert Preston soll es zum Beispiel keine intakte Kopie mehr geben.

Wolfram Hannemanns Film ist - leider - auch ein Beweis dafür, wie engstirnig heute die Verantwortlichen in Hollywood auf jene Enthusiasten reagieren, die mit Hingabe und Sachverstand das Ereignis "70 Millimeter" in uns wach halten. Muss man tatsächlich so rigide das Einblenden von einstigen Trailern und sogar das Zeigen eines Plakates von damals verbieten? Es ist - zumindest für mich - nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar, zumal mit Dokumentationen dieser Art ja kein Geld verdient werden soll.

So bietet der Film zwar nur 35 Minuten, die dafür aber voller Gehalt und gespickt mit wissenswerten Informationen sind. Außerdem bleibt es jedem Seher vorbehalten, die Dokumentation für sich selbst nach Herzenslust zu verlängern, weil wir in Gedanken ja jede Menge Filmschnipsel in all die Interviews "reinschneiden" können.

Danke also für einen gelungenen Kinobesuch!"
Reinhard Thiel, Freier Journalist & Filmkritiker


Der Cinemaniker Wolfram Hannemann ist ein kenntnisreicher Liebhaber opulenter Bild- und Tonformate, aber auch der dahinter stehenden Kinotechnik, der gerade endenden Mechanikära im Vorführraum. Sein Dokumentarfilm „Remembering Widescreen“ erzählt nominell vom Widescreen-Weekend beim Bradford International Film Festival in Bradford, einem Mekka der Freunde von 70mm, Cinerama und IMAX. Aber die spannende Sammlung von Interviews ist gar kein Film über Formateigenheiten und Technikgeschichte, über die Problematik der Kopienausbleichung oder die Pflege alter Projektoren. Es geht hier um Menschen, nicht um das strahlende Bild auf der Leinwand, sondern um das Leuchten in den Augen der Zuschauer.

Hannemann lässt in klar durchdachten und abwechslungsreich montierten Einstellungen, die nie das bedrückende Gefühl einer Talking-Head-Galerie entstehen lassen, Besucher und Veranstalter ihre Begeisterung und Motivation darlegen. Es geht um die Liebe zum Kino, hier speziell um jene, die sich an den ganz großen Bildern entzündet hat und ein Leben lang anhielt. Aber wiederfinden können sich hier alle Kinoliebhaber, auch jene, deren Begeisterung nicht von „Lawrence von Arabien“ in voller Pracht angefacht wurde, sondern von der verregneten, unruhig laufenden 35-mm-Kopie eines alten Schwarzweiß-Films aus der B-Produktion eines C-Studios.

Dass die Cinephilen in Bradford nicht einem möglicherweise spöttelnd distanzierten Beobachter von außen Rede und Antwort stehen, sondern ihresgleichen, den sie als Referent und Präsentator kennen, ist ihrer Gelöstheit im Interview anzumerken, ihrer Bereitschaft, privates Glück öffentlich zu machen. Hier wird ihre Liebe zu einem Medium nicht kleingeredet, nicht rationalisiert, schon gar nicht als Irrweg der Auseinandersetzung mit Inhalten getadelt: hier wird die pure Entrückungsqualität von Kino gepriesen. „Remembering Widescreen“ ist absolut sehenswert – und man darf auf Hannemanns weitere Arbeiten zum Thema gespannt sein.
Thomas Klingenmaier, Kulturredakteur der "Stuttgarter Zeitung"

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Wolfram Hannemanns

Kanal

Walhalla   Fliegende Fische   Gottesaue   Bradford   Christmas   Tattoo   Bruno
Die Kunst zu lieben       Väter und andere Katastrophen
Im Gespräch mit Douglas Trumbull
Tabu       Jasmin       Die Kirche bleibt im Dorf
Herr Wichmann aus der dritten Reihe      Dichter und Kämpfer
Bittere Kirschen      Speed      Im Gespräch mit Dietrich Brüggemann
3 Zimmer/Küche/Bad      Die Wand      Gnade      Parked - Gestrandet
Im Gespräch mit Colm Meaney & Darragh Byrne
Im Gespräch mit Hermine Huntgeburth, Leon Seidel & Jacky Ido
Im Gespräch mit David Sieveking      Vergiss mein nicht
Jäger des Augenblicks      The Broken Circle (Langfassung)      5 Jahre Leben
The Broken Circle (Kurzfassung)    Ein Freitag in Barcelona
Wochenendkrieger    Wochenendkrieger - Die Filmmusik
UMMAH - Unter Freunden      Spieltrieb      BKM Preisverleihung
Die Nonne      Scherbenpark      IMAX im Filmpalast am ZKM
Live and Let Live      Kreuzweg      Cerro Torre      Die schöne Krista
Laser Hotline @ FMX 2014      Fascinating India 3D      Monsoon Shootout      Jadoo
Diplomatie      Vicious Brothers      Daniel Stamm      Wolfskinder
Im Labyrinth des Schweigens      Traumland      Ein Hells Angel unter Brüdern
Doktor Proktors Pupspulver      Willkommen auf Deutsch      10 Milliarden
The Forecaster      Das Zimmermädchen Lynn      Beyond Punishment
Victoria      Freistatt      Der Bunker      Die Kleinen und die Bösen
Stung      Paul Hyett talking HOWL      Heil



FANTASY FILMFEST #30 (01.-11-09-2016) - Ein Rückblick

Montag, 25. September 2017
Unerkannt in Berlin
Ein Doku-Drama eröffnete eine bunte Pressewoche

DIE UNSICHTBAREN – WIR WOLLEN LEBEN! (1:2.35, 5.1)
Verleih: Tobis
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Claus Räfle
Darsteller: Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee
Kinostart: 26.10.2017

Eigentlich ist Claus Räfle Dokumentarfilmer. Doch für seinen neuesten Film hat er jetzt einen neuen Weg beschritten und präsentiert ein bislang recht unbekanntes Kapitel aus dem Nazi-Deutschland des Jahres 1943 als Mixtur aus Spiel- und Dokumentarfilm. Ausgangspunkt dabei ist der 19. Juni 1943, jener Tag, an dem Propagandaminister Joseph Goebbels Berlin für “judenrein” erklärte. Dass es trotzdem noch 7000 Juden seinerzeit geschafft haben, unerkannt in Berlin unterzutauchen, war eine Information, die Räfle während der Recherchearbeit für seine Dokumentation über den Salon Kitty erlangte und die ihn weiter beschäftigte. So gelang es ihm schließlich tatsächlich gelungen, einige der überlebenden Juden aufzuspüren. Vier der interessantesten Zeitzeugen hat er für seinen Film ausgewählt und lässt sie in Interviewsegmenten über ihre Erlebnisse in jener Zeit erzählen. Erzählungen, die immer wieder in Form eines Spielfilms inszeniert werden. Der Film dokumentiert damit ein wichtiges Kapitel deutscher Kriegsgeschichte, das belegt, dass es viele Deutsche gab, die das Nazi-Regime ablehnten und den verfolgten Juden Hilfe leisteten. DIE UNSICHTBAREN ist ein spannend erzähltes Doku-Drama
Donnerstag, 21. September 2017
Revue der Eitelkeiten
Als wäre es aus dem Leben gegriffen – meine letzte PV für diese Woche

CASTING (1:1.78, 5.1)
Verleih: Piffl
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Nicolas Wackerbarth
Darsteller: Andreas Lust, Judith Engel, Milena Dreißig
Kinostart: 02.11.2017

Regisseurin Vera will für das Fernsehen Fassbinders “Die bitteren Tränen der Petra von Kant” neu verfilmen. Schon seit Wochen hält sie Castings ab, um endlich die Idealbesetzung zu finden. Nur noch wenige Tage bis Drehstart – und noch keine Hauptrolle besetzt. Die Crew beginnt allmählich zu verzweifeln. Nicht Gerwin, der sich als Proben-Anspielpartner über die zusätzlichen Stunden freut. Und wer weiß, vielleicht springt a Ende ja sogar eine Rolle für ihn heraus? - Mit gutem Gespür für Personen und Situationen schildert Nicolas Wackerbarth das, was im Schauspielermilieu das ist, was man im Berufsleben als Vorstellungsgespräch bezeichnet: das Casting. Hier werden in kleinem Kreis sämtliche Eitelkeiten der Aktricen und Akteure offengelegt – mal freiwillig, doch weitaus öfter unfreiwillig. Da zeigt sich, was Darsteller alles tun, um eine Rolle zu bekommen und dass sie oft genug gar keine Chance haben, die Rolle zu bekommen, weil die in der Chefetage des Senders bereits jemand Anderem versprochen wurde. Künstlerische Entscheidungen werden zu Gunsten kommerzieller Belange einfach weggebügelt. Das ist für Aussenstehende (sprich: Zuschauer) dann oft witzig, aber hin und wieder auch fast unerträglich. Wackerbarths Film gibt sich dokumentarisch, verzichtet auf Filmmusik, hat abrupte Schnitte und versammelt ein tolles Ensemble, das derart authentisch spielt, dass man oft genug versucht ist zu glauben, dass das alles echt sei. Sehenswert.
Dienstag, 19. September 2017
Der Mann, der Deep Throat war
Ein Politthriller und ein Kinderfilm hielten mich heute vom Nichtstun ab

THE SECRET MAN (1:2.00, 5.1)
OT: Mark Felt: The Man Who Brought Down The White House
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Peter Landesman
Darsteller: Liam Neeson, Diane Lane, Marton Csokas
Kinostart: 02.11.2017

Im Sommer des Jahres 1972 schlägt die Watergate-Affäre wie eine Bombe ein. Während noch viele Journalisten im Dunkeln tappen, weiß ein Mann mehr – sehr viel mehr: Mark Felt, Vize-Chef des FBI... Spannend inszenierter Polit-Thriller nach dem Buch von Mark Felt, der als erster amerikanischer Whistle Blower in die Geschichte einging. Fernab seiner sonstigen Action-Kost spielt Liam Neeson endlich mal wieder in einer altersgerechten Rolle. Als “Deep Throat” versorgt er die Watergate-Journalisten mit seinen Insider-Informationen, die schließlich zum Sturz des US-Präsidenten Richard Nixon führen. Der treibende Score aus der Feder von Daniel Pemberton und die düsteren Bilder von Kameramann Adam Kimmel erzeugen dabei eine Atmosphäre ständiger Bedrohung.

HEXE LILLI RETTET WEIHNACHTEN (1:2.35, 5.1)
Verleih: Universum Film (Walt Disney)
Land/Jahr: Deutschland, Österreich, Belgien 2017
Regie: Wolfgang Groos
Darsteller: Hedda Erlebach, Jürgen Vogel, Anja Kling
Kinostart: 09.11.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 15.10.2017 an dieser Stelle

Montag, 18. September 2017
Menschen auf Reisen
Im Montagsdoppel waren zwei Brüder nach Hamburg und ein Maler nach Tahiti unterwegs

SIMPEL (1:2.35, 5.1)
Verleih: Universum Film (DCM)
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Markus Goller
Darsteller: Frederick Lau, David Kross, Emilia Schüle, Devid Striesow, Axel Stein
Kinostart: 09.11.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 02.10.2017 an dieser Stelle


GAUGUIN (1:2.35, 5.1)
OT: Gauguin – Voyage De Tahiti
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Edouard Deluc
Darsteller: Vincent Cassel, Tuhei Adams, Malik Zidi
Kinostart: 02.11.2017

1891 verlässt der erfolglose Kunstmaler Paul Gauguin seine Frau und Kinder, um sich fernab seiner französischen Heimat und fern jeder gesellschaftlichen Zwänge auf Tahiti voll und ganz der Malerei zu widmen. Eines Tages lernt er die schöne Eingeborene Tehura kennen und lieben. Eine Liebe, die ihn jedoch auf Dauer nicht glücklich machen wird... In seinem Film zeichnet Edouard Deluc einen kleinen, aber wichtigen Lebensabschnitt des berühmten französischen Malers Paul Gauguin. Der wird großartig verkörpert von Vincent Cassel, der damit einmal mehr beweist, dass er einer der Besten seines Fachs ist. Vor exotischer Kulisse zeigt er Gauguins Besessenheit durch die Malerei, die seiner Überzeugung nach immer nur aus einem Menschen selbst herauskommen muss und sich nie dem Kommerz unterordnen darf. Eine Ansicht, die ihn Jahre später bettelarm sterben lässt.
Samstag, 16. September 2017
Fleischlos glücklich?
Zur Abwechslung habe ich mir heute mal wieder eine Doku gegönnt

THE END OF MEAT (1:2.35, 5.1)
Verleih: mindjazz
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Marc Pierschel
Kinostart: 14.09.2017

In seinem neuen Dokumentarfilm stellt sich Filmemacher Marc Pierschel (LIVE AND LET LIVE) die Frage, was passieren würde, wenn wir überhaupt kein Fleisch mehr essen würden. Dazu gibt es erst einmal einen Exkurs über den Fleischkonsum und Fleischherstellung, der den Zuschauer vom Kühlregal zum Schlachthof führt. Experten erklären, was Massentierhaltung für die Ökologie bedeutet. Schließlich wendet sich der Film den Tieren selbst zu. Können wir Menschen nicht einfach mit Tieren zusammenleben, ohne sie gleich essen zu müssen? Juristen fordern sogar die gleichen Rechte für die Tiere. Was für Alternativen gibt es dann aber zum Fleisch? Es werden vegetarische und vegane Möglichkeiten erörtert. Da gibt es tatsächlich künstliches Fleisch aus dem Reagenzglas, ebenso künstlichen Käse, der ohne tierische Produkte hergestellt werden kann. Derlei Möglichkeiten präsentiert der Filmemacher als eine Art Allheilmittel. Dabei klammert er leider wichtige Aspekte komplett aus, wie z.B. die Frage danach, ob eine vegane Ernährung oder eine Ernährung mit Fleischersatz auf Dauer tatsächlich gesund ist. Hier bleibt Pierschels Film, der gut fotografiert und montiert ist, alles andere als neutral und vertritt die Interessen der alternativen Lebensmittelproduzenten, die selbstverständlich auch ein großes kommerzielles Interesse haben und nicht selbstlos agieren. Dennoch liefert der Film viele interessante Aspekte, die diskussionswürdig sind.
Donnerstag, 14. September 2017
Von Pornosüchtigen und Königsmännern
Wochenabschluss im Doppelpack

FIKKEFUCHS (1:1.78, 5.1)
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Jan Henrik Stahlberg
Darsteller: Jan Henrik Stahlberg, Franz Rogowski, Susanne Bredehöft
Kinostart: 16.11.2017

Nach einer versuchten Vergewaltigung landet der pornosüchtige Thorben in einer psychiatrischen Anstalt. Dort hält er es allerdings nicht aus und büxt aus. Unterschlupf erhofft er sich bei Rocky in Berlin, der angeblich sein Vater ist, der aber nichts von einem Sohn weiß. Rocky hatte schon immer Schlag bei den Frauen – und soll jetzt Thorben beibringen, wie man Frauen herumkriegt... Pornographie trieft aus jeder Pore dieses Machwerks, das vermutlich witzig sein möchte, es aber nicht ist. Wer auf ziemlich ordinäre Kost steht, dem dürfte der Film durchaus gefallen.

KINGSMAN: THE GOLDEN CIRCLE (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Kingsman: The Golden Circle
Verleih: Fox
Land/Jahr: Großbritannien 2017
Regie: Matthew Vaughn
Darsteller: Taron Egerton, Mark Strong, Channing Tatum, Halle Berry, Sophie Cookson, Pedro Pascal, Jeff Bridges, Colin Firth, Julianne Moore, Poppy Delevingne
Kinostart: 21.09.2017

Um einer Drogenbaronin das üble Handwerk zu legen, müssen die Kingsmen Eggsy und Merlin mit der amerikanischen Geheimorganisation “Statesmen” zusammenarbeiten – und entdecken dabei Harry, der offenbar noch lebt, aber sein Gedächtnis verloren hat... Die Fortsetzung zu KINGSMAN setzt genau dort an, wo der erste Film aufhört. Und er macht genauso weiter, wie man das aus dem ersten Teil gewohnt ist: Gentlemen-like. Denn die Kingsmen sind mehr Bond als jeder Bond. So erklären die Herren im Maßanzug beispielsweise den Amis, dass sich ein richtiger Whisky nicht mit “e” schreibt! Mit einer virtuosen Kameraarbeit, die insbesondere bei den Fights regelrecht durch die Räume wirbelt, wird aus der atemlosen Action erst richtige Action! Und ganz nebenbei gibt es noch eine Hommage an die berühmte Gondelszene aus IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT. Chapeau! Eine erstklassige Tonspur, abgemischt in Dolby Atmos, gibt dabei noch das Sahnehäubchen. Mit der bewährten Besetzung aus dem ersten Teil sowie Julianne Moore als Neuzugang in der Rolle der bösen Poppy macht der Film wirklich Laune und hält das über die gesamten 141 Minuten. Als besonderes Schmankerl darf sogar Elton John einen Part übernehmen. Das hat was! KINGSMAN: THE GOLDEN CIRCLE ist Popcorn-Kino wie es sein soll.
Dienstag, 12. September 2017
Tennisschläger und Vampire
Ein gemischtes Doppel war heute angesagt

BORG/MCENROE – DUELL ZWEIER GLADIATOREN (1:2.35, 5.1)
OT: Borg/McEnroe
Verleih: Universum Film (24 Bilder)
Land/Jahr: Schweden, Dänemark, Finnland 2017
Regie: Janus Metz
Darsteller: Shia LaBeouf, Sverrir Gudnason, Stellan Skarsgård
Kinostart: 19.10.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 28.09.2017 an dieser Stelle


DER KLEINE VAMPIR (1:2.35, 5.1)
OT: The Little Vampire
Verleih: Universum Film (Walt Disney)
Land/Jahr: Niederlande, Deutschland, Dänemark 2017
Regie: Karsten Kiilerich, Richard Claus
Kinostart: 26.10.2017

Um seine Sippe vor dem Vampirjäger Geiermeier und seinem Gehilfen Manni zu schützen, lässt sich ein kleiner Vampir auf die Freundschaft zu einem normalen Jungen ein... Schon mal eine Vampirkuh gesehen? Falls nein, dann könnte das DER KLEINE VAMPIR ändern! Denn die vom kleinen Vampir gebissene Kuh, die zum Vampir wird und fortan durch die Lüfte schwebt, ist nur einer von vielen witzigen Einfälle, mit denen Karsten Kiilerich und Richard Claus ihren computeranimierten Film ausgestattet haben. Erstklassig in Szene gesetzt, vermittelt der für Kinder geeignete Film, um was es bei Freundschaft geht und dass jeder für den anderen einsteht. Das alles mit abwechslungsreicher, rasanter Action kombiniert ergibt einen Film, der wirklich Spaß macht. Ein weiteres Novum bietet der Film im Abspann: da verbeugt sich das gesamte computeranimierte Ensemble wie bei einer Theateraufführung – echt super nett!
Montag, 11. September 2017
Und die ganze Welt schaut zu
Ein Dokumentarfilm mit Sprengkraft eröffnete den Pressereigen in dieser Woche

HUMAN FLOW (1:1.85, 5.1)
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Ai Weiwei
Kinostart: 16.11.2017

Der weltbekannte chinesische Aktionskünstler und Regimekritiker Ai Weiwei präsentiert mit HUMAN FLOW einen weltumspannenden Dokumentarfilm zur Flüchtlingsthematik. Unkommentiert, dafür mit kurzen Interviews von Betroffenen und Helfern sowie führenden Politikern, versucht der Film das gesamte Ausmaß dieser humanitären Katastrophe zu zeigen. Dabei stehen weniger die Ursachen im Mittelpunkt als vielmehr das Schicksal der Flüchtlinge, das in einigen europäischen Ländern kaum zu ertragen ist. Trotz der vielen unschönen Bilder findet der Künstler auch in den schlimmsten Katastrophe noch poetische Bilder mit teils hypnotischer Kraft. Und so sind die 142 Minuten Lauflänge zu keiner Zeit langweilig. Sieht man sich das ganze Elend dann gemütlich vom Kinosessel aus an, kommt man als Zuschauer in Gewissenskonflikte. Darf man sich das einfach so anschauen oder sollte man nicht lieber handeln? Verlässt man den Kinosaal mit einem Gefühl der Betroffenheit, hat Ai Weiwei vielleicht schon das erreicht, was er mit seinem Film erreichen will.
Freitag, 08. September 2017
Kunst vs Armut
Wochenabschluss mit dem Cannes-Gewinner

THE SQUARE (1:1.85, 5.1)
OT: The Square
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Schweden, Deutschland, Frankreich, Dänemark 2017
Regie: Ruben Östlund
Darsteller: Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West
Kinostart: 19.10.2017

Der Kurator eines renommierten Kunstmuseums in Stockholm gerät unter Beschuss, als er eine anstößige Werbekampagne für ein neues Kunstobjekt lanciert. Mit seinem Film gewann Regisseur Ruben Östland auf den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes die “Goldene Palme” und lieferte damit wohl einen der skurrilsten und schrägsten Filme der Saison ab. In seinem absurden Humor erinnert der Film immer wieder an Jacques Tati, wobei Östlund mindestens zwei Schritte weitergeht: sein Humor kann einem schon im Halse stecken bleiben. Denn THE SQUARE funktioniert als Metapher auf unsere heutige Zeit, in der Millionen für Kunst ausgegeben wird (z.B. für fein säuberlich aufgestellte Dreckhaufen!) und offenbar kein Geld da ist, um das Leid vieler Obdachloser zu lindern. Trotz seiner Lauflänge von 142 Minuten nicht einen Augenblick langweilig. Arthouse-Kino, das man nicht verpassen sollte.
Donnerstag, 07. September 2017
Superheld in Unterwäsche
Ein Animationsfilm der etwas anderen Art beschäftigte mich in der heutigen Pressevorführung

CAPTAIN UNDERPANTS – DER SUPERTOLLE ERSTE FILM (1:1.85, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Captain Underpants: The First Epic Movie
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: David Soren
Kinostart: 12.10.2017

Die Grundschüler George und Harold lieben es, in ihrem gemeinsamen Baumhaus ihre eigenen Comic zu zeichnen. Und sie freuen sich immer wieder, wenn sie in der Schule lustige Streiche anstellen. Doch Rektor Krupp hat dafür kein Verständnis: er will die beiden trennen und in verschiedene Klassen stecken. Die beiden Comic-Fans sehen ihre Freundschaft gefährdet und greifen zu einer List: sie hypnotisieren den Rektor, der alsbald als Superheld in Unterhosen durch die Lüfte fliegt... Mit CAPTAIN UNDERPANTS entfacht Regisseur David Soren ein Feuerwerk unterschiedlicher Animationstechniken: ob traditionelle 2D-Zeichnungen, animierte Sockenpuppen oder hochmoderne Computeranimation – sie alle vereint er in dieser Geschichte einer Freundschaft. Und er bricht mit der konventionellen Erzähltechnik animierter Filme: immer wieder lässt er seine beiden Protagonisten direkt mit dem Publikum sprechen. Wer sich sein kindliches Gemüt noch bewahrt hat, gewinnt mit George und Harold zwei äußerst kreative Identifikationsfiguren. Theodore Shapiro liefert zur rastlosen Action in diesem Abenteuer einen fulminanten Score und verleiht dem Film damit Größe. Über den breit gestreuten Pennälerhumor lässt sich freilich streiten, aber er hält sich hier in erträglichen Grenzen.
Mittwoch, 06. September 2017
Ein Zigeuner macht Musik
Kein richtiges Biopic, aber einen kurzen Ausschnitt aus einem bewegten Leben gab es heute in der Presse zu sehen

DJANGO – EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK (1:2.35, 5.1)
OT: Django
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Etienne Comar
Darsteller: Reda Kateb, Cécile de France, Àlex Brendemühl
Kinostart: 26.10.2017

1943. Während Frankreich von den Deutschen besetzt ist, ist der Jazzgitarrist Django Reinhardt auf dem Gipfel seines Erfolges. In Paris füllt er die Konzertsäle und die Menschen sind ganz verrückt nach seinem unverkennbaren Gypsy-Swing. Sogar die Deutschen. Ein Umstand, durch die sich der gebürtige Sinti in Sicherheit wiegen kann – im Gegensatz zu seinen Landsleuten, die von den Nazis gnadenlos verfolgt werden. Als die Nazis ihn jedoch für ein Konzert nach Deutschland holen wollen, weigert er sich. Mit Hilfe seiner Geliebten flüchtet er mit seiner Frau und seiner Mutter an die Schweizer Grenze in der Hoffnung, sich in die Schweiz absetzen zu können... Insbesondere der deutsche Titel des Films generiert – ob bewusst oder unbewusst – eine gewisse Erwartungshaltung. “Django - Ein Leben für die Musik” klingt nach einem Jahrzehnte umspannenden Biopic über einen der begnadetsten Jazzgitarristen der Welt, Django Reinhardt. Doch in dieser Hinsicht enttäuscht Etienne Comars Blick auf den Künstler. Denn er zeigt uns lediglich eine winzig kleine Episode aus dem bewegten Leben dieses Musikers. Eine Episode, die sich zuträgt, als er bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist. Nachdem fast schon die Hälfte des Films vergangen ist, beginnt man sich zu fragen, ob sich dieses Leben tatsächlich für einen Film eignet. Denn es passiert einfach zu wenig: Django gibt Konzerte im von Deutschen besetzten Paris, hat eine außereheliche Affäre, hört sich Instruktionen an bzgl. der anstehenden Tournee nach Deutschland. Gewiss: der Einstieg in den Film gibt der Musik dadurch breiten Raum. Schon alleine das sehr ausführlich inszenierte Konzert, zu dem der Freigeist auch noch zu spät kommt, wird Fans von Django Reinhardts unverkennbarem Gitarrenanschlag und dem in Mark und Bein gehenden Rhythmus begeistern. Reda Kateb spielt diesen Gitarrenmeister so gut, dass man nie daran zweifelt, dass es sich nicht um den echten Django handele. Erst als Django mit seiner schwangeren Frau und seiner alten Mutter am Genfer See untertaucht, kommt Comars Film allmählich in die Gänge und wechselt die Tonart. Allerdings lässt er einige Fragen offen: warum zögern Django und seine Freunde wochenlang, bevor sie die Chance ergreifen, in die Schweiz zu flüchten? Was hat es mit seiner Geliebten (Cécile de France) auf sich, die offensichtlich inzwischen die Seiten gewechselt hat? Immerhin gibt es hier dann eine kleine, jedoch wunderbar umgesetzte Szene, die Djangos Angst zum Ausdruck bringt: um etwas Geld zu verdienen, musiziert er zusammen mit anderen Musikern, wo man ihn (hoffentlich) nicht kennt. Um nicht aufzufallen, sitzt er ganz versteckt hinter den anderen Musikern. Erst durch die Kamerabewegung wird er für den Zuschauer sichtbar. Seine Gitarrenklänge jedoch sind auch dort unverkennbar. So verlässt man den Kinosaal etwas unbefriedigt, weil man gerne noch etwas mehr über diesen Menschen erfahren hätte, der am Ende sogar noch ein sinfonisches Werk zum Gedenken an die ermordeten Sinti komponiert und nach Kriegsende zur Aufführung bringt. Doch sowohl dieses ungewöhnliche Musikstück als auch der “Django Reinhardt”-typische Gypsy-Swing entschädigen für die fehlenden Antworten.
Montag, 04. September 2017
Ein Gewitter zieht auf
Ungewöhnliches deutsches Arthouse-Kino stand zum Wochenbeginn auf meinem Stundenplan

SOMMERHÄUSER (1:1.85, 5.1)
Verleih: Prokino (Fox)
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Sonja Maria Kröner
Darsteller: Laura Tonke, Günther Maria Halmer, Ursula Werner
Kinostart: 26.10.2017

Es ist der schwül-heisse Sommer des Jahres 1976. Nach der Beerdigung von Oma Sophie trifft sich die gesamte Familie inklusive Enkel und Urenkel in Sophies großem Garten in der Nähe von München. Wie schon die vielen anderen Jahre zuvor will die Großfamilie auch diesen Sommer wieder gemeinsam im Grünen verbringen. Während die Kinder den riesigen Garten mitsamt den angrenzenden Grundstücken als großen Abenteuerspielplatz für sich entdecken, streiten sich die Erwachsenen über den Verkauf des Grundstücks. Im Radio macht derweil die Nachricht über ein vermisstes Mädchen die Runde... Wie einst Maren Ade in ALLE ANDEREN, so beobachtet auch Sonja Maria Kröner sehr präzise Personen und Situationen, die sich während der Sommerferien im ausgedehnten Garten einer Familie aufhalten bzw. entstehen. Mit einer schnörkellosen Kamera und einer minimalistischen, extrem selten eingesetzten Filmmusik mutet das Drama fast schon wie eine Dokumentation an. Die Dialoge fühlen sich echt an, weil sie oft die eigenen Erinnerungen an ähnliche Situationen spiegeln. Mit ganz wenigen Sätzen macht die Regisseurin dem Zuschauer beispielsweise klar, wie es um das Verhältnis zwischen Eva und Gitti, der Frau ihres Bruders, steht. “Ich habe das erstbeste Kleid angezogen, das ich gefunden habe”, sagt Gitti zu ihrer Schwägerin Eva, worauf Eva erwidert “Dann hast Du ja Glück gehabt, dass die erstbesten Schuhe zum Kleid passen!”. Oder meint Gitti “Ein alter Verehrer holt mich gleich ab.” – “Die sind doch alle alt”, kommentiert Eva. Wie ein heranziehendes Sommergewitter baut sich ganz langsam eine latente Bedrohung auf, die sich kunstvoll durch die Tonspur manifestiert: ein Rascheln, ein Grummeln im Unterholz. Hat der seltsame Nachbar, der nie anwesend scheint, etwas mit dem vermissten Mädchen zu tun? Was ist unter dem merkwürdigen Erdhaufen vergraben? Mit kindlicher Neugier gehen die Urenkel auf die Pirsch – und bereiten damit in bester Haneke-Manier dem Zuschauer Unbehagen. Und dann sind da noch die Wespen, die sich nicht nur über den Kuchen hermachen. Auch ihr Surren verbreitet ganz allmählich schleichendes Unbehagen bis hin zur nackten Panik. Ein überzeugendes Ensemble und handwerkliches Können zeichnen Kröners Debütfilm aus und es bleibt zu hoffen, dass man künftig noch weitere Filme von ihr sehen darf.
Freitag, 01.09.2017
Eine Frau sieht rot
Frauenpower in historischem Gewande – ein perfekter Wochenabschluss

LADY MACBETH (1:2.35, 5.1)
OT: Lady Macbeth
Verleih: Koch Films (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Großbritannien 2016
Regie: William Oldroyd
Darsteller: Florence Pugh, Christopher Fairbank, Bill Fellows
Kinostart: 02.11.2017

England 1856. Als Gattin an der Seite von Alexander fristet die schöne Katherine ein freudloses Dasein ohne Liebe. Auch ihr Schwiegervater Boris behandelt Katherine sehr grob. Als Alexander wie so oft auf Reisen ist, verliebt sich Katherine in den Stallburschen Sebastian, der ihr alles gibt, was sie in ihrer Ehe vermisst. Und damit das auch so bleiben kann, ergreift die junge Frau extreme Maßnahmen. Diesen fällt zuerst Boris zum Opfer, der plötzlich an einer Pilzvergiftung stirbt. Als Alexander schließlich heimkehrt und seine Frau zur Rede stellt, greift der zweite Teil von Katherines Plan... Bei William Oldroyds Drama handelt es ausnahmsweise nicht um eine Shakespeare-Verfilmung, sondern um die filmische Adaptation der Novelle von Nikolai Leskov. Aber das macht den Film nicht etwa schlechter – vielmehr liefert uns Oldroyd hier das fulminante Porträt einer Frau, die alles für ihre Liebe tut. Gespielt wird diese Power-Frau, die für ihre liebe über Leichen geht, von Florence Pugh mit einer solchen Intensivität, das es einem heiss und kalt über den Rücken läuft. Die Eiseskälte, mit der sie Schwiegervater und Ehegatten ermordet, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Das hervorragende Szenenbild von Jacqueline Abrahams fängt Kameramann Ari Wegner perfekt im Scope-Format ein. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist die Filmmusik abwesend und vermittelt gerade dadurch den extrem tristen und langweiligen Alltag einer jungen Frau, deren Gemahl ihr praktisch alles verbietet – nicht einmal ins Freie darf sie gehen. Ganz allmählich baut der Film damit beim Zuschauer ein großes Verständnis für Lady Macbeths extremes Handeln auf, an dessen Ende man sogar ihre Morde an zwei höchst abscheuliche Männer mit Genugtuung beobachtet. Wer intensives Drama auf 89 Minuten komprimiert mag, der sollte sich den Film unbedingt anschauen.

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