Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

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Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
jetzt neue Kinotermine!
Alle Infos gibt es hier


FROM BUSINESS TO BEING
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

NICHT OHNE UNS
Filmpremiere im Stuttgarter Metropol-Kino

DIE BLUMEN VON GESTERN
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

Chatting with Roger Spottiswoode


MARIE CURIE
Im Gespräch mit Regisseurin Marie Noelle

WIR SIND DIE FLUT
Im Gespräch mit Sebastian Hilger (Regie) und Peter Lames (VFX Supervisor)

MORRIS AUS AMERIKA
Regisseur Chad Hartigan zu Gast in Stuttgart

INSIDE LUDWIGSBURG SINFONIE
Regisseur Marcel Wehn, Kameramann Jörg Rambaum,
Komponistin Meike Katrin Stein, Projektbetreuer Andreas Fuchs,
Professor für Filmkomposition Matthias Raue
und Produzent Wolfgang Kerber geben Einblicke in die Entstehung
des Stummfilmprojekts "Ludwigsburg Sinfonie"

MOZEZ SINGH TALKS ZUBAAN
Der indische Filmemacher im Interview

KRANTI KANADÉ TALKING "CRD"
Der indische Filmemacher im Interview

DIE ZEIT DER FRAUEN
Darstellerin Tannishtha Chatterjee, Regisseurin Leena Yadav
sowie die Produzenten Gulab Singh Tanwar und Anirudh Tanwar zu Gast in Stuttgart

LOTTE
Hauptdarstellerin Karin Hanczewski und Regisseur Julius Schultheiß zu Gast in Stuttgart

DAS VERSPRECHEN (THE PROMISE)
Regisseur Marcus Vetter und Kameramann Georg Zengerling zu Gast in Stuttgart

DIE LETZTE SAU
Regisseur Aron Lehmann im Interview

JONATHAN
Jannis Niewöhner, Thomas Sarbacher und Piotr J. Lewandowski zu Gast in Stuttgart

SMS FÜR DICH
Karoline Herfurth & Friedrich Mücke zu Gast in Stuttgart

MULTIPLE SCHICKSALE
Regisseur Jann Kessler zu Gast in Stuttgart

24 WOCHEN
Regisseurin Anne Zohra Berrached zu Gast in Stuttgart

TONI ERDMANN
Regisseurin Maren Ade zu Gast in Stuttgart

GERMAN MUMBLECORE
Das große Festival in der Karlsruher Schauburg

FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI
Regisseur Ivan Calberac zu Gast in Stuttgart

LOU ANDREAS-SALOME
Deutschlandpremiere im Stuttgarter Atelier am Bollwerk

7 GÖTTINNEN
Bollywood meets Arthaus: Filmpremiere in Stuttgart

ROB LEGATO - Visual Effects Supervisor
Der zweifache Oscar-Gewinner im Interview

DOKTOR PROKTORS ZEITBADEWANNE
Filmpremiere in Stuttgart

AGNES
Hauptdarstellerin Odine Johne zu Gast in Stuttgart

DER NACHTMAHR
Regisseur Akiz spricht über guten Sound, breite Bilder und vieles mehr

RICHARD EDLUND - Visual Effects Supervisor
In seinem Fach ist der mehrfache Oscar-Gewinner bereits eine Legende

MÄNGELEXEMPLAR
Premiere in Ludwigsburg mit Laura Lackmann, Claudia Eisinger und Jochen Laube

WER HAT ANGST VOR SIBYLLE BERG
Premiere in Stuttgart mit Sigrun Köhler & Wiltrud Baier

WILD
Nicolette Krebitz zu Gast in Stuttgart

DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK
Lea van Acken und Hans Steinbichler zu Gast in Stuttgart

BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL
Eric Besnard & Benjamin Lavernhe zu Gast in Stuttgart

IMAX 15/70 im National Media Museum, Bradford, UK

IMAX WITH LASER @FILMPALAST AM ZKM, KARLSRUHE
David Keighley & Andrew Cripps - the IMAX force

THINK BIG
Weltpremiere am 08. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Schauburg Cinerama Theater, Karlsruhe

REMEMBERING WIDESCREEN
An exciting new documentary about a very special "family" gathering
Now available on Blu-ray!
More info here: www.remembering-widescreen.de


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"Saturday, the 12th, began with a bang: It was Wolfram Hannemann`s "Remembering Widescreen" movie introduced by himself in a very funny way. A 37 minutes documentary not only about the organizing of the festivals but also with a lot of, never boring, interviews with wide-film-buffs mostly filmed during last year's Widescreen Weekends in the Pictureville Cinema. All, of course, shot in widescreen format. I hope the short will be released on DVD / Blu-Ray sometime. Wolfram – very well done, my congratulations."
Gerhard Witte, Widescreen Aficionado, via www.in70mm.com

"We now have a wonderful record of the WSW!"
Mark Lyndon, MBKS, Writer & Broadcaster, via Facebook

"It's a little piece of WSW history. So proud to be a part of it."
Tony Earnshaw, Film Journalist, via Facebook

"Would love to get a copy of your film....so please let me know when it will be available."
Grant Wakefield, Filmmaker, via E-mail

"Just watched this at Widescreen Weekend. Really excellent documentary. I like how people were just left to put across their point of view and personal opinion."
Paul Shackleton, via Youtube

"...delightful short film..."
Mark Trompeteler, Cinema Technology Vol. 27, No. 3, September 2014

„Es ist schon lobenswert, wenn ein filmbessesener Journalist selbst einen Film dreht. Umso mehr wenn er seiner Leidenschaft für die große Leinwand ein Denkmal setzt. Mit viel ansteckender Begeisterung hat er weitere „Widescreenfans“ zu Wort kommen lassen. Ein gelungenes Plädoyer für die große Leinwand und die Helden die sich darauf tummeln. In der Hoffnung diese Spezies stirbt nicht aus“!
Klaus Pellkofer, Kinobetreiber, Filmkritiker & Rundfunkmoderator

"Wolfram Hannemanns “Remembering Widescreen” ist eine ebenso kundige wie unterhaltsame Dokumentation über eine Szene von Filmenthusiasten, die sich jedes Jahr im britischen Bradford zu einem Festival des alten Großformatkinos trifft. Hannemann, der in seiner No-Budget-Produktion nicht nur die Regie führt, sondern auch die Rollen von Kameramann, Cutter und Komponist übernommen hat, ist selber Teil dieser Szene. In seiner Interviewmontage gelingt es ihm, die Begeisterung für die Breitleinwand (und auch für den guten Ton!) auf den Zuschauer zu übertragen. Man möchte danach sofort einen Filmpalast aufsuchen, um eine gut erhaltene Kopie von "Ben Hur", “Where Eagles dare" oder "2001 - Odyssee im Weltraum" zu sehen, besser: diese Werke im richtigen Format zu erleben."
Rupert Koppold, Filmkritiker & Freier Journalist


"Wolfram Hannemanns kenntnisreich gemachter Kurzfilm über das “Widescreen Weekend”-Festival im englischen Bradford war für mich ein 35 Minuten andauerndes Vergnügen. Sehr informative Interviews mit den Machern, dazu liebevolle Aussagen zahlreiche Festivalbesucher, die mir eine Menge, zum Teil lange vergessene Filme wieder in Erinnerung riefen. Dazu wurden einzelne Titel genannt (zum Beispiel "Zulu" von 1964), von denen ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie gehört hatte. Sie gaben Anlass für eilige Recherchen auf IMDB.

Der Film war wie eine Reise in die gute alte Zeit, lange vor den heute im Platz zwangsläufig oft arg eingegrenzten Multiplexen, als es zwar weder Eis noch Nachos, dafür aber superbreite Leinwände gab, über die ich in meiner Jugendzeit unter anderem Winnetou und Old Shatterhand reiten sah und, um nur einen Titel zu nennen, "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" bewundern konnte. In allen Fällen gab es Mehrfach-Sichtungen, was sich damals angesichts mangelnder Abwechslung (die Schulmädchen-Reporte begannen in dieser Zeit, auf Jahre hinaus die Leinwände zu verstopfen) beinahe von selbst versteht.

70 Millimeter-Filme - und die dazu passenden Kinos - sind heute, wie dieser Film berichtet, Raritäten, zum Glück von Enthusiasten am Leben erhalten und gar zu oft in Regalen achtlos geparkt, vernachlässigt und daher nicht mehr vorführbar. Von dem grandiosen und in der Doku erwähnten "Music Man" (1962) mit Robert Preston soll es zum Beispiel keine intakte Kopie mehr geben.

Wolfram Hannemanns Film ist - leider - auch ein Beweis dafür, wie engstirnig heute die Verantwortlichen in Hollywood auf jene Enthusiasten reagieren, die mit Hingabe und Sachverstand das Ereignis "70 Millimeter" in uns wach halten. Muss man tatsächlich so rigide das Einblenden von einstigen Trailern und sogar das Zeigen eines Plakates von damals verbieten? Es ist - zumindest für mich - nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar, zumal mit Dokumentationen dieser Art ja kein Geld verdient werden soll.

So bietet der Film zwar nur 35 Minuten, die dafür aber voller Gehalt und gespickt mit wissenswerten Informationen sind. Außerdem bleibt es jedem Seher vorbehalten, die Dokumentation für sich selbst nach Herzenslust zu verlängern, weil wir in Gedanken ja jede Menge Filmschnipsel in all die Interviews "reinschneiden" können.

Danke also für einen gelungenen Kinobesuch!"
Reinhard Thiel, Freier Journalist & Filmkritiker


Der Cinemaniker Wolfram Hannemann ist ein kenntnisreicher Liebhaber opulenter Bild- und Tonformate, aber auch der dahinter stehenden Kinotechnik, der gerade endenden Mechanikära im Vorführraum. Sein Dokumentarfilm „Remembering Widescreen“ erzählt nominell vom Widescreen-Weekend beim Bradford International Film Festival in Bradford, einem Mekka der Freunde von 70mm, Cinerama und IMAX. Aber die spannende Sammlung von Interviews ist gar kein Film über Formateigenheiten und Technikgeschichte, über die Problematik der Kopienausbleichung oder die Pflege alter Projektoren. Es geht hier um Menschen, nicht um das strahlende Bild auf der Leinwand, sondern um das Leuchten in den Augen der Zuschauer.

Hannemann lässt in klar durchdachten und abwechslungsreich montierten Einstellungen, die nie das bedrückende Gefühl einer Talking-Head-Galerie entstehen lassen, Besucher und Veranstalter ihre Begeisterung und Motivation darlegen. Es geht um die Liebe zum Kino, hier speziell um jene, die sich an den ganz großen Bildern entzündet hat und ein Leben lang anhielt. Aber wiederfinden können sich hier alle Kinoliebhaber, auch jene, deren Begeisterung nicht von „Lawrence von Arabien“ in voller Pracht angefacht wurde, sondern von der verregneten, unruhig laufenden 35-mm-Kopie eines alten Schwarzweiß-Films aus der B-Produktion eines C-Studios.

Dass die Cinephilen in Bradford nicht einem möglicherweise spöttelnd distanzierten Beobachter von außen Rede und Antwort stehen, sondern ihresgleichen, den sie als Referent und Präsentator kennen, ist ihrer Gelöstheit im Interview anzumerken, ihrer Bereitschaft, privates Glück öffentlich zu machen. Hier wird ihre Liebe zu einem Medium nicht kleingeredet, nicht rationalisiert, schon gar nicht als Irrweg der Auseinandersetzung mit Inhalten getadelt: hier wird die pure Entrückungsqualität von Kino gepriesen. „Remembering Widescreen“ ist absolut sehenswert – und man darf auf Hannemanns weitere Arbeiten zum Thema gespannt sein.
Thomas Klingenmaier, Kulturredakteur der "Stuttgarter Zeitung"

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Wolfram Hannemanns

Kanal

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Die Kunst zu lieben       Väter und andere Katastrophen
Im Gespräch mit Douglas Trumbull
Tabu       Jasmin       Die Kirche bleibt im Dorf
Herr Wichmann aus der dritten Reihe      Dichter und Kämpfer
Bittere Kirschen      Speed      Im Gespräch mit Dietrich Brüggemann
3 Zimmer/Küche/Bad      Die Wand      Gnade      Parked - Gestrandet
Im Gespräch mit Colm Meaney & Darragh Byrne
Im Gespräch mit Hermine Huntgeburth, Leon Seidel & Jacky Ido
Im Gespräch mit David Sieveking      Vergiss mein nicht
Jäger des Augenblicks      The Broken Circle (Langfassung)      5 Jahre Leben
The Broken Circle (Kurzfassung)    Ein Freitag in Barcelona
Wochenendkrieger    Wochenendkrieger - Die Filmmusik
UMMAH - Unter Freunden      Spieltrieb      BKM Preisverleihung
Die Nonne      Scherbenpark      IMAX im Filmpalast am ZKM
Live and Let Live      Kreuzweg      Cerro Torre      Die schöne Krista
Laser Hotline @ FMX 2014      Fascinating India 3D      Monsoon Shootout      Jadoo
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Im Labyrinth des Schweigens      Traumland      Ein Hells Angel unter Brüdern
Doktor Proktors Pupspulver      Willkommen auf Deutsch      10 Milliarden
The Forecaster      Das Zimmermädchen Lynn      Beyond Punishment
Victoria      Freistatt      Der Bunker      Die Kleinen und die Bösen
Stung      Paul Hyett talking HOWL      Heil



FANTASY FILMFEST WHITE NIGHTS 2017

Freitag, 24. Februar 2017
Mutanten und Dauer-Hartzer
Mit einem Kontrastprogramm wurde ich heute in das wohlverdiente Wochenende verabschiedet

LOGAN – THE WOLVERINE (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Logan
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: James Mangold
Darsteller: Hugh Jackman, Sir Patrick Stewart, Dafne Keen, Boyd Holbrook
Kinostart: 02.03.2017

Man schreibt das Jahr 2029. Gemeinsam mit dem Albino Caliban sowie Professor X lebt Mutant Logan versteckt in einem heruntergekommenen Industriegelände. Um die dringend notwendige Medizin für Professor X besorgen zu können, jobbt Logan als Taxifahrer. So lernt er eine junge Frau kennen, die ihn bittet, sie und ihre Tochter Laura über die kanadische Grenze zu bringen. Bevor es noch dazu kommt, wird die junge Frau ermordet. Widerwillig nimmt sich Logan der Kleinen an und muss gemeinsam mit seinen Freunden vor einem übermächtigen Gegner fliehen... Gemessen an vielen anderen Marvel-Filmen könnte man LOGAN fast schon als “Marvel für Arthouse” bezeichnen. Natürlich gibt es auch hier Action, jedoch nicht die fast schon zum Standard gewordene halbstündige Materialschlacht, mit der die Marvel-Filme so gerne zu Ende gehen. Dasselbe gilt für die visuellen Effekte, die zwar vorhanden sind, aber sich nie in den Vordergrund drängen. Und last but not least gibt es keinen Kompositionsgigantismus auf der Tonspur – die Filmmusik gibt sich ungewohnt ruhig und verleiht dem Film alleine dadurch schon eine Sonderstellung im Marvel-Universum. Einschlägiges Multiplex-Publikum dürfte sich mit dem Film etwas schwer tun, beginnt er doch recht langsam und braucht (oder besser: nimmt) seine Zeit, um richtig in die Gänge zu kommen. Die erste große Action-Sequenz, in der Logan zusammen mit X, Caliban und Laura aus seinem Versteck flüchtet, erinnert ein wenig an MAD MAX. Obgleich sein Film im Jahr 2029 angesiedelt ist, spart Regisseur James Mangold mit aktuellen politischen Bezügen: in Abwandlung eines allzu bekannten Slogans tönt es aus einem Fernseher oder einem Radio im Hintergrund “Make America’s corn great again!”. Gemeint ist damit zwar der genmanipulierte Mais, der in dieser nahen Zukunft die amerikanischen Felder dominiert, doch der Seitenhieb auf Trump ist unverkennbar. Hugh Jackman mimt einmal mehr den “Wolverine”, jenen Mutanten, der bei Bedarf blitzschnell messerscharfe Stahlkrallen ausfahren kann. Ein sichtlich abgehalfterter Mann, der dem Alkohol frönt, um sein schweres Schicksal zu ertragen. Ebenfalls messerscharfe Krallen zeigt die kleine Laura, die sich als Logans Tochter entpuppt und ziemlich böse werden kann. Gespielt wird sie von Dafne Keen, die frischen Wind in die Geschichte bringt, ohne dass sie viel reden muss. In ihr könnte die Zukunft des Wolverines liegen. Fazit: LOGAN ist ambitioniertes Action-Kino mit einigen Härten.

HAPPY BURNOUT (1:2.35, 5.1)
Verleih: Warner
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: André Erkau
Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Anke Engelke, Michael Wittenborn, Kostja Ullmann, Julia Koschitz
Kinostart: 27.04.2017

Fussel genießt sein Leben. Allerdings auf Staatskosten. Denn der konsequente Arbeitsverweigerer ist Dauer-Hartzer. Allerdings nur, solange die Dame von der Arbeitsagentur mitzieht. Aber Fussel weiß, welche Geschichten man auftischen muss, um staatlich finanziert zu werden. Alles ändert sich, als eine interne Überprüfung dazu führt, dass sein falsches Spiel fast auffliegt. Doch die Dame vom Amt, die ihm seine Geschichten immer noch glaubt, hat die rettende Idee: Fussel soll sich als Burnout-Patient stationär therapieren lassen. Bald schon mischt er die Klinik komplett auf... André Erkaus Film ist ein Zwitter. Einerseits möchte er Komödie sein, andererseits aber ist er viel zu ernst. Einen guten Mittelweg beschreitet der Film leider nicht. Erkau wäre mal besser bei der reinen Komödie geblieben. Was hätte man aus der Grundidee alles machen können: ein Hartzer tut alles dafür, um direkt in den gut bezahlten Ruhestand zu gelangen! Das hat doch Potenzial. Schade, dass es nicht abgeschöpft wird und dafür in eine Art “Einer flog über das Kuckucksnest” mit hoch dramatischen Einlagen mündet. Fazit: muss man nicht gesehen haben.
Donnerstag, 23. Februar 2017
Eine Ode an die Freude
Die heutige Pressevorstellung wartete mal wieder mit einer interessanten Doku auf

DANCING BEETHOVEN (1:1.85, 5.1)
OT: Dancing Beethoven
Verleih: Arsenal
Land/Jahr: Schweiz, Spanien 2016
Regie: Arantxa Aguirre
Darsteller: Malya Roman, Julien Favreau, Elisabeth Ros
Kinostart: 13.04.2017

Neun Monate wird es dauern, bis das berühmte Béjart-Ballett Lausanne gemeinsam mit dem Tokyoter Ballett sowie dem Israel Philharminic Orchestra unter Leitung von Zubin Mehta das Ballett zu Beethovens 9. Sinfonie einstudiert hat. Die Schauspielerin Malya Roman, deren Eltern noch unter Béjart selbst getanzt haben, vergleicht den Prozess mit dem neunmonatigen Zyklus einer Geburt. Roman übernimmt in dem Dokumentarfilm von Arantxa Aguirre die Rolle einer Journalistin ein, die den Entstehungsprozess des Balletts bis hin zur Aufführung begleitet. In Interviews mit den Tänzern, Musikkritikern, Musikern und Choreographen versucht sie zu ergründen, was hinter Béjarts Absicht steckte, ein Ballett zu einer Beethoven-Sinfonie zu entwickeln. Auch wenn man – so wie ich – Ballett nicht mag, vergehen die 80 Minuten bei diesem wunderbaren Blick hinter die Kulissen wie im Flug. Daher nicht nur für Tanzbegeisterte zu empfehlen.
Mittwoch, 22. Februar 2017
Finnische Melancholie
Aki Kaurismäkis neuestes Werk gab sich heute die Ehre

DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG (1:1.85, DD 5.1)
OT: Toivon Tuolla Puolen
Verleih: Pandora
Land/Jahr: Finnland 2017
Regie: Aki Kaurismäki
Darsteller: Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Ilkka Koivula
Kinostart: 30.03.2017

Der Syrer Khaled ist in Finnland gestrandet und soll abgeschoben werden. Doch er flieht und versteckt sich. Der alte Wikström findet ihn. Einst fliegender Händler für Herrenhemden, hat er gerade erst ein abgewracktes Restaurant übernommen und bietet Khaled einen Job sowie Unterschlupf an... An die unendliche Melancholie seiner Filme hat man sich inzwischen zwar gewöhnt, doch gelingt es dem Finnen Aki Kaurismäki immer wieder aufs Neue das Melancholische neu zu erfinden. Die Personen, die Orte, die Situationen – hier drückt wirklich alles aufs Gemüt. Und dennoch gibt es so etwas wie Hoffnung, die immer wieder kurz aufflackert. Das Restaurant, in dem viele der Szenen im Film spielen, könnte übrigens direkt einem Film von Jacques Tati entsprungen sein. Genauso wie die Menschen, die dort arbeiten. Absurd, skurril und trotzdem zutiefst menschlich – Kaurismäki zeigt uns mal wieder, wie es geht.
Dienstag, 21. Februar 2017
Auf der Suche
Eine Dramödie aus dem Norden stand heute auf der Tagesordnung

ROSEMARI (1:2.35, 5.1)
OT: Rosemari
Verleih: farbfilm
Land/Jahr: Norwegen, Dänemark, Deutschland 2016
Regie: Sara Johnsen
Darsteller: Tuva Novotny, Ruby Dagnall, Jesper Christensen, Emil Johnsen
Kinostart: 20.04.2017

Ausgerechnet als Unn Toves Hochzeit in vollem Gange ist, findet die Braut auf der Toilette des Hotels ein frisch geborenes Baby auf dem Fußboden. Von der Mutter keine Spur. 16 Jahre später taucht bei Unn Tove, die inzwischen eigene Kinder hat und in Scheidung lebt, Rosemari auf, jenes Mädchen, das sie damals auf dem Fußboden fand... Eine Hochzeit, zwei Schicksale. Für Unn Tove deswegen, weil sie eigentlich einen ganz Anderen liebt und nicht den, den sie heiratet. Und für Rosemari, weil sie an genau diesem Tag geboren wurde. 16 Jahre später führt das Schicksal die beiden Frauen wieder zusammen. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche. Die burschikose Rosemari nach ihren leiblichen Eltern, die inzwischen geschiedene Unn Tove nach ihrer wahren Liebe. Zugegeben: das Drehbuch gibt sich speziell am Ende zwar arg konstruiert, aber dank der darstellerischen Leistungen verzeiht man das gerne. Ruby Dagnall als Rosemari begeistert – ein Gesicht, das man gerne in Großaufnahme betrachtet und hoffentlich noch in weiteren Filmen zu sehen bekommt. Tuva Novotny überzeugt in der Rolle der Unn Tove, die Rosemari bei ihrer Suche unterstützt und dabei selbst lernen muss, zu ihren Gefühlen zu stehen. Sara Johnsens Film ist humorvoll und gefühlvoll zugleich und ist ein sympathischer Beitrag zum Thema Identifikationssuche. Off topic: Cinerama-Fans werden bei einer Einstellung des Films hellwach werden!
Montag, 20. Februar 2017
Monsieur José und sein Gefangener
Leichte Kost zu Beginn einer vollen Pressewoche

ALLES UNTER KONTROLLE (1:1.85, DD 5.1)
OT: Débarquement Immédiat
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich 2016
Regie: Philippe de Chauveron
Darsteller: Ary Abbitan, Medi Sadoun, Cyril Lecomte
Kinostart: 20.04.2017

Der französische Grenzpolizist José soll gemeinsam mit einem Kollegen den straffällig gewordenen Karzaoui in dessen Heimatstadt Kabul abschieben. Der aber behauptet nach wie vor steif und fest nicht derjenige zu sein, für den er gehalten wird und ist entsprechend verstimmt. Als das Flugzeug auf Malta dann auch noch notlanden muss, sieht Karzaoui seine Chance zu türmen... Mit dem Kinohit MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER hat Regisseur und Drehbuchautor Philippe de Chauveron hinlänglich bewiesen, dass er ein besonderes Gespür für das richtige Timing, wunderbare Dialoge und skurrile Situationen hat. Umso mehr freut man sich natürlich auf seine neueste Komödie, in der es auch wieder um das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen geht. Doch leider wird man dieses Mal ziemlich schnell enttäuscht. Der Film ergeht sich in unzähligen Wiederholungen, bewegt sich sozusagen im Kreis und kommt nicht von der Stelle. Ab einem bestimmten Punkt wird man die Geschichte nur noch als nervig empfinden. Dazu hat sich de Chauveron ein recht unglückliches Thema gewählt, denn ausgerechnet die Flüchtlingskrise soll hier komödiantisch ausgeschlachtet werden. Das kann eigentlich nur schiefgehen. Und das tut es leider auch.
Freitag, 17. Februar 2017
Abenteuer im Amazonas
Juhuu – eine Pressevorführung! Allerdings die einzige in dieser Woche...

DIE VERSUNKENE STADT Z (1:2.35, 5.1)
OT: The Lost City Of Z
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2017
Regie: James Gray
Darsteller: Charlie Hunnam, Sienna Miller, Robert Pattinson
Kinostart: 30.03.2017

1906: Im Auftrag der Royal Geographical Society geht Percy Fawcett erstmals nach Bolivien, um dort das Land zu vermessen. Obwohl die lange Trennung von Frau und Kind von beide Seiten enorme Opfer abverlangt, zieht es den Abenteurer immer wieder ins Amazonas-Gebiet, weil er sich dort auf den Spuren einer längst versunkenen Stadt glaubt... Fast zweieinhalb Stunden dauert James Grays als Abenteuerfilm verpacktes Biopic über den britischen Forscher Percy Fawcett. Spannend inszeniert immer dann, wenn wir Fawcett mit seinem kleinen Trupp auf Erkundungstour im bolivianischen Dschungel begleiten. Weniger fesselnd die Stopover zurück in der Heimat, wo Fawcetts kleine Familie jedes Mal wieder Zuwachs erhalten hat. Was ist denn das für ein Vater! Andere Zeiten, andere Sitten. Vor allem dann, wenn Ruhm die einzige Triebfeder ist! Fazit: trotz ein paar Einschränkungen brauchbares Abenteuerkino.
Mittwoch, 15. Februar 2017
Einmal Handauflegen, bitte!
Mangels Pressevorführungen in dieser Woche habe ich mal wieder mit einem Screener Vorlieb genommen

DIE GABE ZU HEILEN (1:2.35, 5.1)
Verleih: Camino
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Andreas Geiger
Kinostart: 23.02.2017

Unkommentiert, nur beobachtend, lässt Filmemacher Andreas Geiger den Zuschauer an sogenannten Wunderheilungen teilnehmen. Da wird Hand aufgelegt, da wird gependelt, da wird Wundermedizin getrunken, es fließen reichlich Tränen und plötzlich spürt der Patient eine Besserung bis hin zur vollkommenen Heilung. Soll man es glauben? Darf man es glauben? Einer der im Film porträtierten Heiler bringt es auf den Punkt: “Du musst daran glauben.” Und der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. Gottesfürchtig sind sie alle, diese Heiler. Ob sie nun in der Stadt leben oder auf einer Alm. Da wundert es nicht, dass einer der Einsiedler erzählt, dass er nicht nur Gott schon einmal gesehen hat, sondern auch den Teufel, der ein ganz ekelhafter Mann mit struppigem Haar sei. Da darf man als Zuschauer schon mal schmunzeln oder gerne auch richtig lachen – denn das soll ja äußerst gesund sein. Mit solchen netten Einlagen hält Geiger den vielen höchst emotionalen Momenten in seinem Film eben auch amüsante entgegen und erreicht damit die perfekte Balance. Hoch anzurechnen ist dem Film, dass er nicht versucht, das Wirken der Heiler mit der Schulmedizin zu vergleichen oder gar Ärzte zum Thema vor die Kamera holt. So bleibt der Film stets neutral und animiert die Zuschauer, sich ihre eigenen Gedanken zu machen.
Donnerstag, 09. Februar 2017
In den Katakomben von Antwerpen
Mit einem Kinderfilm zum Luther-Jahr ging die Pressewoche zu Ende

STORM UND DER VERBOTENE BRIEF (1:2.35, 5.1)
OT: Storm: Letters Van Vuur
Verleih: farbfilm
Land/Jahr: Niederlande 2017
Regie: Dennis Bots
Darsteller: Davy Gomez, Juna de Leeuw, Yorick van Wageningen
Kinostart: 23.03.2017

Antwerpen zur Zeit der Reformation. Der 12jährige Storm hilft seinem Vater, einem Buchdrucker, bei der Arbeit. Eines Tages erhält der Vater den Auftrag, einen Brief zu drucken. Wie Storm herausfindet, handelt es sich um einen äußerst prekären Brief von Martin Luther. Gleichzeitig taucht ein grausamer Inquisitor in der Stadt auf, der es auf alle Lutherianer abgesehen hat. Prompt landet Storms Vater im Gefängnis, während Storm selber mitsamt der Drucktafel fliehen kann. Gemeinsam mit dem Waisenmädchen Marieke setzt Storm jetzt alles daran, seinen Vater vor dem Scheiterhaufen zu retten... Mit seinem Abenteuerfilm sorgt Regisseur Dennis Bots dafür, dass das sogenannte “Luther-Jahr” auch an den Kindern nicht unbemerkt vorüberzieht. Allerdings ist nur schwer vorstellbar, dass die Zielgruppe über die Luther-Thematik überhaupt Bescheid weiß. Vermutlich spielt das bei Kindern auch gar keine Rolle, genügt denen einfach schon der Hinweis, dass Luther und seine Anhänger in dieser Geschichte die Guten und der Inquisitor und seine Schergen die Bösen sind. Wenn das erst einmal geregelt ist, kann das Abenteuer beginnen. Mit großer Orchestermusik untermalte Verfolgungsjagden in den Abwasserkanälen von Antwerpen, gefährliche Rettungsaktionen und eine Freundschaft zwischen einem Jungen und einem mit allen Wassern gewaschenen Mädchen sorgen für spannende Momente bei den kleinen Zuschauern. Verstörend könnte jedoch eine Folterszene wirken, auf die man lieber hätte verzichten sollen.
Dienstag, 07. Februar 2017
Verliebte Jungs und ein hochbegabtes Mädchen
Wie passen eigentlich schwule Teenager und ein Zombiemädchen zusammen? Normalerweise gar nicht. Es sei denn in einer Pressevorführung

MIT SIEBZEHN (1:1.78, 5.1)
OT: Quand On A 17 Ans
Verleih: Kool (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich 2016
Regie: André Téchiné
Darsteller: Sandrine Kiberlain, Kacey Mottet Klein, Corentin Fila
Kinostart: 16.03.2017

Niemand weiß warum, doch Damien und Tom können sich nicht leiden und geraten in der Schule ständig aneinander. Als Toms Mutter ins Krankenhaus muss, schlägt Damiens Mutter, ihre behandelnde Ärztin, vor, Tom solange bei sich aufzunehmen. Das passt Damien ganz und gar nicht. Doch das Blatt wird sich bald wenden... Jede Liebe muss gedeihen – auch eine schwule. So lässt sich André Téchiné in seinem Coming-Out-Drama viel Zeit, um die Geschichte von Tom und Damien zu erzählen. Und er tut dies sehr einfühlsam und sensibel und ohne dabei auf die Tränendrüse drücken zu müssen. Auch nicht, wenn Damiens Vater stirbt. Allerdings kommt die von Sandrine Kiberlain verkörperte Mutter etwas zu schnell über ihren Verlust hinweg. Auch eine Traumsequenz in der ersten Hälfte des Films, in der Damiens Mutter von Sex träumt, mag nicht so recht zum Rest des Films passen.

THE GIRL WITH ALL THE GIFTS (1:2.00, 5.1)
OT: The Girl With All The Gifts
Verleih: SquareOne/Universum
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2016
Regie: Colm McCarthy
Darsteller: Gemma Arterton, Glenn Close, Paddy Considine, Sennia Nanua
Kinostart: 09.02.2017

Seit ein aggressives Pilzgewächs in den Köpfen der Menschen diese in mörderische Bestien verwandelt hat, ist sie die einzige Chance: die kleine Melanie, aufgeweckt und hoch intelligent, ebenfalls infiziert, aber auch irgendwie anders. Die gefühlskalte Ärztin Dr. Caldwell würde das Mädchen am liebsten sofort aufschneiden, um einen Impfstoff zu erzeugen. Doch ein Übergriff des zähnefletschenden Mobs auf das Versuchslabor zwingt die Insassen in eine unsichere Zukunft zu fliehen. Mit Pflanzen überwucherte, unbewohnte Gebäude (einem schwäbischen Automobilhersteller dürfte eine ganz bestimmte Einstellung gar nicht gefallen!), in den Straßenfluchten reglos stehende, zu Zombies mutierte Menschen – schon die Bilder in Colm McCarthys postapokalyptischem und in England angesiedelten Horror-Thriller machen Angst. Dazu gesellt sich eine imposante, sehr kraftvolle Tonspur, auf der jedes kleine Geräusch bereits Gefahr bedeutet und die mit ihrer ungewöhnlichen Filmmusik - mal mechanisch hart, mal einlullend sanft - den Zuschauer in ihren Bann schlägt. Unbehagen macht sich breit. McCarthy, der vornehmlich fürs Fernsehen arbeitet, erweist sich hier als begnadeter Handwerker, der weiß, in welche Richtung man eine Spannungsschraube drehen muss, um maximalen Thrill zu erzeugen. Die Erkenntnis, dass es dafür nicht unbedingt ausufernder Splattereinlagen bedarf, wie man sie zur Genüge aus anderen Genre-Produktionen kennt, liefert der Film ganz nebenbei. Der Film wurde im vergangenen Jahr hierzulande im Rahmen des “Fantasy Filmfest” gezeigt und wird jetzt lobenswerterweise ganz regulär in die Kinos gebracht.
Sonntag, 05. Februar 2017
Von Alkoholschmugglern und gespaltenen Persönlichkeiten
Sonntags frönt man ja seiner Religion. Und da Film meine Religion ist, habe ich mir gleich ein Double Feature gegönnt

RAEES (1:2.35, 5.1)
OT: Raees
Verleih: Rapid Eye Movies
Land/Jahr: Indien 2017
Regie: Rahul Dholakia
Darsteller: Shah Rukh Khan, Nawazuddin Siddiqui, Sunny Leone
Kinostart: 02.02.2017

In den 1980er Jahren gilt im indischen Bundesstaat Gujarat ein Alkoholverbot. Das Geschäft mit Alkoholschmuggel blüht dafür umso mehr. In dieser Zeit wächst der schlaue Raees auf und wird im Lauf der Jahre zu einem der führenden Alkoholschmuggler. Doch der unbeirrbare Polizist Majmudar ist ihm auf den Fersen... Bollywood Superstar Shah Rukh Khan kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Nicht den romantischen Lover mimt er in Rahul Dholakias Film, sondern einen Kleinkriminellen, der zum Gangsterboss seines Viertels aufsteigt. Doch trotz aller kriminellen Energie hat er auch immer ein offenes Ohr für die Menschen in seiner Umgebung, für die er sich einsetzt, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Der mit einigen Song- und Dance-Einlagen bestückte Film ist in seiner Kernaussage leider ziemlich grenzwertig, rechtfertigt er doch sogar einen Mord als Mittel zum Zweck, um Bedürftigen eine Perspektive zu geben.

SPLIT(1:2.35, DD 5.1)
OT: Split
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2017
Regie: M. Night Shyamalan
Darsteller: James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley
Kinostart: 26.01.2017

Am hellichten Tag werden drei Schülerinnen von einem Psychopaten entführt und in einem unterirdischen Gefängnis festgehalten. Es kommt noch schlimmer: den Mädchen wird bewusst, dass gleich mehrere Herzen im Körper ihres Peinigers schlagen. Ganze 23 hat dessen Psychologin identifiziert. Und die 24., das “Biest”, steht kurz davor in Erscheinung zu treten... Man ist ja mit Regisseur M. Night Shyamalan etwas vorsichtig geworden, seit er mit THE HAPPENING einen ziemlich lächerlichen Film ablieferte. Mit seiner neuesten Kreation jedoch ist er wieder weitgehend “on track”, wie die Amis sagen würden. SPLIT ist ein passabler Thriller, der insbesondere von seinem Hauptdarsteller lebt. James McAvoy wurde die Aufgabe zuteil, gleich mehrere vollkommen unterschiedliche Charaktere zu mimen, die in demselben Körper stecken. Eine Aufgabe, die er mit Bravour absolviert. Allerdings muss man bei SPLIT auch Kritik ansetzen. So muss man sich stark wundern ob der Verhaltensweisen, die die drei entführten Mädchen an den Tag legen und die alles andere als “normal” oder “angemessen” für deren prekäre Situation ist. Des Weiteren fehlt es dem Film gehörig an Drive, was leider der Spannung erheblich Abbruch tut. Die allerletzte Szene macht uns am Ende dann klar, wo man SPLIT im Gesamtwerk des M. Night Shyamalan einzuordnen hat. Und ja: eine Fortsetzung dürfe mehr als wahrscheinlich sein!
Freitag, 03. Februar 2017
Aus der Hundeperspektive
Am Ende der Woche bin ich auf den Hund gekommen

BAILEY – EIN FREUND FÜRS LEBEN (1:2.35, DD 5.1)
OT: A Dog’s Purpose
Verleih: Constantin
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Lasse Hallström
Darsteller: Dennis Quaid, Britt Robertson, Peggy Lipton
Kinostart: 23.02.2017

Die Geschichte des kleinen Hundes Bailey, der im Laufe seiner vielen Leben mit den unterschiedlichsten Herrchen und Frauchen zu tun hat. - Auf vielfältige Art und Weise versuchen uns immer wieder Filme zu erklären, was denn nun tatsächlich der Sinn des Lebens sei. In Lasse Hallströms neuem Film ist das nicht anders. Mit dem kleinen Unterschied, dass uns dieses Mal ein Hund den Sinn des Lebens vermitteln möchte. Sagte ich ein Hund? Nun, im Prinzip ist es immer derselbe Hund, der über die vielen Jahre in verschiedenen Körpern auf Erden wandelt und uns aus dem Off (in der deutschen Fassung gesprochen von Florian David Fitz) seine ganz persönliche Sicht der Welt zu vermitteln versucht. Leider bleibt der Film damit ziemlich oberflächlich, missbraucht den Off-Kommentar einfach zu oft für Kalauer. Dass der Film nicht sonderlich inspirierend ist, merkt man auch an der Filmmusik meiner Lieblingskomponistin Rachel Portman, die – man erlaube mir diesen Ausdruck – extrem gewöhnlich klingt. Ein Kinogang, der weder aufwühlt noch wehtut, und sich noch am ehesten für Hundenarren lohnt.
Donnerstag, 02. Februar 2017
Politik und Theater
Ein Biopic und ein verfilmtes Theaterstück standen heute auf der Tagesordnung

DER JUNGE KARL MARX (1:2.35, 5.1)
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich, Deutschland, Belgien 2017
Regie: Raoul Peck
Darsteller: August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps
Kinostart: 02.03.2017

Am Vorabend der industriellen Revolution begegnen sich Karl Marx, ein ständig bankrotter Wirtschaftsjournalist, und Friedrich Engels, Sohn eines Fabrikanten, in Paris. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die die Welt verändern sollte. - Raoul Pecks Film schildert einen wichtigen Abschnitt im Leben des Karl Marx. Das zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien und England wandelnde Politdrama setzt allerdings schon einiges an historischem Wissen voraus und könnte daher eventuell als eine Ergänzung zum Geschichtsunterricht herangezogen werden. Doch letztendlich stellt sich die Frage, an welche Zielgruppe sich der aufwändig inszenierte Film wendet. Extrem störend: der Abspann ist mit einem fetzigen Song unterlegt, der in der Dramaturgie des Films absolut lächerlich wirkt

FENCES (1:2.35, DD 5.1 + 7.1)
OT: Fences
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Denzel Washington
Darsteller: Denzel Washington, Viola Davis, Mykelti Williamson
Kinostart: 16.02.2017

Weil er seine Karriere im Baseball wegen rassistisch motivierter Ausgrenzungen beenden musste, jobbt der Afroamerikaner Troy als Müllmann, um seine kleine Familie durchzubringen. Doch dass der Traum vom Ruhm geplatzt ist, frisst ihn langsam auf und verführt ihn zu Entscheidungen, die seine Familie zu zerreißen drohen. - FENCES ist eine bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzte Theaterverfilmung, die Denzel Washington mit sich selbst in der Hauptrolle inszenierte. Sieht man den Film in der englischen Originalfassung, so wird schnell klar, wem in diesem Jahr die Darsteller-Oscars gebühren! Leider ist das wunderbar fotografierte Melodram, das im Amerika der 1950er Jahre spielt, etwas zu lang geraten.
Mittwoch, 01. Februar 2017
Von Wellenreitern
Eine Doku zur Wochenmitte

GAZA SURF CLUB (1:2.35, 5.1)
Verleih: farbfilm
Land/Jahr: Deutschland 2015
Regie: Philipp Gnadt
Kinostart: 30.03.2017

Hohe Wellen rasen auf den Strand zu. Auf ihnen junge Männer mit ihren Surfbrettern. Eigentlich ein ganz normaler Anblick. Doch normal ist hier alles nur auf den ersten Blick. Denn wir befinden uns in Gaza, jenem schmalen Küstenstreifen zwischen Israel und Ägypten. Für die meisten Bewohner gleicht es einem Gefängnis, das sie nur unter großen Mühen verlassen können. Regisseur Phillip Gnadt nimmt den Zuschauer mit in dieses kleine Land, an dessen Strand sich eine Surfer-Szene etablieren möchte. Einige dieser Surfer porträtiert er in dieser interessanten Dokumentation. Wir erfahren von ihren Träumen, ihrem Alltag und was die Bretter für sie bedeuten. Und wir erfahren sogar, dass es auch Mädchen gibt, die gerne schwimmen und surfen, dies aber aufgrund ihrer Religion nicht dürfen. Dass der stolze Herr Papa sie aber trotzdem gewähren lässt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit wohl gemerkt. Als roter Faden durch den wunderbar photographierten Film dient die Geschichte von Ibrahim, einem jungen Mann, der in Gaza einen Surf-Shop eröffnen will und dafür ein Praktikum auf Hawaii absolvieren möchte. Der Bau für den Shop hat schon begonnen, alleine das Visum für den Urlaub in den USA lässt auf sich warten. Doch Wochen später geht sein Traum in Erfüllung und Ibrahim ist auf dem Weg nach Hawaii. Wie es weitergeht erfahren Sie im Kino.

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