Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

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Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
Weitere Termine in Vorbereitung!
Alle Infos gibt es hier


DAS GRÜNE GOLD
Filmpremiere in Stuttgart mit Regisseur Joakim Demmer

DIE BESTE ALLER WELTEN
Filmpremiere in Stuttgart

THE END OF MEAT
Filmemacher Marc Pierschel zu Gast in Stuttgart

HAUS OHNE DACH
MFG-Premiere in Stuttgart mit Regisseurin Soleen Yusef

WESTERN
Regisseurin Valeska Grisebach zu Gast in Stuttgart

DIE GÖTTLICHE ORDNUNG
Petra Volpe und Marie Leuenberger zu Gast in Stuttgart

EINFACH LEBEN
Filmemacher Hans Haldimann zu Gast in Stuttgart

SOMMERFEST
Regisseur Sönke Wortmann zu Gast in Stuttgart

DIL LEYLA
Regisseurin Asli Özarslan zu Gast im Delphi Filmtheater, Stuttgart

MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE
Darsteller Yaniss Lespert zu Gast in Stuttgart

VOLKER ENGEL
Im Gespräch mit dem VFX Supervisor und Oscar-Gewinner

MEIN WUNDERBARES WEST-BERLIN
Regisseur Jochen Hick zu Gast in Stuttgart

Michael Huber & Alex Lemke
Die VFX Supervisoren (Ang Lees "Billy Lynn's Long Halftime Walk")

Berenice Robinson
Disney Animations Vice President Post Production im Gespräch

Christian Lerch, Dolby Sound Consultant
Dolbys Content Service Manager spricht über seine Arbeit und Dolby Atmos

A CONVERSATION WITH KELLY ASBURY
Director, Sony Pictures Animation

A CONVERSATION WITH DAVID E. FLUHR
Re-Recording Mixer at Walt Disney Studios Post Production Services

NATIONAL BIRD
Regisseurin Sonia Kennebeck zu Gast in Stuttgart

BEUYS
Regisseur Andres Veiel zu Gast in Stuttgart

RÜCKKEHR NACH MONTAUK
Volker Schlöndorff zu Gast in Stuttgart

5 FRAUEN
Filmpremiere in Stuttgart mit Olaf Kraemer und Odine Johne

A CONVERSATION WITH PETER LORD
The man who made chicken run - Peter Lord, Creative Director of Aardman

GAZA SURF CLUB
Regisseur Philip Gnadt und Ko-Regisseur/Produzent Mickey Yamine zu Gast in Stuttgart

HAPPY
Regisseurin Carolin Genreith zu Gast in Stuttgart

PAWLENSKI - DER MENSCH UND DIE MACHT
Regisseurin Irene Langemann zu Gast in Stuttgart

DER HUND BEGRABEN
Filmpremiere in Stuttgart

BAUER UNSER
Regisseur Robert Schabus zu Gast in Stuttgart

WILDE MAUS
Filmpremiere in Stuttgart mit Josef Hader

DIE GABE ZU HEILEN
Weltpremiere in Stuttgart

FROM BUSINESS TO BEING
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

NICHT OHNE UNS
Filmpremiere im Stuttgarter Metropol-Kino

DIE BLUMEN VON GESTERN
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

MORRIS AUS AMERIKA
Regisseur Chad Hartigan zu Gast in Stuttgart

INSIDE LUDWIGSBURG SINFONIE
Regisseur Marcel Wehn, Kameramann Jörg Rambaum,
Komponistin Meike Katrin Stein, Projektbetreuer Andreas Fuchs,
Professor für Filmkomposition Matthias Raue
und Produzent Wolfgang Kerber geben Einblicke in die Entstehung
des Stummfilmprojekts "Ludwigsburg Sinfonie"

LOTTE
Hauptdarstellerin Karin Hanczewski und Regisseur Julius Schultheiß zu Gast in Stuttgart

DAS VERSPRECHEN (THE PROMISE)
Regisseur Marcus Vetter und Kameramann Georg Zengerling zu Gast in Stuttgart

DIE LETZTE SAU
Regisseur Aron Lehmann im Interview

SMS FÜR DICH
Karoline Herfurth & Friedrich Mücke zu Gast in Stuttgart

24 WOCHEN
Regisseurin Anne Zohra Berrached zu Gast in Stuttgart

TONI ERDMANN
Regisseurin Maren Ade zu Gast in Stuttgart

ROB LEGATO - Visual Effects Supervisor
Der zweifache Oscar-Gewinner im Interview

DER NACHTMAHR
Regisseur Akiz spricht über guten Sound, breite Bilder und vieles mehr

RICHARD EDLUND - Visual Effects Supervisor
In seinem Fach ist der mehrfache Oscar-Gewinner bereits eine Legende

WILD
Nicolette Krebitz zu Gast in Stuttgart

IMAX 15/70 im National Media Museum, Bradford, UK

IMAX WITH LASER @FILMPALAST AM ZKM, KARLSRUHE
David Keighley & Andrew Cripps - the IMAX force

THINK BIG
Weltpremiere am 08. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Schauburg Cinerama Theater, Karlsruhe

REMEMBERING WIDESCREEN
An exciting new documentary about a very special "family" gathering
Now available on Blu-ray!
More info here: www.remembering-widescreen.de


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"Saturday, the 12th, began with a bang: It was Wolfram Hannemann`s "Remembering Widescreen" movie introduced by himself in a very funny way. A 37 minutes documentary not only about the organizing of the festivals but also with a lot of, never boring, interviews with wide-film-buffs mostly filmed during last year's Widescreen Weekends in the Pictureville Cinema. All, of course, shot in widescreen format. I hope the short will be released on DVD / Blu-Ray sometime. Wolfram – very well done, my congratulations."
Gerhard Witte, Widescreen Aficionado, via www.in70mm.com

"We now have a wonderful record of the WSW!"
Mark Lyndon, MBKS, Writer & Broadcaster, via Facebook

"It's a little piece of WSW history. So proud to be a part of it."
Tony Earnshaw, Film Journalist, via Facebook

"Would love to get a copy of your film....so please let me know when it will be available."
Grant Wakefield, Filmmaker, via E-mail

"Just watched this at Widescreen Weekend. Really excellent documentary. I like how people were just left to put across their point of view and personal opinion."
Paul Shackleton, via Youtube

"...delightful short film..."
Mark Trompeteler, Cinema Technology Vol. 27, No. 3, September 2014

„Es ist schon lobenswert, wenn ein filmbessesener Journalist selbst einen Film dreht. Umso mehr wenn er seiner Leidenschaft für die große Leinwand ein Denkmal setzt. Mit viel ansteckender Begeisterung hat er weitere „Widescreenfans“ zu Wort kommen lassen. Ein gelungenes Plädoyer für die große Leinwand und die Helden die sich darauf tummeln. In der Hoffnung diese Spezies stirbt nicht aus“!
Klaus Pellkofer, Kinobetreiber, Filmkritiker & Rundfunkmoderator

"Wolfram Hannemanns “Remembering Widescreen” ist eine ebenso kundige wie unterhaltsame Dokumentation über eine Szene von Filmenthusiasten, die sich jedes Jahr im britischen Bradford zu einem Festival des alten Großformatkinos trifft. Hannemann, der in seiner No-Budget-Produktion nicht nur die Regie führt, sondern auch die Rollen von Kameramann, Cutter und Komponist übernommen hat, ist selber Teil dieser Szene. In seiner Interviewmontage gelingt es ihm, die Begeisterung für die Breitleinwand (und auch für den guten Ton!) auf den Zuschauer zu übertragen. Man möchte danach sofort einen Filmpalast aufsuchen, um eine gut erhaltene Kopie von "Ben Hur", “Where Eagles dare" oder "2001 - Odyssee im Weltraum" zu sehen, besser: diese Werke im richtigen Format zu erleben."
Rupert Koppold, Filmkritiker & Freier Journalist


"Wolfram Hannemanns kenntnisreich gemachter Kurzfilm über das “Widescreen Weekend”-Festival im englischen Bradford war für mich ein 35 Minuten andauerndes Vergnügen. Sehr informative Interviews mit den Machern, dazu liebevolle Aussagen zahlreiche Festivalbesucher, die mir eine Menge, zum Teil lange vergessene Filme wieder in Erinnerung riefen. Dazu wurden einzelne Titel genannt (zum Beispiel "Zulu" von 1964), von denen ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie gehört hatte. Sie gaben Anlass für eilige Recherchen auf IMDB.

Der Film war wie eine Reise in die gute alte Zeit, lange vor den heute im Platz zwangsläufig oft arg eingegrenzten Multiplexen, als es zwar weder Eis noch Nachos, dafür aber superbreite Leinwände gab, über die ich in meiner Jugendzeit unter anderem Winnetou und Old Shatterhand reiten sah und, um nur einen Titel zu nennen, "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" bewundern konnte. In allen Fällen gab es Mehrfach-Sichtungen, was sich damals angesichts mangelnder Abwechslung (die Schulmädchen-Reporte begannen in dieser Zeit, auf Jahre hinaus die Leinwände zu verstopfen) beinahe von selbst versteht.

70 Millimeter-Filme - und die dazu passenden Kinos - sind heute, wie dieser Film berichtet, Raritäten, zum Glück von Enthusiasten am Leben erhalten und gar zu oft in Regalen achtlos geparkt, vernachlässigt und daher nicht mehr vorführbar. Von dem grandiosen und in der Doku erwähnten "Music Man" (1962) mit Robert Preston soll es zum Beispiel keine intakte Kopie mehr geben.

Wolfram Hannemanns Film ist - leider - auch ein Beweis dafür, wie engstirnig heute die Verantwortlichen in Hollywood auf jene Enthusiasten reagieren, die mit Hingabe und Sachverstand das Ereignis "70 Millimeter" in uns wach halten. Muss man tatsächlich so rigide das Einblenden von einstigen Trailern und sogar das Zeigen eines Plakates von damals verbieten? Es ist - zumindest für mich - nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar, zumal mit Dokumentationen dieser Art ja kein Geld verdient werden soll.

So bietet der Film zwar nur 35 Minuten, die dafür aber voller Gehalt und gespickt mit wissenswerten Informationen sind. Außerdem bleibt es jedem Seher vorbehalten, die Dokumentation für sich selbst nach Herzenslust zu verlängern, weil wir in Gedanken ja jede Menge Filmschnipsel in all die Interviews "reinschneiden" können.

Danke also für einen gelungenen Kinobesuch!"
Reinhard Thiel, Freier Journalist & Filmkritiker


Der Cinemaniker Wolfram Hannemann ist ein kenntnisreicher Liebhaber opulenter Bild- und Tonformate, aber auch der dahinter stehenden Kinotechnik, der gerade endenden Mechanikära im Vorführraum. Sein Dokumentarfilm „Remembering Widescreen“ erzählt nominell vom Widescreen-Weekend beim Bradford International Film Festival in Bradford, einem Mekka der Freunde von 70mm, Cinerama und IMAX. Aber die spannende Sammlung von Interviews ist gar kein Film über Formateigenheiten und Technikgeschichte, über die Problematik der Kopienausbleichung oder die Pflege alter Projektoren. Es geht hier um Menschen, nicht um das strahlende Bild auf der Leinwand, sondern um das Leuchten in den Augen der Zuschauer.

Hannemann lässt in klar durchdachten und abwechslungsreich montierten Einstellungen, die nie das bedrückende Gefühl einer Talking-Head-Galerie entstehen lassen, Besucher und Veranstalter ihre Begeisterung und Motivation darlegen. Es geht um die Liebe zum Kino, hier speziell um jene, die sich an den ganz großen Bildern entzündet hat und ein Leben lang anhielt. Aber wiederfinden können sich hier alle Kinoliebhaber, auch jene, deren Begeisterung nicht von „Lawrence von Arabien“ in voller Pracht angefacht wurde, sondern von der verregneten, unruhig laufenden 35-mm-Kopie eines alten Schwarzweiß-Films aus der B-Produktion eines C-Studios.

Dass die Cinephilen in Bradford nicht einem möglicherweise spöttelnd distanzierten Beobachter von außen Rede und Antwort stehen, sondern ihresgleichen, den sie als Referent und Präsentator kennen, ist ihrer Gelöstheit im Interview anzumerken, ihrer Bereitschaft, privates Glück öffentlich zu machen. Hier wird ihre Liebe zu einem Medium nicht kleingeredet, nicht rationalisiert, schon gar nicht als Irrweg der Auseinandersetzung mit Inhalten getadelt: hier wird die pure Entrückungsqualität von Kino gepriesen. „Remembering Widescreen“ ist absolut sehenswert – und man darf auf Hannemanns weitere Arbeiten zum Thema gespannt sein.
Thomas Klingenmaier, Kulturredakteur der "Stuttgarter Zeitung"

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Wolfram Hannemanns

Kanal

Walhalla   Fliegende Fische   Gottesaue   Bradford   Christmas   Tattoo   Bruno
Die Kunst zu lieben       Väter und andere Katastrophen
Im Gespräch mit Douglas Trumbull
Tabu       Jasmin       Die Kirche bleibt im Dorf
Herr Wichmann aus der dritten Reihe      Dichter und Kämpfer
Bittere Kirschen      Speed      Im Gespräch mit Dietrich Brüggemann
3 Zimmer/Küche/Bad      Die Wand      Gnade      Parked - Gestrandet
Im Gespräch mit Colm Meaney & Darragh Byrne
Im Gespräch mit Hermine Huntgeburth, Leon Seidel & Jacky Ido
Im Gespräch mit David Sieveking      Vergiss mein nicht
Jäger des Augenblicks      The Broken Circle (Langfassung)      5 Jahre Leben
The Broken Circle (Kurzfassung)    Ein Freitag in Barcelona
Wochenendkrieger    Wochenendkrieger - Die Filmmusik
UMMAH - Unter Freunden      Spieltrieb      BKM Preisverleihung
Die Nonne      Scherbenpark      IMAX im Filmpalast am ZKM
Live and Let Live      Kreuzweg      Cerro Torre      Die schöne Krista
Laser Hotline @ FMX 2014      Fascinating India 3D      Monsoon Shootout      Jadoo
Diplomatie      Vicious Brothers      Daniel Stamm      Wolfskinder
Im Labyrinth des Schweigens      Traumland      Ein Hells Angel unter Brüdern
Doktor Proktors Pupspulver      Willkommen auf Deutsch      10 Milliarden
The Forecaster      Das Zimmermädchen Lynn      Beyond Punishment
Victoria      Freistatt      Der Bunker      Die Kleinen und die Bösen
Stung      Paul Hyett talking HOWL      Heil



FANTASY FILMFEST #30 (01.-11-09-2016) - Ein Rückblick

Samstag, 21. Oktober 2017
Dreißig Jahre später
In Bradford habe ich einen Film nachgesessen, den Sony der Presse in Stuttgart vorenthielt

BLADE RUNNER 2049 (1:2.35 (Standard), 1:1.90 (IMAX), 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Blade Runner 2049
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Denis Villeneuve
Darsteller: Ryan Gosling, Harrison Ford, Ana de Armas
Kinostart: 05.10.2017

30 Jahre sind vergangen, seit der LAPD Blade Runner Deckard mit seinem Schützling Rachel verschwunden ist. Nun soll ein neuer Blade Runner, K genannt, ein streng gehütetes Geheimnis aufdecken, das sämtliche gesellschaftlichen Strukturen ins Chaos stürzen könnte. Ks Recherchen bringen ihn bald auf die Spur von Deckard... Um es gleich vorweg zu sagen: sieht man die Fortsetzung zu Ridley Scotts bahnbrechendem Sci-Fi-Film aus dem Jahre 1982 nicht im IMAX-Format, darf man sich nicht darüber wundern, wenn der Film auf seine Handlung reduziert wird. Will heissen: Denis Villeneuves Sci-Fi-Extravaganza lebt insbesondere durch seine opulenten Bilder, die den Zuschauer förmlich in sich aufsaugen. Das sind dann oft derart großartige Bilder, die Roger Deakins geschaffen hat, dass diese auf IMAX-Größe sogar in der 2D-Fassung dreidimensional wirken. Der Oscar dürfte Deakins sicher sein. Mit einer Spielzeit von 163 Minuten ist Villeneuve zwar etwas über das Ziel hinausgeschossen, doch gelingt es ihm nichtsdestotrotz, die Aufmerksamkeit des Zuschauers von der ersten bis zur letzten Minute auf sich zu ziehen. Ryan Goslings Spiel fällt dabei leider etwas dürftig aus, aber könnte vielleicht der Tatsache geschuldet sein, dass er einen Androiden darstellt. Als bekennendem Fan von Ridley Scotts BLADE RUNNER war ich extrem skeptisch was eine Fortsetzung angeht. Weil man zu einem Kultfilm einfach keine Fortsetzung machen kann. Als ich den Film jetzt aber auf Yorkshires größter IMAX-Leinwand erlebe durfte, wich meine Skepsis von Einstellung zu Einstellung und BLADE RUNNER 2049 entließ mich mit einem echten “Wow”-Gefühl aus dem Kinosaal. Mein Tipp: unbedingt in IMAX anschauen (der Film wurde eigens dafür umformatiert).
Donnerstag, 19. Oktober 2017
Eisige Kälte
Zwei Filme mit viel Schnee....grrrrrrr....

DIE REISE DER PINGUINE 2 (1:2.35, 5.1)
OT: L’Empereur
Verleih: Wild Bunch Germany
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Luc Jacquet
Kinostart: 02.11.2017

Schon zwölf Jahre ist es her, dass Luc Jacquet sich mit DIE REISE DER PINGUINE den Oscar für den besten Dokumentarfilm holte. Lag das Augenmerk dabei auf die Nahrungssuche der Kaiserpinguine, ihre Balzzeit und ihren Marsch zu den Brutplätzen, so geht es im Fortsetzungsfilm jetzt um den Nachwuchs selbst. 2015 reiste der Filmemacher wieder zum Südpol, um dabei zu sein, wenn es Zeit für die jungen Kaiserpinguine Zeit wird, ins Leben einzutreten. Dank modernster Kameratechnik (meist in 4K und unter Verwendung von Drohnen und Tauchbooten) gelingen Luc Jacquet und seinem Team atemberaubende Bilder der arktischen Landschaften, die teils surreal wirken. Man staunt, mit welcher Präzision sogar Unterwasseraufnahmen eingefangen werden können. Bis zu 70 Meter tauchten die Kameras in die Tiefe, um die Kaiserpinguine in ihrem Element zeigen zu können. Und die an Land watschelnden Tiere schaffen sogar Tauchgänge von bis zu 600 Meter! Löblicherweise verzichtet Jacquet im Gegensatz zum ersten Film auf die Vermenschlichung der Tiere. Der Off-Kommentar (in der deutschen Fassung gesprochen von Udo Wachtveitl) bleibt sachlich und rückt insbesondere die großen, von der Wissenschaft bislang ungelösten Rätsel über das Verhalten der Kaiserpinguine in den Fokus: wie finden die Tiere nach einer Reise von mehreren hundert Kilometern wieder zurück zu ihrer Familie? Warum marschieren die Jungtiere bereits in Reih und Glied zum Ozean, den sie vorher noch nie gesehen haben? Und so weiter. Die äußerst sensible Filmmusik von Cyrille Aufort unterstützt dieses grandiose Abenteuer perfekt, ohne je zu dick aufzutragen. Besonders gelungen: die nicht lineare Erzählweise, die für eine Dokumentarfilm wie diesen äußerst ungewöhnlich ist und ihn schon alleine deswegen noch interessanter macht.

DREI ZINNEN (1:2.35, 5.1)
Verleih: NFP marketing & distribution
Land/Jahr: Deutschland, Italien 2017
Regie: Jan Zabeil
Darsteller: Alexander Fehling, Bérénice Bejo, Arian Montgomery
Kinostart: 14.12.2017

Wegen Aaron hat Lea ihren Mann verlassen. Ihr achtjähriger Sohn Tristan vermisst zwar seinen Vater, kommt aber mit Aaron zurecht, der viel mehr kann als der Vater. Den gemeinsamen Urlaub der Drei möchte Aaron dafür nutzen, für Tristan ein neuer Vater zu werden. Das jedoch erweist sich als schwierig, da Tristan immer noch am leiblichen Vater hängt. Als Aaron alleine mit Tristan auf zu einer Bergtour startet, spitzt sich die Situation zu... Kameramann Axel Schneppat liefert die kühlen CinemaScope-Bilder zu Jan Zabeils Psychodrama, die den Film damit zu einem optischen Genuss werden lassen. Wenn sich langsam dichter Nebel über die “Drei Zinnen” (symbolisch: Vater, Mutter, Kind) legt und Tristan in seinem weißen Wintermantel ganz allmählich eins wird mit dem Hintergrund, hat das etwas so Bedrohliches, dass es einen als Zuschauer förmlich in Alarmbereitschaft versetzt. Zabeils psychologisch gut ausgedachtes Drei-Personen-Stück leidet einzig unter seinem Ende, das der Regisseur leider nicht offen lässt.
Mittwoch, 18. Oktober 2017
Die Tänzerin und der abgestürzte Weihnachtsmann
Russisches Epos vs Augsburger Puppenkiste – mein Mittwochserlebnis

MATHILDE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Matilda
Verleih: Kinostar
Land/Jahr: Russland 2017
Regie: Aleksey Uchitel
Darsteller: Lars Eidinger, Michalina Olszanska, Danila Kozlovsky, Luise Wolfram
Kinostart: 02.11.2017

Die Affäre des russischen Thronfolgers Nikolaus mit der recht flatterhaften Ballerina Mathilde wird am Hofe nicht gebilligt. Längst ist seine Heirat mit Alix von Hessen beschlossene Sache. Doch Nikolaus und Mathilde können nicht voneinander lassen. Als der Zar überraschend stirbt, gerät Nikolaus in einen Gewissenskonflikt: soll er tatsächlich seines Vaters Nachfolge antreten und sich um sein Volk kümmern oder lieber mit einer Ballerina glücklich werden, die auch noch andere Liebschaften pflegt? - Mit großem Aufwand in Kostüm und Ausstattung inszeniert Aleksey Uchitel das Liebesdrama, das sich im Russland des ausgehenden 18. Jahrhunderts abspielt und das von Marco Beltramis pompösem Score untermalt wird. Letzterer setzt allerdings etwas zu oft auf immer dasselbe Liebesthema, das meist auf einem Klavier gespielt wird. Was die Handlung des Films angeht, so macht diese einen manchmal recht wirren Eindruck. Fast so, als ob wir heute nur die gekürzte Fassung eines monumentalen Werkes gesehen hätten (die uns gezeigte Fassung dauerte 110 Minuten). Lars Eidinger in der Rolle des russischen Thronfolgers Nikolaus hinterlässt zumindest in der deutschen Sychronfassung einen relativ emotionslosen Eindruck, was dem Film nicht sonderlich hilft. Da kommt alles andere als Leidenschaft auf! Und Politik lässt der Film tunlichst außen vor, sie spielt nur eine Randerscheinung in diesem Schmachtfetzen.

ALS DER WEIHNACHTSMANN VOM HIMMEL FIEL (1:2.35, 5.1)
Verleih: KIKO Theater-, Film- und Fernsehproduktions GmbH
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Martin Stefaniak, Julian Köberer
Kinostart: 03.12.2017

Ein dummes Gewitter sorgt dafür, dass ein junger Weihnachtsmann mit Namen Niklas Julebukk mitsamt seinem Wagen abstürzt. Jetzt sind nicht nur die Räder gebrochen, auch das Rentier ist weggelaufen. Wenn nicht bald Rettung naht, könnte nicht nur der Schnee, sondern auch das Weihnachtsfest ausfallen. Da kommt der kleine Ben gerade recht... Mit seinen löblichen 63 Minuten Spielzeit ist der neue Kinofilm der Augsburger Puppenkiste bestens für Kleinkinder geeignet. Und dass die Rechnung aufgeht, bewiesen die Schul- und Kindergartenkinder, die der heutigen Pressevorführung beiwohnten: sie waren muxmäuschenstill! Die Geschichte nach einer Vorlage von Cornelia Funke ist sehr einfach gestrickt und damit selbst für ganz kleine Zuschauer verständlich. Die Umsetzung mit den Marionetten ist liebevoll gestaltet und wurde fürs Kino sogar auf CinemaScope-Breite umgesetzt. Zwischen den Vorhängen der einzelnen Akte sowie als Intro und Outro zum Film sieht man Kinder im Theater sitzen und gebannt in Richtung Bühne schauen. Damit wird der Kinosaal quasi zum erweiterten Theaterauditorium und die jungen Kinozuschauer können sich perfekt mit den Kindern auf der Leinwand identifizieren.
Dienstag, 17. Oktober 2017
Ein hochherrschaftliches Dinner
Die erste Pressevorführung nach einem spektakulären Widescreen Weekend in Bradford konfrontierte mich mit einer französischen Komödie

MADAME (1:2.35, 5.1)
OT: Madame
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: Frankreich 2016
Regie: Amanda Sthers
Darsteller: Toni Collette, Rossy de Palma, Harvey Keitel
Kinostart: 30.11.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 27.11.2017 an dieser Stelle

Freitag, 06. Oktober 2017
Die Single-Mom und ihre Untermieter
Mit einer Komödie ging die Pressewoche heute zu Ende. Weiter geht’s in diesem Blog erst wieder nach dem “Widescreen Weekend” in Bradford, das mich die kommende Woche mit Haut und Haaren sowie überbreiten Filmen in Beschlag nehmen wird

LIEBE ZU BESUCH (1:1.85, 5.1)
OT: Home Again
Verleih: Splendid (Paramount)
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Hallie Meyers-Shyer
Darsteller: Reese Witherspoon, Pico Alexander, Nat Wolff
Kinostart: 23.11.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 30.10.2017 an dieser Stelle

Donnerstag, 05. Oktober 2017
Ein Komödiant muss sich entscheiden
In den USA bereits auf Blu-ray erhältlich, hierzulande erst ab Mitte November im Kino: die heutige Pressevorführung

THE BIG SICK (1:1.85, 5.1)
OT: The Big Sick
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Michael Showalter
Darsteller: Zoe Kazan, Kumail Nanjiani, Holly Hunter, Ray Romano
Kinostart: 16.11.2017

Seine Familie denkt, dass er Jura studiert. Doch in Wirklichkeit arbeitet der mit 14 Jahren aus Pakistan in die USA immigrierte Kumail an einer Karriere als Stand-Up Komödiant und jobbt als Taxifahrer, um sich über Wasser halten zu können. Bei jedem Familientreffen organisiert ihm seine Mutter eine neue pakistanische Hochzeitskandidatin, denn nur eine solche kommt aus Sicht der Eltern in Frage. Dass Kumail inzwischen mit der hübschen Amerikanerin Emily liiert ist, verheimlicht er natürlich. Und umgekehrt versucht er sich auch vor Emilys Eltern zu drücken. Als jedoch Emily Hals über Kopf in der Notaufnahme des Krankenhauses landet und in ein künstliches Koma versetzt werden muss, bedeutet dies für Kumail einen Wendepunkt in seinem Leben: erstmals muss er es mit der Wahrheit versuchen... In seiner romantisch-dramatischen Komödie erzählt Regisseur Michael Showalter die offenbar wahre Geschichte des Pakistani Kumail Nanjiani, der in den USA eine Karriere als Stand-Up-Comedian versucht. Ein Zerwürfnis mit seiner in alten Traditionen verankerten Familie war die Folge, was durch den Umstand, dass er eine amerikanische Freundin hatte, noch zusätzlich angefeuert wurde. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der an einen Punkt in seinem Leben kommt, an dem er Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen, die ihn persönlich voranbringen und deren Konsequenzen er in Kauf nehmen muss. Ein erstklassiges Ensemble sorgt dafür, dass alle damit verbundenen Emotionen beim Zuschauer ankommen. Nicht nur Kumail Nanjiani, der sich selbst spielt, agiert vorzüglich. Auch seine Filmpartnerin Zoe Kazan tut ihr Bestes, damit man sie einfach ins Herz schließen muss. Ganz zu schweigen von Holly Hunter und Ray Romano als die Eltern von Emily; insbesondere Ray Romano trumpft in seiner Rolle als Vater und (gefallener) Ehemann so richtig auf. THE BIG SICK ist wunderbares Herz-Schmerz-Kino ohne allzuviel Kitsch und damit bestens als Date-Movie geeignet.
Mittwoch, 04. Oktober 2017
Eine Landraub-Doku und ein Mystery-Thriller
Mit dem heutigen Doppelprogramm war ich recht zufrieden

ANIMALS – STADT LAND TIER (1:2.35, 5.1)
OT: Tiere
Verleih: Film Kino Text
Land/Jahr: Schweiz, Österreich, Polen 2017
Regie: Greg Zglinski
Darsteller: Birgit Minichmayr, Philipp Hochmair, Mona Petri
Kinostart: 16.11.2017

Anna und Nick fahren in die Schweiz, um sich eine Auszeit zu nehmen. Nachbarin Andrea, mit der Nick ein Verhältnis hat, stürzt aus dem Fenster. Mischa, die auf die Wohnung von Anna und Nick aufpassen soll, stürzt im Treppenhaus und verletzt sich am Kopf. Auch Anna trägt eine Kopfverletzung davon, als Nick ein Schaf überfährt... Was geschieht tatsächlich und was spielt sich nur in den Köpfen der Protagonisten ab? Greg Zglinski spielt in seinem Mystery-Film gekonnt mit dem Zuschauer Katz und Maus. Mit ausgereizten CinemaScope-Bildern, einem ungewöhnlichen Score sowie einem atmosphärischen Sounddesign sowie überraschenden Perspektivwechseln zieht der Film den Betrachter in seinen Bann und offenbart seine Geschichte erst nach und nach wie die Teile eines Puzzle-Spiels. So etwas ist natürlich längst nichts Neues in der Welt des Films, doch Zglinskis Film überzeugt dank seiner souveränen Inszenierung dieses Vexierspiels.

DAS GRÜNE GOLD (1:1.78, 5.1)
OT: Dead Donkeys Fear No Hyenas
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Schweden, Deutschland, Finnland 2016
Regie: Joakim Demmer
Kinostart: 05.10.2017

Wie kann es sein, dass ein armes Land wie Äthiopien, in dem Tausende von Menschen hungern, Lebensmittel exportiert? Diese Frage steht am Anfang von DAS GRÜNE GOLD, in dem Filmemacher Joakim Demmer einem weltweiten Phänomen nachgeht. Da kaufen ausländische Investoren auf Einladung der äthiopischen Regierung riesige Ländereien auf, um darauf Ackerbau zu betreiben. Doch nicht etwa, um den Hunger im Lande zu bekämpfen, sondern um die Ernte gewinnbringend ins Ausland zu verkaufen. LANDRAUB hieß die Dokumentation, mit der der Österreicher Kurt Langbein vor exakt zwei Jahren auf jenen Missstand hinwies, den Joakim Demmer jetzt auch in seinem neuen Film thematisiert. Während sich Langbeins Film nicht auf nur ein einziges Land beschränkte, behandelt Demmer in seinem Dokumentarfilm exemplarisch die Situation in Äthiopien, einem der ärmsten Länder der Welt. Insgesamt sechs Jahre lang verfolgte er den Landraub, der durch die Regierung dort in großem Stil ermöglicht wird und der zu Lasten der Kleinbauern geht. Zwangsumsiedlung mit falschen Versprechen sind die Folge einer Entwicklungspolitik, die finanziell unter anderem von der Weltbank unterstützt wird. Wer nicht mitmacht oder eine Bedrohung des Projekts darstellt, den werfen die äthiopischen Machthaber kurzerhand ins Gefängnis. Anhand von persönlichen Schicksalen belegt Demmer, was passiert, wenn man dem Landkauf durch ausländische Investoren kritisch gegenübersteht. Da gibt es jenen Journalisten, dessen Recherchen ihn letztendlich dazu zwingt, das Land zu verlassen und in Deutschland um Asyl zu bitten. Oder jenen Staatsdiener, der mit ansehen muss, wie der von ihm verwaltete riesige Wald von einem saudischen Investor zunehmend urbar gemacht wird und damit den dort lebenden Kleinbauern und gefährdeten Tierarten die Lebensgrundlage entzogen wird. Als er schließlich zum Sprachrohr der Kleinbauern wird und sogar vor der Jahresversammlung der Weltbank darüber berichtet, landet er im Gefängnis. Dass der Verkauf von Land an ausländische Investoren auch ganz anders ablaufen kann, zeigt Demmer in seinem Film am Beispiel eines Farmers, der sich das Ziel gesetzt hat, das auf seinen Feldern angebaute Getreide nur für den Binnenmarkt zu verwenden und die anderen Bauern darin zu unterstützen, ihre Ackerflächen ertragsreicher zu machen. DAS GRÜNE GOLD ist spannendes Dokumentarfilmkino, das noch lange nach dem Filmende nachhallt.

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