Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

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Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
jetzt neue Kinotermine!
Alle Infos gibt es hier


NATIONAL BIRD
Regisseurin Sonia Kennebeck zu Gast in Stuttgart

BEUYS
Regisseur Andres Veiel zu Gast in Stuttgart

RÜCKKEHR NACH MONTAUK
Volker Schlöndorff zu Gast in Stuttgart

5 FRAUEN
Filmpremiere in Stuttgart mit Olaf Kraemer und Odine Johne

A CONVERSATION WITH PETER LORD
The man who made chicken run - Peter Lord, Creative Director of Aardman

GAZA SURF CLUB
Regisseur Philip Gnadt und Ko-Regisseur/Produzent Mickey Yamine zu Gast in Stuttgart

HAPPY
Regisseurin Carolin Genreith zu Gast in Stuttgart

PAWLENSKI - DER MENSCH UND DIE MACHT
Regisseurin Irene Langemann zu Gast in Stuttgart

DER HUND BEGRABEN
Filmpremiere in Stuttgart

BAUER UNSER
Regisseur Robert Schabus zu Gast in Stuttgart

WILDE MAUS
Filmpremiere in Stuttgart mit Josef Hader

DIE GABE ZU HEILEN
Weltpremiere in Stuttgart

FROM BUSINESS TO BEING
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

NICHT OHNE UNS
Filmpremiere im Stuttgarter Metropol-Kino

DIE BLUMEN VON GESTERN
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

MORRIS AUS AMERIKA
Regisseur Chad Hartigan zu Gast in Stuttgart

INSIDE LUDWIGSBURG SINFONIE
Regisseur Marcel Wehn, Kameramann Jörg Rambaum,
Komponistin Meike Katrin Stein, Projektbetreuer Andreas Fuchs,
Professor für Filmkomposition Matthias Raue
und Produzent Wolfgang Kerber geben Einblicke in die Entstehung
des Stummfilmprojekts "Ludwigsburg Sinfonie"

LOTTE
Hauptdarstellerin Karin Hanczewski und Regisseur Julius Schultheiß zu Gast in Stuttgart

DAS VERSPRECHEN (THE PROMISE)
Regisseur Marcus Vetter und Kameramann Georg Zengerling zu Gast in Stuttgart

DIE LETZTE SAU
Regisseur Aron Lehmann im Interview

SMS FÜR DICH
Karoline Herfurth & Friedrich Mücke zu Gast in Stuttgart

24 WOCHEN
Regisseurin Anne Zohra Berrached zu Gast in Stuttgart

TONI ERDMANN
Regisseurin Maren Ade zu Gast in Stuttgart

ROB LEGATO - Visual Effects Supervisor
Der zweifache Oscar-Gewinner im Interview

DER NACHTMAHR
Regisseur Akiz spricht über guten Sound, breite Bilder und vieles mehr

RICHARD EDLUND - Visual Effects Supervisor
In seinem Fach ist der mehrfache Oscar-Gewinner bereits eine Legende

WILD
Nicolette Krebitz zu Gast in Stuttgart

IMAX 15/70 im National Media Museum, Bradford, UK

IMAX WITH LASER @FILMPALAST AM ZKM, KARLSRUHE
David Keighley & Andrew Cripps - the IMAX force

THINK BIG
Weltpremiere am 08. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Schauburg Cinerama Theater, Karlsruhe

REMEMBERING WIDESCREEN
An exciting new documentary about a very special "family" gathering
Now available on Blu-ray!
More info here: www.remembering-widescreen.de


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"Saturday, the 12th, began with a bang: It was Wolfram Hannemann`s "Remembering Widescreen" movie introduced by himself in a very funny way. A 37 minutes documentary not only about the organizing of the festivals but also with a lot of, never boring, interviews with wide-film-buffs mostly filmed during last year's Widescreen Weekends in the Pictureville Cinema. All, of course, shot in widescreen format. I hope the short will be released on DVD / Blu-Ray sometime. Wolfram – very well done, my congratulations."
Gerhard Witte, Widescreen Aficionado, via www.in70mm.com

"We now have a wonderful record of the WSW!"
Mark Lyndon, MBKS, Writer & Broadcaster, via Facebook

"It's a little piece of WSW history. So proud to be a part of it."
Tony Earnshaw, Film Journalist, via Facebook

"Would love to get a copy of your film....so please let me know when it will be available."
Grant Wakefield, Filmmaker, via E-mail

"Just watched this at Widescreen Weekend. Really excellent documentary. I like how people were just left to put across their point of view and personal opinion."
Paul Shackleton, via Youtube

"...delightful short film..."
Mark Trompeteler, Cinema Technology Vol. 27, No. 3, September 2014

„Es ist schon lobenswert, wenn ein filmbessesener Journalist selbst einen Film dreht. Umso mehr wenn er seiner Leidenschaft für die große Leinwand ein Denkmal setzt. Mit viel ansteckender Begeisterung hat er weitere „Widescreenfans“ zu Wort kommen lassen. Ein gelungenes Plädoyer für die große Leinwand und die Helden die sich darauf tummeln. In der Hoffnung diese Spezies stirbt nicht aus“!
Klaus Pellkofer, Kinobetreiber, Filmkritiker & Rundfunkmoderator

"Wolfram Hannemanns “Remembering Widescreen” ist eine ebenso kundige wie unterhaltsame Dokumentation über eine Szene von Filmenthusiasten, die sich jedes Jahr im britischen Bradford zu einem Festival des alten Großformatkinos trifft. Hannemann, der in seiner No-Budget-Produktion nicht nur die Regie führt, sondern auch die Rollen von Kameramann, Cutter und Komponist übernommen hat, ist selber Teil dieser Szene. In seiner Interviewmontage gelingt es ihm, die Begeisterung für die Breitleinwand (und auch für den guten Ton!) auf den Zuschauer zu übertragen. Man möchte danach sofort einen Filmpalast aufsuchen, um eine gut erhaltene Kopie von "Ben Hur", “Where Eagles dare" oder "2001 - Odyssee im Weltraum" zu sehen, besser: diese Werke im richtigen Format zu erleben."
Rupert Koppold, Filmkritiker & Freier Journalist


"Wolfram Hannemanns kenntnisreich gemachter Kurzfilm über das “Widescreen Weekend”-Festival im englischen Bradford war für mich ein 35 Minuten andauerndes Vergnügen. Sehr informative Interviews mit den Machern, dazu liebevolle Aussagen zahlreiche Festivalbesucher, die mir eine Menge, zum Teil lange vergessene Filme wieder in Erinnerung riefen. Dazu wurden einzelne Titel genannt (zum Beispiel "Zulu" von 1964), von denen ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie gehört hatte. Sie gaben Anlass für eilige Recherchen auf IMDB.

Der Film war wie eine Reise in die gute alte Zeit, lange vor den heute im Platz zwangsläufig oft arg eingegrenzten Multiplexen, als es zwar weder Eis noch Nachos, dafür aber superbreite Leinwände gab, über die ich in meiner Jugendzeit unter anderem Winnetou und Old Shatterhand reiten sah und, um nur einen Titel zu nennen, "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" bewundern konnte. In allen Fällen gab es Mehrfach-Sichtungen, was sich damals angesichts mangelnder Abwechslung (die Schulmädchen-Reporte begannen in dieser Zeit, auf Jahre hinaus die Leinwände zu verstopfen) beinahe von selbst versteht.

70 Millimeter-Filme - und die dazu passenden Kinos - sind heute, wie dieser Film berichtet, Raritäten, zum Glück von Enthusiasten am Leben erhalten und gar zu oft in Regalen achtlos geparkt, vernachlässigt und daher nicht mehr vorführbar. Von dem grandiosen und in der Doku erwähnten "Music Man" (1962) mit Robert Preston soll es zum Beispiel keine intakte Kopie mehr geben.

Wolfram Hannemanns Film ist - leider - auch ein Beweis dafür, wie engstirnig heute die Verantwortlichen in Hollywood auf jene Enthusiasten reagieren, die mit Hingabe und Sachverstand das Ereignis "70 Millimeter" in uns wach halten. Muss man tatsächlich so rigide das Einblenden von einstigen Trailern und sogar das Zeigen eines Plakates von damals verbieten? Es ist - zumindest für mich - nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar, zumal mit Dokumentationen dieser Art ja kein Geld verdient werden soll.

So bietet der Film zwar nur 35 Minuten, die dafür aber voller Gehalt und gespickt mit wissenswerten Informationen sind. Außerdem bleibt es jedem Seher vorbehalten, die Dokumentation für sich selbst nach Herzenslust zu verlängern, weil wir in Gedanken ja jede Menge Filmschnipsel in all die Interviews "reinschneiden" können.

Danke also für einen gelungenen Kinobesuch!"
Reinhard Thiel, Freier Journalist & Filmkritiker


Der Cinemaniker Wolfram Hannemann ist ein kenntnisreicher Liebhaber opulenter Bild- und Tonformate, aber auch der dahinter stehenden Kinotechnik, der gerade endenden Mechanikära im Vorführraum. Sein Dokumentarfilm „Remembering Widescreen“ erzählt nominell vom Widescreen-Weekend beim Bradford International Film Festival in Bradford, einem Mekka der Freunde von 70mm, Cinerama und IMAX. Aber die spannende Sammlung von Interviews ist gar kein Film über Formateigenheiten und Technikgeschichte, über die Problematik der Kopienausbleichung oder die Pflege alter Projektoren. Es geht hier um Menschen, nicht um das strahlende Bild auf der Leinwand, sondern um das Leuchten in den Augen der Zuschauer.

Hannemann lässt in klar durchdachten und abwechslungsreich montierten Einstellungen, die nie das bedrückende Gefühl einer Talking-Head-Galerie entstehen lassen, Besucher und Veranstalter ihre Begeisterung und Motivation darlegen. Es geht um die Liebe zum Kino, hier speziell um jene, die sich an den ganz großen Bildern entzündet hat und ein Leben lang anhielt. Aber wiederfinden können sich hier alle Kinoliebhaber, auch jene, deren Begeisterung nicht von „Lawrence von Arabien“ in voller Pracht angefacht wurde, sondern von der verregneten, unruhig laufenden 35-mm-Kopie eines alten Schwarzweiß-Films aus der B-Produktion eines C-Studios.

Dass die Cinephilen in Bradford nicht einem möglicherweise spöttelnd distanzierten Beobachter von außen Rede und Antwort stehen, sondern ihresgleichen, den sie als Referent und Präsentator kennen, ist ihrer Gelöstheit im Interview anzumerken, ihrer Bereitschaft, privates Glück öffentlich zu machen. Hier wird ihre Liebe zu einem Medium nicht kleingeredet, nicht rationalisiert, schon gar nicht als Irrweg der Auseinandersetzung mit Inhalten getadelt: hier wird die pure Entrückungsqualität von Kino gepriesen. „Remembering Widescreen“ ist absolut sehenswert – und man darf auf Hannemanns weitere Arbeiten zum Thema gespannt sein.
Thomas Klingenmaier, Kulturredakteur der "Stuttgarter Zeitung"

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Wolfram Hannemanns

Kanal

Walhalla   Fliegende Fische   Gottesaue   Bradford   Christmas   Tattoo   Bruno
Die Kunst zu lieben       Väter und andere Katastrophen
Im Gespräch mit Douglas Trumbull
Tabu       Jasmin       Die Kirche bleibt im Dorf
Herr Wichmann aus der dritten Reihe      Dichter und Kämpfer
Bittere Kirschen      Speed      Im Gespräch mit Dietrich Brüggemann
3 Zimmer/Küche/Bad      Die Wand      Gnade      Parked - Gestrandet
Im Gespräch mit Colm Meaney & Darragh Byrne
Im Gespräch mit Hermine Huntgeburth, Leon Seidel & Jacky Ido
Im Gespräch mit David Sieveking      Vergiss mein nicht
Jäger des Augenblicks      The Broken Circle (Langfassung)      5 Jahre Leben
The Broken Circle (Kurzfassung)    Ein Freitag in Barcelona
Wochenendkrieger    Wochenendkrieger - Die Filmmusik
UMMAH - Unter Freunden      Spieltrieb      BKM Preisverleihung
Die Nonne      Scherbenpark      IMAX im Filmpalast am ZKM
Live and Let Live      Kreuzweg      Cerro Torre      Die schöne Krista
Laser Hotline @ FMX 2014      Fascinating India 3D      Monsoon Shootout      Jadoo
Diplomatie      Vicious Brothers      Daniel Stamm      Wolfskinder
Im Labyrinth des Schweigens      Traumland      Ein Hells Angel unter Brüdern
Doktor Proktors Pupspulver      Willkommen auf Deutsch      10 Milliarden
The Forecaster      Das Zimmermädchen Lynn      Beyond Punishment
Victoria      Freistatt      Der Bunker      Die Kleinen und die Bösen
Stung      Paul Hyett talking HOWL      Heil



FANTASY FILMFEST NIGHTS 2017

Dienstag, 23. Mai 2017
Schräges Komödiendoppel
Es gibt Komödien, bei denen man lachen kann. Und solche, bei denen das nicht klappen will

MÄDELSTRIP (1:2.35, 5.1 + 7.1)
OT: Snatched
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Jonathan Levine
Darsteller: Amy Schumer, Goldie Hawn, Joan Cusack
Kinostart: 15.06.2017

Weil ihr Freund am Vorabend der Reise Schluss gemacht hat, nimmt Emily stattdessen ihre überängstliche Mutter in den Urlaub nach Ecuador mit. Kaum dort angekommen, sehen sich die beiden statt mit paradiesischen Ferien einer Entführung ausgesetzt. Wenn die Entführer nur wüssten, auf was sie sich da eingelassen haben... Diese extremst langweilige Aneinanderreihung von Peinlichkeiten ist nicht vieler Worte wert. Als Fazit nach Sichtung des Films stellen sich exakt drei Fragen: 1. Woher kommt das Geld für einen solchen Bockmist? 2. An welcher Stelle genau soll man hier lachen? 3. Wie zum Kuckuck kommt Goldie Hawn in ein solches Stück? Ich wünsche viel Vergnügen und Durchhaltevermögen bei der Beantwortung.

GREGS TAGEBUCH: BÖSE FALLE! (1:2.35, 5.1 + 7.1)
OT: Diary Of A Wimpy Kid: The Long Haul
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: David Bowers
Darsteller: Jason Drucker, Alicia Silverstone, Charlie Wright
Kinostart: 01.06.2017

Greg hat mal wieder die A****karte gezogen: in einem Schnellrestaurant landet er unfreiwillig in einem Pool voller Bälle und hat plötzlich eine gebrauchte Windel in der Hand – und landet in allen sozialen Netzwerken als der Loser ”Windelhand”. Um sein Image wieder aufzupolieren, will er sein großes Gamingidol Mac Digby auf einer Video Games Convention besuchen, um sich mit ihm fotografieren zu lassen. Dumm nur, dass seine Eltern ganz andere Pläne haben: sie wollen mit Mann und Maus per Auto zu Omas 90. Geburtstag reisen. Doch der clevere Greg weiß sich zu helfen. Schließlich kennt er sich nicht umsonst mit der Programmierung des Navi aus... Mit GREGS TAGEBUCH: BÖSE FALLE! kommt Familie Heffley bereits zum vierten Mal ins Kino. Es ist die Verfilmung des neunten Buches aus der bekannten Kinderbuchreihe von Jeff Kinney. Und die neue Verfilmung kommt auch gleich mit neuen Gesichtern. Zwar sind es dieselben Charaktere, in deren Mittelpunkt der Mittelstufenschüler Greg steht, doch die Schauspielerriege ist eine andere als bisher. Beruhigend dabei: es fällt überhaupt nicht ins Gewicht! Was sich gegenüber den bisherigen Filmen allerdings etwas geändert hat, ist der Tonfall der Erzählung, die jetzt ziemlich kräftig aus dem Fäkalhumorreservoir schöpft. Nicht dass es das vorher nicht gegeben hätte, doch in dieser Intensität ist das neu. Was mit dem Fund einer gebrauchten Windel, die sich einfach nicht mehr von Gregs Hand lösen will, beginnt, steigert sich bis hin zu jener Karussellfahrt, während der sich Gregs Bruder Rodrick nicht nur kurz übergibt, sondern das Erbrochene sich in Slow Motion auf die Kamera zubewegt, sich dann aber durch die Fliehkraft bedingt ins Gesicht seines Nebenmanns verteilt! Na dann guten Appetit! Waren die vorherigen Teile noch mit netten Animationen als Stilmittel durchsetzt, finden sich diese jetzt gerade mal am Anfang und Ende. Dazwischen gibt es dann eine Familie, die wie einst Familie Griswold im freien Fall von einem Unglück in ein noch größeres stürzt. Das ist dann freilich alles gut in Szene gesetzt und wird von einer karikierenden, übertreibenden Filmmusik untermalt, doch muss man wohl in Gregs Alter sein, um das zum Brüllen komisch zu finden. In der Metaebene dieser schrillen Komödie, in der sogar die berühmte Duschszene aus PSYCHO parodiert wird, geht es um den Zusammenhalt der Familie, jenes Gut also, das vor allem bei den Amerikanern stets hochgehalten wird. Aber ganz nebenbei versteht sich der Film bestens darauf, die Besessenheit der Kinder (und auch ihrer Eltern!) mit Smartphone & Co. treffend zu karikieren. Also Kinder, aufgepasst: da könnt ihr und auch eure Eltern noch etwas lernen!
Donnerstag, 18. Mai 2017
Heimatgefühle
Der letzte Film der Pressevorführungen in dieser Woche war gleichzeitig der schönste

SOMMERFEST (1:2.35, 5.1)
Verleih: X Verleih (Warner)
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Sönke Wortmann
Darsteller: Lucas Gregorowicz, Anna Bederke, Nicholas Bodeux, Jasna Fritzi Bauer
Kinostart: 29.06.2017

Als ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters telefonisch erreicht, verlässt Schauspieler Stefan Zöllner Hals über Kopf die Theaterproben und fährt mit dem Zug von München zurück in seine alte Heimat Bochum. 15 Jahre lang war er nicht mehr dort. Vieles hat sich verändert, nicht aber der Kiosk an der Ecke, der von Kumpel Toto geführt wird, der ihn auch sogleich für einen kleinen Freundschaftsdienst in Beschlag nimmt. Was sich für Stefan anfangs anfühlt wie eine Trip in eine fremde Welt, wird ihm schon bald wieder sehr vertraut sein – auch Charlie, seine einstige große Liebe... Im Abspann heisst es zwar “Gewidmet allen Jugendlieben”, doch zuallererst handelt es sich bei Sönke Wortmanns Sommerkomödie um einen melancholischen und sehr berührenden Heimatfilm – ein wunderbarer Abgesang auf das Ruhrgebiet! So Mancher, der nicht “auss‘m Pott” kommt, wird vermutlich denken, dass das Figurenkabinett in Wortmanns Film stark überzeichnet sei. Doch ganz das Gegenteil ist hier der Fall: wer den Pott kennt, der weiß, dass die Typen, denen Lucas Gregorowicz alias Stefan Zöllner hier begegnet, ziemlich authentisch sind. Genauso authentisch wie die meist mit Graffiti überzogenen Locations, die im Film gezeigt werden: der Kiosk, die Trinkhalle (ja, so heissen die Kneipen im Pott tatsächlich!), die Hinterhöfe, das Stadion (nur echt mit Bratwurst!) und natürlich das Zechenmuseum inklusive funktionstüchtiger Dampfmaschine. Dass das Gelände schon bessere Zeiten gesehen hat, merkt man hier an jeder Ecke und in jedem Gespräch. Kein Wunder also, dass es Stefan weggetrieben hat nach München. “Woanders weißt Du, wer Du bist. In der Heimat wissen die Anderen, wer Du bist!” sagt er in einer Szene und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Ob er will oder nicht: hier muss sich der Schauspieler seiner Vergangenheit stellen und wird dazu noch ziemlich schnell wieder vom Heimatgefühl eingeholt. Wortmanns Film ist bis in kleinste Nebenrollen perfekt besetzt und Jasna Fritzi Bauer – dieses Mal in einer Nebenrolle zu sehen – darf sogar eine Gesangsnummer absolvieren, was sie durchaus souverän macht. Souverän auch das Handwerkliche an diesem Film, der gleich zu Beginn eine kleine Hommage an den großartigen BIRDMAN abliefert. SOMMERFEST ist unbedingt einen Gang ins Kino wert. Kleiner Tipp: beim Abspann sitzen bleiben. Es lohnt sich.
Mittwoch, 17. Mai 2017
Wo die Bösen die Guten sind
Heute gab es adrenalintreibende Action zum Wachwerden

OVERDRIVE (1:2.35, 5.1)
OT: Overdrive
Verleih: Universum Film
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Antonio Negret
Darsteller: Scott Eastwood, Ana de Armas, Simon Abkarian
Kinostart: 29.06.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 20.06.2017 an dieser Stelle

Dienstag, 16. Mai 2017
Opfer gibt es auch im eigenen Land
Eine angtseinflößende Dokumentation über den amerikanischen Drohnenkrieg rüttelte mich heute morgen wach

NATIONAL BIRD – WOHIN GEHT DIE REISE, AMERIKA? (1:1.78, 5.1)
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: USA, Deutschland 2016
Regie: Sonia Kennebeck
Kinostart: 18.05.2017

Die drei Helden in ihrer Dokumentation sind allesamt sogenannte “Whistleblower”: Heather, ehemalige Drohnen Video Analystin bei der US Air Force; Daniel, externer Geheimdienstmitarbeiter und ehemaliger Spezialist für elektronische Überwachungen; Lisa, ehemalige Technikerin beim Drohnenüberwachungssystem der US Air Force. Regisseurin Sonia Kennebeck, Spezialistin für investigative Reportagen, hat sie vor ihre Kamera geholt, weil sie ihr Schweigen brechen wollen. Das Schweigen über den amerikanischen Drohnenkrieg in Afghanistan, bei dem es viele zivile Opfer zu beklagen gibt. Alle Drei haben ihren Job geschmissen, weil er sie an ihre Grenzen geführt hat und sie gezwungen waren, gegen ihre eigene Überzeugung und Moral zu handeln. Während Heather versucht, ihre posttraumatische Belastungsstörung als Masseurin loszuwerden, reist Lisa an jenen Ort, an dem es am 21. Februar 2010 zu massiven zivilen Opfern kam und hofft dort im Gespräch mit Überlebenden auf Vergebung. Daniels Versuche schließlich, mit seinen Erlebnissen fertig zu werden, rufen die Behörden auf den Plan und er sieht sich plötzlich Spionagevorwürfen ausgesetzt. Mit eindrucksvollen Bildern und ungeschminkten Interviews vermittelt Kennebeck ihren Zuschauern den Drohnenkrieg und dessen Auswirkungen hautnah. Anhand von authentischen Drohnenaufnahmen und dem dazugehörigen nachgestellten Funkverkehr wird überdeutlich, mit welchem Wahnsinn die Amerikaner im fremden Land Krieg führen. Unschuldige Opfer gibt es hier nicht nur am anderen Ende der Welt, sondern auch hinter der Fernsteuerung im eigenen Land. Wenn die Regisseurin immer wieder Bilder von oben zeigt, gibt es kaum Unterschiede zwischen Afghanistan und den USA. Und das macht zu recht Angst.
Montag, 15. Mai 2017
Im Weltall hört dich wieder niemand schreien
Deutsches Liebeskino vs. blutigem Alienschmaus: mein Montag.

AUF DER ANDEREN SEITE IST DAS GRAS VIEL GRÜNER (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Pepe Danquart
Darsteller: Jessica Schwarz, Felix Klare, Christoph Letkowski
Kinostart: 13.07.2017

Ihrer Schusseligkeit beim Autofahren hat Kati es zu verdanken, dass ihr Felix begegnet. Zwischen der Chaotin und dem Assistenzarzt funkt es sofort. Doch fünf Jahre später sieht alles ganz anders aus. Die beiden sind zwar verheiratet, doch Zeit für Gemeinsamkeit gibt es nicht mehr, seit Felix Oberarzt geworden ist. Da lernt Kati zufällig den sympathischen Mathias kennen, einen Künstler mit viel Freizeit, zu dem sie sich extrem stark hingezogen fühlt. Soll sie eine Affäre mit ihm eingehen? Passt er besser zu ihr als Felix? Noch während sie mit sich am Ringen ist, passiert etwas, was Katis bisheriges Leben komplett umkrempeln wird... Eine Frau zwischen zwei Männern. Doch welcher Mann passt wirklich zu ihr? Die Antwort darauf liefert zumindest im Film – der Tod! Pepe Danquart inszenierte seine Komödie nach dem gleichnamigen Roman von Kerstin Gier. Und er teilt seinen Film in zwei Teile. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass die Zuschauer bereits vor Teil 2 das Weite suchen angesichts eines komplett abgedroschenen Plots, dreier vollkommen überdrehter Protagonistinnen und einer einfallslosen Inszenierung. Hält man die erste Hälfte tapfer durch, wird man mit einem Plot-Twist konfrontiert, der an dieser Stelle derart erfrischend wirkt, dass man wieder Hoffnung schöpft. Nach einer Minute allerdings ist es schon wieder vorbei mit der Hoffnung und das Unglück des Zuschauers geht weiter wie gehabt. Ob sich Danquart hier streng an die Vorlage hält, kann ich leider nicht beurteilen, da ich den Roman nicht kenne. Somit kann ich nur den Kinofilm beurteilen, der frei von echten Gefühlen zu bestehen versucht. Ein Versuch, der freilich scheitert. Denn wie soll eine Liebesromanze funktionieren, wenn keine echten Gefühle transportiert werden? Taschentücher können getrost zuhause bleiben (außer man leidet an Schnupfen).

ALIEN: COVENANT (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Alien: Covenant
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Katherine Waterston, Michael Fassbender, James Franco
Kinostart: 18.05.2017

Auf dem Weg zu einem weit entfernten Planeten empfängt das Kolonisationsraumschiff Covenant einen Funkspruch vermeintlich menschlichen Ursprungs auf, der von einem nahe gelegenen Planeten gesendet wird. Die Mannschaft beschließt, der Sache nachzugehen und entsendet einen Suchtrupp. Kaum auf dem erdähnlichen Planeten gelandet, gerät der Trupp in eine tödliche Falle: ein äußerst aggressiver Organismus befällt die Mannschaft... Schon im allerersten ALIEN-Film hat uns Ridley Scott gelehrt, dass man keinem Androiden trauen sollte. In seiner Fortsetzung zu PROMETHEUS, jenem Prequel zum Ur-Film, gelingt ihm damit ein genialer Schachzug. Denn Michael Fassbender verkörpert hier nicht nur Walter, den Androiden an Bord der Covenant, sondern auch David, jenen Androiden, der der von Noomi Rapace gespielten Elizabeth Shaw in PROMETHEUS zur Seite stand. Neben den vielen adrenalintreibenden Action-Sequenzen des Films ist es vor allem die Frage, wem von beiden man hier tatsächlich trauen kann, die der Spannung Nahrung gibt. ALIEN: COVENANT ist souverän inszeniertes SciFi-Horror-Kino mit State-of-the-Art VFX, fulminanter Ausstattung, einer bombastischen Tonspur und der ach so vertrauten Klängen aus Jerry Goldsmiths Originalpartitur. Sehenswert.
Freitag, 12. Mai 2017
Jack Sparrow meldet sich zurück
Mit einem großen Segelschiff ging es ins Wochenende...

PIRATES OF THE CARIBBEAN: SALAZARS RACHE (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Pirates Of The Caribbean: Salazar's Revenge
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg
Darsteller: Johnny Depp, David Wenham, Kaya Scodelario, Orlando Bloom, Brenton Thwaites, Javier Bardem, Geoffrey Rush
Kinostart: 25.05.2017

Aus der Tiefe des Meeres tauchen Pirat Salazar und seine Besatzung als Untote wieder auf, um Rache an Jack Sparrow zu nehmen. Der ist mittlerweile damit beschäftigt einen Tresor um dessen Gold zu erleichtern, was allerdings angesichts von Jacks hohem Rumpegel eine ziemlich große Herausforderung darstellt... Man hätte es sich fast schon denken können: statt einer guten Geschichte gibt es wieder nur bomastisches CGI-Gewitter. Allerdings CGI vom Feinsten. Dafür dürfte es vermutlich wieder mindestens eine Oscar-Nominierung geben. Was den Film selbst angeht, so gibt es immerhin zwei Sequenzen, die Laune machen. Etwa die, in der Johnny Depp als Jack Sparrow unfreiwillig mit einer Guillotine Purzelbäume schlägt. Oder jene, in der unsere Helden mit Zombie-Haien konfrontiert werden. Alles andere ist leider nur kalter Kaffee. Enttäuschend übrigens die Dolby Atmos Tonspur, die zwar immer wieder die Subwoofer bedient, sich aber bei den Orchesteraufnahmen keine große Mühe gibt. Die Vermutung liegt nahe, dass hier mal wieder unter hohem Zeitdruck gearbeitet wurde, wodurch die Tonspur nicht die nötige Aufmerksamkeit erhielt.
Donnerstag, 11. Mai 2017
Die Sängerin in der Pastetenfabrik
Als wär’s ein Stück von Tati...

EIN CHANSON FÜR DICH (1:2.35, 5.1)
OT: Souvenir
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich, Belgien, Luxemburg 2016
Regie: Bavo Defurne
Darsteller: Isabelle Huppert, Kévin Azaïs, Johan Leysen
Kinostart: 06.07.2017

Zufällig lernt der 22jährige Boxer Jean die reife Liliane kennen, die er sofort als den einstigen Gesangsstar Laura wiedererkennt. Laura, die es damals sogar in den Eurovision Song Contest schaffte, aber gegen ABBA verlor, hat ihre Gesangskarriere aufgegeben und arbeitet in einer eintönigen Pastetenfabrik. Nach einem etwas holprigen Anlauf bemerken die beiden ihre gegenseitige Anziehungskraft und gehen eine heimliche Affäre ein. Zudem überredet Jean Liliane wieder zu singen. Als ihr Manager will er sie zu neuem Ruhm führen... Es ist schon alles irgendwie schräg in Bavo Defurnes Dramödie. Was er dem Zuschauer als Einstieg in den Film serviert, könnte fast schon einem Film von Jacques Tati entsprungen sein. Da sieht man Isabelle Huppert bei ihrer Arbeit in einer Pastetenfabrik, die mit ihrem grün-bläulichen Licht die Sterilität der Arbeitsumgebung noch überhöht. Der Chef spricht immer nur zwei Worte, wenn er Neuzugänge einlernt und die Pasteten, die die Huppert mit grünen Blättern verziert, sehen recht unappetitlich aus. Tatis PLAYTIME schießt einem beim Anblick solcher CinemaScope-Bilder unweigerlich in den Kopf. Wenn dann im Verlauf des Films die große Charakterdarstellerin des französischen Kinos zum Gesang anstimmt, möchte man eigentlich am liebsten vor Scham in den Boden versinken. Denn singen kann die Dame nicht sonderlich gut. Aber das gehört möglicherweise zu Defurnes Konzept. Wenn der Boxer und die Sängerin schließlich eine Liaison eingehen, zu der zuallererst auch Sex gehört, sträuben sich einem schon ein bisschen die Nackenhaare: dass sich ausgerechnet ein 22jähriges Muttersöhnchen mit einer reifen Frau einlässt und schließlich noch zu ihrem Manager wird, scheint doch ziemlich abstrus zu sein. Aber wie gesagt: es gehört wohl zum Konzept dieses Films, der sich zwischen Komödie und Tragödie bewegt und auch ein paar wirklich nette Momente offenbart. Doch spätestens mit dem zweiten Teil des Films, in dem Huppert alias Laura ihr Comeback einläutet, verliert man auch irgendwie die Lust an der Geschichte.
Dienstag, 09. Mai 2017
Lobbyisten und Rettungsschwimmer
Einmal mehr lebte das heutige Pressedoppel von Kontrasten

DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT (1:2.35, DD 5.1)
OT: Miss Sloane
Verleih: Universum Film (Central)
Land/Jahr: USA 2016
Regie: John Madden
Darsteller: Jessica Chastain, Mark Strong, Gugu Mbatha-Raw
Kinostart: 06.07.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 26.06.2017 an dieser Stelle


BAYWATCH(1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Baywatch
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Seth Gordon
Darsteller: Dwayne Johnson, Zac Efron, Alexandra Daddario
Kinostart: 01.06.2017

Rettungsschwimmer Mitch Buchannon und sein Team haben am Strand von Miami Beach alle Hände voll zu tun. Nicht nur gilt es, Touristen aus dem Wasser zu retten, sondern auch einer verruchten reichen Lady deren böses Spiel auszutreiben. Und dann sind da noch ein paar Nachwuchstalente zu betreuen, die unbedingt in die Lifeguard-Liga aufgenommen werden wollen. Dazu gehören die männliche Jungfrau Ronnie sowie der sehr von sich überzeugte Medaillengewinner Matt Brody... Silicon Valley auf Slow Motion – so könnte man Seth Gordons Kinoversion der bekannten amerikanischen TV-Serie der ausgehenden 1980er Jahre titulieren. Da bewegen sich gebräunte Körper in knappen, signalroten und an den richtigen Stellen üppig gefüllten Badeanzügen vornehmlich in Zeitlupe wippend über den Sandstrand eines beliebten Baderessorts. Und heuer ist es nicht David Hasselhoff, der in 220 Episoden der Serie den Rettungsschwimmer Mitch Buchannon mimt, sondern kein Geringerer als Dwayne Johnson, der stets einen coolen Spruch auf den Lippen und Stahl in den Armen hat. Doch ganz ohne Ikone Hasselhoff kommt der Film natürlich nicht aus: er ist es, der dem neuen Mitch Buchannon zumindest im Geiste zu neuer Kraft verhilft. Natürlich wurde auch die seinerzeit von Pamela Anderson verkörperte (im wahrsten Sinne des Wortes!) CJ Parker verjüngt: Kelly Rohrbach schlüpft nun in ihre Rolle. Doch kein BAYWATCH ohne Pamela. Und so erhält auch das einstige Sex-Symbol einen kurzen Gastauftritt – wenn auch nur ganz am Ende des Films. Der ist mit seinen 119 Minuten leider etwas über sein Ziel hinausgeschossen. Und nicht nur das. Der als augenzwinkerndes Spoof auf die Serie konzipierte Blockbuster setzt zu oft auf Gags unterhalb der Gürtellinie. Ob nun der von John Bass dargestellte Ronnie sein Gehänge in einen Bretterzaun klemmt oder sich Zac Efron alias Matt Brody am entblößten Schniedel einer Leiche (!) im Leichenschauhaus zu schaffen macht – lustig ist das keinesfalls mehr, höchstens ekelig. Seine besten Momente jedoch erlebt der Film, wenn er grandios übertreibt, wozu gleich schon die Eröffnungssequenz inklusive des sich wie ein Tsunami aus dem Meer erhebende Titel gehört. Es ist schade, dass solche Sequenzen extrem rar gestreut sind. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Handlung des Films wirklich vernachlässigbar ist und dafür soundmäßig voll auf die Tube gedrückt wird. Für Dolby Atmos Häuser ganz sicher ein Gewinn.
Montag, 08. Mai 2017
Intensives Kammerspiel
Sehr positive Eindrücke vom heutigen gemischten Doppel

INNEN LEBEN (1:1.78, 5.1)
OT: Insyriated
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Belgien, Frankreich, Libanon 2017
Regie: Philippe Van Leeuw
Darsteller: Hiam Abbass, Diamand Abou Abboud, Juliette Navis
Kinostart: 22.06.2017

Während draußen ein Krieg tobt, versucht die resolute Oum Yazan ihrer Familie sowie ein paar Gästen in ihrer Wohnung Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Doch die Kanoneneinschläge rücken näher, Scharfschützen gehen in Position. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Feind auch vor ihrer Türe steht... Philippe Van Leeuws INNEN LEBEN ist ein äußerst beklemmender Film, der Dank seiner großartigen Darsteller, des extrem eingeschränkten Schauplatzes, der behutsam platzierten Filmmusik und des effektvollen Sounddesigns zu einem intensiven Kinoerlebnis wird. Der Film zeigt in deutlicher und ungeschminkter Weise die Ängste, denen Menschen in einem unter Dauerbeschuss stehenden Land tagtäglich ausgesetzt sind. Da erhält das Retten der eigenen Haut plötzlich die allerhöchste Priorität, auch wenn dafür andere liebe Menschen geopfert werden müssen. INNEN LEBEN ist exzellentes Anti-Kriegs-Kino.

ICH WÜNSCHE DIR EIN SCHÖNES LEBEN (1:1.85, 5.1)
OT: Je Vous Souhaite D'être Follement Aimée
Verleih: Film Kino Text (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich 2015
Regie: Ounie Lecomte
Darsteller: Céline Sallette, Anne Benoît, Elyes Aguis
Kinostart: 22.06.2017

Elisa, in Trennung lebende Mutter eines 10jährigen Sohnes, treibt nur ein Gedanke um: warum wurde sie direkt nach der Geburt von ihrer eigenen Mutter zur Adoption freigegeben? Und so sucht die Physiotherapeutin schon lange Zeit nach ihrer leiblichen Mutter, um endlich alle Fragen klären zu können. Die Behörden sind nicht ermächtigt, ihr Auskünfte zu erteilen. Was Elisa nicht weiß: ihre Mutter lebt und arbeitet wie sie in Dünkirchen – sogar an derselben Schule, auf die ihr Sohn geht. Der Zufall will es, dass die Mutter als Patientin bei Elisa vorstellig wird. Ohne voneinander zu wissen, kommen sich die beiden Frauen während der Therapiestunden sehr nahe... Der Titel des Films könnte sich auf einen Brief beziehen, den der unbekannte Vater seiner 16jährigen Tochter schreibt. Ganz im Sinne der letzten Worte im Film, die der Vater aus dem Off an seine Tochter richtet. Ihn wird die inzwischen erwachsenen Elisa wohl nie sehen, dafür aber begegnet sie ihrer Mutter, nach der sie schon so lange gesucht hat. Fragen wie “Warum hast Du mich damals weggegeben?” treiben die junge Frau um, die bereits selbst einen 10jährigen Sohn hat und mit einem zweiten Kind schwanger ist, von dem der Vater nichts weiß, weil sie sich von ihm trennen möchte. Soll sie das Kind behalten oder abtreiben? Letztendlich steckt sie in einer ähnlichen Lager wie ihre Mutter, als sie mit Elisa schwanger war. Ounie Lecomte hat ein bewegendes, vielschichtiges Drama inszeniert, das von zwei großartigen Darstellerinnen getragen wird. Ab und zu verliert sich zwar die Kamera (die übrigens die Unschärfe gekonnt als Stilmittel einsetzt!) in belanglosen Bildern und verschafft dem Film selbst sowie der Filmmusik damit etwas mehr Zeit, doch fällt das angesichts der ansonsten sehr souveränen Inszenierung kaum ins Gewicht.
Freitag, 05. Mai 2017
Liebe in Hochglanzoptik
Zum Abschluss der Pressewoche wurde uns heute der neue Film von Ausnahmeregisseur Terrence Malick kredenzt

SONG TO SONG (1:2.35, DD 5.1 + 7.1)
OT: Song To Song
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Terrence Malick
Darsteller: Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender, Natalie Portman, Cate Blanchett, Holly Hunter, Bérénice Marlohe, Val Kilmer, Lykke Li, Christian Bale, Tom Sturridge
Kinostart: 25.05.2017

Für ihre Karriere als Musikerin lässt sich Faye mit dem exzentrischen Musikproduzenten Cook ein. Doch dann lernt sie den jungen Songwriter BV kennen, der nicht nur von Cook protegiert, sondern auch geschäftsmäßig betrogen wird. Eine explosive Menage-a-Trois nimmt ihren Lauf... Seit nunmehr zehn Jahren inszeniert der Amerikaner Terrence Malick gefühlt immer wieder denselben Film. Ob TREE OF LIFE, TO THE WONDER und KNIGHT OF CUPS – Filmdialoge im üblichen Sinn gibt es bei Malick nicht. Dafür Hochglanzbilder mit Kommentaren aus dem Off. Das können einfach nur Gedanken der Protagonisten sein, aber auch Dialogfetzen. Dazu gibt es eine ganze Bilderflut, die die Protagonisten in meist stylischem Ambiente zeigen, oft in Großaufnahme, oft mit Weitwinkelverzerrung. Das ist dann zwar alles wunderschön anzuschauen, verwirrt gleichzeitig jedoch ungemein und ermüdet bei einer Lauflänge von 129 Minuten! Mit herkömmlichen Sehgewohnheiten lässt sich Malicks neuer Film nicht entschlüsseln. Da geht es um Liebe, Sex, Elternhaus, Träume, Affären (sogar lesbische!), Betrug und Karriere. Laut Inhaltsangabe im Presseheft spielt der Film in der “berüchtigten Musikszene von Austin, Texas”. Im Film selbst wird der Ort nie erwähnt; der Zuschauer muss es einfach wissen. Wie er auch viele andere Dinge wissen muss, die ihm Malick anhand seiner Bilder und Töne in nicht linearer Weise erzählen will. Wieder einmal gebe ich mich geschlagen und unterstelle dem Film, Filmkunst sein zu wollen. Nicht meine Welt.
Donnerstag, 04. Mai 2017
Es darf wieder geraucht werden
Beim heutigen Presse-Doppel gaben sich Spiel- und Dokumentarfilm mal wieder die Klinke in die Hand

AXOLOTL OVERKILL (1:2.35, 5.1)
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Helene Hegemann
Darsteller: Jasna Fritzi Bauer, Arly Jover, Mavie Hörbiger, Julius Feldmeier, Tom Lass, Laura Tonke
Kinostart: 29.06.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 07.06.2017 an dieser Stelle


GANZ GROSSE OPER (1:2.35, 5.1)
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Toni Schmid
Darsteller: Jonas Kaufmann, Anja Harteros, Kirill Petrenko
Kinostart: 01.06.2017

In seinem faszinierenden Dokumentarfilm taucht Regisseur Toni Schmid ganz tief in die Bayerische Staatsoper ein, lässt Intendanten, Sänger, Musiker, Bühnenbilder und sogar eine Garderobiere zu Wort kommen. Unkommentiert lässt er die Bilder von Proben, Schuhmacherei, Kostümfundus usw. ihren Weg auf die Leinwand finden und bringt den Zuschauer zum Staunen und auch Schmunzeln. Dabei war er gut beraten, seine Dokumentation im CinemaScope-Format einzufangen. Denn das wesentlich breitere Format wird dem grandiosen Element, das dem Opernhaus innewohnt, sehr viel gerechter als nur kaschiertes Breitwand. GANZ GROSSE OPER ist gleichzeitig auch ganz grosses Kino selbst für selbst für diejenigen, die mit Oper nicht viel anfangen können (ich spreche hier aus eigener Erfahrung!). Sehenswert.

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