Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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In eigener Sache:
Als regelmäßigem Besucher meines Filmblogs ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen, dass in letzter Zeit einige Filme nicht rezensiert werden. Das hat seinen Grund. Als ich vor 10 Jahren mit diesem Filmblog begann, bestand die Absicht darin, möglichst alle Filme zu besprechen, denen ein offizieller Start in deutschen Kinos zuteil wurde. Da zur damaligen Zeit praktisch alle Filmverleiher ihre Filme in Stuttgart mit Pressevorführungen bedachten, war dieses hehre Ziel - mit wenigen Ausnahmen - tatsächlich zu erreichen. In den letzten Jahren jedoch verabschiedeten sich immer mehr Filmverleiher aus Stuttgart, d.h. diese Verleiher führen in Stuttgart keine Pressevorführungen mehr durch. Dazu zählen u.a. Warner Brothers, Sony Pictures, Concorde, oder inzwischen auch Disney. All jene Filme, die in Stuttgart keine Pressevorführung erhielten, in regulären Vorführungen "nachzusitzen", ist mir leider momentan aus Zeitgründen nicht möglich; das klappt nur hin und wieder. Die Devise lautet: Mut zur Lücke.

Wolfram Hannemann, im März 2018

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
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AUF DER SUCHE NACH OUM KULTHUM
Regisseurin Shirin Neshat zu Gast im Stuttgarter Delphi

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FANTASY FILMFEST NIGHTS #16 (21.-22.04.2018) - Ein Rückblick

Montag, 11. Juni 2018
Im wilden Westen und auf hoher See
Zweimal Pressevorführung, bitte!

DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT(1:2.35, 5.1)
OT: Woman Walks Ahead
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Susanna White
Darsteller: Jessica Chastain, Michael Greyeyes, Sam Rockwell
Kinostart: 05.07.2018

1889 macht sich die Malerin Catherine Weldon von New York in den amerikanischen Westen auf, um den berühmten Häuptling Sitting Bull zu porträtieren. Was die US-Armee eigentlich verhindern möchte, gelingt der jungen Rebellin mit Hilfe des Neffen von Sitting Bull, der für die Armee arbeitet: sie begegnet dem imposanten Krieger, der jetzt zum Kartoffelernten verdammt wurde. Als sie auch noch Wind davon bekommt, auf welche Weise der Staat den Indianern ihr Land wegnehmen möchte, schlägt sie sich auf die Seite der Ureinwohner... Der auf einer wahren Geschichte beruhende Film imponiert nicht nur durch seine prächtigen Bilder (Kamera: Mike Eley), sondern vor allem durch die beiden Hauptdarsteller Jessica Chastain und Michael Greyeyes. Die beiden bilden ein ungewöhnliches Paar und könnte eine Art Gegenentwurf zu Kevin Costner und Mary McDonnell in DER MIT DEM WOLF TANZT darstellen. Ohne überzogenen Kitsch inszeniert Regisseurin Susanna White die zarte Romanze, die sich zwischen den Beiden im Laufe des Films entwickelt. Der Film prangert das Unrecht an, welches des amerikanischen Ureinwohnern durch die westliche Besatzer angetan wurde und reiht sich damit ein in die Reihe von Filmen wie der jüngst in die Kinos gekommene FEINDE - HOSTILES. Allerdings hätte dem Film ein bisschen mehr Pathos gut getan, schaut man hier den Entwicklungen im Film doch relativ emotionslos zu.

DIE FARBE DES HORIZONTS (1:2.35, DD 5.1 + Atmos)
OT: Adrift
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Baltasar Kormákur
Darsteller: Shailene Woodley, Sam Claflin, Grace Palmer
Kinostart: 12.07.2018

1983 lernen sich die freiheitsliebende Gelegenheitsjobberin Tami und der Segler Richard auf Tahiti kennen – und lieben. Als Richard das verlockenden Angebot erhält, ein Luxus-Segelboot von Tahiti nach Kalifornien zu überführen, schlägt er ein und nimmt Tami mit auf die Reise. Anfangs noch eine wahrhaftige Traumreise, wird sie zum Alptraum: ein heftiger Hurrikan erfasst das Boot. Richard wird über Bord geschleudert, Tami verliert in der Kabine das Bewusstsein... Erst war es Robert Redford in ALL IS LOST – ÜBERLEBEN IST ALLES, dann Colin Firth in VOR UNS DAS MEER und jetzt Shailene Woodley in DIE FARBE DES HORIZONTS, die als tapfere Segler den Urgewalten eines Hurrikans trotzen müssen. Langsam scheint das Thema erschöpft zu sein. Denn auch wenn Baltasar Kormákurs Film auf einer wahren Geschichte beruht, gelingt es ihm nicht, emotional so richtig zu fesseln. Die Liebesgeschichte zwischen Tami und Richard überzeugt nicht, sondern wirkt wie ein Drehbuchkonstrukt. Statt den Film dramaturgisch konsequent auf einen Höhepunkt zuzusteuern, wechseln sich hier das Kennenlernen der Liebenden und ihr Überlebenskampf auf offener See ständig ab und verhindert dadurch den erforderlichen Spannungsbogen. Immerhin überzeugen die Bilder von Kameramann Robert Richardson, die nicht nur wunderschöne CinemaScope-Panoramen zeichnen, sondern mit Unterstützung der VFX-Abteilungen den mörderischen Sturm sehr realistisch umsetzen.
Donnerstag, 07. Juni 2018
Sängerin im Abwärtstrend
Heute gab es bereits die letzte Pressevorführung der Woche. Grund genug, das Soll mit einer Heimkinoscheibe aufzufüllen

NICO, 1988 (1:1.33, 5.1)
OT: Nico, 1988
Verleih: Film Kino Text
Land/Jahr: Italien, Belgien 2017
Regie: Susanna Nicchiarelli
Darsteller: Trine Dyrholm, John Gordon Sinclair, Anamaria Marinca
Kinostart: 18.07.2018

Ende der 1980er-Jahre beherrscht der Kampf um ihren suizidgefährdeten Sohn sowie der regelmäßige Heroinkonsum den Alltag von Christa Päffgen, die unter dem Pseudonym “Nico” einer Ikone der Musikszene wurde. Regisseurin Susanna Nicchiarelli konzentriert sich au die letzten beiden Lebensjahre der einstigen Muse von Andy Warhol und Sängerin von Velvet Underground – Christa Päffgen alias Nico. So entstehen Momentaufnahmen einer Frau, die sich ihrer Probleme mit Heroin zu entledigen versucht, dadurch aber in einen Strudel gerissen wird, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Trine Dyrholm spielt die Sängerin, die voller Melancholie und Tragik steckt, in einer Power-Performance. Sogar Nicos Lieder singt sie selbst. Das Drehbuch verzichtet fast vollkommen auf Rückblenden, die Nicos Karriere rekapitulieren, sondern setzt beim Zuschauer mehr als nur Grundkenntnisse voraus. Damit richtet sich der Film insbesondere an Fans der Sängerin.

I, TONYA (1:2.35, 5.1)
OT: I, Tonya
Verleih: DCM
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Craig Gillespie
Darsteller: Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney
Kinostart: 22.03.2018

Ihre Mutter zwingt sie zu Höchstleistungen, ihr Vater lässt sie im Stich und ihr Freund und späterer Ehemann schlägt sie: Tonya Harding wächst in höchst prekären Verhältnissen auf. Ihr großer Traum: eine Karriere als Eiskunstläuferin. Die junge Frau ist zwar richtig gut, doch entspricht ihr Milieu nicht dem von den Veranstaltern gewünschten Sauberfrau-Image. Als Tonya es tatsächlich ins Olympia-Team schafft, kommt ihr dummer wie brutaler Ex auf die Idee, ihre schärfste Konkurrentin Nancy Kerrigan unter Druck zu setzen – ein Vorhaben, das Dank kleingeistiger Halunken schon bald komplett aus dem Ruder läuft und damit Sportgeschichte schreibt... Dass Regisseur Craig Gillespie und sein Drehbuchautor Steven Rogers die unglaublich wahre Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding nicht als klassisches Thriller-Drama inszenieren, sondern als pechrabenschwarze Komödie kommt einem Geniestreich gleich. Als Grundlage für das Drehbuch dienten dabei Interviews, die Rogers mit Harding und ihrem Ex-Mann Jeff Gilloly führte sowie bereits bestehende Interviews mit Hardings Mutter sowie dem korpulenten Bodyguard Shaun, der immer vier Ecken weiterdenkt als er eigentlich sollte. Gerade jener Shaun und seine beiden halbseidenen Vasallen könnten direkt dem Gebrüder-Coen-Universum entsprungen sein! Soviel Grenzdebilität auf einem Haufen kann eigentlich nur erfunden sein. Ist es aber nicht. Gillespie holt immer wieder seine Protagonisten in ihren Rollen vor die Interview-Kamera und lässt sie die abstruse Geschichte mit ihren verzwickten Wendungen kommentieren. Insbesondere Allison Janney als Tonyas Mutter verdient hier eine besondere Erwähnung: nicht umsonst hat sie für diese Rolle den Oscar als beste Nebendarstellerin eingeheimst. Aber auch alle andere Akteure sind perfekt besetzt. Perfekt auch die Tricktechnik, mit der Margot Robbie zur Eiskunstläuferin par excellence wird. Genial die Tonspur des Films: die Playlist bekannter Songs dient als hervorragendes Zeitkolorit und macht riesig Spaß – insbesondere weil sie auch tontechnisch höchsten Ansprüchen gerecht wird. I,TONYA ist Kino vom Feinsten. Unbedingt anschauen!
Mittwoch, 06. Juni 2018
Fremdgesteuert
Zu Risiken und Nebenwirkungen des Internets konsultieren Sie diesen Film

LOMO – THE LANGUAGE OF MANY OTHERS (1:2.35, 5.1)
Verleih: farbfilm
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Julia Langhof
Darsteller: Jonas Dassler, Lucie Hollmann, Eva Nürnberg
Kinostart: 12.07.2018

Karl steht kurz vor dem Abitur. Im Gegensatz zu seiner Zwillingsschwester, die in Kanada studieren will, weiß er noch nicht, was er nach dem Abi machen soll. Lieber widmet er sich seinem Blog “The Language of many others”, in dem er unter anderem auch Familienvideos postet – sehr zum Missfallen seines Vaters. Als sich Karl in die neue Mitschülerin Doro verliebt und plötzlich ein intimes Video der beiden im Netz auftaucht, eskaliert die Situation... Mit extremen Close Ups und verwaschenen Farben präsentiert Julia Langhof ihren Blick auf Blogger Karl, der durch seine Follower zunehmend fremdgesteuert wird und dadurch Gefahr läuft, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Kunstvoll werden die Chat-Botschaften, die ihn auf seinem Smartphone erreichen, für den Zuschauer sichtbar in die Filmbilder integriert. Eine Steigerung erfährt die Geschichte, wenn Karl mit seinem Blog Live geht und man auf der Tonspur die Kommentare seiner Follower zu hören bekommt. Langhofs Film dürfte seine Zielgruppe insbesondere bei jungen Menschen zwischen 15 und 25 finden, für die die internetbasierten Kommunikationsformen zum Alltag gehören. Auf Menschen im vorgerückten Alter werden die gezeigten Möglichkeiten wie Science-Fiction wirken. Doch die technischen Möglichkeiten, die der Film zeigt, sind längst Realität – mit allen Vor- und Nachteilen. Langhofs Film darf hier durchaus als eine Warnung verstanden werden. Denn frei nach dem Motto “Die Geister, die ich rief” bergen die sozialen Netzwerke eben auch große Risiken.
Dienstag, 05. Juni 2018
Ein toter Soldat und verliebte Studenten
Mit meinem Kino-Dienstag war ich eigentlich ganz zufrieden

FOXTROT (1:2.35, 5.1)
OT: Foxtrot
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: Israel, Deutschland, Frankreich 2017
Regie: Samuel Maoz
Darsteller: Lior Louie Ashkenazi, Sarah Adler, Yonaton Shiray
Kinostart: 12.07.2018

Der Schock der Eltern sitzt tief, als das Militär die traurige Botschaft übermittelt: ihr Sohn Jonathan ist gefallen. Noch während Räderwerk läuft, um die Beerdigung zu organisieren, wird die Familie mit einem noch größeren Schock konfrontiert: es liegt ein Irrtum vor – Jonathan ist gar nicht tot... Das Beeindruckendste an Samuel Maoz‘ Drama ist die Kameraarbeit von Giora Bejach (LEBANON, BIG BAD WOLVES), mit der das CinemaScope-Format mit ungewöhnlichen Perspektiven ausgefüllt wird – das reicht von Close-Ups bis hin zu Aufnahmen von oben. Aufgrund seiner ausgefeilten Optik bleibt der Blick sehr gerne auf die Leinwand gerichtet. Maoz hat sein Drama dreigeteilt: es beginnt in einer Wohnung, wird im Checkpoint Foxtrot fortgesetzt und endet wieder in derselben Wohnung. Den äußeren Rahmen bilden Aufnahmen aus einem fahrenden Auto, das eine staubige Straße entlang fährt. Damit erfüllt Maoz auch visuell die Regel des Foxtrot, also jenes Tanzes, der immer wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt. FOXTROT gibt sich tragisch, amüsant, etwas strange und dramatisch zugleich und entzieht sich damit vertrauten Sehgewohnheiten auf angenehme Weise. Kino aus Israel zum Hinschauen.

303 (1:1.85, 5.1)
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Hans Weingartner
Darsteller: Mala Emde, Anton Spieker, Martin Neuhaus
Kinostart: 19.07.2018

Die 24jährige Jule hat gerade erst ihre Biologieprüfung versiebt, dem ebenfalls 24jährige Jan wurde das Stipendium für sein Politikwissenschaftsstudium gestrichen. Es ist der Beginn der Semesterferien und beide haben ein Ziel. Sie möchte ihren Freund in Portugal besuchen, um ihm zu sagen, dass sie von ihm schwanger ist; Er möchte in Billbao zum ersten Mal seinen leiblichen Vater treffen. Der Zufall will es, dass sich Jan und Jule treffen und gemeinsam in Jules altem “303”-Oltimer-Wohnmobil zu ihren Zielen aufbrechen... Hans Weingartner hat mit seinem Roadmovie einen wunderschönen Liebesfilm erschaffen, der einzig und alleine von den beiden Darstellern Mala Emde und Anton Spieker getragen wird. Kilometer für Kilometer lässt er die beiden jungen Menschen sich einander näherkommen. Flüchtige Blicke, zärtliche Berührungen, tiefschürfende Dialoge prägen die unendlich lange Fahrt durch Städte, Dörfer und Landschaften. Es gibt viele Zwischenstopps, um sich die Beine zu vertreten oder auch um zwischendurch im Meer zu surfen. Als Zuschauer ist man fasziniert von der Anziehungskraft der beiden Studenten, die immer stärker wird je näher sie ihrem Ziel kommen. Und man hofft innig, dass sie sich noch vor Ende des Films finden werden. Ob sie das wirklich tun sei aber hier noch nicht verraten.
Montag, 04. Juni 2018
Musikalische Himmelsdiener
Zum Auftakt der neuen Pressewoche eine Komödie aus Frankreich

EIN LIED IN GOTTES OHR (1:2.35, DD 5.1)
OT: Coexister
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Fabrice Eboué
Darsteller: Ramzy Bedia, Fabrice Eboué, Guillaume de Tonquedec
Kinostart: 26.07.2018

Um seinen Job als Musikproduzent nicht zu verlieren, ist Nicolas verzweifelt auf der Suche nach neuen Talenten. Da hat er eine zündende Idee: warum nicht einen Priester, einen Rabbi und einen Imam als Gesangstrio auf die Bühne bringen? Die entsprechenden Kandidaten hat er auch bald gefunden. Nur dass der Rabbi depressiv ist und der Imam gar kein echter Imam ist... Treffen sich ein Priester, ein Rabbi und ein Imam in einem Stripclub... so oder ähnlich könnten jene Witze beginnen, die sich über die drei großen Weltreligionen lustig machen. Nichts anderes versucht Fabrice Eboué mit seiner Komödie, die im Original treffender “Coexister” heisst was soviel bedeutet wie “koexistieren”. Schließlich müssen der Priester, der Rabbi und der unechte Imam ihre Differenzen überwinden, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen und zu musizieren. Beim ihrem gegenseitigen Auf und Ab gibt es natürlich einen regen Schlagabtausch die einzelnen Religionen betreffend. Das mündet dann gelegentlich in grenzwertige Kalauer. Da sagt beispielsweise der Rabbi zum Imam, ob er nichts besseres in einem 5-Sterne-Hotel zu tun habe als sich Mädchen aufs Zimmer zu bestellen. Antwortet der Imam: “Sei froh, dass Du keinen Stern auf der Brust tragen musst!". Ziemlich verstörend wirkt auch jene Szene, in der das Missgeschick des Rabbis gezeigt wird, der bei der Beschneidung eines Babys ein wahres Blutbad anrichtet. Auf eine solche Szene ist man einfach nicht vorbereitet! Wenn die drei Religionsführer gemeinsam vor Publikum singen, ist die Welt wieder in Ordnung. Die Songs sind griffig, gehen ins Ohr und laden zum Mitklatschen ein. Das reicht aber leider nicht aus, um Drehbuch-Leerläufe aufzufangen. Da wäre etwa die Geschichte von Nicolas, dem Musikproduzent, der sich von seiner Frau getrennt hat und immer wieder versucht, sich mit ihr zu versöhnen. Eine Geschichte, die für den Film selbst keinerlei Bedeutung hat. Richtig lustig ist der Film fast nie, versucht er doch vehement Religionstabus zu brechen – mit der Holzhammermethode.
Freitag, 01. Juni 2018
Bitterkalt im Schwarzwald
Mangels Pressevorführungen habe ich mal wieder zur Konserve gegriffen

SCHNEEBLIND (1:1.85, 5.1)
Verleih: Wood Water Films (Eigenverleih)
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Arto Sebastian
Darsteller: Jonathan Berlin, Kai Ivo Baulitz, Martin Umbach, Inka Friedrich, Amelie Herres
Kinostart: 24.05.2018

Es ist das Jahr 1946. Stunde Null. In einem Wintersturm retten sich ein Vater und sein fast blinder Sohn in einen einsam gelegenen kleinen Bauernhof im Schwarzwald. Der tote Kamerad, den sie mit sich führen, ist der Sohn des Bauern. Er wollte die beiden bei der Flucht in die Schweiz helfen. Jetzt hoffen sie auf die Hilfe des grantigen Bauern. Die Situation verschärft sich, als die Bäuerin erkennt, dass es sich bei dem Vater um einen SS-Mann handelt... Farbentsättigte, dunkle Bilder prägen den Look von Arto Sebastians Diplomfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg. Die räumliche Enge seines bitterkalten Kammerspiels spiegelt sich auch im kaschierten Breitwandformat wider. Die teils atonal wirkenden Streicherklänge der Filmmusik von Jonas Schoen-Philbert machen die Gefühlslage der Protagonisten spürbar. Damit überzeugt das Drama zumindest in handwerklicher Hinsicht. Weniger überzeugend dagegen gibt sich die Geschichte, die leider in Teilen psychologisch nicht ganz nachvollziehbar erscheint.