Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

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Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
Weitere Termine in Vorbereitung!
Alle Infos gibt es hier


DIL LEYLA
Regisseurin Asli Özarslan zu Gast im Delphi Filmtheater, Stuttgart

MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE
Darsteller Yaniss Lespert zu Gast in Stuttgart

VOLKER ENGEL
Im Gespräch mit dem VFX Supervisor und Oscar-Gewinner

MEIN WUNDERBARES WEST-BERLIN
Regisseur Jochen Hick zu Gast in Stuttgart

Michael Huber & Alex Lemke
Die VFX Supervisoren (Ang Lees "Billy Lynn's Long Halftime Walk")

Berenice Robinson
Disney Animations Vice President Post Production im Gespräch

Christian Lerch, Dolby Sound Consultant
Dolbys Content Service Manager spricht über seine Arbeit und Dolby Atmos

A CONVERSATION WITH KELLY ASBURY
Director, Sony Pictures Animation

A CONVERSATION WITH DAVID E. FLUHR
Re-Recording Mixer at Walt Disney Studios Post Production Services

NATIONAL BIRD
Regisseurin Sonia Kennebeck zu Gast in Stuttgart

BEUYS
Regisseur Andres Veiel zu Gast in Stuttgart

RÜCKKEHR NACH MONTAUK
Volker Schlöndorff zu Gast in Stuttgart

5 FRAUEN
Filmpremiere in Stuttgart mit Olaf Kraemer und Odine Johne

A CONVERSATION WITH PETER LORD
The man who made chicken run - Peter Lord, Creative Director of Aardman

GAZA SURF CLUB
Regisseur Philip Gnadt und Ko-Regisseur/Produzent Mickey Yamine zu Gast in Stuttgart

HAPPY
Regisseurin Carolin Genreith zu Gast in Stuttgart

PAWLENSKI - DER MENSCH UND DIE MACHT
Regisseurin Irene Langemann zu Gast in Stuttgart

DER HUND BEGRABEN
Filmpremiere in Stuttgart

BAUER UNSER
Regisseur Robert Schabus zu Gast in Stuttgart

WILDE MAUS
Filmpremiere in Stuttgart mit Josef Hader

DIE GABE ZU HEILEN
Weltpremiere in Stuttgart

FROM BUSINESS TO BEING
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

NICHT OHNE UNS
Filmpremiere im Stuttgarter Metropol-Kino

DIE BLUMEN VON GESTERN
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

MORRIS AUS AMERIKA
Regisseur Chad Hartigan zu Gast in Stuttgart

INSIDE LUDWIGSBURG SINFONIE
Regisseur Marcel Wehn, Kameramann Jörg Rambaum,
Komponistin Meike Katrin Stein, Projektbetreuer Andreas Fuchs,
Professor für Filmkomposition Matthias Raue
und Produzent Wolfgang Kerber geben Einblicke in die Entstehung
des Stummfilmprojekts "Ludwigsburg Sinfonie"

LOTTE
Hauptdarstellerin Karin Hanczewski und Regisseur Julius Schultheiß zu Gast in Stuttgart

DAS VERSPRECHEN (THE PROMISE)
Regisseur Marcus Vetter und Kameramann Georg Zengerling zu Gast in Stuttgart

DIE LETZTE SAU
Regisseur Aron Lehmann im Interview

SMS FÜR DICH
Karoline Herfurth & Friedrich Mücke zu Gast in Stuttgart

24 WOCHEN
Regisseurin Anne Zohra Berrached zu Gast in Stuttgart

TONI ERDMANN
Regisseurin Maren Ade zu Gast in Stuttgart

ROB LEGATO - Visual Effects Supervisor
Der zweifache Oscar-Gewinner im Interview

DER NACHTMAHR
Regisseur Akiz spricht über guten Sound, breite Bilder und vieles mehr

RICHARD EDLUND - Visual Effects Supervisor
In seinem Fach ist der mehrfache Oscar-Gewinner bereits eine Legende

WILD
Nicolette Krebitz zu Gast in Stuttgart

IMAX 15/70 im National Media Museum, Bradford, UK

IMAX WITH LASER @FILMPALAST AM ZKM, KARLSRUHE
David Keighley & Andrew Cripps - the IMAX force

THINK BIG
Weltpremiere am 08. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Schauburg Cinerama Theater, Karlsruhe

REMEMBERING WIDESCREEN
An exciting new documentary about a very special "family" gathering
Now available on Blu-ray!
More info here: www.remembering-widescreen.de


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"Saturday, the 12th, began with a bang: It was Wolfram Hannemann`s "Remembering Widescreen" movie introduced by himself in a very funny way. A 37 minutes documentary not only about the organizing of the festivals but also with a lot of, never boring, interviews with wide-film-buffs mostly filmed during last year's Widescreen Weekends in the Pictureville Cinema. All, of course, shot in widescreen format. I hope the short will be released on DVD / Blu-Ray sometime. Wolfram – very well done, my congratulations."
Gerhard Witte, Widescreen Aficionado, via www.in70mm.com

"We now have a wonderful record of the WSW!"
Mark Lyndon, MBKS, Writer & Broadcaster, via Facebook

"It's a little piece of WSW history. So proud to be a part of it."
Tony Earnshaw, Film Journalist, via Facebook

"Would love to get a copy of your film....so please let me know when it will be available."
Grant Wakefield, Filmmaker, via E-mail

"Just watched this at Widescreen Weekend. Really excellent documentary. I like how people were just left to put across their point of view and personal opinion."
Paul Shackleton, via Youtube

"...delightful short film..."
Mark Trompeteler, Cinema Technology Vol. 27, No. 3, September 2014

„Es ist schon lobenswert, wenn ein filmbessesener Journalist selbst einen Film dreht. Umso mehr wenn er seiner Leidenschaft für die große Leinwand ein Denkmal setzt. Mit viel ansteckender Begeisterung hat er weitere „Widescreenfans“ zu Wort kommen lassen. Ein gelungenes Plädoyer für die große Leinwand und die Helden die sich darauf tummeln. In der Hoffnung diese Spezies stirbt nicht aus“!
Klaus Pellkofer, Kinobetreiber, Filmkritiker & Rundfunkmoderator

"Wolfram Hannemanns “Remembering Widescreen” ist eine ebenso kundige wie unterhaltsame Dokumentation über eine Szene von Filmenthusiasten, die sich jedes Jahr im britischen Bradford zu einem Festival des alten Großformatkinos trifft. Hannemann, der in seiner No-Budget-Produktion nicht nur die Regie führt, sondern auch die Rollen von Kameramann, Cutter und Komponist übernommen hat, ist selber Teil dieser Szene. In seiner Interviewmontage gelingt es ihm, die Begeisterung für die Breitleinwand (und auch für den guten Ton!) auf den Zuschauer zu übertragen. Man möchte danach sofort einen Filmpalast aufsuchen, um eine gut erhaltene Kopie von "Ben Hur", “Where Eagles dare" oder "2001 - Odyssee im Weltraum" zu sehen, besser: diese Werke im richtigen Format zu erleben."
Rupert Koppold, Filmkritiker & Freier Journalist


"Wolfram Hannemanns kenntnisreich gemachter Kurzfilm über das “Widescreen Weekend”-Festival im englischen Bradford war für mich ein 35 Minuten andauerndes Vergnügen. Sehr informative Interviews mit den Machern, dazu liebevolle Aussagen zahlreiche Festivalbesucher, die mir eine Menge, zum Teil lange vergessene Filme wieder in Erinnerung riefen. Dazu wurden einzelne Titel genannt (zum Beispiel "Zulu" von 1964), von denen ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie gehört hatte. Sie gaben Anlass für eilige Recherchen auf IMDB.

Der Film war wie eine Reise in die gute alte Zeit, lange vor den heute im Platz zwangsläufig oft arg eingegrenzten Multiplexen, als es zwar weder Eis noch Nachos, dafür aber superbreite Leinwände gab, über die ich in meiner Jugendzeit unter anderem Winnetou und Old Shatterhand reiten sah und, um nur einen Titel zu nennen, "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" bewundern konnte. In allen Fällen gab es Mehrfach-Sichtungen, was sich damals angesichts mangelnder Abwechslung (die Schulmädchen-Reporte begannen in dieser Zeit, auf Jahre hinaus die Leinwände zu verstopfen) beinahe von selbst versteht.

70 Millimeter-Filme - und die dazu passenden Kinos - sind heute, wie dieser Film berichtet, Raritäten, zum Glück von Enthusiasten am Leben erhalten und gar zu oft in Regalen achtlos geparkt, vernachlässigt und daher nicht mehr vorführbar. Von dem grandiosen und in der Doku erwähnten "Music Man" (1962) mit Robert Preston soll es zum Beispiel keine intakte Kopie mehr geben.

Wolfram Hannemanns Film ist - leider - auch ein Beweis dafür, wie engstirnig heute die Verantwortlichen in Hollywood auf jene Enthusiasten reagieren, die mit Hingabe und Sachverstand das Ereignis "70 Millimeter" in uns wach halten. Muss man tatsächlich so rigide das Einblenden von einstigen Trailern und sogar das Zeigen eines Plakates von damals verbieten? Es ist - zumindest für mich - nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar, zumal mit Dokumentationen dieser Art ja kein Geld verdient werden soll.

So bietet der Film zwar nur 35 Minuten, die dafür aber voller Gehalt und gespickt mit wissenswerten Informationen sind. Außerdem bleibt es jedem Seher vorbehalten, die Dokumentation für sich selbst nach Herzenslust zu verlängern, weil wir in Gedanken ja jede Menge Filmschnipsel in all die Interviews "reinschneiden" können.

Danke also für einen gelungenen Kinobesuch!"
Reinhard Thiel, Freier Journalist & Filmkritiker


Der Cinemaniker Wolfram Hannemann ist ein kenntnisreicher Liebhaber opulenter Bild- und Tonformate, aber auch der dahinter stehenden Kinotechnik, der gerade endenden Mechanikära im Vorführraum. Sein Dokumentarfilm „Remembering Widescreen“ erzählt nominell vom Widescreen-Weekend beim Bradford International Film Festival in Bradford, einem Mekka der Freunde von 70mm, Cinerama und IMAX. Aber die spannende Sammlung von Interviews ist gar kein Film über Formateigenheiten und Technikgeschichte, über die Problematik der Kopienausbleichung oder die Pflege alter Projektoren. Es geht hier um Menschen, nicht um das strahlende Bild auf der Leinwand, sondern um das Leuchten in den Augen der Zuschauer.

Hannemann lässt in klar durchdachten und abwechslungsreich montierten Einstellungen, die nie das bedrückende Gefühl einer Talking-Head-Galerie entstehen lassen, Besucher und Veranstalter ihre Begeisterung und Motivation darlegen. Es geht um die Liebe zum Kino, hier speziell um jene, die sich an den ganz großen Bildern entzündet hat und ein Leben lang anhielt. Aber wiederfinden können sich hier alle Kinoliebhaber, auch jene, deren Begeisterung nicht von „Lawrence von Arabien“ in voller Pracht angefacht wurde, sondern von der verregneten, unruhig laufenden 35-mm-Kopie eines alten Schwarzweiß-Films aus der B-Produktion eines C-Studios.

Dass die Cinephilen in Bradford nicht einem möglicherweise spöttelnd distanzierten Beobachter von außen Rede und Antwort stehen, sondern ihresgleichen, den sie als Referent und Präsentator kennen, ist ihrer Gelöstheit im Interview anzumerken, ihrer Bereitschaft, privates Glück öffentlich zu machen. Hier wird ihre Liebe zu einem Medium nicht kleingeredet, nicht rationalisiert, schon gar nicht als Irrweg der Auseinandersetzung mit Inhalten getadelt: hier wird die pure Entrückungsqualität von Kino gepriesen. „Remembering Widescreen“ ist absolut sehenswert – und man darf auf Hannemanns weitere Arbeiten zum Thema gespannt sein.
Thomas Klingenmaier, Kulturredakteur der "Stuttgarter Zeitung"

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Wolfram Hannemanns

Kanal

Walhalla   Fliegende Fische   Gottesaue   Bradford   Christmas   Tattoo   Bruno
Die Kunst zu lieben       Väter und andere Katastrophen
Im Gespräch mit Douglas Trumbull
Tabu       Jasmin       Die Kirche bleibt im Dorf
Herr Wichmann aus der dritten Reihe      Dichter und Kämpfer
Bittere Kirschen      Speed      Im Gespräch mit Dietrich Brüggemann
3 Zimmer/Küche/Bad      Die Wand      Gnade      Parked - Gestrandet
Im Gespräch mit Colm Meaney & Darragh Byrne
Im Gespräch mit Hermine Huntgeburth, Leon Seidel & Jacky Ido
Im Gespräch mit David Sieveking      Vergiss mein nicht
Jäger des Augenblicks      The Broken Circle (Langfassung)      5 Jahre Leben
The Broken Circle (Kurzfassung)    Ein Freitag in Barcelona
Wochenendkrieger    Wochenendkrieger - Die Filmmusik
UMMAH - Unter Freunden      Spieltrieb      BKM Preisverleihung
Die Nonne      Scherbenpark      IMAX im Filmpalast am ZKM
Live and Let Live      Kreuzweg      Cerro Torre      Die schöne Krista
Laser Hotline @ FMX 2014      Fascinating India 3D      Monsoon Shootout      Jadoo
Diplomatie      Vicious Brothers      Daniel Stamm      Wolfskinder
Im Labyrinth des Schweigens      Traumland      Ein Hells Angel unter Brüdern
Doktor Proktors Pupspulver      Willkommen auf Deutsch      10 Milliarden
The Forecaster      Das Zimmermädchen Lynn      Beyond Punishment
Victoria      Freistatt      Der Bunker      Die Kleinen und die Bösen
Stung      Paul Hyett talking HOWL      Heil



FANTASY FILMFEST NIGHTS 2017

Donnerstag, 22. Juni 2017
Frauen proben den Aufstand
Die zweite und letzte Pressevorführung in dieser Woche bescherte mir eine vergnügliche Komödie im wohl temperierten Kinosaal

DIE GÖTTLICHE ORDNUNG (1:2.35, 5.1)
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Schweiz 2017
Regie: Petra Volpe
Darsteller: Marie Leuenberger, Max Simonischek, Rachel Braunschweig
Kinostart: 03.08.2017

1971 in einem kleinen Dorf in der Schweiz. Hier ist die Welt noch in Ordnung, gilt noch die “göttliche Ordnung”, die den Frauen das Stimmrecht bei Wahlen vorenthält und auch sonst den Weiblein genau vorschreibt, wo ihr Platz in der Gesellschaft ist: am Herd. Als sich jedoch Nora, Hausfrau und Mutter, plötzlich für die Frauenbewegung zu interessieren beginnt, ist es bald vorbei mit Heim und Herd: sie setzt sich für das Frauenwahlrecht ein, über das die Männer abstimmen sollen. Und mehr noch: immer mehr Frauen aus ihrem Dorf schließen sich ihr an. Das allerdings ist den Männern ein Dorn im Auge... Wie schon in TRAUMLAND, so verlässt sich Petra Volpe auch jetzt wieder auf das Talent der Kamerafrau Judith Kaufmann, die aufs Neue beweist, dass sich Cinemascope nicht nur für Panoramalandschaften eignet, sondern auch die Enge einer kleinen Küche wesentlich intensiver zu vermitteln vermag. Ergänzt werden die farbentsättigten Bilder durch einen emotionalen Orchester-Score aus der Feder von Annette Focks, der trotzdem nicht in den Kitsch abfällt. Besonders schön anzuhören ist der Film übrigens in der Schwyzerdütschen Originalfassung, deren Dialekt den feinen Humor noch unterstreicht. Besetzt ist der Film durch die Bank mit talentierten Darstellerinnen, die weder zu hübsch noch zu hässlich sind und damit perfekt die Rollen der einfachen Dorfbewohnerinnen ausfüllen. Etwas klischeehaft wirken hier allenfalls noch die Mannsbilder, was aber bestens zur Emanzipationskomödie passt. DIE GÖTTLICHE ORDNUNG ist ein gelungener Mix aus Humor, Gefühl und Anspruch und lohnt den Gang ins Kino.
Dienstag, 20. Juni 2017
Ein Exzentriker
Ein paar Tage aus dem Leben eines bedeutenden Künstlers stand heute im angenehm gekühlten Kino auf dem Programm

FINAL PORTRAIT (1:2.35, 5.1)
OT: Final Portrait
Verleih: Prokino (Fox)
Land/Jahr: Großbritannien 2017
Regie: Stanley Tucci
Darsteller: Geoffrey Rush, Armie Hammer, Clémence Poésy
Kinostart: 03.08.2017

Paris 1964. Der amerikanische Schriftsteller James Lord soll seinem Freund, dem Künstler Alberto Giacometti, für ein Porträt Modell stehen. Was anfangs als Arbeit für höchstens einen Nachmittag angesetzt wird, erstreckt sich aufgrund der ständigen Unzufriedenheit des Künstlers über viele Tage hinweg... Eine gewisse mentale und auch äußerliche Ähnlichkeit hat der von Geoffrey Rush in Perfektion gespielte Alberto Giacometti mit dem britischen Maler J.M.W. Turner, auch wenn beide Männer in verschiedenen Jahrhunderten tätig waren. Beides waren Exzentriker, die ihr Leben so lebten, wie sei es wollten, ohne Rücksicht auf die Gefühle Anderer. Nach einem Buch von James Lord hat Regisseur und Drehbuchautor Stanley Tucci, selbst hochbegabter Hollywood-Mime, den Entstehungsprozess eines Porträts inszeniert, der ebenso amüsant wie nervenaufreibend verläuft. Es passiert zwar nicht viel, wenn man den Maler und sein Modell über die CinemaScope-Bildwand verteilt beobachtet, doch das Bisschen reicht schon aus, um sich über die Situation köstlich amüsieren zu können. Da wird in den Pausen viel getrunken, viel herumgehurt, viel gegessen, viel spazieren gegangen, nur um danach die ganze Arbeit wieder mit dem Korrekturpinsel rückgängig zu machen, um von Neuem beginnen zu können. Herrlich exzentrisch!
Donnerstag, 15. Juni 2017
Zuviel Vorschusslorbeeren
Heute stand einer jener Filme auf meiner Agenda, der in den USA immerhin mit ein paar wenigen 70mm-Kopien ins Kino gebracht wurde

WONDER WOMAN (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Wonder Woman
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Patty Jenkins
Darsteller: Gal Gadot, Chris Pine, Robin Wright
Kinostart: 15.06.2017

Eine Amazonen-Kriegerin verlässt ihr hermetisch abgeriegeltes Idyll, um sich im Ersten Weltkrieg einem Kriegsgott im Kampf zu stellen und die Menschheit von dessen Geißel zu befreien... Auch auf die Gefahr hin, dass ich es mir jetzt mit der gesamten DC Fangemeinde verscherze: offensichtlich bin ich den Vorschusslorbeeren zu diesem Film ziemlich auf den Leim gegangen. Sicher wäre es besser gewesen, ich hätte im Vorfeld nichts über dieses Superhelden-Action-Spektakel gelesen. Denn so ging ich jetzt mit den allerhöchsten Erwartungen in Patty Jenkins Fantasyabenteuer – und wurde irgendwie enttäuscht. Immerhin: wir haben endlich einmal einen weiblichen Superhelden! Auch an der Kernaussage des Films gibt es nichts auszusetzen: nur durch Liebe kann die Menschheit gerettet werden. Trotzdem jedoch wird man als Zuschauer auch hier wieder mit einem äußerst düsteren Szenario konfrontiert, so wie man es inzwischen aus praktisch allen Superhelden-Filmen kennt. Und wieder bleibt am Ende kein Stein auf dem anderen: das Effektfeuerwerk wird auch hier gnadenlos abgefackelt. Bestimmt gibt es Filmfans, die so etwas mögen. Ich jedenfalls langweile mich bei solchem VFX-Gewitter grundsätzlich. Apropos Langeweile: die Musik in diesem Film (aus der Feder von Rupert Gregson-Williams) ist derart beliebig, dass sie eigentlich nur als Klangteppich wahrgenommen werden kann und in jeden anderen Superhelden-Film genauso gut passen würde. Wohin sind all die Filmkomponisten verschwunden, die noch in der Lage sind, einem Film durch ihre Musik echtes Profil zu geben? Nur laut und möglichst viele Instrumente genügt nicht. Ebenfalls ungenügend vertieft erschien mir die Liebesgeschichte
Dienstag, 14. Juni 2017
Die Hoffnungsträgerin
Eine bedrückende Dokumentation stand heute auf der Tagesordnung

DIL LEYLA (1:1.78, 5.1)
Verleih: Essence Film
Land/Jahr: Deutschland 2016
Regie: Asli Özarslan
Kinostart: 29.06.2017

Leyla Imret, 26 Jahre alt, stammt aus Cizre, einer kleinen türkischen Stadt an der syrisch-irakischen Grenze und eine Kurdenhochburg. Als sie fünf Jahre alt ist, wird ihr Vater vom türkischen Militär getötet und sie flieht nach Deutschland. 20 Jahre später kehrt sie wieder zurück in ihre Heimat, zurück nach Cizre, wo nach wie vor ihre Mutter lebt. Sie will etwas für ihre Heimat tun, stellt sich als Bürgermeisterin zur Wahl und fährt einen Rekordsieg ein, der sie zur jüngsten Bürgermeisterin der Türkei macht. In ihrer Heimat wird die sympathische junge Frau als großer Hoffnungsträger gehandelt. Regisseurin Asli Özarslan wollte diesen neuen Aufbruch in ihrem Diplomfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg dokumentieren und begleitete Leyla in Cizre mit der Kamera. Leylas oberstes Ziel war es, die vom Bürgerkrieg zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Als jedoch die Parlamentswahlen in der Türkei anstehen, spitzt sich die Lage zu und alles ändert sich – auch Asli Özarslans Dokumentarfilm. In unkommentierten Interviews mit Leylas Familie und Freunden in der Türkei und in Deutschland schildert sie die bedrückende Stimmung, die sich einstellt, als Leyla plötzlich als Bürgermeisterin abgesetzt werden soll und alsbald jedes Lebenszeichen von ihr fehlt. Özarslans Doku macht betroffen, zeigt sie doch, dass sich seit Leylas Flucht aus der Türkei nichts geändert hat und die Aufbruchsstimmung in Cizre letztlich wieder in Schutt und Asche gelegt wird.

Montag, 12. Juni 2017
Der zweite Frühling
Eine französische Komödie stand am Anfang meiner neuen Filmwoche

MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE (1:1.85, 5.1)
OT: Un Profil Pour Deux
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich, Deutschland, Belgien 2017
Regie: Stéphane Robelin
Darsteller: Pierre Richard, Yaniss Lespert, Fanny Valette
Kinostart: 22.06.2017

Seit seine über alles geliebte Frau vor zwei Jahren verstorben ist, hat der Rentner Pierre seine Wohnung nicht mehr verlassen und droht zu verwahrlosen. Um ihn wieder an das Leben heranzuführen, verdonnert ihn seine Tochter dazu, sich mit dem Internet zu beschäftigen. Alex, der Freund ihrer Tochter, ein Autor ohne Einkommen, soll Pierre in den Umgang mit dem Netz einlernen. Steht Pierre anfangs der Sache noch extrem skeptisch gegenüber, findet er doch alsbald Gefallen an Dating-Portalen und hat bald auch schon einen sehr intensiven Flirt mit einer jungen Frau am Laufen. Als die sich auch noch mit ihm treffen will, braucht der Senior wieder die Hilfe seines Lehrers: Pierre hat sich mit Alex‘ Foto im Portal angemeldet... Kein Geringerer als der große Blonde mit dem schwarzen Schuh, Pierre Richard, schlüpft in die Rolle des Senior im Dating-Taumel. Sichtlich gealtert und mit weißer Haartracht füllt er die Rolle hervorragend aus. Stéphane Robelins Film ist eine Variante des berühmten “Cyrano de Bergerac”, in dem ein wortgewandter Mann mit abstoßendem Äußeren seiner heimlichen Liebe durch einen anderen, aber Gutaussehenden den Hof macht. Zielsicher steuert die Komödie denn auch auf ihren Höhepunkt hin: Pierres Flamme kommt zu Besuch in der Annahme, dass er der Großvater von Alex wäre. Das ist alles schön inszeniert und gut gespielt, mit viel Sinn für Romantik und Humor. Allerdings fällt der Film nach seinem Höhepunkt etwas ab und man merkt deutlich, dass er bereits seinen Zenit überschritten hat. Positiv fällt im Film die Musik von Vladimir Cosma auf, die fast untrennbar mit Pierre Richard verbunden ist und dem Film ein Siebzigerjahre Flair verpasst. Mein Tipp für ein unverfängliches Kino-Date.
Samstag, 10. Juni 2017
Mumifiziert
Universal hat sich nicht getraut, diesen Film der Stuttgarter Presse zu zeigen. Ich habe ihn “nachgesessen” und weiß jetzt warum

DIE MUMIE (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos, Barco Auro 11.1, DTS:X)
OT: The Mummy
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Alex Kurtzman
Darsteller: Tom Cruise, Sofia Boutella, Annabelle Wallis, Russell Crowe
Kinostart: 08.06.2017

Während eines Anti-Terror Einsatzes im Irak stoßen der Abenteurer Nick Morton und sein Freund Vail auf eine riesige Höhle, die offenbar das Grab einer ägyptischen Prinzessin enthält. Was die beiden noch nicht wissen: Prinzessin Ahmanet wurde vor 2000 Jahren bei lebendigem Leib mumifiziert, weil sie den Thronfolger ermordete. Und die Gute ist alles andere als tot... Fast 20 Jahre sind vergangen, seit Stephen Sommers die Legende der Mumie auf die große Leinwand zurückholte und die Zuschauer mit spektakulären visuellen Effekten sowie einem brillanten Score von Jerry Goldsmith konfrontierte. Dieser sehr erfolgreiche Film hatte sodann auch gleich ein paar Sequels zur Folge. Was vor 20 Jahren so gut funktioniert hat, das tut es ganz bestimmt auch heute, müssen sich die Verantwortlichen bei Universal gedacht haben, als sie dieses Reboot aus der Taufe gehoben haben. Immerhin: da die Emanzipation inzwischen weiter vorangeschritten ist, darf die böse Mumie jetzt sogar eine Frau sein! Aber was nützt das, wenn man ihr einen vollkommen uninspiriert agierenden Tom Cruise zur Seite stellt und das Drehbuch nicht viel mehr auf die Beine stellen kann als mit Langeweile zu gruseln? In Abwandlung einer alten englischen Weisheit war “A Waste of Time and Mummy” der erste Gedanke, als ich mich schlaftrunken aus dem Kinosaal hinaus bewegte. Mit den beiden Teilen der UNFASSBAREN sowie STAR TREK: INTO DARKNESS kein Regie-Neuling, sonder einer der durchaus inszenieren kann, ist Regisseur Alex Kurtzman hier wohl einem ganz miesen Drehbuch von Jon Spaihts und Christopher McQuarrie auf den Leim gegangen. Leider ist zu befürchten, dass es trotzdem noch Fortsetzungen dieser Schlaftablette von Film geben wird! Verwunderlich übrigens die deutsche Altersfreigabe, die diesen doch recht brutalen Langweiler bereits ab 12 freigibt.
Donnerstag, 08. Juni 2017
Die Liebe geht seltsame Wege<br> Der heutige Tag bescherte mir ein mitreißendes Stück Kino!

DIE GESCHICHTE DER LIEBE (1:2.35, 5.1)
OT: The History Of Love
Verleih: Prokino (24 Bilder)
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Radu Mihaileanu
Darsteller: Gemma Arterton, Derek Jacobi, Sophie Nélisse, Elliott Gould, Alex Ozerov
Kinostart: 20.07.2017

Ein kleines Dorf in Polen kurz vor dem Zweiten Weltkrieg: Leo und Alma sind füreinander bestimmt. Leo liebt seine Alma so sehr, dass er für seine “meistgeliebte Frau der Welt” eine Liebesgeschichte schreibt. Durch die Wirren des Krieges jedoch werden die Beiden getrennt, das Buch geht auf eine lange Reise. Schließlich fällt das Manuskript im neuzeitlichen New York in die Hände eines Mädchens. Auch sie heisst Alma. Noch wissen die zwei nichts voneinander, doch das Schicksal wird sie zusammenführen... Mit dem wunderbaren Film DAS KONZERT ist der rumänische Regisseur Radu Mihaileanu bestens in Erinnerung geblieben. Jetzt hat er einen neuen Film gemacht, der diesem emotional unter die Haut gehenden in nichts nachsteht. Wieder gelingt es Mihaileanu durch die nicht lineare Erzählweise, die mehrere Zeitebenen bedient, die Aufmerksamkeit der Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute auf sein Drama zu lenken. Damit fordert er sie zwar, doch man ist ihm dankbar für ein solches Geschenk. Mit wunderbaren Kamerafahrten ist der Film auch optisch ein Genuss. Schon allein die grandiose Eröffnungssequenz, in der er mit Formaten spielt, begeistert. Die sinfonische Filmmusik von Armand Amar nimmt einen breiten Raum im Film ein und unterstützt die Bilder hervorragend. Auch besetzungstechnisch bleiben keine Wünsche offen. Derek Jacobi als Leo und Elliott Gould als Bruno geben zwei herrlich streitbare “Grumpy Old Men” ab, deren Dialoge man am besten in der englischen Originalfassung mit jiddischem Akzent genießen sollte! Trotz seiner Länge von 135 Minuten ist der Film kein bisschen langweilig und verdient das Prädikat “Geheimtipp”.
Dienstag, 06. Juni 2017
Aus dem Ruder gelaufen
Die erste von nur zwei Pressevorführungen in dieser Woche dauerte gerade einmal 71 Minuten

THE PARTY (1:2.35, 5.1)
OT: The Party
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Großbritannien 2017
Regie: Sally Potter
Darsteller: Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Cherry Jones, Emily Mortimer, Kristin Scott Thomas, Cillian Murphy, Timothy Spall
Kinostart: 27.07.2017

Die ehrgeizige Politikerin Janet hat den Zenit ihrer Karriere erreicht: man hat sie zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett ernannt. Um den Erfolg zu feiern, lädt sie enge Freunde und Mitstreiter zu einer Party in ihr Stadthaus ein. Was anfangs noch harmonisch abläuft, ändert sich spontan, als ihr Ehemann mit einer schwerwiegenden Neuigkeit herausplatzt... Nahtlos reiht sich Sally Potters Film ein in verfilmte Theaterstücke wie DER GOTT DES GEMETZELS und DER VORNAME – nur, dass es sich bei Potters Film um keine Theatervorlage handelt, sondern um ein Originaldrehbuch der Regisseurin. Trotz eingeengtem Raum im CinemaScope-Format und dazu noch in Schwarzweiß realisiert, versammelt sie eine Riege exzellenter Darsteller, die in nur 71 Minuten Spielzeit Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Bissig, sarkastisch und humorvoll inszeniert sie diese Party, die komplett aus dem Ruder läuft und so ziemlich jeden Teilnehmer demaskiert. Und am Ende gar gibt es sogar noch eine Leiche.
Montag, 05. Juni 2017
Schwulsein in Berlin
Eine Dokumentation aus der Konserve eröffnete die neue Pressewoche

MEIN WUNDERBARES WEST-BERLIN (1:1.78, 5.1)
Verleih: Salzgeber
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Jochen Hick
Kinostart: 29.06.2017

Mit einer großen Menge an Archivmaterial sowie Interviews mit Zeitzeugen (darunter Prominente wie Rosa von Praunheim und Romy Haag) blickt Filmemacher Jochen Hick auf die schwule Szene in West-Berlin von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Offen erzählen die sich jetzt zumeist im Rentenalter befindlichen Protagonisten über ihr Coming Out und wie sie West-Berlin für sich entdeckten. In den teils amüsanten, aber durchaus auch tragischen Geschichten wird deutlich, wie sich das Bild der Nicht-Hetereosexuellen im Laufe der Jahrzehnte in der Öffentlichkeit verändert hat. Ob Friseur, Visagist, Filmemacher oder Kostümbildner – sie alle blicken zurück auf eine Zeit, in der Homosexuelle noch im Untergrund leben mussten, versteckt von der Öffentlichkeit, bis hin zu einem gewissen Grad der Enttabuisierung in den 1980er Jahren, die durch die Präsenz von AIDS ausgelöst wurde. Es ist erstaunlich, mit welcher Offenheit Hicks Protagonisten von ihrem Leben, ihren Lieben und ihren Neigungen erzählen. Hier war ein Regisseur ganz offensichtlich auf Augenhöhe mit seinen Interviewpartnern und hat es verstanden, die Menschen in den Mittelpunkt zu rücken.

Donnerstag, 01. Juni 2017
Französisches Doppel
Drei Geschwister, die ein Weingut erben, und ein schwarzes Paar, das ein weißes Baby adoptiert – mein Film-Donnerstag

DER WEIN UND DER WIND (1:2.35, 5.1)
OT: Ce Qui Nous Lie
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Cédric Klapisch
Darsteller: Pio Marmaï, Ana Girardot, François Civil
Kinostart: 10.08.2017

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 03.08.2017 an dieser Stelle


ZUM VERWECHSELN ÄHNLICH (1:2.35, 5.1)
OT: Il A Déjà Tes Yeux
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich 2016
Regie: Lucien Jean-Baptiste
Darsteller: Lucien Jean-Baptiste, Aïssa Maïga, Vincent Elbaz
Kinostart: 13.07.2017

Als ein afrikanisches Paar, das längst schon in die französische Gesellschaft integriert wurde, ein weißes Baby adoptiert, bereitet ihnen die Frau vom Familienamt vorurteilsbedingt große Probleme... Mehr als jenen Running Gag, der die Reaktionen in den Gesichtern der Menschen zeigt, wenn sie realisieren, dass ein farbiges Paar ein weißes Baby adoptiert, hat der Film fast nicht zu bieten. Der Rest ist nur noch Standard, der in anderen Filmen (wie z.B. MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER) bereits hinlänglich (und weitaus besser) ausgeschlachtet wurde. Allerdings sollte man diese Komödie, die vom Hauptdarsteller sogar selbst inszeniert wurde, nicht komplett verdammen, thematisiert sie doch letztendlich das äußerst wichtige Thema Toleranz – zwar ziemlich hochstilisiert, aber immerhin.

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