Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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In eigener Sache:
Als regelmäßigem Besucher meines Filmblogs ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen, dass in letzter Zeit einige Filme nicht rezensiert werden. Das hat seinen Grund. Als ich vor 10 Jahren mit diesem Filmblog begann, bestand die Absicht darin, möglichst alle Filme zu besprechen, denen ein offizieller Start in deutschen Kinos zuteil wurde. Da zur damaligen Zeit praktisch alle Filmverleiher ihre Filme in Stuttgart mit Pressevorführungen bedachten, war dieses hehre Ziel - mit wenigen Ausnahmen - tatsächlich zu erreichen. In den letzten Jahren jedoch verabschiedeten sich immer mehr Filmverleiher aus Stuttgart, d.h. diese Verleiher führen in Stuttgart keine Pressevorführungen mehr durch. Dazu zählen u.a. Warner Brothers, Sony Pictures, Concorde, oder inzwischen auch Disney. All jene Filme, die in Stuttgart keine Pressevorführung erhielten, in regulären Vorführungen "nachzusitzen", ist mir leider momentan aus Zeitgründen nicht möglich; das klappt nur hin und wieder. Die Devise lautet: Mut zur Lücke.

Wolfram Hannemann, im März 2018

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
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DIE SCHNEIDERIN DER TRÄUME
Regisseurin Rohena Gera zu Gast in Stuttgart

MEIN BRUDER HEISST ROBERT UND IST EIN IDIOT
Im Gespräch mit Regisseur Philip Gröning

#FEMALE PLEASURE
Regisseurin Barbara Miller & Produzent Arek Gielnik zu Gast in Stuttgart

25 KM/H
In Gespräch mit Regisseur Markus Goller & Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg

WERK OHNE AUTOR
Florian Henckel von Donnersmarck zu Gast in Stuttgart

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Freitag, 14. Dezember 2018
Im Mikrokosmos der Vielbeiner
Ein tricktechnisches Meisterwerk stand zum Wochenabschluss auf meiner Agenda

DIE WINZLINGE – ABENTEUER IN DER KARIBIK (1:2.35, 5.1)
OT: Minuscule: Les Mandibules Du Bout Du Monde
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Frankreich 2018
Regie: Hélène Giraud, Thomas Szabo
Kinostart: 21.02.2019

Als ein kleiner Marienkäfer durch unglückliche Umstände in einem Paket landet, das in die Karibik geschickt wird, setzt sein Papa alle Hebel in Bewegung, um den Sprössling wieder nach Frankreich zu holen... Vor zwei Jahren konfrontierten die Filmemacher Hélène Giraud und Thomas Szabo die Kinozuschauer zum ersten Mal mit dem Mikrokosmos der Insekten. DIE WINZLINGE – OPERATION ZUCKERDOSE war der Titel dieser perfekten Symbiose aus Computeranimation und Realaufnahmen. Jetzt gibt es ein Wiedersehen mit Marienkäfern und Ameisen, die sich schon damals solidarisch zeigten, als er darum ging, eine Zuckerdose in die Ameisenburg zu bringen und gegen Konkurrenten zu verteidigen. Solidarität wird auch heuer wieder groß geschrieben, wenn es darum geht, den aus Versehen in der Karibik gestrandeten Marienkäfer wieder nach Hause zu holen. Wie schon Teil 1, so kommt auch der neue Film vollkommen ohne Dialoge aus. Vollkommen? Nun, das stimmt so nicht ganz. Denn die kleinen Tierchen sprechen sehr wohl – allerdings in einer für Menschen nicht verständlichen Sprache. Doch auch jetzt haben die begabten Sound Designer ganze Arbeit geleistet: auch ohne Worte zu hören, weiß man anhand der Geräusche immer, was gemeint ist. Überhaupt stellt der Film ein kleines Meisterwerk in akustischer Hinsicht dar. Was nicht durch Bilder erklärt werden kann, übernimmt die hervorragend abgemischte Geräuschebene, ergänzt um den brillanten Score von Mathieu Lamboley, der dem Film seine emotionale Ebene verleiht. Dass der Film auf der Höhe der Zeit ist, merkt man deutlich daran, dass sich die kleinen Vielbeiner solidarisch zusammenschließen, um die Rodung eines Naturparadieses zu verhindern. Diese Botschaft dürften sogar die ganz jungen Zuschauer verstehen. Allerdings gibt es im Film ein paar recht gruselige Sequenzen, die den Kleinen Angst bereiten könnten. Hier empfiehlt sich elterlicher Beistand.
(P.S.: Als bekennendem Liebhaber sinfonischer Filmscores fiel mir eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Liebesthema (mit Chor!) dieses Films und Bronislau Kapers Liebesthema aus MEUTEREI AUF DER BOUNTY auf)
Mittwoch, 12. Dezember 2018
Ein Pakt mit dem Seelensammler
Hohe Animationskunst aus dem Reich der Mitte stand heute auf dem Kinofahrplan

BIG FISH & BEGONIA (1:2.35, DD 5.1 + Atmos)
OT: Dayu haitang
Verleih: Universum Film
Land/Jahr: China 2016
Regie: Chun Zhang, Xuan Liang
Kinostart: 03.02.2019

Die junge Chun ist eines von vielen mystischen Wesen, die in einer Parallelwelt existiert und die Naturgesetze kontrollieren. Anlässlich ihrer Volljährigkeit nimmt sie an einer alten Tradition teil, die sie für kurze Zeit das Menschenreich erleben lässt. In Gestalt eines Delfins dort angekommen, verliebt sie sich in den Menschenjungen Kun, der sie aus einem Fischernetz befreit und dabei selbst zu Tode kommt. Um dieses Unglück wieder ungeschehen zu machen, lässt sich Chun auf einen Pakt mit dem Seelensammler ein, muss dafür aber einen hohen Preis bezahlen... Das uns ausgerechnet ein Land wie China vorführt, welche Leuchtkraft und Farbigkeit Kinobilder tatsächlich haben können, ist erstaunlich. Denn mittlerweile sind wir ja den farbentsättigten bis hin zum Fast-Schwarz-Weiß reichenden Look amerikanischer Filmware gewohnt und sind ihn vermutlich schon alle leid geworden. Zumindest mir geht das so. Und so freut es mich umso mehr, dass der von Chun Zhang und Xuan Liang bereits 2016 inszenierte Animationsfilm BIG FISH & BEGONIA in der Schönheit seiner Bilder geradezu schwelgt! Ein wahre Explosion an Farben. Aber die gehören natürlich zu einem Film, in dem es um das Leben im weitesten Sinne geht. Es ist eine wirklich berührende Liebesgeschichte, die Groß und Klein gleichermaßen verstehen können, weil die Figuren genügend Identifikationspotenzial bieten. Ein Fest der Magie für die Sinne, unterlegt mit wundervoller Orchestermusik (Kiyoshi Yoshida). Für Fans asiatischer Animationsfilme ein Pflichtbesuch.
Dienstag, 11. Dezember 2018
Was eine Familie ausmacht
Wer noch auf der Suche nach einem anspruchsvollen, ans Herz gehenden Film für die Weihnachtszeit ist, könnte bei dem heutigen Film fündig werden

SHOPLIFTERS (1:1.85, 5.1)
OT: Manbiki Kazoku
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: Japan 2018
Regie: Hirokazu Kore-eda
Darsteller: Rirî Furankî, Sakura Ando, Mayu Matsuoka, Lily Franky
Kinostart: 27.12.2018

In einer kalten Winternacht entdecken Gelegenheitsarbeiter Osamu und sein Sohn Shota ein kleines, verwahrlostes Mädchen, Yuri. Osamu nimmt die Kleine kurzerhand mit die enge Hütte, in der sie mit Osamus Frau Nobuyo, der Großmutter Hatsue sowie der Halbschwester Aki leben. Um das Überleben der Familie zu sichern, müssen alle helfen: Vater und Sohn gehen tagsüber auf Diebestour, Oma bezieht eine Rente und Aki jobbt in einem Strip-Club. Auch die kleine Yuri wird eingespannt und muss die Diebe unterstützen. Als eines Tages jedoch lange gehütete Familiengeheimnisse ans Tageslicht kommen, droht das gesamte Familienidyll zu zerbrechen... Was macht eine Frau zur Mutter? Ist es nur die Geburt? Und was macht aus Menschen eine Familie? Zählt da nur die genetische Abstammung? Genau diesen Fragen geht Regisseur Hirokazu Kore-eda in seinem herzerwärmenden Sozialdrama nach. Und er liefert dazu auf recht subtile Weise ganz klare Antworten. Menschlichkeit, Fürsorge und Liebe sind die Ingredienzien, die Fremde zur Familie und die Frauen zu Müttern werden lassen. Selbst wenn es sich wie hier um Kleinkriminelle handelt. Kore-edas Film überzeugt nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich. Stimmige Bilder mit dem Blick fürs Detail und eine exzellente Ausstattung tragen ebenso zum Gelingen bei wie das Darsteller-Ensemble. Der etwas andere Weihnachtsfilm.
Freitag, 07. Dezember 2018
Die vom Glück weniger Begünstigten
Ein subtiles Drama ließ die Pressewoche heute für mich ausklingen

WEIGHTLESS (1:2.35, 5.1)
OT: Weightless
Verleih: USA 2017
Land/Jahr: Kinostar
Regie: Jaron Albertin
Darsteller: Alessandro Nivola, Julianne Nicholson, Johnny Knoxville
Kinostart: 31.01.2019

Joel hat sich sein Leben eingerichtet. Ein karges zwar, aber er braucht nicht mehr. Tagsüber jobbt er auf der Mülldeponie, abends vergnügt er sich mit seiner Freundin. Eines Tages erhält er einen Anruf von der Schwester seiner Ex. Letztere ist spurlos verschwunden und er soll sich ab sofort um das gemeinsame Kind kümmern. Das ist bereits 10 Jahre alt, hört auf den Namen Will und wiegt ganze 250 Pfund! Joel nimmt ihn mit nach Hause, kümmert sich aber nicht um ihn. Während er arbeitet, bleibt Will ganz alleine zuhause. Als sich das Jugendamt einschaltet, weil es angesichts Joels mental instabilem Zustand Bedenken hat und Will gar zu Pflegeeltern bringen will, entwickelt sich ein zartes Band des Vertrauens zwischen Joel und seinem Sohn. Mit aller Macht möchte Joel verhindern, dass er seinen Sohn verliert... Ein Mann steigt bei Dämmerung aus dem Wasser, erschöpft. Er ist offenbar wütend, schlägt mit den Fäusten auf den Boden. Dann folgen Tränen. Die Bedeutung der Eröffnungsszene von Jaron Albertins Spielfilmdebüt wird erst ganz am Ende des Films klar. Eines Films, bei dem Gesten und Blicke mehr erzählen als Worte und Aktionen. Man muss also genauer hinschauen. Speziell dann, wenn Albertin Bilder liefert, die offenbar aus ihrem Kontext gerissen wurden. Wie zufällig streut er sie in seinen Film. Ein kleines Puzzle, das zum Mitdenken anregt. Und ohne die Garantie, dass man alles entschlüsseln wird. Farbentsättigte, kalte Bilder prägen den gesamten Film. Alles andere als Wohlfühlstimmung. Doch es sind genau diese Bilder, die auch irgendwie fesseln. Alessandro Nivola mimt Joel, den wortkargen Vater, der auch kaum Gefühle zeigen kann. Ein Mann mit mentalen Problemen. Einer, bei dem man als Zuschauer dran bleibt, der einem nicht egal ist. Ganz im Gegenteil: man macht sich instinktiv Sorgen um ihn.
Donnerstag, 06. Dezember 2018
Die Bäuerin, der Junkie und die Tänzerin
Ein flotter Dreier – im cineastischen Sinne natürlich

DAS MÄDCHEN, DAS LESEN KONNTE (1:1.37, 5.1)
OT: Le Semeur
Verleih: Film Kino Text
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Marine Francen
Darsteller: Pauline Burlet, Alban Lenoir, Géraldine Pailhas, Iliana Zabeth, Françoise Lebrun, Raphaëlle Agogué, Barbara Probst, Anamaria Vartolomei
Kinostart: 17.01.2019

1851. Ein Bergdorf in der Provence. Napoleons Soldaten verschleppen alle Männer des Ortes. Mit eisernem Willen gelingt es den zurückgebliebenen Frauen, die Arbeiten des Jahreslaufs zu bewältigen. Über ein Jahr vergeht, von den Männern keine Spur. Da fassen Bäuerin Violetta und ihre Freundinnen, allesamt im heiratsfähigen Alter, einen Entschluss: sollte je wieder ein Mann ins Dorf kommen, soll er für alle Frauen da sein, damit das Dorf weiter existieren kann... Alain Duplantiers großartige Kameraarbeit ist der heimliche Star dieses leisen Dramas aus der Zeit Napoleons. Bewusst im altmodischen 1:1.37 Aspect Ratio gedreht, vermitteln seine Bilder die Enge des kleinen abgeschiedenen Bergdorfes, das seiner Männer beraubt wurde und in dem die Frauen in enger Verbundenheit mit den Zyklen der Natur ihrer Schaffens- und Schöpfungskraft nachgehen. Entstanden ist Marine Francens Film nach der autobiographischen Erzählung der südfranzösischen Bäuerin Violette Ailhaud.

BEN IS BACK (1:2.35, 5.1)
OT: Ben Is Back
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Peter Hedges
Darsteller: Julia Roberts, Lucas Hedges, Courtney B. Vance, Kathryn Newton
Kinostart: 13.12.2018

Ohne Vorwarnung steht Ben plötzlich am Weihnachtstag vor dem Haus seiner vollkommen überraschten Eltern. Denn Ben sollte eigentlich in der Entzugsklinik sein. Es ist bereits sein 77. Tag ohne Stoff, weshalb ihm sein Betreuer eine Heimreise genehmigte. Behauptet Ben zumindest. Sein Stiefvater hat ihn schon lange aufgegeben, seine Mutter jedoch nicht. Und sie tut alles, damit Ben während seines Aufenthalts nicht in Versuchung geführt wird. Doch am Weihnachtsabend ändert sich alles... Ohne große Schnörkel inszeniert Peter Hedges sein Drama, das sich auf einen einzigen Tag und eine einzige Nacht konzentriert. Vollkommen geradlinig schildert er den vielleicht hoffnungslosen Kampf einer Mutter um ihren drogenabhängigen Sohn. Gespielt wird sie von Julia Roberts. Und genau da liegt das – wenn auch zugegeben kleine – Problem des Films: Roberts bringt leider zu viel Hollywood-Glamour in einen Film, der dies nicht verträgt. Auch wenn sie sich bei ihrem Spiel wirklich große Mühe gibt, mag man ihr diese Rolle einfach nicht abnehmen. Ihrem Filmsohn Lucas Hedges hingegen nimmt man den Junkie auf Entzug wirklich ab. Thematisch vergleichbar mit Felix van Groeningens BEAUTIFUL BOY fesselt BEN IS BACK trotzdem mehr.

SUSPIRIA (1:1.85, DD 5.1 + Atmos)
OT: Suspiria
Verleih: Capelight (Koch Media)
Land/Jahr: Italien, USA 2018
Regie: Luca Guadagnino
Darsteller: Dakota Johnson, Tilda Swinton, Mia Goth, Chloe Grace Moretz, Elena Fokina, Jessica Harper, Doris Hick, Angela Winkler, Alek Wek, Jessica Batut, Malgosia Bela, Vanda Capriolo, Clémentine Houdart, Ingrid Caven, Sylvie Testud, Fabrizia Sacchi, Brigitte Cuvelier, Renée Soutendijk, Christine Leboutte, Vincenza Modica, Marjolaine Uscotti, Charo Calvo, Sharon Campbell, Elfriede Hock
Kinostart: 15.11.2018

Berlin 1977. Die junge Amerikanerin Susie Bannion stößt zur renommierten Tanztruppe von Madame Blanc, unter deren Anleitung sie ein außergewöhnliches Talent entwickelt. Als eine der Tänzerinnen auf mysteriöse Weise spurlos verschwindet, kommt deren Psychotherapeut einem angeblichen Hexenzirkel auf die Spur, in dessen Fängen sich auch Susie alsbald befindet... Mit seinen 152 Minuten Lauflänge schlägt Luca Guadagninos Update auf den Dario Argento Klassiker deutlich über die Stränge. Immerhin gelingt es ihm teilweise, Argentos Bildkompositionen (wenn auch nicht in CinemaScope und Technicolor!) sowie dessen Schnitttechnik ziemlich gut zu imitieren und dadurch mit einfachsten Mitteln eine unheilschwangere Atmosphäre zu schaffen. Auch die Tonebene wird ganz im Geiste des großen Meisters genutzt – im Original sogar in Dolby Atmos. Insgesamt jedoch ist das Werk äußerst verwirrend und rätselhaft und damit letztendlich unbefriedigend. Als besonderes Bonbon präsentiert sich Tilda Swinton gleich in mehreren Rollen, sogar in der Rolle des Psychiaters Klemperer (wofür sich Swinton eigens ein männliches Pseudonym zulegte!). Eingefleischten Horrorfans dürfte eine erneute Sichtung des Originals deutlich mehr Spaß bereiten als Guadagninos Interpretation.
Dienstag, 04. Dezember 2018
Von Einer, die Schleier trägt, und Einem, der es nicht checkt
Gemischtes Doppel zum Dienstag

WOMIT HABEN WIR DAS VERDIENT? (1:2.35, 5.1)
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Österreich 2018
Regie: Eva Spreitzhofer
Darsteller: Caroline Peters, Chantal Zitzenbacher, Simon Schwarz
Kinostart: 24.01.2019

Als ihre Teenagertochter Nina ihren Eltern eröffnet, dass sie zum Islam konvertiert ist und ab sofort einen Schleier tragen wird und Fatima genannt werden möchte, bringt sie damit nicht nur das Familienidyll, sondern auch das gesamte Weltbild ihrer erstaunten Eltern gehörig durcheinander... Scharfsinnig und mit viel Humor beobachtet Eva Spreitzhofer in ihrer Komödie den Mikrokosmos einer Patchwork-Familie, die sich einem nicht lösbaren Problem ausgesetzt sieht. Mit einem wunderbaren Ensemble, perfekt sitzenden Dialogen und jeder Menge Situationskomik gespickt, liefert sie einen Film, bei dem nicht nur herzhaft gelacht werden darf, sondern auch zum nachdenken anregt. Auch wenn der Film im letzten Drittel etwas an Fahrt verliert, macht er trotzdem großen Spaß. Kino eben.


CHECKER TOBI UND DAS GEHEIMNIS UNSERES PLANETEN (1:2.35, 5.1)
Verleih: MFA (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Martin Tischner
Darsteller: Tobias Krell, Lars Rudolph, Ulla Lohmann, Uli Kunz
Kinostart: 31.01.2019

Tausendsassa Checker Tobi findet eine Flaschenpost mit einer rätselhaften Botschaft. Um sie zu entschlüsseln, muss er die ganze Welt bereisen. Vulkane, mikroskopisch kleine Tierchen, Jahrtausende alte Eisproben – nach und nach gelingt es ihm, mit Hilfe von Forschern das Rätsel zu lösen... Bei aller Mühe, die sich Checker Tobi bei seinem ersten Kinofilm gibt, hat der Gute aber eines offenbar nicht gecheckt: denn das, was er hier tut, steht eigentlich im krassen Gegensatz zu dem, was er mit seinem Film aussagen möchte. Wenn er also am Ende seiner langen Reise das Resümee zieht, dass Wasser das kostbarste Gut auf dieser Welt ist und man deswegen alles nur Erdenkliche tun muss um es zu erhalten, dann hat sich dabei offensichtlich niemand Gedanken darüber gemacht, dass der Checker bei seiner Forschungsreise alles andere als ökologisch vorgegangen ist. Von “Green Filmmaking” kann nicht gesprochen werden, wenn man per Flugzeug in aller Herren Länder reist, um diesen Film zu machen. Das ist ärgerlich vor allem deswegen, weil es die falsche Botschaft an die Zielgruppe der Kinder sendet. Ist zwar gut gemeint, aber ging leider daneben. Tobi, check das nochmal!
Montag, 03. Dezember 2018
Auf der Suche nach Heilung
Heute war Auftakt zu einer quantitativ recht ansehnlichen Pressewoche

DIE BLÜTE DES EINKLANGS (1:2.35, 5.1)
OT: Vision
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Japan, Frankreich 2018
Regie: Naomi Kawase
Darsteller: Juliette Binoche, Masatoshi Nagase, Takanori Iwata, Mari Natsuki, Kazuko Shirakawa
Kinostart: 14.02.2019

Eine Französin sucht in den Wäldern der Yoshino-Berge in Japan eine geheimnisvolle Heilpflanze, die nur alle 997 Jahre erblüht, und trifft auf Tomo, einen Einsiedler, der große Veränderungen in den Wäldern wahrnimmt. Ein klares Zeichen dafür, dass “Vision” kurz vor der Blüte steht... Mysteriös und esoterisch geht es in Naomi Kawases neuem Film zu. Wunderschön fotografiert und auf CinemaScope arrangiert und begleitet von einem Klangteppich atmosphärischer Waldgeräusche begibt sich die Regisseurin mit ihren Darstellern und den Zuschauern auf eine Reise ins Innere der menschlichen Seele. Entschleunigtes Kino für Genießer.

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