Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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In eigener Sache:
Als regelmäßigem Besucher meines Filmblogs ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen, dass in letzter Zeit einige Filme nicht rezensiert werden. Das hat seinen Grund. Als ich vor 10 Jahren mit diesem Filmblog begann, bestand die Absicht darin, möglichst alle Filme zu besprechen, denen ein offizieller Start in deutschen Kinos zuteil wurde. Da zur damaligen Zeit praktisch alle Filmverleiher ihre Filme in Stuttgart mit Pressevorführungen bedachten, war dieses hehre Ziel - mit wenigen Ausnahmen - tatsächlich zu erreichen. In den letzten Jahren jedoch verabschiedeten sich immer mehr Filmverleiher aus Stuttgart, d.h. diese Verleiher führen in Stuttgart keine Pressevorführungen mehr durch. Dazu zählen u.a. Warner Brothers, Sony Pictures, Concorde, oder inzwischen auch Disney. All jene Filme, die in Stuttgart keine Pressevorführung erhielten, in regulären Vorführungen "nachzusitzen", ist mir leider momentan aus Zeitgründen nicht möglich; das klappt nur hin und wieder. Die Devise lautet: Mut zur Lücke.

Wolfram Hannemann, im März 2018

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
Weitere Termine in Vorbereitung!
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FOCUS ON
Jana und Sophia Münster (HANNI & NANNI)

NUR DIE FÜSSE TUN MIR LEID
Die Filmemacherin Gabi Röhrl im Gespräch

ALS ICH MAL GROSS WAR
Die Filmemacher Lilly Engel und Philipp Fleischmann im Gespräch

LARA
Im Gespräch mit Regisseur Jan-Ole Gerster

INVISIBLE SUE - PLÖTZLICH UNSICHTBAR
Darstellerin Anna Shirin Habedank und Regisseur Markus Dietrich im Gespräch

DAUGHTER OF DISMAY
Director James Quinn talks 70mm

A GOOD WOMAN IS HARD TO FIND
In Conversation with Director Abner Pastoll

SYSTEMSPRENGER
Regisseurin Nora Fingscheidt im Gespräch

SCHWIMMEN
Regisseurin Luzie Loose im Gespräch

DIE SPASSMACHER
Im Gespräch mit Filmemacher Klaus Peter Karger

THE WHALE & THE RAVEN
Im Gespräch mit Mirjam Leuze (Regisseurin) und Hermann Meuter (Protagonist)

PETTING STATT PERSHING
Petra Lüschow im Gespräch

GOLDEN TWENTIES
Sophie Kluge im Gespräch

A GSCHICHT ÜBER D'LIEB
Im Gespräch mit Peter Evers (Regie) und Merlin Rose (Darsteller)

THROUGH THE LENS: SHANTI BHUSHAN ROY
Indian cinematographer Shanti Bhushan Roy talks about his job

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT
Regisseur und Drehbuchautor Ilker Catak spricht über seinen Film

THROUGH THE LENS: PARAMVIR SINGH
Indian cinematographer Paramvir Singh talks about his job

CLEO
Im Gespräch mit Marleen Lohse, Erik Schmitt und Johannes Louis

THROUGH THE LENS: POOJA GUPTE
Indian cinematographer Pooja Gupte talks about her job

WEIL DU NUR EINMAL LEBST
Regisseurin Cordula Kablitz-Post über CinemaScope, Dolby Atmos, Tonlautstärke und die "Toten Hosen"

Alle meine Video-Produktionen finden Sie auf meinem YouTube-Kanal!
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FANTASY FILMFEST 2019 (12.-22.09.2019, Stuttgart)
Ein Rückblick



Donnerstag, 12. Dezember 2019
Die Welt braucht Spinner
Die letzte Pressevorführung in diesem Jahr handelte von Spionen und Tauben

SPIONE UNDERCOVER – EINE WILDE VERWANDLUNG (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Spies In Disguise
Verleih: Fox (Walt Disney)
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Nick Bruno, Troy Quane
Kinostart:25.12.2019

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 16.12.2019 an dieser Stelle

Mittwoch, 11. Dezember 2019
Männer die Berge versetzen
Zur Wochenmitte eine preisgekrönte Doku aus Österreich

ERDE (1:1.85, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
Verleih: RealFiction
Land/Jahr: Österreich 2019
Regie: Nikolaus Geyrhalter
Kinostart: 04.07.2019

Mit großartigen Bildern demonstriert der österreichische Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter, dass selbst der Zerstörung eine Ästhetik innewohnt. Und zerstört wird ziemlich viel in dieser Dokumentation, deren Leitsatz ist, dass pro Jahr weitaus mehr Erde vom Menschen bewegt wird als schon ohnehin durch die Natur. Ob es sich um ein Kohlebergwerk in Ungarn, ein unbewohntes Gelände in Kalifornien oder die Tunnelbohrungsarbeiten im Brenner-Pass handelt – in allen Fällen greift der Mensch in die Natur ein und versucht sie sich Untertan zu machen. Geyrhalter holt die Arbeiter auf diesen Baustellen vor seine Kamera und lässt sie erzählen, was ihnen bei ihrer täglichen Arbeit dabei durch den Kopf geht – mit oft erstaunlichen Resultaten. Am Ende nimmt uns der Regisseur mit nach Kanada, wo Ölsandabbau den indianischen Ureinwohnern schwer zu schaffen macht, weil für sie Mutter Erde eine Kostbarkeit ist, die man nicht zerstören sollte. Ein Film, der Denkanstöße liefert und der unbedingt in 4K-Projektion mit Dolby Atmos Sound erlebt werden sollte.
Dienstag, 10. Dezember 2019
Die Lehrerin und ihr Schüler
Ein Drama aus deutschen Landen stand heute auf dem Spielplan

DAS VORSPIEL (1:1.85, 5.1)
Verleih: Port-au-Prince (24 Bilder)
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Ina Weisse
Darsteller: Nina Hoss, Ilja Monti, Simon Abkarian
Kinostart: 23.01.2020

Gegen den Willen ihrer Kollegen setzt sich die Geigenlehrerin Anna Bronsky für die Aufnahme eines neuen Schülers am Musikgymnasium ein, weil sie in ihm großes Potenzial erkennt. Intensiv bereitet sie den neuen Schüler auf die Aufnahmeprüfung vor und vernachlässigt dabei ihren eigenen Sohn, der bei ihrer Kollegin Geigenunterricht erhält, viel lieber aber Eishockey spielen möchte. Durch ihr Verhalten, das von Zwangsneurosen dominiert wird, bringt sie schließlich die ganze Familie an die Belastungsgrenze... Es wird viel gefiedelt in Ina Weisses Film. Insbesondere in der dramatischsten Szene des Films, in der Nina Hoss als Geigenlehrerin Anna ihren Schüler unaufhörlich immer dieselbe kurze Passage auf seiner Violine wiederholen lässt, bis ihr schließlich eine Sicherung durchbrennt und sie ihn mit Gürtel, Klopapierrolle und Sandsack malträtiert. Zu diesem Zeitpunkt ist man so mit Annas Charakter vertraut, dass man ihre Reaktion nachvolltziehen kann. Ihr Überehrgeiz und das strenge Elternhaus haben sie mit Zwangsneurosen ausgestattet, derer sie oft nicht mehr Herr wird. Diese Rolle nimmt man Nina Hoss wirklich ab, sie geht darin förmlich auf. Die Geschichte indes ist nicht unbedingt neu und erinnert in Ansätzen sogar ein wenig an Jan-Ole Gersters LARA. Die Bilder von Kamerafrau Judith Kaufmann wirken kalt und verstärken damit den inneren Zustand der Protagonistin, die von Versagensängsten gequält wird.
Montag, 09. Dezember 2019
Abwärtsspirale
Mit einem deprimierenden Sozialdrama ging es heute in die letzte Pressewoche in diesem Jahr

SORRY WE MISSED YOU (1:1.85, 5.1)
OT: Sorry We Missed You
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: Großbritannien, Frankreich, Belgien 2019
Regie: Ken Loach
Darsteller: Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone
Kinostart: 30.01.2020

Obwohl Ricky und Abby beide schon fast bis zur Erschöpfung arbeiten, reicht das Geld für ihre vierköpfige Familie kaum. Da sieht Ricky eine Chance, sich als Kurierfahrer auf Franchise-Basis selbstständig zu machen. Um sich das geeignete Fahrzeug kaufen zu können, muss Abby ihr Auto aufgeben und zukünftig äußerst mühsam mit dem Bus zu den zu pflegenden Alten fahren. Zudem ist Sohn Sebastian in einem schwierigen Alter, schwänzt Schule und sprüht Graffittis. Die kleine Tochter Liza Jane leidet zunehmend unter der schwierigen Situation... Ken Loach, Meister des Sozialdramas, liefert mit seinem neuesten Film wieder einen bitterbösen Kommentar zur Lage seiner Nation. Die unaufhörliche Abwärtsspirale, mit der er seine Filmfamilie im britischen Newcastle konfrontiert, ist beängstigend realistisch. Da muss ein hart arbeitender Vater unter ausbeuterischen Bedingungen sein Geld verdienen – eine Folge der stetig wachsenden “Geiz ist geil”-Mentalität, die es nicht nur hierzulande gibt. Loach entwirft ein extrem düsteres Bild von England, das durch den bevorstehenden Brexit vermutlich noch einmal deutlich düsterer wird. Die Armut grasiert und nicht einmal ein 16-Stunden-Job kann das verhindern. Hier wird ganz deutlich, dass das System marode ist und nicht die Menschen, die darin versuchen zu überleben. Loachs Bilder sind farbentsättigt, kalt und kontrastarm und wurden auf Super-16 gedreht. Filmmusik von George Fenton gibt es nur im letzten Drittel des Films und auch dann nur extrem sparsam, was den Realismus des Films unterstützt. SORRY WE MISSED YOU ist alles andere als Wohlfühlkino und entlässt seine Zuschauer mit Wut im Bauch aus dem Kinosaal.
Freitag, 06. Dezember 2019
Abschied einer Regie-Ikone
Dokumentarisches zum Wochenausklang

VARDA PAR AGNÈS (1:1.85, 5.1)
OT: Varda Par Agnès
Verleih: Film Kino Text
Land/Jahr: Frankreich 2018
Regie: Agnès Varda, Didier Rouget
Kinostart: 06.02.2020

Ihr filmisches Selbstporträt, das Agnès Varda im Februar 2019 im Alter von 90 Jahren auf der Berlinale präsentierte, sollte zugleich ihr letzter Film sein. Nur einen Monat nach der Aufführung verstarb die französische Regie-Ikone. In ihrem Dokumentarfilm schildert Varda ihren Werdegang von der Filmemacherin hin zu einer Künstlerin, die mit Installationen auf sich aufmerksam machte. Sie präsentiert Ausschnitte aus ihrem filmischen Ouevre und kommentiert diese, oft mit einem Augenzwinkern. Sie macht einen Exkurs in die Kinotechnik, die sich von der analogen zur digitalen Filmprojektion wandelte und der Filmemacherin damit vollkommen neue Möglichkeiten erschloss. Sie erzählt über ihre Zusammenarbeit mit Schauspielerinnen wie Sandrine Bonnaire oder Komponisten wie Georges Delerue und erklärt ihre Grundsätze beim Filmemachen. Vieles von dem was sie präsentiert war Teil einer Masterclass, die sie in einem traditionsreichen Theater in Paris abhielt. VARDA PAR AGNÈS ist ein fulminanter Streifzug durch die Filmgeschichte - melancholisch schön und so wunderbar, dass man große Lust bekommt, sich mit dem Werk der Französin noch einmal auseinanderzusetzen.
Donnerstag, 05. Dezember 2019
Nessun Dorma
Heute gab es etwas Besonderes: eine Doku, inszeniert von einem Hollywood-Regisseur

PAVAROTTI (1:1.85, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Pavarotti
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2019
Regie: Ron Howard
Darsteller: Luciano Pavarotti
Kinostart: 26.12.2019

In seinem neuen Lebensabschnitt widmet sich Regisseur Ron Howard, bekannt für Spektakel wie IN EINEM FERNEN LAND, COCOON oder BACKDRAFT, dem Dokumentarfilm. Nach seiner Beatles-Doku EIGHT DAYS A WEEK macht er sich jetzt an das Porträt eines Mannes, der die Oper revolutionierte: Luciano Pavarotti brachte die Oper unters Volk – Dank seiner grandiosen Tenor-Stimme. Anhand von eigens für den Film produzierten Interviews mit Pavarottis erster Ehefrau und seinen Töchtern sowie vielen seiner Wegbegleiter, darunter Placio Domingo und Zubin Mehta, entsteht das Bild eines Mannes, der das liebte, was er tat, aber stets ein Familienmensch blieb. Einer, der großen Spaß am Leben hatte und auch die Damenwelt nicht verschmähte. Howards Film zeigt auch Ausschnitte seiner wichtigsten Auftritte, allesamt neu abgemischt in Dolby Atmos. Auch thematisiert der Film Pavarottis Großzügigkeit, mit der er viele gemeinnützige Einrichtungen unterstützte oder ins Leben rief. Der 2007 verstorbene Tenor verabschiedet sich in Howards Film standesgemäß mit seiner herzerweichenden Version der berühmten Arie “Nessun Dorma”. Gänsehaut pur.
Mittwoch, 04. Dezember 2019
Oma wird vergesslich
Heute war pädagogisch Wertvolles im Angebot

ROMYS SALON (1:1.85, 5.1)
OT: Kapsalon Romy
Verleih: farbfilm
Land/Jahr: Niederlande, Deutschland 2019
Regie: Mischa Kamp
Darsteller: Vita Heijmen, Beppie Melissen, Bianca Krijgsman
Kinostart: 30.01.2020

Weil sich ihre Eltern gerade scheiden lassen, wird die kleine Romy zu ihrer kratzbürstigen Oma Stine in deren Friseursalon abgeschoben. Erst als Stine erkennt, dass ihr Romy in allen Lebenslagen eine große Hilfe ist, wandelt sich das Verhältnis der beiden zum Guten. Doch dann bemerkt Romy, dass eine seltsame Veränderung mit Stine vor sich geht: sie wird vergesslich, spricht manchmal Dänisch und sehnt sich zurück in ihre Kindheit... Nach dem Buch von Tamara Bos, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, inszeniert die holländische Regisseurin Mischa Kamp eine Geschichte über Altersdemenz und Alzheimer aus der Sicht eines Kindes. Mit wunderbaren Darstellern (allen voran Beppie Melissen in der Rolle der Oma Stine) und ohne technischen Schnickschnack, dafür mit sensibler Filmmusik, füllt sie diese Geschichte mit Leben aus und bringt insbesondere Kindern die Krankheit des Vergessens nahe. So zeigt sie sehr einfühlsam nicht nur, was es für die Angehörigen bedeutet, sondern auch für den Betroffenen selbst. Sehenswert für Groß und Klein.
Dienstag, 03. Dezember 2019
Im Sumpf des Verbrechens
Ein Thriller aus Deutschland und ein mit deutschem Geld produzierter US-Blockbuster bestmmten meinen Kinoalltag

FREIES LAND (1:2.35, 5.1)
Verleih: Telepool (24 Bilder)
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Christian Alvart
Darsteller: Trystan Pütter, Felix Kramer, Nora Waldstätten
Kinostart: 09.01.2020

Deutschland kurz nach der Wende. Als in einem kleinen Kaff im Osten zwei Mädchen spurlos verschwinden, sollen ein Kripobeamter aus dem Westen und einer aus dem Osten gemeinsam ermitteln. Die sehr unterschiedlichen Männer mit grundverschiedenen Ermittlungsmethoden treffen auf eine verschlossen Dorfgemeinschaft, die sie als Fremdkörper sieht und auch so behandelt. Als die beiden Männer erfahren, dass schon in der Vergangenheit bereits Mädchen verschwunden sind, bestätigt sich, was bislang nur vermutet wurde: es ist von einem Verbrechen auszugehen. Kurze Zeit darauf werden die leblosen und malträtierten Körper der beiden Teenager aufgefunden... Erinnern Sie sich noch an den düsteren Thriller MARSHLAND (La Isla Minima), der während der Fantasy Filmfest Nights im Jahre 2015 hierzulande gezeigt wurde? Christian Alvarts Thriller FREIES LAND ist eine Adaptation dieses Stoffes. Ist das spanische Original, das 1980 spielt, noch überschattet von den Auswirkungen der Franco-Diktatur, so sind es in Alvarts Version, die im Deutschland des Jahres 1992 angesiedelt ist, die Auswirkungen des DDR-Regimes, die auch nach der Wende noch laut nachhallen. Alvarts Optik (der Regisseur ist sein eigener Kameramann) orientiert sich weitgehend am Look des spanischen Vorbilds. Auch hier dominieren farbreduzierte, ausgefranzte und lichtarme CinemaScope-Bilder, die eine ebenso depressive wie beängstigende Grundstimmung erzeugen. Mit seinen 129 Minuten Spielzeit schlägt der Film etwas über die Stränge und lässt dabei noch viele Fragen offen, was sicherlich beabsichtigt ist. Inhaltlich erzählt Alvarts vom deutschen Osten, in dem sich der Westen nach der Wende beliebig bedient hat – an Immobilien, an Firmen, an Menschen.

3 ENGEL FÜR CHARLIE (1:2.35, DD 5.1 + Atmos)
OT: Charlie’s Angels
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Elizabeth Banks
Darsteller: Kristen Stewart, Naomi Scott, Ella Balinska
Kinostart: 02.01.2020

Als sich das in einem deutschen Labor entwickelte, hochmoderne Energieerzeugungsgerät als tödliche Waffe erweist, beauftragt der große Unbekannte Charlie seine Top-Agentinnen Jane und Sabina damit, alle Prototypen aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sie in falsche Hände fallen könnten. Als Dritte im Bunde agiert die junge Elena, die an der Entwicklung des Gerätes mitarbeitete und dessen Gefährlichkeit erkannte. Damit jedoch ist sie ein Dorn im Auge ihres skrupellosen Vorgesetzten, der einen Auftragskiller auf sie ansetzt... Elizabeth Banks‘ Reboot des bekannten TV-Stoffes für die große Leinwand gibt sich als Crossover zwischen den “MISSION IMPOSSIBLE”- und den “James Bond”-Filmen. Einziger Unterschied: im Gegensatz zu männlichem Testosteron gibt es jetzt weibliche Reize satt. Sogar Bosley (Kenner der TV-Serie werden sich erinnern) ist jetzt eine Frau – dargestellt von der Regisseurin des Films höchstpersönlich. Hier liefert das Drehbuch zudem ein neues Element. Denn wer hätte schon gedacht, dass es gleich eine ganze Heerschar von Bosleys gibt – verstreut auf der ganzen Welt! Und deren oberster Kommandeur wird von keinem Geringeren als Sir Patrick Stewart verkörpert. Die Action im Film ist erwartungsgemäß überirdisch (wenn auch etwas zahmer als in dem ersten Kinoabenteuer der Engel aus dem Jahre 2000) – ob auf der Straße, zu Wasser, hoch zu Ross oder in der Luft. Und die Ladies tun alles dafür, dass die Frisur in jeder Situation auch hält. Dafür haben die Engel natürlich das Pendant zu James Bonds “Q”, der die Damen mit exquisiten Accessoires ausstaffiert. Für den neuen Film wurden jetzt auch die “Engel” aufgefrischt, um ein breites Spektrum abzudecken. Im Gegensatz zur TV-Serie, in der die Engelchen allesamt typisch amerikanisch – also mit weißer Haut - waren, gibt es jetzt (um möglichst politisch korrekt zu sein) neben der wieder typisch amerikanisch Weißen Naomi Scott die dunkelhäutige, extrem große Ella Balinska sowie die burschikose und tätowierte Kristen Stewart (mit eindeutig lesbischen Tendenzen). Diversität ist auch hier jetzt King! Und wer glaubt, dass hinter Auftraggeber Charlie, dessen Stimme man nur hört, natürlich ein Mannsbild steckt, den belehrt das Reboot eines Besseren. Neben so exotischen Schauplätzen wie Istanbul spielen große Teile des Films in Hamburg und Berlin, was den deutschen Fördergeldern, die in die Produktion geflossen sind, geschuldet ist. Auch Teile der visuellen Effekte wurden hierzulande kreiert – nämlich in Stuttgart. Brian Tylers Filmmusik orientiert sich stark an Michael Giacchinos Scores für die beiden “DIE UNGLAUBLICHEN”-Filme. Die schönsten Momente des Films gibt es übrigens (wie könnte es auch anders sein) erst während des Abspanns, wo es dann unter anderem ein Wiedersehen mit einigen der Original-Engel zu sehen gibt. Was am Ende vom actionreichen Film in den Köpfen der Zuschauer hängenbleibt, dürfte recht wenig sein. Um eine große Tüte Popcorn aufzubrauchen reicht es aber allemal.

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