Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
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LICHT
Filmpremiere in Stuttgart mit Regisseurin Barbara Albert

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FANTASY FILMFEST WHITE NIGHTS #3 (20.-21.01.2018) - Ein Rückblick

Freitag, 09. Februar 2018
Russian Atomic Blonde
Das Doppel zum Wochenausklang bescherte mir unter anderem ein Date mit JLaw

1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN (1:2.35, 5.1)
Verleih: Film Kino Text
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Isabel Prahl
Darsteller: Bibiana Beglau, Bjarne Mädel, Emma Bading, Louis Hofmann
Kinostart: 22.03.2018

Er kommt einfach nicht mehr aus seinem Zimmer heraus. Was Vater, Mutter und Schwester anfangs noch für einen kleinen Scherz hielten, wird bitterer Ernst: Mike verbarrikadiert sich in seiner Bude. Die einzige Verbindung zur Außenwelt hält er mittels Zetteln, die er unter der Zimmertüre durchschiebt und auf denen verstörende Angaben zu Niederschlägen zu lesen sind. Im Laufe der Zeit wird die Situation für die Familie zu einer echten Belastungsprobe... Man kann Regisseurin Isabel Prahl ein gutes Gespür für interessante Bilder und eine beachtenswerte Filmmusik bescheinigen – da kommt keine Langeweile auf. Schade nur, dass sie einen derart künstlichen Film inszeniert hat. So künstlich, dass man achselzuckend aus dem Kino kommt und sich fragt, was es damit wohl alles auf sich hat. Vielleicht liegt es auch einfach an dem zu wenig ausgeprägten Intellekt meinerseits. Aber man muss ja nicht alles verstehen auf dieser Welt. Wo mag die Zielgruppe für Prahls Film wohl liegen? Die Antwort darauf werden die Zuschauerzahlen geben müssen, die nach Kinostart registriert werden. Glaubt man dem Presseheft, so thematisiert der Film ein japanisches Phänomen namens Hikikomori, bei dem sich Jugendliche von der Außenwelt komplett abschotten. Und was den Regen angeht, so sagt die Regisseurin in einem Interview: “Der Regen steht für das Leben, das der Eingeschlossene nur noch aus der Distanz beobachtet. Auch die anderen Figuren im Film haben den Bezug zum Regen als Momentum verloren. Am Ende lernen sie, den Regen in seiner Unterschiedlichkeit und damit auch das Leben neu zu betrachten.”. Gut zu wissen.

RED SPARROW (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Red Sparrow
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Francis Lawrence
Darsteller: Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Mary-Louise Parker, Jeremy Irons, Ciarán Hinds, Matthias Schoenaerts, Charlotte Rampling, Joely Richardson, Douglas Hodge, Thekla Reuten
Kinostart: 01.03.2018

Die Ballettkarriere der attraktiven Russin Dominika Egorova ist jäh beendet, als es auf der Bühne zu einem Unfall kommt. Um einer trostlosen Zukunft für sich und ihrer Mutter zu entkommen, lässt sie sich von ihrem Onkel dazu überreden, als Rekrut bei einer Geheimorganisation anzufangen. In einem extrem harten Training lernt die junge Frau ihren Körper dafür einzusetzen, um an geheime Informationen zu kommen. Ihr erstes Ziel: ein CIA-Agent in Budapest... Jennifer Lawrence darf als russische Spionin wieder einmal vollen Körpereinsatz zeigen. Im wahrsten Sinne des Wortes. JLaw-Fans wird vermutlich das Herz in die Hose rutschen! Francis Lawrences (nein, er ist nicht mit Jennifer verwandt) Spionagethriller ist ganz auf die attraktive Heldin zugeschnitten, die hier quasi eine Art “Russian Atomic Blonde” abliefert. Zart Besaitete seien gleich vorgewarnt: die Operation am offenen Schienbein zu Beginn des Films ist noch eine der harmlosen Szenen. Mit seinen 140 Minuten Spielzeit ist der Film etwas zu lang geraten, die Spannung ist nur mäßig. Sämtliche Ostblock-Klischees werden natürlich bedient, aber das kann man verschmerzen. James Newton Howards Score erinnert ziemlich an Bernard Herrmanns epochale Musik zu Alfred Hitchcocks VERTIGO, passt aber perfekt zur Spionage-Geschichte. RED SPARROW ist kein großer Wurf und JLaw hatte gewiss schon bessere Rollen. Für einen netten Abend in Begleitung mitsamt Popcorn-Eimer geht das aber alles in Ordnung.
Donnerstag, 08. Februar 2018
Sie schauen die Sterne bei Nacht
Ein Romantik-Drama mit Arnold Schwarzeneggers Brut erwartete mich heute im Kino

MIDNIGHT SUN – ALLES FÜR DICH (1:2.35, 5.1)
OT: Midnight Sun
Verleih: SquareOne/Universum (Fox)
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Scott Speer
Darsteller: Bella Thorne, Patrick Schwarzenegger, Rob Riggle
Kinostart: 22.03.2018

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst ab 08.03.2018 an dieser Stelle

Mittwoch, 07. Februar 2018
Wo Gleichgültigkeit regiert
Der Regisseur von LEVIATHAN hat nachgelegt

LOVELESS (1:2.35, 5.1)
OT: Nelyubov
Verleih: Alpenrepublik (Central)
Land/Jahr: Russland, Frankreich, Deutschland 2017
Regie: Andrej Swjaginzew
Darsteller: Marjana Spiwak, Alexei Rozin, Matwej Nowikow
Kinostart: 15.03.2018

Er ist vollkommen unschuldig, doch leidet er am meisten: der 12jährige Alyosha fühlt sich mutterseelenallein, seit sich seine Eltern scheiden lassen. Tagtäglich muss er deren Streitereien mit anhören und weint heimlich in seinem Zimmer. Längst sind beide Elternteile neue Beziehungen eingegangen, jetzt muss nur noch die gemeinsame Wohnung verkauft werden. Eines Tages ist Alyosha plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Um ihn wiederzufinden, müssen sich die Eltern wider Willen noch einmal zusammentun... Mit starren, gefühlskalten Bildern schildert Andrej Swjaginzew die Suche nach dem vermissten Alyosha und bringt damit perfekt zum Ausdruck, aus welchem Grund der kleine Junge abgetaucht ist. Seine Eltern interessieren sich nicht für ihn und sind stattdessen nur damit beschäftigt, ihre jeweils neue Beziehung aufzubauen. Es ist eine Geschichte erkalteter Beziehungen, mit der der Regisseur auch gleichzeitig einen persönlichen Kommentar zur modernen russischen Gesellschaft abliefert. Gut gespielt und sehr realitätsnah ist LOVELESS deprimierend wie packend und bestens für Arthouse-Fans geeignet. Interessant: die spärlich eingesetzte, aber extrem dynamische Filmmusik von Evgueni und Sacha Galperine.
Dienstag, 06. Februar 2018
Drei auf einen Streich
Die neue Pressewoche überraschte heute mit einem wahren Film-Tsunami

MOLLY’S GAME – ALLES AUF EINE KARTE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Molly’s Game
Verleih: SquareOne (Fox)
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Aaron Sorkin
Darsteller: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner
Kinostart: 08.03.2018

Nachdem sie ihre Karriere als Skifahrerin aufgrund eines Unfalls aufgeben muss, schlägt die hoch intelligente Molly Bloom eine neue Laufbahn ein: in der Underground-Pokerszene von Hollywood! Sie veranstaltet bald schon das exklusivste Pokerturnier für die Reichen der Stadt. Ohne es zu wollen kommt sie dabei auch in Kontakt mit der Russenmafia – und hat bald das FBI auf dem Hals... Ganz schön anstrengend, dieser Film! Irgendwie scheint Jessica Chastain darauf gebucht zu sein, Rollen zu spielen, die einen extrem hohen Wortdurchsatz pro Minute erfordern! Das war bereits in DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT der Fall und jetzt auch wieder in MOLLY’S GAME, den Drehbuchautor Aaron Sorkin nach dem autobiographischen Buch von Molly Bloom inszeniert hat. Da gilt es höllisch gut aufzupassen um den Anschluss nicht zu verpassen! Bei einer Länge von 140 Minuten ist das allerdings ziemlich ermüdend, da kann die Story noch so packend sein. Und wer von Poker nicht viel Ahnung hat, der hat ein zweites Problem bei diesem Film. Schauspielerisch glänzt Chastain natürlich wieder und zeigt sich in Topform. Wie schon in HIDDEN FIGURES zeigt sich Kevin Costner einmal mehr in einer Nebenrolle – und meistert Mollys Vater bravourös.

WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN (1:2.35, 5.1)
OT: Winchester
Verleih: Splendid (24 Bilder)
Land/Jahr: Australien, USA 2018
Regie: Michael Spierig, Peter Spierig
Darsteller: Helen Mirren, Sarah Snook, Jason Clarke
Kinostart: 15.03.2018

Anfang des 19. Jahrhunderts wird der Psychologe Dr. Eric Price damit beauftragt, ein psychiatrisches Gutachten über Sarah Winchester zu erstellen, der Erbin des Winchester-Waffenimperiums. In San Jose lässt sich die nach außen exzentrisch wirkende Frau in Tag- und Nachtarbeit ein riesiges Haus mit einer unübersichtlichen Anzahl von Zimmern, voller Irrwege und falscher Türen errichten – als Gefängnis für rachsüchtige Geister und gequälte Seelen, die durch Winchester-Waffen zu Tode kamen. Schon bald muss Price feststellen, dass sich tatsächlich unerklärliche Dinge in dem Haus abspielen... Das neueste Werk der dem Genre-Film verschriebenen deutschstämmigen Spierig-Brüder hat leider nur den Charme eines TV-Films, obgleich mit CinemaScope-Format und effektvollem 5.1 Sound gearbeitet wird. Richtiges Gänsehaut-Feeling mag sich hier erst gar nicht einstellen. Die immer wieder eingesetzten brachialen Toneffekte nutzen sich ziemlich schnell ab und man mag dann einfach nicht mehr im Kinosessel zusammenzucken. Jason Clarke in der Rolle des Dr. Eric Price passt nicht in die Zeit, in welcher der von tatsächlichn Ereignissen inspirierte Film spielt – er hat einfach ein zu modernes Gesicht! Ganz anders sieht das bei Helen Mirren aus – sie wirkt so, als hätte sie das letzte Jahrhundert noch nie verlassen und passt damit wirklich perfekt in ihre Rolle als Sarah Winchester. Fazit: Poltergeist-Gruselmär auf Sparflamme.

FÜNF FREUNDE UND DAS TAL DER DINOSAURIER (1:2.35, 5.1)
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Mike Marzuk
Darsteller: Allegra Tinnefeld, Marinus Hohmann, Ron Antony Renzenbrink, Amelie Lammers, Jacob Matschenz, Peter Prager, Melika Foroutan, Jürgen Tarrach, Milan Peschel, Dagmar Sachse, Manuel Cortez, Bernadette Heerwagen, Ruby O. Fee, Dirk Borchardt, David Baalcke, Alexander Schubert, Norman Hacker
Kinostart: 15.03.2018

Eigentlich waren George, Julian, Dick, Anne und ihr Hund Timmy zusammen mit ihrer Tante auf dem Weg zur Hochzeit eines Cousins. Doch als unterwegs der Wagen streikt und die Tante auch noch krankheitsbedingt das Bett hüten muss, sitzt die Kinderschar in einem kleinen Kaff fest. Da lernen sie den etwas seltsamen Marty kennen, den Sohn eines Dinosaurierforschers. Als dem eines nachts eine geheime Karte gestohlen wird, auf der sein verstorbener Vater den Weg zu einem legendären Dinosauriertal eingezeichnet hat, beschließen die Freunde, dem Forschersohn zu helfen. Damit beginnt ein neues und gefährliches Abenteuer... Aller guten Dinge sind fünf. Bereits zum fünften Mal dürfen die frei nach Enid Blyton inspirierten fünf Freunde ein Kinoabenteuer erleben. In neuer Besetzung, versteht sich. Was jedoch gleich geblieben ist, sind die dümmlichen Erwachsenen, die offenbar aus einer ganz anderen Welt stammen als unsere kindlichen Freunde. Vermutlich wirken diese unbeholfenen Erwachsenen auf kleine Zuschauer ganz anders und animieren diese zu großem Gelächter. Einzig der von Jacob Matschenz gespielte Marty wirkt authentisch – auch oder vielleicht gerade weil es sich um einen etwas zurückgebliebenen Charakter handelt. Ob Marty Authist ist oder ein anderes Leiden hat, wird leider nicht aufgeklärt. Trotzdem dürfte davon eine Art Signalwirkung ausgehen, die Kindern deutlich zeigt, dass man einen Menschen vollkommen ungeachtet seines Äußeren beurteilen sollte. Alleine damit hat der fünfte “Fünf Freunde”-Film eine pädagogisch wertvolle Botschaft. Dass dabei auch Spaß und Spannung nicht zu kurz kommen versteht sich fast von selbst. Hinweis: Da uns der Film leider in einer nicht finalen Fassung gezeigt wurde, kann
Montag, 05. Februar 2018
Ein Loblied auf die Lehrerzunft
Mit zwei Jahren Verspätung findet nun doch noch ein kleiner aber feiner Film den Weg in die deutschen Kinos

DIE GRUNDSCHULLEHRERIN (1:1.85, 5.1)
OT: Primaire
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich 2016
Regie: Hélène Angel
Darsteller: Sara Forestier, Vincent Elbaz, Albert Cousi
Kinostart: 15.02.2018

Dass sie mit ihrem kleinen Sohn in der Schule wohnt, in der sie unterrichtet, ist typisch für Grundschullehrerin Florence. Denn niemand liebt ihren Beruf so sehr wie sie. Florence ist Lehrerin mit Leib und Seele. Als jedoch ein neuer Schüler aus extrem schwierigen Verhältnissen in ihre Klasse kommt, wird das Leben der alleinerziehenden Mutter ziemlich aufgemischt... In einer sehr bewegenden Szene bringt es Sara Forestier in der Rolle der Grundschullehrerin Florence auf den Punkt: “Auf gewisse Weise habe ich auch von euch gelernt. Von euren kindlichen Eigenschaften, von eurer Neugierde, eurer Zuversicht und eurem Mut. Diese Eigenschaften sind wichtig im Leben damit ihr euren Platz findet in der Welt. Aber wenn es stimmt, dass die Lehrer auch von den Schülern lernen, dann gibt es keine Lehrer mehr, nur noch Schüler. Wir lernen jeden Tag etwas Neues. Denn die Lehrerausbildung reicht nicht aus.” – Wenn Flo (wie sie von ihren Kollegen genannt wird) danach das abgeriegelte Schulgelände, in dem sie sich regelrecht verbarrikadiert hat, verlässt, wirkt das wie ein Befreiungsschlag für die mehr als engagierte Lehrerin. Denn Florence fängt erst da richtig an, wo andere längst aufgegeben hätten. Mit einer Wahnsinnsgeduld hilft sie beispielsweise einem kleinen Chinesenmädchen Lesen zu lernen. “Alle, die meine Klasse verlassen, können lesen”, ist ihr Motto – und wenn es manchmal länger dauert. Regisseurin Hélène Angels Dramödie ist ein gelungenes Loblied auf eine der wichtigsten Institutionen auf dem Weg vom Kind hin zum Erwachsenen: die Grundschullehrer. Neben der äußerst charmanten Sara Forestier sind die heimlichen Stars des Films die Kinder, die ihre Rollen mit solcher Inbrunst spielen, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, eine echte Schulklasse vor sich zu haben. Auch der Stress, mit dem die Lehrer tagtäglich konfrontiert werden, wird spürbar. Hier trennt sich auch die Spreu vom Weizen. Denn für viele Lehrer ist es nur ein Beruf, für Flo dagegen eine Berufung. Allerdings eine, die sie oft bis an den Rand ihrer Leistungsgrenze führt. DIE GRUNDSCHULLEHRERIN ist bewegendes und witziges Kino mit Tiefgang.
Donnerstag, 01.02.2018
Geld ohne Arbeit
Mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens beschäftigt sich ein neuer Dokumentarfilm, der jetzt im Kino Premiere feierte

FREE LUNCH SOCIETY – KOMM KOMM GRUNDEINKOMMEN (1:2.35, 5.1)
Verleih: OVALmedia
Land/Jahr: Österreich, Deutschland 2017
Regie: Christian Tod
Kinostart: 01.02.2018

Eine Idee geht um die Welt: die vom bedingungslosen Grundeinkommen. Was passiert, wenn jeder Bürger Monat für Monat einen festen Geldbetrag vom Staat erhält und damit nicht mehr darauf angewiesen wäre zu arbeiten? Ein Frage, die bereits in den 1960er-Jahren mittels eines Experiments in Kanada nachgegangen wurde. Und sogar die USA hatten eine solche Fallstudie beauftragt. Da wurden jede Menge Daten gesammelt, fein säuberlich archiviert und – nie ausgewertet! So erfahren wir das aus Christian Tods unterhaltsam gestaltetem Dokumentarfilm, der alle Aspekte des bedingungslosen Grundeinkommens abzudecken versucht und eben auch auf die Geschichte dieser revolutionären Idee eingeht. Mit interessanten Interviewpartnern wie z.B. Götz Werner, dem Gründer der DM-Drogeriemarktkette, wird analysiert, was es für den Einzelnen und für die Gesellschaft bedeutet, wenn Arbeit und Geld getrennt werden. Aber nicht nur etablierte Wissenschaftler und Wirtschaftsexperten kommen zu Wort. Da gibt es auch noch den Taxifahrer in New York oder den Ziegelhersteller in einem kleinen Dorf in Namibia, die sich zum Thema äußern. Tods Film deckt damit ein breites Spektrum ab und liefert jede Menge neue Impulse, die zum Diskutieren anregen. Illustriert wird sein Film mit einer wahren Fülle an Archivmaterial, das auch gerne mal zum Schmunzeln einlädt. Besonders gelungen: Filmanfang und Filmende bilden jeweils eine Szene aus STAR TREK: THE NEXT GENERATION, in der Captain Picard über eine Gesellschaft diskutiert, die keine materiellen Nöte mehr kennt. Dass sich Tods Film vor allem an eine sehr junge Generation wendet (warum?), findet seinen Niederschlag im Off-Kommentar: die Sprecherin duzt die Zuschauer. Das ist dann etwas störend, aber man gewöhnt sich irgendwann daran.

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