Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

Home      Referenzen      Filmblog      Videoproduktion    Jugendschutzbeauftragter      Impressum
Filmblog Aktuell           Filmblog-Archiv           Filmtitel-Index     

Wie heisst es doch so schön: "Kritiker sind wie Eunuchen: sie wissen zwar wie es geht, können es aber nicht!"
Ich arbeite zumindest daran.

Wolfram Hannemann, im Juli 2015

LOB IST SCHWERER ALS TADEL
Weitere Termine in Vorbereitung!
Alle Infos gibt es hier


DIE GÖTTLICHE ORDNUNG
Petra Volpe und Marie Leuenberger zu Gast in Stuttgart

EINFACH LEBEN
Filmemacher Hans Haldimann zu Gast in Stuttgart

SOMMERFEST
Regisseur Sönke Wortmann zu Gast in Stuttgart

DIL LEYLA
Regisseurin Asli Özarslan zu Gast im Delphi Filmtheater, Stuttgart

MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE
Darsteller Yaniss Lespert zu Gast in Stuttgart

VOLKER ENGEL
Im Gespräch mit dem VFX Supervisor und Oscar-Gewinner

MEIN WUNDERBARES WEST-BERLIN
Regisseur Jochen Hick zu Gast in Stuttgart

Michael Huber & Alex Lemke
Die VFX Supervisoren (Ang Lees "Billy Lynn's Long Halftime Walk")

Berenice Robinson
Disney Animations Vice President Post Production im Gespräch

Christian Lerch, Dolby Sound Consultant
Dolbys Content Service Manager spricht über seine Arbeit und Dolby Atmos

A CONVERSATION WITH KELLY ASBURY
Director, Sony Pictures Animation

A CONVERSATION WITH DAVID E. FLUHR
Re-Recording Mixer at Walt Disney Studios Post Production Services

NATIONAL BIRD
Regisseurin Sonia Kennebeck zu Gast in Stuttgart

BEUYS
Regisseur Andres Veiel zu Gast in Stuttgart

RÜCKKEHR NACH MONTAUK
Volker Schlöndorff zu Gast in Stuttgart

5 FRAUEN
Filmpremiere in Stuttgart mit Olaf Kraemer und Odine Johne

A CONVERSATION WITH PETER LORD
The man who made chicken run - Peter Lord, Creative Director of Aardman

GAZA SURF CLUB
Regisseur Philip Gnadt und Ko-Regisseur/Produzent Mickey Yamine zu Gast in Stuttgart

HAPPY
Regisseurin Carolin Genreith zu Gast in Stuttgart

PAWLENSKI - DER MENSCH UND DIE MACHT
Regisseurin Irene Langemann zu Gast in Stuttgart

DER HUND BEGRABEN
Filmpremiere in Stuttgart

BAUER UNSER
Regisseur Robert Schabus zu Gast in Stuttgart

WILDE MAUS
Filmpremiere in Stuttgart mit Josef Hader

DIE GABE ZU HEILEN
Weltpremiere in Stuttgart

FROM BUSINESS TO BEING
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

NICHT OHNE UNS
Filmpremiere im Stuttgarter Metropol-Kino

DIE BLUMEN VON GESTERN
Die Kinotour zu Gast in Stuttgart

MORRIS AUS AMERIKA
Regisseur Chad Hartigan zu Gast in Stuttgart

INSIDE LUDWIGSBURG SINFONIE
Regisseur Marcel Wehn, Kameramann Jörg Rambaum,
Komponistin Meike Katrin Stein, Projektbetreuer Andreas Fuchs,
Professor für Filmkomposition Matthias Raue
und Produzent Wolfgang Kerber geben Einblicke in die Entstehung
des Stummfilmprojekts "Ludwigsburg Sinfonie"

LOTTE
Hauptdarstellerin Karin Hanczewski und Regisseur Julius Schultheiß zu Gast in Stuttgart

DAS VERSPRECHEN (THE PROMISE)
Regisseur Marcus Vetter und Kameramann Georg Zengerling zu Gast in Stuttgart

DIE LETZTE SAU
Regisseur Aron Lehmann im Interview

SMS FÜR DICH
Karoline Herfurth & Friedrich Mücke zu Gast in Stuttgart

24 WOCHEN
Regisseurin Anne Zohra Berrached zu Gast in Stuttgart

TONI ERDMANN
Regisseurin Maren Ade zu Gast in Stuttgart

ROB LEGATO - Visual Effects Supervisor
Der zweifache Oscar-Gewinner im Interview

DER NACHTMAHR
Regisseur Akiz spricht über guten Sound, breite Bilder und vieles mehr

RICHARD EDLUND - Visual Effects Supervisor
In seinem Fach ist der mehrfache Oscar-Gewinner bereits eine Legende

WILD
Nicolette Krebitz zu Gast in Stuttgart

IMAX 15/70 im National Media Museum, Bradford, UK

IMAX WITH LASER @FILMPALAST AM ZKM, KARLSRUHE
David Keighley & Andrew Cripps - the IMAX force

THINK BIG
Weltpremiere am 08. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Schauburg Cinerama Theater, Karlsruhe

REMEMBERING WIDESCREEN
An exciting new documentary about a very special "family" gathering
Now available on Blu-ray!
More info here: www.remembering-widescreen.de


Find out more about it on
Facebook

"Saturday, the 12th, began with a bang: It was Wolfram Hannemann`s "Remembering Widescreen" movie introduced by himself in a very funny way. A 37 minutes documentary not only about the organizing of the festivals but also with a lot of, never boring, interviews with wide-film-buffs mostly filmed during last year's Widescreen Weekends in the Pictureville Cinema. All, of course, shot in widescreen format. I hope the short will be released on DVD / Blu-Ray sometime. Wolfram – very well done, my congratulations."
Gerhard Witte, Widescreen Aficionado, via www.in70mm.com

"We now have a wonderful record of the WSW!"
Mark Lyndon, MBKS, Writer & Broadcaster, via Facebook

"It's a little piece of WSW history. So proud to be a part of it."
Tony Earnshaw, Film Journalist, via Facebook

"Would love to get a copy of your film....so please let me know when it will be available."
Grant Wakefield, Filmmaker, via E-mail

"Just watched this at Widescreen Weekend. Really excellent documentary. I like how people were just left to put across their point of view and personal opinion."
Paul Shackleton, via Youtube

"...delightful short film..."
Mark Trompeteler, Cinema Technology Vol. 27, No. 3, September 2014

„Es ist schon lobenswert, wenn ein filmbessesener Journalist selbst einen Film dreht. Umso mehr wenn er seiner Leidenschaft für die große Leinwand ein Denkmal setzt. Mit viel ansteckender Begeisterung hat er weitere „Widescreenfans“ zu Wort kommen lassen. Ein gelungenes Plädoyer für die große Leinwand und die Helden die sich darauf tummeln. In der Hoffnung diese Spezies stirbt nicht aus“!
Klaus Pellkofer, Kinobetreiber, Filmkritiker & Rundfunkmoderator

"Wolfram Hannemanns “Remembering Widescreen” ist eine ebenso kundige wie unterhaltsame Dokumentation über eine Szene von Filmenthusiasten, die sich jedes Jahr im britischen Bradford zu einem Festival des alten Großformatkinos trifft. Hannemann, der in seiner No-Budget-Produktion nicht nur die Regie führt, sondern auch die Rollen von Kameramann, Cutter und Komponist übernommen hat, ist selber Teil dieser Szene. In seiner Interviewmontage gelingt es ihm, die Begeisterung für die Breitleinwand (und auch für den guten Ton!) auf den Zuschauer zu übertragen. Man möchte danach sofort einen Filmpalast aufsuchen, um eine gut erhaltene Kopie von "Ben Hur", “Where Eagles dare" oder "2001 - Odyssee im Weltraum" zu sehen, besser: diese Werke im richtigen Format zu erleben."
Rupert Koppold, Filmkritiker & Freier Journalist


"Wolfram Hannemanns kenntnisreich gemachter Kurzfilm über das “Widescreen Weekend”-Festival im englischen Bradford war für mich ein 35 Minuten andauerndes Vergnügen. Sehr informative Interviews mit den Machern, dazu liebevolle Aussagen zahlreiche Festivalbesucher, die mir eine Menge, zum Teil lange vergessene Filme wieder in Erinnerung riefen. Dazu wurden einzelne Titel genannt (zum Beispiel "Zulu" von 1964), von denen ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie gehört hatte. Sie gaben Anlass für eilige Recherchen auf IMDB.

Der Film war wie eine Reise in die gute alte Zeit, lange vor den heute im Platz zwangsläufig oft arg eingegrenzten Multiplexen, als es zwar weder Eis noch Nachos, dafür aber superbreite Leinwände gab, über die ich in meiner Jugendzeit unter anderem Winnetou und Old Shatterhand reiten sah und, um nur einen Titel zu nennen, "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" bewundern konnte. In allen Fällen gab es Mehrfach-Sichtungen, was sich damals angesichts mangelnder Abwechslung (die Schulmädchen-Reporte begannen in dieser Zeit, auf Jahre hinaus die Leinwände zu verstopfen) beinahe von selbst versteht.

70 Millimeter-Filme - und die dazu passenden Kinos - sind heute, wie dieser Film berichtet, Raritäten, zum Glück von Enthusiasten am Leben erhalten und gar zu oft in Regalen achtlos geparkt, vernachlässigt und daher nicht mehr vorführbar. Von dem grandiosen und in der Doku erwähnten "Music Man" (1962) mit Robert Preston soll es zum Beispiel keine intakte Kopie mehr geben.

Wolfram Hannemanns Film ist - leider - auch ein Beweis dafür, wie engstirnig heute die Verantwortlichen in Hollywood auf jene Enthusiasten reagieren, die mit Hingabe und Sachverstand das Ereignis "70 Millimeter" in uns wach halten. Muss man tatsächlich so rigide das Einblenden von einstigen Trailern und sogar das Zeigen eines Plakates von damals verbieten? Es ist - zumindest für mich - nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar, zumal mit Dokumentationen dieser Art ja kein Geld verdient werden soll.

So bietet der Film zwar nur 35 Minuten, die dafür aber voller Gehalt und gespickt mit wissenswerten Informationen sind. Außerdem bleibt es jedem Seher vorbehalten, die Dokumentation für sich selbst nach Herzenslust zu verlängern, weil wir in Gedanken ja jede Menge Filmschnipsel in all die Interviews "reinschneiden" können.

Danke also für einen gelungenen Kinobesuch!"
Reinhard Thiel, Freier Journalist & Filmkritiker


Der Cinemaniker Wolfram Hannemann ist ein kenntnisreicher Liebhaber opulenter Bild- und Tonformate, aber auch der dahinter stehenden Kinotechnik, der gerade endenden Mechanikära im Vorführraum. Sein Dokumentarfilm „Remembering Widescreen“ erzählt nominell vom Widescreen-Weekend beim Bradford International Film Festival in Bradford, einem Mekka der Freunde von 70mm, Cinerama und IMAX. Aber die spannende Sammlung von Interviews ist gar kein Film über Formateigenheiten und Technikgeschichte, über die Problematik der Kopienausbleichung oder die Pflege alter Projektoren. Es geht hier um Menschen, nicht um das strahlende Bild auf der Leinwand, sondern um das Leuchten in den Augen der Zuschauer.

Hannemann lässt in klar durchdachten und abwechslungsreich montierten Einstellungen, die nie das bedrückende Gefühl einer Talking-Head-Galerie entstehen lassen, Besucher und Veranstalter ihre Begeisterung und Motivation darlegen. Es geht um die Liebe zum Kino, hier speziell um jene, die sich an den ganz großen Bildern entzündet hat und ein Leben lang anhielt. Aber wiederfinden können sich hier alle Kinoliebhaber, auch jene, deren Begeisterung nicht von „Lawrence von Arabien“ in voller Pracht angefacht wurde, sondern von der verregneten, unruhig laufenden 35-mm-Kopie eines alten Schwarzweiß-Films aus der B-Produktion eines C-Studios.

Dass die Cinephilen in Bradford nicht einem möglicherweise spöttelnd distanzierten Beobachter von außen Rede und Antwort stehen, sondern ihresgleichen, den sie als Referent und Präsentator kennen, ist ihrer Gelöstheit im Interview anzumerken, ihrer Bereitschaft, privates Glück öffentlich zu machen. Hier wird ihre Liebe zu einem Medium nicht kleingeredet, nicht rationalisiert, schon gar nicht als Irrweg der Auseinandersetzung mit Inhalten getadelt: hier wird die pure Entrückungsqualität von Kino gepriesen. „Remembering Widescreen“ ist absolut sehenswert – und man darf auf Hannemanns weitere Arbeiten zum Thema gespannt sein.
Thomas Klingenmaier, Kulturredakteur der "Stuttgarter Zeitung"

Now Online!
Find out more about it on Facebook

Wolfram Hannemanns

Kanal

Walhalla   Fliegende Fische   Gottesaue   Bradford   Christmas   Tattoo   Bruno
Die Kunst zu lieben       Väter und andere Katastrophen
Im Gespräch mit Douglas Trumbull
Tabu       Jasmin       Die Kirche bleibt im Dorf
Herr Wichmann aus der dritten Reihe      Dichter und Kämpfer
Bittere Kirschen      Speed      Im Gespräch mit Dietrich Brüggemann
3 Zimmer/Küche/Bad      Die Wand      Gnade      Parked - Gestrandet
Im Gespräch mit Colm Meaney & Darragh Byrne
Im Gespräch mit Hermine Huntgeburth, Leon Seidel & Jacky Ido
Im Gespräch mit David Sieveking      Vergiss mein nicht
Jäger des Augenblicks      The Broken Circle (Langfassung)      5 Jahre Leben
The Broken Circle (Kurzfassung)    Ein Freitag in Barcelona
Wochenendkrieger    Wochenendkrieger - Die Filmmusik
UMMAH - Unter Freunden      Spieltrieb      BKM Preisverleihung
Die Nonne      Scherbenpark      IMAX im Filmpalast am ZKM
Live and Let Live      Kreuzweg      Cerro Torre      Die schöne Krista
Laser Hotline @ FMX 2014      Fascinating India 3D      Monsoon Shootout      Jadoo
Diplomatie      Vicious Brothers      Daniel Stamm      Wolfskinder
Im Labyrinth des Schweigens      Traumland      Ein Hells Angel unter Brüdern
Doktor Proktors Pupspulver      Willkommen auf Deutsch      10 Milliarden
The Forecaster      Das Zimmermädchen Lynn      Beyond Punishment
Victoria      Freistatt      Der Bunker      Die Kleinen und die Bösen
Stung      Paul Hyett talking HOWL      Heil



FANTASY FILMFEST NIGHTS 2017

Dienstag, 08. August 2017
Vom Kampf gegen Windmühlen
Meine letzte Pressevorführung in dieser Woche – ab morgen geht es auf Fahrradtour!

IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT – UNSERE ZEIT LÄUFT (1:1.85, 5.1)
OT: An Inconvenient Sequel: Truth To Power
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Bonni Cohen, Jon Shenk
Darsteller: Al Gore
Kinostart: 07.09.2017

Im Jahre 2006 kam Davis Guggenheims mit zwei Oscars ausgezeichneter Dokumentarfilm EINE UNBEQUEME WAHRHEIT in die Kinos, der Al Gores Kampagne gegen die globale Erwärmumg begleitete. Zehn Jahre später ziehen nun Bonni Cohen und Jon Shenk sozusagen Bilanz. Was hat sich seit damals getan? Die Ergebnisse sind glasklar: die globale Erwärmung mit ihren katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt kann niemand mehr leugnen. Das Abschmelzen der Eisberge führt zu Überflutungen in Florida und auch die Stürme nehmen an Heftigkeit zu. Weiterhin führt Al Gore seinen Kampf gegen Windmühlen. Doch es werden weniger Windmühlen: die Zahl seiner Anhänger und Unterstützer ist stark gestiegen. Und ohne sein Zutun hätte es wohl auf dem Klimagipfel in Paris keine Einigung gegeben. Natürlich endet die Dokumentation so wie sie enden muss: mit Trumps Ankündigung des Ausstiegs aus dem Pariser Abkommen. Der Film appelliert an den gesunden Menschenverstand: “Wenn unser Präsident das Land nicht führen kann, dann müssen wir Bürger das tun”, heisst es gar am Ende. IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT möchte aufrütteln. Und das nicht nur durch Polemik, sondern mittels ganz konkreter Beispiele, die zeigen, dass es auch ein Leben mit mit alternativen Energien gibt.
Montag, 07.August 2017
Milchmann und Bildhauer
Von den Kriegswirren auf dem Balkan ging es heute direkt in das Paris des 18. Jahrhunderts

ON THE MILKY ROAD (1:2.35, 5.1)
OT: Na Mlijeènom Putu
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Serbien, Großbritannien, USA 2016
Regie: Emir Kusturica
Darsteller: Monica Bellucci, Emir Kusturica, Predrag Manojloviæ, Sloboda Miæaloviæ
Kinostart: 07.09.2017

Mitten im Balkankrieg verguckt sich Milchmann Kosta in eine schöne Italienerin, die bereits einem Kriegshelden versprochen ist. Als die seine Gefühle erwidert, treten die Beiden die Flucht an – gejagt von Scharfschützen... Bereits nach den ersten Minuten des Films fühlt man sich komplett erschlagen! Da nehmen Gänse ein Blutbad in der Badewanne, Greifvögel ziehen ihre Bahnen, Bomben schlagen ein und alles fliegt einem akustisch um die Ohren. Mit reichlich schwarzem Humor gespickt, mit typisch Kusturica’scher Musik unterlegt und virtuos in Szene gesetzt, präsentiert Emir Kusturica seinen auf “drei wahren Geschichten und jeder Menge Fantasie” basierenden Film (wie es im Vorspann heisst), der leider etwas “over the top” geworden ist. Explodierende Schafe, Würgeschlangen, eine Esel, ein Wanderfalke und ein abgeschossenes Ohr haben in dieser bizarren serbischen Kriegsgeschichte allesamt symbolhafte Bedeutung, überladen ihn dadurch aber förmlich. Mit knapp über zwei Stunden Spielzeit geht das dann etwas an die Substanz des Zuschauers. Weniger ist manchmal mehr. Das gilt auch für Sie, Herr Kusturica.

AUGUSTE RODIN (1:2.35, 5.1)
OT: Rodin
Verleih: Wild Bunch Germany
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Jacques Doillon
Darsteller: Vincent Lindon, Izïa Higelin, Séverine Caneele
Kinostart: 31.08.2017

Paris 1880. Mit 40 Jahren wägt sich der Bildhauer Auguste Rodin am Ziel seiner Träume: für den Eingang des neuen Kunstgewerbemuseums im Louvre soll er ein gigantisches Hochrelief erschaffen, das von Dantes “Göttlicher Komödie” inspiriert ist. Eine manische Schaffensphase beginnt, in der er von der wesentlich jüngeren, aber ebenso hochbegabten Camille Claudel begleitet wird. Mit seiner Schülerin tauscht r sich nicht nur über seine Arbeit aus, sondern teilt auch das Bett mit ihr – wie mit vielen anderen Frauen. Dies sowie die fehlende Anerkennung ihres Genies durch Rodin führt schließlich zum Bruch zwischen den Künstlern... Kammerspielartig entfaltet Jacques Doillon sein Künstlerporträt. Mit wenigen Ausnahmen lässt er den porträtierten Lebensabschnitt des berühmten Bildhauers in dessen ausladendem Atelier spielen. Mit einer oft statischen Kamera fängt er Momente ein, in denen Rodin mit seiner Muse und Konkurrentin Camille Claudel seine Arbeit begutachtet, mit ihr die Zeit im Bett verbringt oder mit seiner Lebensgefährtin Rose streitet. Das alles in farbentsättigtem CinemaScope, zu dem sich hin und wieder Kammermusik aus der Feder von Philippe Sarde auf der Tonspur gesellt. Vincent Lindon spielt diesen rastlosen Künstler, der mit seinen Skulpturen spricht und sich mit seinen Werken immer wieder gegen die herrschende Meinung stellt, bei dem Arbeit und Privatleben nie so richtig zu trennen sind. Lindon spielt diesen unbequemen Kreativen einmal mit stoischer Ruhe, ein anderes Mal emotional aufbrausend und außer sich. Doillon hat seinen Film aus einem nie realisierten Dokumentarfilm heraus entwickelt. Letzterer wäre sicherlich informativer gewesen als ein Spielfilm, der Vieles einfach voraussetzt und damit Nicht-Kunstbeflissene mit einer ganzen Reihe nicht beantworteter Fragen über den Künstler, der seiner Zeit weit voraus war, zurücklässt.
Freitag, 04. August 2017
Echt skurril
Wochenausklang mit ungewöhnlichen Geschichten im Doppelpack

SCHLOSS AUS GLAS (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Glass Castle
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Destin Daniel Cretton
Darsteller: Brie Larson, Naomi Watts, Woody Harrelson
Kinostart: 21.09.2017

Bei den Walls gibt es nicht immer etwas zu essen, weil die Mutter viel lieber ihrer künstlerischen Ader nachgeht als zu kochen. Dafür verspricht Vater Rex seinen Kindern, ein Schloss aus Glas zu bauen und er holt ihnen sprichwörtlich die Sterne vom Himmel. Was macht es da schon aus, dass die Familie oft über Nacht ihren Wohnsitz wechseln müssen, weil ihnen der Gerichtsvollzieher im Nacken sitzt. Schule für die Kinder? Fehlanzeige. Außerdem ist doch Papas praktischer Unterricht sowieso viel wertvoller. Wäre da nicht seine Alkoholsucht, die die Familie in bitterste Armut führt. Kann das noch eine glückliche Kindheit sein? Mit zunehmendem Alter kommen den Geschwistern ernsthafte Zweifel daran... In Destin Daniel Crettons Film geht es um die Kraft der Familie, die selbst dann noch wirkt und den Kindern Rückhalt gibt, wenn sich längst schon Hass und Wut aus ihr entwickelt haben. Basierend auf dem autobiografischen Roman “Schloss aus Glas” von Jeanette Walls, der zum Bestseller wurde, erzählt der Film die Geschichte der Familie Walls aus der Sicht von Jeanette, dem zweitältesten Kind. In Rückblenden erfahren wir häppchenweise von den vielen unglaublichen Dingen, mit denen die Kinder der Walls ihr Leben lang konfrontiert wurden und von den vielen Entbehrungen, die sie tagtäglich hinnehmen mussten: keine Schule und oft nichts zu essen. Eine solche Familie überlebt man nur, wenn man mit ihr bricht und sie verlässt. Und so suchen Jeanette und ihre Geschwister nach Mitteln und Wegen, möglichst ungeschoren diesem Gefängnis zu entkommen. Aber wir erfahren auch, warum Papa Rex Walls so wurde wie er ist. Zumindest andeutungsweise. Woody Harrelson spielt diesen Verlierer, der sich nicht als solcher wahrnimmt, aber dafür eine Begabung hat, wie man selbst die brenzligsten Situationen mit vielen Worten schönreden kann. Und es ist eine Power-Performance, die Harrelson hier abliefert! Man hat Mitleid mit ihm, bewundert ihn und hat Angst vor ihm. Eine Tour-de-Force der Emotionen. Joel P. Wests einfühlsame Filmmusik bewegt sich auf den Spuren eines Thomas Newman und Brett Pawlaks CinemaScope-Kamera unterstützt mit seiner Farbdramaturgie die bewegende Geschichte. Besonders schön: während des Abspanns kommt die echte Familie Walls zu Wort und man sieht viele Bilder aus dem Familienalbum. SCHLOSS AUS GLASS ist starkes Kino.

BARFUSS IN PARIS (1:1.85, 5.1)
OT: Paris Pieds Nus
Verleih: Film Kino Text (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich, Belgien 2016
Regie: Dominique Abel, Fiona Gordon
Darsteller: Fiona Gordon, Dominique Abel, Emmanuelle Riva, Pierre Richard
Kinostart: 07.09.2017

Fiona reist vom verschneiten Kanada ins sonnige Paris, um ihre Tante Martha zu besuchen. Doch die alte Dame ist verschwunden – ebenso wie Fionas Rucksack mitsamt ihrem Hab und Gut. Den hat inzwischen der Obdachlose Dom aus der Seine geangelt und freut sich über die enthaltenen Kleider und Bargeld. Der Zufall will es, dass sich Fiona und Dom begegnen – zwei Außenseiter, die wie füreinander geschaffen sind... Kein Film für Jedermann, aber für Fans des großen Jacques Tati umso mehr! Dominique Abel und Fiona Gordon präsentieren Skurriles und Absurdes in einer Art Nummernrevue, die zwar einen roten Faden hat, sich aber immer wieder in kleinen Episoden verliert und die stets zum Schmunzeln einlädt. Schwarzer Humor fehlt hier ebensowenig wie Leidenschaft oder Tanz. Das alles in knalligen Farben, die alleine schon den Blick in diese Komödie lohnen. Abel & Gordons Film hebt sich ganz bewusst vom französischen Mainstream ab, der zur Zeit von meist lauten, schrillen und oft unter die Gürtellinie zielenden Komödienversuchen dominiert wird.
Donnerstag, 03. August 2017
Liebe im Schlachthof
Kino der Gegensätze bestimmte einmal mehr meinen Donnerstag

KÖRPER UND SEELE (1:2.35, 5.1)
OT: Testrol Es Lélekrol
Verleih: Alamode
Land/Jahr: Ungarn 2017
Regie: Ildikó Enyedi
Darsteller: Alexandra Borbély, Geza Morcsányi, Réka Tenki
Kinostart: 21.09.2017

Endre arbeitet als Finanzdirektor in einem Schlachthof. Als dort die junge Maria ihren Job als neue Qualitätskontrolleurin antritt, findet er sofort Gefallen an der stillen Blondine. Die aber gibt sich äußerst verschlossen. Erst als die Beiden feststellen, dass sie nachts dieselben Träume haben, kommen sie sich näher... Krasser könnten die Gegensätze in diesem Film wohl kaum sein. Auf der einen Seite entspinnt sich die Liebesgeschichte zwischen Maria und Endre, auf der anderen Seite wird man als Zuschauer mit dem blutigen Alltag eines Schlachthofs konfrontiert. Es könnte der erste Film sein, in dem im Abspann zu lesen ist, dass hier tatsächlich Tiere getötet wurden – allerdings nicht für den Film, sondern im regulären Betrieb des Schlachthofs. Zart Besaitete seien hier schon gleich vorgewarnt. Die gemeinsamen Träume der beiden Protagonisten fängt Kameramann Mate Herbai in wunderbaren CinemaScope-Bildern ein: da sieht man einen Hirsch und eine Hirschkuh im schneebedeckten Wald nach Futter suchen. Dabei gleichen die Blicke des weiblichen Hirschs unglaublich denen von Maria, jener zerbrechlichen, geängstigten Person mit famosem Gedächtnis, die Nähe nicht ertragen kann. Und trotzdem entwickelt sich zwischen ihr und Endre eine Art Amour Fou, die einen in ihren Bann zieht. Beide haben Defizite, die es zu überwinden gilt, um ein Paar zu werden. Ob es ihnen gelingen wird? Der Gang ins Kino verrät es.

EINE FANTASTISCHE FRAU – UNA MUJER FANTASTICA (1:2.35, 5.1)
OT: Una Mujer Fantastica
Verleih: Piffl
Land/Jahr: Chile, Deutschland 2017
Regie: Sebastián Lelio
Darsteller: Daniela Vega, Francisco Reyes, Luis Gnecco
Kinostart: 07.09.2017

Der erfolgreiche Unternehmer Orlando hat seine Familie für die 20 Jahre jüngere Marina verlassen, die als Kellnerin jobbt und gerne singt. Die Beiden geben ein sehr glückliches Paar ab. Doch eines nachts stirbt Orlando völlig überraschend und Marina sieht sich unangenehmen Fragen ausgesetzt – nicht nur durch Orlandos Familie, sondern auch durch die Polizei, die offenbar ein Verbrechen wittert... Es braucht schon etwas Zeit, bis man sich klar darüber wird, dass es sich bei Marina um keine Frau im herkömmliche Sinn handelt: sie ist transsexuell! Damit ist Orlandos Geliebte nicht nur halb so alt wie er selbst, sondern auch noch ein umoperierter Mann. Und damit ein “No Go!” für Orlandos Familie. Der Film spricht das Thema eigentlich nie offen aus, sondern druckst damit genauso herum wie der Großteil der Bevölkerung. Regisseur Sebastián Lelio vermittelt seinen Zuschauern damit diese für Marina extrem unglückliche Situation auf sehr verständliche Weise. Auch macht er deutlich, dass Liebe zwischen zwei Menschen nicht an einem bestimmten Geschlecht festgemacht werden kann. Daniela Vega verkörpert diese Marina perfekt, die mit ihrer maskulinen Ausstrahlung verwirrt. Leider tritt der Film irgendwann auf der Stelle und entwickelt sich nicht mehr weiter. Die Vermutung liegt nahe, dass sich das Thema als Kurzfilm möglicherweise besser gemacht hätte.
Dienstag, 01. August 2017
Von Porto nach Dünkirchen
Während sich in Portugal ein One Night Stand ereignet, warten an einem Strand in Frankreich Tausende von Soldaten auf ihre Rettung. Diese Kombination gibt es nur im Kino.

PORTO (1:2.35 & 1:1.37, 5.1)
OT: Porto
Verleih: MFA (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich, Polen, Portugal, USA 2016
Regie: Gabe Klinger
Darsteller: Anton Yelchin, Lucie Lucas
Kinostart: 14.09.2017

Im malerischen Porto in Portugal treffen sie sich rein zufällig: Tagelöhner Jake, ein Amerikaner, und Studentin Mati, eine Französin. Und doch ist ihre gegenseitige Anziehungskraft so groß, dass sie sich auf eine Affäre einlassen. Eine Affäre, die ihr beider Leben verändern wird... Was Jake und Mati hier erleben ist nichts weiter als ein One Night Stand. Allerdings einer, der sich gewaschen hat. Bei den Beiden ist es Liebe auf den ersten Blick und sie leben ganz in diesem einen Moment, in dem die Welt stehen zu bleiben scheint. Diesen intensiven Moment fängt der amerikanisch-brasilianische Regisseur Gabe Klinger in schönen Bildern und breitem CinemaScope ein und bildet damit einen Kontrast zu den anderen Bildern, die im eingeengten Stummfilmformat (gedreht auf Super 8) und jeder Menge Bildfehler präsentiert werden. Diese “anderen” Bilder zeigen Jake und Mati, wie sie jeweils getrennt jene Orte besuchen, an denen sie sich begegneten. Sie sind sozusagen Echos jener Begegnung, die in eine solch fulminante Liebesnacht mündeten. Anton Yelchin (in einer seiner letzten Rollen – ihm ist der Film gewidmet) und Lucie Lucas spielen dieses Paar, das eigentlich gegensätzlicher nicht sein könnte, extrem überzeugend. Ihre Blicke und Gesten sagen mehr als ihre Worte. Ein Film für alle, die schon einmal die Leidenschaft einer einzigen Liebesnacht erfahren durften.

DUNKIRK (1:1.44 & 1:2.2, DD 5.1)
OT: Dunkirk
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA, Großbritannien, Frankreich 2017
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Kenneth Branagh
Kinostart: 27.07.2017

Im Juni des Kriegsjahres 1940 harren 400.000 britische Soldaten an der Küste von Dünkirchen aus in der Hoffnung, dass sie evakuiert werden. Doch es kommen keine Schiffe. Die desillusionierten Soldaten sind Angriffen durch die deutschen Besatzer hilflos ausgeliefert. Da startet die britische Regierung eine der größten Rettungsaktionen der Kriegsgeschichte... Da Christopher Nolan seinen Film ganz bewusst zum größten Teil in echtem IMAX-Format (auf Film!) gedreht hat, habe ich mir auch ganz bewusst den Film bei der ersten Sichtung im IMAX-Format (hier: 4K IMAX with Laser) angeschaut, um zu verstehen, welche künstlerische Absicht Nolan hier verfolgt. Der Eindruck war schlicht und ergreifend überwältigend! Seine Bilder entfalten eine nahezu hypnotische Kraft, der man sich nicht entziehen kann. Hier ist man direkt in das Geschehen auf der überdimensionalen Bildwand eingebunden und erlebt auch hautnah die vielen klaustrophobischen Episoden von DUNKIRK. Unterstützt wird dieser betörende Realismus durch eine extrem dynamische Tonspur, die bei jedem Bombeneinschlag die Kinositze in Schwingungen versetzt. Allerdings hätte ich mir persönlich den Ton etwas lauter gewünscht, um den immersiven Eindruck perfekter zu machen. In dieser Beziehung dürfte weiterhin DER SOLDAT JAMES RYAN von Steven Spielberg führend sein. Etwas kompliziert gestaltet sich Nolans Handlungsgerüst, das er dem Zuschauer aus drei verschiedenen Perspektiven und unterschiedlicher Chronologie präsentiert. Auch hier hätte ich mir persönlich gewünscht, dass er sich auf nur eine Erzählebene beschränkt hätte, nämlich jene vom Strand in Dünkirchen, wodurch der Film vermutlich wesentlich intensiver in seiner Wirkung ausgefallen wäre. DUNKIRK ist kein Film großer Dialoge, dafür der großer Bilder, die für sich alleine sprechen. Als störend erweisen sich leider die Formatsprünge (neben IMAX-Kameras filmte Noland auch mit herkömmlichen 65mm-Kameras), die nur in der IMAX-Version zu sehen sind. Hier lässt sich kein dramaturgisches Konzept erkennen. 70mm-, 35mm- und herkömmliche Digitalprojektionen sind hier im Vorteil. Trotzdem empfehle ich die “IMAX with Laser”-Präsentationen (in Deutschland in Karlsruhe, Sinsheim und Berlin) sowie die IMAX 15/70-Einsätze (u.a. in London), da nur diese Nolans Vision gerecht werden.

© 2009-2017 Wolfram Hannemann
All displayed Logos and Product Names may be ©, TM or ® by their respective rights holding companies.
No infringement intended.