Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Freitag, 29. Mai 2009
Familiengeschichten
Zwei sehr unterschiedliche Familiengeschichten bildeten den Abschluss der Pressewoche...

ERZÄHL MIR WAS VOM REGEN (1:2.35, DD 5.1)
OT: Parlez-moi de la Pluie
Verleih: Alamode (24 Bilder)
Land/Jahr: Frankreich 2008
Regie: Agnès Jaoui
Darsteller: Jean-Pierre Bacri, Jamel Debbouze, Agnès Jaoui, Pascale Arbillot, Guillaume De Tonquedec
Kinostart: 30. Juli 2009

Karim und Michel wollen einen Dokumentarfilm machen. Die Politikerin Agathe, deren Kindermädchen Karims Mutter war, soll die Protagonistin sein. Die ist gerade zu Besuch bei ihrer Schwester Florence, die eine außereheliche Affäre mit Michel hat. Probleme sind vorprogrammiert. Mit einem ausgezeichneten Cast präsentiert uns Agnès Jaoui ihren Ensemblefilm, mit dem sie einen familiären und außerfamiliären Mikrokosmos schildert. Es gibt viele kleine, nette, witzige Details, die den Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln verführen. Allein die etwas verunglückte Filmmusik, die so gar nicht passen will, trübt das Vergnügen etwas.

THE DUST OF TIME (1:1.85, DD 5.1)
OT: Trilogia II: I skoni Tou Hronou
Verleih: NFP
Land/Jahr: Deutschland/Italien u.a. 2009
Regie: Theodoros Angelopoulos
Darsteller: Bruno Ganz, Willem Dafoe, Michel Piccoli
Kinostart: 9. Juli 2009

In unterschiedlichen Zeitebenen wird die tragische Geschichte einer Familie erzählt, deren Werdegang sich von Russland über Österreich bis Italien, Deutschland und den USA erstreckt. Die Erzählweise mit ihren episch langen Einstellungen verwirrt den Betrachter speziell durch die vielen Locations, die man nicht immer korrekt zuordnen kann, sowie durch Einlagen, die an absurdes Theater erinnern. Man merkt schon bald, dass hier die Betonung auf Filmkunst liegt und weniger auf Unterhaltungswert. Sorry, nicht mein Ding...
Donnerstag, 28. Mai 2009
I’ll Be Back!
Knallharte Action und eine melancholische Amour-Fou standen heute zur Disposition.

TERMINATOR – DIE ERLÖSUNG (1:2.35, DD 5.1)
OT: Terminator Salvation
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2009
Regie: McG
Darsteller: Christian Bale, Sam Worthington, Anton Yelchin
Kinostart: 4. Juni 2009

Auch wenn ihn keiner mehr braucht – Hollywood hat ihn produziert: den vierten Teil der TERMINATOR-Saga. Angesiedelt im Jahre 2018, wo John Connor gegen die Übermacht des maschinengesteuerten Skynet kämpft. Mit von der Partie sind sein Vater Kyle Reeves, der hier als Jugendlicher auftritt (Zeitreisen machens möglich), und Marcus, ein Hybrid, dessen Herkunft wohl erst in Teil 5 oder 6 gelüftet werden wird. Gemessen an James Camerons TERMINATOR-Filme muss man hier schon ganz schöne Abstriche hinnehmen. Nicht einmal der den Cameron-Filmen ureigene Witz wird hier richtig ausgelebt. Stattdessen gibt es fast farblose Bilder im MAD MAX Stil und jede Menge Gefechte zwischen Menschen und Maschinen. Die Spezialeffekte, für die spätestens TERMINATOR 2 einen Meilenstein darstellt, sind nicht mehr als Standard. Ebenso die Tonspur des Films, der man gerne noch etwas mehr Dynamik und Räumlichkeit gönnen würde. Fazit: ohne Arnie und Cameron ist ein TERMINATOR kein TERMINATOR. Trotzdem keine Sorge: “He’ll Be Back!”

DAS MÄDCHEN AUS MONACO (1:2.35, DD 5.1)
OT: La Fille de Monaco
Verleih: MFA (24 Bilder)
Land/Jahr: Frankreich 2008
Regie: Anne Fontaine
Darsteller: Fabrice Luchini, Roschdy Zem, Louise Bourgoin, Stéphane Audran, Gilles Cohen
Kinostart: 2. Juli 2009

Ein Strafverteidiger in den besten Jahren lernt bei einem Prozess in Monaco eine quirlige junge Dame kennen, die ihm den Kopf verdreht. Trotz den Warnungen seines Bodyguards, der einmal mit dem Mädchen liiert war, lässt er sich auf eine heisse Affäre ein – mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Eine nette französische Komödie, die sich beim genauen Hinsehen eigentlich als Melodram entpuppt und deren eigentliches Thema die Freundschaft zweier ungleicher Männer ist.
Mittwoch, 27. Mai 2009
Verschwörung
Ein Reporter deckt auf... Es war mal wieder Zeit für einen Verschwörungsthriller!

STATE OF PLAY – STAND DER DINGE (1:2.35, DD 5.1)
OT: State of Play
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Kevin Macdonald
Darsteller: Russell Crowe, Rachel McAdams, Robin Wright Penn, Ben Affleck, Helen Mirren
Kinostart: 18. Juni 2009

Russell Crowe als Reporter beim Washington Globe kommt einem ganz großen Ding auf die Spur: ein Sicherheitskonzern – getarnt als mehrere kleine Firmen - grabscht sich sämtliche Aufträge von der Regierung. Und damit das alles nicht an die Öffentlichkeit gelangt, schreckt der Konzern auch nicht vor Morden zurück. Die Geschichte klingt so vertraut, dass man spontan der Meinung ist, so einen Film schon einmal oder sogar mehrmals gesehen zu haben. Und damit liegt man goldrichtig. Denn Verschwörungsthriller gibt es immer wieder. Da kämpft dann ein einsamer, abgewrackter Journalist, unterstützt von einer kulleräugigen neuen Kollegin, gegen die ganz Großen, die bereits Einfluss auf die Politik nehmen. In SATE OF PLAY werden diese Klischees aus 1001 Filmen schön brav nacheinander serviert. Wo sollen denn jetzt noch Spannung oder gar Überraschungsmomente auftauchen? Dafür ist schlichtweg kein Platz mehr. Aber Moment – doch, da, am Ende, wenn die ganze Story eine 180-Grad-Wende nimmt, da ist man dann erstaunt. Und gleichzeitig enttäuscht, dass der Film sein politisches Potenzial gleich wieder verdampfen lässt. Vermutlich wollten die Filmemacher niemandem auf die Füße treten. Schade eigentlich.
Dienstag, 26. Mai 2009
Schmachten und Staunen
Tag 2 einer prall gefüllten Kinowoche fing zwar langsam an, endete aber recht furios...

WAS VON DER LIEBE BLEIBT (1:1.85, DD 5.1)
OT: The Edge of Love
Verleih: Koch Media (Neue Visionen)
Land/Jahr: Großbritannien 2008
Regie: John Maybury
Darsteller: Keira Knightley, Cillian Murphy, Sienna Miller
Kinostart: 23. Juli 2009

Während des Zweiten Weltkriegs lernt Vera in London einen Soldaten kennen, der sich unsterblich in sie verliebt. Zugleich schmachtet ihr Jugendfreund Dylan noch immer nach ihr. Der aber ist verheiratet mit Caitlin... Irrungen und Wirrungen gibt es reichlich in diesem Film, der auf eine wahre Geschichte zurückgeht. Und es scheint ganz so, als ob auch Regisseur und Drehbuchschreiber ziemlich verwirrt waren. Denn der Film ist mal übelster Schmachtfetzen, mal Antikriegsfilm. Die Balance stimmt ebenso wenig wie die Filmmusik (Angelo Badalamenti), die oft ganz und gar nicht zu passen scheint. Einziger Hoffnungsschimmer in diesem trüben Filmwasser sind die beiden Mädels Keira Knightley und Sienna Miller. Aber das genügt halt nicht, um einen angenehmen Kinoabend zu gestalten.

THE LIMITS OF CONTROL (1:1.85, DD 5.1)
OT: The Limits of Control
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Isaach De Bankolé, Alex Descas, Jean-François Stévenin
Kinostart: 28. Mai 2009

Im Wartesaal am Flugplatz erhält der geheimnisvolle Farbige einen mysteriösen Auftrag, der ihn nach Madrid führt. Ist er ein Killer? Immer wieder trifft er merkwürdige Personen, die ihm geheime Botschaften zustecken... Jim Jarmusch macht auf David Lynch! Alles kann, ja muss hier hinterfragt werden. Antworten gibt es aber keine. Vielleicht ist ja jener Satz von Tilda Swinton der Schlüssel zum Film, in dem sie dem Fremden erzählt, dass Orson Welles‘ THE LADY FROM SHANGHAI überhaupt keinen Sinn macht. Dass Jarmuschs Film trotzdem äußerst sehenswert ist, liegt an seinem Kameramann Christopher Doyle. Denn dessen Bilder sind so phantastisch, dass sie schon fast magisch wirken. Durch sie entwickelt sich eine extrem spannende Atmosphäre, wie wir das von David Lynch ja schon lange kennen.
Montag, 25. Mai 2009
Einschläfernd
Nach einer ganzen Woche Kinoabstinenz ist der neue Terminkalender jetzt wieder randvoll gepackt. Den Auftakt machte heute ein recht einschläferndes Werk...

KOMMISSAR BELLAMY (1:1.85, DD 5.1)
OT: Bellamy
Verleih: Concorde
Land/Jahr: Frankreich 2009
Regie: Claude Chabrol Darsteller: Gérard Depardieu, Clovis Cornillac, Jacques Gamblin
Kinostart: 9. Juli 2009

Obwohl Kommissar Bellamy mit seiner Frau zusammen einen beschaulichen Urlaub in einem französischen Städtchen begeht, kann er das Ermitteln nicht lassen. Ein vermeintlicher Versicherungsbetrug hat es ihm angetan. Und jetzt meldet sich sogar noch der Betrüger bei ihm... Prominent besetzter Krimi, der sich mit Georges Simenons “Maigret” messen möchte, dies aber nicht schafft. Von einem Chabrol erwartet man einfach mehr. Was bleibt – sofern man diese beim Anschauen nicht verschläft - sind die guten Schauspielerleistungen.
Freitag, 15. Mai 2009
Kill the Bitch 2.0
Nach dem Ende des zweiten Films heute machte ein geflügeltes Wort die Runde: “Thank God, It’s Friday!”

OBSESSED (1:2.35, DD 5.1)
OT: Obsessed
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Steve Shill
Darsteller: Beyoncé Knowles, Idris Elba, Scout Taylor-Compton
Kinostart: 11. Juni 2009

Im Fahrwasser von Filmen wie EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE schwimmend kommt uns die äußerst seichte Geschichte von der geheimnisvollen weißen Blonden, die sich ihren farbigen Chef angeln möchte. Der aber ist absolut nicht interessiert, da er glücklich verheiratet ist und mit seiner jungen Familie gerade erst sein Traumhäuschen bezogen hat. Da greift die Stalkerin zu extremeren Mitteln. Doch bis es soweit ist, dürfte das Publikum bereits im Tiefschlaf liegen. Regisseur Steve Shill sollte dringend einen Crash-Kurs in Sachen Spannung belegen. Denn was hier über die Leinwand blubbert wird nicht einmal Film-Greenhorns zufriedenstellen. Da wartet man ungeduldig auf den finalen Showdown zwischen den beiden Ladys und wird dann trotzdem noch enttäuscht. Mit Parolen wie “Kill the Bitch!” wird das verzweifelte Publikum vermutlich Frau Knowles anfeuern, damit dann endlich Schluss ist und man nach Hause gehen kann.

SHOPPING-CENTER KING – HIER GILT MEIN GESETZ (1:2.35, DD 5.1)
OT: Observe and Report
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Jody Hill
Darsteller: Seth Rogen, Anna Faris, Ray Liotta
Kinostart: 18. Juni 2009

Ronnie ist Oberaufseher in einem typisch amerikanischen Einkaufszentrum und liebt seinen Job. Als ein Flasher die Kunden und Angestellten in Panik versetzt und es Ronnie nicht gelingt, diesen zu stellen, wird Detective Harrison eingeschaltet. Ronnie wittert Konkurrenz und versucht alles mögliche, um den Bullen loszuwerden. Was anfangs noch relativ lustig anmutet, das wird zum Ende hin immer unlustiger und sogar blutiger. Als schwarzen Humor kann man das schon nicht mehr akzeptieren, denn dafür sind die Brutalitäten einfach zu real. Der Höhepunkt des Films: er ist bereits nach 89 Minuten zuende!
Mittwoch, 13. Mai 2009
Es darf gelacht werden
Ob auf dem norddeutschen Flachland oder im Smithsonian Museum – einen Grund zum lachen gibt es glücklicherweise immer.

DIE SCHIMMELREITER (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Aries Images
Land/Jahr: Deutschland 2008
Regie: Lars Jessen
Darsteller: Peter Jordan, Axel Prahl, Katharina Wackernagel
Kinostart: 21. Mai 2009

Fuchs möchte unbedingt eine Stelle als Lebensmittelkontrolleur in Hamburg haben. Damit er seinem Ziel näher kommt, nimmt er den gestrandeten Bruder seines Chefs bei sich auf. Doch die beiden Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein. Fuchs ist eine Frohnatur und sehr gründlich und fair dazu. Tilmann jedoch ist der Inbegriff des Spaßverderbers und dazu noch ein unerbittlicher Geldsammler. Während der gemeinsamen Kontrolltour durch Dithmarschen erleben die zwei lustige und weniger lustige Geschichten. Am Ende ihrer Reise wird ihnen klar, dass sie sich gegenseitig brauchen. Ohne die tiefschürfende psychologische Aussage des Films hätte mir das Werk weitaus besser gefallen. Hätten die Filmemacher die schönen Geschichten noch weiter ausgebaut und die komödiantischen Teile intensiviert, wäre das ein gelungenes Roadmovie geworden. So ist es das eben nur ansatzweise.

NACHTS IM MUSEUM 2 (1:2.35, DD 5.1)
OT: Night at the Museum 2
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Shawn Levy
Darsteller: Amy Adams, Owen Wilson, Ben Stiller
Kinostart: 21. Mai 2009

Wieder begibt sich Ben Stiller in die Untiefen eines Museums, das zum Leben erwacht. Dieses Mal ist es das Smithsonian in Washington, in das seine vielen Freunde aus dem ersten Teil des Films verlagert wurden und sich mit einem bösen und lispelnden Pharaoh herumschlagen müssen. Der aktiviert nicht nur Iwan den Schrecklichen, sondern auch Napoleon und Al Capone (in herrlichem Schwarz-Weiß!), um die Weltherrschaft zu erlangen... Ein Film für die ganze Familie! Der zweite Teil gefiel mir sehr viel besser wie sein Vorgänger. Es gibt unheimlich viele In-Jokes und die visuellen Effekte übertreffen sich selbst. Perfekte Unterhaltung, bei der die große Tüte Popcorn sicher angelegt ist.
Dienstag, 12. Mai 2009
Es kracht im Gebälk
Eine typisch amerikanische Geisterhaus-Geschichte stand auf der Tagesordnung.

DAS HAUS DER DÄMONEN (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Haunting in Connecticut
Verleih: Falcom
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Peter Cornwell
Darsteller: Virginia Madsen, Elias Koteas, Kyle Gallner, Martin Donovan, Amanda Crew
Kinostart: 2. Juli 2009

Die Krebskrankheit des ältesten Sohnes zwingt eine Familie zum Umzug nach Connecticut, wo sich eine Spezialklinik befindet. Man mietet sich in ein leerstehendes Haus ein. Dieses jedoch birgt offensichtlich ein düsteres Geheimnis. Alsbald wird der Krebspatient von unheimlichen Visionen heimgesucht... Der angeblich nach einer wahren Begebenheit entstandene Horrorfilm bedient sich mit großer Vorliebe an Klassikern wie THE AMITYVILLE HORROR oder THE SHINING. Dabei ist er eigentlich nur dann gut, wenn er spannende Atmosphäre schafft und die 5.1-Tonspur effektvoll bemüht. Das aber geschieht viel zu selten. Denn meist verliert sich der Spuk in gigantischem POLTERGEIST-Gebaren, das einem den Schrecken gehörig austreibt. Dazu noch eine verfehlte Filmschnitt-Dramaturgie, die sich bestens darauf versteht, spannenden Szenen mit vollkommen unwichtigen Zwischenschnitten das Tempo zu nehmen und somit den Zuschauer mehr zu langweilen als zu erschrecken. Netter Versuch...
Freitag, 08. Mai 2009
Schnitzeljagd auf Katholisch
Zum Wochenausklang gab es eine Portion Mainstream...

ILLUMINATI (1:2.35, DD 5.1)
OT: Angels & Demons
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Ron Howard
Darsteller: Tom Hanks, Ewan McGregor, Stellan Skarsgård
Kinostart: 13. Mai 2009

Nach SAKRILEG wurde mit ILLUMINATI ein weiterer Bestseller von Dan Brown verfilmt. Wieder muss Tom Hanks alias Robert Langdon bei der Jagd auf böse Buben aushelfen. Dieses Mal holt ihn der Vatikan höchstpersönlich. Vier Kardinäle sind in die Hände der Geheimorganisation “Illuminati” geraten. Stündlich soll einer exekutiert werden. Als krönender Abschluss wartet dann noch eine Bombe in Form von Antimaterie darauf, den ganzen Vatikanstaat zu eliminieren. Es muss rasch gehandelt werden... Und hier haben wir auch schon den Knackpunkt: denn “rasch” handeln unsere Protagonisten nicht wirklich. Was sicherlich im Roman noch gut funktioniert, das gerät im Film außer Kontrolle. Die selbst auferlegte Zeitgrenze wird vom Drehbuch an vielen Stellen einfach überschritten. Den anspruchslosen Kinogänger wird das freilich nicht weiter stören. Denn dafür ist die Inszenierung einfach zu spannend, um sich derartige Gedanken zu machen. Und wenn man gerade meint, dass alles vorüber sei, nimmt die Handlung noch eine neue Wendung. Das allerdings hätte es wirklich nicht mehr gebraucht, ist aber vermutlich die Vorgabe des Romans. Was soll’s – wer die INDIANA JONES Logik gewohnt ist, den wird ILLUMINATI recht gut zufriedenstellen. Doch im Gegensatz zu INDY wird von ILLUMINATI nicht viel hängen bleiben. Bis auf die Musik von Hans Zimmer vielleicht, die ausnahmsweise einmal gut funktioniert.
Donnerstag, 07. Mai 2009
Jungfrauenblut und Adlerauge
Die Sonne strahlt mit voller Kraft – gut, dass es dunkle, kühle Kinos gibt...

DIE GRÄFIN (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Countess
Verleih: X Verleih (Warner)
Land/Jahr: Frankreich/Deutschland 2009
Regie: Julie Delpy
Darsteller: Julie Delpy, Daniel Brühl, William Hurt
Kinostart: 25. Juni 2009

Mitte des 15. Jahrhunderts war Gräfin Erzebet Bathory die mächtigste Frau in Ungarn. Skrupellos und gefühlskalt verwaltet sie nach dem Tod ihres Gatten ihr Reich. Da lernt sie den fast 20 Jahre jüngeren Istvan kennen und verliebt sich unsterblich in ihn. Doch dessen Vater hat andere Pläne für seinen Sohn und treibt die Liebenden auseinander. In ihrer Verzweiflung schiebt sie das Unglück auf ihr Alter und verfällt dem Wahn, dass das Blut von Jungfrauen sie wieder verjüngt. Ein Blutbad beginnt... Was wie eine Jane Austen Verfilmung beginnt, wird mehr und mehr zu einer Splatterangelegenheit. Denn mit Brutalitäten geht der Film nicht gerade zimperlich um. Julie Delpy überzeugt in der Rolle der grausamen Gräfin. Auch für das Drehbuch, die Regie und sogar die ansprechende Filmmusik zeichnet die Französin verantwortlich. Leider ist die Dramaturgie im Film nicht ganz stimmig, insbesondere der radikale Wechsel der Geschichte stört etwas. Und Mime William Hurt in der Rolle des Vaters ist weit unter seinem Potenzial besetzt.

DIE STIMME DES ADLERS (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Movienet
Land/Jahr: Schweden/Deutschland 2009
Regie: René Bo Hansen
Darsteller: Bazarbai Matei, Mardan Matei, Asilbek Badelkhan, Serikbai Khulan,
Kinostart: 18. Juni 2009

Ein schön erzählter Jugendfilm mit grandiosen Landschaftsbilder der Mongolei. Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Jungen, der vergeblich hofft, in die Stadt gehen zu dürfen um zu lernen. Sein Vater jedoch lässt seinen älteren Sohn in die Stadt gehen und Barzabai soll die Schafe hüten und sich mit dem Adler anfreunden, den sein Vater seit zehn Jahren besitzt. Barzabai beschließt schließlich, seinen Bruder zu suchen. Sein Wegbegleiter ist der Adler. Ein gefährliches Abenteuer beginnt... Sehr schade fand ich, dass der Film nicht in CinemaScope aufgenommen wurde. Denn die tollen Bilder schreien geradezu nach diesem Format.
Mittwoch, 06. Mai 2009
Schwanger hinter Gittern und Picknick neben der Autobahn
Heute gab es zum Frühstück zwei interessante Filme, die aber beide nicht leicht zu verdauen waren.

LÖWENKÄFIG (1:2.35, DD 5.1)
OT: Leonera
Verleih: MFA (24 Bilder)
Land/Jahr: Argentinien 2008
Regie: Pablo Trapero
Darsteller: Elli Medeiros, Martina Gusman
Kinostart: 4. Juni 2009

Eines Mordes für schuldig befunden kommt die schwangere Julia ins Gefängnis. In einem Spezialtrakt des Gefängnisses, das speziell für straffällige Mütter mit Kleinkindern eingerichtet wurde, gebärt sie ihren kleinen Sohn, der fortan bei ihr im Gefängnis aufwächst und ihr damit eine Perspektive gibt. Doch ihre eigene Mutter sorgt dafür, dass ihr der kleine Tomas genommen wird. Doch Julia kämpft... Vorzüglich fotografiertes und gespieltes Drama, das mich irgendwie an JULIA mit Tilda Swinton erinnerte, obgleich die Story dort ganz anders war. In beiden Filmen aber geht es um eine Frau, die sich für ein schutzbedürftiges Kind einsetzt. Sehenswert.

HOME (1:1.85, DD 5.1)
OT: Home
Verleih: Arsenal (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Schweiz/ Frankreich/ Belgien 2008
Regie: Ursula Meier
Darsteller: Isabelle Huppert, Olivier Gourmet, Adelaide Leroux, Madeleine Budd
Kinostart: 25. Juni 2009

Da lebt eine fünfköpfige Familie nun schon viele Jahre in einem Haus mitten im Nichts direkt neben einer stillgelegten Autobahn. Doch eines Tages wird diese über Nacht wieder für den Verkehr freigegeben. Der Lärm nimmt stetig zu und bringt die einzelnen Familienmitglieder fast um den Verstand: sie droht zu zerbrechen. Ein ziemlich surreal anmutender Film, dessen skurrile Momente ganz schleichend in totale Depression übergehen. Grotesk, aber wirkungsvoll.
Dienstag, 05. Mai 2009
Wahre Geschichten
Geschichte Nummer 1 heute könnte wirklich wahr sein, Geschichte Nummer 2 ist es tatsächlich.

ALLE ANDEREN (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Prokino (Fox)
Land/Jahr: Deutschland 2008
Regie: Maren Ade
Darsteller: Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner
Kinostart: 18. Juni 2009

Bestandsaufnahme einer Beziehung im Ausnahmezustand: ein junges Paar verbringt seinen Urlaub auf Sardinien. Die Unverheirateten werden auf eine harte Probe gestellt, als sie auf ein anderes Paar treffen und ihre eigene Beziehung dadurch in Frage gestellt wird. Extrem gut beobachteter, unspektakulärer Film, der genügend Identifikationspotenzial für das Publikum bietet. Unser Pressepublikum hat er zumindest polarisiert. Welchem Film gelingt das schon? Vielleicht lag’s einfach nur an der Authentizität der Geschichte und ihrer Figuren. Denn wer lässt sich schon gerne einen Spiegel vorhalten.

FLASH OF GENIUS (1:2.35, DD 5.1)
OT: Flash of Genius
Verleih: Kinowelt
Regie: Marc Abraham
Darsteller: Lauren Graham, Greg Kinnear, Dermot Mulroney, Daniel Roebuck, Bill Smitrovich, Alan Alda
Kinostart: 25. Juni 2009

Ein Tüftler aus Detroit erfindet in den sechziger Jahren den Intervallscheibenwischer und will seine Idee an die Ford Motor Company verkaufen. Als die ihn über den Tisch zieht und seine Erfindung klaut, will er vor Gericht ziehen. Doch der Weg dorthin ist alles andere als einfach... Die auf Tatsachen beruhende Story ist vom Kaliber “Du kannst es schaffen!”. Greg Kinnear spielt den beharrlichen Einzelkämpfer souverän und erinnert zeitweilig an William H. Macy. Ein außergewöhnlich schönes Produktionsdesign und die für CinemaScope-Leinwände komponierten Bilder machen den Film sehenswert.
Montag, 04. Mai 2009
Zeitverschwendung
Der heutige Film machte uns allen klar: es kann nur noch besser werden!

SCHATTENWELT (1:1.85, Dolby SR)
Verleih: Salzgeber
Land/Jahr: Deutschland 2008
Regie: Connie Walther
Darsteller: Franziska Petri, Ulrich Noethen, Tatja Seibt
Kinostart: 25. Juni 2009

Nach 22 Jahren wird ein RAF-Terrorist aus der Haft entlassen und zieht ausgerechnet neben die junge Frau, deren Vater er ermordet hat... Wem diese Konstellation an den Haaren herbeigezogen scheint, der sollte sich den Fortgang der Geschichte anschauen. Denn die Drehbuchartisten warten mit weiteren völlig absurden Inhalten auf. Will heissen: Hände weg von diesem in kaltes Licht und fahle Farben getauchten Filmchen.

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