Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Mittwoch, 30. Juni 2010
Vier neue Erdenbürger
Wer niedliche kleine Babys mag, der war bei der heutigen Dokumentation goldrichtig aufgehoben.

BABYS (1:1.85, DD 5.1)
OT: Bébés
Verleih: Kinowelt
Land/Jahr: Frankreich 2009
Regie: Thomas Balmes
Kinostart: 19.08.2010

Vier Kontinente, vier Babys, ein Jahr. Thomas Balmes beobachtet Neugeborene in Namibia, in der Mongolei, in Japan und in den USA von der Stunde ihrer Geburt bis hin zu ihren ersten Gehversuchen. Sein Film kommt vollkommen ohne Kommentar aus, das seine Bilder für sich selbst sprechen und sich die kleinen Protagonisten sowieso nur mit universellen Lauten verständigen. Dabei ist ihre Herkunft so verschieden wie sie nur sein kann. Da lässt der Filmschnitt u.a. die karge, heisse Welt einer namibischen Siedlung fernab der Zivilisation auf den hochtechnisierten Kreissaal eines Krankenhauses in San Francisco prallen! Oder vergleicht die Einsamkeit der mongolischen Steppe mit dem überbevölkerten Tokio. Wer Babys mag, dem werden die Bilder gefallen, die Balmes eingefangen hat und die darüber hinaus auch zum Nachdenken anregen. Zusammengehalten wird der kontinentübergreifende Film von der eingänglichen, lyrischen Musik von Bruno Coulais.
Dienstag, 29. Juni 2010
Spannungsgeladen
Dass deutsche Filmemacher nicht nur TATORT-Krimis machen können, bewies die heutige Pressevorführung.

DAS LETZTE SCHWEIGEN (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: NFP (Warner)
Land/Jahr: Deutschland 2009
Regie: Baran bo Odar
Darsteller: Sebastian Blomberg, Wotan Wilke Möhring, Katrin Saß
Kinostart: 19.08.2010

Im Sommer des Jahres 1986 vergewaltigen und ermorden die beiden Freunde Peer und Timo die 11jährige Pia. Nach der Tat verschwindet Timo. Die beiden werden nie gefasst. 23 Jahre später passiert das Unfassbare: wieder verschwindet ein 11jähriges Mädchen an genau derselben Stelle. Fassungslos rollt die Polizei den Fall wieder auf. Alle Beteiligten müssen sich ihrer Vergangenheit stellen... Baran bo Odars Verfilmung eines Romans von Jan Costin Wagner fesselt von der ersten Minute an. Das ist der exzellenten Bild- und Tongestaltung zu verdanken, die diesem Thriller seine einzigartige Aura verleiht. Detailaufnahmen, dann wieder Totale, dann plötzlich ein Blick von oben – Kameramann Nikolaus Summerer gelingen faszinierende CinemaScope-Bilder, die durch ein ausgezeichnetes 5.1 Sounddesign inklusive suggestiver Filmmusik veredelt werden. Doch nicht nur technisch ist diese Genre-Produktion deutscher Herkunft erlesen – auch das Darsteller-Ensemble ist stimmig. Wenn man Kritik üben möchte, dann bietet hierfür das Drehbuch an der einen oder anderen Stelle eine entsprechende Angriffsfläche. Anhand mancher Reaktionen der handelnden Personen könnte man fast meinen, Herbert Reinecker hätte am Skript mitgearbeitet. Dem ist aber nicht so und so darf vermutet werden, dass es in der Romanvorlage bereits so vorgesehen war oder dass sich die Filmemacher zu sehr mit TV-Serien wie DER KOMMISSAR oder DERRICK beschäftigt haben. Dem Spannungsaufbau dieses ungewöhnlichen Thrillers jedoch tut das keinen Abbruch. Der Kinobesuch lohnt.
Donnerstag, 24. Juni 2010
Es darf gelacht werden
Die letzten beiden Pressevorführungen in dieser Woche waren darauf angelegt, meine Lachmuskeln in Bewegung zu halten.

DER KLEINE NICK (1:1.85, DD 5.1)
OT: Le Petit Nicolas
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: Frankreich 2009
Regie: Laurent Tirard
Darsteller: Kad Merad, Fabrice Luchini, Valérie Lemercier
Kinostart: 26.08.2010

Grundschüler Nick lauert große Gefahr, als er fälschlicherweise annimmt, dass seine Eltern weiteren Nachwuchs bekommen. Ein Brüderchen? Dann wäre er vollends abgeschrieben! Also beschließt der Pennäler zusammen mit seiner Bande, das Brüderchen verschwinden zu lassen sobald es auf die Welt kommt... Das berühmte Buch von Rene Goscinny und Jean-Jacques Sempe über eine Gruppe von Schülern in den sechziger Jahren war die Basis für diesen herzerwärmenden und überaus lustigen Film, bei dem – es darf gestaunt werden – ich köstlich lachen durfte. Alles in diesem Film ist sehr liebevoll gemacht – vom Titelvorspann bis hin zur Auswahl der kleinen Schauspieler. Und sogar Monsieur Mathieu darf kurz hineinblinzeln. Den Zuschauern serviert Laurent Tirard jede Menge Identifikationsfiguren, denn wir alle waren einmal in Nicks Alter und können sicherlich dessen kleine Sorgen problemlos nachvollziehen. Die Musik zum Film stammt von keinem Geringeren als von Klaus Badelt, der mit seinem Score seine unglaubliche Vielseitigkeit beweist. Mein Tipp: unbedingt anschauen!

TOY STORY 3 (1:1.85, 2k Digital, 3D, PCM 7.1) OT: Toy Story 3
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Lee Unkrich
Kinostart: 29.07.2010

Woody, Buzz und die gesamte Clique lustiger Spielzeuge sind in hellem Aufruhr. Andy, ihr Besitzer, will aufs College gehen. Für die Spielsachen bedeutet das: ab in die Kiste! Dumm nur, dass Woody vom Rest der Gruppe getrennt wird. Als seine kleinen Freunde in einer Kindertagesstätte landen, in der kleine wilde Kinder ganz böse Dinge mit ihnen anstellen, eilt Sheriff Woody zu Hilfe. Doch so einfach ist das nicht, denn ein großer Teddybär führt dort ein strenges Regiment... Auch wenn viele der Ideen bereits hinlänglich aus den ersten beiden TOY STORY Teilen bekannt sind, warten die Drehbuchautoren auch dieses Mal immer wieder mit netten kleinen Überraschungen auf, wie z.B. Ken, der seine Traumfrau Barbie trifft und ihr sein Klamottenfetisch gesteht. So etwas ist einfach köstlich! Daneben gibt es natürlich jede Menge Action, die besonders das junge Publikum ansprechen dürfte. Leider wirkt der Film zum Ende hin etwas zu lang. Präsentiert wird das gesamte Paket in 3D, obgleich der Film auch bestens in flacher Ausführung funktioniert. TOY STORY 3 ist darüber hinaus der erste Kinofilm, der zumindest in der englischen Originalfassung in entsprechend ausgestatteten Kinos im neuen Tonformat “Dolby Surround 7.1” zu hören sein wird. Wer Woody und Buzz in sein Herz geschlossen hat, dem wird auch der dritte Teil gefallen.
Mittwoch, 23. Juni 2010
Tabu und Fantasy
Heute hat einmal mehr das Arthaus-Angebot mehr überzeugt als der Franzose aus der Digital Factory...

DU SOLLST NICHT LIEBEN (1:1.85, DD 5.1)
OT: Einaym Pkuhot / Eyes Wide Open
Verleih: Salzgeber
Land/Jahr: Israel, Frankreich, Deutschland 2009
Regie: Haim Tabakman
Darsteller: Zohar Shtrauss, Ran Danker, Tinkerbell
Kinostart: 20.05.2010

Aaron, angesehener Fleischer einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in Jerusalem, stellt einen jungen Studenten als Aushilfe ein. Schon bald beginnt der Ehemann und Vater von Kindern eine Liebesaffäre mit dem jungen Mann. Da schalten sich seine Glaubensbrüder ein... Haim Tabakman nimmt sich eines sehr heiklen Themas an: Homosexualität in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde. Sein Film zeigt, wie die beiden Protagonisten in einem streng gläubigen Umfeld, welches auf Unterdrückung aller Lüste ausgelegt ist, mit ihrer Veranlagung umgehen. Kein schöner, sondern vielmehr sehr depressiver Film in fahlem Licht. Ein Film, der vielleicht besser im Fernsehen aufgehoben ist als auf der großen Kinoleinwand.

ADELE UND DAS GEHEIMNIS DES PHARAOS (1:2.35, DD 5.1)
OT: Les Aventures extraordinaires d'Adèle Blanc-Sec
Verleih: Universum (Walt Disney)
Land/Jahr: Frankreich 2010
Regie: Luc Besson
Darsteller: Louise Bourgoin, Gilles Lellouche, Jean-Paul Rouve
Kinostart: 30.09.2010

Um das Leben ihrer Schwester zu retten, geht die waghalsige Abenteurerin Adele Blanc-Sec nach Ägypten, um dort die Mumie des vermeintlichen Arztes des Pharaoh Ramsis zu holen. Jene Mumie soll mithilfe eines Professors wiederbelebt werden, damit sie Adeles Schwester kurieren kann. Doch das Professorchen hat in seiner Experimentierphase inzwischen einen Riesenflugsaurier reanimiert, der fortan im Paris des beginnenden 19. Jahrhunderts sein Unwesen treibt... Luc Besson, Regisseur berühmter Filme wie SUBWAY, LEON DER PROFI oder IM RAUSCH DER TIEFE, wagte sich dieses Mal an die Verfilmung einer Comicvorlage – und scheitert kläglich. Jedem anderen Regisseur hätte man dieses irrwitzige, zeitweise an den Stil eines Jean-Pierre Jeunet erinnernde Werk sicherlich verziehen, doch bei einem Mann wie Besson muss man dieses Unterfangen ganz einfach als den Tiefpunkt seiner Karriere betrachten. Seine überbordende Komödie tut sich sichtlich schwer, das Publikum zum Lachen zu bewegen, denn schrille Charaktere und ungewöhnliche Kameraperspektiven alleine sind dafür nicht ausreichend. Bitte noch einen Versuch, Monsieur Besson!
Dienstag, 22. Juni 2010
Wir dürfen nichts voneinander wissen
Heute gab es zwei Arthaus-Filme, die zudem noch eine gewisse Schnittmenge aufwiesen...

LONDON NIGHTS (1:1.85, DD 5.1)
OT: Unmade Beds
Verleih: Kool (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Großbritannien 2009
Regie: Alexis Dos Santos
Darsteller: Fernando Tielve, Déborah François, Michiel Huisman
Kinostart: 19.08.2010

Eine große Wohnung im angesagten Londoner East End ist die Anlaufstelle für zwei gestrandete Seelen. Da ist der 20jährige Axl aus Spanien, der auf der Suche nach seinem Vater ist. Und da ist Vera, eine hübsche Belgierin, die ihre große Liebe vergessen möchte. Als Vera einen netten Mann kennenlernt, stellt sie eine Bedingung: keiner darf wissen , wer der andere ist. Doch Vera hat die Rechnung ohne ihr Herz gemacht. Und Axl steht plötzlich seinem leiblichen Vater gegenüber... Wer die Musikszene des Londoner Ostens mag, dem dürften zumindest die hippen Locations und die Livemusik gefallen, die Alexis Dos Santos für seinen Film ausgewählt hat. Doch das reicht nicht aus für einen Film, der seine Zuschauer halten möchte. Denn das Drehbuch gibt leider nicht viel her und so tingelt sich der Film zwischen vielen Belanglosigkeiten. Erst gegen Ende keimt dann doch noch etwas Gefühl auf und erinnerte zumindest mich an den großartigen ONCE.

EINE KARTE DER KLÄNGE VON TOKIO (1:1.85, DD 5.1)
OT: Mapa de los Sonidos de Tokyo
Verleih: Alamode (24 Bilder)
Land/Jahr: Spanien 2009
Regie: Isabel Coixet
Darsteller: Rinko Kikuchi, Sergi Lopez, Min Tanaka
Kinostart: 05.08.2010

Die junge Ryu arbeitet auf dem Tokioter Fischmarkt, wo sie Fische zerlegt und in Kisten packt. Niemand ahnt, dass sie nebenberuflich als Killerin arbeitet. Als sie sich in ihr neues Opfer verliebt, läuft alles aus dem Ruder... Der mit einem sehr unzutreffenden Titel ausgestattete und in Rückblenden erzählte Film will einfach kein Ende finden und gibt sich damit als echt japanisch (es handelt sich um einen spanischen Film!). Mit seinen 109 Minuten Spielzeit fordert er seine Zuschauer wirklich heraus, denn er fühlt sich mehr wie zweieinhalb Stunden an! Positiv sind die hervorragenden Aufnahmen speziell des nächtlichen Tokio, die natürlich nicht eines solchen Film bedürfen, um gezeigt zu werden. Interessant festzustellen war die Tatsache, dass auch in diesem Film die Liebesbeziehung zwischen der Killerin und ihrem vermeintlichen Opfer (ein Spanier) auf das rein Sexuelle beschränkt war und die beiden gar nichts voneinander wussten. Das erinnerte mich an den ersten Film am heutigen Tage, in welchem der Regisseur übrigens in den End Credits der Regisseurin des zweiten Films dankt. Zufall? Ein Satz in Isabel Coixets Film hat mir dennoch imponiert, den sie die Killerin sprechen lässt: “Wieso trauen Sie einem Mann, der den ganzen Tag im Kino sitzt?”
Freitag, 18. Juni 2010
Kung Fu ist das neue Karate
Das Remake eines meiner achtziger Jahre Kultfilms buhlte heute um meine Gunst. Ob ich sie ihm wohl gegeben habe?

KARATE KID (1:2.35, DD 5.1)
OT: Karate Kid
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Harald Zwart
Darsteller: Jaden Smith, Jackie Chan, Taraji P. Henson
Kinostart: 22.07.2010

Der 12jährige Dre muss zusammen mit seiner Mutter von Detroit nach Peking umziehen. Kaum dort angekommen bandelt er mit einer chinesischen Mitschülerin an und bekommt dadurch gleich Ärger mit deren Freund, einem brutalen Kung-Fu Sportler. Von diesem und seiner brutalen Gang gedemütigt wendet sich Dre an den Hausmeister Mr. Han mit der Bitte, ihm Kung Fu beizubringen. Das Ganze endet damit, dass Mr. Han den kleinen Dre zu einem großen Kung Fu Wettbewerb anmeldet, bei dem er gegen die ganze Gang antreten soll. Wenn Kung Fu das neue Karate ist, dann hält sich Regisseur Harald Zwart äußerst genau an den Kultfilm aus den achtziger Jahren, mit dem Ralph Macchio und Pat Morita ihren großen Durchbruch hatten. Jackie Chan schlüpft bravourös in die Rolle des großen Vorbildes, der schon bald für Dre eine Vaterfigur darstellt. Jaden Smith, Sprössling von Will Smith (der den Film mitproduzierte), stellt auch sein ganzes Können unter Beweis. Nicht nur, dass er souverän schauspielern kann, sondern darüber hinaus auch in der Kung Fu Disziplin hochbegabt zu sein scheint. Zusammen bilden die beiden ein gutes Team, das den Film trägt. Wenn man das Original so gut kennt wie ich, dann wird man vermutlich insgesamt natürlich etwas enttäuscht sein. Beispielsweise wenn sich der Tod von Mr. Hans Sohn und Frau als ein simpler Autounfall entpuppt und nicht als jenes tragische Unglück mit politischer Note, das Pat Morita alias Mr. Miyagi widerfahren ist. Im neuen Film wie auch im alten Film pflegt der wortkarge Hausmeister ein altes Auto, dessen Bedeutung im neuen Film eine ganz andere ist als im Urfilm. Und wenn James Horner mit seinem Score dem Kung Fu eine fast schon sakrale Dimension verleiht, so geht das wesentlich weiter als das, was Bill Conti mit seiner mystisch-sensiblen Musik im Original der achtziger Jahre tat. Fazit: ein für Zuschauer mit wenig Vorkenntnissen sehr passables Stück Film. Warum der Filmverleih allerdings so beharrlich am Titel festhält bleibt rätselhaft – es geht um Kung Fu und nicht Karate!
Donnerstag, 17. Juni 2010
Behinderte sind auch nur Menschen
Eine Dramödie ganz besonderer Prägung schlug mich heute in ihren Bann.

ME TOO – WER WILL SCHON NORMAL SEIN? (1:1.85, DD 5.1)
OT: Yo Tambien
Verleih: Movienet
Land/Jahr: Spanien 2009
Regie: Antonio Naharro, Álvaro Pastor
Darsteller: Pablo Pineda, Lola Dueñas, Joaquín Perles, Teresa Arbolí
Kinostart: 05.08.2010

Sein Studium als psychologischer Pädagoge hat er mit Auszeichnung bestanden. Doch Daniel ist nicht nur hochintelligent, sondern er leider auch am Down-Syndrom. Als er seine Arbeitsstelle bei einer staatlichen Behörde für Behinderte antritt, lernt er die attraktive und rebellische Laura kennen. Hals über Kopf verliebt sich der 34jährige in seine Kollegin. Und damit beginnen die Probleme – für beide. Das Langfilmdebut der beiden Spanier Antonio Naharro und Álvaro Pastor ist ein sehr mutiger Film. Denn er versucht Menschen mit Behinderung als ganz normale Menschen zu zeigen. Also Menschen, die sich wie normale Menschen auch nach Zuneigung und Zärtlichkeit sehnen. Doch sie stoßen in der “normalen” Gesellschaft nach wie vor auf Ablehnung. Auch die junge Laura hat damit zu kämpfen. Dass sowohl ihre Rolle als auch die Rolle des David authentisch wirken, ist den beiden großartigen Darstellern zu verdanken: Pablo Pineda (im wahren Leben tatsächlich der erste Europäer, der trotz Down-Syndrom einen Hochschulabschluss erworben hat) und Lola Dueñas. Ein sehr gefühlvoller, aber auch witziger Film, den anzuschauen sich lohnt.
Dienstag, 15. Juni 2010
Ganz oder gar nicht zu Wasser
Der Dienstag hatte leider nichts Überdurchschnittliches für mich in seinem Filmkoffer...

MÄNNER IM WASSER (1:2.35, DD 5.1)
OT: Allt Flyter
Verleih: Pandora
Land/Jahr: Deutschland, Schweden 2009
Regie: Måns Herngren
Darsteller: Jonas Inde, Dietrich Hollinderbäumer, Jan Henrik Stahlberg

Frederik, geschieden und arbeitslos, muss nicht nur ab sofort auf seine Teenager-Tochter aufpassen, sondern auch noch ein neues Betätigungsfeld für seine Hockeymannschaft suchen. Denn die wurde kurzerhand aus ihrem Trainingslager geworfen, damit die Frauen- und Behindertenquote erfüllt werden kann. Da konfrontiert er seine Kumpels mit einer Schnapsidee: Synchronschwimmen! Nicht nur das – er will mit seiner Mannschaft bei der Synchronschwimm-WM in Berlin antreten... Måns Herngrens Film mutet an wie eine Art GANZ ODER GAR NICHT zu Wasser. Die Parallelen zu jener köstlichen britischen Komödie sind unübersehbar. Ebenfalls nicht zu übersehen ist die Tatsache, dass es Herngrens Film am richtigen Schwung fehlt und er sich somit ständig mit THE FULL MONTY vergleichen lassen muss. Was seinen Film jedoch sympathisch macht, sind die Schauspieler, die ihre Figuren mit beeindruckender Natürlichkeit spielen. Fazit: insgesamt etwas schwerfällig mit zu wenig Humor.

MARMADUKE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Marmaduke
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Tom Dey
Darsteller: Judy Greer, William H. Macy, Lee Pace
Kinostart: 15.07.2010

Marmaduke, eine übergroße männliche Dänische Dogge, genießt sein Leben bei den Winslows. Als Papa Winslow jedoch beruflich bedingt mit Sack und Pack nach Kalifornien umziehen muss, kommen große Veränderungen auf Maramduke zu. Bei en dortigen Hunden muss er sich erst einmal seinen Platz erkämpfen und wirft gleich mal beide Augen auf eine scharfe Rassehündin. Und schon ist der Ärger vorprogrammiert... Wie oft gibt uns Hollywood eigentlich noch sprechende Hunde? Fast scheint’s, als ob Pinguine ausgedient hätten, denn unser großer Marmaduke darf sogar surfen und tanzen! Und ist es nicht ein grandioser Zufall, dass Kater Carlos mit genau demselben Latino-Akzent spricht wie der gestiefelte Kater aus SHREK? Tom Dey verarbeitet in seinem nur mäßig witzigen Film gängige Hollywood-Tier-Klischees, um nicht Gefahr zu laufen, mit frischen Ideen eine Bruchlandung hinzulegen. Die Interaktion zwischen den sprechenden (für Menschen nicht hörbaren) Tieren und den Menschen ist – wie könnte es in einem modernen Hollywood-Produkt auch anders ein – einfach perfekt und man fragt sich, wo die Trickaufnahme anfängt und wo sie wieder aufhört. Letztendlich ist MARMADUKE allenfalls ein Film für Hundeliebhaber oder Fans der Comic-Serie, auf der der Film beruht.
Montag, 14. Juni 2010
Sterbenslangweilig
Der frühe Vogel fängt den Wurm...doch mein Wurm hat mir heute nicht geschmeckt.

KISS & KILL (1:2.35, DD 5.1)
OT: Killers
Verleih: Kinowelt
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Robert Luketic
Darsteller: Ashton Kutcher, Katherine Heigl, Tom Selleck
Kinostart: 05.08.2010

Beim gemeinsamen Urlaub in Nizza zusammen mit ihren peinlichen Eltern lernt die junge Jan ihren Traummann kennen. Drei Jahre später sind Jan und Spencer glücklich verheiratet. Doch Jan hat keine Ahnung davon, dass ihr Mann früher als skrupelloser Killer beim Geheimdienst tätig war. Das führt zu vielen Komplikationen, als Spencer von seiner eigenen Vergangenheit heimgesucht wird... Eine nur mäßig witzige Action-Komödie, die Elemente aus MR. & MRS. SMITH dazu verwendet, um das Publikum zu langweilen. Ashton Kutcher in der Rolle des Ex-Spions erweist sich als komplette Fehlbesetzung. Oder würden Sie diesem Babyface einen Killer abnehmen? Wohl eher nicht. Was ihm an Kanten im Gesicht fehlt, versucht seine Filmpartnerin mit etwas Silikon auszubessern – oder ist die Oberweite gar echt? Die beste Figur gibt hier immer noch Tom Selleck als Vater der Braut ab. Seine Nähe zu den James Bond Filmen sucht Robert Luketics Film nicht nur beim Vorspann, sondern auch in Rolfe Kents Filmmusik, die an die gefälligen Klänge eines John Barry anknüpfen möchte. Wer seichte Unterhaltung mit viel Bumm und Peng mag, dem dürfte das Filmchen gefallen. Ich aber konnte an keiner einzigen Stelle lachen.
Freitag, 11. Juni 2010
Schwulsein in New York
Ein kunterbuntes Durcheinander getarnt als Ode an New York bildete den Abschluss der Presse-Woche.

NEW YORK MEMORIES (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Basis
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Rosa von Praunheim
Darsteller: Claudia Steinberg, Anna Steegmann, Lucie Pohl
Kinostart: 15.07.2010

Zwanzig Jahre nach seinen Filmen, die Rosa von Praunheim in New York gedreht hat, kehrt er dorthin zurück und spürt seine damaligen Darsteller und Wegbegleiter wieder auf. Sein so entstandenes dokumentarisches Filmmaterial, in dem seine Protagonisten über ihren Werdegang erzählen, wird vermischt mit Ausschnitten aus den alten Filmen. Zweifelsohne sind seine Gesprächspartner und – innen teilweise schillernde Figuren, doch kann es der Regisseur einfach nicht lassen, stets zu verkünden, dass er schwul ist und in New York immer wieder seinen geilsten Sex hatte! Ob sich tatsächlich jemand für von Praunheims Intimleben interessiert (außer ihm selbst) wage ich zu bezweifeln. Nach Sichtung seines Films wage ich auch zu bezweifeln, dass ich jemals nach New York möchte. Denn der Film schreckt ab.
Donnerstag, 10. Juni 2010
Zwei Jungs und ein Mädel
Beziehungen zu dritt sorgen immer wieder für Zündstoff. Wenn dazu noch einer im Rollstuhl sitzt, kracht es gehörig.

RENN, WENN DU KANNST (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Zorro
Land/Jahr: Deutschland 2009
Regie: Dietrich Brüggemann
Darsteller: Robert Gwisdek, Anna Brüggemann, Jacob Matschenz
Kinostart: 29.07.2010

Zivi Christian muss seinen Dienst bei dem jungen Rollstuhlfahrer Benjamin abfeiern. Der aber macht es seinen Betreuern mit seinem Sarkasmus und Zynismus nicht gerade leicht. Da tritt die junge Cellostudentin Annika in das Leben der beiden Jungs - und beide verlieben sich in sie... Dietrich Brüggemanns Kinodebüt hat durchaus Qualitäten, die man so sonst nicht auf der Leinwand sieht. Insbesondere der Umgang mit den Themen Liebeb und Sex in Zusammenhang mit einer irreparablen Behinderung. Sein Kameramann Alexander Sass gibt sich hier nicht leichtfertig der Abblende hin, sondern hält drauf. Doch leider wirken Teile des von Brüggemann zusammen mit seiner Schwester Anna (die in der Rolle der Annika zu sehen ist) geschriebenen Drehbuchs allzu künstlich. Wenn sich Benjamin und Christian prügeln, dann ist das nicht authentisch. Oder auch jene Szene, in der Annika eine Büste durch das geschlossene Fenster wirft und diese mitten auf dem Kühler von Benjamins amerikanischem Straßenkreuzer landet, ist typisch für ein Drehbuch, aber fürs wahre Leben einfach zu künstlich. Nichtsdestotrotz kann man dem Regisseur, der bekennender BRAZIL-Fan ist, ein Gespür für interessante CinemaScope-Bilder und einer gelungenen Farbdramaturgie nicht absprechen. Doch etwas weniger wäre sicher besser. Mit seinen knapp zwei Stunden Spielzeit schlägt der Film etwas über die Strenge.
Mittwoch, 09. Juni 2010
Mädchen am Rande des Nervenzusammenbruchs
Wenn es draußen so richtig heiss ist, hilft nur der Gang ins kühle Kino...

FRECHE MÄDCHEN 2 (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Ute Wieland
Darsteller: Emilia Schüle, Selina Shirin Müller, Henriette Nagel
Kinostart: 05.08.2010

Genau zwei Jahre nach dem ersten Kinofilm mit Mila und ihrer Mädchenclique beschert uns Regisseurin Ute Wieland die Fortsetzung der Geschichte. Bei den Mädels herrscht Gefühlschaos. Jede hat Probleme mit ihrem ersten Freund! Jetzt steht auch noch eine Chorfreizeit auf einer einsamen Berghütte mitten in den bayerischen Alpen an und auch die Jahresabschlussfeier an der Schule muss organisiert werden. Da kann so ein junges Ding schon mal durchdrehen... In technischer Hinsicht ist der zweite Teil wirklich gelungen: klare, farbkräftige CinemaScope-Bilder von Chefkameramann Peter Przybylski, eine dynamische, plastische Tonspur und flotte Schnitte. Doch der Spaß an der guten Technik wird leider durch ein mitunter zähes Drehbuch wieder genommen. Ein Gag wird nicht dadurch besser, dass man ihn ständig wiederholt. So wird Mila einfach zu oft von einem kleinen digitalen Engelchen und Teufelchen heimgesucht, die ihr ihre Entscheidungen nicht immer einfach machen. Lobend zu erwähnen ist das Spiel der jungen Darstellerinnen, die ihre Rollen gut ausfüllen. Und als Bonbon mimt Armin Rohde abermals den auf Zahlen fixierten Mathematiklehrer. Fazit: eine zielgruppenorientierte Komödie, die ihre Zielgruppe vermutlich nicht bei der Stange halten kann.
Dienstag, 08. Juni 2010
Ein Russe in Paris
Tschaikowsky-Fans dürften bei der heutigen Vorführung ganz sicher auf ihre Kosten gekommen sein. Ich übrigens auch.

DAS KONZERT (1:2.35, DD 5.1)
OT: Le Concert
Verleih: Concorde
Land/Jahr: Frankreich, Belgien, Rumänien, Italien 2009
Regie: Radu Mihaileanu
Darsteller: Alexei Guskow, Mélanie Laurent, Dmitri Nasarow, Miou-Miou
Kinostart: 29.07.2010

Dirigent Andrej Filipov ist frustriert. Bereits seit 30 Jahren darf er seinen Beruf nicht mehr ausüben und wird stattdessen als Putzmann im Bolshoi-Theater in Moskau beschäftigt. Denn Andrej ist damals in Ungnade gefallen, weil er sich weigerte, während des kommunistischen Regimes jüdische Musiker aus dem Orchester zu entlassen. Als ihm jetzt per Zufall ein Fax in die Hände fällt, mit welchem das Bolshoi-Orchester zu einem Gastkonzert nach Paris eingeladen wird, hat er einen Plan. Er trommelt die alte Truppe wieder zusammen und will als Bolshoi-Orchester die Reise nach Paris antreten... Radu Mihaileanu ist eine Komödie mit tragischem Einschlag und viel Gefühl gelungen, die insbesondere natürlich durch die hervorragend eingespielte Musik brilliert. Bei den Cesars wurde der Film für die “Beste Filmmusik” und den “Besten Ton” bedacht – und das zu Recht. Die vielen kleinen Geschichten, die um die verrückte Musikertruppe gestrickt werden, geben dem Film seinen liebevollen Charme. Und Frankreichs Shooting-Star Melanie Laurent in der Rolle der gefeierten und kühlen Konzertgeigerin Anne-Marie Jacquet überzeugt aufs Neue mit ihrer Präsenz. Fazit: bestes Arthaus-Kino mit Witz, Musik und Gefühl.
Montag, 07. Juni 2010
Light My Fire
Direkt vom erstklassigen Sensurround-Filmfestival in Karlsruhe ging es heute in die erste Pressevorführung der neuen Woche.

THE DOORS: WHEN YOU’RE STRANGE (1:1.85, DD 5.1)
OT: When You‘re Strange
Verleih: Kinowelt
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Tom DiCillo
Darsteller: The Doors, John Densmore, Robby Krieger
Kinostart: 01.07.2010

Nachdem Oliver Stone bereits in den neunziger Jahren einen Spielfilm über die Kultgruppe The Doors inszenierte, kommt jetzt ein Dokumentarfilm über die Rockgruppe, die in den sechziger Jahren von sich Reden machte. Besonders Augenmerk liegt auch hier wieder auf deren Lead-Sänger Jim Morrison, der im Alter von 27 Jahren an Herzversagen starb. Der von Johnny Depp kommentierte Film zeigt eine ganze Fülle von Originalaufnahmen, die zu Lebzeiten von Morrison entstanden und bringt diese in chronologisch richtige Reihenfolge. Auch die politische Stimmung zu jener Zeit wird deutlich gemacht und das Phänomen “Doors” damit in den richtigen Kontext gestellt. Für Fans der Doors sicherlich sehenswert, auch wenn nur wenige Musikauftritte der Gruppe integriert wurden.
Freitag, 04. Juni 2010
Wer ist Sam Bell?
Diese existenzielle Frage musste sich nicht nur die Hauptfigur im heutigen Film stellen, sondern auch die anwesenden Zuschauer. Ein toller Wochenabschluss!

MOON (1:2.35, DD 5.1)
OT: Moon
Verleih: Koch Media (24 Bilder)
Land/Jahr: Großbritannien 2009
Regie: Duncan Jones
Darsteller: Sam Rockwell, Kaya Scodelario, Dominique McElligott
Kinostart: 15.07.2010

Sam Bell schiebt bereits seit drei Jahren seinen Dienst auf einer Energiegewinnungsstation auf der dunklen Seite des Mondes. Er ist der einzige Mensch dort und wartet ungeduldig auf seine Ablösung, die in zwei Wochen kommen soll. Bei einem Außeneinsatz erleidet er einen Unfall und erwacht erst wieder auf der Krankenstation der Basis. Dort sieht er sich plötzlich mit einem weiteren Bewohner konfrontiert: mit sich selbst! Wurde er geklont? Oder ist er selbst der Klon und sein Gegenüber das Original?... Spannender könnte Science-Fiction nicht sein! Auch wenn Regisseur Duncan Jones, Abkömmling von David Bowie, seinen großen Vorbildern unverhohlen seinen Respekt zollt, so vermag die Grundidee des Films und auch seine Umsetzung wirklich zu fesseln. Seinem Hauptdarsteller wird hierbei einiges abverlangt, muss er doch gleich zwei Sam Bells mimen. Dank moderner Computertechnik funktioniert das so hervorragend, dass man wirklich meinen könnte, es handele sich um zwei Schauspieler. MOON war im letzten Jahr bereits erfolgreich auf dem Fantasy Filmfest gezeigt worden und es ist höchst erfreulich, dass es dieses feine Stück Sci-Fi nun tatsächlich auch noch ins regulaäre Kino schafft. Mein Tipp: unbedingt ansehen!
Mittwoch, 02. Juni 2010
Zäh wie Teig
Pasta ist eben nicht Pasta, wie der heutige Film bewies.

MÄNNER AL DENTE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Mine Vaganti
Verleih: Prokino (Fox)
Land/Jahr: Italien 2010
Regie: Ferzan Ozpetek
Darsteller: Riccardo Scamarcio, Alessandro Preziosi, Nicole Grimaudo
Kinostart: 15.07.2010

Weil Tommaso keine Ambitionen hat, die Nudelfabrik des Herrn Papa zu übernehmen, will er vor der gesamten Familie endlich auspacken. Denn sein angebliches Wirtschaftsstudium war in Wahrheit ein Literaturstudium. Tommaso möchte Schriftsteller werden. Und er möchte endlich sein Coming Out haben: der smarte Italiener ist schwul! Siegessicher, dass ihn sein Papa unter diesen Bedingungen nicht als Firmenchef haben möchte, erzählt er es seinem Bruder Antonio. Mit dem Ergebnis, dass ihm Antonio vor versammelter Mannschaft zuvorkommt und sich selbst als schwul outet. Papa erleidet einen Herzinfarkt. Tommasino steckt in der Klemme... Wie der deutsche Filmtitel bereits anklingen lässt, ist die italienische Dramödie wahrhaftig “al dente”! Der ständige Spagatakt zwischen Drama und Komödie lässt den Film äußerst zäh erscheinen. Mit fast zwei Stunden Spielzeit ist er auch definitiv zu lang. Lobenswert indes sind die guten Darsteller, bei denen insbesondere die junge Nicole Grimouda in der Rolle der Verbündeten von Tommaso auffällt. Ein Gesicht, das man sich merken muss.
Dienstag, 01. Juni 2010
Pubertät und Ehebruch
Zwei interessante Themen wurden in den heutigen Vorführungen behandelt, doch keiner der Filme konnte mich überzeugen.

JUNGS BLEIBEN JUNGS (1:1.85, DD 5.1)
OT: Les Beaux Gosses
Verleih: Kool (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich 2009
Regie: Riad Sattouf
Darsteller: Vincent Lacoste, Noémie Lvovsky, Anthony Sonigo
Kinostart: 01.07.2010

Herve und sein Kumpel Camel stecken mitten in der Pubertät. Beide wünschen sich eine Freundin, doch werden sie von den Mädels überhaupt nicht beachtet. Da müssen es dann die Bilder in den Wäschekatalogen tun, wenn nicht gerade Herves Mutter auf das Peinlichste nervt. Als plötzlich die hübsche Aurore den unbedarften Herve abknutscht, weiß der gar nicht wie ihm geschieht... “So lustig, dass es weh tut!” schrieb Time Out über diesen Film. Aber vielleicht haben die Kollegen ja einen ganz anderen Film gesehen als ich, denn mir tat nach dem Film gar nichts weh. Ganz im Gegenteil: der Film rang mir nur ein müdes Lächeln ab. Auch wenn die Teenager-Rollen perfekt gecastet sind, so fehlt dem Film einfach das richtige Gespür für lustige Momente. Da waren andere Komödien zu diesem Thema weitaus lustiger. Verwirrend kommt noch hinzu, dass sich der Film nach außen hin wie ein Film der siebziger Jahre verkauft, was letztendlich auch durch die nervige Synthi-Musik verstärkt wird. Doch die Handlung spielt in der heutigen Zeit, wo Handys, Games und Videos das Leben der Schüler prägen.

DER ANDERE (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Other Man
Verleih: Koch Media (24 Bilder)
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2008
Regie: Richard Eyre
Darsteller: Liam Neeson, Antonio Banderas, Laura Linney
Kinostart: 01.07.2010

Als der Ehemann durch Zufall erfährt, dass seine Frau ganz offensichtlich schon lange Zeit eine Affäre hat, bricht für ihn eine Welt zusammen und er sinnt nur noch auf Rache. Mit Mordgedanken macht er sich auf nach Mailand, um seinen Rivalen zu treffen und ihn umzubringen. Bei einem Schachspiel begegnen sich die beiden Männer... Verfilmung einer Geschichte von Bernhard Schlink, die ich als eher misslungen betrachte. Die beiden Männer sind in ihrer Darstellung leider alles andere als authentisch und machen die Geschichte dadurch sehr unglaubwürdig. Dazu kommt die eigenwillige Machart des Films, die dem Zuschauer wichtige Informationen vorenthält, um sie zu gegebener Zeit als Überraschungsmoment zu präsentieren. Dadurch entsteht jedoch der Eindruck, dass hier und da einfach etwas fehlt. Das Grundthema wurde in einem anderen Film (unter Regie von Clint Eastwood) in ähnlicher Form bereits wesentlich besser behandelt. Den Titel des anderen Films möchte ich jedoch nicht nennen, denn sonst würde ich hier die vorhin erwähnten Überraschungsmomente preisgeben.

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