Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Freitag, 28. Januar 2011
Liebe überwindet alle Hindernisse
Heute war für mich ein richtig guter Tag: beide Filme haben mir gefallen. Ein perfekter Ausklang der Pressewoche.

JACK IN LOVE (1:1.85, DD 5.1)
OT: Jack Goes Boating
Verleih: Alamode
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Philip Seymour Hoffman
Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Amy Ryan, John Ortiz
Kinostart: 24.02.2011

Der etwas übergewichtige Jack hat ein ganz einfaches Gemüt. Sein Geld verdient er sich als Chauffeur beim Limousinen-Service seines Onkels. Alles was ihm fehlt ist eine Frau. Sein bester Freund und Kollege Clyde arrangiert ein Date mit Connie, der Kollegin seiner Frau. Jack und Connie verstehen sich gut, doch die beiden Außenseiter haben es schwer in der Liebe – beide sind gehemmt. Um Connie zu imponieren, will er sie im Sommer zu einer Bootsfahrt einladen und für sie kochen. Connie ist begeistert. Das Problem: Jack kann weder schwimmen noch kochen... Dass Liebe alle Hindernisse überwinden kann und die Liebenden dabei über sich selbst hinauswachsen, demonstriert Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman in seinem Regiedebüt ganz vortrefflich. Nicht nur er, auch seine Partnerin Amy Ryan schlüpfen so großartig in ihre etwas unbeholfenen Rollen, dass man als Zuschauer deren Leiden richtig nachvollziehen kann. Und man schmunzelt darüber, weil man in der ein oder anderen Situation schon selbst einmal gesteckt hat. JACK IN LOVE ist ein Film der leisen Töne mit viel Humor und einer großen Portion Romantik.

GNOMEO UND JULIA (1:1.85, 3D, PCM 7.1)
OT: Gnomeo And Juliet
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: Großbritannien, USA 2011
Regie: Kelly Asbury
Kinostart: 24.03.2011

Wollten Sie nicht schon immer einmal wissen was in Nachbars Garten los ist, wenn der einmal nicht zuhause ist? Dann ist das der richtige Film für Sie! Denn kaum haben die beiden verfeindeten Nachbarn ihre Häuser verlassen, setzt sich der Streit bei den Gartenzwergen fort. Da gibt es die Blauen und die Roten. Beide kämpfen verbittert gegeneinander und niemand weiss mehr warum. Als sich plötzlich der blaue Gnomeo in die rote Julia verliebt, gehen die Probleme erst richtig los... Frei nach William Shakespeares Tragödie “Romeo und Julia” entwickelt Kelly Asbury in seinem computeranimierten Film einen liebevollen Gag nach dem anderen. Angereichert mit einer Menge an Filmzitaten unterhält GNOMEO UND JULIA hervorragend. Langeweile mag hier erst gar nicht aufkommen, Gefühle dafür umso mehr! Besonders schön klingt der Film natürlich in der englischen Originalfassung, die eine ganze Spannbreite britischer Dialekt bereithält. Für das musikalische Gerüst sorgt Elton John, dessen Songs von James Newton Howard perfekt in den Score des Films integriert wurden. Ein Kinobesuch lohnt sich unbedingt!
Donnerstag, 27. Januar 2011
Sie kämpft wie eine Löwin
Heute gab es einen für vier Oscars nominierten Film zu sehen. Meine Erwartungen waren leider etwas zu hoch gegriffen.

WINTER’S BONE (1:1.85, DD 5.1)
OT: Winter’s Bone
Verleih: Ascot Elite (24 Bilder)
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Debra Granik
Darsteller: Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan
Kinostart: 31.03.2011

Im unwirtlichen Waldland der Ozark Mountains im südlichen Missourie muss die 17jährige Ree ihre Familie durchbringen. Die beiden jüngeren Geschwister gehen noch zur Schule, die Mutter ist debil und der Vater ist auf Kaution frei. Und ausgerechnet der ist spurlos verschwunden. Zu allem Übel hat er das Waldstück und auch das Haus, in dem die Familie lebt, als Kaution eingesetzt. Ree droht alles zu verlieren, wenn sie ihren Vater nicht innerhalb weniger Tage findet... In extrem kalten Bildern schildert Debra Granik die rauhe Welt der Ozark Mountains. Rauh ist hier nicht nur das Klima, sondern auch die Menschen. Viele halten sich mit Drogen über Wasser. So auch der verschwundene Vater. Jennifer Lawrence verkörpert Ree, die wie eine Löwin darum kämpft, nicht das Zuhause zu verlieren. Sie stellt sich selbstbewusst jeder Widrigkeit und bringt sich damit in höchste Gefahr. Ihre Nachbarn und auch ihre Verwandten sowie Freunde und Feinde ihres Vaters wurden mit teils Einheimischen besetzt und verleihen dem Film damit Glaubwürdigkeit. Auf den ersten Blick als Hinterwäldler eingestuft, entpuppen sich die Charaktere aber als normale Menschen, die wie alle Anderen auch ums Überleben kämpfen. Ein Thriller-Drama der besonderen Art. Nicht der Thrill steht hier im Mittelpunkt, sondern die Menschen und ihre Familien.
Mittwoch, 26. Januar 2011
Wiedergeburt
Menschliche Dramen bestimmten heute meinen Tagesablauf...

IN EINER BESSEREN WELT(1:2.35, DD 5.1)
OT: Hævnen
Verleih: Universum (24 Bilder)
Land/Jahr: Dänemark, Schweden 2010
Regie: Susanne Bier
Darsteller: Ulrich Thomsen, Mikael Persbrandt, Trine Dyrholm
Kinostart: 17.03.2011

Im fernen Afrika kämpft Anton als Arzt um jedes Menschenleben, zuhause in der dänischen Heimat um seine Ehe. Darunter leidet sein ältester Sohn, der 12jährige Elias, und wird von seinen Mitschülerin aufs Übelste gemobbt. Da nimmt sich der gleichaltrige Christian seiner an. Der ist eben erst mit seinem Vater aus London nach Dänemark zurückgekehrt und muss den Tod seiner Mutter verarbeiten. Christian und Elias werden Freunde. Doch schon bald schlägt diese Freundschaft eine gefährliche Richtung ein... Wieder einmal hat sich die dänische Regisseurin Susanne Bier mit Dänemarks Top-Drehbuchschreiber Anders Thomas Jensen zusammengetan, um erneut eine Geschichte über emotionale und moralische Grenzsituationen auf die Leinwand zu bannen. Es gelingt ihr auch dieses Mal wieder mit ihrer Story zu fesseln. Großen Anteil daran hat ihr Ensemble (inklusive der beiden Kinder), das seine Rollen sehr authentisch wiedergibt. Das etwas unscharfe und ins Grobkörnige tendierende Bild sowie der Filmschnitt, der mehr als einmal Szenen gerafft präsentiert, suggerieren dokumentarischen Charakter und erhöhen dadurch die Authentizität. Liebe, Rache, Gerechtigkeit und die Zerbrechlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen prägen die Geschichte dieses sehr emotionalen, aber trotzdem nicht kitschigen Films. Susanne Biers Film wurde jüngst mit dem Golden Globe als bester ausländischer Film ausgezeichnet und wurde inzwischen auch für den Auslands-Oscar nominiert. Sehenswert.

WOMB (1:2.35, DD 5.1)
OT: Womb
Verleih: Camino (Neue Visionen)
Land/Jahr: Deutschland, Ungarn, Frankreich 2010
Regie: Benedek Fliegauf
Darsteller: Eva Green, Matt Smith, Peter Wight
Kinostart: 07.04.2011

Mit neun Jahren lernen sich Rebecca und Thomas kennen und werden zu besten Freunden. Als Rebecca mit ihrer Mutter nach Tokio geht, verlieren sich die beiden aus den Augen. Zwölf Jahre begegnen sie sich wieder. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch das junge Glück wird jäh zerstört, als Thomas bei einem Unfall ums Leben kommt. In ihrer großen Trauer fasst Rebecca einen folgenschweren Entschluss: mithilfe einer DNA-Probe von Thomas lässt sie sich künstlich befruchten und trägt Thomas‘ Klon aus... Mit kristallklaren Bildern und einer sehr präzisen Tonspur präsentiert Benedek Fliegauf einen hochbrisanten Film zum Thema Klonen und die Folgen. Sein Film spielt in einer sehr nahen Zukunft, in der sich jeder legal replizieren lassen kann. Dies geschieht ausgerechnet in jener Klinik, gegen die der ursprüngliche Thomas, ein Aktivist, zu Felde ziehen wollte kurz bevor er starb. Fliegaufs Film verzichtet erfreulicherweise auf krasse Effekte. Seine Mittel sind zwar sehr subtiler Art, wirken dafür aber umso nachhaltiger. Das Pfahlhaus, in dem Rebecca den geklonten Thomas aufzieht, steht vollkommen einsam direkt am Meer und wirkt stets bedrohlich. Chefkameramann Peter Szatmari leistet hier ganze Arbeit, um das scheinbare Idyll alptraumhaft abzulichten. Die faszinierenden Bilder sprechen für sich, weshalb Filmmusik auch nur ganz spärlich eingesetzt wird – für sie besteht keine Notwendigkeit. Die Schauspieler füllen ihre Rollen sehr gut aus. Speziell Eva Green überzeugt als Rebecca, die immer gefühlskälter wird, je mehr sie der Wahrheit ins Gesicht schauen muss. Subtiles Gruseldrama vom Feinsten.
Dienstag, 25. Januar 2011
Wie aus Gastarbeitern Migranten wurden
Gab es in den vergangenen zwei Wochen ausnahmsweise schon montags Presse-Screenings, so begann die aktuelle Pressewoche jetzt wieder an einem Dienstag. Das Leben normalisiert sich also wieder...

ALMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Concorde
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Yasemin Samdereli
Darsteller: Vedat Erincin, Fahri Ogün Yardim, Lilay Huser
Kinostart: 10.03.2011

Ist er nun Türke oder Deutscher? Der sechsjährige Cenk will es genau wissen und lässt sich die Geschichte seiner Familie häppchenweise erzählen. Sein Großvater kam in den sechziger Jahren als der Ein-Million-und-Erste Gastarbeiter nach Deutschland. Inzwischen lebt und arbeitet seine ganze Familie hier. Während Cenk auf das Ende der Geschichte wartet, eröffnet der Opa auf einer Familienfeier, dass er ein Haus in der Türkei gekauft hat und möchte, dass die ganze Familie mit ihm dorthin reist... Den Samdereli-Schwestern Yasemin und Nesrin ist ein insgesamt humorvoller und auch sehr gefühlvoller Film über türkische Migranten gelungen. Die erste Reise des Großvaters nach Deutschland, die Mitnahme seiner Familie in die neue und zugleich fremde Heimat und die Probleme der Nachfolgegenerationen werden liebevoll aufs Korn genommen und mit teils tollen Einfällen präsentiert. So lassen die Samderelis beispielsweise die Türken Deutsch sprechen und die Deutschen in jenem Kauderwelsch, das Charles Chaplin in DER GROSSE DIKTATOR eingeführt hatte: Jibberisch. Auf diese köstliche Weise kann sich der Zuschauer bestens in Situationen hineindenken wie jene, in der die Großmutter noch als junge Frau am ersten Tag nach ihrer Ankunft in “Almanya” Lebensmittel in einem Tante-Emma-Laden einkaufen soll. Leider sind nicht alle Gags derart gelungen. Denn so manches Mal ist die Pause nach einem witzigen Dialog einfach zu lange – hier spürt man dann förmlich das Kalkül, mit dem die Filmemacherinnen einen Witz ans Publikum “verkaufen” wollen. Denn lacht jetzt niemand im Publikum, dann verpufft der Gag ohne Wirkung. ALMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND ist amüsantes Unterhaltungskino mit aktuellem Bezug.
Freitag, 21. Januar 2011
Aus Feinden werden Freunde
Sandalenfilme – gibt’s die noch? Ja, aber nicht mehr so glanzvoll und beeindruckend wie zu BEN HURs Zeiten...

DER ADLER DER NEUNTEN LEGION (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Eagle
Verleih: Concorde
Land/Jahr: Großbritannien 2010
Regie: Kevin Macdonald
Darsteller: Channing Tatum, Jamie Bell, Donald Sutherland
Kinostart: 03.03.2011

Man schreibt das 2. Jahrhundert nach Christus. Das Römische Reich ist bis nach England vorgedrungen. Ohne jede Spur verschwindet die 5000 Mann starke neunte Legion mitsamt ihrem Feldzeichen, dem Adler. 20 Jahre danach macht sich Marcus Aquila zusammen mit seinem Sklaven Esca auf, den Adler zu finden. Ihre abenteuerliche Reise führt sie jenseits des Hadrianwalls... Mit DER ADLER DER NEUNTEN LEGION verfilmte Kevin Macdonald einen vielgelesenen historischen Abenteuerroman von Rosemary Sutcliff, den die Autorin 1954 veröffentlichte. Die Geschichte einer Feindschaft die letztendlich zu einer Freundschaft wird mag ja als Buch noch ganz interessant sein. Doch in der vorliegenden Verfilmung ödet sie den Zuschauer eigentlich nur an. Es ist einfach zu wenig Substanz vorhanden, um den Film für ein Publikum attraktiv zu machen. Und warum nur muss das Römische Reich in neuzeitlichen Filmen immer im Schmuddellook erscheinen? Chefkameramann Anthony Dod Mantle orientiert sich mit seinen Bildern offensichtlich an Filmen wie CENTURION und findet dieses Mal keinen eigenen, innovativen Stil. Etwas gewagt erscheint mir die Filmmusik, die schottische Folkloreklänge einfließen lässt. Jenseits des Hadrianwalls erstreckt sich zwar das schottische Hochland, doch befinden wir uns nach wie vor im Zeitalter des Römischen Reiches. Dass seinerzeit schon die Dudelsäcke gepfiffen haben, wage ich zu bezweifeln. Aber wenn schon die schottischen Ureinwohner aussehen wie eine Mischung aus Irokesen und Neandertalern, dann darf sich natürlich auch die musikalische Ebene des Films sämtliche Freiheiten herausnehmen.
Donnerstag, 20. Januar 2011
“Inspektor gibt’s kan!”
Großes Gefühlskino und direkt danach Wiener Schmäh – das gibt’s nur im Kino!

THE TREE (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Tree
Verleih: Pandora
Land/Jahr: Frankreich, Italien, Australien 2010
Regie: Julie Bertuccelli
Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Morgana Davies, Marton Csokas
Kinostart: 03.03.2011

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ist die junge Dawn, Mutter von vier Kindern, ganz auf sich alleine gestellt. Zusammen mit ihren Kindern lebt sie in einem großen Holzhaus irgendwo im australischen Hinterland. Ganz nah beim Haus ragt ein uralter, riesengroßer und stark verästelter Baum aus dem Boden. Jener Baum, unter welchem Dawns Mann gestorben ist. Für ihre achtjährige Tochter Simone steht von Anfang an fest, dass sich die Seele ihres Vaters jetzt im Baum befindet. Von nun an verbringt sie viel Zeit in seinem Geäst und spricht mit ihrem imaginären Vater. Langsam zieht sie ihre anfangs depressive Mutter mit in ihr Geheimnis ein. Da taucht plötzlich ein neuer Mann in Dawns Leben auf... Der Baum als Symbol ewigen Lebens in einem wunderschönen Film zum Thema Trauerbewältigung. Julie Bertuccelli inszeniert ihre Geschichte sehr einfühlsam und mit großartigen Darstellern. Charlotte Gainsbourg glänzt als Dawn und die kleine Morgana Davies überzeugt als die aufgeweckte Simone, die ihrer Mutter den Weg zurück ins Leben weist.

KOTTAN ERMITTELT – RIEN NE VA PLUS (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: ThimFilm
Land/Jahr: Österreich 2010
Regie: Peter Patzak
Darsteller: Lukas Resetarits, Bibiana Zeller, Robert Stadlober
Kinostart: 31.03.2011

Als in Wien eine Mordserie für Aufsehen sorgt, deren Opfer alle Teilnehmer eines rätselhaften Millionenspiels sind und sich der selbstverliebte Polizeipräsident mit einem starken Konkurrenten für sein Amt konfrontiert sieht, gibt es für ihn nur noch eine Lösung: Major Kottan muss an! – Fast 30 Jahre nach der letzten Episode der erfolgreichen österreichischen TV-Serie ermitteln Kottan und Kollegen erneut – im Kino. Die als anarchisches Gegenstück zu altbackenen Fernsehkrimis a la “Kommissar” oder “Derrick” avancierte damals zum absoluten Kulthit und ist es bis heute geblieben. Im neuen Kinofilm gerät die Handlung – wie könnte es auch anders sein – zur vollkommenen Nebensache. Im Vordergrund stehen die skurrile Charaktere, die ein wahres Feuerwerk an coolen Sprüchen ablassen. Sagt Kottan zum Gangster: “Weißt Du wie man ein Arschloch neugierig macht?” – “Wie?” fragt der. Darauf Kottan: “Ich erzähl’s Dir morgen!”. Oder “Weißt Du was ein Vakuum ist?” – “Ich hab’s im Kopf – ich komm‘ gleich drauf...”. Die vielen kernigen Wortspielereien muss man sich allerdings erst genüsslich auf der Zunge zergehen lassen, um sie dann richtig zu geniessen. Da ist dann Obacht angebracht. Einmal nicht aufgepasst und schon ein Gag verpasst. Sehr schön auch der Einfall mit dem Polizeiapparat. Denn wenn der Polizeipräsident davon spricht, dann ist das wörtlich zu nehmen. Mehr sei hier noch nicht verraten. Nur soviel: der Film ist leider etwas lang geraten, hat dafür aber unglaublich viel Wiener Schmäh zu bieten!
Mittwoch, 19. Januar 2011
Was macht uns glücklich?
Dieser schwerwiegenden Frage wollte der erste Film heute nachgehen. Und nachdem sich der zweite Film als vollkommen unbrauchbar erwies, wusste ich spontan was mich glücklich macht: einen guten Film zu sehen!

GLÜCKSFORMELN (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Universum (24 Bilder)
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Larissa Trüby
Kinostart: 14.04.2011

Was genau ist eigentlich Glück und wie funktioniert es? Larissa Trüby lässt in ihrem Film einige Menschen zu Wort kommen, die das gesamte Alterspektrum abdecken: vom 11jährigen Luis bis hin zum 90jährigen Leo. Dazwischen gibt es ständig Kommentare von Wissenschaftlern, die versuchen, das Glück zu erklären und wie man dorthin gelangt. Ganz sicher keine Dokumentation für die große Leinwand als vielmehr für den übersichtlichen Fernsehschirm. Leider dreht sich der Film nach einer gewissen Zeit immer wieder im Kreise, was ihn für den Zuschauer langweilig werden lässt. In der Gestaltung ab und an etwas merkwürdig, so als ob die Regisseurin einfach einmal etwas mit Bild und Schnitt ausprobieren möchte. Doch will man als Zuschauer tatsächlich Versuchskaninchen sein?

IN DER WELT HABT IHR ANGST (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Movienet (24 Bilder)
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Hans W. Geißendörfer
Darsteller: Anna Maria Mühe, Max von Thun, Axel Prahl
Kinostart: 03.03.2011

Zwischen Eva und Jo ist es die große Liebe. Und diese Liebe war es auch, die Eva das Heroin probieren ließ. Nur um Jo so nahe wie möglich zu sein. Doch jetzt soll sich alles ändern: Jo ist schwanger. Die beiden wollen auf Entzug mache und in Neuseeland neu beginnen. Allein das Geld für die Flugtickets fehlt. Weil ihr der Vater, ein strenger Kantor, Eva kein Geld gibt, überfallen die beiden einen Buchladen. Jo wird geschnappt, Eva entkommt, der Buchhändler stirbt... Wenn das alles noch recht spannend klingt, dann sollte man sich nicht zu früh freuen. Denn Hans W. Geißendürfers Film entpuppt sich schon bald als einer der dilettantischten Filme der letzten Zeit. Spätestens wenn sich Eva bei Lateinlehrer Paul einnistet, dessen Frau am Abend davor nach einem Streit die Treppe hinunterstürzt, weiß man nicht mehr, ob man Lachen oder Weinen soll. Axel Prahls Inkarnation des Altphilologen kann eigentlich nur als Karikatur verstanden werden – auch wenn das für die Absichten des Regisseurs kontraproduktiv ist! Sodann entfaltet sich eine richtige Räuberpistole, die darin gipfelt, dass Eva ihren Jo mithilfe von Paul aus der Psychiatrieabteilung des Gefängnisses befreit. Der geneigte Zuschauer fragt sich hier zurecht, wie es Jo ohne jedwede Verhandlung innerhalb von nur einem Tag in eine Justizvollzugsanstalt schafft und wie das Personal der JVA-Psychiatrie so dumm sein kann, sich von einem unbeholfenen Lateinlehrer austricksen zu lassen. Aber das sind nur zwei von vielen Ungereimtheiten, die sich da im idyllischen Bamberg zutragen. Ein richtiges Machwerk, das hier auf die Menschheit losgelassen wird!
Dienstag, 18. Januar 2011
Leben nach dem Tod
Witzig und hintersinnig wurde der Dienstag eröffnet und mäßig spannend ging er zuende.

DER NAME DER LEUTE (1:1.85, DD 5.1)
OT: Le Nom Des Gens
Verleih: X Verleih (Warner)
Land/Jahr: Frankreich 2010
Regie: Michel Leclerc
Darsteller: Jacques Gamblin, Sara Forestier, Zinedine Soualem
Kinostart: 14.04.2011

Zwei Welten prallen aufeinander. Die von Arthur Martin, einem für Seuchen zuständigen und stets auf absolute Sicherheit bedachten Ornithologen, und jene von Bahia Benmahmoud, einer flippigen Aktivistin, die mit Beischlaf versucht, politisch rechts stehende Männer ideologisch umzudrehen. Arthur versucht, seine jüdischen Wurzeln zu verheimlichen, während Bahia unglücklich damit ist, nicht als das erkannt zu werden was sie ist: eine Algerierin. Gibt es ein Happy End für die beiden? – Michel Leclercs Film gibt sich nach außen hin zwar als spritzig-frivole Komödie, hat aber in Wirklichkeit einen sehr tiefgründigen Unterbau. Und der sorgt dafür, dass einem ab und zu das Lachen im Halse stecken bleibt. So ist es z.B. ausgerechnet Arthur, der heimliche Jude, dessen Job ihn dazu zwingt, ganze Legebatterien zu vergasen, um eine Seuche zu verhindern. Die spielfreudigen Protagonisten sind handverlesen: Jacques Gamblin und Sara Forestier glänzen in ihren Rollen in dieser charmanten Dramödie über die Liebe und die Suche nach der eigenen Identität.

HEREAFTER – DAS LEBEN DANACH (1:2.35, DD 5.1)
OT: Hereafter
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Matt Damon, Cécile de France, Thierry Neuvic, Cyndi Mayo Davis, Marthe Keller, Bryce Dallas Howard
Kinostart: 27.01.2011

Drei Städte – drei Schicksale. In Paris versucht die Fernsehjournalistin Marie ihre Todeserfahrung zu verarbeiten, die sie während des großen Tsunamis in Thailand gemacht hat. In London will der kleine Marcus den Unfalltod seines Zwillingsbruders überwinden. In San Francisco versucht George seiner Gabe als Medium, das Kontakt zu Toten herstellen kann, davonzulaufen. Noch wissen die drei nichts voneinander, doch ihre Schicksale werden sich kreuzen... Clint Eastwoods neuester Film beschäftigt sich mit de Leben nach dem Tode – erzählt aus drei verschiedenen Perspektiven. Bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema bedient er sich zwar Mitteln des übernatürlichen Thrillers, spart aber den Thrill aus. Fast scheint es so, als ob der inzwischen fast achtzigjährige Eastwood aufgrund seines Alters sehr intensiv damit beschäftigt, was wohl “danach” sein wird. Kein uninteressantes Thema, zumal sich auch die großen Weltreligionen stets damit beschäftigen. Doch Eastwoods Film entwickelt sich viel zu langsam. Die drei Einzelschicksale laufen unendlich lange parallel, bevor sie sich überkreuzen und damit endlich Spannung ins Spiel bringen. Noch viel störender als der verlangsamte Aufbau der Story ist die Filmmusik, die wie fast immer von Eastwood selber stammt. Doch der Score ist derart unpassend und plätschert sanft und leise vor sich hin, dass es besser gewesen wäre, auf Musik ganz zu verzichten. Ihr kommt in seinem Film keine grundlegende dramaturgische Bedeutung zu. Der sonst sehr ruhige Film wird ein paarmal richtig laut, speziell während der spektakulären Tsunami-Sequenz. Die steht in krassem Gegensatz zur lausigen Qualität der Originaldialoge, bei denen der Regisseur offensichtlich auf nachträgliche Studioaufnahmen verzichtet hat. Wer übernatürliche Thriller mag, der wird für sich sicherlich in HEREAFTER Momente entdecken, die gelungen sind. Wem bereits die Thematik zu absurd erscheint, der wird sich mit dem Film nicht anfreunden können.
Montag, 17. Januar 2011
Nur Sex – sonst nichts?
Extrem langatmiges Mainstream-Kino mit einer frisch gebackenen Golden Globe Gewinnerin und ein aufrüttelnder Dokumentarfilm gaben sich heute die Klinke in die Hand.

FREUNDSCHAFT PLUS (1:2.35, DD 5.1)
OT: No Strings Attached
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Ivan Reitman
Darsteller: Natalie Portman, Ashton Kutcher, Lake Bell
Kinostart: 17.02.2011

Die beiden laufen sich seit ihrer Teenagerzeit immer wieder über den Weg: Adam und Emma. Als sie sich zufällig wieder treffen (er ist jetzt Regieassistent beim Fernsehen, sie angehende Ärztin) funkt es endgültig zwischen den beiden. Doch Emma macht von Anfang an klar: keine Beziehung, nur gelegentlicher Sex! Das finden die beiden anfangs auch echt cool, doch dann verliebt sich Adam in Emma – und löst damit große Probleme aus! Ivan Reitman, Schöpfer grandioser Komödien wie GHOSTBUSTERS, liefert mit seinem neuesten Werk pure Langeweile ab. Einmal gilt der Leitsatz, dass bei Filmen, bei denen der Zuschauer bereits am Beginn das (Happy)Ende schon kennt, es darauf ankommt, die dazwischenliegenden 100 Filmminuten möglichst einfallsreich und flott zu gestalten. Doch das genaue Gegenteil ist hier der Fall. Denn Herr Reitman verliert sein Publikum spätestens nach der ersten Viertelstunde, die gefühlte 90 Minuten dauert. Das Drehbuch offenbart – von einer einzigen Ausnahme abgesehen – keinen humoristischen Höhepunkt und das Timing des Films endet irgendwo im Nirwana. Da hilft es auch nicht, einen gealterten Kevin Kline als Adams Vater einzuführen, der mit der Ex-Freundin seines Sohnes schläft. Eines der typischen Signale für Hilflosigkeit in aktuellen amerikanischen Komödien: immer kräftig unter die Gürtellinie schlagen. Weder Ashton Kutcher noch Natalie Portman (überraschenderweise Mit-Produzentin des Streifens) können in ihren klischeehaft angelegten Rollen punkten. Sie schaffen es nicht einmal, dem Zuschauer Identifikationsfiguren zu liefern. Ein langweiliges Armutszeugnis.

THE GREEN WAVE (1:1.85, Stereo)
Verleih: Camino
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Ali Samadi Ahadi
Darsteller: Pegah Ferydoni, Navid Akhavan
Kinostart: 24.02.2011

Ali Samadi Ahadis Dokumentarfilm widmet sich der “Grünen Revolution”, die sich im Juni des Jahres 2009 im Iran zugetragen hat. Damals standen Präsidentschaftswahlen an und das Volk setzte seine ganze Hoffnung in Mir Hossein Mussawi. Doch bereits am Wahltag wurde allen klar, dass die Wahlen manipuliert wurden, um Mahmud Ahmadineschad an der Macht zu halten. In den folgenden Tagen brach eine Hölle des Terrors los. Viele Anhänger der “Grünen Revolution” wurden getötet, verschleppt, gefoltert. Da es aus dieser Zeit kaum Bilder oder unabhängige Berichte gibt, basierte Ahadi sein Drehbuch auf Blogs, die hautnah über die Machenschaften im Iran berichteten. Diese Blogs wurden als sogenannte “Motion Comics” realisiert und mit vielen authentischen Handy- und Webcam-Aufnahmen, Twitter- und Facebook-Posts sowie Interviews durchsetzt. Entstanden ist so ein in vieler Hinsicht ergreifendes Dokument über das Terror-Regime im Iran, das nach wie vor an der Macht ist. Ahadis Film, der in seiner Machart an WALTZ WITH BASHIR erinnert, ist als Hilferuf an die Welt zu verstehen – ein Hilferuf, der hoffentlich nicht ungehört bleibt.
Freitag, 14. Januar 2011
Digitale Bilderwelten
Die letzten beiden Filme der Woche...und dann Wochenende!

TRON: LEGACY (1:2.35, 2k Digital, 3D, PCM 7.1)
OT: Tron Legacy
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Joseph Kosinski
Darsteller: Jeff Bridges, Garrett Hedlund, Olivia Wilde
Kinostart: 27.01.2011

21 Jahre nach dem Verschwinden seines Vaters führt ein Anruf auf einem alten Pager den jungen Sam Flynn in die längst geschlossene Spielhalle seines alten Herrn. Dort entdeckt Sam das geheime Labor seines Vaters und wird alsbald von einem Supercomputer digitalisiert und muss im Inneren des Rechners gegen den übermächtigen Clu kämpfen... Eines muss man dem Fortsetzungsfilm zu Steven Lisbergers bahnbrechenden Computerspektakel TRON lassen: er liefert atemberaubende, fast schon betörende Bilderwelten. Das aber war es dann auch fast schon. Die Mischung aus MATRIX, 2001 und INCEPTION dauert über zwei Stunden und ist damit einfach zu lang! Die Vorbilder der Geschichte liegen irgendwo zwischen STAR WARS und MATRIX und sind unverkennbar. Da erwartet man förmlich den Spruch “Luke – ich bin dein Hauptprogramm!”. Der fällt natürlich nicht, aber TRON: LEGACY versteht sich ganz diesem Geiste verpflichtet. Die düsteren digitalen Bilderwelten mit Neonlichtblitzen ermüdet auf Dauer und die agierenden personifizierten Programme muten an wie Personen einer Fetisch-Klamotten-Party. Immerhin kann der Sound punkten – in ausgewählten Kinos sogar mit 7.1 Tonkanälen. Die verschaffen insbesondere der Musik von Daft Punk Gehör, die eine Mischung aus Hans Zimmers INCEPTION sowie Michael Nyman darstellt. Fazit: magere Story in faszinierender Hülle.

DER GANZ GROSSE TRAUM (1:1.85*, DD 5.1)
Verleih: Senator
Land/Jahr: Deutschland
Regie: Sebastian Grobler
Darsteller: Daniel Brühl, Burghart Klaußner, Kathrin von Steinburg
Kinostart: 24.02.2011

1874 kommt der junge Lehrer Konrad Koch nach Braunschweig, wo er an einem altehrwürdigen Gymnasium Englisch unterrichten soll. Dabei setzt der Oxford-Absolvent ungewöhnliche Methoden ein: er bringt seinen Schülern eine Spiel bei, das er aus England kennt: Fussball! Doch den strengen Sittenwächtern an der Schule und im Ort, wo man nur preussischen Drill und Gehorsamkeit kennt, gefällt das gar nicht... Die nach wahren Begebenheiten inszenierte Geschichte mutet an wie Deutschlands Antwort auf CLUB DER TOTEN DICHTER. Durch den Fussball gelingt es Konrad Koch, seinen Schülern Kameradschaft, Respekt, Loyalität und Fairplay beizubringen und damit auch die Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden. Daniel Brühl spielt den deutschen Fussballpionier zwar gut, wirkt aber einfach zu schön und zu glatt um als authentisch angesehen zu werden. Ein Darsteller mit ein paar mehr Kanten hätte da besser gepasst. An den anderen Darstellern gibt es nichts zu mäkeln – die wirken sehr preussisch! Ein Pluspunkt des Films ist seine Musik. Denn der von Ingo Ludwig Frenzel komponierte Score fügt dem Film die notwendige emotionale Komponente hinzu. Ein insgesamt gelungener deutscher Film mit viel Humor und einer großen Prise Gefühl.

*Anmerkung zum Bildformat: da uns der Film leider nur von Blu-ray präsentiert wurde, lässt sich das tatsächliche Bildformat nicht exakt bestimmen. Zumindest laut Presseheft handelt es sich um einen Film mit Bildseitenverhältnis 1:2.35. Die vorgeführte Blu-ray bot nur 1:1.85 sowie einen leicht asynchronen Ton.
Donnerstag, 13. Januar 2011
Gefangen im Fels
Heute gab es einen Film, dem ich schon seit langem entgegengefiebert habe. Zu Recht.

127 HOURS (1:1.85, DD 5.1)
OT: 127 Hours
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2010
Regie: Danny Boyle
Darsteller: James Franco, Amber Tamblyn, Kate Mara
Kinostart: 17.02.2011

Nach seinem phänomenalen Erfolg SLUMDOG MILLIONÄR meldet sich Regisseur Danny Boyle wieder zurück auf die Leinwand. Das Sujet ist dieses Mal etwas intimer als die grell bunte Geschichte aus Indien. Zuammen mit seinem Drehbuchautor Simon Beaufoy machte sich Boyle daran, den Tatsachenbericht des Extremsportlers Aron Ralston zu verfilmen. Ralston will 2003 im Alleingang den John Blue Canyon in Colorado bezwingen. Doch unglücklicherweise stürzt er dabei in eine Felsspalte und sein rechter Arm wird von einem schweren Felsbrocken eingeklemmt. Alle seine Rettungsversuche schlagen fehl. Langsam werden Proviant und Wasser knapp. Ein Überlebenskampf beginnt... Von den virtuous montierten Anfangssequenzen, die einem schon fast den Atem verschlagen, bis hin zu den ganz einsamen und intimen Momente seiner bizarren Gefangenschaft inmitten von Stein, trägt 127 HOURS die klare Handschrift seines Machers. Boyle gelingt es, seinen Film trotz des extrem eingeschränkten Spielorts abwechslungsreich und weitgehend spannend zu inszenieren. Die Kameraexperten Anthony Dodd Mantle und Enrique Chediak finden ständig neue, oft ungewöhnliche Perspektiven – ein optischer Hochgenuss! James Franco als eingeklemmter Extrembergsteiger lässt das Publikum mit sich leiden. So sehr sogar, dass eine der gezeigten Sequenzen zum Krassesten, was die Leinwand je zu Gesicht bekommen hat, zählen dürfte. Hier mussten auch Hartgesottene mehrfach Blinzeln! Bild- und tontechnisch bietet 127 HOURS jedenfalls Unterhaltung auf höchstem Niveau. Während seines Martyriums hat Aron Ralston, der geborene Egoist, eine Eingebung: der Felsbrocken, der ihn einklemmt, wartete schon sein ganzes Leben auf ihn! Doch – so scheint’s – führte diese Einsicht nicht etwa zur Läuterung des einsamen Helden. Ganz im Gegenteil: Ralston – so erfahren wir am Ende des Films - ist inzwischen verheiratet und stolzer Vater, lebt aber seine Extremkletterei weiter ungehemmt aus. Der Typ hat nichts dazugelernt.
Mittwoch, 12. Januar 2011
Der stotternde König
Mit der Ausbeute vom heutigen Pressetag war ich sehr zufrieden. Und ich darf jetzt schon sagen, dass ich einen der besten Filme des Jahres gesehen habe!

DIE SINGENDE STADT (1:1.85, Digital, PCM 5.1)
Verleih: RealFiction
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Vadim Jendreyko
Kinostart: 10.02.2010

Am Beispiel der Inszenierung einer modernen “Parsifal”-Inszenierung gewährt Vadim Jendreyko in seinem Dokumentarfilm einen faszinierenden Einblick in den Mikrokosmos des Stuttgarter Opernhauses. Seine Bilder werden dabei nicht kommentiert, sondern sprechen für sich. Dem Zuschauer fällt dabei die Aufgabe des Beobachters zu. Eine Aufgabe, die mir als bekennenden Opern-Muffel doch recht viel Spaß bereitet hat. Ob es nun der amerikanische Solist ist, der mit dem Wort “unenthüllt” schwer zu kämpfen hat oder die Chormitglieder, die sich gegen die allzu freizügige Garderobe auflehnen oder der Requisiteur, der in breitestem Schwäbisch erklärt, mit welcher Technik er auf der Bühne das Blut spritzen lässt – alle diese Momentaufnahmen lassen nur erahnen, welch großer Kraftakt die Inszenierung einer Oper darstellt. Und das Stuttgarter Opernhaus bietet gleich zehn Opern pro Jahr an. Eine gelungene Dokumentation, bei der anfangs leider die Technik streikte. Denn das zur Vorführung gekommene Digitalmaterial war leider in Ton und Bild komplett asynchron. Daraufhin wurde uns der Film leider von einer in Bild- und Tonqualität minderwertigen DVD präsentiert. Zu wünschen ist, dass die Asynchronität bis zum Kinostart noch rechtzeitig korrigiert wird.

THE KING’S SPEECH (1:1.85, DD 5.1)
OT: The King’s Speech
Verleih: Senator
Land/Jahr: Großbritannien, Australien 2010
Regie: Tom Hooper
Darsteller: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter
Kinostart: 17.02.2011

England kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Bertie, jüngster Spross von König George V. und glücklich verheiratet, hat ein großes Problem: er stottert. Doch das Problem hält sich in Grenzen, wird er von seinem Vater lediglich zu unwichtigen Anlässen ins Rampenlicht geschickt, wo er mehr schlecht als recht Reden halten muss – für ihn, den Stotterer, ein absoluter Alptraum. Auf Drängen seiner Frau beginnt er eine Sprachtherapie bei dem Australier Lionel Logue, der sehr unorthodoxe Methoden anwendet... Die besten Drehbücher schreibt das Leben selbst. Denn THE KING’S SPEECH beruht auf einer wahren Begebenheit, die der Öffentlichkeit lange nicht bekannt war. Mit seinem Drehbuchautor David Seidler entwickelte Regisseur Tom Hooper daraus einen absolut grandiosen und vor allem sehr menschlichen Film. Großen Verdienst daran hat das exzellente Ensemble. Colin Firth als stotternder König vermag dessen Ängste und inneren Kämpfe perfekt auf die Leinwand zu zaubern – so perfekt, dass man als Zuschauer mit dem König bangt sobald er vor ein Mikrofon tritt. Geoffrey Rush als der eigenwillige Sprachtherapeut Lionel Logue, der zum besten Freund seines Patienten wird, überzeugt ebenfalls mit seinem Spiel. Keine Frage: hier wird es demnächst Preise hageln! Die sehr einfühlsame Musik von Alexandre Desplat, ergänzt durch einige passend ausgewählte Klassikstücke, vertieft die gespielten Emotionen vortrefflich. Fazit: britisches Kino at its best, das man möglichst in der englischen Originalfassung goutieren sollte.
Dienstag, 11. Januar 2011
Helden ohne Strumpfhosen
Gleich dreimal durften wir heute im Kino Platz nehmen. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen...

THE GREEN HORNET (1:2.35, 2K Digital, 3D, PCM 5.1)
OT: The Green Hornet
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Michel Gondry
Darsteller: Seth Rogen, Jay Chou, Cameron Diaz
Kinostart: 13.01.2011

Nach dem Tod seines Vaters tritt dessen verwöhnter Spross Britt Reid in die Fußstapfen des integeren Zeitungsmoguls. Als er die außergewöhnlichen Fähigkeiten dessen Chauffeurs Kato erkennt, der eigentlich mehr ein genialer Erfinder denn guter Chauffeur ist, beschließt er mit ihm zusammen auf Superhelden zu machen und gegen das Verbrechen in der Stadt zu kämpfen. Doch schon bald entwickeln sich die beiden Unbedarften zu Konkurrenten... Das Jahr hat kaum angefangen und schon gibt es die erste große Enttäuschung. Denn was hier Ausnahmeregisseur Michel Gondry (VERGISSMEINNICHT, THE SCIENCE OF SLEEP) auftischt sticht in keiner Art und Weise. Es pikst noch nicht einmal. Seth Rogan in der Rolle des verwöhnten Millionärs hat alles andere nur kein Charisma. Eigentlich ist er jener Typ von Schauspieler, den man anheuert, wenn’s möglichst langweilig sein soll. Somit die absolute Fehlbesetzung. Da überzeugt schon eher sein Kollege Jay Chou, der irgendwie an Inspektor Clouzots asiatischen Trainer erinnert. Die beiden Superhelden (immerhin ohne Strumpfhosen) verstehen sich gemeinsam bestens darauf, das Publikum zu langweilen. Klar hat hier das uninspirierte Drehbuch komplett versagt, doch man wird’s in erster Linie den Schauspielern anlasten. Vollkommen unmotiviert streut Regisseur Gondry urplötzlich harte Brutalitäten in seinen eigentlich komisch gemeinten Film, der dann natürlich ganz aus der Balance gerät. Und last but not least darf man sich als Kinogänger berechtigterweise fragen, warum man eigentlich für ein derart flaches Bild eine 3D-Brille auf der Nase tragen muss. Das traurige Resultat eines nachträglich von 2D auf 3D konvertierten Films. Publikumsbeschwerden sind garantiert.

DIE KINDER VON PARIS (1:2.35, DD 5.1)
OT: La Rafle
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Frankreich, Deutschland 2010
Regie: Rose Bosch
Darsteller: Gad Elmaleh, Mélanie Laurent, Jean Reno
Kinostart: 10.02.2011

Paris im Kriegsjahr 1942. Die Deutschen haben Frankreichs Hauptstadt übernommen und fordern die Franzosen auf, Zigtausende von Juden zu deportieren. Die französische Regierung kommt der Forderung der Nazis nach. In einer Nacht und Nebel Aktion werden die französischen Juden in einem Velodrom interniert und harren ihrem ungewissen Schicksal. Regisseurin Rose Bosch widmet sich in ihrem bewegenden Drama einem der schwärzesten Kapitel der französischen Geschichte, das lange genug tabuisiert wurde. Am Schicksal des 11jährigen Joseph, seiner Familie und Freunden schildert sie in ihrem aufwändigen und aufwühlenden Film, dass es nicht nur Böse auf der Seite der Deutschen gab, sondern ebenso auf französischer Seite. Jean Reno in der Rolle eines jüdischen Arztes, der sich im Lager um die Krankem kümmert und Mélanie Laurent (mit faszinierender Leinwandpräsenz) als eine vom französischen Staat beauftragte Krankenschwester, tun ihr Möglichstes, um den Internierten zu helfen – meist vergebens. Der Film - nach wahren Ereignissen historisch korrekt inszeniert – kann durchaus als mahnendes Beispiel verstanden werden.

VORSTADTKROKODILE 3 (1:1.85, DD 5.1) Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Wolfgang Groos
Darsteller: Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Leonie Tepe
Kinostart: 20.01.2011

Als sich Frank bei einem Go-Kart-Rennen seine Leber verletzt, hilft ihm nur noch eine Transplantation. Als Spender kommt nur sein älterer Bruder in Frage – und der sitzt im Knast. Ein klarer Fall für Franks Freunde, die “Krokodile”. Die gewieften Teenies tüfteln einen Masterplan aus, um Franks Bruder aus dem Gefängnis zu holen... Auch Teil 3 der Krokodile-Saga aus dem Ruhrpott hat alles was ein Film für ein junges Publikum braucht: jede Menge Action, coole Sprüche und die ersten Probleme der ersten Liebe. Das Hohelied an die Freundschaft vermag grandios zu unterhalten und gibt der Langeweile keine Chance. Empfehlenswert für die ganze Familie.
Montag, 10. Januar 2011
Unschuldig hinter Gittern
Willkommen im neuen Jahr! Auch 2011 gibt es hoffentlich wieder viele Pressevorführungen. Und dass man sich durchaus Hoffnung machen darf belegen gleich neun Einladungen gleich in dieser Woche.

BETTY ANNE WATERS (1:1.85, DD 5.1)
OT: Conviction
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Tony Goldwyn
Darsteller: Hilary Swank, Sam Rockwell, Juliette Lewis
Kinostart: 17.03.2011

Kenny ist ein waschechter Hitzkopf. Kein Wunder, dass ihm da schon ab und zu mal die Sicherungen durchbrennen und sich die Polizei für ihn interessiert. 1983 wandert er lebenslänglich in den Knast für einen brutalen Mord, den er 1980 begangen haben soll. Nur seine Schwester Betty Anne glaubt an seine Unschuld und gibt ihn nicht auf. Weil sie sich keinen Anwalt mehr leisten können, beschliesst Betty Anne selbst Jura zu studieren. Ihr Kampf um Kennys Freilassung wird sie über zwanzig Jahre ihres Lebens kosten... Der nach wahren Ereignissen inszenierte Film funktioniert als Justizdrama insbesondere wegen seiner exzellenten Darsteller. Hilary Swank brilliert als Betty Anne Waters, einer Kämpferin, die dafür aber große Opfer bringen muss. Sam Rockwell als ihr hitziger Bruder Kenny wirkt absolut authentisch. War er es oder war er es nicht? Betty glaubt an seine Unschuld, doch das Publikum darf zappeln! Und schließlich Juliette Lewis – wieder in einer Nebenrolle, doch wahrhaft überzeugend als notorische Alkoholikerin, deren Aussage Kenny ins Gefängnis befördert. BETTY ANNE WATERS bleibt als Film zwar eher auf TV-Niveau, bietet dafür aber eine packende Geschichte mit hervorragenden Darstellern.

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