Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Freitag, 30. November 2012
Ein Film für blutige Anfänger
Zumindest die Besetzung ließ aufhorchen, als ich mich in die heutige Pressevorführung setzte. Aber auf das was dann folgte, konnte mich niemand vorbereiten.

HOUSE AT THE END OF THE STREET (1:2.35, DD 5.1)
OT: House At The End Of The Street
Verleih: Universum (SquareOne)
Land/Jahr: USA, Kanada 2012
Regie: Mark Tonderai
Darsteller: Jennifer Lawrence, Elisabeth Shue, Max Thieriot
Kinostart: 17.01.2013

Das riesige Haus, das die 17-jährige Schülerin Elissa gemeinsam mit ihrer Mutter Sarah bezieht, war nur deswegen so günstig zu bekommen, weil im Nachbarhaus, dem letzten in der Straße, vor vielen Jahren ein grausames Verbrechen stattfand. Dort hatte nämlich ein Mädchen seine Eltern getötet und verschwand daraufhin spurlos. Jetzt wohnt dort deren Sohn Ryan in dem Mordhaus ganz alleine. Elissa freundet sich mit ihm an, nichtsahnend, dass das Haus in einem Geheimzimmer unterhalb des Kellers ein furchtbares Geheimnis hütet... Man könnte fast den Eindruck haben, dass Regisseur Mark Tonderai und sein Drehbuchautor David Loucka davon ausgehen, dass sich ihre Zuschauer noch nie zuvor einen Thriller angeschaut haben. Denn wüssten die beiden, dass es solche Zuschauer vermutlich gar nicht gibt, so hätten sie auf so manches Klischee in ihrem Film verzichtet. So aber nervt beispielsweise jene Taschenlampe einfach nur noch, die just in dem Augenblick ihren Dienst versagt, als sich ein Polizist dem mysteriösen Haus nähert. Uns allen ist klar – und damit ist keineswegs zuviel verraten! – der arme Officer wird den nächtlichen Einsatz nicht überleben. Aber auch an anderen Stellen im Film weist das Drehbuch sämtliche Logik weit von sich. Bestes Beispiel dafür ist das Deponieren des Schlüssels zur unterirdischen Geheimkammer. Mehr sei darüber nicht verraten – soll sich ein jeder selbst einen Reim darauf machen. Zu guter Letzt sei noch die Frage erlaubt, was Shooting Star Jennifer Lawrence in diesem B-Film zu suchen hat. Denn das hat sie nach Rollen in WINTER’S BONE, SILVER LININGS und DIE TRIBUTE VON PANEM wirklich nicht verdient. Der nur mäßig spannende Thriller dürfte es extrem schwer haben, sich einen Platz bei Thrillerfans zu erkämpfen.
Donnerstag, 29. November 2012
Eine Muse, ein Tiger und viele Polizisten
Ein bisschen Schummeln ist erlaubt: den dritten Film unter dem heutigen Datum habe ich bereits gestern gesehen.

RENOIR (1:1.85, DD 5.1)
OT: Renoir
Verleih: Arsenal (Central)
Land/Jahr: Frankreich 2012
Regie: Gilles Bourdos
Darsteller: Michel Bouquet, Thomas Doret, Romane Bohringer, Christa Theret
Kinostart: 07.02.2013

Cote D’Azur 1915. Der in die Jahre gekommene Maler Pierre-Auguste Renoir leidet nicht nur unter dem Verlust seiner Frau, sondern ganz besonders unter einer schweren Arthritis, die ihm das Malen fast unmöglich macht. Als die junge Andrée als Modell bei ihm vorstellig wird, gewinnt Renoir wieder die Kraft zu Malen. Als sein zweitältester Sohn Jean wegen einer Verletzung von der Front des Ersten Weltkriegs zurückkehrt, findet er ebenfalls Gefallen an der schönen Andrée. Sie wird zur Muse von Vater und Sohn... In schöne Bilder kleidet Gilles Bourdos seinen auf Tatsachen beruhenden Film, an dessen Ende sogar der berühmte Filmregisseur Jean Renoir geboren wird. Christa Theret spielt die unkonventionelle Muse sehr gekonnt – und freizügig dazu. In der Rolle des berühmten Malers glänzt Michel Bouquet, dessen sonore Stimme allerdings nur im Original richtig zur Geltung kommt. Mit seiner atmosphärisch perfekt getroffenen Sommerstimmung ist RENOIR genau der richtige Film, um ihn sich bei trübem und kaltem Winterwetter anzuschauen.

LIFE OF PI – SCHIFFBRUCH MIT TIGER (1:1.85, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Life Of Pi
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Ang Lee
Darsteller: Suraj Sharama, Irrfan Khan, Tabu
Kinostart: 26.12.2012

Um Inspirationen für ein neues Buch zu bekommen, trifft sich ein Schriftsteller mit einem in Kanada lebenden Inder Pi. Der erzählt, wie er als Jugendlicher gemeinsam mit dem Bruder und seinen Eltern Indien aus wirtschaftlichen Gründen verlassen musste. Mit auf das Schiff nahm die Familie alle Tiere des Zoos, den sie in Indien besaßen, um sie in Amerika zu verkaufen. Doch ein schwerer Sturm brachte das Schiff zum Kentern und Pi fand sich plötzlich auf einem Rettungsboot wieder – in Gesellschaft eines bengalischen Tigers... Ang Lees bildgewaltiger Kinofilm dürfte schon jetzt einer der ganz heissen Anwärter bei den Oscars sein. Seit James Cameron seine TITANIC untergehen ließ, gab es keinen derart sensationellen Schiffsuntergang mehr im Kino zu sehen. Hier geht man als Kinozuschauer wahrhaftig mit unter – dafür sorgen die absolut überzeugenden visuellen Effekte und ein ausgefeiltes Sounddesign. Daher die Empfehlung, sich diesen Film in einem technisch gut ausgestatteten Kino anzuschauen und anzuhören – am besten in Dolby Surround 7.1! Auch die 3D-Technik ist eine Augenweide – hier vertraue ich auf die Aussagen von Kollegen, die im Gegensatz zu mir mit dreidimensionalen Bildern kein Problem haben. Doch Ang Lees Film ist nicht nur in technischer Hinsicht brillant. Denn er bietet auch noch eine tiefschürfende Geschichte an, die auf Yann Martels gleichnamigem Besteller basiert. Darin geht es um Glauben und Religion und wie man damit umgeht. Was soll man glauben und was nicht? Der Film findet Antworten – einleuchtend und universell verständlich. LIFE OF PI ist einer jener Filme, die man nicht gleich nach dem Verlassen des Kinosaals wieder vergessen wird. Ein Geheimtipp!

BISSIGE HUNDE (1:2.35, 5.1)
Verleih: ohne
Land/Jahr: Deutschland 2012
Regie: Alex Eslam
Darsteller: Tobias Oertel, Rick Okon, Jörg Witte
Kinostart: ohne

Als ein Polizist erkennt, dass es sich bei dem Bankräuber, der nach einem Überfall mehrere Geiseln in seiner Gewalt hat, um seinen eigenen Sohn handelt, setzt er damit eine ganze Reihe von Ereignissen in Gang, die tödliche Folgen haben... Der Eröffnungsfilm der “18. Filmschau Baden-Württemberg” ist der Diplom-Film von Regisseur mit Co-Autor Alex Eslam, den er an der Filmakademie Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Privat-Sender SAT.1 inszenierte. Bemerkenswert ist dabei, das es sich um einen Genre-Film handelt und nicht etwa um einen abgehobenen Kunst-Film. Das macht Hoffnung, dass die Ausbildung an der Filmakademie durchaus auch kommerzielle Früchte tragen kann! Den Charakter einer Abschlussarbeit, den so mancher Diplom-Film leider nicht verbergen kann, sieht man Eslams Film nicht an. Hier stimmt die visuelle Umsetzung von Anfang bis Ende. Auch die Besetzung lässt keinen Zweifel aufkommen, das hier mit professionellen Maßstäben gearbeitet wurde. Gleiches gilt für die Filmmusik. Der einzige Schwachpunkt des Films ist das Drehbuch. Hier wurde etwas zu verkrampft versucht, unvorhersehbare Plot Twists einzubauen. Ein Fehler, der auch in vielen Hollywood-Produktionen passiert. Fazit: brauchbare Thriller-Unterhaltung, technisch brillant umgesetzt.
Dienstag, 27. November 2012
Von toten Hunden, betagten Sängern und rostigen Rittern
Heute gab es gleich drei Pressevorführungen. Aber alles schön der Reihe nach...

FRANKENWEENIE (1:1.85, 3D, DD 5.1 + 7.1)
OT: Frankenweenie
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Tim Burton
Kinostart: 24.01.2013

Victor ist ein Einzelgänger. In der Schule hat er keine Freunde, Sport mag er nicht. Dafür liebt er seinen Hund Sparky über alles. Doch dann passiert etwas Schreckliches: als er einem Ball nachläuft, wird Sparky von einem Auto überfahren. Victor versinkt in eine Depression. Bis ihn der neue Physiklehrer auf eine Idee bringt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gräbt Victor seinen toten Hund auf dem Friedhof aus, flanscht Elektroden an ihn heran und wartet auf ein Gewitter. Sein Experiment hat Erfolg: ein Blitzschlag holt Sparky aus dem Totenreich zurück. Doch damit beginnen die eigentlichen Probleme erst... Mit FRANKENWEENIE betritt Tim Burton altbekanntes Terrain. Ein Terrain, in dem er sich wie zu Hause fühlt: phantastisch, gruselig, morbid und in Schwarzweiß. Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail inszenierte Burton diesen Puppentrickfilm, der zugleich einem ganzen Genre huldigt: dem B-Horrorfilm! Der Physiklehrer mit dem schier unaussprechlichen Namen, Mr. Rzykruski, ist eine direkte Hommage an Horrorfilm-Darsteller Vincent Price und wird im Original von Martin Landau mit brillantem ausländischem Akzent gesprochen. Die Vorstadtsiedlung, in der sich alles abspielt, könnte direkt aus EDWARD SCISSORHANDS stammen. Und die mutierten Äffchen erinnern an die GREMLINS. Wie immer bei Burton lieferte Danny Elfman den Score für den Film: großes Orchester und Chor sorgen für eine gute Portion wohligen Schauers. Auch wenn sein Film im letzten Drittel etwas abflacht, so ist Burton nach seinem enttäuschenden DARK SHADOWS mit FRANKENWEENIE wieder “Back on Track”. Burton-Fans, freut Euch!

QUARTETT (1:2.35, DD 5.1)
OT: Quartet
Verleih: DCM
Land/Jahr: Großbritannien 2012
Regie: Dustin Hoffman
Darsteller: Maggie Smith, Michael Gambon, Billy Connolly
Kinostart: 24.01.2013

Die idyllische Seniorenresidenz “Beecham House” im lieblichen England ist nicht irgendeine Seniorenresidenz, sondern eine ganz besondere: hier genießen berühmte Operndiven, Startenöre und Musiker ihren wohlverdienten Lebensabend. Um den Fortbestand der Residenz finanziell zu sichern, planen die Bewohner eine große Gala zum Geburtstag des Opernkomponisten Verdi – zu Top-Eintrittspreisen versteht sich. Als Höhepunkt soll ein legendäres Gesangs-Quartett ein bekanntes Quartett aus “Rigoletto” aufführen. Doch es gibt ein Problem: die zum Quartett gehörende Diva Jean Horton, die eben erst in die Residenz gezogen ist, und der langjährige Bewohner Reginald haben noch eine offene Rechnung: vor vielen, vielen Jahren waren sie einmal verheiratet. Alte Wunden brechen wieder auf... “Oper ist, wenn man ein Messer in den Rücken gerammt bekommt, aber nicht blutet, sondern singt!” – Mit dieser sehr eigenwilligen Interpretation versucht der pensionierte Opernsänger Reginald, einer Gruppe von Schülern das Wesen der Oper zu veranschaulichen. Und er bringt es damit genau auf den Punkt. Denn was sich in diesem Seniorenheim für betagte Sänger und Musiker alles abspielt, strotzt nur so vor Eitelkeiten, Eifersüchteleien und Bosheiten. Das muss ja auch nicht wundern, wenn einst berühmte Opernstars auf engstem Raum ihren Lebensabend verbringen müssen. Und in keinem anderen Land passiert das alles so höflich und freundlich wie in England - einfach köstlich! Wer die Möglichkeit hat, den Film im englischen Original anzuschauen, der sollte dies unbedingt tun. Dustin Hoffman beweist in seinem Regie-Debüt, dass er ein Händchen hat für gute Darsteller. Es gelingt ihm wirklich feinste Nuancen aus seinem Ensemble herauszukitzeln. Bei all den Dramen in der Seniorenresidenz kommt aber auch die Musik nicht zu kurz. Man muss wahrhaftig kein Opern-Fan sein, um große Freude bei diesem “Best of” zu empfinden. QUARTETT ist ein Stück grandioses Kino!

RITTER ROST – EISENHART UND VOLL VERBEULT (1:185, 3D, DD 5.1)
Verleih: Universum (Walt Disney)
Land/Jahr: Deutschland 2012
Regie: Thomas Bodenstein, Hubert Weiland, Nina Wels
Kinostart: 10.01.2013

Der aus Altschrott zusammengebaute Ritter Rost möchte beim Turnier in Schrottland gewinnen, um das Herz von Burgfräulein Bö zu erobern. Vor den Augen des Königs gelingt es ihm auch tatsächlich, den Favoriten Prinz Protz zu schlagen. Als der aber nachweisen kann, dass Ritter Rosts Blechpferd mit einem gestohlenen Motor ausgestattet ist, aberkennt der König den Ritterstatus von Rost. Jetzt muss er sich erneut bewähren. Was er noch nicht ahnt: Prinz Protz treibt ein intrigantes Spiel... Ritter Rost und seine Freunde, Burgfräulein Bö und Drache Koks, erleben nach unzähligen Musicalbänden, Hörspielen, Büchern und DVDs ihr erstes Abenteuer auf der großen Kinoleinwand. Die extrem skurril anmutenden Protagonisten bestehen dabei fast alle aus Schrott und sind trotzdem so lebendig wie man nur lebendig sein kann. Das ist alles äußerst phantasievoll gestaltet, richtet sich aber vornehmlich an die ganz jungen Zuschauer. Die können sich an jeder Menge Spaß und Action erfreuen. Besonders witzig: die Kolbenfresser – kleine Nager, die sich liebend gerne über Kolben hermachen.
Montag, 26. November 2012
Drama in den Bergen
Im Gegensatz zur vergangenen Woche mit gerade einmal zwei Pressevorführungen kann sich die neue Woche mit ihren geplanten sieben Screenings mal wieder sehen lassen.

THE LONELIEST PLANET (1:1.66, Stereo)
OT: The Loneliest Planet
Verleih: Camino
Land/Jahr: USA, Deutschland 2011
Regie: Julia Loktev
Darsteller: Gael García Bernal, Hani Furstenberg, Bidzina Gujabidze
Kinostart: 03.01.2013

Alex und Nica, ein junges Paar aus Amerika, bereisen Georgien, um das Land kennenzulernen. Als Backpackers wollen sie unter Führung eines Einheimischen den Kaukasus durchqueren. Mit Dato, einem ebenso offenen wie auch einsilbigen Bergführer, finden die beiden einen geeigneten Guide. Die teilweise strapaziöse Wanderung durch die Gebirgslandschaft lockert das Trio mit Späßen, dem Konjugieren von Vokabeln, Ratespielen und dergleichen auf. Doch in einem entscheidenden Moment wird die Beziehung von Alex und Nica komplett infrage gestellt und die Stimmung kippt... Julia Loktevs Film entzieht sich radikal handelsüblichen Sehgewohnheiten. Der Film wirft den Betrachter bereits von Anfang an in eine vollkommen unbekannte Welt. Die gezeigten Aufnahmen erscheinen konfus, da es sich um Momentaufnahmen handelt, die ohne jegliche Erklärung die beiden Protagonisten in einem fremden Land zeigen. Dass es sich hier um Georgien handelt, erfährt man erst sehr viel später im Verlauf des Films. Und der wird von extrem langen, oftmals statischen Einstellungen geprägt. Dazu gibt es immer wieder einmal lange Totalen, die mit Filmmusik unterlegt sind, die jedoch mit dem nächsten Schnitt radikal abgewürgt wird. Obgleich diese Dramaturgie ziemlich gewöhnungsbedürftig erscheint, kann man dem Film einen gewissen Reiz nicht absprechen. Der nämlich liegt in der psychologischen Entwicklung der Beziehung der Protagonisten und deren Führer. Und die ist durchaus authentisch und sehr gut nachvollziehbar gestaltet. So bleibt das Drama in der kargen Gebirgslandschaft durchaus spannend. Allerdings wird der Film hierzulande vermutlich kein großes Publikum finden, weil er einfach zu sperrig und zu lang ist.
Freitag, 23. November 2012
Wenn die Zelle zum Gefängnis wird
Die zweite und letzte Pressevorführung dieser Woche konfrontierte mich vermutlich mit einem Meisterwerk, das ich nicht erkannte.

CÄSAR MUSS STERBEN (1:1.85, DD 5.1)
OT: Cesare Deve Morire
Verleih: Camino
Land/Jahr: Italien 2012
Regie: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Darsteller: Salvatore Striano, Cosimo Rega, Giovanni Arcuri
Kinostart: 27.12.2012

“An dem Tag, als ich die Kunst verstand, wurde meine Zelle zum Gefängnis”, sagt einer der Darsteller am Schluss des Films. Das Prekäre daran: bei dem Darsteller handelt es sich um einen Strafgefangenen, der eine mehrjährige Strafe im Hochsicherheitstrakt der Strafanstalt Rebibbia in Italien. Er ist nur einer von vielen Inhaftierten, die sich sechs Monate lang an einem Theaterprojekt beteiligten. Die Regie-Brüder Taviani haben das Projekt und die Hauptdarsteller im Speziellen ein halbes Jahr lang mit ihrer Kamera beobachtet. Das beginnt mit einem Vorsprechen, bei dem die Kandidaten Gefühle und Zorn unmittelbar nacheinander darstellen sollen, und setzt sich fort bei den anstrengenden Proben. Die werden in Gruppen, alleine, in Zellen, auf dem Freigelände und auch in den Gängen des Gefängnisses abgehalten – überall dort, wo es sich eben ergibt. Bei dem Stück, das zur Aufführung gebracht werden soll, handelt es sich um kein Geringeres als Shakespeares “Julius Cäsar”. Nach und nach verschmelzen die Gefangenen mit ihren Rollen, “Julius Cäsar” wird zu ihrem Alltag und damit zu einer mentalen Flucht aus ihrem Schattendasein. Die Aufführung vor gemischtem Publikum wird mit viel Applaus bedacht. Danach heisst es für die Laiendarsteller wieder zurück in die Trostlosigkeit ihrer Zellen. Leider versäumt es der fast komplett in Schwarzweiß gedrehte Film, die tatsächlichen Schicksale seiner Protagonisten zu präsentieren, d.h. das Dokumentarische reduziert sich vollständig auf die Inszenierung des Theaterstückes. Das wiederum könnte leicht dazu führen, dass man sich als Zuschauer die Frage stellt, warum nicht immer Strafgefangene als Schauspieler rekrutiert werden. Denn die im Film gezeigten Exemplare spielen ihre Rollen hervorragend und haben darüber hinaus keine hohe Gagen! Die vielen Auszeichnungen, die der Film mittlerweile schon erhalten hat (darunter der “Goldene Bär” der Berlinale), sprechen derweil eine andere Sprache und lassen vermuten, dass ich persönlich wohl nichts von Kunst verstehe. Um seine Authentizität zu gewährleisten, wird der Film nur in untertitelter Fassung in die deutschen Kinos gebracht.
Mittwoch, 21. November 2012
Der Märchenkönig
Ein Stück deutscher (oder besser: bayerischer) Geschichte wurde heute vor unseren Augen wieder lebendig - auf der Leinwand im großen Kinosaal. Wo sonst?

LUDWIG II. (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Warner
Land/Jahr: Deutschland, Österreich 2012
Regie: Peter Sehr, Marie Noëlle
Darsteller: Sabin Tambrea, Sebastian Schipper, Hannah Herzsprung, Edgar Selge, Friedrich Mücke, Justus von Dohnányi, Samuel Finzi, Tom Schilling
Kinostart: 26.12.2012

Kronprinz Ludwig von Bayern ist gerade 18 Jahre alt, als sein Vater König Max II. stirbt. Weil Ludwigs Bruder jünger ist als er, findet er sich unfreiwillig in der Rolle des Königs von Bayern wieder. Dabei will er von Politik und Staatsgeschäften eigentlich gar nichts wissen, interessiert er sich doch über allen Maßen für die Künste und für die Musik Richard Wagners im Besonderen. Ihn holt der verträumte junge Mann als eine seiner ersten Handlungen an seinen Hof, sehr zum Missfallen einiger Minister. Gemeinsam mit Wagner will Ludwig dem Krieg mit Musik entgegentreten. Doch die Realität holt den Monarchen schon sehr früh wieder ein und treibt ihn damit Stück für Stück in den Wahnsinn... Als der Märchenkönig ist er in die Geschichtsbücher eingegangen: Ludwig II. von Bayern. Hätte es ihn nie gegeben, so würden auch Schloss Neuschwanstein sowie einige andere Schlösser nicht existieren und der Freistaat wäre um ein paar Attraktionen ärmer. In ihrem opulent ausgestatteten Film präsentieren Peter Sehr und Marie Noëlle Ludwig weniger als einen Staatsmann und Politiker, sondern rücken genau das in den Fokus, was Ludwig ausmachte: er war ein Träumer, der den Künsten erlegen war und an Politik nicht im Mindesten interessiert. Von Sabin Tambrea überzeugend gespielt, zeigt sich der Wahn in seinen Augen schon kurz nach dem Tode seines Vaters, als er in dessen Fußstapfen treten muss. Auch seine unterdrückte Homosexualität wird zu einem Gespenst, mit dem er Tag für Tag leben muss und das ihn schließlich im Alter vollends in den Wahnsinn treibt. Der Hauptteil des 136 Minuten langen Epos konzentriert sich auf die Zeit zwischen Ludwigs Thronantritt und dem Beginn des Baus von Schloss Neuschwanstein. Hier springt der Film dann plötzlich 14 Jahre weiter und Sebastian Schipper übernimmt in den restlichen 30 Minuten des Films die Rolle des gealterten Ludwig. Man gewinnt hier leicht den Eindruck, dass ein wesentlich längerer Film auf kinoübliche Zeit zusammengestrichen wurde. So schön manche der Bilder auch anzusehen sind, so ärgerlich ist die Tatsache, dass oft die im oberen Bildteil befindlichen Köpfe der Darsteller angeschnitten sind. Das stört die Ästhetik des Films nachhaltig und lässt vermuten, dass möglicherweise von einem HD-Format auf CinemaScope umkopiert wurde, ohne die erforderliche Kadrierung zu beachten. Zu konstatieren ist jedoch, dass der Film trotz seiner Länge in keinem Augenblick langweilig erscheint.
Freitag, 16. November 2012
Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann?
Dass der Markt mit computeranimierter Ware bereits vollständig gesättigt ist, durften wir bei der heutigen Vorführung erfahren.

DIE HÜTER DES LICHTS (1:2.35, 3D, 5.1 + 7.1 + Dolby Atmos)
OT: Rise Of The Guardians
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Peter Ramsey
Kinostart: 29.11.2012

Seit Hunderten von Jahren muss sich Jack Frost mit der Tatsache abfinden, dass ihn keiner mag und niemand an ihn glaubt. Im Gegensatz zu Nikolaus, Osterhase, Zahnfee und Sandmännchen, die sich alle über den Glauben der Kinder erfreuen können. Als jedoch plötzlich der Schwarze Mann in Erscheinung tritt, um den Kindern ihren Glauben an Weihnachtsmann & Co. zu rauben, findet Jack Frost endlich zu seiner wahren Bestimmung: gemeinsam mit seinen Kollegen soll er als “Hüter des Lichts” gegen den Schwarzen Mann kämpfen... Ob Sandmännchen, Nikolaus oder Jack Frost: hier schwirren die Charaktere den ganzen Film über durch die Lüfte. Fast pausenlos wirbeln sie umher und sollen vermutlich mit dieser künstlich erzeugten Action davon ablenken, dass es mit der Geschichte nicht weit her ist. Die nämlich bleibt leider ziemlich oberflächlich. Da geht es zwar um das Finden des eigenen Inneren, das Finden seines Platzes auf der Welt oder gar im Universum, aber das ist inzwischen bereits so abgedroschen, dass man es gar nicht mehr schauen mag. Da helfen dann auch die putzigen Zwerge oder die Babyfee nicht weiter, deren Rollen sowieso nur ganz rudimentär in Erscheinung treten (was sehr schade ist). Animationstechnisch lässt der im Computer entstandene Film freilich keine Wünsche offen, aber das ist inzwischen ja eigentlich Standard in diesem Genre. Wenn es eine Animationsfilm zur Weihnachtszeit sein soll, dann fällt meine persönliche Wahl nach wie vor auf RALPH REICHT’S.
Donnerstag, 15. November 2012
Skalpjäger und Bombenentschärfer
Nichts geht über Kontrastprogramm. Zu abendlicher Stunde gab es einen Horrorfilm in der Pressevorführung, gefolgt von einer regulären Filmvorführung der ganz romantischen Art

MANIAC (1:2.35, DD 5.1)
OT: Alexandre Ajas Maniac
Verleih: Ascot Elite (24 Bilder)
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Franck Khalfoun
Darsteller: Elijah Wood, America Olivo, Nora Arnezeder
Kinostart: 27.12.2012

Seine Dates findet er in Chatrooms im Internet oder durch unbemerktes Beobachten aus seinem Auto heraus auf nächtlicher Straße. Und alle enden auf dieselbe Art und Weise: Frank tötet und skalpiert seine Mädchen – aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Dabei erscheint der als Restaurator von alten Schaufensterpuppen selbständig arbeitende junge Mann nach außen hin als schüchterner und introvertierter Mensch. Wenn er seine Pillen nicht rechtzeitig schluckt, holen ihn die Traumata seiner Kindheit ein und lassen ihn die Realität nur extrem verzerrt erleben. Als die attraktive junge Künstlerin Anna in sein Leben tritt, gerät Frank in einen großen Konflikt: soll er sie ebenfalls töten oder sie zu seiner Freundin machen? Spätestens seit der 1980 von William Lustig inszenierte und mit Joe Spinell besetzte Film auf der Beschlagnahmeliste in Deutschland gelandet ist, weckte MANIAC in Sammlerkreisen Begehrlichkeiten und avancierte zum Kultfilm. Jetzt hat ihn Regisseur Franck Khalfoun neu erfunden und wird dabei sogar vom renommierten französischen Horrorexperten Alexandre Aja protegiert. Gleich von Anfang an fühlt man sich in eine Zeitmaschine gesetzt, die einen zurück in die Vergangenheit führt. Bereits das Synthesizer-Gedudel zu Beginn des Films macht unmissverständlich klar, dass man sich hier mit Haut und (Kopf)Haar den achtziger Jahren verschrieben hat. Was wiederum zu der notwendigen Frage führt, warum man dann überhaupt ein Remake gemacht hat, wenn dieses doch das gleiche Flair wie das Original ausstrahlt. Dieses Mal schlüpft Elijah Wood in die Rolle des psychisch gestörten Killers mit Mutterkomplex. Allerdings sieht man ihn kaum, wird doch der überwiegende Teil des Films aus seiner subjektiven Sicht geschildert. Der Zuschauer wird damit zum Voyeur in diesem fast spannungslosen Werk degradiert. Immerhin: der “Frodo”-Darsteller, der offensichtlich mit diesem ultra-harten Horror-Slasher eine radikale Image-Änderung herbeiführen will, passt wunderbar in die Rolle des Psychopathen. Der Hänfling mit den riesigen schwarzen Augen versteht sich hervorragend darauf, sowohl schüchterne Hilflosigkeit als auch das abgrundtiefe Böse darzustellen. Allerdings nervt die subjektive Wackelkamera ab einem gewissen Punkt eigentlich nur noch. Und was die Tötungs- und Skalpierungssequenzen angeht: es wundert, dass dieser Film unbeschadet durch die FSK-Prüfung gekommen ist. Möglicherweise droht dem Remake dasselbe Schicksal wie dem Original, sobald es auf Heimmedien veröffentlicht wird.

SOLANG ICH LEBE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Jab Tak Hai Jaan
Verleih: Rapid Eye Movies (Rekord-Film)
Land/Jahr: Indien 2012
Regie: Yash Chopra
Darsteller: Shah Rukh Khan, Katrina Kaif, Anushka Sharma
Kinostart: 15.11.2012

Der sich mit Gelegenheitsjobs in London über Wasser haltende Samar lernt zufällig die aus reichem Hause stanmmende Meera kennen. Die beiden verlieben sich, doch Meera ist bereits einem Anderen versprochen. Als Samar einen Unfall hat, betet die gläubige Christin Meera zu Jesus: sie will Samar vergessen, wenn Gott ihn dafür am Leben lässt. Der Wunsch geht in Erfüllung, Samar und Meera trennen sich. Fortan arbeitet Samar als Bombenentschärfer in Pakistan. Dort lernt er die quirlige Akira kennen, die sich in ihn verliebt. Und wieder kommt es zu einem Unfall... Zeitgleich mit seiner indischen Uraufführung erlebt SOLANG ICH LEBE auch seine deutsche Premiere. Allerdings erlebte Regisseur Yash Chopra den Kinostart seines neuesten und damit letzten Filmes nicht mehr: er verstarb zwei Wochen zuvor im Alter von 80 Jahren. Sein letztes Vermächtnis an die Filmwelt ist typisches Bollywood-Kino im besten Sinn. Hier geht es einmal mehr um die wahre Liebe. Sie zu finden ist nicht einfach, denn jede Liebe braucht ihre Zeit. Wie immer müssen die Protagonisten viel leiden und Chopra lässt sein Publikum bis zum Ende bangen – wird es auch dieses Mal ein Happy End geben? Der gut besetzte Film ist exzellent fotografiert und mit einigen netten Song & Dance Nummern ausstaffiert (besonders schön und sexy: der “Dance Battle” in einem Londoner Club), die sich aber fast alle im ersten Teil des Films befinden. Der zweite Teil enthält nur eine einzige Tanznummer, was sehr schade ist. JAB TAK HAI JAAN ist nicht unbedingt der beste Bollywood-Film, aber dennoch eine äußerst willkommene Abwechslung zum amerikanischen Mainstream.
Mittwoch, 14. November 2012
Ein bisschen verrückt sind wir alle
Unglaublich: die Welle an guten Filmen reisst nicht ab!

SILVER LININGS (1:2.35, DD 5.1)
OT: Silver Linings Playbook
Verleih: Senator
Land/Jahr: USA 2012
Regie: David O. Russell
Darsteller: Bradley Cooper, Robert De Niro, Jennifer Lawrence
Kinostart: 03.01.2013

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Pats Vater hat bei den “Eagles” Stadionverbot aufgrund von Prügeleien, Pat selbst musste sich einer psychiatrischen Behandlung unterziehen, weil er den Geliebten seiner Frau fast zu Tode geprügelt hat. Neun Monate sind vergangen und Pat kehrt wieder nach Hause zurück. Er geht zwar zur Therapie, nimmt aber seine Medizin nicht, was natürlich ein großes Problem darstellt. Noch viel größer aber ist seine Liebe zu seiner Frau Nikki. Das Gesetz jedoch verbietet ihm jeglichen Kontakt zu ihr. Da lernt der schnell ausrastende Pat die attraktive Tiffany kennen, die nach dem Tod ihres Mannes nicht weniger labil ist wie Pat... Die tragenden Figuren in David O. Russells Dramödie sind zwei Außenseiter der Gesellschaft. Er (hervorragend verkörpert von Bradley Cooper) ist eben aus der Klapsmühle freigekommen, sie (phantastisch: Jennifer Lawrence) versucht den Tod ihres Mannes mit einem losen Mundwerk und einer ganzen Menge loser Beziehungen zu verarbeiten. Dass sich die beiden ineinander verlieben ist konsequent. Doch so einfach macht es sich weder die Romanvorlage noch das Drehbuch: Pat merkt gar nicht, dass er Gefühle für Tiffany entwickelt, weil er immer noch an seine Frau glaubt! Mit einer oft rasanten Kamera und schnellen Schnitten entwickelt Russell seinen Film, der bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt ist. Wird es ein Happy End für die beiden Protagonisten geben? Der Regisseur lässt die Zuschauer zappeln bis zum Schluss – mit einer großen Portion von Gefühlen natürlich! SILVER LININGS taugt nicht nur hervorragend als Date-Movie, sondern bietet darüber hinaus auch noch beste Kinoqualitäten.
Dienstag, 13. November 2012
Aufwühlend
Der neue Film vom Regisseur von EIN PROPHET – heute in der Pressevorführung.

DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN (1:2.35, DD 5.1)
OT: De Rouille Et D'Os
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: Frankreich 2012
Regie: Jacques Audiard
Darsteller: Marion Cotillard, Matthias Schoenaerts, Bouli Lanners
Kinostart: 10.01.2013

Gemeinsam mit seinem fünfjährigen Sohn, der er selber kaum kennt, findet Ex-Boxer Ali bei seiner Schwester und deren Mann Unterschlupf und nimmt einen Job bei einer Sicherheitsfirma an. Als Türsteher bei einer Disco lernt er die attraktive Stephanie kennen, die ihn jedoch abblitzen lässt. Stephanie arbeitet im “Marineland”, einem Freizeitaquarium, in dem sie mit Walen arbeitet. Erst ein folgenschweres, schicksalhaftes Unglück führt Ali und Stephanie erneut zusammen... Wenn Jacques Audiards Film Anfang Januar 2013 in die bundesdeutschen Kinos kommt, beginnt das Jahr gleich mit einer der ungewöhnlichsten Liebesgeschichten seit langem. In deren Mittelpunkt stehen keine Helden, sondern vielmehr Antihelden. Der von Matthias Schoenaerts gespielte Ali erscheint nicht auf den ersten Blick sympathisch (er prügelt beispielsweise seinen Sohn, zu dem keine innige Verbindung zu haben scheint). Marion Cotillard als Stephanie ist zu Beginn zwar souverän und sympathisch, doch der Fortgang der Geschichte macht aus ihr eine in sich gekehrte, verzweifelte Protagonistin. Audiards Charaktere durchlaufen eine Entwicklung – sie bewegen sich langsam aus ihrer Isolation. Es braucht seine Zeit, bis man für beide Sympathien entwickelt. Zeit, die der Film dem Zuschauer auch zugesteht. Denn mit seinen 120 Minuten Spielzeit ist der Film zwar relativ lang, doch merkt man es ihm nicht an. Denn die unkonventionelle Liebesgeschichte voll überraschender Wendungen hält ihren Spannungsbogen von Anfang bis Ende. Stephane Fontaine fängt darüber hinaus mit seiner Kamera auch ein paar wirklich beeindruckende Bilder ein (brillant: Stephanie verständigt sich an einem riesigen Aquarium mit einem Wal). Auch Alexandre Desplats Filmmusik beeindruckt, indem sie viele Szenen intensiviert. DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN ist aufwühlendes Kino, das eine perfekte Balance zwischen Mainstream und Arthaus bildet.
Montag, 12. November 2012
Große Literaturverfilmung
Nie hätte ich geglaubt, dass ich mich einmal mit Tolstojs “Anna Karenina” anfreunde. Heute ist es passiert!

ANNA KARENINA (1:2.35, DD 5.1)
OT: Anna Karenina
Verleih: Universal
Land/Jahr: Großbritannien 2012
Regie: Joe Wright
Darsteller: Keira Knightley, Jude Law, Aaron Taylor-Johnson
Kinostart: 06.12.2012

Russland 1874. Auf ihrer Reise von St. Petersburg nach Moskau lernt die mit einem hohen Regierungsbeamten glücklich verheiratete Anna Karenina den attraktiven, jungen und ledigen Kavallarie-Offizier Wronskij kennen. Die beiden verlieben sich unsterblich ineinander. Ihre außereheliche Liebesbeziehung wird zum Stadtgespräch in St. Petersburg und Ehemann Karenin sieht sich gezwungen, seiner Frau Anna ein Ultimatum zu stellen. Es folgen romantische wie auch tragische Verwicklungen, die das Leben von Anna und der Menschen in ihrem Umfeld dramatisch verändert... Unglaublich virtuos inszeniert Regisseur Joe Wright seine Version von Leo Tolstojs tragischer Liebesgeschichte “Anna Karenina”. Alles beginnt als ein Theaterstück, doch bald schon brechen die Kulissen auf, geben Raum frei. Mit irrwitziger Geschwindigkeit rasen Kamera und Schnitt durch die Kulissen und landen plötzlich im Freien. Oft verwandeln sich die Szenerien in surreale Gebilde; wenn etwa Anna zum ersten Mal mit ihrem zukünftigen Geliebten tanzt, frieren alle anderen tanzenden Paare ein. So verdeutlicht Wright die große Liebe, die die beiden verbindet und die alles um sie herum vergessen lässt. Die exzellente Kameraarbeit von Seamus McGarvey sowie die ausgezeichnete Filmmusik von Dario Marianelli haben Oscar-Qualitäten. Der exzellente Cast – allen voran Keira Knightley – tut ein Übriges, um den Film zu einem intensiven, aufwühlenden Film zu machen. Wer opulente Bilder und ergreifende Liebesgeschichten mag, dem sei ANNA KARENINA wärmstens empfohlen.
Donnerstag, 08. November 2012
Wie man Drehbücher schreibt und Kinder kriegt
Mit den beiden heutigen Pressevorführungen ging die Pressewoche auch schon zu Ende. Aber moment: da gab es dann sogar noch einen Film zum Nachsitzen.

7 PSYCHOS (1:2.35, DD 5.1)
OT: Seven Psychopaths
Verleih: DCM
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2012
Regie: Martin McDonagh
Darsteller: Michael Pitt, Michael Stuhlbarg, Sam Rockwell, Colin Farrell, Abbie Cornish, Christopher Walken, Helena Mattsson, Woody Harrelson
Kinostart: 06.12.2012

Drehbuchautor Marty arbeitet erfolglos an einem neuen Projekt. Alles was er weiß: es sollen darin sieben Psychopathen auftreten. Alles andere überlässt er dem Alkohol. Gut nur dass er seinen Kumpel Billy hat. Denn der verhilft ihm zu den besten Ideen. Und das ganz unfreiwillig. Denn als er den Schoßhund des durchgeknallten Gangsters Charlie entführt, stehen die Psychopathen schon bald Schlange um Billy zu erledigen. Eine Quelle der Inspiration für Marty! Mit seiner rabenschwarzen Komödie bewegt sich Regisseur Martin McDonagh ein wenig auf den Spuren der Coen-Brüder. Deren Skurrilität erreicht er zwar nicht ganz, doch sein Film macht trotzdem Spaß. Alle darin auftretenden Charaktere sind weit entfernt von Normalos; hier ist einer verrückter als der andere. Wenn am Ende des Films dann ein jeder seinen eigenen Showdown ins Drehbuch schreibt, dann könnte man das fast schon als augenzwinkernde Kritik am amerikanischen Filmgeschäft werten. Dass Drehbücher auf diese Art und Weise entstehen wäre nicht weiter verwunderlich.

EIN FREUDIGES EREIGNIS (1:2.35, DD 5.1)
OT: Un Heureux Evénement
Verleih: Camino (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich 2011
Regie: Rémi Bezançon
Darsteller: Louise Bourgoin, Pio Marmaï, Josiane Balasko
Kinostart: 04.04.2013

Nicolas arbeitet in einer Videothek, Barbara schreibt ihre Diplomarbeit. Kennenlernen tun sich die beiden beim Filmeausleihen – die Filmtitel selbst entwickeln sich zu ihrer Geheimsprache. Bald schon sind die beiden ein glückliches Paar. Das aber soll sich ändern, als Barbara schwanger wird. Denn der erste Anflug von Euphorie weicht bald der grausamen Realität. Einen Führerschein fürs Kinderkriegen gibt es nicht und so müssen sich die beiden durch harte neun Monate kämpfen. Und damit fängt es erst richtig an... Ein junges Paar bekommt Nachwuchs. Aber sind die beiden auch schon reif genug für dieses Ereignis? Rémi Bezançon schickt seine Protagonisten auf eine wahre Achterbahnfahrt. Da wird dann aus dem “Star Trek” Titelvorspann dank Tricktechnik gleich eine Fahrt durch die Unendlichkeit von Barbaras Körper – entlang der Nabelschnur bis hin zum Fötus, der mehr Alien als Mensch zu sein scheint. Die Geburt wird sogar zum blutigen Schlachtfest; Barbara beschreibt sie zumindest so: “Dein Körper wird aufgerissen und anschließend wieder zusammengenäht – mit Nadel und Faden!” Es gibt nicht sonderlich viele harmonische Momente während der neunmonatigen Schwangerschaft – und danach auch nicht. Nicolas und Barbara machen das durch, was wohl die meisten Paare beim Kinderkriegen durchmachen. Bezançon zeigt zwar auch einige sehr schöne Momente, doch die Schattenseiten scheinen hier zu überwiegen. Der gut gespielte und gut fotografierte Film ist leider etwas zu lang geraten. Doch dieser Eindruck könnte eventuell sehr subjektiv sein und von tatsächlich Betroffenen ganz anders empfunden werden. Für werdende Eltern lehrreiche 107 Minuten und für solche, die das alles bereits hinter sich haben, amüsante 107 Minuten.

SKYFALL (1:2.35, DD 5.1)
OT: Skyfall
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: Großbritannien, USA 2012
Regie: Sam Mendes
Darsteller: Daniel Craig, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Judi Dench
Kinostart: 01.11.2012

Als ein Terroranschlag auf das Hauptquartier des MI6 in London ausgeübt wird, ruft es den für tot geglaubten James Bond wieder auf den Plan. Denn als britischer Patriot kann es 007 nicht zulassen, dass an den Grundfesten seiner Überzeugung gerüttelt wird. Im Geheimdienst ihrer Majestät geht Bond auf die Suche nach dem Schuldigen – und findet einen alten Kollegen wieder... Man kann den Unmut eingefleischter Bond-Fans durchaus verstehen. Denn der dritte Bond-Film mit Daniel Craig hat mit allem, was vorher war, nichts mehr zu tun. In der neuen Infrastruktur, in der sich Bond bewegen muss, wirkt er fast schon wie ein Dinosaurier. Ein junger Computernerd ist der neue “Q”, Gimmicks gibt es nicht mehr. Der Feind hat es nicht auf die Weltherrschaft abgesehen, sondern macht seinen ganz privaten Feldzug gegen “M”. Bereits hier darf man kurz stocken: solch ein fulminanter Aufwand nur einer persönlichen Rache wegen? Dieser Plot erscheint wesentlich unglaubwürdiger als jede Weltbeherrschungsstory zuvor. Trotzdem: hübsch und rasant verpackt ist das alles natürlich. Wenn auch man den Eindruck hat, dass es langsam aber sicher an exotischen Schauplätzen mangelt (die Dächer der Markthallen von Istanbul sind bereits seit THE INTERNATIONAL hinreichend ausgereizt). Hin und wieder gibt es leider Löcher in der Story (es bleibt beispielsweise vollkommen unklar, wie der böse Gangster aus seinem Käfig entkommen konnte), die so offensichtlich sind, dass es sogar etwas wehtut. Wenigstens hat der Film mit Javier Bardem einen würdigen Psychopathen gefunden. Der beste Bond? Definitiv nein.
Mittwoch, 07. November 2012
Beziehungsstress und Polizeiarbeit
Ich kann mich nicht beklagen – die heutige Ausbeute bei den Presse-Screenings war sehr ordentlich.

RUBY SPARKS – MEINE FABELHAFTE FREUNDIN (1:1.85, DD 5.1)
OT: Ruby Sparks
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris
Darsteller: Paul Dano, Zoe Kazan, Antonio Banderas
Kinostart: 29.11.2012

Mit 19 Jahren schrieb er sein erstes Buch und wurde über Nacht zur Berühmtheit. Zehn Jahre später hat Calvin mit einer Schreibblockade zu kämpfen. Der Hund, dem ihn sein Analytiker als Ersatz für seine Ex-Freundin empfohlen hat, bringt ihn leider auch nicht weiter. Da hat Calvin einen Traum: ein Mädchen spricht mit ihm! Am nächsten Morgen will er den Traum auf seiner Schreibmaschine festhalten – und schreibt wie ein Weltmeister. Es ist eine Liebesgeschichte, in der sein Protagonist (er selbst) die bezaubernde Ruby kennen und lieben lernt. Da passiert etwas märchenhaftes: die Fleisch gewordene Ruby ist plötzlich in seinem Apartment... Nach einem Drehbuch von “Ruby”-Darstellerin Zoe Kazan inszenierten Jonathan Dayton und Valerie Faris nicht nur eine Romantikkomödie mit märchenhaften Zügen, sondern gleichzeitig einen Beitrag zu Partnerschaft und Liebe. So muss Calvin ganz allmählich lernen, dass ein Zusammenleben mit einer Partnerin Toleranz auf beiden Seiten erfordert und man auch jene Eigenschaften gegenseitig akzeptieren muss, die man am Partner nicht so mag. Diese Botschaft wird originell vermittelt: Calvin kann durch sein Schreiben Ruby so formen, wie ihm das gerade lieb ist. Langweiliger könnte eine Beziehung nicht sein! RUBY SPARKS ist eine gelungene Parabel zu diesem komplizierten Themenkomplex.

END OF WATCH (1:1.85, DD 5.1)
OT: End Of Watch
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2012
Regie: David Ayer
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michael Peña, Anna Kendrick
Kinostart: 20.12.2012

Ihr Arbeitstag fordert oft übermenschlichen Einsatz von ihnen: Brian Taylor und Miguel Zavala schieben Streife im härtesten Stadtteil von Los Angeles. Latinos und Afro-Amerikaner liefern sich erbitterte Bandenkriege, Mord und Totschlag ist an der Tagesordnung. Für die beiden Officer ist es “Business as usual”. Zavala ist glücklich verheiratet, bei Taylor ist gerade eine Beziehung am Entstehen. Trotzdem riskieren die beiden Tag für Tag und Nacht für Nacht ihr Leben, schlagen sich mit internen Querelen herum oder retten Kinder aus einem brennenden Gebäude. Als sie jedoch rein zufällig einem Drogenkartell einen Strich durch die Rechnung machen, stehen sie auf der Abschussliste. Und die Gangs fackeln nicht lange... Mit seiner dritten Regiearbeit liefert David Ayer (STREET KINGS) einen höchst beeindruckenden Polizeithriller ab. Er verlässt sich hier ganz und gar nicht auf die eingefahrenen Klischees solcher Filme, sondern schildert den oft brutalen Alltag der LAPD-Polizisten extrem realistisch. Um das Authentische zu unterstreichen, verwendet Ayer einen dokumentarischen Filmstil. So lässt er beispielsweise den überwiegenden Teil seines Films von den Protagonisten selber filmen (Officer Brian Taylor produziert während des Dienstes eine Dokumentation über den Polizeialltag) oder verwendet die von Überwachungskameras eingefangenen Bilder. Das hat bei aller Authentizität natürlich auch eine große Nebenwirkung: die verwackelten Bilder können – auf einer großen Leinwand gesehen – beim Zuschauer durchaus Übelkeit hervorrufen! Doch Ayers eigentlicher Trumpf im Ärmel sind seine beiden Hauptdarsteller: Jake Gyllenhaal und Michael Peña schlüpfen so perfekt in ihre Rollen, dass man wirklich glaubt, sie hätten ihr Leben lang noch nichts anderes getan als Streifenwagen zu fahren. Wer Polizeithriller mag, dem sei dieser Film ans Herz gelegt!
Dienstag, 06. November 2012
Die Windmühlen des Herrn Shingu
Fast hätte es heute mit dem zweiten Film nicht geklappt. Doch in letzter Sekunde wurde die 35mm-Kopie noch angeliefert. Double Feature!

DIE TOCHTER MEINES BESTEN FREUNDES (1:1.85, DD 5.1)
OT: The Oranges
Verleih: Capelight (Central)
Land/Jahr: USA 2011
Regie: Julian Farino
Darsteller: Hugh Laurie, Catherine Keener, Leighton Meester
Kinostart: 13.12.2012

Familienfeste können es ganz schön in sich haben – speziell in Amerika und im Besonderen in den “Oranges”, einem Vorort von New Jersey. Das Chaos bricht aus, als die 24jährige Nina zu Thanksgiving nach Hause kommt und sich prompt in ihren Nachbarn und Vater ihrer einst besten Freundin Vanessa verliebt. Das treibt nicht nur einen Keil zwischen die beiden Mädchen, sondern zerstört auch die bisherige Harmonie zwischen den Nachbarsfamilien. Ausgelöst durch dieses Ereignis beginnt aber plötzlich ein jeder damit, endlich sein eigenes Glück zu suchen. Das aber geht nur durch das Verlassen der bisherigen Pfade... Das Auffallende an Julian Farinos Film ist die Tatsache, dass es sich nicht um eine dieser überkandidelten, überlauten und total durchgeknallten Komödien zum Thema Seitensprung handelt, wie man sie als Dutzendware aus Hollywood kennt. Freilich: auch hier gibt es eine Szene, in der eine der Mütter durchdreht und mit dem Auto genüsslich die überbordende Weihnachtsdekoration im Vorgarten platt macht. Aber das war es dann auch schon. Alles andere in diesem Film läuft ziemlich entspannt ab – und das ist extrem wohltuend! Leighton Meester überzeugt in ihrer Rolle als Nina, der kleinen Verführerin. Und es ist ausgerechnet “Dr. House” Hugh Laurie, in den sie sich verliebt. Laurie, dessen Rolle zu Beginn des Films eine winzig kleine ist, kommt erst nach etwa einer halben Stunde richtig in die Gänge. Das ist ungewöhnlich und dafür umso überraschender. Farino geht sein Thema auch sehr behutsam an, beleuchtet die vielen Aspekte, die eine solch besondere Konstellation mit sich bringt. Allerdings reicht es nicht für den ganz großen Wurf – dafür kommt der Film noch etwas zu harmlos daher.

BREATHING EARTH – SUSUMU SHINGUS TRAUM (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Piffl
Land/Jahr: Deutschland 2009-2011
Regie: Thomas Riedelsheimer
Darsteller: Susumu Shingu, Yasuko Shingu
Kinostart: 27.12.2012

Der Wind ist für ihn nichts anderes als der Atem der Natur. Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich der japanische Künstler Susumu Shingu damit, wie man dieses unsichtbare Element für Jedermann sichtbar machen kann, wie man diese Botschaft der Natur in Bewegung umsetzen kann. Thomas Riedelsheimer beobachtet den Künstler und dessen Lebensgefährtin kommentarlos bei der Suche nach einem geeigneten Ort, um sein Projekt “Breathing Earth” in die Tat umzusetzen. Denn Susumu Shingu will sich nicht mehr länger damit begnügen, nur äußerst phantasievolle Drachen zu entwerfen, die sich dem Wind beugen. Er möchte mit seinem Projekt “Breathing Earth” einen Ort entwerfen, der energietechnisch vollständig durch Windkraft versorgt wird und an dem die Menschen gezielt mit der Natur in Kontakt treten können. Die von ihm entworfenen Windräder sind nahezu geräuschlos, bedürfen aber noch einiger Ingenieursarbeit, um sie leistungsfähig genug zu machen. Der Film zeigt den japanischen Künstler in Italien, Schottland, der Türkei und sogar im deutschen Ruhrgebiet im Gespräch mit potenziellen Interessenten für das Projekt, mit dem der mittlerweile 75jährige seine Sorge um den Zustand des Planeten und den tiefen Wunsch, dass die Menschen wieder andere Lebensprinzipien entdecken, zum Ausdruck bringen möchte. Der schön fotografierte Film zeigt einen sehr tiefschürfenden Menschen, der sich nachhaltig Gedanken zum Überleben der Erde macht.
Montag, 05. November 2012
Von Einer, die auszog, das Singen zu lernen
Ein melancholisch geprägtes Biopic eröffnete die recht volle Pressewoche.

VIOLETA PARRA (1:2.35, DD 5.1)
OT: Violeta Se Fue A Los Cielos
Verleih: Arsenal
Land/Jahr: Chile, Argentinien, Brasilien 2011
Regie: Andrés Wood
Darsteller: Francisca Gavilán, Thomas Durand, Christian Quevedo
Kinostart: 29.11.2012

Bereits ihr armer Vater tingelte durch Bars und sang Lieder. Von ihm erbte Violeta Parra die Gitarre und das Talent. Als junge Frau reist sie durch ihre Heimat Chile, sammelt die Lieder ihres Volkes und schreibt sie auf. Während einer Europa-Tournee kommt ihr großer Durchbruch, den sie bitter bezahlen muss: ihr jüngstes Kind stirbt während ihrer Abwesenheit. Auch ihre Liebe zu dem Schweizer Gilbert Favre steht unter keinem günstigen Stern... Violeta Parra wirkte in den fünfziger und sechziger Jahren als künstlerisches Multitalent. Sie konnte nicht nur Lieder schreiben und singen, sondern malte auch, versuchte sich als Bildhauerin und töpferte. Ihr Beitrag zum kulturellen Erbe Chiles ist unbestritten. Ihr Lied "Gracias a la vida" machte sie unsterblich und wurde sogar von Mercedes Sosa und Joan Baez gesungen. Es gilt als wichtigste Hymne der Bewegung des "Nueva Canción Chilena", die in den 1950er-Jahren die traditionelle Volksmusik Chiles mit Gesellschaftskritik verknüpfte und zum wichtigen Symbol der lateinamerikanischen Protestbewegung wurde. Das von dem ebenfalls aus Chile stammenden Andrés Wood inszenierte Biopic beeindruckt vor allem durch die darstellerische Leistung von Francisca Gavilán, die die souveräne wie auch verletzliche Violeta Parra mimt. Der Einsatz mehrerer Zeitebenen macht den Film leider sehr komplex und man verliert zwischendrin oft den Überblick. Auch werden die geschilderten Fakten wie beispielsweise Parras Reise nach Polen dem Zuschauer relativ unvermittelt präsentiert, wodurch sich Fragen aufdrängen, deren Beantwortung der Film schuldig bleibt. Breiten Raum nimmt Parras Musik ein – ihre gesellschaftskritischen Lieder sind auch durchaus hörenswert.

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