Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Freitag, 23. Mai 2014
Und täglich grüßt das Cruiseltier
Zum Wochenende gab es noch ein bisschen Science-Fiction für mich.

EDGE OF TOMORROW (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Edge Of Tomorrow
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Doug Liman
Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Lara Pulver
Kinostart: 29.05.2014

Extrem aggressive Aliens haben sich in Europa breit gemacht und führen einen erbitterten Krieg gegen die Menschheit. Vollkommen ohne Kampferfahrung wird der amerikanische Major Bill Cage an die Front geschickt – ein Selbstmordkommando, das er mit dem Leben bezahlt. Doch dann wacht Cage wieder auf: noch einmal erlebt er denselben Tag. Und das immer und immer wieder. Cage ist in einer Zeitschleife gefangen! Doch genau dieser Umstand könnte die gesamte Menschheit retten. Man muss ihn nur zu nutzen wissen. In der Kämpferin Rita findet Cage eine Verbündete... Auch wenn die Idee mit der Zeitschleife bereits von Bill Murray bestens ausgereizt wurde, so kann man dem neuen Film mit Tom Cruise einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Zwar werden hier Versatzstücke vieler anderer Filme bemüht, u.a. STARSHIP TROOPERS oder UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER, aber in der Summe ergibt sich ein ganz passables und sehr actionreiches Science-Fiction-Stück. Nachteilig allerdings wirkt sich 3D aus, das bei derart flott geschnittenen und oft bei schlechten Lichtverhältnissen inszenierten Szenen nicht zur Wirkung kommt. Fans von Zeitreise-Geschichten wird das kaum stören, kommen sie doch voll auf ihre Kosten. Abgerundet wird das Spektakel durch eine ordentliche Tonspur, die dem Zuschauer speziell in Dolby-Atmos-Häusern (den richtigen Tonpegel vorausgesetzt!) etwas auf die Ohren gibt.
Donnerstag, 22. Mai 2014
Es war einmal – oder:
Was Sie schon immer über Dornröschen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten.

MALEFICENT – DIE DUNKLE FEE (1:2.35, 3D, DD 5.1 + Atmos)
OT: Maleficent
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Robert Stromberg
Darsteller: Angelina Jolie, Sharlto Copley, Elle Fanning
Kinostart: 29.05.2014

Es waren einmal zwei verfeindete Königreiche. In dem einen herrschten Feen und andere Fabelwesen, in dem anderen die Menschen. Als kleines Feenmädchen freundet sich Maleficent mit dem Menschenjungen Stefan an. Als der zu einem jungen Mann herangewachsen ist, schneidet er Maleficent im Schlaf ihre Flügel ab, um so legitimer Thronfolger im Menschenreich zu werden. Aus Rache für diesen Frevel belegt Maleficent Stefans Baby mit einem Fluch: das Mädchen soll sich an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel stechen und darauf in einen Dauerschlaf verfallen. Nur ein Kuss aus wahrer Liebe soll sie dann wieder aus dem Schlaf zurückholen können. Die Jahre vergehen... Jetzt wird also endlich das Geheimnis um das Dornröschen gelüftet: verschmähte Liebe ist der Auslöser für die ganzen Probleme! So zumindest schildert dies Robert Strombergs Adaptation des “Sleeping Beauty”-Stoffes frei nach Disney. Verkörpert wird die dunkle Fee Maleficent von Hollywood-Ikone Angelina Jolie, die in der Tat etwas Morbides an sich hat. Und ganz nebenbei bemerkt: die junge Dame sind recht ungesund aus bei dieser radikalen Abkehr von ihrem bisherigen Hollywood-Dasein. Was den Film selbst angeht: na ja, Story ist da nicht viel vorhanden und überhaupt sieht alles so aus, als wäre es Restematerial von Peter “The Hobbit” Jackson. Ich frage mich, warum inzwischen jeder Fantasy-Film gleich aussieht. Haben die Filmemacher keine Phantasie mehr? Egal – MALEFICENT eignet sich eigentlich nur für die ganz kleinen Zuschauer, die (hoffentlich) ihren Spaß daran haben werden, dass das olle Märchen endlich mal aus einer anderen Perspektive erzählt wird. Passend dazu gab es vor der heutigen Vorführung noch den Teaser für Disneys Highlight in 2015: CINDERELLA. Kommt mir irgendwie bekannt vor...
Montag, 19. Mai 2014
Darmentleerung in den Cowboy-Hut
Heute lud mich der Universal-Filmverleih zu einer abendlichen Pressevorführung ein.

A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST (1:2.35, DD 5.1)
OT: A Million Ways To Die In The West
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Seth MacFarlane
Darsteller: Seth MacFarlane, Charlize Theron, Amanda Seyfried, Liam Neeson, Giovanni Ribisi
Kinostart: 29.05.2014

Schafzüchter Albert Stark ist alles andere als ein Held. Und jeder in dem kleinen Westernstädtchen weiß das auch. Sogar seine Freundin. Und die macht Schluss mit ihm. Alsbald bandelt aber die fesche Anna mit dem deprimierten Albert an. Nichtsahnend, dass sie die Geliebte des gefürchtetsten Banditen des Westens ist, beginnt er eine zarte Affäre mit der Dame. Doch bald schon muss er sich seinem Schicksal stellen – in einem Duell. Nach FAMILY GUY und TED verschlägt es Seth MacFarlane jetzt also in den Wilden Westen. Gleich zu Beginn, während die schön gestalteten Eröffnungstitel über prächtigen Landschaften erscheinen, schüttelt die Komödie ihren wahren Trumpf aus dem Ärmel: die Filmmusik von Joel McNeely! Gekonnt beschwört hier der Komponist sämtliche “Americana”-Rhythmen herauf und man hat den Eindruck, Elmer Bernstein und Jerome Moross wären wieder auferstanden. Doch kaum ist der geniale Titelvorspann vorüber, nimmt das Drama seinen Lauf. Ab jetzt herrschen Fäkalhumor und deftige Zoten vor. Beneidenswert, wer dabei noch lachen kann. Nicht nur, dass immer wieder gefurzt und gepinkelt wird, jetzt wird auch noch der Darm in den Cowboy-Hut entleert. Und das nicht nur einmal, sondern gleich im Doppelpack. So als gelte es, diesen Möchtegern-Gag auch den Dümmsten unter den Zuschauern begreifbar zu machen. Hallo Mr. MacFarlane, könnte es sein, dass Sie Ihr Publikum unterschätzen? Wenn der Übergang zwischen Fäkalhumor und Zoten ausnahmsweise mal nicht mit gähnender Langeweile aufgefüllt ist, dann lässt der Regisseur ein paar richtig krasse Gags vom Stapel, bei denen man durchaus versucht ist zu lachen. So beispielsweise, wenn ein Arbeiter vollkommen überraschend von einem riesigen Eisblock zerquetscht wird. Aber auch solche Verrücktheiten sind nicht jedermanns Geschmack. Den besten Gag jedoch liefert der Film vollkommen unerwartet – die Begegnung mit einem alten Bekannten. Mehr soll hier nicht verraten werden. Fazit: toller Score und grandiose Kameraarbeit in einem katastrophalen Film.
Freitag, 16. Mai 2014
Überfall im Rollstuhl
Zum Abschluss der Pressewoche einmal mehr ein gemischtes Doppel

QISSA – DER GEIST IST EIN EINSAMER WANDERER (1:2.35, 5.1)
OT: Qissa: The Tale Of A Lonley Ghost
Verleih: Camino
Land/Jahr: Deutschland, Indien, Niederlande, Frankreich 2013
Regie: Anup Singh
Darsteller: Irrfan Khan, Tisca Chopra, Tillotama Shome
Kinostart: 10.07.2014

Mitte der 1940er-Jahre verliert der Sikh Umber Singh seine Heimat. Mit seiner Frau und den drei Töchtern flieht er von Pakistan nach Indien. Nichts wünscht er sich mehr als einen Stammhalter. Als seine Frau ihm jedoch eine vierte Tochter gebärt, weigert sich der Patriarch, dies zu akzeptieren. Er hält die wahre Identität der Tochter geheim und erzieht Kanwar wie einen Jungen. Als Kanwar jedoch mit dem Zigeunermädchen Neeli verheiratet werden soll, nimmt das Drama seinen Lauf... Was ein interessanter Film über das Thema lesbische Liebe hätte werden können, verkommt in der zweiten Hälfte des Films zu einer Art Märchen. Immerhin benennt der Film die Probleme, die in der patriarchalischen indischen Gesellschaftsform vorherrschen, in der Frauen offensichtlich nichts zählen. In den Hauptrollen gut gespielt und interessant fotografiert, befriedigt der Film insgesamt nur eingeschränkt.

VIELEN DANK FÜR NICHTS (1:2.35, 5.1)
Verleih: Camino
Land/Jahr: Schweiz, Deutschland 2013
Regie: Oliver Paulus, Stefan Hillebrand
Darsteller: Joel Basman, Bastian Wurbs, Nikki Rappel
Kinostart: 05.06.2014

Seit er nach einem Snowboard-Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist, hat sich die Psyche des jungen Valentin gehörig verändert. Die ganze Wut über sein Schicksal lässt er an seiner Mutter aus. Um ihr eigenes Leben wieder in den Griff zu bekommen, verdonnert sie ihren Sohn zur Teilnahme an einem Theaterprojekt in einer Behinderteneinrichtung. Widerwillig lässt sich Valentin darauf ein. Alles ändert sich, als er sich mit zwei der anderen Rollstuhlfahrer anfreundet. Jetzt schmiedet er wieder Pläne: als Rollstuhlfahrer-Trio will er eine Tankstelle überfallen... Es ist immer etwas schwierig, einen Film über Behinderte zu machen. Oliver Paulus und Stefan Hillebrand sind in ihrem Film einen Schritt weiter gegangen und haben einige der Rollen mit echten Behinderten besetzt. Dadurch wirkt der Film zwar recht authentisch, doch gleichzeitig auch irgendwie amateurhaft – eine Mischung, die stört. Weitaus störender jedoch als diese Mischung ist die Story des Films. Wenn Valentin seine Betreuerin Mira anbaggert und die sich ziemlich schnell auf seine Avancen einlässt, dann ist so ein Verhalten leider alles andere als professionell und wird dadurch sofort als typisch kitschiges Filmklischee entlarvt.
Donnerstag, 15. Mai 2014
Die Mutanten sind los
Meine Frage des Tages: warum bleiben alle Medienvertreter ausgerechnet bei Marvel-Filmen bis zum bitteren Ende sitzen?

X-MEN - ZUKUNFT IST VERGANGENHEIT (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: X-Men: Days Of Future Past
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Bryan Singer
Darsteller: Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Sir Patrick Stewart, Sir Ian McKellen, Halle Berry, Anna Paquin, Ellen Page, Peter Dinklage, Nicholas Hoult, Omar Sy
Kinostart: 22.05.2014

Um ihrem tödlichen Schicksal in einer fernen Zukunft zu entgehen, schicken die Mutanten Wolverine zurück in die Vergangenheit. Dort soll er im Jahre 1973 mit Hilfe der jungen Mutanten einen Mord verhindern, den Raven/Mystique begeht und damit das Schicksal aller Mutanten besiegelt... Marvel schickt seine Mutanten wieder auf die große Leinwand und verspricht damit jede Menge Action und erstaunliche visuelle Effekte. Aber Obacht: wer sich in Marvels Universum nicht auskennt, dem wird sich der größte Teil der Geschichte leider nicht erschließen. Daher der dringende Rat vor dem Kinobesuch: Hausaufgaben machen und die Filme der X-MEN-Reihe nacheinander anschauen. Wem jedoch die Story alles andere als wichtig ist, dem könnte Bryan Singers neuestes Update zum X-MEN-Franchise dennoch gefallen, liefert es doch wirklich alles, was für prickelndes Popcorn-Kino benötigt wird: Action ohne Ende, visuelle Effekte soweit das Auge reicht, ein paar gut platzierte Gags und eine sehr körperbetonte Jennifer Lawrence.
Dienstag, 13. Mai 2014
Von Klöstern und Urgiganten
Beim heutigen Pressedoppel gaben sich Filmkunst und Kommerzkino die Klinke in die Hand.

METEORA (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Kairos
Land/Jahr: Deutschland, Griechenland 2012
Regie: Spiros Stathoulopoulos
Darsteller: Theo Alexander, Tamila Koulieva, Giorgios Karakantas
Kinostart: 12.06.2014

Theodoros ist Mönch, Urania ist Nonne. Und trotzdem lieben sie sich. Heimlich. Beide leben hoch oben in ihren Meteora-Klöstern in den Gebirgen Thessaliniens. Die gegenseitige Sehnsucht wird immer stärker... Spiros Stathoulopoulos‘ Film spielt zwar in der Gegenwart, doch könnte er auch in jedem anderen Zeitalter angesiedelt sein. Denn sein Thema ist zeitlos: der Konflikt zwischen Geist und Körper. Bildgewaltig und mit altertümlicher Musik auf einer sehr präzisen Tonspur erzählt der Regisseur von einer verbotenen Liebe. Illustriert wird diese immer wieder durch eingeschobene Animationen im Stile mittelalterlicher Ikonenmalereien. Man könnte den Inszenierungsstil durchaus als sperrig bezeichnen, doch die beeindruckenden Bilder entschädigen dafür. Ein Wort der Warnung an allzu zart Besaitete: der Film wartet mit einer ziemlich derben Szene auf, die nichts für Vegetarier ist.

GODZILLA (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Godzilla
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Gareth Edwards
Darsteller: Aaron Taylor-Johnson, Ken Watanabe, Elizabeth Olsen, Juliette Binoche
Kinostart: 15.05.2014

Die Welt hält den Atem an, als in einem stillgelegten Atommeiler ein riesiges Urwesen zum Leben erwacht. Als sich das zerstörerische Untier auf den Weg in die USA macht, taucht plötzlich ein zweiter Gigant auf: Godzilla. Die Schlacht kann beginnen... Die japanische Monster-Ikone ist wieder zurück! Nachdem sich zuletzt Roland Emmerich recht langweilig an dem Giganten versucht hat, wagt es jetzt Gareth Edwards, der sich mit dem Film MONSTERS bereits erste Sporen mit riesigen Untieren verdient hatte. Doch irgendwie hat man das Gefühl, dass Edwards nichts Eigenes in den Film hineinsteckt, sondern versucht, auf Spielberg zu machen. Das fängt bei ganz bestimmten Kameraeinstellungen an und endet mit Handlungssträngen, die auf die Tränendrüse drücken sollen (keine Sorge: sie schaffen es nicht!). Abgesehen davon erweist sich der neue GODZILLA als ein richtiges Spektakel für Auge und Ohr. Selten hatten die Subwoofer soviel Arbeit zu leisten. Wer sich die richtige GODZILLA-Dröhnung geben möchte, der sollte ihn sich entweder in “Dolby Atmos” oder in einem IMAX-Kino anhören. Fazit: gutes Popcorn.Kino ohne Tiefgang, dafür aber viel Tiefbass.
Montag, 12. Mai 2014
Todeskandidaten
Oder: der Tag der Taschentücher

DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER (1:1.85, DD 5.1)
OT: The Fault In Our Stars
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Josh Boone
Darsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Laura Dern, Willem Dafoe
Kinostart: 12.06.2014

Hazel und Gus lernen sich in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten kennen und sind fasziniert voneinander. Mit seinem überschäumenden Temperament lockt Gus Hazel aus ihrer Depression heraus. Und es kommt noch besser: der junge Mann schafft es, einen E-Mail-Kontakt zu Peter van Houten herzustellen, dem Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Gemeinsam wollen sie van Houten in Amsterdam besuchen, eine Reise, die beide grundlegend verändern wird... Zugegeben: das Thema des Films wird uns in schöner Regelmäßigkeit von amerikanischen Filmemachern angeboten. Trotzdem empfiehlt es sich, bei diesem Kinobesuch Papiertaschentücher zur Hand zu haben. Grund dafür ist das ausgezeichnete Spiel der beiden Hauptdarsteller Shailene Woodley (sie erinnert an die frühe Winona Ryder) und Ansel Elgort, das die Zuschauer in seinen Bann ziehen wird und bei der höchst traurigen Geschichte mitleiden lassen wird. Sicherlich wird an der ein oder anderen Stelle auch etwas dick aufgetragen, doch geht das für diesen Film in Ordnung. Fazit: nichts bewegend Neues, dafür aber bewegend gespielt.
Freitag, 09. Mai 2014
Sterbebett und Salsa
Am letzten Pressetag der Woche gab es mal wieder ein Wechselbad der Gefühle.

OKTOBER NOVEMBER (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: MFA (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Österreich 2013
Regie: Götz Spielmann
Darsteller: Ursula Strauss, Nora von Waldstätten, Peter Simonischek, Sebastian Koch
Kinostart: 12.06.2014

Sonja und Verena sind zwei sehr unterschiedliche Schwestern. Während Sonja große Erfolge als Schauspielerin in Film und Fernsehen feiert und Affären nachgeht, kümmert sich Verena gemeinsam mit ihrem Mann um den kranken Vater und dessen Wirtshaus in den österreichischen Alpen, hat jedoch eine heimliche Affäre mit dem Arzt. Als der Vater im Sterben liegt, reist Sonja wieder zurück in die Heimat. Hier prallen nicht nur die beiden Schwestern ungebremst aufeinander, auch der Vater enthüllt ein streng gehütetes Familiengeheimnis... Für Regisseur Götz Spielmann war die zentrale Frage des Films die nach Identität. “Wer bin ich? Bin ich das, was ich sein will? Warum bin ich so wie ich bin? Bin ich das, was ich sein kann?” Diesen Kernfragen gehen seine Protagonisten in diesem kammerspielartigen Film nach. Schauspielerin Sonja (großartig gespielt von Nora von Waldstätten) spielt immer eine Rolle, auch wenn sie gar nicht am Film-Set ist, und erfährt im Laufe des Films, dass sie gar nicht die ist, die sie dachte zu sein. Ihre Schwester Verena führt ein Leben, das sie nie wollte, nur um ihren Vater glücklich zu machen. Die exzellente Kameraarbeit von Martin Gschlacht setzt die kalte, seelenlose Welt von Sonja in Kontrast zu der abgeschiedenen, einsamen (Berg)Welt von Verena. Spielmann konfrontiert sein grandioses Ensemble mit großen Fragen des Lebens, auf die er jedoch keine Antwort gibt. So bleibt der Film auch nach dem Kinobesuch noch lange im Gedächtnis und regt zur Auseinandersetzung mit dem komplexen Stoff an.

CUBAN FURY – ECHTE MÄNNER TANZEN (1:2.35, DD 5.1)
OT: Cuban Fury
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: Großbritannien 2014
Regie: James Griffiths
Darsteller: Nick Frost, Rashida Jones, Chris O'Dowd
Kinostart: 19.06.2014

Der Schönste war er noch nie, doch das Salsa-Fieber steckt in seinem korpulenten Körper: als Schüler nahm Bruce gemeinsam mit Schwesterchen Sam an jedem Salsa-Wettbewerb teil und sahnte jede Menge Trophäen ab. Bis zu jenem Abend, an dem er von ein paar Halbstarken auf übelste Weise gedemütigt wurde. Seither lautet Bruces Devise “Salsa ist etwas für Pussies” und seine Tanzschuhe wanderten in den Schrank. 25 Jahre sind vergangen und Bruce jobt als Maschinenkonstrukteur. An der Arbeit wird der Gutmütige immer wieder von seinem A-Loch-Kollegen Drew gemobbt, womit er sich längst abgefunden hat. Als jedoch eines Tages die attraktive Julia Chefin der Abteilung wird, ist es um Bruce geschehen. Und es kommt noch besser: Julia liebt Salsa! Bruce sieht seine große Chance. Doch Kollege Drew hat auch ein Auge auf die Chefin geworfen... Mögen Sie Salsa? Nach diesem Film ganz bestimmt! Denn die heissen Rhythmen auf der Tonspur des Films machen sich jedenfalls sofort in den Beinen bemerkbar. Alles andere hingegen läuft relativ harmlos ab und folgt (leider) bewährten Erzählmustern. Immerhin gibt es zwischen Anfang und Ende ein paar nette Gags, über die man gerne schmunzelt. Etwa wenn sich Bruce mit seinen beiden Golfpartnern zum wöchentlichen Training trifft und die drei Loser gegenseitig ihre neuesten Erfolge (oder besser: Misserfolge) bei der Frauenwelt abchecken. Oder ein Battle Dance zwischen Bruce und seinem Fieslings-Kollegen Drew auf dem Parkdeck der Firma. Hier gibt es dann sogar auch einen winzig kleinen Gastauftritt von Simon Pegg, Nick Frosts Buddy aus SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ. Auch wenn man noch so sehr Sympathien für Nick Frosts Charakter Bruce aufbaut, wird man das Gefühl nicht los, dass er nur im Doppelpack mit Pegg zur echten Hochform auflaufen kann. CUBAN FURY ist gewiss keine schlechte Komödie, aber sie hätte gerne noch viel besser sein dürfen.
Donnerstag, 08. Mai 2014
Nabelschau
Von Einem, der sich selbst therapiert, und einem Anderen, der meint, schwul zu sein – das heutige Pressedoppel gestaltete sich sehr abwechslungsreich

MISTAKEN FOR STRANGERS (1:1.85, 5.1)
OT: Mistaken For Strangers
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: USA 2013
Regie: Tom Berninger
Darsteller: Matt Berninger, Tom Berninger, Aaron Dessner
Kinostart: 10.07.2014

Eigentlich hätte es eine Dokumentation über die amerikanische Indie-Rock-Gruppe “The National” werden sollen, die Tom Berninger machen wollte. Als ihn sein älterer Bruder Matt, seines Zeichens Lead-Sänger bei “The National”, plötzlich anrief und ihn fragte, ob er als Roadie mit auf Tour kommen wollte, hatte der sich bislang nur als Regisseur von Underground-Horror-Filmen versuchte Tom die Idee, seine kleine Handycam mitzunehmen und ein Porträt der Gruppe anzufertigen. Doch schon die mit Wackelkamera eingefangenen Versuche, ein Interview mit seinem Bruder zu führen, sind zum Scheitern verurteilt. Nicht etwa, weil Matt nichts sagen kann, sondern weil Filmemacher Tom keine Fragen formulieren kann! So entwickelt sich Toms Versuch einer Band-Doku immer mehr zu einem Film über das schwierige Verhältnis zu seinem Bruder, in dessen Schatten er ständig steht. Das Endprodukt erweist sich als Nabelschau, mit der sich der von Alkoholproblemen und Depressionen gequälte kleine Bruder selbst zu therapieren versucht. In seiner Hilflosigkeit hat er dadurch jedoch einen Dokumentarfilm geschaffen, der großartig unterhält, weil er den Zuschauer extrem nahe an sich heranlässt und auch für ihn peinliche Szenen nicht vorenthält. Man kann seine Trauer durchaus nachvollziehen, wenn er als Einziger nicht beim Gruppenfoto mit Präsident Obama zugelassen wird oder sein Test-Screening aufgrund mangelhafter Digitalprojektion in einem Fiasko endet. Hut ab vor soviel Mut! Angereichert wird Toms Eigentherapie übrigens mit einigen grandiosen Konzertausschnitten, die während der Welttour entstanden sind.

MAMAN UND ICH (1:2.35, DD 5.1)
OT: Les Garçons Et Guillaume, A Table
Verleih: Concorde
Land/Jahr: Frankreich 2013
Regie: Guillaume Gallienne
Darsteller: Guillaume Gallienne, André Marcon, Françoise Fabian
Kinostart: 05.06.2014

Wenn Maman ihre Familie zum Essen ruft, dann spricht sie immer von den Jungs und Guillaume. Denn Guillaume ist anders als seine Brüder – er denkt, dass er ein Mädchen ist! Für alle Anderen ist klar: Guillaume ist homosexuell. Ganz besonders sein Vater tut sich schwer mit dem extrem femininen Verhalten seines Sohnes. Also ab mit ihm ins Internat. Für Guillaume geht ein Traum in Erfüllung: endlich als Mädchen unter Jungen! Doch gerade als er zu begreifen beginnt, dass er womöglich schwul ist, kommen ihm auch die ersten Zweifel an der genau jener sexuellen Orientierung, in die ihn die gesamte Welt zu drängen scheint... Nicht genug damit, dass Guillaume Gallienne selbst das Drehbuch für die Adaption seines eigenen Theaterstücks geschrieben hat und die Regie übernahm, er hat sich auch noch in einer Doppelrolle besetzt: als Guillaume und seine Mutter! So inszeniert er nun sein Coming Out als Heterosexueller als Theaterstück im Film. Immer wieder wechseln sich Szenen, in denen er in einer One-Man-Show vor Publikum auf der Bühne auftritt, mit Spielszenen, die seinen teils grotesken Werdegang in Rückblenden schildern. Als komisches Element lässt er seine Mutter urplötzlich in den skurrilsten Augenblicken in Erscheinung treten und visualisiert so seine Gedanken. Mit gleich fünf Césars wurde der Film in Frankreich ausgezeichnet, darunter für den “Besten Film” sowie den “Besten Erstlingsfilm”. Witzig, komisch, leicht skurril und manchmal fast surreal – MAMAN UND ICH begeistert.
Mittwoch, 07. Mai 2014
Langzeitstudie
Zwölf Jahre lang bastelte der Regisseur an seinem Film, der uns heute gezeigt wurde.

BOYHOOD (1:1.85, 5.1)
OT: Boyhood
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Richard Linklater
Darsteller: Ellar Salmon, Patricia Arquette, Ethan Hawke
Kinostart: 05.06.2014

Es sollte ein Experiment sein: über den Zeitraum von 12 Jahren beobachtet Regisseur Richard Linklater die Kindheit und Jugend von Mason. Dargestellt wird Mason über den gesamten Zeitraum von ein und demselben Darsteller, Ellar Salmon. Zu Beginn des Langzeitprojekts war er gerade sechs Jahre alt, am Ende des Films ist er knapp 20. Aber nicht nur er, auch die anderen Darsteller sind dieselben. Anhand ausgewählter Abschnitte und Stationen lässt Linklater so das Bild einer Patchwork-Familie mit all ihren Auf und Abs entstehen. Er präsentiert dieses Porträt sehr nüchtern und sachlich unter Verzicht auf eine Filmmusik. Musik gibt es im Film zwar, doch dienen die eingestreuten Songs lediglich zur zeitlichen Orientierung. Nach über 160 Minuten Spielzeit fragt man sich jedoch, was Linklater mit seinem Projekt bezweckt, da es nichts besonders Spektakuläres zu zeigen gibt. Ganz bestimmt wäre es wesentlich interessanter gewesen, das Ganze als echten Dokumentarfilm aufzuziehen.

DER HUNDERTJÄHRIGE, DER AUS DEM FENSTER STIEG UND VERSCHWAND (1:2.35, DD 5.1)
OT: Hundraåringen Som Klev Ut Genom Fönstret Och Försvann
Verleih: Concorde
Land/Jahr: Schweden 2014
Regie: Felix Herngren
Darsteller: Robert Gustafsson, Iwar Wiklander, David Wiberg
Kinostart: 20.03.2014

Etwas in die Luft jagen ist seine große Leidenschaft: Allan Karlsson lebt in einem Altersheim irgendwo in Schweden. Ausgerechnet an seinem 100. Geburtstag beschließt er still und heimlich zu verschwinden – und zwar mitsamt seiner Hausschuhe aus dem Fenster! Auf einer Odyssee ohne Ziel ist er bald schon Besitzer eines mit Geld prall gefüllten Koffers, den ihm brutale Typen gerne wieder abjagen würden. Doch Julius, den er unterwegs kennenlernt, hilft ihm sich zu verstecken. So beginnt für die beiden alten Männer ein Roadtrip der skurrilen Art, auf dem Allan aus seinem bewegten Leben plaudert... Wer skurriles skandinavisches Kino mit kernigen Typen mag, der ist bei diesem Film richtig aufgehoben! Da geht es auch ziemlich zur Sache, aber immer auf schwarzhumorige Art. Ein bisschen ähnelt die Bestsellerverfilmung de amerikanischen FORREST GUMP, doch ist der schwedische Humor sehr viel feiner und skurriler. Die deutsche Synchronisation ist leider etwas gewöhnungsbedürftig. Trotzdem empfiehlt sich die Komödie als perfektes Kino-Date.
Dienstag, 06. Mai 2014
Enges Minikleid trifft auf Mary Poppins
Das heutige Filmdoppel lullte mich zunächst in den Schlaf, holte mich dann aber ganz schnell wieder in den Hellwachzustand

MÄDELSABEND (1:2.35, DD 5.1)
OT: Walk Of Shame
Verleih: Universum Film (Walt Disney)
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Steven Brill
Darsteller: Gillian Jacobs, Elizabeth Banks, Sarah Wright
Kinostart: 26.06.2014

Meghan Miles hat es fast geschafft: sie gehört zur engeren Auswahl als Nachrichtensprecherin für einen großen TV-Sender. Dummerweise lässt sie sich am Vorabend der Entscheidung auf einen feucht-fröhlichen Mädelsabend ein. Als sie am nächsten Morgen im Bett ihres One Night Stands erwacht und nicht nur ihr Auto abgeschleppt wurde, sondern auch ihr Handy und Geldbeutel verschwunden sind und alles, was sie am Leibe trägt ein provokantes Minikleid ist, hat sie ein Riesenproblem: wie kommt sie rechtzeitig zum Sender? So nimmt ein Abenteuertrip auf High Heels seinen verhängnisvollen Lauf... Erinnern Sie sich noch an den köstlich-witzigen DIE NACHT DER ABENTEUER mit der umwerfenden Elisabeth Shue? Denn der stand offensichtlich Pate bei dieser Möchtegern-Komödie, ebenfalls mit einer Elizabeth in der Hauptrolle. Leider aber entpuppt sich der MÄDELSABEND als ein träges kleines Filmchen, das einfach zu sehr darum bemüht ist, seine Hauptdarstellerin in ein enges Minikleid zu zwängen und sie mit High Heels durch die abseits liegenden Locations von L.A. zu jagen. Elizabeth Banks freilich tut ihr Bestes, um die Zuschauer gut zu unterhalten, aber das Drehbuch gibt einfach nicht viel her, aus dem man hätte etwas machen können. Fazit: ein Mädel im engen gelben Minikleid macht noch keinen Film.

FINDING VIVIAN MAIER (1:1.85, 5.1)
OT: Finding Vivian Maier
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: USA 2014
Regie: John Maloof, Charlie Siskel
Darsteller: John Maloof, Mary Ellen Mark, Phil Donahue
Kinostart: 26.06.2014

Zu Lebzeiten hatte niemand vom unglaublichen Talent der Vivian Maier etwas gewusst. Denn die als Kindermädchen arbeitende Frau mit französischem Akzent hatte immer und überall ihre Rolleiflex dabei und fotografierte alles, was ihr vor die Linse kam. Das Ergebnis sind Schwarzweißbilder, die sich mit denen der besten Fotografen messen können. Entdeckt wurden sie durch Zufall, als John Maloof auf einer Auktion eine verschlossene Kiste ersteigerte. Zu seiner Überraschung beherbergte diese unzählige Fotografien der bis dahin unerkannten und vollkommen unbekannten Künstlerin. Der junge Mann begann jetzt fieberhaft, alle weiteren Kisten aus dem Nachlass der Vivian Maier aufzustöbern. Eindrucksvoll schildert sein Dokumentarfilm, wie in detektivischer Kleinarbeit das Bild der Frau hinter den Bildern entstand. In seinem Film kommen Eltern zu Wort, die Vivian seinerzeit als Kindermädchen angeheuert hatten. Auch einige der von ihr betreuten Kinder, inzwischen natürlich längst schon erwachsen, stehen der Kamera Rede und Antwort. Im Laufe des Films zeichnet sich das Bild einer sehr ungewöhnlichen Frau ab, eine Art Mary Poppins oder Nanny McPhee, die alles hortete, was ihr in die Finger fiel. Aber diese sehr private Person, die zu Lebzeiten nichts von sich preisgab, hatte auch eine dunkle, fast morbide Seite, die ebenfalls im Film angesprochen wird. Den Regisseuren John Maloof und Charlie Siskel ist eine spannende Dokumentation gelungen, die großen Spaß bereitet und mit der sie einer der größten Street Fotografinnen der Welt, die nach wie vor von der snobistischen Kunstszene nicht als Künstlerin anerkannt wird, ihren Respekt zollen.

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