Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Freitag, 31. März 2017
Im Konflikt mit dem eigenen Gewissen
Nach einem schwachen Presse-Donnerstag gab es heute wieder Licht am Ende des Tunnels

DIE RESTE MEINES LEBENS (1:2.35, 5.1)
Verleih: Camino
Land/Jahr: Deutschland 2016
Regie: Jens Wischnewski
Darsteller: Christoph Letkowski, Luise Heyer, Karoline Bär
Kinostart: 25.05.2017

Gerade einmal zwei Wochen sind vergangen, dass Schimons Frau Jella bei einem schrecklichen Unfall ums Leben kam, als er durch Zufall die hübsche Milena kennenlernt. Hals über Kopf verliebt sich der Tonkünstler in die junge Flügelhornmusikerin, die nebenher als Krankenhaus-Clown sterbende Kinder begleitet. Dadurch jedoch gerät Schimon in einen schweren Konflikt mit seinem eigenen Gewissen... Mit seiner nicht linearen Erzählweise serviert Regisseur Jens Wischnewski seinen Zuschauern die Geschichte von Schimon und Jella nur häppchenweise im Rückblick und unterbricht damit immer wieder die Geschichte von Schimon und Milena, die geradeaus präsentiert wird. Dadurch bleibt der Film über seine gesamte Lauflänge konsequent spannend. Dabei ist die Filmmusik von Peter Thomas Gromer wesentlicher Bestandteil des dramaturgischen Konzepts. Zusammen mit den Bildern von Dominik Berg erzeugt sie die ungewöhnliche Stimmung des Films, der zwischen depressiven Momenten und amüsanten Einlagen schwebt. Was die Besetzung angeht, so überzeugen vor allem die beiden Frauen im Leben des Protagonisten, die von Luise Heyer (Milena) und Karoline Bär (Jella) gespielt werden. Auch wenn sich der Film ganz am Ende um einen perfekten Schluss bringt, ist DIE RESTE MEINES LEBENS ein beachtliches Regie-Debüt, das Hoffnung macht, in Zukunft noch weitere Filme von Jens Wischnewski zu sehen.
Donnerstag, 30. März 2017
Donnerstagsfrust
Keiner der beiden Filme im heutigen Pressedoppel konnte mich überzeugen...

VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE (1:2.35, 5.1)
OT: Victoria
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich 2016
Regie: Justine Triet
Darsteller: Virginie Efira, Vincent Lacoste, Melvil Poupaud
Kinostart: 04.05.2017

Victoria hat es nicht einfach. Die alleinerziehende Mutter zweiter Kinder arbeitet als Anwältin und sieht sich plötzlich damit konfrontiert, ihren Freund Vincent gegen die Anklage seiner Frau verteidigen zu müssen. Zu allem Überfluss drängt sich auch noch ihr Ex-Kunde Sam auf, der hoch und heilig verspricht, nicht mehr in Drogen zu machen und ihr helfen möchte – als Babysitter wie auch als Anwaltsgehilfe. Mehr Chaos geht nicht. Oder doch? - Es gibt Komödien, über die man herzlich lachen kann. Und solche, bei denen sich ein Kolbenfresser einstellt. Justine Trets Film gehört leider zur zweiten Gattung. So öde wie hier ans Werk gegangen wird, muss es nicht wundern, wenn es muxmäuschenstill ist im Kinosaal. Das ist wieder so ein Film, der nicht genau weiß, ob er nun witzig oder tragisch sein möchte und damit die Zuschauer im Regen stehen lässt. Da hilft es auch nicht weiter, dass Virginie Efira, spätestens seit BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL in Frankreich angesagt, die Titelrolle übernommen hat. Falsch platzierte Filmmusik, Witze ohne Pointen und ständig halbnackt in Victorias Wohnung herumtollende Kinder muss man sich nicht unbedingt geben. Fazit: ein Verzicht auf diesen Film bringt uns weiter.

BERLIN SYNDROM (1:2.35, 5.1)
OT: Berlin Syndrome
Verleih: MFA (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Australien 2017
Regie: Cate Shortland
Darsteller: Teresa Palmer, Max Riemelt, Matthias Habich
Kinostart: 25.05.2017

Backpackerin Clare aus Australien ist fasziniert von der Architektur der DDR und kommt deswegen nach Berlin, wo sie Fotos machen möchte. Zufällig begegnet sie dem smarten Andi, einem Englisch- und Sportlehrer. Sie verbringt die Nacht mit ihm und muss am nächsten Morgen feststellen, dass er sie in seine hermetisch abgeschirmte Wohnung einsperrt. Clare wird zu Andis Gefangener, ein Martyrium beginnt... Mit nahezu zwei Stunden Spielzeit überstrapaziert Cate Shortland ihr Publikum. Denn ihr Drehbuchstoff reicht leider nicht aus, um 116 Minuten spannend zu füllen. So ergeht sich der Film in Wiederholungen und spart auch kein Klischee aus. Und mit Logik nimmt es der Thriller auch nicht so genau. Genrefans dürften ziemlich enttäuscht sein, zumal der Film auch keine besonderen Härten ins Feld rückt. Mehr Langeweile als Spannung macht sich hier breit.
Freitag, 24. März 2017
Psychos und Cyborgs
Ein Freitags-Doppel, das sich gewaschen hat...

EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID (1:2.35, 5.1)
Verleih: X Verleih (Warner)
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Lars Montag
Darsteller: Jan Henrik Stahlberg, Friederike Kempter, Rainer Bock
Kinostart: 04.05.2017

Gibt es tatsächlich so etwas wie eine glückliche Beziehung? Auf der Suche danach haben Großstadtmenschen unterschiedlichsten Charakters mit Einsamkeit zu kämpfen, wünschen sich Sex und erhalten am Ende doch nur Mitleid... Mit der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Helmut Krausser verlangt Regisseur Lars Montag nicht nur seinem Cast einiges ab, sondern fordert auch sein Publikum. Denn der in technischer Hinsicht hervorragend inszenierte Film scheut keine Tabus und kommt meist direkt und recht drastisch zur Sache. Durch das Ineinandergreifen der verschiedenen Episoden fühlt man sich ein wenig an Paul Thomas Andersons MAGNOLIA erinnert, aber wirklich nur ein wenig. Kleiner Tipp: wer gefühlt bereits im Alltag nur mit Psychopathen zu tun hat, der sollte einen Bogen um diesen Film machen. Denn normal scheint hier niemand zu sein. Was im Presseheft übrigens als “provokante Komödie” bezeichnet wird, würde ich eher als abgründiges Drama bezeichnen.

GHOST IN THE SHELL (1:1.85, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Ghost In The Shell
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2017
Regie: Rupert Sanders
Darsteller: Scarlett Johansson, Michael Pitt, Juliette Binoche, Takeshi Kitano
Kinostart: 30.03.2017

In einer nahen Zukunft ist Major der Prototyp einer neuen Generation von Robotern: bei einem verheerenden Unfall ist nur ihr Gehirn unbeschadet geblieben, der restliche Körper wurde künstlich generiert und mit kybernetischen Fähigkeiten ausgestattet. Mit ihren Vorzügen ist sie die perfekte Soldatin und wird zur Verbrechensbekämpfung eingesetzt. Doch etwas stimmt nicht: die Flashbacks, die sie immer öfter bekommt, deuten daraufhin, dass sie eine ganz andere Vergangenheit hat als ihr bislang erzählt wurde... Mit seinem GHOST IN THE SHELL liefert Regisseur Rupert Sanders die erste Live-Action-Verfilmung des Kult gewordenen gleichnamigen japanischen Animes. Fairerweise muss ich eingestehen, das ich weder die Comic-Vorlage kenne noch den Animationsfilm aus dem Jahre 1995 gesehen habe. Ich kann mich damit nur auf diese Real-Verfilmung berufen, die bei mir natürlich sofort Assoziationen zu BLADE RUNNER wecken. Und das nicht nur wegen der opulenten Bilder, sondern auch in thematischer Hinsicht. So gesehen empfand ich GHOST IN THE SHELL eigentlich nur als einen Aufguss von Ridley Scotts bahnbrechendem Film von 1982. Allerdings ein Aufguss mit “WOW!”-Faktor. Die visuellen Effekte sind hier ebenso betörend wie Scarlett Johansson als Cyborg Major. Eine Rolle, die ihr buchstäblich auf den schönen Körper geschrieben zu sein scheint und ihr reichlich Gelegenheit gibt, in echter LUCY-Manier harte Action abzuliefern. Trotz seiner wirklich großartigen Schauwerte wurde der Film nicht im Scope-Format realisiert, sondern nur im kaschierten Breitwandformat 1:1.85. Was für normale Kinos hier zum Nachteil gerät, kommt den IMAX-Kinos zugute: sie werden mit Scarlett Johanssons Körper fast die gesamte Bildwand füllen.
Donnerstag, 23. März 2017
Filmkunschd
Man muss im Leben nicht alles verstehen

JAHRHUNDERTFRAUEN (1:2.00, DD 5.1)
OT: 20th Century Women
Verleih: Splendid (Filmagentinnen)
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Mike Mills
Darsteller: Elle Fanning, Annette Bening, Greta Gerwig, Lucas Jade Zumann
Kinostart: 18.05.2017

Kalifornien 1979: der junge Jamie wird von seiner Mutter Dorothea alleine erzogen, einen Vater gibt es nicht. Dafür holt sich Dorothea die Unterstützung von zwei jungen Frauen: der freigeistigen Mitbewohnerin Abbie und Jamies bester Freundin Julie... Besonders beeindruckend an Mike Mills Film ist die Stimmung, die er mit seinen Bildern und der darunterliegenden Musik erzeugt. Inspiriert durch seine Mutter schildert Mills auf ebenso witzige wie gefühlvolle Weise jene Zeit kultureller Umbrüche, die seine Jugend prägte. Mit Elle Fanning, Annette Bening, Greta Gerwig und Lucas Jade Zumann hat er ein faszinierendes Ensemble gefunden, das den gesamten Film trägt.

DER TRAUMHAFTE WEG (1:1.37, 5.1)
Verleih: Piffl
Land/Jahr: Deutschland 2016
Regie: Angela Schanelec
Darsteller: Miriam Jakob, Thorbjörn Björnsson, Maren Eggert
Kinostart: 27.04.2017

Griechenland, 1984. Kenneth, ein Engländer und Theres, eine Deutsche, singen auf der Strasse, um sich ihre Ferien zu finanzieren. Sie lieben sich. Als Kenneth die Nachricht erhält, dass seine Mutter verunglückt ist, reist er überstürzt nach Hause und lässt Theres zurück. Ihm wird bewusst, wie sehr er sie braucht, aber sein Versuch, sie erneut zu gewinnen, scheitert. 30 Jahre später in Berlin. Ariane, eine 40-jährige Fernsehschauspielerin, trennt sich in einer Krise von ihrem Mann, einem erfolgreichen Anthropologen. Dieser zieht in eine Wohnung nahe dem Hauptbahnhof. Von seinem Fenster aus sieht er einen Obdachlosen. Es ist Kenneth, der nicht weiss, dass auch Theres inzwischen in Berlin lebt... Fans minimalistischen Kinos sehen sich bei Angela Schanelecs Film vermutlich am Ziel ihrer Träume. Es sei ihnen gegönnt. Ich für meine Person werde es wohl nie in diese Sphären schaffen, weil ich das Kino viel zu sehr liebe. Nichts als Achselzucken und Kopfschütteln hat dieser im altmodischen Bildformat inszenierte Film, der sich bildmäßig extrem viel mit Füßen beschäftigt und mit Laiendarstellern besetzt wurde, bei mir hervorgerufen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass ich mal wieder ein Meisterwerk nicht als solches erkannt habe. Mein Pech. Aber ich stehe dazu. Genauso wie ich dazu stehe, in diesem speziellen Fall die Inhaltsangabe aus dem Presseheft übernommen zu haben.
Mittwoch, 22. März 2017
Der Storch, der ein Spatz war
Mal wieder Kino mit einer Horde Gremlins: zur Pressevorführung waren Kinder eingeladen!

ÜBERFLIEGER – KLEINE VÖGEL, GROSSES GEKLAPPER (1:1.85, 5.1)
OT: Richard, der Storch
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: Deutschland, Belgien. Luxemburg, Norwegen 2017
Regie: Toby Genkel, Reza Memari
Kinostart: 11.05.2017

Während Spatz Richard gerade aus dem Ei schlüpft, werden seine Eltern von einem Marder gefressen. Die zufällig vorbeifliegende Storchendame Aurora nimmt sich des kleinen Piepmatz an. Richard wird in die Storchenfamilie integriert und ist fest der Meinung, selbst ein Storch zu sein. Als jedoch die Störche zu ihrem Flug ins Winterquartier nach Afrika aufbrechen, lassen sie Richard alleine zurück, weil er dem langen Flug nicht gewachsen ist. Doch Richard ist fest dazu entschlossen, ihnen dennoch zu folgen. Mit Hilfe der riesigen Zwergeule Olga samt imaginärem Freund Olek sowie des selbstverliebten Wellensittichs Kiki begibt er sich auf die abenteuervolle Reise... Dass es sich bei Animationsfilmen nicht immer nur um amerikanische Produkte handeln muss, beweisen Toby Genkel und Reza Memari mit dieser europäischen Koproduktion. Allerdings kann diese weder tricktechnisch noch inhaltlich mit Pixar-Filmen mithalten. Tricktechnisch deswegen nicht, da die Animation recht schlicht gehalten ist, was auf ein kleines Budget hindeutet. Und inhaltlich deswegen nicht, weil nicht alle Handlungsstränge zu Ende geführt werden. Ein Beispiel für Letzteres sind die Vögel in Sanremo, die als mafiöse Schutzgelderpresser eingeführt werden, aber gleich danach ohne Konsequenzen einfach wieder aus dem Radar verschwinden. Zusätzlich sind viele der Pointen im Film nicht altersgerecht (ähnlich THE BOSS BABY). So wird die Zielgruppe der unter 8jährigen die Anspielungen auf Facebook und Co. wohl kaum verstehen können. Zart Besaitete werden sich an mindestens zwei Stellen fürchten: als Richards Eltern gefressen werden (hier gibt es zumindest eine Schwarzblende!) und als Richard und seine Freunde in die Höhle eines afrikanischen Dachses eindringen, um Richards Bruder zu retten. Gut umgesetzt sind die Hauptcharaktere, die im Laufe des Films lernen, gegenseitig für sich einzustehen und Freundschaften zu entwickeln, auch wenn sie von ihrer Unmgebung allesamt zu Außenseitern gestempelt wurden. Gefällig auch die Musik von Eric Neveux, die auf richtiges Orchester setzt und damit den Film insgesamt aufwertet.
Dienstag, 21. März 2017
Begegnung mit Jesus
Das Independent Kino hat immer noch was zu bieten...

DAS ENDE IST ERST DER ANFANG (1:2.35, 5.1)
OT: Les Premiers, Les Derniers
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: Belgien, Frankreich 2015
Regie: Bouli Lanners
Darsteller: Albert Dupontel, Bouli Lanners, Suzanne Clément. Michael Lonsdale, Max von Sydow
Kinostart: 11.05.2017

Im Auftrag ihres Arbeitgebers fahren Gilou und Cochise mit ihrem Pick-Up über weites Land. Es gilt das Handy ihres Chefs wieder zu beschaffen, das gestohlen wurde. Auf ihrem Trip durch endlose Landschaften treffen sie auf noch skurrilere Charaktere, die wiederum – freiwillig und unfreiwillig – in die Handy-Geschichte mit hineingezogen werden... Mit großartigen Bildern von Kameramann Jean-Paul de Zaeytijd inszeniert Belgiens Vielfilmer Bouli Lanners seine Geschichte voller skurriler Typen und Situationen, die vornehmlich vom Zufall gesteuert werden. Oder sollte man besser sagen: vom Schicksal? Von der Vorsehung? Immerhin lässt Lanners sein Figurenkabinett auf Jesus treffen. “Bis Du der echte Jesus?” fragt ihn einer. Der hebt seine Hand und zeigt dem Ungläubigen das Loch in der Hand. Vom Nagel am Kreuz? Oder vielleicht doch nur von dem Schuss aus der Pistole, die der Fragende ins Dunkel der nacht abfeuerte? Wer ein Faible für ungewöhnliche Filme mit schwarzem Humor hat, ist bei Lanners Film gut aufgehoben.
Montag, 20. März 2017
Der Geizhals und die Superhelden
Kein besonders ergiebiger Einstieg in die neue Pressewoche

NICHTS ZU VERSCHENKEN (1:2.35, DD 5.1)
OT: Radin!
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: Frankreich 2016
Regie: Fred Cavayé
Darsteller: Dany Boon, Laurence Arne, Noémie Schmidt
Kinostart: 06.04.2017

Francois Gautier ist geizig seit er auf die Welt kam. Der Erste Geiger in einem Orchester spart wo man nur sparen kann. Sei es indem er im Haus kein Licht anmacht und nur im Schein der Straßenlaterne zu Abend isst oder bei seinen Einkäufen, die allesamt schon lange über dem Verfalldatum liegen, dafür aber weniger kosten. Francois‘ Welt gerät aus den Fugen, als er erfährt, dass er eine 16jährige Tochter hat und diese jetzt auch noch bei ihm einziehen möchte. Die dadurch zu erwartende Erhöhung der Lebenshaltungskosten treiben ihm bereits Schweissperlen auf die Stirn... Eine Komödie, die sich ziemlich schwer damit tut lustig zu sein. Klingt paradox, ist aber so. Das liegt vor allem an Hauptdarsteller Dany Boon, der hier derart emotionslos agiert, dass erst gar keine Stimmung aufkommen möchte. Unweigerlich stellt man sich vor seinem geistigen Auge einen Louis de Funes in dieser Rolle vor – und schon sähe das ganz anders aus! Zur Ehrenrettung des Films sei verraten, dass es immerhin einen wirklich gelungenen Gag im Film gibt: um schnellstmöglich von seinem Konzert wieder nach Hause zu können, um dort verschwenderische Ausgaben einzudämmen, reisst Dany Boon als Stargeiger Vivaldis “Vier Jahreszeiten” in einem irrwitzigen Tempo herunter. Bis zur völligen Erschöpfung des gesamten Orchesters. Natürlich ist dies nur ein schwacher Trost für eine Komödie von 91 Minuten Länge.

POWER RANGERS (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Power Rangers
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Dean Israelite
Darsteller: Dacre Montgomery, RJ Cyler, Naomi Scott
Kinostart: 23.03.2017

Fünf Teenager werden unfreiwillig in ein großes Abenteuer verwickelt und müssen als “Power Rangers” mit Superkräften ihre Heimatstadt vor der Vernichtung durch eine Billionen Jahre alte Macht retten. - Was als eine Neuauflage von BREAKFAST CLUB beginnt, setzt sich als abenteuerliche Science-Fiction-Story fort, die allenfalls Schüler bis 12 Jahren interessieren dürfte – selbst wenn die Protagonisten bereits Halbwüchsige sind. Und die lassen zudem leider etwas an Talent vermissen. Dass am Ende dann wieder alles in eine überlange Zerstörungsorgie mündet, ist dem Unterhaltungswert des Films auch nicht gerade zuträglich. Immerhin gibt es aber ein oder zwei positive Aspekte. Denn die als Außenseiter abgestempelten Kids lernen sich zu solidarisieren und ihre Talente gegenseitig zu würdigen. Dazu gehört auch die sogenannte “Gender”-Thematik, die – es handelt sich ja um einen amerikanischen Film – natürlich nur recht dezent angedeutet wird.
Sonntag, 19. März 2017
Happy macht happy
Da Stuttgart mal wieder mit keiner Pressevorführung bedacht wurde, habe ich den Film notgedrungen “gestreamt”

HAPPY (1:1.85, 5.1)
Verleih: Zorro
Land/Jahr: Deutschland 2016
Regie: Carolin Genreith
Kinostart: 16.03.2017

Ein kurzes Close Up des Gartenzwergs mit dem erhobenem Stinkefinger verrät ziemlich zu Beginn auf sehr dezente Weise, was Filmemacherin Carolin Genreiths Vater für ein Typ ist. Nämlich einer, der auf das Gerede anderer nicht viel gibt und sich auch sonst nur um sich selber kümmert. Dass er jetzt im fortgeschrittenen Alter plötzlich eine Thailänderin heiraten möchte, nahm Carolin Genreith zum Anlass, einen sehr persönlichen Dokumentarfilm über ihren Vater zu machen, in dem sie selbst auch eine sehr große Rolle spielt. In vielen Vater-Tochter-Dialogen wird klar, welche Sorgen sich die Tochter um ihren Vater macht, der offenbar sehenden Auges in sein Verderben zu rennen scheint. Auch wenn er es selber besser wissen sollte, lässt er sich von der jungen Thailänderin, die in Thailand auf ihn wartet, vollkommen um den Finger wickeln. Meint es die 30 Jahre jüngere Frau tatsächlich ernst mit der Liebe? Carolin kann das nicht glauben und bohrt unablässig nach. Was der Vater an Argumenten ins Feld führt ist oft so herzerfrischend amüsant, dass es sich schon alleine deswegen lohnt, den Film anzuschauen. Wenn etwa dieser kauzige Typ mit Buckel und Bauch schildert, auf welchen Typ von Frauen er durch deutsche Partnervermittlungen traf, kann man nicht anders als in schallendes Gelächter zu verfallen und gibt dem Vater dadurch indirekt Recht, dass er sich in Thailand bedient. Im Laufe des Films wachsen einem Vater und Tochter so richtig ans Herz und wartet mit Spannung darauf, ob denn tatsächlich eine Heirat stattfinden wird. Es gehört wirklich viel Mut dazu, einen solchen Film zu machen. Der von Philipp Baben der Erde exzellent fotografierte und von Stefanie Kosik-Wartenberg wunderbar montierte Film ist so etwas wie ein Geheimtipp in der derzeitigen Doku-Szene. Dafür lohnt es sich ins Kino zu gehen. HAPPY macht tatsächlich happy.

Donnerstag, 16. März 2017
Von Nachrufen und Babys
Die zwei einzigen Pressevorführungen in dieser Woche gab es heute gleich im Doppelpack

ZU GUTER LETZT (1:2.35, 5.1)
OT: The Last Word
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Mark Pellington
Darsteller: Shirley MacLaine, Amanda Seyfried, AnnJewel Lee Dixon
Kinostart: 13.04.2017

In ihrem Leben ist alles durchgeplant: Harriet ist eine exzentrische Dame im Rentenalter. Vermögend, geschieden und mit einer Tochter, die sie seit Urzeiten nicht mehr gesehen hat. Und weil sie nichts dem Zufall überlassen will, plant sie jetzt bereits ihren eigenen Nachruf. Den soll ihr die junge Anne, bei der Lokalzeitung für Nachrufe zuständig, schreiben. Das Problem: alle Menschen, die Anne nach Harriet befragt, lassen – wen wundert’s - kein gutes Haar an ihr. Da beschließt Harriet, gemeinsam mit Anne ihre eigene Biografie noch einmal aktiv umzuschreiben... Was an diesem Film wirklich Spaß macht, ist das Frauentrio, das gleich drei Generationen umspannt. Shirley MacLaine als kratzbürstiger Kontrollfreak, Amanda Seyfried als graue Maus die sich nichts traut und AnnJewel Lee Dixon als ziemlich selbstbewusstes, rebellisches Mädchen. Wenn die Drei gemeinsam auf Achse sind, ist alles möglich. Wie beispielsweise ein Bad in einem See bei Mondschein. So Manches was im Film passiert wird man als typisch amerikanisches Kino abtun (z.B. wird Harriet innerhalb einer Minute als DJ bei einem Radiosender eingestellt!), doch angesichts des spielfreudigen Ensembles und einer Botschaft der leiseren Töne nimmt man das gerne in Kauf.

THE BOSS BABY (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos, Auro 11.1)
OT: The Boss Baby
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Tom McGrath
Kinostart: 30.03.2017

Als der 7jährige Tim plötzlich einen kleinen Bruder bekommt, ist es mit der schönen Zeit vorbei. Denn fortan bestimmt das schreiende, weinende und schleimende Etwas das gesamte Leben seiner Eltern. Tim fühlt sich abgeschrieben. Das will er natürlich nicht hinnehmen und beschattet den kleinen Bruder, der seltsamerweise mit Anzug und Krawatte “angeliefert” wurde. Tims Spürnase gibt ihm recht: das Baby ist nämlich gar kein Baby, sondern ein Erwachsener als Baby getarnt! Und der hat eine ganz spezielle Mission: es gilt nämlich zu verhindern, dass die niedlichen Babys zukünftig durch noch niedlichere Hundewelpen ersetzt werden! Jetzt müssen Tim und das Baby, das keines ist, sich irgendwie zusammenraufen, um das Schlimmste zu verhindern... Wieder einmal steht das größte Gut der Menschheit (und insbesondere natürlich der Amerikaner!) im Mittelpunkt dieser computeranimierten Komödie: die Familie! Doch die Sichtweise ist dieses Mal eine etwas andere. Es ist die eines 7jährigen Jungen, der vollkommen aus der Bahn geworfen wird, als plötzlich ein kleines Brüderchen auftaucht und die Harmonie des Trios Mama/Papa/Kind kräftig aufmischt. Die etwas älteren Zuschauer werden sich vermutlich schnell mit der Hauptfigur identifizieren können und sich an die Zeit erinnern, als sie plötzlich den Status des Einzelkindes durch die Ankunft eines weiteren Kindes einbüßten. Tom McGrath, der sich u.a. mit den MADAGASCAR-Filmen einen Namen machte, bedient sich in seinem neuen Film vieler Versatzstücke aus anderen, vornehmlich Erwachsenenfilmen, die erfahrungsgemäß – wie könnte es anders sein – beim Zielpublikum nicht ankommen. Immerhin wird der Film in Deutschland ohne Altersbeschränkung in die Kinos Einzug halten. Da werden die ganz Kleinen vermutlich öfters die begleitenden Erwachsenen fragen, was es damit auf sich hat. Für die Erwachsenen (oder auch die schon etwas älteren Kinder) sind natürlich genau solche Einlagen ein großer Spaß. So sieht Tim den Neuankömmling teilweise als Antichrist, was dann visuell an Filme wie DAS OMEN oder DER EXORZIST erinnert. Besonders schön: die Baby-Fabrik, in der die frisch generierten Babys in zwei Lager eingeteilt werden. Lacht ein Baby, wenn es mit einer Feder gekitzelt wird, darf es als ganz reguläres Baby auf die Welt. Lacht es nicht, startet es automatisch eine Karriere im Management der Baby-Fabrik. Ein Gag, den wohl auch nur Erwachsene verstehen werden. Optisch gelungen sind auch jene Szenen, die die kindliche Phantasie visualisieren. Da sieht man erst genau das, was sich Tim beim Spielen in seiner Phantasie vorstellt, bevor uns die Animationstechnik die Realität zeigt. THE BOSS BABY ist zwar nicht der große Wurf, ist insgesamt aber ziemlich vergnüglich und hat viel Action zu bieten. Übrigens stammt der Score von Hans Zimmer und einem zweiten Komponisten, dessen Namen ich mir leider nicht merken konnte und erinnerte mich stellenweise an Howard Hansons “American Symphony”. Ob vielleicht der Rohschnitt damit unterlegt war?
Mittwoch, 15. März 2017
Ein Mann verschwindet
Zwar keine Pressevorführung, doch Stream sei Dank konnte ich den Film trotzdem sichten

DER HUND BEGRABEN (1:1.85, 5.1)
Verleih: Movienet
Land/Jahr: Deutschland 2016
Regie: Sebastian Stern
Darsteller: Justus von Dohnányi, Juliane Köhler, Georg Friedrich
Kinostart: 23.03.2017

Hans verschwindet. Aus der Firma, wo ihm gekündigt wurde ebenso wie aus der Familie, die ihn gar nicht mehr wahrnimmt. Bevor er auch nur die Chance hat, von seinem Arbeitsplatzverlust zu erzählen, sind nicht nur der erste Freund seiner minderjährigen Tochter besonders wichtig, sondern vor allem auch der zugelaufene Hund, der auf den Namen Kurt (in Erinnerung an Kurt Cobain) getauft wird. In seinem endlosen Frust kauft sich Hans vom Abfindungsgeld ein schickes Cabrio – und überfährt Kurt aus Versehen! Heimlich, still und leise verscharrt er den Vierbeiner im Wald. Die Trauer in der Familie über Kurts Verschwinden nimmt Überhand und Hans Reißaus. In einer Spelunke trifft er auf Mike, der ihm anbietet, ihm zu helfen. Damit aber fangen die Probleme erst richtig an... Auf seiner Haben-Seite stehen bei dieser schwarzen Komödie von Sebastian Stern zwei große Namen: : Justus von Dohnányi und Georg Friedrich. Ersterer brilliert in der Rolle von Hans, jenem Vater, der von seiner Familie gar nicht mehr wahrgenommen und bald schon durch einen Hund ersetzt wird (der es sich dann sogar zwischen ihm und Ehefrau im Bett gemütlich macht). Unsicher, etwas depressiv, aber immer aggressiver werdend - von Dohnányi bringt es auf den Punkt. Sein Kollege Georg Friedrich steht dem in nichts nach. Von Josef Hader als “der beste Schauspieler Österreichs” bezeichnet, gefällt sich Friedrich einmal mehr in einer halbseidenen Rolle, dank der natürlich alle Sympathien des Publikums dem armen Hans zugute kommen. Dieser Haben-Seite steht allerdings ein Drehbuch entgegen, das sich nichts so richtig traut. Noch mehr schwarzer Humor hätte dem Film keineswegs geschadet. So aber wirkt DER HUND BEGRABEN eher wie ein Fernsehfilm: ohne echte Dynamik und mit wenig Überraschungen. Immerhin sind dann wenigstens ein paar der Bilder gelungen. Wie z.B. jene Einstellung, in der man Hans im Autohaus in einem schicken Cabrio sitzen sieht, umgeben von Pappkameraden, die eine fröhliche Familie darstellen. Fazit: kleines Fernsehspiel mit guten Darstellern

Freitag, 10. März 2017
Frida im Bann des KiWu
Deutsches Kino zum Wochenabschluss

DINKY SINKY (1:1.85, 5.1)
Verleih: Zorro (24 Bilder)
Land/Jahr: Deutschland 2016
Regie: Mareille Klein
Darsteller: Katrin Röver, Till Firit, Ulrike Willenbacher
Kinostart: 08.02.2018

Zwei Jahre bemühen sie sich schon, ein Kind zu zeugen: Frida, 36 und Sportlehrerin, sowie ihr Freund Tobias. Der gesamte Tagesablauf ist nur auf die Zeugung ausgerichtet. Kein Wunder, dass Tobias eines Tages einfach die Schnauze voll hat und nicht mehr als Zuchthengst herhalten möchte. Er verschwindet einfach aus ihrem Leben. Frida, jetzt vollkommen auf sich selbst gestellt, ist geschockt und kann es nicht akzeptieren. An ihrem Kinderwunsch ändert sich indes gar nichts. Im Gegenteil: jetzt ist ihr sogar jeder halbwegs passable Mann als Samenspender recht. Doch sie merkt gar nicht, dass sie sich mit ihrem zwanghaften Verhalten schon bald in eine ungewollte Isolation bringt – bei ihren Männern, bei ihrer Mutter und bei ihren Freundinnen. Frida mutiert vom Dinky (= Double Income No Kids Yet) zum Sinky (=Single Income No Kids Yet). Mareille Klein versäumt es leider, ihren Film in kinogerechte Bilder zu packen. Fast so wie ihre Protagonistin, die an nichts Anderes mehr denken kann als an ihren unerfüllten Kinderwunsch, haftet der Film zu sehr am Thema als sich um tolle Bilder zu kümmern. Überbelichtet und eng wirken die von Laura Kansy eingefangenen Momente, die zu sehr im Fernsehen verwurzelt scheinen. Immerhin aber hat sie ein handverlesenes Ensemble im Gepäck, von dem vor allen Katrin Röver hervorsticht. Sie versteht sich sehr gut darauf, den Wettlauf von Frida gegen die biologische Uhr zum Ausdruck zu bringen – bis hin zur Verzweiflung. Dass sich aus dem Stoff damit trotzdem kein handfestes Melodram entwickelt, sondern das präzise beobachtete Porträt einer Mitdreißigerin und ihrem Beziehungsmikrokosmos, das mit viel verstecktem Humor aufwartet und die Zuschauer mit Situationen konfrontiert, die sie vielleicht sogar aus persönlichen Erfahrungen kennen, entpuppt sich als die eigentliche Stärke des Films. Dazu gehört der niedliche Hamster, den Tobias seiner Frida schenkt und als eine Art Kindersatz herhalten soll – eine Geste zuviel. Auch gibt es da Fridas Mutter, die mehr damit beschäftigt ist, ihren zweiten Frühling in Angriff zu nehmen als ihrer Tochter unter die Arme zu greifen. Der zweite Frühling schließlich kommt in Form von Hartmut, einem von Michael Wittenborn so wunderbar gespielten Kotzbrocken von Mann, der den ausländischen Möbelpackern bei starkem Kaffee protzend verrät, dass Fridas Mutter seine bereits vierte Frau sei. Oder jene Sequenz, in der Frida von ihrem Arzt erfährt, dass Behandlungen in Sachen Fruchtbarkeit von der Krankenkasse nur dann bezahlt werden, wenn sie verheiratet ist. Woraufhin Frida ihrem Freund prompt einen Heiratsantrag macht. Was thematisch nicht so recht in den Film passen will, ist das “geleakte” Tagebuch von Frida, das im Internet auftaucht und in dem sie die Tage ihrer Schülerinnen samt Eisprung aufzeichnet, was in Folge natürlich deren Eltern auf den Plan ruft. Vermutlich soll damit nur noch einmal betont werden, wie sehr Frida auf das Thema Kinderkriegen fixiert ist. Bis Frida endlich soweit ist, loslassen zu können, vergeht viel Zeit. Dass sie jedoch auf dem richtigen Weg ist, zeigt das letzte Bild im Film: Frida nimmt am München-Marathon teil, verlässt aber irgendwann die Stecke und verschwindet irgendwo im Hintergrund.
Donnerstag, 09. März 2017
Es geht um die Liebe
Zwei Filme – zwei Ereignisse. Kann ein Donnerstag schöner sein?

DIE SCHLÖSSER AUS SAND (1:2.35, 5.1)
OT: Les Châteaux De Sable
Verleih: Film Kino Text (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich 2015
Regie: Olivier Jahan
Darsteller: Emma de Caunes, Yannick Rénier, Jeanne Rosa
Kinostart: 27.04.2017

Weil sie das Haus ihres verstorbenen Vaters verkaufen muss, bittet Eléanor ihren Ex Samuel, ihr dabei zu helfen. Samuel, inzwischen mit einer anderen Frau zusammen, willigt ein. Damit beginnt ein Wochenende, das ihre Beziehung zueinander auf den Prüfstein legt... Trauerbewältigung in gleich mehrfacher Hinsicht thematisiert Olivier Jahan in seinem interessant gestalteten und fulminant gespielten Drama voller amüsanter und erotischer Akzente. Eléanor (wunderbar: Emma de Caunes, ein Gesicht, das man sich merken muss!) muss Abschied nehmen von ihrem verstorbenen Vater, gleichzeitig aber auch von ihrer großen Liebe Samuel (gut besetzt: Yannick Rénier), über die sie noch lange nicht hinweg ist. Während des gemeinsamen Wochenendes im Haus des Vaters bewerten die beiden unabhängig voneinander ihre Beziehung zueinander neu. Das passiert durch Dialoge, durch Off-Kommentare oder durch ein direktes Ansprechen der Zuschauer durch die Darsteller und ist dabei extrem präzise beobachtet. Das Drehbuch zeugt dabei von großem Erfahrungsschatz und bietet viel Identifikationspotenzial.

DIE SCHÖNE UND DAS BIEST (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 +Atmos)
OT: Beauty And The Beast
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Bill Condon
Darsteller: Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Kevin Kline
Kinostart: 16.03.2017

Eine intelligente Dorfschönheit ist die letzte Hoffnung für einen Prinzen, der in ein Monster verwandelt wurde und mit ihm seine Gefolgschaft. Würde es ihm gelingen, die Liebe des Mädchens zu gewinnen noch bevor das letzte Blatt einer verzauberten Rose fällt, würde der Spuk enden... Als der Disney-Konzern vor längerer Zeit ankündigte, man wolle als eines der nächsten Projekte eine Live Action Verfilmung des Zeichentrickklassikers DIE SCHÖNE UND DAS BIEST realisieren, war ich äußerst skeptisch. Denn wer möchte so etwas sehen wo doch das gezeichnete Original bereits perfekt ist. Als ich heute nun das Endergebnis sehen durfte, war meine Skepsis nach der ersten Minute bereits verflogen. Um es im Volksmund auszudrücken: der Film ist der Hammer! Dabei ist es unglaublich, wie nah Bill Condons Film dabei am Animationsfilm bleibt. Viele der Einstellungen (und die Szene im großen Ballsaal gehört dazu!) wurden quasi direkt vom Original übernommen. Faszinierend ist die Art und Weise, wie hier Realfilm mit Computeranimation zu einem Gesamtbild vereint wird als wäre es schon immer so gewesen. Eine Oscar-Nominierung ist hier gewiss. Einen besetzungstechnischen Glücksgriff hat Condon mit Emma Watson in der Rolle der Belle getan, die hier unter Beweis stellen darf, dass sie nicht nur spielen, sondern auch singen kann. Ergänzt um ein paar neue Lieder wurde der gesamte Score von Alan Menken ebenfalls aus dem Klassiker übernommen und natürlich neu eingespielt – in brillantem Dolby Atmos Sound, der das Orchester derart plastisch abbildet, dass man das Gefühl hat, die Musiker würden live im Saal spielen. Auch sonst gibt es an der Tonspur nichts zu meckern. Sie gehört zum Besten, was ich in letzter Zeit hören durfte. Gänsehaut pur! Ich werde mir den Film auf jeden Fall auch noch in der IMAX-Version anschauen, die ein anderes Bildseitenverhältnis aufweist und bin gespannt, wie das dortige 12-Kanal-Tonsystem im Vergleich zur Atmos-Mischung klingt. Wer die Chance hat, sich den Film im englischen Original und in Dolby Atmos anzuschauen bzw. anzuhören, sollte nicht zögern reinzugehen.
Mittwoch, 08. März 2017
Der Dorfdoktor
Komödiantisches zur Wochenmitte

EIN DORF SIEHT SCHWARZ (1:2.35, 5.1)
OT: Bienvenue A Marly-Gomont
Verleih: Prokino (Fox)
Land/Jahr: Frankreich 2016
Regie: Julien Rambaldi
Darsteller: Marc Zinga, Aïssa Maïga, Kamini Zantoko
Kinostart: 20.04.2017

Mitte der 1970er Jahre lässt sich der frisch gebackene Arzt Seyolo Zantoko aus dem Senegal vom Bürgermeister eines winzig kleinen Dorfes in der französischen Provinz für den Job des Dorfarztes anwerben. Als er zusammen mit seiner Familie dorthin umsiedelt, sieht er sich nicht nur dem Misstrauen der Einwohner gegenüber Farbigen ausgesetzt, sondern auch dem Missmut seiner Frau und Kinder, die viel lieber in Paris leben würden... Man merkt dieser Komödie einfach zu deutlich an, dass sie sich schwer damit tut, richtig lustig zu sein. Alles wirkt ziemlich bemüht bei dieser wahren Geschichte, die sich vielleicht wesentlich besser als Integrationsdrama hätte verkaufen sollen. Ein Fehlgriff der deutschen Fassung: der künstliche Dialekt, mit dem man das französische Original - ähnlich wie bei WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS - auf Deutsch simulieren wollte. Das gibt den Film leider der Lächerlichkeit preis. Erst in der letzten Viertelstunde kann der Film punkten, nämlich genau dann, wenn Emotionen heraufbeschworen werden. Überflüssig: die Rahmenhandlung ganz zu Beginn und am Ende. Fazit: es bedarf viel Humor, um bei diesem Film lachen zu können.
Dienstag, 07. März 2017
Der Thronfolger und die rebellischen Schüler
Wahre Geschichten – einmal als dramatischer Spielfilm, einmal als motivierende Doku

A UNITED KINGDOM (1:2.35, DD 5.1)
OT: A United Kingdom
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Großbritannien 2016
Regie: Amma Asante
Darsteller: David Oyelowo, Rosamund Pike, Jack Davenport
Kinostart: 30.03.2017

1947 lernt die Britin Ruth Williams den Farbigen Seretse Khama in London kennen. Allen Anfeidungen von außen zum Trotz verlieben sich die beiden ineinander. Auch als Seretse Ruth eröffnet, dass er der legitime Thronfolger von Bechuanaland (dem heutigen Botswana) ist und von seinem Onkel nur zur Ausbildung nach London geschickt wurde, erschüttert es die Liebe nicht. Ganz im Gegenteil: die beiden heiraten. Allerdings sehr zum Missfallen von Seretses Onkel, seinem Volk und vor allem den Briten, die ein ganz eigenes Interesse an Bechuanaland haben und die Apartheid unterstützen... Amma Asantes Film erzählt eine wahre Geschichte und ist zugleich bewegende Liebesgeschichte als auch historische Aufarbeitung der Apartheid. Für Ersteres bedarf es natürlich großer Orchestermusik (Patrick Doyle), die das Drama für das Publikum entsprechend emotionalisiert. Das mag vielleicht etwas dick aufgetragen wirken, geht dramaturgisch aber in Ordnung. Eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund großer historischer Ereignisse wurde auch schon bei David Lean vor allem durch die Musik getragen. David Oyelowo als Seretse Khama und Rosamund Pike als Ruth Williams spielen das Paar, deren Liebe durch die prekäre politische Situation auf eine harte Probe gestellt wird. Und sie machen dies sehr überzeugend. Insbesondere Pike, die in ihren Rollen oft ziemlich hochnäsig wirkt, zeigt hier eine sehr verletzliche Seite. Der insgesamt um historische Authentizität bemühte Film fördert jedoch einen kleinen Patzer zutage, der einem eingefleischten Filmtechnik-Fanatiker wie mir nicht verborgen bleibt: als die von Ruth Williams auf Film festgehaltene Botschaft an Winston Churchill in einer Kinovorführung zu sehen ist, wird das Bild in kaschiertem Breitwand präsentiert – einem Bildformat, das es zu jener Zeit noch nicht gab. Aber dieses winzige Detail stört nicht weiter in einem ansonsten packenden Drama.

BERLIN REBEL HIGH SCHOOL (1:1.85, 5.1)
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Alexander Kleider
Kinostart: 11.05.2017

Die Schule für Erwachsenenbildung (SFE) in Berlin ist eine Schule, die ganz anders ist als herkömmliche Schulen. Als privat geführte Lehranstalt ist sie vollkommen autark in dem, wie sie den Lehrstoff vermittelt und an wen sie ihn vermittelt. Bei den Schülern dort handelt es sich um Schulabbrecher, die auf keiner staatlichen Schule mehr die Chance haben, Verpasstes nachzuholen. Noten gibt es dort nicht. Und die Schüler sind hier nicht nur Schüler, sondern voll integrierte Mitglieder des Schulsystems, bei dem sie selbst mitbestimmen dürfen. Die dort beschäftigten Lehrer unterrichten aus Leidenschaft – und das zum Stundensatz von gerade einmal 12,50 Euro. “Und das geht?”, fragt man sich unweigerlich. Und ob! Regisseur Alexander Kleider, geboren in Böblingen, ist selbst das beste Beispiel dafür, dass man es auf der SFE in Berlin zum Abitur bringen kann: er war selbst Schüler dort und absolvierte sein Abi im Jahre 2000. Beste Voraussetzung dafür, über die SFE einen Dokumentarfilm zu machen, kannte Kleider doch die Strukturen dort aus seiner eigenen Erfahrung. Und man merkt es dem Film deutlich an, dass hier einer etwas erzählt, von dem er etwas versteht. Drei Jahre lang begleitete er seine Protagonisten, allesamt Underdogs, durch ihren schulischen Alltag und durch ihr Privatleben, lässt die jungen Männer und Mädchen von ihren Träumen erzählen und auch davon, wie es ihnen auf anderen Schulen erging. Auch die Lehrer kommen zu Wort, die ihre Sichtweise auf das Lernen darlegen und wie sie ihre Schützlinge bis zum Abitur begleiten. Auch sie fiebern mit ihren Schülern mit, wenn diese zur Prüfung auf staatliche Schulen geschickt werden. Kleiders in Bild und Ton hervorragend gestalteter Film ist witzig und spannend und macht große Lust auf das etwas andere Lernen. SFE – so muss Schule!
Montag, 06. März 2017
Vor Gericht und auf der Straße
Die unterschiedlichsten Orte wieder einmal vereint durch zwei Pressevorführungen

VERLEUGNUNG (1:2.35, 5.1)
OT: Denial
Verleih: SquareOne/Universum
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2016
Regie: Mick Jackson
Darsteller: Rachel Weisz, Tom Wilkinson, Timothy Spall
Kinostart: 13.04.2017

Als die Universitätsprofessorin Deborah Lipstadt vom britischen Historiker David Irving wegen Verleumdung verklagt wird, weil sie ihm in ihrem neuen Buch die Leugnung des Holocaust vorwirft, muss sie sich vor einem britischen Gericht verantworten. Gemeinsam mit ihren Anwälten sieht sie sich dem Problem gegenüber, nicht nur sich selbst verteidigen zu müssen, sondern auch beweisen zu müssen, dass es den Holocaust tatsächlich gegeben hat... VERLEUGNUNG ist in erster Linie brillantes Schauspielerkino. Mit Rachel Weisz als Deborah Lipstadt, Tom Wilkinson als ihr Anwalt Richard Rampton und Timothy Spall als “Bad Guy” David Irving gerät der nach einem tatsächlichen Fall inszenierte Film zum spannenden Schlagabtausch vor und außerhalb des britischen Zivilgerichts. Ein Lokaltermin in Auschwitz führt auf subtile Weise das Grauen der KZ vor Augen und macht noch einmal eindringlich klar, um was es hier geht. Mick Jacksons Film ist packendes Kino, das ohne Action auskommt.

TIGER GIRL (1:2.35, 5.1)
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Jakob Lass
Darsteller: Ella Rumpf, Maria Dragus, Enno Trebs
Kinostart: 06.04.2017

“Du musst einfach sagen, was Du willst und dann kriegst Du’s auch!” – Vanilla ist tief beeindruckt von Tigers Lebensmotto. Ständig laufen sich die beiden Mädchen über den Weg. Als Tiger schließlich Vanilla aus einer gefährlichen Situation befreit, ist die ungewöhnliche Freundschaft besiegelt. Dabei könnten die Mädchen kaum unterschiedlicher sein: Vanilla versucht ihr Glück bei einer Ausbildung in einem privaten Sicherheitsdienst, während Tiger in einem abgestellten Bus lebt und sich mit Gaunereien über Wasser hält. Gemeinsam machen sie sich auf, dem Leben ein Schnippchen zu schlagen... Jakob Lass‘ Film ist eine Kreuzung zwischen Mumblecore und Großstadtballade mit Martial Arts Einlagen. Dem fulminanten Anfang mit lautstarker, an Italo-Western-Klänge erinnernder Musik folgt leider ein auf die Dauer immer weniger interessant werdendes Porträt einer ungewöhnlichen Mädchenfreundschaft im Schmelztiegel Berlin. Traurig stimmt das Gewaltpotenzial, das insbesondere Vanilla innewohnt und das bei (möglicherweise nur bei älteren?) Zuschauern für Irritierung sorgen dürfte. Mit seiner unorthodoxen Schnitttechnik sowie der oft improvisiert wirkenden Dialoge hebt sich der Film vom deutschen Einheitsbrei zumindest wohltuend ab. Mitz Ella Rumpf als die coole Tiger und Maria Dragus als die anfangs etwas schüchterne Vanilla bietet der Film in den Hauptrollen zwei unverbrauchte Gesichter, die man (hoffentlich) zukünftig noch öfters auf der Leinwand sehen wird.
Freitag, 03. März 2017
Zwei Erfolgsstorys
Das Leben schreibt bekanntlich die besten Drehbücher. Heute durften wir gleich doppelt darüber urteilen, ob das stimmt

THE FOUNDER (1:2.35, 5.1)
OT: The Founder
Verleih: Splendid (24 Bilder)
Land/Jahr: USA 2016
Regie: John Lee Hancock
Darsteller: Michael Keaton, Nick Offerman, Linda Cardellini, Laura Dern
Kinostart: 20.04.2017

USA 1954. Mit mäßigem Erfolg versucht Ray Kroc Multi-Mix-Geräte an Restaurants zu verkaufen. Als jedoch ein Restaurant gleich sechs der Geräte telefonisch bestellt, geht Kroc von einem Versehen aus und sucht das Lokal auf. Das stellt sich als eine hervorragend organisierte Hamburger-Bude heraus, bei der die Kundschaft zwar Schlange steht, aber innerhalb von 30 Sekunden ihr Essen in Empfang nehmen kann: McDonald’s, gegründet von zwei Brüdern. Kroc ist von deren Geschäftsidee total begeistert und überredet die beiden, ihre Idee mit seiner Hilfe als Franchise zu vermarkten. Das Geschäft beginnt schließlich zu boomen. Doch er fordert auch Opfer... John Lee Hancocks Film über das Mastermind hinter der Hamburger-Kette McDonald’s dürfte der Film mit der schnellsten Schnittfolge seit Langem sein. Richtig schwindelig kann es einem da werden. Und zumindest ich habe mich dabei gefragt, wo denn der Sinn dabei ist. Bei einem Film, der in den 1950er-Jahren angesiedelt ist (Topp: die stimmige Ausstattung), ist derart große Hektik eigentlich kontraproduktiv. Doch lassen wir den Schnitt einmal beiseite: Michael Keaton brilliert in dieser Real Life Story als Ray Kroc, der seine große Stunde gekommen sieht, um endlich sein fristloses Dasein als Klinkenputzer an den Nagel zu hängen, um ein Big Player zu werden. Dass man dafür allerdings ziemlich korrupt sein und auch über Leichen gehen muss (nicht wörtlich zu nehmen!), erkennt Kroc je höher er aufsteigt. Die Wandlung vom Sympath zum Unsympath ist erstaunlich und wird von Keaton perfekt dargestellt. Der Film empfiehlt sich für alle, die wissen wollen, was einst hinter McDonald’s steckte und was inzwischen daraus geworden ist.

GOLD (1:2.35, DD 5.1)
OT: Gold
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Stephen Gaghan
Darsteller: Matthew McConaughey, Édgar Ramírez, Bryce Dallas Howard
Kinostart: 13.04.2017

Nachdem Kenny Wells erfolgreich die Firma seines Vaters, die Washoe Mining Corporation, ruiniert hat, hat er eine Vision: er will in Indonesien nach Gold graben. Gemeinsam mit dem zwielichtigen Geologen Michael Acosta setzt er sein Vorhaben in die Tat um. Und tatsächlich: die beiden finden Gold... Und wieder eine wahre Geschichte. Dieses Mal also Aufstieg und Fall eines Mannes, der zeitlebens nach Reichtum strebte. Der von Stephen Gaghan inszenierte Film ist sehr konventionell angelegt und hat wenig Überraschendes zu bieten. Auch wenn man die Geschichte nicht kennt, wird man keine Probleme damit haben, ihren Fortgang stets vorherzusagen. Immerhin hinterlässt Matthew McConaughey als stets Alkohol trinkender Möchtegern-Erfolgsmann mit halbseidenem Touch einen nachhaltigen Eindruck. Fazit: es gibt spannendere Filme.
Donnerstag, 02. März 2017
Bitte alle einloggen!
Animation aus Japan – eine Seltenheit in unserer Pressevorführungswelt

SWORD ART ONLINE – THE MOVIE: ORDINAL SCALE (1:1.85, 5.1)
OT: Gekijo-ban Sword Art Online – The Movie: Ordinal Scale
Verleih: peppermint anime
Land/Jahr: Japan 2017
Regie: Tomohiko Ito
Kinostart: 06.04.2017

Ein neues Online-Spiel erobert de Markt: Ordinal Scale. Mit Hilfe einer Augmented Reality Hardware können die Spieler damit ihre reale Umgebung in eine virtuelle umwandeln und müssen Schlachten austragen. Doch der junge Schwertkämpfer Hirito, dessen Freunde allesamt mit Freude in die neue Wirklichkeit eintauchen, bemerkt schnell, dass etwas nicht stimmt... Um erst gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: nur wer bereits mit der Serie SWORD ART ONLINE vertraut ist, wird sich in diesem Animationsuniversum zurechtfinden! Außenstehende werden ihre liebe Mühe haben, der Handlung zu folgen. Zu letzterer Gruppe von Zuschauern zähle auch ich mich. Immerhin ist das Ganze passabel umgesetzt und sehr actionreich realisiert. Großen Spaß macht die fulminante Tonmischung, die alle 5.1 Tonkanäle effektvoll einbezieht. Fans des Animes dürfen sich freuen: im Anschluss an den Abspann wird eine Fortsetzung vorbereitet.
Mittwoch, 01. März 2017
Gott ist in der kleinsten Hütte
Heute habe ich im Kino mal wieder Taschentücher gebraucht...

DIE HÜTTE – EIN WOCHENENDE MIT GOTT (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Shack
Verleih: Concorde
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Stuart Hazeldine
Darsteller: Sam Worthington, Radha Mitchell, Octavia Spencer
Kinostart: 06.04.2017

Als seine jüngste Tochter einem Gewaltverbrechen zum Opfer fällt, ist Macks Familienidyll zerstört. Trauer und Schuldgefühle bestimmen von jetzt an das Leben. Eines Tages findet Mack einen Brief im Postkasten, der ihn in jene Hütte im Wald einlädt, wo sich die Spur seiner Tochter verlor. Und der Absender ist kein Geringerer als Gott höchstpersönlich. Verwirrt und bewaffnet macht sich Mack alleine auf den Weg zur Hütte. Was folgt, wird sein Leben von Grund auf verändern... So manchem Zuschauer wird diese Geschichte ganz bestimmt ein Kopfschütteln abringen. Der ganze Himmel in einer kleinen Waldhütte? Gott als afroamerikanische Frau? Zugegeben: auch ich tat mich anfangs etwas schwer mit dieser Visualisierung, die Stuart Hazeldine nach dem Roman von William Paul Young inszeniert hat. Doch je weiter die Geschichte fortschritt, umso mehr wurde mir bewusst, um was es hier geht: Vergebung – der Schlüssel zu einem besseren Leben. Man hätte das natürlich auch ganz anders und weniger phantastisch aufbereiten können, aber Roman und Film haben nun mal diesen Weg eingeschlagen. Und mal ganz ehrlich: wer hätte sich nicht selber schon einmal gerne bei Gott persönlich darüber ausgelassen, wie ungerecht es auf der Welt zugeht? Das Konzept stimmt, wenn man die Begegnung von Mack mit Gott als eine ungewöhnliche Darstellung des Glaubens akzeptiert. Mich persönlich erinnerte der Film in gewisser Weise an Peter Jacksons wunderbaren IN MEINEM HIMMEL. Beide Filme haben auf jeden Fall eines gemeinsam: sie rühren zu Tränen! Mag sein, dass Hazeldines Film etwas zu lang geraten ist, doch die Kernaussage macht das schnell wieder wett.

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