Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Donnerstag, 28. Februar 2019
Ein Künstler wie er im Buch steht
Mit einer Doku sowie einem SciFi-Thriller habe ich mich heute unterhalten lassen

CHRISTO – WALKING ON WATER (1:1.85, 5.1)
OT: Walking On Water
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Italien, USA, Deutschland, Vereinigte Arabische Emirate 2018
Regie: Andrey Paounov
Darsteller: Christo
Kinostart: 11.04.2019

In seinem unkommentierten Film dokumentiert Andrey Paounov das spektakuläre Projekt “Floating Piers” des Ausnahmekünstlers Christo. Die Kamera ist bei allen Phasen der Entstehung dabei – ob in Christos Atelier, am Lago D’Iseo (dem Ort der Verwirklichung) oder auf den vielen Empfängen rund um das Projekt. Dabei entsteht ein wunderbares Porträt eines Menschen, der zuallererst Künstler ist. Das zeigt sich bereits zu Beginn des Films, wenn der betagte Christo angesichts seines Computers (den sein Assistent bedienen muss) fast schon einen Wutausbruch bekommt, weil er mit der neuen Technik nicht zurecht kommt. Überhaupt steht der Meister mit moderner Technik auf Kriegsfuß. Ob digitales Whiteboard oder Mikrofonanlage – nichts klappt auf Anhieb so, wie es sollte. Und ständig gibt es Zoff zwischen dem alten Grantler und seinem Vladimir, der Christo und sein Projekt managen muss. Mit seiner imposanten Tonspur, die die Musik extrem dynamisch wiedergibt, macht es richtig Spaß, sich die Launen, Ängste und Nöte des alten Künstlers anzuschauen. Schmunzeln, Lachen und Staunen ist hier angesagt. Ein Dokumentarfilm der begeistert.

CAPTIVE STATE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Captive State
Verleih: Entertainment One (Fox)
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Rupert Wyatt
Darsteller: John Goodman, Vera Farmiga, Ashton Sanders
Kinostart: tba

Seit fast 10 Jahren wird die Erde von außerirdischen Invasoren unterjocht. Die meisten Menschen fügen sich ihrem Schicksal, andere kollaborieren mit den Eindringlingen, die es auf die Rohstoffe abgesehen haben. Doch in Chicago gibt es ein paar Wenige, die im Untergrund für ihre Freiheit kämpfen wollen. Bei einer großen Versammlung im Stadion der Stadt will man mit einem Anschlag den Wendepunkt einläuten... Die Geschichte um einen totalitären Staat ist nichts Neues. Was Rupert Wyatts düstere Zukunftsvision allerdings von anderen Geschichten unterscheidet, ist die Tatsache, dass es sich dieses Mal bei den Machthabern um garstige Außerirdische handelt. Und es gibt Kollaborateure – machthungrige Menschen, die alles dafür tun, um ihren ganz persönlichen Vorteil aus dieser Misere der Menschheit zu schlagen. Wyatts Film ist über weite Strecken unspektakulär. Der Regisseur setzt hier mehr auf Spannung und weniger auf Schauwerte. Das gelingt ihm auch recht ordentlich, doch wünscht man sich trotzdem etwas mehr Pep. John Goodman gefällt in der Rolle eines zwielichtigen Ermittlers, einer Rolle, die er sehr gut ausfüllen kann.
Dienstag, 26. Februar 2019
Milieustudie
Ein weiterer Nachsitztermin

DER GOLDENE HANDSCHUH (1:1.85, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
Verleih: Warner
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Fatih Akin
Darsteller: Jonas Dassler, Margarethe Tiesel, Katja Studt
Kinostart: 21.02.2019

Anfang der 1970er-Jahre begeht der im Gesicht entstellte Fritz Honka eine Reihe grauenvoller Frauenmorde und versteckt deren Körperteile in seiner Dachgeschosswohnung. - Mit der Verfilmung des gleichnamigen Tatsachenromans von Heinz Strunk wagt Regisseur Fatih Akin einen Ausflug ins Horrorgenre. Die Gewaltszenen, in denen sich Fritz Honka (beeindruckend dargestellt von Jonas Dassler) in ein wahres Monster verwandelt, sind abschreckend und hypnotisierend zugleich. Oft verweilt die Kamera in derselben Einstellung, während Honka seine Morde begeht, und macht damit den Zuschauer geradezu zu einem Voyeur. Das ist wirklich starker Tobak und nichts für Sensibelchen. Gebrochen wird der blanke Horror allerdings immer wieder durch extrem skurrile Einlagen, die regelrecht zum Lachen animieren. Ein Lachen allerdings, das durchaus im Hals stecken bleibt. Was in Akins Film extrem gut gelungen ist, ist die stimmige und mit viel Liebe zum Detail inszenierte Milieustudie, deren Dreh- und Angelpunkt der “Goldene Handschuh” ist, jene Kneipe im Hamburger Kiez, in der Honka seine späteren Opfer kennenlernte. Die Kneipe dient als Auffangbecken für gebrochene Existenzen und einsame Herzen, die sich dort bei (grausamer!) Schlagermusik mit Alkohol abfüllen, um ihr unerträgliches Schicksal wenigstens für ein paar Stunden zu vergessen.
Montag, 25. Februar 2019
Leben wie Gott in Frankreich
Es gibt Fortsetzungen, die an das Original heranreichen oder sogar noch toppen. Die uns heute gezeigte gehört nicht dazu

MONSIEUR CLAUDE 2 (1:1.85, 5.1)
OT: Qu'est-ce Qu'on A Encore Fait Au Bon Dieu?
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich 2019
Regie: Philippe de Chauveron
Darsteller: Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan, Julia Piaton, Noom Diawara
Kinostart: 04.04.2019

Es herrscht wieder einmal helle Aufregung im Hause des Monsieur Claude. Der hat sich gerade erst daran gewöhnt, dass seine vier Schwiegersöhne zu anderen ethnischen Kreisen gehören als er selber, als ihm seine Töchter eröffnen, dass sie samt Gatten in deren ursprüngliche Heimatländer auswandern wollen. Claude und seine Frau Marie setzen jetzt alle Hebel in Bewegung, damit genau das nicht passiert... Vier Jahre nach dem überragenden Erfolg von MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER kehrt die Filmfamilie um Hauptdarsteller Christian Clavier wieder auf die große Leinwand zurück. Wieder unter Regie von Philippe de Chauveron und wieder mit dem gleichen Cast. Kein Wunder also, dass die Erwartungen in diesem Fall ziemlich groß sind. Was dann allerdings folgt ist eine recht herbe Enttäuschung. Die neuen Gags zünden nicht und die aufgewärmten alten kennt man schon längst. Am ehesten generiert da noch der kleine Running Gag ein paar Lacher, wenn der Herr des Hauses den bei ihm untergebrachten Flüchtling sofort als Taliban einstuft und ihn bei vermeintlichen Anschlagsvorbereitungen inflagranti ertappt. Das Ensemble spielt zwar toll auf, doch das Drehbuch liefert einfach nicht. Am Ende könnte die Geschichte den SCH’TIS entnommen sein, wenn es darum geht, den Schwiegersöhnen ein perfektes Frankreich zu demonstrieren – mit viel Schmiergeld seitens Monsieur Claude natürlich. Alles nichts wirklich Neues und ohne besondere Einfälle inszeniert. Eine Fortsetzung, die man sich hätte sparen können. Echt schade.

Donnerstag, 21. Februar 2019
Stabwechsel im Ostwind-Universum
Zum Ausklang der Pressewoche gleich zwei Kinderfilme im Doppelpack

OSTWIND – ARIS ANKUNFT (1:2.35, 5.1)
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Theresa von Eltz
Darsteller: Hanna Binke, Luna Paiano, Marvin Linke, Amber Bongard, Tilo Prückner, Cornelia Froboess, Lili Epply, Sabin Tambrea, Meret Becker
Kinostart: 28.02.2019

Nach einem schrecklichen Zwischenfall liegt Mika bewusstlos im Krankenhaus und ihr Pferd Ostwind will nichts mehr fressen. Erst durch die Ankunft der kleinen Ari, einem kratzbürstigen Waisenkind, ändert sich alles. Wie vor ihr Mika, so hat auch Ari eine ganze besondere Verbindung zu Ostwind. Und der scheint sich plötzlich wieder zu fangen. Währenddessen tritt die junge Isabell ihre Stelle auf dem Gut Kaltenbach an. Dass sie Böses im Schilde führt, ahnt freilich noch niemand... Der Stabwechsel im OSTWIND-Universum wird eingeläutet. Nicht mehr die inzwischen schon erwachsene Hanna Binke in der Rolle der Mika ist federführend, sondern die weitaus jüngere Luna Paiano als Ari. Damit ist Regisseurin Theresa von Eltz wieder auf Augenhöhe mit ihrem Zielpublikum, die alle in Paianos Alter sein dürften. Einmal mehr geht es im bereits vierten Film der Reihe um den Erhalt des Reiterhofs Kaltenbach, dem Ungemach seitens Isabell Herburg und ihrem Förderer Thordur Thorvaldsen droht. Natürlich wird alles sehr vereinfacht dargestellt: die Bösen erkennt man sofort am falschen Lächeln oder an der schwarzen Montur, die sie tragen. Unverzichtbares Element aller OSTWIND-Filme ist die Filmmusik von Annette Focks, ohne die der Pferdefilm vollkommen wirkungslos bliebe. Erst ihr orchestraler Score macht aus den vielen Slow Motion Bildern eine hoch emotionale Angelegenheit. Für Pferdenarren im Backfischalter genau das richtige Futter.

UNHEIMLICH PERFEKTE FREUNDE (1:2.35, 5.1)
Verleih: SquareOne (Fox)
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Luis Vorbach, Jona Gaensslen, Marie Leuenberger
Kinostart: 04.04.2019

Die beiden Freunde Emil und Frido verstehen sich deswegen so gut, weil sie beide dieselben Probleme haben. In der Schule klappt es nicht so wie es soll und die älteren Schüler mobben sie ständig. Da kommt es den beiden wie gerufen, dass sich ihre Spiegelbilder mittels eines geheimnisvollen Spiegels nicht nur materialisieren, sondern sich auch noch als schlagkräftige Musterschüler erweisen. Heimlich tauschen sie die Rollen mit ihren Spiegelbildern. Das geht so lange gut, bis diese plötzlich ein Eigenleben entwickeln... Marcus H. Rosenmüllers fetzig in Szene gesetzter Kinderfilm ist einer der wenigen, mit dem auch Erwachsene ihren Spaß haben dürften und dessen Botschaft sich an alle richtet: jeder Mensch ist perfekt genauso wie er ist! Unkonventionelle Blickwinkel, rasante Schnitte und eine temporeiche Musik machen genauso Laune wie die beeindruckenden Leistungen der Nachwuchsdarsteller. Es gibt hier viel zu lachen, auch wenn so manche Situation ein wenig gruselig erscheint. Wer sich sein kindliches Gemüt bewahrt hat, der sollte diesen Film keineswegs verpassen.
Mittwoch, 20. Februar 2019
Und Kirchen werden brennen
Bei den “Fantasy Filmfest White Nights” habe ich ihn ausgelassen, jetzt aber nachgeholt

LORDS OF CHAOS (1:1.85, 5.1)
OT: Lords Of Chaos
Verleih: Studio Hamburg (24 Bilder)
Land/Jahr: Großbritannien, Schweden 2018
Regie: Jonas Akerlund
Darsteller: Rory Culkin, Emory Cohen, Jack Kilmer
Kinostart: 20.02.2019 (limitiert)

Im kalten Norwegen gründet Euronymous in den 1990er-Jahren eine Black Metal Band namens Mayhem. Als sein depressiver Leadsänger nach kurzer Zeit Suizid begeht, wird der junge Varg zum neuen Leadsänger. Doch mit Varg ändert sich alles. Denn der versteht sich als echter Satanist und erklärt den Kirchen in Norwegen den Krieg: er zündet sie einfach an. Ganz allmählich reisst er die anderen Bandmitglieder mit in seine dunkle Welt... Basierend auf tatsächlichen Ereignissen, die sich Anfang der 1990er Jahre in Norwegen zugetragen haben, erzählt Regisseur Jonas Akerlund die Geschichte der “Norwegian Black Metal”-Szene und die daraus resultierenden Verbrechen von Kirchenschändungen bis hin zum Mord. Er tut dies mit satirischem Unterton, was den Film als schwarze Komödie präsentiert. Allerdings stehen die gezeigten Mordsequenzen in krassem Gegensatz zur Komödie und rechtfertigen die Entscheidung der FSK, den Film erst ab 18 Jahren freizugeben.
Dienstag, 19. Februar 2019
Von Auftragskillern und Dating-Apps
Während der sich erste Film heute noch recht interessant gab, verströmte der zweite große Langeweile

THE SISTERS BROTHERS (1:2.35, 5.1)
OT: The Sisters Brothers
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: Frankreich, Spanien, Rumänien, USA, Belgien 2018
Regie: Jacques Audiard
Darsteller: John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal
Kinostart: 07.03.2019

Oregon 1851. Die ungleichen Brüder Eli und Charlie Sisters verdienen sich ihre Brötchen als Auftragskiller und haben sich damit schon einen Namen gemacht. Jetzt sollen sie im Auftrag ihres “Commodore” einen Chemiker umlegen, der angeblich eine Formel gefunden hat, die das Suchen nach Gold extrem vereinfacht. Ebenfalls an dessen Fährte geheftet hat sich John Morris, der Kontaktmann der Sisters Brüder. Während die beiden Auftragskiller versuchen, ihr Opfer einzuholen, verfolgt Morris ganz eigene Pläne mit dem Chemiker... Mit THE SISTERS BROTHERS hat der Franzose Jacques Audiard einen recht ungewöhnlichen Western inszeniert, der sich an italienischen Vorbildern orientiert (dazu gehört beispielsweise der Score von Alexandre Desplat, der Morricones Stil imitiert). Hier sind die Bösen nicht immer nur böse und die Guten nicht immer nur gut. Alle Protagonisten haben die Anlage zu beiden Eigenschaften. Es ist ein Western, der gleichzeitig melancholisch, humorvoll und knallhart ist und von den Zwängen zur Gewalt in einer Männergesellschaft erzählt und von der Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben. In den Hauptrollen ebenso exzellent wie ungewöhnlich besetzt.

RATE YOUR DATE (1:2.35, 5.1)
Verleih: Fox
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: David Dietl
Darsteller: Alicia von Rittberg, Edin Hasanovic, Nilam Farooq, Marc Benjamin
Kinostart: 07.03.2019

Zwei Jungs und zwei Mädchen, die sich zufällig kennenlernen, entwickeln eine neuartige Dating-App, die es dem User erlaubt, seine Dates zu bewerten. Das führt zu allerlei amourösen Verwicklungen und am Ende natürlich zur großen Liebe... Wenn es ums Daten in deutschen Komödien geht, dann scheint es keinen Platz für Romantik zu geben. So auch in David Dietls Film, in dem sich die Partnersuche auf eine App reduziert. Es wird eine Scheinwelt aufgebaut, in der junge Menschen quasi über Nacht eine App erstellen und lancieren. Wenn das alles nur mal so einfach wäre wie es einem hier vorgegaukelt wird! Dazu die typischen Klischees wie etwa die beiden Typen, die Start-Ups unterstützen: jung, arrogant und mit Dauergrinsen. Alle Protagonisten haben schicke, riesigen Wohnungen und hängen ständig in angesagten Szenekneipen ab – ob sie nun Geld haben oder nicht. Und der Sprössling aus reichem Haus hat natürlich sowieso alles bis hin zur eigenen Motoryacht. Das ist alles soweit weg von der Realität, dass es schon richtig nervt. Da bleibt nicht viel Spielraum für echte Gefühle. Schade.
Montag, 18. Februar 2019
Gänsehautmomente
Mein Geburtstagsfilm hat sich gelohnt

WEIL DU NUR EINMAL LEBST – DIE TOTEN HOSEN AUF TOUR (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
Verleih: NFP (Filmwelt)
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Paul Dugdale, Cordula Kablitz-Post
Kinostart: 28.03.2019

Wer hätte das gedacht: auch Punk-Rocker werden älter! Und mit dem Alter sogar fast schon ein bisschen spießich. In ihrem wunderbaren Dokumentarfilm wagen Cordula Kablitz-Post und Paul Dugdale einen Blick hinter die Kulissen der Toten Hosen Tour 2018. Ausstaffiert mit einer ganzen Menge an Konzert-Footage (besonders imposant in Dolby Atmos!), das die Interview-Segmente unterbricht (und umgekehrt), erlebt man die Band um Lead-Sänger Campino quasi ungeschminkt. Die Kamera ist überall mit dabei – ob im engen Tourbus oder Live on Stage und rückt der Band sowie ihrem Tour-Personal ganz dicht auf die Pelle – in leinwandfüllendem CinemaScope. Auch wenn Familiäres komplett ausgeklammert wird, so entsteht doch der Eindruck einer höchst sympathischen Truppe, die stets versucht ihr Bestes zu geben. Die Jungs wissen wohl, dass sie musikalisch keine Genies sind, üben deswegen aber umso mehr. Und es gelingt ihnen trotz ihres fortgeschrittenen Alters immer wieder, eine Wahnsinnsenergie auf die Bühne zu bringen, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann. Die Filmemacher waren auch dabei, als die Toten Hosen ihr Konzert auf der Berliner Waldbühne absagen mussten, weil Campino einen Hörsturz erlitt. Seine allmähliche Genesung und der Umgang mit diesem Problem während der nächsten Konzerte wird im Film thematisiert und macht klar, dass auch eine Band vor solchen Problemen nicht gefeit ist. Passend dazu der Song “Weil Du nur einmal lebst”, der sich wie eine Art Leitmotiv durch den Film zieht und diesem seinen Titel gibt. Für Fans der Gruppe ist der Film natürlich Pflicht. Aber auch wer sie (noch) nicht kennt, wird in diesem Film einige Gänsehautmomente erleben.
Samstag, 16. Februar 2019
Der Künstler und seine Zeit
195 Minuten Kino – immerhin mit eingeplanter Pause

BRECHT (1:1.78, 5.1)
Verleih: Filmwelt
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Dr. Heinrich Breloer
Darsteller: Tom Schilling, Burghart Klaußner, Lou Strenger
Kinostart: 14.02.2019 (limitiert)

Eigentlich als Zweiteiler fürs Fernsehen produziert, wird Heinrich Breloers Biopic über Berthold Brecht und seine Zeit auch für kurze Zeit im Kino gezeigt. Das Konzept einer Mischung aus Spielszenen und Interviews von Zeitzeugen ist denn auch eher ein TV-Format. Auffallend dabei ist, dass Teil 2 des Films mit sehr viel mehr Zeitzeugen aufwartet als Teil 1. Die Spielszenen sind mit relativ großem Aufwand inszeniert, haben aber aufgrund des fürs Fernsehen gewählten Bildformats keine besondere Wirkung auf der Kinoleinwand. An der Top-Besetzung gibt es nichts zu rütteln: Tom Schilling (als der junge Brecht) und Burghart Klaußner (als der erwachsene Brecht) glänzen ebenso in ihren Rollen wie sämtliche Nebendarsteller. Wer sich intensiv mit dem Schriftsteller Brecht und seinen zahlreichen Affären befassen möchte, der ist in Breloers Film bestens aufgehoben. Eigens dafür ins Kino gehen muss er aber nicht.
Dienstag, 12. Februar 2019
Der alte Mann und die Zeit
Noch ein Nachsitztermin. Und wieder einer der sich lohnte

THE MULE (1:2.35, DD 5.1 + 7.1)
OT: The Mule
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Clint Eastwood, Bradley Cooper, Michael Peña, Laurence Fishburne
Kinostart: 31.01.2019

Earl Stone dürfte den Rekord halten im Verpassen von Familienfeiern. Weder bei der Hochzeit seiner Tochter war er zugegen, noch hat er jemals an seinen Hochzeitstag gedacht. Viel wichtiger ist ihm seine Arbeit als Pflanzenzüchter. Jetzt ist der rüstige Rentner geschieden, aber kein bisschen weiser. Als er aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch den Onlinehandel seine Gärtnerei aufgeben muss, erhält er ganz zufällig ein lukratives Jobangebot, bei dem er eigentlich nur Auto fahren soll – quer durch Amerika. Nichtsahnend wird er zum Drogenkurier und hat bald schon einen engagierten Drogenfahnder an den Fersen hängen... Auch mit fast 90 Jahren lässt er sich nicht davon abhalten weiter fleissig Filme zu produzieren, in denen er selbst die Hauptrolle übernimmt und dazu noch selber Regie führt: Clint Eastwood. Es ist wirklich bemerkenswert, was diese Ikone des amerikanischen Films bewerkstelligt. Und Eastwood ist einer, der sein Handwerk beherrscht. Was er mit THE MULE ein weiteres Mal unter Beweis stellt. Mit welcher Leichtigkeit er die Geschichte des alten Earl Stone erzählt, der ganz zufällig zum besten Drogenkurier eines Kartells wird, verdient großen Respekt. Mit schwarzem Humor und viel menschlicher Wärme gewürzt, liefert Eastwood mit seinem Film auch gleichzeitig eine wichtige Botschaft: mit Geld kannst Du Dir alles kaufen, nur keine Zeit. Zeit, die notwendig wäre, um sie mit der Familie zu verbringen. Eastwood inszeniert seinen Film vollkommen unaufgeregt, verzichtet auf rasante Schnitte und suggestive Filmmusik und lädt den Zuschauer stattdessen dazu ein, sich seinem Tempo anzupassen. Eine Einladung, die man gerne annimmt. Am besten im englischen Original, denn Eastwoods deutsche Stimme klingt einfach nur schrecklich.

Montag, 11. Februar 2019
Ziemlich allerbeste Freunde
Es ist Berlinale. Daher pressevorführungsfreie Zeit. Die fülle ich mit Nachsitzen

GREEN BOOK – EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT (1:2.00, DD 5.1 + 7.1)
OT: Green Book
Verleih: Entertainment One (Fox)
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Peter Farrelly
Darsteller: Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini
Kinostart: 31.01.2019

Eigentlich ist Tony Lip Türsteher in einem New Yorker Club. Doch weil sein Club renoviert wird, muss er sich einen neuen Job für zwei Monate suchen, um seine Familie über Wasser zu halten. Da kommt ihm das Angebot, für einen Doktor den Chauffeur zu spielen, gerade recht. Doch die Sache hat einen Haken: der Doktor ist gar kein richtiger Doktor, sondern ein extrem talentierter Pianist – und ein schwarzer dazu! Das passt dem Rassisten Tony ganz und gar nicht. Doch angesichts des lukrativen Honorars lässt sich Tony auf den Job ein. Ein Job, der beide Männer nachhaltig verändern wird... Auch wenn sich die Geschichte in den 1960er Jahren in Amerika zuträgt, gibt es durchaus Parallelen zu ZIEMLICH BESTE FREUNDE. Hier wie dort prallen zwei Männer aufeinander, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Und immer wird der Eine zum persönlichen Assistenten des Anderen. Im Laufe der Zeit werden aus den sich gegenseitig verachtenden Fremden tatsächlich Freunde. Dass man solche Geschichten trotzdem immer wieder gerne sieht, liegt in der Natur der Sache. Es sind jeweils wahre Geschichten, auf denen die beiden Filme beruhen. Geschichten, die viel über die Menschen erzählen, über Vorurteile und wie man sie überwindet. Umgeben von exquisitem Zeitkolorit schickt Peter Farrelly in GREEN BOOK seine beiden Protagonisten auf ihre Reise im amerikanischen Straßenkreuzer und lässt sie über Gott und die Welt und auch über das Essen diskutieren. Mahershala Ali mimt den begnadeten Pianisten Dr. Don Shirley als einen extrem feinen Pinkel, dem es fremd ist, einen Burger auch mal mit den Händen zu essen. Die schwierigere Rolle muss Viggo Mortensen absolvieren. Als Chauffeur gewordener Türsteher mit Schmalzlocke zieht er alle Register, um einen Mann des Volkes darzustellen. Einer der flucht, rassistisch ist und auf große Titten steht, der aber auch ein liebevoller Vater und Ehemann sein kann. Beide Männer lernen während ihrer Tour voneinander, haben am Ende sogar Respekt vor dem jeweils Anderen. Dank der großartigen Darsteller ist das alles nachvollziehbar und wirkt sehr überzeugend. Die sehr sparsam eingesetzte Filmmusik von Kris Bowers ist das berühmte Tüpfelchen auf dem “i”: sehr einfühlsam und auch erhaben. Kameramann Sean Porter gelingen Bilder mit wunderbarer 60er-Jahre Farbgebung. Selten sind 130 Filmminuten derart schnell vorbeigegangen. Anschauen!
Samstag, 09. Februar 2019
Einzigartige Momentaufnahme
Viele Kinos deutschlandweit weigerten sich, diesen Film zu zeigen, da er von Konkurrent Netflix produziert wurde. Jetzt hatte ich Glück, ihn in einem Stuttgarter Kino erleben zu dürfen.

ROMA (1:2.35, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Roma
Verleih: Netflix
Land/Jahr: Mexiko 2018
Regie: Alfonso Cuarón
Darsteller: Yalitza Aparicio, Marina de Tavira, Diego Cortina Autrey
Kinostart: 06.12.2018 (limitiert)

Der Stadtteil Roma in Mexiko-Stadt im Jahre 1970. Hier arbeitet die Mixtekin Cleo als Kindermädchen und Haushälterin für eine sechsköpfige Familie der Oberschicht. Putzen, Kochen und Kinderhüten prägen ihren eintönigen Alltag. Abwechslung bietet ihr nur Fermin, ein junger Kampfsportfan, mit dem sie anbandelt. Als sie ihm beim gemeinsamen Kinobesuch eröffnet, dass sie von ihm schwanger ist, verschwindet Fermin von der Bildfläche... ROMA ist nicht mehr als eine Momentaufnahme des Lebens in der mexikanischen Hauptstadt Anfang der 1970er Jahre. Regisseur Alfonso Cuarón, selbst gebürtiger Mexikaner und zum Zeitpunkt der Handlung seines Films gerade einmal neun Jahre alt, fängt diese Momentaufnahme in leuchtendem Schwarzweiß ein und streckt seine Bilder über die gesamte Breite der CinemaScope-Leinwand. Mit atemberaubender Schärfe und einem brillanten Sounddesign, das sämtliche Vorzüge des “Dolby Atmos”-Tonformats ausreizt, macht er den Zuschauer gleichsam zu einem Zeitzeugen, der alle Geschehnisse wie durch ein großes Fenster in die Vergangenheit beobachtet. Sein Film kommt ohne Filmmusik und mit sehr wenigen Schnitten aus, wodurch eine unglaubliche Authentizität erreicht wird. Cuarón schildert nicht nur das Leben einer Mittelklassefamilie und ihrem Dienstmädchen, sondern thematisiert gleichzeitig ein dunkles Kapitel seines Landes: das Fronleichnam-Massaker im Jahre 1971, bei dem Dutzende von Menschen im Rahmen von Studentenprotesten durch eine paramilitärische Gruppe getötet wurden. Ein dunkles Kapitel, das das Land bis heute nicht vergessen hat. Es ist jammerschade, dass ROMA ins Netzwerk von Netflix geraten ist und daher nur ganz wenige Filmfans in den Genuss einer Kinovorführung des Films kommen werden. Wer die Gelegenheit hat, sich den Film in einem mit Dolby Atmos ausgestatteten Kino zu sehen, sollte nicht zögern ihn dort anzuschauen. Das fast schon holographische Klangbild ist wirklich genauso einzigartig wie seine kraftvollen Bilder. Dieses Werk kann beim Streamen nur verlieren.
Donnerstag, 07. Februar 2019
Von Cyborgs und Pferden
Mal wieder ein sehr kontrastreiches Doppelprogramm

ALITA: BATTLE ANGEL (1:2.35, 3D, DD 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Alita: Battle Angel
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Robert Rodriguez
Darsteller: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Keean Johnson, Jennifer Connelly, Mahershala Ali, Ed Skrein
Kinostart: 14.02.2019

Die Welt in einer fernen Zukunft. Nach einem großen Krieg ist sie in zwei Lager geteilt: die frei im Orbit schwebende Oberwelt namens Zalem und die auf den Resten der Erde entstandene Unterwelt namens Iron City. Genau dort findet der Cyborgchirurg Ido den noch intakten Oberkörper eines Cyborgmädchens. Er gibt ihr einen neuen Körper und erweckt sie aus ihrem Dornröschenschlaf und tauft sie Alita. Die kann sich an rein gar nichts mehr aus ihrer Vergangenheit erinnern. Doch als sie von finsteren Gestalten in die Enge getrieben wird, erwachen in ihr ungeahnte Kräfte: offenbar ist Alita eine voll funktionsfähige Wunderwaffe... Wer visuell überbordendes, immersives Kino mag, der sollte sich ALITA: BATTLE ANGEL nicht entgehen lassen. Insbesondere die Sequenzen in der Arena sind atemberaubend inszeniert. Auch wenn Filme wie ROLLERBALL und BLADE RUNNER hier Pate gestanden haben, bietet Robert Rodriguez‘ Action-Spektakel trotzdem perfekte Unterhaltung für die Zielgruppe der Teens, die sich nicht unbedingt für tiefschürfende Geschichten interessieren, sondern sich einfach auf ein Spektakel einlassen wollen. Anspruchsvollere Kinogänger werden ganz sicher die extrem dünne Story bemängeln, die ihrerseits wiederum FRANKENSTEIN-Elemente verarbeitet, diese aber nicht wesentlich vertieft. Die visuellen Effekte sind hier Trumpf – und das vollkommen zurecht. Auch das Dolby Atmos Sounddesign zieht hier alle Register, um den Zuschauer mitten ins Geschehen zu katapultieren. Daher der dringende Rat, sich den Film nicht in einem x-beliebigen Kinosaal anzuschauen, sondern in einem technisch sehr hochwertigen! Wer die Möglichkeit hat, den Film im IMAX-Format anzusehen, sollte dies nutzen, zumal Rodriguez Eröffnungs- und Endesequenzen in erweitertem Bildformat präsentiert. Großer Pluspunkt im Film: die starke weibliche Hauptfigur, dank VFX ständig zwischen Mensch und Maschine pendelnd. Aber Achtung: auch wenn der Film eine Freigabe ab 12 Jahren erhält, sollten zart Besaitete Abstand davon nehmen, den Film anzuschauen. Denn leider sind die Gewaltsequenzen ziemlich radikal, auch wenn es sich meist um Cyborgs handelt. Negativ im Film fällt leider Christoph Waltz auf, der seit gefühlten zwanzig Jahren immer dieselbe Rolle spielt. Auch wirkt er irgendwie lustlos in der Rolle von Alitas Ziehvater. Ebenfalls negativ fällt die extrem sterile deutsche Synchronisation auf. Wer kann, sollte sich für die englische Originalfassung entscheiden.

STILLER KAMERAD (1:1.78, 5.1)
Verleih: ImFilm
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Leonhard Hollmann
Kinostart: 07.02.2019

Posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, nennt sich jene psychische Krankheit, mit der insbesondere Soldaten nach Kriegseinsätzen zu kämpfen haben und die oft erst Jahre danach auftritt. Ist sie erst einmal diagnostiziert, kann sie nur schwer behandelt werden, da niemand genau weiß wie. Selbst das Bundeswehrkrankenhaus kann hier nicht wirklich helfen. Filmemacher Leonhard Hollmann porträtiert in seiner bewegenden Dokumentation eine Soldatin (ein Hingucker mit ihrem leuchtend pinken Haar und dem Ganzkörpertattoo) und zwei Soldaten, die sich aufgrund ihrer PTBS einer vollkommen andersartigen Therapie unterziehen. Unter Anleitung einer Therapeutin sollen sie im Umgang mit Pferden lernen wieder zu sich selbst zu finden. Hollmann lässt seine Protagonisten zu Wort kommen und beobachtet mit seiner Kamera sehr intensiv die Gespräche mit der Therapeutin und die Arbeit mit den Tieren. Dabei gelingen ihm sehr eindrucksvolle, sensible Bilder mit Gänsehauteffekt. Gleichzeitig wird auch die Tatsache thematisiert, dass diese ganz offensichtlich sehr positiv anschlagende Therapie von der Bundeswehr (noch) nicht finanziell unterstützt wird.

Dienstag, 05. Februar 2019
Zwei in Afrika und Drei im Untergrund
Mein Dienstagsdoppel: Reisefilm und NSU-Schocker

REISS AUS – ZWEI MENSCHEN. ZWEI JAHRE. EIN TRAUM (1:2.35, 5.1)
Verleih: Abgefahren GbR (24 Bilder)
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Lena Wendt, Ulrich Stirnat
Kinostart: 14.03.2019

Lena und Ulrich – das sind zwei junge Menschen, die ausziehen, um leben zu lernen. Er hat schon den ersten Burnout hinter sich, Sie liebt Afrika. Gemeinsam machen sich die Beiden von Hamburg aus mit dem Auto auf die lange Reise nach Südafrika – wo sie nie ankommen werden, wie ihre Doku es gleich zu Beginn verrät. Doch auch wenn sie den Süden nie erreichen, so bereist das Duo eine ganze Menge afrikanischer Länder, das jedes für sich ganz eigene Reize bietet. Mit Videokameras ausgerüstet wird die gesamte oft strapaziöse Reise dokumentiert – mal mittels Video-Tagebuch, mal mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen. Unterwegs treffen sie viele Menschen, die mal mehr und auch mal weniger große Auftritte im fertigen Film haben. Aus dem Off geben Lena und Ulrich ihre ganz persönliche Sichtweise auf die Reise zu Gehör. Eine Reise, die beide bis an ihre Grenzen führen wird. Bemerkenswert dabei ist die Offenheit, mit der das Paar über die oft aus der langwierigen Reise resultierenden Beziehungsprobleme spricht. REISS AUS gehört zu jener Kategorie von Film, die mit dem äußerst erfolgreichen WEIT eingeläutet wurde. Wer also die Schnauze voll hat von den üblichen Hochglanzreportagen, der wird sich bei Lena und Ulli sicher wohl fühlen.


WINTERMÄRCHEN (1:2.35, 5.1)
Verleih: W-film
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Jan Bonny
Darsteller: Thomas Schubert, Ricarda Seifried, Jean-Luc Bubert
Kinostart: 21.03.2019

Becky und Tommi fällt nicht nur die Decke ihrer winzig kleinen Wohnung auf den Kopf, auch ihre Beziehung ist in einer Sackgasse. Jetzt soll es mal wieder richtig knallen: als Terrorzelle will das Paar Ausländer killen um für Aufsehen zu sorgen. Unvermittelt stößt Maik zu dem Pärchen, die Karten werden unter seiner Führung neu gemischt. Und bald gibt es die ersten Toten... Was den verlockenden Titel WINTERMÄRCHEN trägt, ist alles andere als leichte Kost. Mit seinen Gewaltexzessen und den sehr ausführlichen Sexszenen provoziert Regisseur Jan Bonny sein Publikum. Farbentsättigte Bilder und viel Handkamera prägen den Film und geben ihm dadurch einen fast schon dokumentarischen Touch. Der Verzicht auf Filmmusik erhöht diesen Eindruck. WINTERMÄRCHEN ist explosives, radikales Kino aus deutschen Landen, das zwar ein wenig zu lang geraten scheint, dafür aber nachhaltig wirkt.
Freitag, 01. Februar 2019
Drei Geschwister
Ein sensibel erzähltes Drama brachte die magere Pressewoche heute zu ihrem Ende

DAS HAUS AM MEER (1:1.85, 5.1)
OT: La Villa
Verleih: Film Kino Text (Filmagentinnen)
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Robert Guédiguian
Darsteller: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan
Kinostart: 21.03.2019

Die Krankheit ihres Vaters bringt drei Geschwister nach langer Zeit wieder zurück in die alte Heimat, eine Villa direkt am Meer nahe Marseille: Die Schauspielerin Angèle, der Gewerkschaftler Joseph samt wesentlich jüngerer Freundin und Armand, der das kleine Lokal seines Vaters weiterführt. Während sich die Geschwister sich erst ganz zögerlich wieder annähern, wissen sie noch nicht, dass sie mit Ereignissen konfrontiert werden, die sich auf ihr zukünftiges Leben auswirken werden... Emotional bewegend inszeniert Regisseur Robert Guédiguian sein Drama um eine Familie und ihre Freunde, die sich angesichts ihres Zusammentreffens am Ort ihrer Kindheit mit dem Leben selbst konfrontiert werden. Bisherige Lebensentwürfe werden infrage gestellt und neue Möglichkeiten tun sich auf. Erinnerungen und ein noch nicht verarbeitetes Trauma bricht sich Bahn. Guédiguian inszeniert seinen Mikrokosmos vor malerischer Kulisse schlicht, ohne viel Schnickschnack und fast ohne Filmmusik, dafür aber mit einem sehr authentisch spielenden Ensemble. Empfehlenswertes Arthouse-Kino, das viele der sehr präsenten Themen unserer Zeit vereint.

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