Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

Wolfram Hannemann | Talstr. 11 | D-70825 Korntal | Germany | Phone: +49 (0) 711 838 06 49 | Fax: +49 (0) 711 8 38 05 18
e-mail: info (at) wolframhannemann.de

Home      Referenzen      Filmblog      Videoproduktion    Jugendschutzbeauftragter      Impressum
Filmblog Aktuell           Filmblog-Archiv           Filmtitel-Index
Dienstag, 29. Dezember 2025
Neues von den Sullys
Am Jahresende geht es noch einmal zurück nach Pandora

AVATAR: FIRE AND ASH (1:2.35, HFR, 3D, 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Avatar: Fire And Ash
Verleih: The Walt Disney Company Germany
Land/Jahr: USA, Kanada 2025
Regie: James Cameron
Darsteller: Sam Worthington, Zoe Saldaña, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Oona Chaplin, Cliff Curtis, Britain Dalton, Trinity Bliss, Jack Champion, Bailey Bass, Kate Winslet
Kinostart: 17.12.2025

Ex-Marine Jake Sully muss seine Na’vi-Familie nicht nur weiter gegen seinen Erzrivalen Colonel Quaritch verteidigen, sondern auch gegen ein äußerst brutales Naturvolk unter Führung von Alpha-Weibchen Varang... Drei Jahre sind schon wieder vergangen seit der erste Fortsetzungsfilm zu James Camerons erstem AVATAR-Film in die Kinos kam. Jetzt folgt Teil 3, der gleichsam das Ende der AVATAR-Trilogie besiegelt. Zumindest darf man das hoffen. Denn wie schon sein Vorgänger mangelt es auch Teil 3 an einer richtigen Story, die die Zuschauenden packt. Stattdessen fackelt Cameron einmal mehr ein Feuerwerk visueller Effekte ab, um eine nur als Fragment vorhandene Handlung zu kaschieren. Zweifelsohne sind die visuellen Effekte grandios und vermutlich auch die 3D-Technik. Vermutlich deshalb, weil ich das aufgrund eines Augenfehlers leider nicht beurteilen kann. Im Dolby Cinema zumindest war die Bildqualität sensationell gut: knackscharf, extrem kontrastreich und leuchtend hell. Enttäuschend dagegen die Tonmischung, der es in der von mir besuchten Vorführung an Dynamik fehlte. Hier war ich mir nicht ganz sicher ob das einfach nur an einer falsch eingestellten Lautstärke lag oder ob es eine Eigenheit der deutschen Fassung ist. Wie auch immer – Camerons Film ist ein emotionsloses, brachiales Kriegsepos, das sich über 197 Minuten erstreckt. Wer möchte so etwas sehen? Offenbar die ganze Welt, schaut man auf das Einspielergebnis. James, wann gibst Du uns endlich mal wieder richtig gute Filme wie TITANIC oder TERMINATOR 2? Noch ein kleiner Tipp: wer sich in der Familienkonstellation der Sullys zurechtfinden möchte, sollte wohl besser Teil 2 nochmal anschauen.


Sonntag, 28. Dezember 2025
Systemsprenger
Ein tief berührender Dokumentarfilm am letzten Sonntag des Jahres

DAS FAST NORMALE LEBEN (1:1.85, 5.1)
Verleih: mindjazz pictures
Land/Jahr: Deutschland 2025
Regie: Stefan Sick
Kinostart: 26.01.2026

Lena, Leni, Eleyna und Lisann verbindet ein gemeinsames Schicksal: die vier Mädchen kommen aus zerrütteten familiären Verhältnissen und teilen sich eine Wohngruppe in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung irgendwo im Schwäbischen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren hat Filmemacher Stefan Sick die Mädchen in ihrem Alltag begleitet, stets nur als stiller Beobachter und ohne jedwede Interviews. 135 Minuten lang ist sein Langzeitdokumentarfilm geworden – 135 Minuten, in denen die vier Mädchen unterschiedlichen Alters den Zuschauenden ganz sicher ans Herz wachsen werden. Auch wenn nicht immer ganz klar ist, was die Hintergründe für die Unterbringung der Mädchen in der Jugendhilfeeinrichtung sind, so lässt sich extrem gut nachvollziehen, woher die Trauer und Aggression rührt, die jedes der Mädchen in sich trägt. Da gilt es mit Hilfe der Betreuerinnen tiefliegende Traumata zu überwinden. Dies geschieht in Einzelgesprächen oder auch in etwas größerer Runde, wenn Elternteile mit hinzugezogen werden. Eine wichtige Erkenntnis dabei ist, dass auch die Eltern an sich selbst arbeiten müssen, bevor die Kinder wieder in deren Obhut übergeben werden können. Die Arbeit, die die Betreuerinnen leisten, ist bewundernswert und kostet viele Nerven. Insbesondere dann wenn die Schützlinge ausrasten. Da braucht es dann oft viel Liebe, viel Umarmung, viel Trost, wenn die Mädchen verzweifelt sind und Tränen fließen. Immer wieder bricht Sick seinen emotional berührenden Film auf und zeigt glückliche Momente im Leben der Kids – meist in Slow Motion und getragen von optimistischer Filmmusik. Damit setzt er den perfekten Kontrast zu den Bildern, die die Probleme der Mädchen zeigen und macht damit auch deutlich, dass es sich immer noch um Kinder handelt, denen der Halt im Leben genommen wurde. Ein Dokumentarfilm der nachhallt.
Sonntag, 21. Dezember 2025
Ein Bär im Jura
Mein Nachsitztermin hat erst beim zweiten Anlauf geklappt

HOW TO MAKE A KILLING (1:2.35, 5.1)
OT: Un Ours Dans Le Jura
Verleih: Weltkino
Land/Jahr: Frankreich, Belgien 2024
Regie: Franck Dubosc
Darsteller: Franck Dubosc, Laure Calamy, Benoît Poelvoorde, Joséphine de Meaux, Louka Meliava
Kinostart: 06.11.2025

Ein Bär ist schuld daran, dass Michel auf verschneiter Straße mitten im Wald ins Schleudern gerät und dabei ein parkendes Auto streift, das wiederum eine gerade pinkelnde Dame so schwer verletzt, dass sie auf der Stelle tot ist. Auch dem Fahrer des parkenden Autos widerfährt ein ähnlich tödliches Schicksal. Dass im Kofferraum dann auch noch zwei Millionen Euro in Cash liegen, überfordert Michel komplett. Doch seine Frau Cathy behält einen kühlen Kopf und nimmt die Sache in die Hand... Wer auf der Suche nach einem alternativen Weihnachtsfilm ist, wird sich hier besonders wohl fühlen. Eisige Kälte, viel Schnee und ein respektabler Body Count dominieren die schwarze Thriller-Komödie, die sich in FARGO-Gefilde bewegt, auch wenn es nur der Jura ist. Benoît Poelvoorde gibt den ein wenig gelangweilten und vor allem überforderten Gendarmen, dessen vorweihnachtliche Stimmung durch ein paar Leichen getrübt wird. An seiner Seite agiert Joséphine de Meaux als Polizistin Florence, die den Laden am Laufen hält. Frank Dubosc, Regisseur und einer der Hauptdarsteller, hat gemeinsam mit Sarah Kaminsky ein Drehbuch gestemmt, das nur so gespickt ist mit Plot Twists. Trotzdem bleibt die rabenschwarze Komödie über weite Strecken etwas verhalten, was dem Timing schadet. Wer Stoffe wie diesen schon zur Genüge gesehen hat, wird sich ein bisschen langweilen. Neueinsteiger dagegen werden sich vermutlich köstlich amüsieren.
Freitag, 19. Dezember 2025
Der Weg allen Fleisches und eine Influencerin
Deutsches Kino im Doppelpack

HOLY MEAT (1:2.35, 5.1)
Verleih: Camino
Land/Jahr: Deutschland 2025
Regie: Alison Kuhn
Darsteller: Jens Albinus, Homa Faghiri, Pit Bukowski, Lou Strenger, Jeremias Meyer, Christian Pätzold, Amelie Gerdes, Bärbel Schwarz, Roberto Martinez, Hiltrud Hauschke, Lars Brygmann, Christopher Læssø
Kinostart: 01.01.2026

Ein dänischer Priester mit mysteriöser Vergangenheit lässt sich in eine schwäbische Kirchengemeinde versetzen, die kurz vor der Auflösung steht. Mittels eines Theaterstücks, inszeniert von einem gefallenen Berliner Regisseur, will er die Gemeinde wieder attraktiv machen... Regisseurin Alison Kuhn hat ihren bitterbösen und sarkastischen Film passend zum Christentum als Triptychon inszeniert und präsentiert ihre groteske Satire damit aus drei Perspektiven. Mit schwäbischem Dialekt und teils verstörenden Bildern nimmt Kuhn in ihrem Spielfilmdebüt die Scheinheiligkeit speziell der katholischen Kirche aufs Korn. Das trifft zwar nicht immer ins Schwarze, doch die Botschaft ist unverkennbar. Beeindruckend: die mit großem Chor arbeitende Filmmusik von Christian Dellacher.

BABYSTAR (1:1.85, 5.1)
Verleih: tba
Land/Jahr: Deutschland 2025
Regie: Joscha Bongard
Darsteller: Maja Bons, Bea Brocks, Liliom Lewald, Joy Ewulu, Maximilian Mundt, Verena Altenberger
Kinostart: tba

Schon seit ihrer Geburt ist die 16jährige Luca ein Medienstar. Millionen von Menschen folgen ihr und ihren Eltern in den sozialen Netzwerken und haben der Influencer-Familie damit zu Wohlstand und einem schönen Haus mitsamt Swimmingpool verholfen. Als die Eltern jedoch beschließen, noch ein zweites Kind zu bekommen, bekommt Lucas Weltbild erste Risse... Seelenlos und kalt wirken die Bilder (Kamera: Jakob Sinsel), die Joscha Bongard in seinem Spielfilm präsentiert. Sie reflektieren die künstliche Welt, in der Luca und ihre Eltern existieren. Ohne Unterlass wird mit dem Handy gefilmt und gepostet. Von wahrer Liebe ist nicht viel zu spüren. Nachwuchsschauspielerin Maja Bons brilliert mit ihren ausdrucksstarken Augen in der Rolle der Luca und lässt Zuschauende dadurch tief eintauchen in die Welt der jungen Influencerin. BABYSTAR, auf der Filmschau Baden-Württemberg 2025 als ”Bester Spielfilm” ausgezeichnet, setzt sich kritisch mit der Welt sozialer Netzwerke auseinander und zeigt deutlich die damit einhergehenden Gefahren für das Seelenheil auf.
Samstag, 13.12.2025
Chronik eines Scheiterns
Eine Doku am Samstag

JETZT.WOHIN. MEINE REISE MIT ROBERT HABECK (1:1.85, 5.1)
Verleih: Pandora Film
Land/Jahr: Deutschland 2025
Regie: Lars Jessen
Kinostart: 07.12.2025

Filmemacher Lars Jessen, Freund und (Medien)Berater des Grünen-Politikers Robert Habeck, hat dessen Wahlkampf 2025 von Anfang bis Ende mit der Kamera begleitet. Entstanden ist dabei ein 90minütiger Dokumentarfilm, der nicht nur tief hinter die Kulissen des Wahlkampfs blickt, sondern auch selbstkritisch den Ausgang der Wahl betrachtet und herauszufinden versucht, wie das desaströse Ergebnis zustande kam. In Interviews und Gesprächen mit Habeck selbst sowie vielen seiner Weggefährten sucht Jessen nach Antworten, auch wenn diese oft unbequem sind.

Mittwoch, 03. Dezember 2025
Es ist doch alles wurscht
Political Correctness und ihre Folgen heute in der Pressevorführung

EXTRAWURST (1:2.35, 5.1)
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: Deutschland 2025
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardim, Anja Knauer, Friedrich Mücke, Gaby Dohm, Milan Peschel
Kinostart: 15.01.2026

Die Sitzung des Tennisvereins in einem kleinen Kaff in Deutschland gerät zum Fiasko, als über die Anschaffung eines neuen Grills abgestimmt werden soll. Denn plötzlich steht die Frage im Raum, ob man nicht für das einzig muslimische Mitglied im Verein einen eigenen Grill benötigt... Regisseur Marcus H. Rosenmüller hat das sehr erfolgreiche Theaterstück ”Extrawurst” der Comedy-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob (beide u.a. für STROMBERG tätig) jetzt für die große Leinwand umgesetzt. Mit allem was dazugehört: ein handverlesener prominenter Cast und flächendeckendes CinemaScope. Nun ist es oftmals ja ein recht schwieriges Unterfangen, ein Theaterstück fürs Kino zu inszenieren. Denn Kino verlangt natürlich auch nach Schauwerten. Im Fall von EXTRAWURST ist dies leider nicht ganz gelungen, denn die Bühnenvorlage haftet dem Film nach wie vor an. Rosenmüller versucht zwar gegen Ende noch ein wenig Action einzuflechten, doch das wirkt dann fast schon wie ein Fremdkörper und ist einfach nur ”klamottig”. Das Wichtigste im Film sind freilich die Dialoge. Und die kommen dann Schlag auf Schlag, wenn sich der Cast die Vorwürfe nur so um die Ohren haut. Aber ganz ehrlich: so etwas hatten wir inzwischen fast schon zu oft. Man erinnere sich beispielsweise an DER VORNAME und DER NACHNAME. Political Correctness und Gutmenschengetue geht einem dann doch irgendwann kolossal auf die Nerven und man wünscht sich nach den gefühlt stundenlangen Streitdialogen sehnlichst wieder Ruhe herbei.
Dienstag, 02. Dezember 2025
Vorwärts in die Zukunft
Eine Zeitreise-Komödie aus Frankreich eröffnete meinen Kinotag

DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER (1:2.35, 5.1)
OT: C’Était Mieux Demain
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich, Belgien 2025
Regie: Vinciane Millereau
Darsteller: Elsa Zylberstein, Didier Bourdon, Mathilde Le Borgne, Maxim Foster, Romain Cottard
Kinostart: 22.01.2026

Frankreich 1958. Bei Michel und Gattin Hélène sind die Rollen festgelegt: Er verdient als Bankangestellter das Geld, Sie kümmert sich um Haushalt und Kinder. So war es schon immer, so soll es auch bleiben. Doch ein Kurzschluss an der Waschmaschine katapultiert das Ehepaar ins Jahr 2025. Und dort ist eben alles anders und nichts mehr so, wie es mal war... Übersetzt lautet der Originaltitel des Films in etwa ”Morgen war alles besser”, was den Kern des Films besser trifft als sein deutscher Titel. Regisseurin Vinciane Millereau nimmt eine Zeitreise als Anlass, die gesellschaftlichen Veränderungen im Laufe der vergangenen 60 Jahre aufs Korn zu nehmen. Dabei geben Elsa Zylberstein und Didier Bourdon das Paar ab, bei dem die Rollenverteilung von jetzt auf gleich komplett umgekehrt wird. Das kann zwar recht lustig sein, doch ist die Inszenierung einfach zu steif geraten. Da bleibt alles irgendwie an der Oberfläche und plätschert vor sich hin, ohne je richtige Dynamik zu entwickeln. Ich möchte den Film jetzt keineswegs schlecht reden, aber für den Gang ins Kino darf man etwas mehr Gegenleistung als nur eine Hochglanzoptik erwarten.
Montag, 01. Dezember 2025
Scheinheilig
Einen Mord während der Messe in der Kirche galt es heute aufzuklären

KNIVES OUT 3: WAKE UP DEAD MAN (1:1.85, 5.1 + Atmos)
OT: Wake Up Dead Man: Aknives Out Mystery
Verleih: Netflix
Land/Jahr: USA 2025
Regie: Rian Johnson
Darsteller: Daniel Craig, Josh O’Connor, Glenn Close, Josh Brolin, Mila Kunis, Jeremy Renner
Kinostart: 27.11.2025

Der Mord an einem zwielichtigen Priester in einer kleinen Gemeinde ruft Benoit Blanc auf den Plan, ein Privatdetektiv, der mit Glauben nichts am Hut hat. Doch je tiefer er in den Fall eintaucht, desto mehr wird seine eigene Überzeugung in Frage gestellt... Wer die kniffligen Krimirätsel von Agatha Christie mag, wird auch den dritten Fall von Meisterdetektiv Benoit Blanc mögen. Skurrile Charaktere, aberwitzige Plot-Twists und jede Menge Doppelbödigkeit machen die von Rian Johnson geskriptete und inszenierte Thriller-Komödie zu einer extrem kurzweiligen Tour-de-Force. Perfekt besetzt und bild- und tontechnisch auf höchstem Niveau, vergehen die 140 Minuten wie im Flug. Ein ”Whodunnit”-Film der Meisterklasse mit jeder Menge Seitenhiebe auf die Kirche und den Glauben allgemein und die katholische Kirche im Speziellen. Mein Kinotipp.

© 2009-2026 Wolfram Hannemann
Datenschutzerklärung
All displayed Logos and Product Names may be ©, TM or ® by their respective rights holding companies.
No infringement intended.