Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Dienstag, 27. Januar 2026
Kleiner Mann mit großem Traum
Die einzige Pressevorführung in dieser Woche brachte uns einen der großen Oscar-Kandidaten auf die Leinwand

MARTY SUPREME (1:2.35, 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Marty Supreme
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA, Finnland 2025
Regie: Josh Safdie
Darsteller: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A’zion, Kevin O’Leary, Tyler Okonma, Fran Drescher, Abel Ferrara
Kinostart: 26.02.2026

1952 träumt der junge Schuhverkäufer Marty in den Hinterhöfen Manhattans von einer Zukunft, die ein paar Nummern größer ist als der kleine Schuhladen seines Onkels. Sein Ziel: Weltmeister im Tischtennis zu werden. Doch dafür braucht es einiges an Startkapital. Das liegt beispielsweise im Safe seines Onkels. Marty, der stets weiß mit Worten umzugehen, bezirzt sogar eine alte Film-Diva, nur um an deren Mann, einen millionenschweren Geschäftsmann, heranzukommen und ihn als Sponsor zu gewinnen. Doch alles hat seinen Preis, wie Marty bald am eigenen Leib erfahren muss... Was für ein grandioser Film! Seit langer Zeit hat mich kein Film mehr so gepackt wie Josh Safdies energiegeladenes Drama. Hauptdarsteller Timothée Chalamet in der Rolle des Marty Mauser beweist einmal mehr sein unglaublich wandelbares Talent, mit dem er den Rest des durchaus handverlesenen Casts glatt an die Wand spielt. Seine Figur ist dabei angelehnt an die Biografie des legendären Tischtennisspielers und Lebemanns Marty Reisman. Safdies gemeinsam mit Ronald Bronstein geschriebenes Drehbuch ist derart fulminant in Szene gesetzt, dass die 149 Minuten Laufzeit wie im Flug vorübergehen. Jede Menge an teils skurrilen Nebenhandlungen machen den Film auch für Geübte unvorhersehbar und sorgen dafür, dass man von Anfang bis Ende gespannt im Kinosessel sitzt und die unglaubliche Geschichte des Hochstaplers Marty Mauser mitverfolgt. Die Kameraarbeit von Darius Khondji (aufgenommen in 35mm) packt nicht nur Close Ups genial ins CinemaScope-Format, sondern verfolgt auch sehr rasant die hin- und herfliegenden Tennisbälle. Der Score von Daniel Lopatin unterstützt auf sehr dynamische Weise die Handlung und nutzt den Surround-Bereich clever aus. Überhaupt bietet MARTY SUPREME eine energiegeladene Tonmischung, die speziell in Dolby Atmos Häusern zu Hochform auflaufen wird. Fazit: ein rundum gelungener Film, der bei den Oscars in der ersten Reihe mitspielen wird. Kleiner Tipp: wer die Möglichkeit hat, den Film in einer der wenigen 70mm-Kopien zu sehen, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Am besten natürlich in der Schauburg in Karlsruhe. Wir sehen uns!
Sonntag, 25. Januar 2026
Trauerbewältigung
Nachsitztermin bei einem für acht Oscars nominierten Film

HAMNET (1:1.85, 5.1 + Atmos)
OT: Hamnet
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2025
Regie: Chloé Zhao
Darsteller: Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, Joe Alwyn, David Wilmot
Kinostart: 22.01.2026

Als der junge William Shakespeare Agnes, angeblich Tochter einer Waldhexe, begegnet, ist es um ihn geschehen. Die beiden heiraten und bekommen insgesamt drei Kinder. Während Shakespeare im weit entfernten London seiner Theaterkarriere nachgeht, rafft die Pest seinen einzigen Sohn Hamnet im Alter von 11 Jahren dahin. Die Ehe droht daran zu zerbrechen... Regisseurin Chloé Zhao hat den Erfolgsroman von Maggie O'Farrell mit viel Feingefühl und großem atmosphärischem Gespür für die Kinoleinwand umgesetzt. Die Geschichte zeigt, wie aus tiefer Trauer heraus eines der großen Dramen der Literaturgeschichte entstanden ist: "Hamlet". In der Rolle der Agnes läuft Jessie Buckley zur Hochform auf. Allein ihre Blicke sprechen Bände. Die Kombination aus Kameraarbeit (Lukasz Zal), Filmmusik (Max Richter) und eine sehr nuancierte, subtile olby Atmos Mischung (Sounddesign: Johnnie Burn) hebt den Film deutlich aus der Masse ab und zieht die Zuschauenden von Anfang bis Ende in ihren Bann. Kleiner Tipp: die herzzerreißende Geschichte macht den Einsatz von Taschentüchern erforderlich.
Donnerstag, 22. Januar 2026
Im Körper des Bibers
Wahnsinn: nach langer Zeit wieder eine Pressevorführung von Disney

HOPPERS (1:1.85, 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Hoppers
Verleih: The Walt Disney Company Germany
Land/Jahr: USA 2026
Regie: Daniel Chong
Kinostart: 05.03.2026

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst am 02.03.2026 18:00 Uhr an dieser Stelle
Dienstag, 20. Januar 2026
Ein Parasit in reichem Haus
Französiches Kino mit Top-Besetzung eröffnete die neue Pressewoche

DIE REICHSTE FRAU DER WELT (1:2.35, 5.1)
OT: La Femme La Plus Riche Du Monde
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich, Belgien 2025
Regie: Thierry Klifa
Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Marina Foïs, Raphaël Personnaz, André Marcon
Kinostart: 23.04.2026

Marianne Farrère ist als Chefin eines von ihrem Mann und ihr gegründeten Kosmetikkonzerns zur reichsten Frau der Welt geworden. Doch ihr Leben im Luxus hat sie gegenüber dem wahren Leben abstumpfen lassen. Erst die Begegnung mit dem schwulen Fotografen Pierre-Alain Fantin reisst sie aus ihrer Lethargie heraus. Sie wird zu Fantins Mäzenin, der sich alsbald als Parasit offenbart. Ungebremst gibt sie ihm Geldgeschenke in Millionenhöhe. Doch da ist auch noch eine Tochter, die jetzt um ihr Erbe, die Familie und die Liebe ihrer Mutter kämpft. Es beginnt ein Krieg, in dem alles erlaubt ist... Als Satire oder gar Komödie, wie gegenüber der Presse kommuniziert, würde ich Thierry Klifas Film ganz und gar nicht einstufen. Es handelt sich um ein waschechtes Drama wenn nicht gar um eine Tragödie, die auf realem Hintergrund basiert, der sogenannten "Bettencourt-Affäre". Diese Affäre hatte seinerzeit die französischen Medien dominiert und war ein ganz großes Ding im Frankreich unter Präsident Mitterand. Hierzulande ist das Thema vermutlich alles andere als präsent. Und damit für deutsche Zuschauende alles andere als interessant. Zweifelsohne sind die Darsteller bis in kleinste Nebenrollen brillant besetzt, doch die Geschichte greift einfach nicht. Dass Marina Foïs in der Rolle von Isabelle Hupperts Tochter auch noch wesentlich älter wirkt als die Huppert selbst, sorgt für große Verwirrung. Der Film hat dennoch seine Existenzberechtigung, zeigt er doch in aller Deutlichkeit, mit welchen Problemen man sich herumschlagen muss, wenn man zuviel Geld besitzt.
Donnerstag, 15. Januar 2026
Jean-Luc, Francois, Claude und all die anderen
Heute wurde uns ein cineastisches Fest kredenzt

NOUVELLE VAGUE (1:1.37, 5.1)
OT: Nouvelle Vague
Verleih: Plaion Pictures
Land/Jahr: Frankreich 2025
Regie: Richard Linklater
Darsteller: Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Adrien Rouyard, Antoine Besson, Jodie Ruth Forest
Kinostart: 12.03.2026

Mit seinem Film AUSSER ATEM hat Jean-Luc Godard 1960 Filmgeschichte geschrieben. Und er hat damit nicht weniger als den Film komplett neu erfunden. AUSSER ATEM steht dabei stellvertretend für die ”Nouvelle Vague”, der neuen Welle französischer Filme von Regisseuren wie Francois Truffaut, Claude Chabrol oder Jacques Rivette, die Anfang der 1960er Jahre in die Kinos kamen. Jetzt hat sich der amerikanische Regisseur Richard Linklater daran gemacht, einen Spielfilm zu drehen, der den gesamten Entstehungsprozess von AUSSER ATEM thematisiert. Mit sehr viel Liebe zum Detail, in Schwarzweiß und Normalformat, ohne richtigen Score und mit den damals üblichen Überblendzeichen, die alle 20 Minuten oben rechts zu sehen sind. Es ist eine wahrhaftige Hommage an die Kunst des Filmemachens und die kreativen und innovativen Köpfe dahinter. Beeindruckend ist Linklaters Gespür für die richtige Besetzung. Denn seine Schauspieler haben frappierende Ähnlichkeit mit den tatsächlichen Personen, die sie verkörpern! Ob Jean Seberg, Jean-Paul Belmondo oder Jean-Luc Godard (nur echt mit Sonnenbrille!) – Linklaters Film wirkt, als hätte er ihn 1960 gedreht und die Dreharbeiten von AUSSER ATEM begleitet. Das gilt auch für die Locations und die Ausstattung seines Films, die original Sechziger Jahre widerspiegeln. Für Cineasten ist dies ein echter Leckerbissen, erfährt man doch allerlei Interessantes und auch viel Lustiges über Godards Arbeitsweise. In nur 20 Tagen abgedreht mit einem nicht existierenden Drehbuch und unter Zuhilfenahme von sogenanntem ”Guerilla Filmmaking” brachte Godard seinen Produzenten und auch fast die komplette Crew beim Dreh fast um den Verstand. Chapeau, Monsieur Linklater!
Mittwoch, 14. Januar 2026
Techno im Hinterland
Frisches Kino aus Nordmazedonien gab es heute in der Pressevorführung.

DJ AHMET (1:2.35, 5.1)
OT: DJ Ahmet
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Nordmazedonien 2025
Regie: Georgi M. Unkovski
Darsteller: Arif Jakup, Agush Agushev, Dora Akan Zlatanova
Kinostart: 19.03.2026

Ahmet und sein kleiner Bruder Naim arbeiten als Schafshirte für ihren strengen Vater, der seit dem Tod seiner Frau noch strenger geworden zu sein scheint. Die einzige Flucht aus der trostlosen Isolation des mazedonischen Dorfes ist für Ahmet die Musik. Am liebsten hört er Techno und Hip-Hop, wenigstens solange es das schwache Internet im Dorf überhaupt zulässt. Eines Tages taucht Aya auf, ein junges Mädchen, das bislang in Deutschland lebte und jetzt für ihre Hochzeit wieder ins Dorf gebracht wurde. Ahmet ist hin und weg von der jungen Schönheit. Erst recht als er merkt, dass auch sie der hippen Musik fröhnt und sogar dazu tanzt... Mit Musik arbeitet es gleich doppelt so gut. Und erst recht, wenn die Soundanlage auf dem Traktor montiert ist und die endlose mazedonische Landschaft zum Klingen bringt. Georgi M. Unkovski erzählt eine Geschichte aus dem tiefsten Hinterland, wo Traditionen über allem stehen. Wie die arrangierte Hochzeit der jungen Aya, in die sich Ahmet unsterblich verliebt. Unkovski erzählt seinen gesellschaftskritischen Film nicht todernst, sondern sorgt auch für ein paar humoristische Einlagen, etwa wenn der Muezzin-Ruf digitalisiert wird. Und natürlich spielt die rhythmisch fetzige Musik eine große Rolle. Sie darf sich immer wieder auf der Tonspur ausbreiten und lässt Dialoge und Geräusche hinter sich. Mit seinem frischen, unverbrauchten Cast und einem ungewöhnlichen Ende dürfte sich der Film in die Herzen der Zuschauenden spielen.

THE HOUSEMAID – WENN SIE WÜSSTE (1:2.35, 5.1 + Atmos)
OT: The Housemaid
Verleih: Leonine Studios
Land/Jahr: USA 2025
Regie: Paul Feig
Darsteller: Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar, Michele Morrone
Kinostart: 15.01.2026

Für Millie geht ein Traum in Erfüllung, als die junge Frau die Stelle als Hausmädchen bei einem gutsituierten Paar mit Kind antritt. Doch das stylische Haus der Familie, in das sie einzieht, täuscht nur über das hinweg, was hier tatsächlich abgeht. Denn schon bald macht ihr die Ehefrau aus unerfindlichen Gründen das Leben zur Hölle. Und je mehr sie unter ihr leiden muss, desto mehr fühlt sie sich zum Ehemann hingezogen... Das einzig Interessante an diesem Thriller ist der Perspektivwechsel, der etwa zur Mitte des Films vollzogen wird. Alles andere ist Standard. Inklusive der Ungereimtheiten, die sich im Laufe des Films einschleichen. Nicht zu vergessen die peinlichen Softporno-Einlagen. Aber das ist vermutlich schon in der Romanvorlage so. Und natürlich darf auch der ein oder andere Spritzer Blut nicht fehlen. Letztendlich geht es hier einmal mehr um häusliche Gewalt, wenn auch in einer recht extremen Form. Mit seinen ca. 135 Minuten Spielzeit ist der Film leider zu lang geraten. Auch wenn ich mich nicht wirklich gelangweilt habe, so habe ich den Film auch nicht als sonderlich spannend empfunden. Das lag vermutlich daran, dass ich dem Drehbuch meist ein paar Schritte voraus war. Fazit: nicht lohnenswert.
Dienstag, 13. Januar 2026
Seine zweite Chance
Eine Best Ager Romantikkomödie läutete heute die neue Pressewoch ein

EIN FAST PERFEKTER ANTRAG (1:2.35, 5.1)
Verleih: Leonine Studios
Land/Jahr: Deutschland 2025
Regie: Marc Rothemund
Darsteller: Heiner Lauterbach, Iris Berben, Jonathan Perleth, Amira Demirkiran
Kinostart: 26.02.2026

Rein zufällig trifft Walter, ein Pedant wie er im Buche steht, seine alte Flamme Alice wieder. Vor genau 41 Jahren hat er ihr einen Heiratsantrag gemacht und ist damit kläglich gescheitert. Und da Walter grundsätzlich keine Niederlage auf sich sitzen lassen kann, will er es erneut versuchen. Doch die Hürden sind hoch.Um Alice zu imponieren, schreibt er sich als Gasthörer für ihre Kunstgeschichtsvorlesung an der örtlichen Uni ein.ö So will er ihr nahe sein und zeigen, dass er echtes Interesse an ihr hat. Doch Alice bleibt hartnäckig. Zumindest vorerst... Gibt es einen driftigen Grund, diesen Film im Kino anzuschauen? Aber sicher doch – oder haben Sie Heiner Lauterbach schon einmal mit vollem Haar gesehen? Aber Scherz beiseite – was Marc Rothemunds Best Ager Liebesschnulze von TV-Filmen unterscheidet ist eigentlich nur das Bildformat. Denn Lindström, Pilcher & Co gibt es nur in 16:9, nicht aber in CinemaScope so wie im vorliegenden Fall. Alles andere – und das muss man leider feststellen – ist quasi ”Business as usual”. Und ein schlechtes dazu. Auch wenn der Film versucht modern zu sein (Stichwort: nicht binäre Person), so beinhaltet das Drehbuch Sequenzen, die im richtigen Leben so nie passieren werden, wie beispielsweise der feucht-fröhliche Umtrunk des Semesters in einer Wiener Kneipe, wo dann gemeinsam zu einem Oldie angestimmt wird. Auch ein paar der Studenten wirken wie Fremdkörper, wenn sie sich in der Vorlesung dissen. Für den alten Grantler und Pedanten, den Lauterbach mimt, hat Christoph Maria Herbst die Blaupause geliefert. Und das mehr als nur einmal. Nichts Neues, daher einfach nur enttäuschend. Und die Love Story? Nicht sonderlich bewegend und ohne Überraschungen. Wer Kino ohne Dynamik mag, das nur auf ausgefahrenen Pfaden wandelt, wird sich hier pudelwohl fühlen. Alle anderen können sich das Eintrittsgeld sparen.

RENTAL FAMILY (1:2.00, 5.1 + Atmos)
OT: Rental Family
Verleih: The Walt Disney Company Germany
Land/Jahr: Japan, USA 2025
Regie: Hikari
Darsteller: Brendan Fraser, Takehiro Hira, Mari Yamamoto, Akira Emoto, Shannon Gorman
Kinostart: 08.01.2026

Phillip ist ein glückloser amerikanischer Schauspieler, der schon lange Zeit in Japan lebt und nach wie vor auf seine große Chance wartet. Um sich finanziell über Wasser zu halten, lässt er sich von einer japanischen “Rental Family”-Agentur engagieren und schlüpft für diese in unterschiedlichste Rollen. Für deren Klienten spielt er als Familienmitglied den Sohn, Ehemann oder Vater. Während er mehr und mehr in die Lebenswelten seiner Kunden eintaucht und ihnen hilft ihre familiären Lücken zu füllen, beginnt er echte Bindungen aufzubauen, die die Grenzen zwischen Schauspiel und Realität verschwimmen lassen... Schon alleine der grandiose Brendan Fraser ist den Gang ins Kino wert. Mit einer ausgefeilten Mimik, bei der jedes kleinste Augenzucken perfekt sitzt, liefert das Schwergewicht eine unglaublich beeindruckende Performance ab. Aber nicht nur er macht den Film absolut sehenswert, auch die sehr berührende Geschichte aus der Feder von Hikari und Stephen Blahut belohnt den Kinobesuch. Und Regisseurin Hikari verzichtet auf die Tränendrüse zu drücken, sondern erzählt die Geschichte gekonnt dosiert, wodurch ihr Film nicht überproportional sentimental gerät. Trotzdem geht einem die Beziehung zwischen Phillip und der kleinen Mia, für die er den Vater spielen muss, sehr ans Herz. Alles in allem perfekte Kinounterhaltung mit Anspruch. Zum Goutieren in netter Begleitung bestens zu empfehlen.
Donnerstag, 08. Januar 2026
Von Einem, der keine Veränderungen mag
Komödiantisch verabschiedete sich heute die erste Pressewoche des Jahres

DIE ÄLTERN (1:2.35, 5.1 + 7.1 + Atmos)
Verleih: Constantin Film
Land/Jahr: Deutschland 2025
Regie: Sönke Wortmann
Darsteller: Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Kya-Celina Barucki, Philip Müller, Judith Bohle
Kinostart: 12.02.2026

Wenn er etwas hasst, dann sind es Veränderungen: Hannes, Familienvater und Romanautor, hat sich sein Leben gut eingerichtet. Womöglich viel zu gut. Denn plötzlich will seine 21jährige Tochter von Zuhause ausziehen. Und nicht nur sie. Auch seine Frau will eine Auszeit von der Ehe und zieht mit dem Töchterchen zusammen. Was bleibt ist eine Männer-WG, der sich Hannes und sein Sohn Nick, der im Abi an Mathematik zu scheitern droht, plötzlich ganz unfreiwillig ausgesetzt sehen. Als sein Verlag dann auch noch sein neuestes Werk nicht mehr veröffentlichen will, muss Hannes sein Leben von Grund auf überdenken. Wie gut dass gerade jetzt die attraktive Vanessa in sein Leben tritt... Nach den Kinoerfolgen DER VORNAME, DER NACHNAME, DER SPITZNAME oder CONTRA nimmt sich Regisseur Sönke Wortmann der Verfilmung von Jan Weilers Roman DIE ÄLTERN an, zu dem Weiler selbst sowie Robert Gold das Drehbuch verfasst haben. Und man darf attestieren: eine gelungene Sache rundherum! Perfekt besetzt mit ”Eberhofer” Sebastian Bezzel in der Rolle des Familienvaters Hannes, der nichts so sehr hasst wie Veränderung – eine Paraderolle für Bezzel, der dafür sogar seinen bayrischen Dialekt ablegen darf. Seine Figur bietet hohes Identifikationspotenzial für die männlichen Zuschauer im gesetzten Alter, vereint sie doch allerlei Wahrheiten, denen man(n) sich im fortgeschrittenen Alter stellen muss. Auch seine Mitstreiter:innen sind sorgfältig ausgesucht und fügen sich hervorragend in ihre jeweiligen Rollen. Die Kameraarbeit von Andreas Berger nutzt das CinemaScope-Format geschickt aus und lässt sofort vergessen, dass es sich um eine Romanverfilmung handelt. Den oft witzigen Dialogen, bei denen auch immer eine tiefergehende Ebene mitschwingt, lauscht man gerne. Ganz zu schweigen vom Ende des Films, das sich wohltuend vom öffentlich-rechtlichen Klischee-Katalog unterscheidet. Ein Film für ein reiferes Publikum, das sich auch jüngere Kinogänger durchaus anschauen können.
Mittwoch, 07. Januar 2026
Mörderische Jobsuche
Den Jahresauftakt machte heute eine schwarzhumorige Geschichte aus Südkorea

NO OTHER CHOICE (1:2.35, 5.1 + Atmos)
OT: Eojjeoolsuga Eobsda
Verleih: Plaion Pictures
Land/Jahr: Südkorea 2025
Regie: Park Chan-wook
Darsteller: Lee Byung-hun, Son Yejin, Park Hee-soon, Lee Sung-min, Yeom Hye-ran, Cha Seung-won
Kinostart: 05.02.2026

Papier ist sein Leben. 25 Jahre lang hat Man-su in einer Papierfabrik gearbeitet und so Wohlstand für seine Familie erwirtschaftet – inklusive Traumhaus und Hunden. Doch jetzt erwischt es ihn kalt: er wird gekündigt. Die Jobsuche erweist sich als extrem zäh und so sammelt er Absage um Absage. Als das Geld immer knapper wird und sogar das Haus vor der Pfändung steht, reift ein finsterer Plan in seinem Kopf: was, wenn er seine Konkurrenten bei der Jobsuche eliminieren würde? So beginnt Man-su seine mörderische Idee in die Tat umzusetzen... Der Koreaner Park Chan-wook (OLDBOY) greift in seinem neuen Film einen Gedanken auf, der mir schon länger im Kopf herumschwirrt. Frei nach dem Motto ”Die Todesanzeigen von heute sind die Stellenangebote von morgen" entspinnt er seine schwarzhumorige Geschichte um einen biederen Familienvater, dem angesichts seiner Arbeitslosigkeit klar wird, dass es nicht zu wenig offene Stellen gibt, sondern zuviele Bewerber. Hitchcock hätte vermutlich seinen Spaß gehabt zuzuschauen, wie der Protagonist verzweifelt versucht, seinen ersten Mord zu begehen – eine echte Herausforderung für Ungeübte. Diese Sequenz hat mich an jene aus Hitchs DER ZERRISSENE VORHANG erinnert, in der Paul Newman und Julie Andrews versuchen Wolfgang Kieling zu meucheln. Irgendwann muss sich der Familienvater auch Gedanken darüber machen, wo er denn die toten Körper seiner Konkurrenten entsorgen kann. Nur gut dass er ein Meister der japanischen Bonsai-Züchtung ist. Und so wird geschnürt bis die Knochen krachen! Herrlich. Zumindest für diejenigen, die bei solchen Szenen noch hinschauen können. Leider ist der Film mit seiner Lauflänge von 139 Minuten etwas zu lang geraten. 20 Minuten weniger hätten es auch getan. Trotzdem bleibt NO OTHER CHOICE eine Empfehlung jenseits des Hollywood-Mainstreams.

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