Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Dienstag, 17. Februar 2026
Inside Siri
Ausgerechnet am Faschingsdienstag eine sehr bewegende Doku.

SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF (1:2.00, 5.1)
Verleih: X-Verleih
Land/Jahr: Deutschland, Schweiz 2026
Regie: Sabine Lidl
Kinostart: 02.04.2026

Aufgrund einer Sperrfristvereinbarung gibt es die Kurzkritik zu diesem Film erst am 30.03.2026 an dieser Stelle.
Donnerstag, 12. Februar 2026
Zur Verdammnis verurteilt
Nachsitztermin am schmutzigen Donnerstag

”WUTHERING HEIGHTS” – STURMHÖHE (1:1.85, 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Wuthering Heights
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany
Land/Jahr: Großbritannien, USA 2026
Regie: Emerald Fennell
Darsteller: Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Shazad Latif, Alison Oliver, Martin Clunes, Ewan Mitchell, Owen Cooper
Kinostart: 12.02.2026

Die Geschichte von Cathy und Heathcliff, einer Liebe, die nicht sein darf und die sich von romantischer Sehnsucht zu einem berauschenden Strudel aus Lust, Leidenschaft und Wahnsinn steigert. - Mit ihrem Drehbuch verpasst Regisseurin Emerald Fennell dem 1847 erschienenen Roman von Emily Brontë eine radikale Frischzellenkur. Ort und Zeit der Handlung bleiben dabei unverändert, doch die Geschichte wird neu interpretiert und den Sehgewohnheiten unserer modernen Zeit angepasst. Zwar muten die jetzt hinzugefügten erotischen oder gar Softporno-Sequenzen ein wenig befremdlich an, doch trifft Fennell damit den Kern der Geschichte. Sie versteht es hervorragend, mit ihren Bildern (Kamera: Linus Sandgren, aufgenommen in VistaVision) und den dazu passenden Tönen (Score: Anthony Willis, Songs: Charli XCX) eine hocherotische Stimmung aufzubauen und damit die verborgenen Sehnsüchte ihrer Protagonisten freizulegen. Margot Robbie und Jacob Elrodi überzeugen in ihren Rollen als Cathy und Heathcliff, deren Liebe letztendlich in die Verdammnis führt. Auch wenn der Film zum Ende hin etwas zu lang geraten ist, gelingt es ihm die Zuschauenden für sich zu vereinnahmen. Kein Wohlfühlfilm, sondern ein handfestes Drama ohne jedweden Rosamunde- Pilcher-Kitsch. Ob man nun die Story mag oder auch nicht – wer Yorkshire liebt sollte sich den Film nicht entgehen lassen.
Sonntag, 08. Februar 2026
Wo BRAZIL auf REQUIEM FOR A DREAM trifft
Heute mal ein Sonntagsausflug nach Tübingen zu einer Baden-Württemberg-Premiere

SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? (1:2.35, 5.1 + 7.1)
Verleih: X-Verleih
Land/Jahr: Deutschland, Schweiz 2025
Regie: Nicolas Steiner
Darsteller: Luna Wedler, Karl Markovics, Saga Sarkola, Nikolai Gernel, Lars Eidinger, Jan Bülow, Dominique Pinon, Bettina Stucky
Kinostart: 19.02.2026

Lena (Luna Wedler), eine optimistische, lebensfrohe Germanistik-Studentin übernimmt im Auftrag des “Amtes für Ruhe und Ordnung” einen Job als Schreibtherapeutin. Einziger Teilnehmer in ihrem Kurs: der einsame, alte Misnathrop Hugo Drowak (Karl Markovics). Sein Hass und sein exzessiver Alkoholkonsum schrecken Lena nicht ab, Drowaks literarisches Talent hervorzulocken. Doch je tiefer er in seine Erinnerungen eintaucht, desto stärker kommt sein tief vergrabenes Trauma wieder zum Vorschein... Die Darstellung der Behörden mitsamt ihrem Gebäude sowie ihrer Durchsetzungstruppe erinnern stark an Terry Gilliams BRAZIL, dessen fulminante Optik sicherlich eine der Vorlagen zu Nicolas Steiners Film war. Und das ist durchaus im positiven Sinn gemeint. Steiner beweist, dass auch deutschsprachige Filme durchaus solche Bilderwelten aufbauen können. Das schwarzweiße CinemaScope-Format, das in Rückblenden dann zur Farbe greift, sowie die vielen ungewöhnlichen Perspektiven (Kamera: Markus Nestroy) geben dem Film einen ganz eigenen Look, der sich von Zeit und Ort zu lösen scheint. Es kann irgendwann und irgendwo spielen und ist dabei unheimlich bedrückend und skurril zugleich. Zur optischen Ebene gesellt sich ein ausgefeiltes Tonkonzept (Musik: John Gürtler, Jan Miserre, Sounddesign: Tobias Koch), das die Zuschauenden förmlich in den Film hineinsaugt. Luna Wedler und Karl Markovics brillieren in ihren Rollen ebenso wie ein auf Speed agierender Lars Eidinger als Chef der Behörde. Um in die Meta-Ebene der Geschichte einzudringen muss man allerdings sehr genau aufpassen, um die wichtigen Hinweise nicht zu verpassen. Steiners Film unterhält großartig, indem er fordert. BRAZIL trifft auf REQUIEM FOR A DREAM. Ein Film der nach dem Verlassen des Kinosaals noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Dienstag, 03. Februar 2026
Die Suche nach dem Platz in der Welt
Heute einmal mehr einen Film nachgesessen

ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE (1:2.35, 5.1)
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany
Land/Jahr: Deutschland 2026
Regie: Simon Verhoeven
Darsteller: Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn, Katharina Stark, Laura Tonke, Devid Striesow, Anne Ratte Polle, Friedrich von Thun, Tom Schilling, Johann von Bülow, Moritz Treuenfels, Victoria Trauttmansdorff, Michael A. Grimm, Maeve Metelka, Dana Herfurth, Max Wolter, Benedikt Kalcher, Momo Beier, Mouataz Alshaltouh, Frida Lang, Karoline Herfurth
Kinostart: 29.01.2026

Der Unfalltod seines Bruders wirft den 20jährigen Joachim aus der Bahn. Er beschließt, sich an der renommierten Otto Falckenberg Schauspielschule in München zu bewerben. Unterschlupf findet er bei seinen Großeltern, einem Philosophen und einer Schauspielerin mit seltsamen Ritualen. Wider allen Erwartungen besteht Joachim die Aufnahmeprüfung an der Schule. Doch die Ausbildung dort legt ihm viele Stolpersteine in den Weg, zumal er den Tod seines Bruders noch längst nicht verkraftet hat. Wird er seinen Weg finden? - Mit einem Aufgebot an namhaften deutschen Darsteller*innen hat Simon Verhoeven den autobiographischen Bestseller von Joachim Meyerhoff für die große Kinoleinwand umgesetzt. Neben Bruno Alexander, der in der Rolle des Schauspielschülers Joachim, der sich erst nach und nach vom Trauma des Unfalltodes seines Bruders lösen kann, brilliert, agieren Senta Berger und Michael Wittenborn als dessen recht skurrile Großeltern. Gewürzt mit viel Humor und noch mehr Alkohol zeigt der Film Joachims mühevollen Weg, seinen Platz in der Welt zu finden. Die 137 Minuten Spielzeit merkt man dem Film nicht an, was als gutes Zeichen zu deuten ist. Kameraarbeit (Jo Heim) und Filmmusik (Segun Akinola) sind vorzüglich und heben sich deutlich von TV-Kost ab. Anspruchsvolles deutsches Mainstream-Kino.

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