Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Samstag, 25. April 2026
Michael Superstar
Heute mal wieder ein Ausflug zu einem Nachsitztermin ins Dolby Cinema

MICHAEL (1:1.85, 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: Michael
Verleih: Universal Pictures International Germany
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2026
Regie: Antoine Fuqua
Darsteller: Jaafar Jackson, Nia Long, Laura Harrier, Juliano Krue Valdi, Miles Teller, Colman Domingo
Kinostart: 22.04.2026

Michael wächst in den USA in den 1960 Jahren als das jüngste von fünf Kindern der Familie Jackson auf. Sein ehrgeiziger Vater, ein Stahlarbeiter, formt mit harter Hand aus seinen Söhnen die ”Jackson 5” in der Hoffnung, damit seiner Familie zu Wohlstand und Reichtum zu verhelfen. Schon früh wird klar, dass Sprössling Michael ein begnadeter Sänger ist und das Potenzial zum Super-Star hat. Als sich der hoch sensible Michael als junger Erwachsener für eine Solo-Karriere entscheidet, eskaliert der Konflikt mit seinem Vater... Schon zu Lebzeiten gehörte Michael Jackson zu den größten Entertainern der Welt. Jetzt widmet Regisseur Antoine Fuqua dem Ausnahmekünstler ein Biopic, das dessen steile Karriere und sein musikalisches Oeuvre in den Mittelpunkt rückt. Fuquas Film ist dabei alles andere als ein unbefangener Blick auf Michaels Leben, wurde der Film doch vom Jackson-Clan finanziert und mit Michael Jacksons Neffen Jaafar Jackson in der Titelrolle besetzt. Der Film huldigt dem Künstler, richtet sich an dessen immens große Fan-Community, lässt heikle Themen außen vor. So wundert es nicht, dass Fuqua sein Biopic mit Michaels Konzert in London beendet, als dieser auf dem Höhepunkt seiner Karriere stand. Der Rest ist Schweigen. Aufwändig und unter Zuhilfenahme zahlloser Visual Effects in Szene gesetzt, richtet sich der Film insbesondere an Michaels treue Fans, lässt viele seiner Welthits in perfektem Dolby Atmos Sound neu erklingen, weicht einer kritischen Betrachtung aus und macht den dominanten Vater zu Michaels Darth Vader. Wer mit der Hoffnung in den Film geht, mehr über die Verdächtigungen und Vorfälle in Jacksons letztem Lebensabschnitt zu erfahren, wird am Ende enttäuscht den Kinosaal verlassen. Wer sich ausschließlich für Jacksons musikalisches Ausnahmetalent interessiert, wird begeistert sein.
Freitag, 10. April 2026
Patchworkfamilie im Wald
Leider gab es keine Pressevorführung, so dass ich zu einem Screener greifen musste

MISSING*LINK (1:2.35, 5.1)
Verleih: missingFILMs
Land/Jahr: Deutschland 2024
Regie: Michael Baumann
Darsteller: Susanne Wolff, Luca Brüggemann, Wolfram Koch, Martin Butzke, Margarita Breitkreiz, Lennox Halm, Janosch Andreas
Kinostart: 16.04.2026

Es ist Sommer und es herrscht flirrende Hitze. Wie jedes Jahr trifft sich eine kleine Schar von Freunden in einer kleinen Waldsiedlung, um eine gemeinsame Auszeit zu genießen. Dazu gehört auch die 13jährige Mia und ihre Mutter sowie deren neuer Freund samt Kind. Dass Mias Vater jetzt auch noch seine neue Flamme mitbringt, schmeckt ihr gar nicht. Das Mädchen verschließt sich immer mehr und verbringt die Tage lieber im Wald als in der Siedlung. Dabei lernt sie einen geheimnisvollen Jungen kennen... Mit faszinierenden Bildern (Kamera: Falko Lachmund), die oft eine beobachtende Perspektive einnehmen, schildert Drehbuchautor und Regisseur Michael Baumann eine Familie im Ausnahmezustand. Das Patch-Working tut hier keinem gut, schon bald treten Spannungen auf und bestens gehütete Familiengeheimnisse kommen ans Tageslicht. Die Thematik ist alles andere als neu, doch wird sie hier sehr realistisch und nachvollziehbar in Szene gesetzt. Dem Ensemble gelingt es sehr überzeugend, die Dialoge so vorzutragen, dass sie nicht wie Sätze aus einem Drehbuch klingen. Die Filmmusik von Verena Marisa setzt punktgenau die jeweilige Stimmung und das Sounddesign zieht die Zuschauenden tief in den Wald hinein. Auch wenn gewisse Handlungsbögen vorhersehbar sind, gelingt es Baumann trotzdem, seinen Film spannend zu erzählen. Dass der Film 120 Minuten dauert, merkt man ihm nicht an. Sehenswert für alle, die sich für Familienpsychologie interessieren.

Donnerstag, 09. April 2026
Familie im Ausnahmezustand
Immer wieder gerne genommen – Verfilmungen nach Enid Blyton

DER WUNDERWELTENBAUM (1:2.35, 5.1)
OT: The Magic Faraway Tree
Verleih: Farbfilm Verleih
Land/Jahr: Großbritannien, USA, Frankreich 2026
Regie: Ben Gregor
Darsteller: Andrew Garfield, Claire Foy, Delilah Bennett-Cardy, Billie Gadsdon, Phoenix Laroche, Nonso Anozie, Nicola Coughlan, Jessica Gunning, Jennifer Saunders, Rebecca Ferguson
Kinostart: 30.04.2026

Aus wirtschaftlicher Not heraus müssen Beth, Fran, Joe und ihre Eltern Hals über Kopf die geräumige und komfortable Stadtwohnung gegen eine abgewrackte Scheune auf dem Land tauschen. Eine Katastrophe für die Kids: es gibt kein Netz! Notgedrungen müssen sich die verwöhnten Bratzen anderweitig beschäftigen. Fran zieht es in den nahe gelegenen Wald. Inmitten einer Lichtung entdeckt sie einen magischen Baum, in dem seltsame, aber liebenswerte Geschöpfe hausen. Und mehr noch: diese haben Zugang zu anderen, wundersamen Welten... Nach der Buchreihe von Erfolgsautorin Enid Blyton kommt diese Geschichte über eine Familie im Ausnahmezustand, die sich allen widrigen Umständen zum Trotz wieder findet. Amüsant und mit einem Füllhorn voller Ideen und noch mehr visuellen Effekten entfaltet sich eine sympathische Geschichte, die speziell Kinder in ihren Bann ziehen dürfte. Aber auch an jung gebliebene Erwachsene richtet sich das von Ben Gregor in Szene gesetzte Abenteuer, das Erinnerungen an ”Das zauberhafte Land” weckt. Im positiven Sinn.
Montag, 06. April 2026
Familiendrama und starke Mädchen
Meine Filmsichtungen am Ostermontag

VIER MINUS DREI (1:1.85, 5.1)
Verleih: Alamode Film
Land/Jahr: Deutschland, Österreich 2026
Regie: Adrian Goiginger
Darsteller: Valerie Pachner, Robert Stadlober, Hanno Koffler, Stefanie Reinsperger, Ronald Zehrfeld
Kinostart: 16.04.2026

Barbara und Heli arbeiten als Clowns. Während sie mit ihrer Arbeit im Kinderkrankenhaus das Geld nach Hause bringt, träumt er weiterhin von einer großen Karriere in der Manege. Auch wenn es deswegen immer wieder zu Reibereien kommt, führt das Paar gemeinsam mit ihren beiden kleinen Kindern ein glückliches Leben. Dann erschüttert ein folgenschwerer Unfall Barbaras Leben... Mit handverlesenem Ensemble hat Regisseur Adrian Goiginger den autobiografischen Roman von Barbara Pachl-Eberhart für die Kinoleinwand umgesetzt. Es ist eine tief emotionale Geschichte über Trauerbewältigung nach einem schweren Schicksalsschlag. Goiginger inszeniert seine Filmadaption nichtlinear. Szenen aus Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich kunstvoll miteinander. In den Hauptrollen brillieren Valerie Pachner als Barbara und Robert Stadlober als Heli. Sie spielen ihre Rollen extrem überzeugend und ziehen damit die Zuschauenden in ihren Bann. Gut beraten ist, wer ein großes Taschentuch mit ins Kino nimmt. Nicht etwa weil hier auf die Tränendrüse gedrückt wird. Ganz im Gegenteil: Goigingers Figuren wirken absolut echt, so dass Barbaras Trauer alles andere als aufgesetzt ist. Als Zuschauer teilt man nicht nur ihren Schmerz, sondern auch ihre glücklichen Momente. Ein Schicksal, das tief bewegt. Ein Film, der sich ins Gedächtnis brennt.

GIRLS DON’T CRY (1:1.78, 5.1)
Verleih: Farbfilm Verleih
Land/Jahr: Deutschland 2025
Regie: Sigrid Klausmann, Lina Luþytë
Kinostart: 30.04.2026

In ihrem neuen Dokumentarfilm porträtiert die Stuttgarter Filmemacherin Sigrid Klausmann sechs Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren, die sich mutig gegen gesellschaftliche, familiäre und politische Zwänge auflehnen und auch gegen Vorurteile ankämpfen, stets auf der Suche nach dem Glück in ihrem Leben. Nancy aus Tansania, Sheelan aus Nordirak, Selenna aus Chile, Nina aus Serbien, Paige aus England und Sinai aus Südkorea sind die Heldinnen dieser weltumspannenden Doku. Jedes der Mädchen hat ihr eigenes Päckchen zu tragen. Nancy beispielsweise ist nur knapp der Beschneidung entkommen und lebt seither in einer geschützten Gemeinschaft. Sinai wehrt sich gegen den Schönheitswahn in ihrem Land und versucht sich als BMX-Sportlerin. Paige ist mit 15 Jahren schwanger geworden, wollte abtreiben, brachte es aber nicht übers Herz. Selenna wurde im Körper eines Jungen geboren und muss sich jetzt als Trans gegen Vorurteile wehren. Sheelan wurde aus den Fängen des IS befreit und lebt seither in Tübingen, wo sie eine neue Heimat gefunden hat. Nina ist eine Roma, die lange in Deutschland glücklich war und plötzlich nach Serbien abgeschoben wurde. In Interviews und Off-Kommentaren erzählen die Mädchen von ihrem Schicksal und von ihren Träumen. Da geht es um Selbstverwirklichung, um die Macht über den eigenen Körper, dem Wunsch nach gleichen Rechten. Die Kamera kommt den Mädchen dabei sehr nahe und zeigt sie in tagtäglichen Situationen, oft unterlegt mit einfühlamer Filmmusik (Lea-Marie Sittler), aber ohne Pathos oder Tränendrüseneffekt. Am Ende offenbart sich jedes der Mädchen trotz ihrer Verletzlichkeit als echte Kämpferin, die ihrer Zukunft offen und optimistisch entgegengeht.


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