Wolfram Hannemann

Filmkritiker · Freelance Journalist · Filmemacher

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Donnerstag, 27. August 2026
In einer dystopischen Welt
Heute hat mich der neue Film vom "Blade Runner"-Regisseur ins Kino gelockt

DAS ENDE DER STERNE (1:2.35, 5.1 + 7.1 + Atmos)
OT: The Dog Stars
Verleih: The Walt Disney Company Germany
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2026
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Jacob Elordi, Josh Brolin, Margaret Qualley, Guy Pearce, Benedict Wong, Allison Janney
Kinostart: 27.08.2026

Filmposter: DAS ENDE DER STERNE 2035: Eine tödliche Grippe hat den Großteil der Menschheit ausgelöscht. Pilot Hig und Überlebenskünstler Bangley leben abgeschieden auf einem verlassenen Flugplatz. Während Bangley bleiben will, sucht Hig nach anderen Überlebenden. Ein rätselhafter Funkspruch führt ihn zu Pops und dessen Tochter Cima. Bei ihnen findet Hig neue Hoffnung und Nähe – doch als ihr Zufluchtsort entdeckt wird, müssen sie fliehen und erfahren, welche Grausamkeit in der zerstörten Welt noch immer lauert... Mit seinem auf Peter Hellers Roman "Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte" basierendem Film zeichnet Regisseur Ridley Scott das Bild einer dystopischen Welt, die nach einer Pandemie in Schutt und Asche liegt. Mit einer auf die Auswertung in IMAX-Kinos gerichteten Hochglanz-Bildästhetik (Kamera: Erik Messerschmidt) lässt sich der Pseudo-Thriller auf seine knappe Kernaussage reduzieren: "Genießt Euer Leben so lange es noch geht – und wenn es nur ein paar Minuten sind". Leider braucht es für diese banale Erkenntnis knapp zwei Stunden, angefüllt mit Referenzen zu MAD MAX & Co. Spannung gibt es nur ganz wenig in Scotts Film, was ihn letztendlich zu einem Rohrkrepierer werden lässt. Warnung: lasst Euch nicht vom Trailer zum Film täuschen!
Dienstag, 25. August 2026
Szenen einer alten Ehe
Heute gab es deutsches Kino unter Führung von Altmeister Andreas Dresen

ALTE LIEBE (1:2.35, 5.1)
Verleih: Pandora
Land/Jahr: Deutschland 2026
Regie: Andreas Dresen
Darsteller: Dagmar Manzel, Joachim Król, Liane Düsterhöft, Anna von Seld
Kinostart: 08.10.2026

Filmposter: ALTE LIEBE Seit seiner Pensionierung meckert Harry, trinkt Bier und kümmert sich um seinen Rittersporn. Lore wiederum hängt an ihrem Job als Bibliothekarin, organisiert Lesungen und verehrt ihre Dichter. Nach vierzig Ehejahren kennen beide die Schwächen des anderen nur zu gut. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, brechen alte Konflikte wieder auf. Doch hinter den kleinen Streitereien um Harrys Phlegma oder einen Hochdruckreiniger steckt mehr: Lore fragt sich zunehmend, ob das wirklich schon alles gewesen sein soll... Mit zwei großartigen Darstellern schildert Regisseur Andreas Dresen sehr präzise eine Ehe, die im Laufe von Jahrzehnten brüchig geworden ist. Gegenseitige Verletzungen sind den Zärtlichkeiten von früher gewichen, man geht sich aus dem Weg. Beziehungen verändern sich mit den Jahren, eine Ehe eben auch. Dagmar Manzel und Joachim Król liefern sehr viel Identifikationspotenzial für das reifere Zielpublikum. Man lacht und ärgert sich letztendlich über sich selbst und beginnt zu verstehen, wie es dem Gegenüber damit geht. Als Zuschauer hat man das große Glück beide Perspektiven einnehmen zu dürfen. Das hilft die eigene Situation besser zu verstehen und das Kino mit einem Lächeln zu verlassen. Inszenatorisch verlässt sich Dresen voll und ganz auf seine beiden Hauptdarsteller, experimentiert weder mit der Kamera noch mit der Filmmusik, so dass das Ganze auch gut als Theaterstück funktionieren könnte. Fazit: grandioses Kino für ein reiferes Publikum.
Mittwoch, 19. August 2026
Ein Roboter für den Pflegefall
Mit ihrer neuen Tragikomödie hat mich Doris Dörrie in die heutige Pressevorführung gelockt

FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS (1:2.35, 5.1)
Verleih: Wild Bunch
Land/Jahr: Deutschland 2026
Regie: Doris Dörrie
Darsteller: Angela Winkler, Laura Tonke, Josef Ellers, Via Jikeli, Eugene Boateng, Zoë Baier, Sabrina Amali, Yvonne Yung Hee Bormann, Doris Kunstmann, Bettina Stucky, Klara Lange, Cathérine Seifert, Greta Sänger
Kinostart: 01.10.2026

Filmposter: FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS Als die einstige Schauspielerin Frau Winkler in ihrem Haus stürzt, wird sie zum Pflegefall. Ihre Tochter, die kurz vor dem Durchstarten als Theaterschauspielerin steht, ist komplett überfordert und engagiert einen Pflegeroboter. Den lehnt ihre Mutter anfänglich zwar komplett ab, doch mit der Zeit gewöhnt sie sich an ihn. Er sorgt gut für sie und unterhält sie auch. Und er kann sie auch umbringen, falls das ihr Wunsch ist... Doris Dörries in einer nahen Zukunft angesiedelter Film thematisiert eines der großen gesellschaftlichen Themen: wie umgehen mit einem Pflegefall? Die Antwort der Wissenschaft darauf sind KI-gestützte Pflegeroboter. Man überlässt also alte Menschen einfach einem Roboter, der wird's dann schon richten. Dass es nicht ganz so einfach ist zeigt Dörrie in ihrem Spielfilm. Denn schließkich ist man auch noch als Pflegefall ein Mensch. Durch den Einsatz von KI in allen Lebensbereichen jedoch geht genau das verloren. Ein Beispiel dafür ist die Pflegekraft, die den Roboter bei Frau Winkler installiert. Sie lässt sich nur noch auf eine KI ein und hat jedwede Perpektive auf eine lebenswerte Zukunft verloren. Oder Frau Winklers Nachbarin, die zwar jeden Morgen ihren Vorhang bewegt um zu sigmalisieren, dass sie noch lebt, aber mit Frau Winkler noch nie Kontakt hatte. Dörries Film ist eine berührende Tragikomödie mit ernstem Hintergrund. Ihr Film gibt den Zuschauenden Denkanstöße mit auf den Heimweg.
Dienstag, 18. August 2026
Aardman und Chopin
Das heutige Presse Double Feature war sehr abwechslungsreich

SHAUN DAS SCHAF - SPUK IM KÜRBISFELD (1:1.85, 5.1 + Atmos)
OT: Shaun The Sheep: The Beast Of Mossy Bottom
Verleih: Studiocanal
Land/Jahr: Großbritannien, Frankreich, USA 2026
Regie: Steve Cox, Matthew Walker
Kinostart: 01.10.2026

Filmposter: SHAUN DAS SCHAF - SPUK IM KÜRBISFELD Eigentlich freuen sich die flauschigen Schafe auf ein schönes Halloween-Fest mit geschnitzten Kürbissen. Doch ein kleines Unglück zerstört alle Kürbisse. Schnell hat Shaun eine Löung parat: er erzeugt eine Substanz, die aus Kürbiskernen im Laufe einer einzigen Nacht mächtige Kürbisse wachsen lässt. Der Zufall will es jedoch dass der Farmer die Substanz für ein Haarwuchsmittel hält. Die Anwendung hat fatale Folgen: vor lauter Haaren sieht man den Menschen gar nicht mehr! Und so mutiert er zu einem Halloween-Monster, vor dem alle Angst haben... Ein Film wie er nur von Aardman kommen kann! Tolle Handarbeit in Old School Manier sowie jede Menge versteckter Filmzitate die deutlich zeigen, dass es sich bei den Machern um waschechte Filmfans handelt. Ob ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT, FRANKENSTEIN oder sogar PSYCHO – die liebevollen Gags sitzen perfekt. Bernard Herrmann hätte vermutlich große Freude daran gehabt zu sehen, was die Aardman Studios aus seinen schrillen Streichern gemacht haben. Obendrein legt der Film ein sehr flottes Tempo vor, so dass keine Zeit für Langeweile bleibt. Eine gute Balance sorgt dafür, dass nicht nur Erwachsene ihre helle Freude haben werden, sondern auch Kinder. Family Entertainment at its very best!

CHOPIN - EINE SONATE IN PARIS (1:2.00, 5.1)
OT: Chopin, Chopin!
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Frankreich, Polen 2025
Regie: Michal Kwiecinski
Darsteller: Eryk Kulm, Victor Meutelet, Lambert Wilson
Kinostart: 22.10.2026

Filmposter: CHOPIN - EINE SONATE IN PARIS Mitte der 1800er Jahre ist der polnische Musiker Frederic Chopin in seiner Wahlheimat Paris zu einem Star der Musikszene geworden. Doch dunkle Wolken am Horizont ziehen in Form einer Tuberkulose-Erkrankung auf. Zu jender Zeit unheilbar. Chopin muss sich entscheiden, ob er seine letzten Jahre noch mit der Gründung einer Familie verbringen möchte oder sich ganz und gar seiner Musik hingibt. Eine Romanze mit der Schriftstellerin George Sand könnte eine Entscheidung herbeiführen... Interessant ist die musikalische Ausgestaltung des Films, die klassischen On-Screen Klavierstücken von Franz Liszt und Frederic Chopin einen von Technopuls getriebenen Score entgegensetzt. Vermutlich will man damit auch ein jüngeres Publikum für den Film gewinnen. Doch angesichts der Geschichte dürfte das ziemlich schwer sein, da diese auch für ältere Zuschauer recht belanglos Chopins letzte Jahre in Szene setzt – und das obgleich der Film vor Release um gute 20 Minuten gekürzt wurde. Will heissen: da wurde dem geneigten Zuschauenden wohl einiges erspart.
Montag, 10. August 2026
Junghexentanz
Jetzt warte ich noch auf das Crossover: Bibi Blocksberg in der Schule der magischen Tiere

BIBI BLOCKSBERG - DIE TOTAL VERHEXTE ZEITREISE (1:2.35, 5.1)
Verleih: Leonine Studios
Land/Jahr: Deutschland, Österreich 2026
Regie: Gregor Schnitzler
Darsteller: NALA, Carla Demmin, Philomena Amari, FIA, Carmen Diego, Aithonas Avgoustakis, Jakob Eberle, Rosalie Thomass, Friedrich Mücke, Palina Rojinski, Fritzi Haberlandt, Nilam Farooq, Thorsten Merten, Ludger Bökelmann, Langston Uibel
Kinostart: 24.09.2026

Filmposter: BIBI BLOCKSBERG - DIE TOTAL VERHEXTE ZEITREISE Um eine wertvolle Spieluhr, die aus dem Museum gestohlen wurde, wieder zu beschaffen, bedient sich Junghexe Bibi eines Zauberspruchs, der sie in die Nacht des Einbruchs zurückhexen soll. Doch etwas läuft schief und so befindet sich Bibi mit ihrer Freundin Marita plötzlich 139 Jahre in der Vergangenheit... Nach bewährtem Muster läuft auch die zweite Realverfilmung nach der berühmten "Bibi Blocksberg"- Kinderbuchreihe von Elfie Donnelly ab. Ganz zugeschnitten auf die Zielgruppe der noch nicht im Backfischalter angekommen Mädels wird hier zum Hohelied auf Freundschaft und Kameradschaft angestimmt. Und das selbstverständlich wortwörtlich, denn auch dieses Mal werden wieder in regelmäßigen Abständen Ohrwurmlieder in Videoclip-Ästhetik abgerufen. Song & Dance für alle Junghexen im Publikum. Die Referenzen zu anderen Zeitreisefilmen werden vermutlich nur die älteren Zuschauer erkennen. Einmal mehr fällt die orchestrale Filmmusik von Dominik Giesriegl positiv auf. Dass sie sich an amerikanischen Vorbildern orientiert, macht sie nicht automatisch schlecht. Sie macht den Film größer als er tatsächlich ist. Gleiches gilt für die visuellen Effekte. Fazit: ein Film, der seine Zielgruppe nicht enttäuschen wird.
Dienstag. 04. August 2026
Neues aus Niederkaltenkirchen
Der Eberhofer hat mich heute in die Pressevorführung gelockt

STECKERLFISCHFIASKO (1:1.85, 5.1)
Verleih: Constantin Film
Land/Jahr: Deutschland 2026
Regie: Ed Herzog
Darsteller: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Thomas Kügel, Ferdinand Hofer, Castro Dokyi Affum, Michael Ostrowski, Pelle Küffner, Lara Mandoki, Ruby O. Fee, Milan Peschel, Petra Berndt, Niklas Marian Müller
Kinostart: 13.08.2026

Filmposter: STECKERLFISCHFIASKO Für Dorfpolizist Franz Eberhofer ist einmal mehr Ausnahmezustand. Nicht nur darf er in der nagelneuen Küche im nagelneuen Häuschen keine Spiegeleier mit Speck braten, jetzt soll er auch noch seine Susi bei ihrer Kandidatur zur Bürgermeisterwahl unterstützen! Damit aber nicht genug: Oma geht in Kur und eine Haushaltshilfe aus Ungarn soll sie ersetzen. Da kommt dem Eberhofer ein neuer Mord ganz gelegen. Denn in der Dusche des Niederkaltenkirchener Golfclubs wird der "Steckerlfischkönig", einer der beiden konkurrierenden Schausteller, erschlagen aufgefunden... Was wäre schon ein Sommer ohne Eberhofer? Richtig langweilig wär's. So kommt pünktlich zum Hochsommer die inzwischen zehnte Verfilmung nach Rita Falk in die bundesdeutschen Kinos und in die Open Air Locations. Das wird eine Gaudi! Nicht nur wegen Eberhofers Spezl Birkenberger, der sich vollkommen abgehalftert, verwahrlost und mit langen Zotteln unaufgefordert in die Ermittlungen einschaltet. Und der Mann stinkt dermaßen, dass man es sogar hören kann! Achten Sie mal auf die Schmeißfliege auf der Tonspur. Wie immer gibt es herrlich bayrische Schimpftiraden insbesondere von Papa Eberhofer, aber auch die anderen Protagonisten nehmen kein Blatt vor den Mund. Auch wenn der neue Eberhofer im Tempo etwas gemächlicher ist als bisher (man merkt, dass das Ensemble inzwischen gealtert ist), so unterhält er trotzdem prächtig. Vor allem wenn man sich den Film in einem vollen Kinosaal anschaut. Denn wenn man selbst nicht lachen kann, so wirkt das Lachen der Anderen doch ziemlich ansteckend. Passend zum Film empfehle ich nicht nur Steckerlfisch, sondern auch ein zünftiges Weißbier. Prost!