Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Fantasy Filmfest #30 (01.09.-11.09.2016, Stuttgart)


Meine persönliche Auswahl an Spielfilmen

SWISS ARMY MAN (1:2.35, DD 5.1 + Atmos)
OT: Swiss Army Man
USA 2016 / 95 min / englische OV
REGIE Dan Kwan, Daniel Scheinert DARSTELLER Paul Dano, Daniel Radcliffe, Mary Elizabeth Winstead DREHBUCH Dan Kwan, Daniel Scheinert PRODUZENT Miranda Bailey, Lawrence Inglee, Lauren Mann VERLEIH Capelight Pictures / Koch Media

Inhalt:
Just in dem Moment, als er sich erhängen möchte, wird eine Leiche an den Strand der Insel gespült, auf der Hank schon seit Wochen festsitzt. Hank nimmt sich der Leiche an, die in seinen Augen immer lebendiger wird und ihm ungeahnte Möglichkeiten bietet, sich aus seiner Misere zu befreien. Für Hank wird der tote Manny zu einem richtigen Freund, mit dem er schließlich sein ganzes Leben teilt. –

Kurzkritik:
Eines ist ganz sicher: mit diesem Film streift Daniel Radcliffe endgültig sein Harry Potter Image ab. Als ständig pupsende Leiche geistert er durch die rabenschwarze, teils melancholische Komödie der beiden “Daniels” Dan Kwan und Daniel Scheinert. Die beiden Newcomer zeigen gekonnt, wofür man eine Leiche einsetzen kann, wenn man auf einer einsamen Insel gestrandet ist. Was dem Einen sein Schweitzer Armeemesser ist, das ist dem Anderen eben seine wassergetränkte Leiche. Mit einigen wirklich großartigen und tief berührenden Szenen sowie vielen neuen Ideen spielt sich der Film ziemlich schnell in die Herzen der Zuschauer. Paul Dano in der Rolle des Gestrandeten, der beginnt, mit der angeschwemmten Leiche zu kommunizieren und dadurch Stück für Stück von seinem Seelenleben preisgibt, ist hervorragend besetzt und erinnert in gewisser Weise an seine Rolle, mit der er bereits in LOVE & MERCY begeisterte.

DEEP IN THE WOOD (1:2.35, Mono)
OT: Il Fondo Al Bosco
Italien 2015 / 90 min / italienische OmeU
REGIE Stefano Lodovichi DARSTELLER Filippo Nigro, Camilla Filippi, Teo Achille Caprio, Giovanni Vettorazzo, Stefano Pietro Detassis, Maria Vittoria Barrella DREHBUCH Isabella Aguilar, Stefano Lodovichi, Davide Orsini PRODUZENT Manuela Cacciamani KONTAKT Minerva Group

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Ein Dorf in den italienischen Dolomiten. Während die Einwohner beim traditionellen Krampus-Fest als Teufel und Dämonen verkleidet unartige Kinder erschrecken, verschwindet der kleine Tommaso spurlos. Fünf Jahre später taucht ein unbekannter Junge auf. Er wirkt stark traumatisiert, verfügt über keinerlei Erinnerungen, aber die DNA-Ergebnisse stimmen überein: Es ist Tommaso. Vater Manuel kann sein Glück kaum fassen. Mutter Linda tut sich jedoch schwer, in diesem stillen, gefühlskalten Kind ihren Sohn wiederzuerkennen. Der Familienhund knurrt zornig in seiner Nähe und der gottesfürchtige Großvater ist überzeugt, der Teufel höchstpersönlich habe ihnen diesen Sonderling ins Haus geschickt.

Kurzkritik:
Was anfangs wie ein Horrorfilm anmutet, nimmt nach und nach die Züge einer menschlichen Tragödie an. Etwas nervend die Filmmusik, die etwas zu oft eingesetzt wird. Verwunderlich die Tatsache, dass das eingesetzte DCP nur monophonen Ton aufwies. Ob das der Regisseur so beabsichtigte oder ob dies nicht vielmehr ein Produktionsfehler war, sei dahingestellt.

ABATTOIR (1:2.35, 5.1)
USA 2016 / 98 min / englische OV
REGIE Darren Lynn Bousman DARSTELLER Jessica Lowndes, Lin Shaye, Joe Anderson, Dayton Callie, Michael Paré DREHBUCH Christopher Monfette PRODUZENT Jesse Berger, Brent C. Johnson VERLEIH Constantin Film

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Journalistin Julia packt das pure Entsetzen, als sie die Familie ihrer Schwester abgeschlachtet vorfindet – und damit fängt der Schrecken für sie erst an. Als sie wenige Tage später an den Tatort, das Kinderzimmer ihres Neffen, zurückkehrt, ist der Raum aus dem Haus herausgerissen. Julia beginnt zu recherchieren: Seit Jahrzehnten verschwinden Schauplätze grausiger Morde. Die Spur führt schließlich in eine geisterhafte Kleinstadt, die mit fester Hand von Prediger Crone geführt wird. Statt Antworten zu bekommen, werden der Reporterin nur die Türen vor der Nase zugeknallt. Das kollektive Schweigen der Gemeinde ist bedrückend.

Kurzkritik:
Nicht wundern würde es, wenn die Grundidee dieses Horrorfilms in eine TV-Serie mündet, in der in jeder Folge ein weiteres Massaker-Zimmer in den Mittelpunkt gerückt wird. Was den Spielfilm angeht, so inszeniert Darren Lynn Bousman leider gefühlte drei Stunden, die darüber hinaus auch noch ziemlich geschwätzig ausfallen. Pluspunkte sind die effektvolle 5.1 Tonmischung und der Film Noir Look, mit dem Kameramann Michael Fimognari den Film optisch in einem Mix aus Retro und Moderne erscheinen lässt.

THE PRIESTS (1:2.35, 5.1)
OT: Geomeun Sajedeul
Südkorea/Italien 2015 / 103 min / koreanisch OmeU
REGIE JANG Jae-hyun DARSTELLER KIM Yun-seok, GANG Dong-won, PARK So-dam, KIM Eui-sung, SON Jong-hak, NAM Il-woo, LEE Ho-jae DREHBUCH JANG Jae-hyun PRODUZENT BAEK Ji-sun, SONG Dae-chan, OH Hyo-jin KONTAKT Opus Pictures

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Sechs Monate ist es her, dass sich die kleine Young-shin aus dem Fenster und ins Koma gestürzt hat. Vater Kim, ihr Priester, ist der felsenfesten Überzeugung, dass ein Dämon von seinem Schützling Besitz ergriffen hat. Der Seouler Erzdiözese ist der unorthodoxe Kim nicht erst seit diesem Vorfall ein Dorn im Auge. Sie stellt ihm den jungen Diakon Choi zur Seite – auch zum Spitzeln. Choi ist begeistert, bis er erfährt, dass alle früheren Assistenten Kims dem Wahnsinn anheim gefallen sind. Schon bald macht auch Choi die Begegnung mit den Herrschern der finsteren Welt. Sie führen ihn tief an den Rand des Verstandes und zu einem nie überwältigten Kindheitstrauma zurück.

Kurzkritik:
Der erste Exorzismus-Thriller aus Südkorea überzeugt vor allem durch hervorragendes Production Value: tolles Szenenbild, hervorragende Tonspur und ein perfekt abgestimmter orchestraler Score. Darüber hinaus gelingt es dem Drehbuch sogar, dem Exorzismus Amüsantes abzugewinnen. Leider zum Ende hin etwas zu lang geraten, aber dennoch empfehlenswerte Horrorkost.

THE LESSON (1:1.85, 5.1)
Grossbritannien 2015 / 97 min / englische OV
REGIE Ruth Platt DARSTELLER Robert Hands, Evan Bendall,Michaela Prchalová, Tom Cox, Rory Coltart, Dolya Gavanski DREHBUCH Ruth Platt PRODUZENT Darko Stavric VERLEIH MFA+ FilmDistribution

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Wenn der hübsche Fin im Opening in Hemd und Schlips auf dem Fahrrad zur Schule rast und sich britischer Electropop über die Szene legt, könnte man meinen, Regisseurin Ruth Platt habe hier ein verträumtes Musikvideo gedreht. Doch weit gefehlt. Schon bald wird klar, der Bengel ist der wahre Albtraum und THE LESSON kein Sozialdrama, sondern ein handfester Horrorfilm! Fins Eltern haben sich längst aus dem Staub gemacht. Gemeinsam mit seinem ruppigen Bruder haust er in einer trostlosen Ecke Englands, in der Provinzfrust tägliches Gesprächsthema ist. Stets auf Krawall gebürstet, zieht der Teenager mit seinen Jungs umher, quält die Mitschüler, demoliert Autos und schikaniert am allerliebsten seinen Lehrer Mr. Gale. Dieser wird von Robert Hands gespielt und hat die Schwelle zur Verzweiflung schon längst überschritten. Was urplötzlich folgt: Das schlimmste Nachsitzen aller Zeiten. Ruth Platt knallt uns den Genrewechsel dabei so direkt vor den Kopf, dass es schmerzt.

Kurzkritik:
Extrem blutiges Independent Movie, das aus dem kleinen Budget das Größtmögliche herausholt. Leider mutet der Film oft dennoch wie ein Amateurfilmchen an und gibt sich ziemlich geschwätzig, wenn der Lehrer seinen Schülern eine Lektion erteilt, die ziemlich schmerzt.

PSYCHO RAMAN (1:2.35, DD 5.1)
OT: Raman Raghav 2.0
Indien 2016 / 127 min / hindi OmdU
REGIE Anurag Kashyap DARSTELLER Nawazuddin Siddiqui, Vicky Kaushal, Sobhita Dhulipala, Anuschka Sawhney, Mukesh Chhabra DREHBUCH Vasan Bala, Anurag Kashyap PRODUZENT Vikas Bahl, Vikramaditya Motwane VERLEIH Rapid Eye Movies

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Von 1965 bis zu seiner Ergreifung im Jahr 1969 tötete der Killer Raman Raghav auf den Straßen von Bombay nach eigenen Aussagen 41 Menschen. Vermutlich waren es aber mehr, denn “Psycho Raman”, wie er von der Presse getauft wurde, empfand das Töten als so selbstverständlich, mordete so beiläufig, dass er irgendwann das Zählen aufgegeben hatte. Doch schon im Vorspann wird betont: Dies ist NICHT die haarklein nacherzählte Geschichte des 60er-Jahre Killers. Natürlich nicht! Anurag Kashyap würde nicht zu den aufregendsten Filmemachern Indiens zählen, wenn es ihm einfach gereicht hätte, den berüchtigten Kriminalfall, der sich tief in die Psyche des Landes eingebrannt hat, minutiös im Stil von ZODIAC abzufilmen

Kurzkritik:
Bollywood kann auch anders. Statt Song & Dance und Liebe & Romantik gibt es hier massenweise harte Schläge mit der gebogenen Eisenstange! Es erstaunt wirklich, solche Kost aus einem Land wie Indien zu sehen. Doch es passt in den momentan stattfindenden Prozess des gesellschaftlichen Umbruches, der sich eben auch in den Filmen niederschlägt. Doch Anurag Kashyaps Film ist keine reine Gewaltorgie, sondern zeichnet ein detailliertes Psychogramm seiner beiden Protagonisten, die zwar an unterschiedlichen Enden der Skala agieren, aber trotzdem Seelenverwandte sind. Hier ist nicht nur der Massenmörder der Böse, sondern auch der ihn jagende Polizist. PSYCHO RAMAN wartet gleichzeitig mit einer ausgefeilten Tonspur voll hämmernder Technomusik und einer geleckten Optik. Höchst empfehlenswert.

THE GIRL WITH ALL THE GIFTS (1:2.00, 5.1)
Grossbritannien/USA 2016 / 111 min / englische OV
REGIE Colm McCarthy DARSTELLER Paddy Considine, Glenn Close, Gemma Arterton, Sennia Nanua DREHBUCH Mike Carey PRODUZENT Camille Gatin, Angus Lamont VERLEIH SquareOne Entertainment

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Nach dem Ausbruch einer tödlichen Spore, die aus den Befallenen willenlose “Hungries” mit akuter Gier auf Menschenfleisch macht, haben sich die Überlebenden in Militärbasen organisiert, wo Wissenschaftler an unfreiwilligen Testobjekten forschen. Besonders eine Gruppe von infizierten Kindern verspricht Hoffnung auf ein Heilmittel: Die können ihren Fressimpuls noch kontrollieren, weil ihr Verstand noch nicht dem Wahnsinn anheim gefallen ist. Unter ihnen ist die kleine Melanie, ein hochintelligentes und dennoch brandgefährliches Wunderkind. Gerade als sie im Namen der Forschung seziert werden soll, wird die Basis überfallen und die schon Todgeweihte befindet sich plötzlich mit ihren Peinigern und einer Lehrerin auf der Flucht. In ständiger Gefahr, bedroht von Infizierten und Marodeuren, ist Melanie nun die letzte Chance auf die Rettung der Menschheit. Aber ob sie dies aber überhaupt sein will, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Kurzkritik:
Colm McCarthys postapokalyptischer Zombie-Thriller ist schon alleine deswegen sehenswert, weil er Charakterschauspielerin Glenn Close einmal in einer ganz anderen Rolle wie gewohnt präsentiert. Dazu bietet der Film eine ungewöhnliche Filmmusik, die man fast als so etwas wie die einlullende Wirkung der Pilzgewächse deuten könnte, die sich den menschlichen Hirnen bemächtigt. Eine imposante, kraftvolle Tonspur und beeindruckende Bilder vom Niedergang der Zivilisation (kleine Seitenbemerkung: Mercedes Benz dürfte sich nicht gerade freuen!) runden den positiven Gesamteindruck ab.

THE ONES BELOW (1:1.85, 5.1)
Grossbritannien 2015 / 86 min / englische OV
REGIE David Farr DARSTELLER Clémence Poésy, David Morrissey , Stephen Campbell Moore, Laura Birn, Deborah Findlay DREHBUCH David Farr PRODUZENT Nikki Parrott KONTAKT Protagonist Pictures

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Kate und Jack erwarten ihr erstes Kind. Als neue Nachbarn ins leerstehende Erdgeschoss ihres Londoner Townhouses ziehen, scheint zunächst alles gut. Schnell erfährt Kate, dass die frisch zugezogene Theresa ebenfalls schwanger ist und die beiden werdenden Mütter haben gleich ein Gesprächsthema. Während sich Kate jedoch sorglos auf ihr Baby freut und nicht viel Wirbel um ihren Zustand macht, dreht sich Theresas Leben um nichts anderes mehr. Regisseur David Farr, der als Drehbuchautor für die Serie THE NIGHT MANAGER bekannt geworden ist, beginnt sein Spielfilmdebüt geschickt mit einer Reihe sehr nuancierter Szenen, die den perfekten Schein des nachbarschaftlichen Miteinanders langsam aber stetig als Trugbild entlarven. Denn Theresa ist einfach ein bisschen zu eifrig, der Garten zu gepflegt und all die netten Gesten etwas zu forciert. Als dann noch ihr Ehemann Jon auf den Plan tritt, von dem eine kaum verhohlene Aggresssion und Kontrollsucht ausgeht, beginnen die lieben Nachbarn in neuem Licht zu erscheinen — bevor schließlich ein gemeinsamer Pärchenabend endgültig zur Katastrophe gerät.

Kurzkritik:
Mit Anklängen an Klassiker wie ROSEMARYS BABY inszeniert David Farr seinen Psychothriller, der zwar für das geübte Auge recht schnell vorhersehbar ist, aber trotzdem mit seinen Qualitäten punkten kann. Mit minimalistischen Mitteln und überzeugenden Darstellern gelingt es ihm, die Spannungsschraube kontinuierlich bis zum Schluss anzuziehen. Empfehlenswert.

HERE ALONE (1:2.35, 5.1)
USA 2016 / 89 min / englische OV
REGIE Rod Blackhurst DARSTELLER Lucy Walters, Adam David Thompson, Gina Piersanti, Shane West DREHBUCH David Ebeltoft PRODUZENT Rod Blackhurst, David Ebeltoft, Arun Kumar KONTAKT Preferred Content

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Nachdem ein Virus unbekannten Ursprungs ihre Familie und einen Großteil der Bevölkerung in blutrünstige Bestien verwandelt hat, muss sich die im Überlebenstraining geübte Ann allein durch eine gefährliche Welt schlagen. In den Wäldern des amerikanischen Nordostens, die sie seit ihrer Jugend kennt, errichtet sie ihre bescheidene Bleibe in einem Zelt und lebt von dem, was die Natur und die wenigen Farmen im Umkreis ihr bieten – immer auf der Hut vor den hungrigen Untoten, die die Gegend durchstreifen. Eines Tages jedoch humpelt der verletzte Chris am Arm seiner Stieftochter in Anns Leben. Nur zögernd nimmt sie die beiden auf, und tatsächlich offenbaren sich schon bald Konflikte in der neuen Gemeinschaft.

Kurzkritik:
Als die weibliche Antwort auf THE SURVIVALIST könnte man Rod Blackhursts postapokalytischen Abenteuerfilm bezeichnen. Auch hier müssen sich drei Menschen zusammenraufen, um gegen eine Zombieinvasion zu bestehen. In Rückblenden erfahren wir Stück für Stück etwas über die Vergangenheit der jungen Protagonistin und damit über deren Seelenzustand. Mit einem überraschenden, aber psychologisch durchaus nachvollziehbaren Schluss.

UNDER THE SHADOW (1:2.35, 5.1)
Iran/Jordanien/Katar 2016 / 84 min / farsi OmeU
REGIE Babak Anvari DARSTELLER Narges Rashidi, Avin Manshadi, Bobby Naderi, Arash Marandi, Ray Haratian, Hamidreza Djavdan, Soussan Farrokhnia DREHBUCH Babak Anvari PRODUZENT Lucan Toh, Oliver Roskill, Emily Leo KONTAKT XYZ / The Festival Agency

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Shideh ist eine Mutter in Teheran Mitte der 80er Jahre. Ihre Zukunft als Medizinstudentin wurde vom System verbaut und allabendlich muss sie mit ihrer Tochter in einen Bunker fliehen. Es herrscht Krieg zwischen Irak und Iran. Eines Nachts durchschlägt sogar eine Rakete Shidehs Hausdach. In diese widrigen Umstände kracht nun auch noch ein Dämon. Und als Shideh und ihre Tochter von ihm heimgesucht werden, ist die Bedrohung auch deshalb so greifbar, weil der Dämon Ausdruck ihrer Lebenssituation ist.

Kurzkritik:
Schon lange nicht mehr waren 84 Minuten derart spannend wie in diesem iranischen Spukfilm, der gleichsam eine Allegorie auf die Schrecken des Krieges im Iran der 1980er-Jahre. Mit seinem faszinierenden Sounddesign gelingt es dem Film immer wieder, das Publikum mit Schockmomenten kalt zu erwischen. Dazu gesellt sich ein perfekt komponiertes CinemaScope-Bild, das den Horror im Wohnhaus ganz schön gruselig in Szene setzt. Bleibt zu hoffen, dass man zukünftig noch mehr Filme dieser Qualität von Regisseur Babak Anvari zu sehen bekommt. Chapeau!

THE DEVIL’S CANDY (1:2.35, 5.1)
USA 2015 / 90 min / englische OV
REGIE Sean Byrne DARSTELLER Ethan Embry, Shiri Appleby, Pruitt Taylor Vince, Kiara Glasco DREHBUCH Sean Byrne PRODUZENT Keith Calder, Jess Calder KONTAKT Hanway / The Festival Agency

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Mit neuen Eigenheimen ist das ja so eine Sache. Kaum sind die Räumlichkeiten aufgeteilt und die Kisten ausgepackt, steht der Freak im Hausflur, der einst genau hier seine Familie massakrierte. Hier heißt der Übeltäter Ray Smilie, ist mit dem Teufel im Bunde und donnert nächtens schwermetallische Gitarrenriffs in Überlautstärke durch die Boxen. Die satanischen Mächte ergreifen schon bald den frisch eingezogenen Familienvater und Künstler Jesse Hellman (!). Zusehends manifestieren sich auf seinen Gemälden die abscheulichen Schreckenstaten Smilies. Und die sind erst der Anfang.

Kurzkritik:
Regisseur Sean Byrne lässt es offen, ob sein Film Komödie oder harter Horrorfilm sein möchte. Mit einem kernigen Serienmörder und jeder Menge Metal Music, die teilweise bis zur Belastungsgrenze der Tonanlage der Kinos ausgereizt wird, vermag er weitgehend gut zu unterhalten.

THE EYES OF MY MOTHER (1:2.35, 5.1)
USA 2016 / 77 min / englisch/portugiesische OmeU
REGIE Nicolas Pesce DARSTELLER Kika Magalhaes, Will Brill, Olivia Bond, Paul Nazak, Clara Wong, Flora Diaz, Diana Agostini DREHBUCH Nicolas Pesce PRODUZENT Max Born, Jacob Wasserman, Schuyler Weiss VERLEIH Bildstörung

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Der verstörende Debütfilm des brillanten Videoclip- Regisseurs Nicolas Pesce trägt alle Merkmale eines American Gothic: ländliche Abgeschiedenheit, ein Blick in kaputte Seelen, Mord und Totschlag sowie expressive Schwarzweißfotografie. Und trotzdem widersetzt sich diese entsetzliche Ballade über ein unschuldiges Mädchen, das in der Einsamkeit der elterlichen Farm zu einem Monster heranwächst, jeder einfachen Kategorisierung. Während optisch und thematisch die Referenzen klar THE NIGHT OF THE HUNTER, PSYCHO und ERASERHEAD sind und in einer Szene im Hintergrund die zeitlose Moritat “You Think I’m Psycho, Don’t You, Mama?” läuft, ist der Film doch ein Wanderer zwischen den Welten.

Kurzkritik:
Der wohl verstörendste Film des Fantasy Filmfest 2016. In schwarzweißen CinemaScope-Bildern inszeniert Nicolas Pesce diese düstere und tragische Geschichte. Wie selbstvertändlich nimmt die Protagonistin ihre Opfer aus, verpackt die Einzelteile in Frischhaltefolie und bewahrt sie im Kühlschrank auf. An Logik mangelt es dabei zwar, doch dem Regisseur war das alles andere als wichtig.

FOLLOW (1:1.85, Stereo)
USA 2015 / 80 min / englische OV
REGIE Owen Egerton DARSTELLER Haley Lu Richardson, Don Most, Noah Segan, Olivia Grace Applegate DREHBUCH Owen Egerton PRODUZENT Seth Caplan, Chris Colbert KONTAKT Raven Banner

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Als Bohemian Quinn eines Tages vor der Leiche seiner Freundin Viv erwacht, befindet sich in ihrem Kopf ein großes Loch und in seiner Hand eine Pistole. In Panik versucht er a) herauszufinden, was geschehen ist, b) die Leiche in der Badewanne verschwinden zu lassen und c) bloß nicht die Kontrolle zu verlieren. Als dann auch noch Thana, die ihn umschwärmende Kollegin aus der Szenekneipe aufkreuzt, schlägt er sie nieder und sperrt sie in den Keller.

Kurzkritik:
Owen Egertons Mischung aus Komödie und Drama ist ein weiterer Beweis dafür, dass Nachwuchsregisseuren in Sachen Ton offenbar keine gute Ausbildung zuteil wird. Denn mit was die Ohren der Zuschauer hier traktiert wurden, spottet jeder Beschreibung. Nicht nur, dass der Film nur in Stereo und nicht im besseren 5.1 ertönte – er war darüber hinaus auch noch in den Höhen verzerrt. Was das Drehbuch, Kameraarbeit, Schnitt und den Einsatz von Ton angeht, sind hier zumindest gute Ansätze erkennbar.

HAVENHURST (1:2.35, 5.1)
USA 2016 / 80 min / englische OV
REGIE Andrew C. Erin DARSTELLER Julie Benz, Danielle Harris, Currie Graham, Fionnula Flanagan, Belle Shouse, Josh Stamberg DREHBUCH Andrew C. Erin, Daniel Farrands PRODUZENT Andrew C. Erin, Tosca Musk, Jina Panebianco KONTAKT CMG

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Mitten in New York steht eines der größten und ältesten Apartmentgebäude der Stadt, das Havenhurst. Das Haus hat eine bewegte Geschichte, viele düstere Legenden ranken sich um den wuchtigen Wohnkomplex. Die junge Jackie, gerade frisch aus der Rehaklinik entlassen, zieht in genau das Apartment, das bis zuletzt noch von ihrer nun spurlos verschwundenen Freundin Danielle bewohnt wurde. Bereits beim Einzug spürt sie, dass etwas mit dem Haus und vor allem seiner harschen Managerin Eleanor nicht stimmt. Und schon bald häufen sich die mysteriösen Vorfälle, die darauf schließen lassen, dass die vermisste Danielle Havenhurst in Wirklichkeit niemals verlassen hat. Als Jackie tiefer in die Geschichte des Gebäudes eintaucht und dabei dunkle Mächte weckt, gerät auch ihr Leben in ernsthafte Gefahr.

Kurzkritik:
Hut ab vor den Darstellern, die trotz einem langweiligen und vollkommen unglaubwürdigen wie konfusem Drehbuch so tapfer durchgehalten haben! Man darf diesen Film, der nur anfangs so tut, als wäre er eine Haunted House Geschichte, wohl nur als eine Art Fingerübung für den Regisseur betrachten. Immerhin wartet der Film mit einem ziemlich überraschenden Ende auf

DESIERTO (1:1.85, 5.1)
Mexiko/Frankreich 2015 / 94 min / englisch/spanische OmdU
REGIE Jonás Cuarón DARSTELLER Gael García Bernal, Jeffrey Dean Morgan, Alondra Hidalgo, Diego Cataño, Marco Pérez, Oscar Flores MUSIK Woodkid DREHBUCH Jonás Cuarón, Mateo Garcia PRODUZENT Alfonso Cuarón, Carlos Cuarón, Jonás Cuarón VERLEIH Ascot Elite

Inhalt:
Ein Dutzend Mexikaner will im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet unbemerkt ins gelobte Land USA einwandern. Als der Transporter seinen Geist aufgibt, muss der Trupp zu Fuß durch das Wüstenland. Aber sie sind nicht alleine: ein selbsternannter Grenzwächter mit äußerst scharfem Hund und einem geladenen Gewehr eröfnet die Jagdsaison...

Kurzkritik:
Selten war ein Film, der ausnahmslos im Niemandsland zwischen Mexiko und den USA spielt, so packend inszeniert wie Jonás Cuaróns DESIERTO. Exzellente Kameraarbeit, ein perfekt abgestimmter Score und ein brillantes Sounddesign machten diesen Thriller zu einem der Highlights des Fantasy Filmfest 2016. Es bleibt ein Rätsel, warum dieses grandiose Stück Kino zu einem höchst brisanten Thema in Deutschland nur als Direktvermarktung auf DVD und Blu-ray veröffentlicht wird.

LEVEL UP (1:2.35, 5,1)
Grossbritannien 2016 / 85 min / englische OV
REGIE Adam Randall DARSTELLER Josh Bowman, Neil Maskell, Doc Brown, William Houston, Leila Mimmack, Christina Wolfe DREHBUCH Adam Randall, Gary Young PRODUZENT Heather Greenwood, Andrew Orr, Danny Potts VERLEIH Universal Pictures

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Matt arbeitet mit einem Kumpel am Aufbau einer neuen Tech-Firma. Zumindest sollte er das. In Wirklichkeit zocken die Jungs aber ganztags Videospiele oder schauen YouTube – sehr zum Missfallen von Matts Freundin. Als die allerdings eines Morgens entführt wird, kann sie einen Typen mit Gaming-Erfahrung gut gebrauchen. Denn von diesem Moment an ist Matt plötzlich gefangen in einer real gewordenen Spielwelt, in der es leider keine Chance auf ein Bonusleben gibt

Kurzkritik:
Adam Randalls Smartphone-Thriller könnte man durchaus als NERVE 2.0 titulieren. Im Gegensatz zu NERVE bietet sein Film kaum Spannung, weil er ziemlich vorhersehbar abläuft und sich damit dem benötigten Spannungsbogen erfolgreich entzieht.

WE ARE THE FLESH (1:1.85, 5.1)
OT: Tenemos La Carne
Mexiko/Frankreich 2016 / 79 min / spanische OmdU
REGIE Emiliano Rocha Minter DARSTELLER Noé Hernández, María Evoli, Diego Gamaliel DREHBUCH Emiliano Rocha Minter PRODUZENT Julio Chavezmontes, Moisés Cosío, Emiliano Rocha Minter VERLEIH Donau Film

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Einsiedler Mariano besetzt eines der letzten unzerstörten Gebäude in einer völlig kaputten Welt. Lucio und Fauna, beide jünger und weniger ranzig, wollen bei ihm Unterschlupf suchen. Er wird ihnen gewährt, wenn sie sich Marianos Bedingungen fügen. Aus seinen Augen sprüht der nackte Irrsinn. Sie willigen ein.

Kurzkritik:
Ein sehr verstörendes Werk, das Tabus bricht und mit den Mitteln des Experimentalfilms Kannibalismus, Inzest und auch Nekrophilie thematisiert. Geeignet nur für Zuschauer mit dem Mut zum Risiko und Fans mit einem Faible für Filmkunst.

SHELLEY (1:1.85 & 1:2.35, 5.1)
Dänemark/Schweden 2016 / 92 min / englisch/dänisch/rumänische OmeU
REGIE Ali Abbasi DARSTELLER Ellen Dorrit Petersen, Cosmina Stratan, Peter Christoffersen, Björn Andrésen DREHBUCH Ali Abbasi, Maren Louise Käehne PRODUZENT Jacob Jarek KONTAKT Indie Sales

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Um endlich eine Wohnung für sich und ihren Sohn kaufen zu können, nimmt die Rumänin Elena eine Stelle als Haushaltshilfe bei einem Ehepaar in Dänemark an. Kasper und Louise haben sich an einem See im Wald in den reduziertesten Verhältnissen eingerichtet, pflanzen ihr eigenes Gemüse an und verzichten auf Strom und fließend Wasser. Louise leidet stark darunter, dass sie nach einer Fehlgeburt keine Kinder mehr bekommen kann. Weil sie so schneller an das benötigte Geld kommt, willigt die mitfühlende Elena ein, das lang ersehnte Kind des Paares als Leihmutter auszutragen. Keine gute Idee, wie sie schnell am eigenen Leib erfahren muss. Ihre Schwangerschaft wird zum Horrortrip aus verstörenden Visionen und Albträumen. Elena wird das Gefühl nicht los, dass es das ungeborene Kind auf ihr Leben abgesehen hat

Kurzkritik:
Souverän inszeniert Ali Abbasi seinen Alptraum in der Abgeschiedenheit einer Ferienhütte. Dabei lässt er Vieles offen und schafft Platz für Interpretationen, wenn das Böse in die Hütte hineingeboren wird. Der Bildformatwechsel vom kaschierten Breitwand hin zu vollem CinemaScope indes gibt Rätsel auf.

ANOTHER EVIL (1:1.78, Stereo)
USA 2016 / 92 min / englische OV
REGIE Carson D. Mell DARSTELLER Steve Zissis, Mark Proksch, Jennifer Irwin, Dax Flame, Steve Little, Dan Bakkedahl DREHBUCH Carson D. Mell PRODUZENT Sebastian Pardo, Riel Roch Decter KONTAKT Raven Banner

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Maler Dan, der mit simplen schwarzen Kreisen Erfolg hat, entdeckt Geister in seinem Ferienhaus. Er engagiert ein Medium, das wie Al Bundy im Muscle Shirt aussieht und beim Dosenbier verkündet: Ja, die Hütte wird heimgesucht. Aber nur von freundlichen Geistern, im Prinzip ganz harmlose Seelen – lernt damit zu leben! Da holen sich Dan und Familie dann doch lieber eine zweite Meinung. Der ebenfalls schräge Os diagnostiziert ETD – evil totally determined – und rät dazu, die gemeingefährlichen Dämonen zu vernichten. Und zwar möglichst brutal.

Kurzkritik:
Mit zwei großartigen Darstellern inszeniert Regisseur Carson D. Mell seine schwarze Komödie, die durchaus auch ein paar Schreckmomente bereithält. Wunderbar lässt er seine Zuschauer ebenso wie seinen Protagonisten zappeln, ob denn nun der Geisterjäger tatsächlich etwas von seinem Handwerk versteht oder nicht. Immer wieder überrascht er mit nicht vorhersehbaren Wendungen und hält die Zuschauer damit von Anfang bis Ende bei der Stange.

THE GREASY STRANGLER (1:1.85, 5.1)
USA 2016 / 93 min / englische OV
REGIE Jim Hosking DARSTELLER Michael St. Michaels, Sky Elobar, Elizabeth De Razzo, Gil Gex, Abdoulaye NGom DREHBUCH Toby Harvard, Jim Hosking PRODUZENT Elijah Wood, Tim League, Ant Timpson KONTAKT Protagonist Pictures

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Ein alter Mann steht splitterfasernackt in einer Autowaschanlage und brüllt wie am Spieß. Während ihm die rotierenden Schwammwalzen altes Bratfett vom Körper rubbeln, klatscht eine unerhört große Penisprothese links und rechts auf seine bleichen Schenkel

Kurzkritik:
Der wohl mit Abstand abgefahrenste Film beim 30. Fantasy Filmfest. Man muss ihn einfach gesehen haben, um mitreden zu können. Denn ihn zu erzählen oder gar zu erklären ist schier unmöglich. Jim Hoskings irrwitzige Trash-Komödie erinnert an die frühen Filme eines John Waters.

WAR ON EVERYONE (1:2.35, 5.1)
Grossbritannien 2016 / 98 min / englische OV
REGIE John Michael McDonagh DARSTELLER Michael Peña, Alexander Skarsgård, Theo James, Tessa Thompson, Caleb Landry Jones, Paul Reiser, Stephanie Sigman, Malcolm Barrett DREHBUCH John Michael McDonagh PRODUZENT Chris Clark, Flora Fernandez-Marengo, Phil Hunt VERLEIH Constantin Film

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
“Harry hasst alles auf dieser Welt: das Leben, den Tod, Ausländer, Neger, Schwule, Kellnerinnen, Verbrecher, und sich selbst!” 45 Jahre später hat John Michael McDonagh einen ganzen Film über diese berühmte Textzeile aus DIRTY HARRY gedreht: WAR ON EVERYONE – DIRTY COPS, eine wilde Cop-Comedy, deren Humor so pechschwarz wie das Blut tiefrot ist. Letzteres wird hier übrigens kübelweise vergossen. Alexander Skarsgård sieht nicht zufällig dem jungen Clint Eastwood ähnlich, und auch nicht von ungefähr wird ihm ein Latino (Michael Peña) als Partner zugeteilt. Der zu allem Überfluss ebenso verdorben ist wie der blonde Skarsgård. Zu zweit lässt es sich noch viel besser Ethnien und Randgruppen aller Art beleidigen. Es ist eben ein Krieg gegen alle. Zu Beginn nimmt das Duo einen Pantomimen auf die Hörner ihrer noblen Karosse – nur um herauszufinden, ob er einen Ton von sich gibt. Man mag diese Cops sofort! Eigentlich bräuchte der Film noch nicht einmal einen Plot. Es reicht zuzusehen, wie diese Höllenengel – Brüder im Geiste der jeweils von Brendan Gleeson gespielten Misanthropen in McDonaghs Vorgängerfilmen THE GUARD und CALVARY – verbal und körperlich maximalen Schaden anrichten.

Kurzkritik:
Good Cop, Bad Cop? Ganz und gar nicht: diese beiden Cops sind einfach nur “bad”! Handwerklich exzellent in Szene gesetzte rabenschwarze Komödie, in der vor allem Michael Peña und Alexander Skarsgård zu Hochform auflaufen. Besondere Erwähnung verdient die Filmmusik von Lorne Balfe, der Krimi-Scores aus den 1970er-Jahren perfekt persifliert.

CARNAGE PARK (1:2.35, 5.1)
USA 2016 / 90 min / englische OV
REGIE Mickey Keating DARSTELLER Ashley Bell, Pat Healy, Larry Fessenden, James Landry Hébert, Michael Villar DREHBUCH Mickey Keating PRODUZENT Eric B. Fleischman, Sean Tabibian VERLEIH Tiberius Film

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Haben Sie gerade eine Bank ausgeraubt, eine wehrhafte Geisel im Kofferraum – Ihr Komplize hat einen Bauchschuss erlitten und die Bullen sind Ihnen auf den Fersen? Dann flüchten Sie doch in den Carnage Park, das Vergnügungsareal voller Attraktionen. Wir garantieren Ihnen den Nervenkitzel Ihres Lebens – oder besser gesagt: Ihres Todes. Hier nimmt Sie unser bestens ausgebildeter Maniac noch persönlich ins Fadenkreuz seines zertifizierten Scharfschützengewehrs. Ladehemmung ausgeschlossen!

Kurzkritik:
Mickey Keatings souverän inszenierte Horrormär beruht angeblich auf einer wahren Geschichte, die sich 1978 in den USA ereignet hat und in gewisser Weise an den Klassiker BLUTGERICHT IN TEXAS erinnert. Rasant geschnitten und musikalisch nervzerrend vertont, verfehlen die sepiafarbenen CinemaScope-Bilder ihre Wirkung nicht und fesseln den Zuschauer in den Kinosessel. Brauchbare Splatter-Unterhaltung.

DON’T KILL IT (1:2.35, 5.1)
USA 2016 / 93 min / englische OV
REGIE Mike Mendez DARSTELLER Dolph Lundgren, Kristina Klebe, Aaron McPherson, Billy Slaughter, Michael Aaron Milligan DREHBUCH Dan Berk, Robert Olsen PRODUZENT Michael Slifkin, Scott Martin, Robert Yocum VERLEIH Koch Media

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Ein Provinznest in Mississippi, nicht weit weg vom Arsch der Welt. Hilflos steht die örtliche Polizei einer rätselhaften Mordserie gegenüber, die wie aus dem Nichts über das Kaff hereinbricht und bereits neun Opfer in einer Woche gefordert hat. Als die FBI-Agentin Evelyn Pierce eintrifft, um die blutigen Geschehnisse zu untersuchen, sieht sie sich mit einem Verbrechen konfrontiert, das scheinbar in kein Muster passt. Auf die Hilfe der überforderten Einheimischen kann sie sich schon gar nicht verlassen. Auftritt Jebediah Woodley. Der hünenhafte Blonde stellt sich als Dämonenjäger vor und auch wenn ihm Evelyn zunächst kein Wort glaubt, findet sie sich bald an Woodleys Seite im Kampf gegen ein übernatürliches Monster wieder, das keine Grenzen kennt. Denn der uralte Dämon hat die Fähigkeit munter von Körper zu Körper zu springen und beileibe nicht die Absicht, sich einfangen zu lassen. So gerät die Jagd auf die Bestie für das ungleiche Duo zu einer Achterbahnfahrt des Schreckens. Die Anzahl der Besessenen und kurz darauf Eliminierten droht unübersichtlich zu werden und ein Regen aus Blut und Körperteilen prasselt auf die verschlafene Kleinstadt hernieder.

Kurzkritik:
Ganz auf seinen Helden Dolph Lundgren abgestimmter Trashfilm, dessen Grundidee in Filmen wie THE HIDDEN bereits abgearbeitet wurde, aber der es dennoch versteht, sein Publikum mit guten Einfällen und witzigen Ideen bei Laune zu halten. Futter für die Lachmuskeln – im durchaus positiven Sinn.

THE SIMILARS (1:1.85, 5.1)
OT: Los Parecidos
Mexiko 2015 / 89 min / spanische OmeU
REGIE Isaac Ezban DARSTELLER Gustavo Sánchez Parra, Cassandra Ciangherotti, Humberto Busto, Fernando Becerril, Carmen Beato, Santiago Torres DREHBUCH Isaac Ezban PRODUZENT Isaac Ezban, Miriam Mercado, Elsa Reyes KONTAKT Stray Dogs

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Der Wartesaal des Grauens! Tagelanger Dauerregen hat den Verkehr lahm gelegt. Minenarbeiter Ulisses und eine hochschwangere Frau sitzen in einem gottverlassenen Busbahnhof am Arsch von Mexiko fest. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Radio, durch das beunruhigende Berichte über ein brutales Studentenmassaker (!) und das für Experten unerklärliche Wetterphänomen dringen. Da tauchen weitere Reisende auf: eine vor sich hin brabbelnde Schamanin, ein höchst aggressiver Medizinstudent und eine Frau mit einem kranken Kind. Alle wollen nur endlich weg von hier. Als urplötzlich verstörende Gesichtsmutationen ausbrechen, wächst die Panik unter den Eingeschlossenen. Ist es ein Virus? Stecken Außerirdische dahinter? Oder sind die Wartenden womöglich Testobjekte eines geheimen Regierungsprogramms?

Kurzkritik:
Mit sehr viel Liebe zum Detail inszenierte Hommage an die SciFi/Horror-Filme der 1950er Jahre, die vor allem durch seine beeindruckenden Schwarzweißbilder mit farbigen Einlagen (inklusive Staub- und Kratzspuren sowie Überblendzeichen!) und die an Bernard Herrmann angelehnte Filmmusik von Edy Lan begeistert. Ein kleines Filmjuwel des Genre-Kinos.

IMPERIUM (1:2.35, 5.1)
USA 2016 / 109 min / englische OV
REGIE Daniel Ragussis DARSTELLER Daniel Radcliffe, Toni Collette, Burn Gorman, Nestor Carbonell, Seth Numrich, Sam Trammell, Chris Sullivan DREHBUCH Michael German, Daniel Ragussis PRODUZENT Dennis Lee, Daniel Ragussis, Simon Taufique VERLEIH Ascot Elite

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Nate Foster ist trotz seines jungen Alters ein gerissener FBI-Agent. Einer der besten, wie seine Chefin Angela (Toni Collette) behauptet. Doch sein neuer Auftrag entpuppt sich als höllisch gefährlicher Drahtseilakt. Kahlrasiert und mit irrem Funkeln in den Augen taucht der Jungspund in die Gefilde einer ultrarechten Neonazi- Organisation ab, um einen drohenden Anschlag mit einer schmutzigen Bombe zu verhindern. Allein unter tollwütigen Wölfen, bleibt Nate nichts anderes übrig, als mit dem Rudel zu heulen. Dabei gerät er bald in einen mörderischen Sog aus Gewalt und Verbrechen. Nur Angela kennt seine wahre Identität und versucht verzweifelt, ihren Schützling am Leben zu halten, bis sein Auftrag erfüllt ist.

Kurzkritik:
Intensiver Thriller, der in die Untiefen amerikanischer Neonazis abtaucht und Dank seiner großartigen Darsteller begeistert.

MY BIG NIGHT (1.2.35, DD 5.1 + Atmos)
OT: Mi Gran Noche
Spanien 2015 / 93 min / spanische OmeU
REGIE Álex de la Iglesia DARSTELLER Mario Casas, Pepón Nieto, Hugo Silva, Carmen Machi, Santiago Segura, Carlos Areces, Raphael, Jaime Ordóñez, Terele Pávez, Carolina Bang, Enrique Villén DREHBUCH Jorge Guerricaechevarría, Álex de la Iglesia PRODUZENT Enrique Cerezo KONTAKT Film Factory

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Beim Dreh des Silvesterspecials eines spanischen Fernsehsenders geht so ziemlich alles Denkbare schief. Wenn gleich in den ersten Minuten ein Zuschauer von einem Kamerakran erschlagen wird, ist es wohl ratsam, sich besser anzuschnallen. Und de la Iglesia zieht wie immer alle Register: Was er hier an Charakteren, Nebenhandlungen und Ideen auffährt, ist böse bis aufs Blut und macht einen Heidenspaß. Da ist zum Beispiel der alternde Schlagerstar Raphael, der seinen blutjungen Konkurrenten Adanne am liebsten um die Ecke bringen würde. Der wiederum kann seine Hosen einfach nicht anbehalten und gerät dadurch in das Erpressungskomplott eines Groupies, während Raphaels Sohn Yuri derart unter seinem jähzornigen Vater leidet, dass er seine eigene Verschwörung plant, um den Tyrannen loszuwerden. Und dann gibt es im Studio noch zwei überforderte Moderatoren, die sich gemeinsam mit der Crew so einiges ausdenken müssen, um dieses Monstrum namens Fernsehen unter Kontrolle zu bekommen

Kurzkritik:
Álex de la Iglesia ist ein Meister überbordender Bilder. Sein neuestes Werk beweist dies aufs Neue und gefällt als amüsante Screwball-Komödie. Eigentlich kein Film fürs Fantasy Filmfest, aber trotzdem willkommene Abwechslung zwischen Serienkillern und Dämonenjägern.

THE NEIGHBOR (1:2.35, 5.1)
USA 2016 / 82 min / englische OV
REGIE Marcus Dunstan DARSTELLER Josh Stewart, Alex Essoe, Luke Edwards, Bill Engvall, Jaqueline Fleming, Ronnie Gene Blevins DREHBUCH Marcus Dunstan, Patrick Melton PRODUZENT Brett Forbes, Patrick Rizzotti VERLEIH Splendid Film

Inhalt (aus www.fantasyfilmfest.com):
Seine Nachbarn kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Wäre es nämlich so, dann würden Kleinganove Johnny und seine Freundin Rosie ganz bestimmt nicht neben dem Schlapphutträger Troy wohnen. Dass der Bierfreund gerne auf dem eigenen Grundstück rumballert, ist jetzt nichts Außergewöhnliches im US-Südstaat Mississippi. Die Grube mit verrottenden Tierkadavern im Vorgarten kommt aber vielleicht doch ein wenig extrem daher. Das findet zumindest Rosie, die den Creeper in nostalgischer DAS FENSTER ZUM HOF-Manier observiert. Wie krass Troy und seine intellektuell tiefergelegten Söhne tatsächlich drauf sind, sollen Johnny und Rosie schon bald am eigenen Leib erfahren.

Kurzkritik:
Routiniert inszenierter Thriller, der letztendlich wieder nur als Standardware entpuppt und die üblichen Logikfragen aufwirft.


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