Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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FANTASY FILMFEST NIGHTS 2010

Samstag, 13. März 2010

RED RIDING: 1974 (1:1.85, DD 5.1)
GROSSBRITANNIEN 2009 / ENGLISCHE OMEU
REGIE Julian Jarrold DARSTELLER Andrew Garfield / Anthony Flanagan / Cathryn Bradshaw / Daniel Mays / David Morrissey / Eddie Marsan / Gerard Kearns / DREHBUCH Tony Grisoni / David Peace (Buchvorlage) PRODUZENT Wendy Brazington / Andrew Eaton VERLEIH Kinowelt Film Entertainment

England 1974: Edward Dunford, Lokalreporter einer Yorkshire Tageszeitung, soll über den Fall eines vermissten Mädchens berichten. Als diese ermordet aufgefunden wird, beginnt er eine intensive Recherche und stößt dabei auf einen Immobilienhai, der ganz offensichtlich Dreck am Stecken hat. Als kurz darauf ein Reporterkollege bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben kommt, gerät auch Edward in Lebensgefahr... In düsteren Bildern erzählt Regisseur Julian Jarrold im ersten Teil einer Trilogie über den korrupten Norden Englands. Hier geben sich Polizisten, Geschäftsmänner und Politiker die Klinke in die Hand um ihren persönlichen Profit daraus zu schlagen. Die Geschichte ist leider relativ unspannend erzählt und lässt an mancher Stelle auch konsequente Logik vermissen. Die Liebesgeschichte zwischen Edward und der Mutter einer vermissten Mädchens wirkt hier irgendwie aufgesetzt. Auch nicht nachvollziehbar erscheint die Tatsache, dass ausgerechnet Edwards Leben verschont wird, wo doch bei seinem Kollegen kurzer Prozess gemacht wird. An Originalschauplätzen gedreht und im Original Yorkshire Slang gesprochen vermittelt der Thriller immerhin noch echtes Englandfeeling.

[REC] 2 (1:1.85, DD 5.1 EX)
SPANIEN 2009 / SPANISCHE OMEU
REGIE Jaume Balagueró / Paco Plaza DARSTELLER Oscar Sanchéz Zafra / Jonathan Mellor / Pablo Rosso / Ariel Casas / Alejandro Casaseca DREHBUCH Jaume Balagueró / Paco Plaza / Manu Díez PRODUZENT Julio Fernández VERLEIH Universum Film

Der Film setzt exakt da ein wo Teil 1 aufhörte. Ein Sonderkommando wird zum Einsatz in jenes Mietshaus gerufen, in dem sich angeblich ein tödliches Virus ausgebreitet hat und für ein wahres Blutbad sorgte. Unter Führung eines vermeintlichen Wissenschaftlers dringt der Trupp in das hermetisch abgeriegelte Haus ein. Schon nach kurzer Zeit entwickelt sich ein extrem blutiger Überlebenskampf... Wie schon der faszinierende erste Teil, der vor zwei Jahren in den Kinos für Angst und Schrecken sorgte, bekommt der Kinozuschauer eigentlich nur die Aufzeichnungen des Geschehens in Form von Videoaufnahmen zu sehen. War es im ersten Teil noch die Kamera eines TV-Teams, so sind es jetzt die Kameras und Mikrofone der untereinander vernetzten Mitglieder des Sonderkommandos, welche die Bilder und Töne liefern. Was der Film zu Beginn an Spannung aufbaut, wird leider zur Mitte hin jäh unterbrochen. Schuld daran ist der Wechsel der Perspektive. Denn jetzt werden die Videobilder plötzlich von eine paar Teenagern geliefert, die sich aus reiner Neugier Zugang in das Haus verschaffen und damit ihr eigenes Schicksal besiegeln zu scheinen. Nervig auch die Tatsache, dass die Halbwüchsigen auch in allergrößter Todesgefahr weiterhin glasklare Videobilder liefern! Derlei inszenatorische Ausschweifungen bringen den Film leider an den Rande der Lächerlichkeit. Da kann die ausgefeilte Tonspur auch nicht mehr retten was nicht mehr zu retten ist. Schade darum.

DAYBREAKERS (1:2.35, DD 5.1)
AUSTRALIEN/USA 2009 / ENGLISCHE OV
REGIE Michael Spierig / Peter Spierig DARSTELLER Willem Dafoe / Isabel Lucas / Ethan Hawke / Sam Neill / Claudia Karvan DREHBUCH Michael Spierig / Peter Spierig PRODUZENT Chris Brown / Bryan Furst / Sean Furst VERLEIH Tiberius Film

Man schreibt das Jahr 2019. Schon lange haben Vampire die Herrschaft über die Welt übernommen. Menschen werden als Blutkonserven wie Hühner in einer Legebatterie gehalten. Doch die Rohstoffe (sprich: das Blut) werden immer knapper. Es gibt kaum noch Menschen, die als Blutspender dienen können. Mit Hochdruck arbeiten Vampir-Wissenschaftler daran, Blutersatz herzustellen, um das Überleben ihrer Spezies zu garantieren. Eines Nachts bekommt Hämatologe Edward Dalton, der mehr Sympathie für die Menschen hat, als den Vampiren lieb ist, Besuch von einer Nicht-Vampir-Frau, die ihm einen Deal anbietet. Offensichtlich hat ein im Geheimen operierendes Häufchen von Menschen ein Mittel entdeckt, das aus Vampiren wieder Menschen werden lässt... Mit DAYBREAKERS bringen die australischen Gebrüder Spierig im wahrsten Sinne des Wortes frisches Blut in das Vampirgenre. Ob man die Blutknappheit nun als Metapher für die Verknappung der Rohstoffe unserer Erde interpretiert oder sich einfach nur auf ein bissiges, blutiges Action-Spektakel einlassen möchte – das Drehbuch der Spierigs bedient hier alle Wünsche! Ein futuristisches Production-Design – wie geschaffen für die CinemaScope-Linse – definiert perfekt den gefühlskalten Stil, den der Film braucht. Dazu die exzellente Filmmusik von Christopher Gordon und ein alle Register ziehendes Sounddesign mit einer schier unglaublichen Dynamik – so macht Kino wirklich Spaß! Zu guter Letzt bietet DAYBREAKERS auch noch eine Besetzung, der man gerne gewillt ist, ihre Rollen abzukaufen. Sam Neill als Obervampir könnte sogar einem Christopher Lee Konkurrenz machen. Mein Tipp: unbedingt ansehen – aber nur in einem guten Kino!

LA HORDE (1:2.35, DD 5.1)
FRANKREICH 2009 / FRANZÖSISCHE OMEU
REGIE Yannick Dahan / Benjamin Rocher DARSTELLER Alain Figlarz / Claude Perron / Eriq Ebouaney / Jean-Pierre Martins / Jo Prestia / Aurélien Recoing / Claude Perron DREHBUCH Arnaud Bordas / Yannick Dahan / Stéphane Moïssakis PRODUZENT Raphaël Rocher VERLEIH SquareOne Entertainment / Kinowelt Film Entertainment

Um den grausamen Tod eines Kollegen zu rächen, schleicht sich ein kleiner Trupp von Cops in ein riesiges Mietshaus ein, um dort unter den Mördern ein Blutbad anzurichten. Die Pläne werden aber schnell zunichte gemacht, als sich die Gruppe urplötzlich mit einer Horde von Zombies konfrontiert sieht. Um zu überleben müssen Cops und Gangster zusammenarbeiten... Die Handlung des Films könnte einem Videospiel entlehnt sein und entpuppt sich sehr schnell als Alibi für ein Schlachtfest übelster Art und damit als gefundenes Fressen für Jugendschützer. Die hier dargestellte Gewalt zielt einzig und allein auf niedere Instinkte ab und wird ganz sicher heftige Kürzungen bei der Veröffentlichung auf DVD zur Folge haben. Leider fehlt der gezeigten extremen Gewalt jeglicher psychologische Vorbau, so dass der Film vollkommen spannungslos dahinplätschert und dadurch möglicherweise nicht einmal sein Zielpublikum bei Laune halten dürfte. Farbreduziertes, langweiliges Franzosen-Kino.

Sonntag, 14. März 2010

SPLICE (1:1.85, DD 5.1)
KANADA/USA/FRANKREICH 2009 / ENGLISCHE OV
REGIE Vincenzo Natali DARSTELLER Adrien Brody / Sarah Polley / David Hewlett / Delphine Chanéac / Abigail Chu DREHBUCH Vincenzo Natali / Antoinette Terry Bryant / Doug Taylor PRODUZENT Steven Hoban VERLEIH Senator Film Verleih

Ein erfolgreiches Biogenetik-Forscherpaar kreiert heimlich eine Kreuzung zwischen Tier und Mensch. Das bizarre Wesen entwickelt sich zu einem Weiblein und wird von den Eheleuten zunehmend als ihre eigene Tochter angesehen. Doch in ihm lauern animalische Triebe, die bald eine tödliche Gefahr darstellen... Nach vielen Jahren Pause meldet sich Vincenzo Natali wieder zurück auf die Leinwand und wandelt dieses Mal auf den Spuren eines David Cronenberg. Jedoch aber leider ohne dessen Tiefenwirkung. Das Thema seines Films ist brisant, scheint es doch in Wirklichkeit zum Greifen nah. Doch die Unachtsamkeit der Wissenschaftler beim Umgang mit ihrem Genexperiment erscheint hier ziemlich aufgesetzt. Auch den Charakteren wird nicht die notwendige Tiefe gegeben, um den Film richtig fesselnd zu machen. Die visuellen Effekte indes lassen nichts zu wünschen übrig. Die Mischung aus Kaninchen und Sexbombe wirkt absolut lebensecht. Hin und wieder handelt sich Natalis Film allerdings unfreiwillige Lacher bei den Zuschauern ein. Sei es nun wenn das künstliche Wesen plötzlich auch noch engelsgleiche Flügel entwickelt oder es (und das ist sicherlich im Sinne eines Cronenbergs!) zum Geschlechtsakt zwischen Forschermännchen und der betörenden Kaninchenfrau kommt.

HEARTLESS (1:2.35, DD 5.1)
GROSSBRITANNIEN 2009 / ENGLISCHE OV
REGIE Philip Ridley DARSTELLER Jim Sturgess / Clémence Poésy / Noel Clarke / Joseph Mawle / Timothy Spall / Eddie Marsan / Luke Treadaway / Jon Macmillan DREHBUCH Philip Ridley PRODUZENT Pippa Cross / Richard Raymond VERLEIH Senator Film Verleih

Der junge Fotograf Jamie leidet aufgrund seines das Gesicht entstellenden Muttermals unter extremen Minderwertigkeitsproblemen. Schüchtern und ganz in sich gekehrt verbringt er seine freie Zeit damit, mit seinem Fotoapparat durch die nächtlichen Strassen Londons zu ziehen und Fotos zu schießen. Dabei macht er eine gruselige Entdeckung: in seinen Bildern tauchen Dämonen auf. Jamie sucht den Kontakt zu ihnen und bekommt ein unwiderstehliches Angebot: sein Gesicht wird vom Muttermal befreit, wenn er dafür extrem brutale Morde begeht. Jamie willigt ein... 14 Jahre ist es bereits her, dass Regisseur Philip Ridley einen Film abgeliefert hat. Die Erwartungen waren daher sehr hoch. Und sie wurden nicht enttäuscht. HEARTLESS ist Arthaus-Kino vom Feinsten. Das Drama um den Pakt mit dem Teufel erweist sich als vielschichtiges, symbolträchtiges Verwirrspiel, das die enthaltenen Horrorelemente nur als Metaphern nutzt. Trotzdem sollte man vorgewarnt sein ob einer äußerst brutalen Mordsequenz, an der Meister Hitchcock ganz sicher seine Freude gehabt hätte. Matt Grays digitale CinemaScope-Fotografie rückt den Schauplatz East London ins rechte Licht und David Julyans Score sorgt akustisch für die richtige Stimmung. Jim Sturgess brilliert in seiner Darstellung des geplagten Jamie und Eddie Marsan liefert einmal mehr einen aberwitzigen Gastauftritt als des Teufels rechte Hand ab. Ein Geheimtipp!

THE COLLECTOR (1:2.35, DD 5.1)
USA 2009 / ENGLISCHE OV
REGIE Marcus Dunstan DARSTELLER Madeline Zima / Andrea Roth / Josh Stewart / Daniella Alonso / Robert Wisdom / Gregory Alan Williams / Michael Reilly Burke DREHBUCH Marcus Dunstan / Patrick Melton PRODUZENT Brett Forbes / Julie Richardson / Patrick Rizzotti VERLEIH Splendid Film

Sicherheitsspezialist Arkin ist in Geldnot. Was liegt da näher, als bei eben jener Juweliersfamilie einzubrechen, deren Haus er gerade mit Alarmanlagen ausgestattet hat. Und das Beste: die ganze Familie ist vereist. Sein Coup scheint aufzugehen. Doch als er gerade dabei ist, den Safe zu öffnen, hört er furchtbare Schreie aus dem Lüftungsschacht: Arkin ist nicht allein im Haus... Der mit Abstand blutigste und abartigste Beitrag bei den Fantasy Filmfest Nights konnte leider nur in der Kategorie “Brutalität" überzeugen. Der Erstlingsfilm von Marcus Dunstan, der bislang nur für einige der SAW-Sequels die Drehbücher lieferte, beweist aufs Neue, dass der Herr offensichtlich nichts anderes als “Torture Porn" gelernt hat. Das substanzlose Werk nutzt sein Potenzial nur zur Präsentation von immer fieser werdenden Todesarten und zelebriert diese lustvoll und genüsslich. Für eine echte Dramaturgie oder gar Charakterzeichnung zur Erhöhung der Spannung ist in diesem Film leider kein Platz vorgesehen. Und das Schlimmste: eine Fortsetzung wird am Ende bereits suggeriert!

THE SHOCK LABYRINTH: EXTREME 3D (1:1.85, 2K, 3D, PCM 5.1)
OT: Senritsu Meikyu 3D
JAPAN 2009 / JAPANISCHE OMEU
REGIE Takashi Shimizu DARSTELLER Yûya Yagira / Ai Maeda / Ryo Katsuji / Shôichirô Masumoto / Suzuki Matsuo / Misako Renbutsu / Erina Mizuno DREHBUCH Daisuke Hosaka PRODUZENT Dai Miyazaki / Satoru Ogura / Masayuki Tanishima VERLEIH Senator Film Verleih

Nach vielen Jahren kehrt Ken wieder in seine alte Heimat zurück und trifft die alten Schulkameraden wieder. Als eine damals zu Tode gekommene Mitschülerin plötzlich vor der Tür steht, wird die Gruppe mit den dramatischen Ereignissen aus der gemeinsamen Vergangenheit konfrontiert, die sich in einem Grusellabyrinth zugetragen haben... Mit seinen nur knapp 90 Minuten Spielzeit schafft es Takashi Shimizu tatsächlich, seinem Publikum gefühlte vier Stunden Lauflänge zu suggerieren! Der mit Abstand langweiligste Film der Fantasy Filmfest Nights kommt einfach nicht von der Stelle und dreht sich – wie man das vom japanischen Kino fast schon gewohnt ist – ständig im Kreis. Das junge Schauspielerensemble tut ein Übriges, damit man sich als Zuschauer in Anbetracht des fehlenden Talents gehörig genervt fühlt. Und die vielen Rückblenden mit ihrem milchig-matschigen und überbelichteten Look führen automatisch dazu, dass man ständig versucht ist, die Gläser seiner 3D-Brille zu putzen. Einen Pluspunkt hat der Langweiler aber immerhin: seine 3D-Fotografie. Denn die wird hier sehr wirkungsvoll eingesetzt und lässt einen speziell dann Gruseln, wenn das vermeintlich tote Mädchen ihre Hand virtuell ins Publikum streckt.

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