Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Mittwoch, 31. März 2010
Griechische Mythologie und skurrile Animation
Zurück aus Bradford ging’s wieder fast direkt ins Kino...wohin auch sonst?

DER FANTASTISCHE MR. FOX (1:1.85, DD 5.1)
OT: Fantastic Mr. Fox
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Wes Anderson
Kinostart: 13.05.2010

Nachdem der Fuchs Mr. Fox zusammen mit seiner Frau knapp einer Fuchsfalle entkommen ist, verspricht er ihr, nie wieder Tauben oder Hühner zu stehlen. Als die beiden zusammen mit ihrem Sprössling ein neues Heim in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Hühnerfarm beziehen, überkommt es Mr. Fox wieder. Heimlich plant er einen letzten Raubzug... Was Filme des Regisseurs Wes Anderson wohltuend von den Arbeiten seiner Kollegen unterscheidet, ist die Skurrilität, mit der er seine Geschichten erzählt. Und was läge da näher als eine jener skurrilen Geschichten von Roald Dahl als Vorlage zu nehmen und sie in Form der Stop-Motion-Animation zu erzählen! So entwickelt Anderson die Geschichte herrlich absurd und trotzdem absolut faszinierend. Die Technik überzeugt und selbst die deutschen Synchronsprecher passen perfekt. Wenn dann in einer kleinen, eigentlich vollkommen unbedeutenden Szene, die Füchse eine Art Baseball-Spiel spielen, bei dem es keinen Ball, stattdessen aber einen brennenden Tannenzapfen gibt, gelingt es Anderson sogar mir einen lang anhaltenden Lacher zu entlocken! Mein Tipp: unbedingt anschauen – an diesem Film führt kein Weg vorbei!

KAMPF DER TITANEN (1:2.35, 2K Digital, 3D, PCM 5.1)
OT: Clash of the Titans
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Louis Leterrier
Darsteller: Sam Worthington, Gemma Arterton, Mads Mikkelsen
Kinostart: 08.04.2010

Weil sich die Menschen von ihm abgewandt haben, schickt Griechengott Zeus seinen Bruder Hades auf die Erde, um Aufruhr zu stiften, damit sich die Menschen ihm wieder zuwenden. Doch Zeus hat die Rechnung ohne seinen Sohn Perseus gemacht... Schaut man sich diese gigantische Special-Effects-Orgie an, so weiß man wieder, was man an dem Original aus dem Jahre 1981 hatte. Seinerzeit sorgte Altmeister Ray Harryhausen für stimmige Stop-Motion-Effekte, ohne dabei die griechische Mythologie aus den Augen zu verlieren. Regisseur Louis Leterrier und seinen Kollegen jedoch ist weitaus mehr an den Effekten gelegen, als an einer guten Inszenierung. Liebe zum Detail erkennt man hier an keiner Stelle – auch nicht bei der Besetzung, die mehr Staffage als Darstellerriege ist. Selbst die dritte Dimension lässt arg zu wünschen übrig. Sie gibt dem Film an keiner Stelle Tiefe und führt letztendlich nur dazu, dass man sich der lästigen Brille entledigt. Obendrein wird das Langeweile versprühende Spektakel mit einem Score zugepflastert, der alles andere als präzise ist und infolgedessen als beliebig erscheint. Diesen Film darf man bedenkenlos meiden.
Mittwoch, 24. März 2010
Schwergewichtig
Pure Langeweile versprühte meine letzte Pressevorführung vor der Abreise nach Bradford...

GORDOS - DIE GEWICHTIGEN (1:2.35, DD 5.1)
OT: Gordos
Verleih: Arsenal
Land/Jahr: Spanien 2009
Regie: Daniel Sánchez Arévalo
Darsteller: Antonio de la Torre, Raúl Arévalo, Fernando Albizu
Kinostart: 01.07.2010

Dreh- und Angelpunkt dieser skurrilen Dramödie aus Spanien ist eine Gruppentherapie für dicke Menschen – oder solche, die meinen sie wären dick. Da ist z.B. der Schwule, der seinen Partner ins Koma befördert hat. Oder das streng religiöse Paar, das Probleme mit dem vorehelichen Sex hat. Dann ist da noch die eingeigelte Informatikerin, die eine ungesunde Fernbeziehung aufrecht erhält. Und so geht das immer weiter. Der Film widmet sich allen Einzelpersonen und versucht zu ergründen, warum sie so viel essen. Einher geht das Ganze mit sehr viel nackter Haut, die natürlich auch bei den Geschlechtsteilen nicht halt macht. So eine Geschichte kann ziemlich lustig sein – sie muss es aber nicht, wie Daniel Sánchez Arévalo in seinem Film unfreiwillig beweist. Der um mindestens eine Stunde zu lange geratene Film beginnt irgendwann extrem zu nerven, was sicher zum großen Teil an der Fahrstuhlsäuselmusik liegt, die den Film fast nonstop untermalt. Untermalen ist hier genau das richtige Wort, denn eine dramaturgische Funktion nimmt der Score leider nicht wahr! Nicht jeder Film kann ein Meisterwerk sein.
Dienstag, 23. März 2010
Das Leben geht weiter und David Lynch wird demaskiert
Zwei spannende Geschichten hatte der Dienstag für mich im Gepäck...

DIE BESCHISSENHEIT DER DINGE (1:2.35, DD 5.1)
OT: De Helaasheid Der Dingen
Verleih: Camino (Neue Visionen)
Land/Jahr: Belgien 2009
Regie: Felix Van Groeningen
Darsteller: Johan Heldenbergh, Koen De Graeve, Wouter Hendrickx
Kinostart: 20.05.2010

Der 13jährige Gunther lebt zusammen mit seinem Vater, einem Alkoholiker, und dessen drei Brüdern bei seiner liebenswürdigen Großmutter. Nicht nur sein Vater, auch die drei Onkels machen sich nicht allzuviel aus Arbeit. So lebt die gewöhnungsbedürftige Gemeinschaft stets mit dem sozialen Abstieg Auge in Auge. Als Gunther auch noch Probleme in der Schule bekommt, soll er in ein Internat kommen. Das lehnt er anfangs zwar ab, sieht jedoch für sich selbst bald keinen anderen Ausweg mehr... Auf drei Zeitebenen erzählt das Melodram die Geschichte einer verkorksten Jugend, wie es dazu kam und wie es schließlich weitergeht. Als junger Mann schafft Gunther den gesellschaftlichen Aufstieg als Schriftsteller. Immer wieder werden seine philosophischen und wahrhaft zutreffenden Betrachtungen im Film zitiert. Da heisst es z.B. “Das Leben geht weiter. Aber genau das ist das Schwierige daran!”. Wenn Gunther selbst dann am Ende des Films als Vater seinem unehelichen Kind das Fahrradfahren beibringt und dieses immer wieder umfällt und von Neuem beginnt, so ist dies eine sehr schöne Metapher für jenen tiefgründigen Satz. Bevor es allerdings soweit ist, dürfen wir als Zuschauer bei allerlei derben, schwarzhumorigen und stets alkoholisierten Späßen teilhaben, wie sie nur unsere belgischen Nachbarn ersinnen können.

DAVID WANTS TO FLY (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Deutschland, Schweiz, Österreich 2009
Regie: David Sieveking
Kinostart: 06.05.2010

Transzendentale Medidation – was genau ist das eigentlich? Als sich sein großes Idol David Lynch zur sogenannten TM-Bewegung öffentlich bekennt, weckt dies das Interesse des Filmstudenten David Sieveking. Zusammen mit seiner Freundin Marie macht er sich auf den Weg in die USA, um sein Vorbild auf einem Kongress für TM zu treffen. Der versichert ihm schließlich, dass er all seine Kreativität dem Guru Maharishi Mahesh Yogi, dem Begründer der TM, zu verdanken hat. Der Filmstudent unterzieht sich einem Selbststudium und beginnt eine teure TM-Ausbildung. Allerdings ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Denn schließlich soll ja ein Film darüber entstehen. Je mehr er sich mit der Materie auseinandersetzt, desto klarer sieht er: auch bei der TM-Bewegung geht es nur ums liebe Geld! Ähnlich seinem amerikanischen Kollegen Michael Moore gelingt es ihm, ehemalige TM-Angehörige vor die Kamera zu locken und ihnen hochinteressante Statements zu entlocken, welche die Machenschaften der TM-Bewegung sehr deutlich als die einer Sekte entlarven. Entstanden ist dabei eine faszinierende Dokumentation, die sich Fans von David Lynch besser nicht anschauen sollten! Hinweis: leider hielt es der deutsche Filmverleih nicht für nötig, für eine Pressevorführung eine 35mm-Kopie bereitzustellen. So wurden wir leider mit einer in Bild- und Tonqualität suboptimalen DVD abgespeist.
Freitag, 19. März 2010
Wachrüttelnd und einschläfernd
Die letzten zwei Presse-Screenings in dieser Woche haben dafür gesorgt, dass ich vom hellwachen Zustand (Film 1) in eine extreme Frühjahrsmüdigkeit (Film 2) gefallen bin...

DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT (1:2.35, 2K, 3D, PCM 5.1)
OT: How To Train Your Dragon
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Dean Deblois, Christopher Sanders
Kinostart: 25.03.2010

Wikinger-Teenager Hicks möchte nichts lieber als ein guter Drachentöter zu werden wie all die anderen tapferen Jungs und Mädels aus seinem Heimatdorf. Durch Zufall aber schließt er Freundschaft mit einem Drachen und lernt eine ganz andere Seite der fliegenden Bestien kennen. Er beschließt, sein Geheimnis dem ganzen Dorf preiszugeben. Doch es kommt erst einmal anders... Mit atemberaubender 3D-Technik wird uns hier ein furioses, computeranimiertes Stück Kino auf die Leinwand gebracht, das von der ersten bis zur letzten Minute fesselt! Liebevoll gestaltete Charaktere und Locations und eine gelungene deutsche Synchronisation, die den im Original vorhandenen starken schottischen Einschlag mit bestem Ostfriesisch wett macht, machen richtig Laune. Und dazu gibt’s dann noch eine tolle sinfonische Filmmusik von John Powell. Jetzt weiß ich wieder, warum ich Kino liebe!

DER KAUTIONS-COP (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Bounty Hunter
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Andy Tennant
Darsteller: Jennifer Aniston, Gerard Butler, Christine Baranski
Kinostart: 01.04.2010

Ein Ex-Polizist, der sich als Kautions-Cop über Wasser hält, muss ausgerechnet seine Ex-Frau festnehmen. Die nämlich hat eine richterliche Vorladung sausen lassen, da sie als Reporterin in einer dubiosen Selbstmordgeschichte recherchiert. Natürlich fliegen die Fetzen... Einer jener Filme, bei denen man sich ernsthaft fragen muss, ob es denn tatsächlich dafür eine Zielgruppe gibt! Der Film plätschert unspektakulär vor sich hin und kann bestenfalls noch als Einschlafhilfe im Fernsehen genutzt werden. Wobei ganz ehrlich gesagt ich bereits im Kino mit Schlaf zu kämpfen hatte...
Donnerstag, 18. März 2010
Isar-Surfer und Tränendrüsen
Wahnsinn: heute hat schon wieder ein Dokumentarfilm das Rennen gemacht. Zumindest für mich.

KEEP SURFING (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Prokino (Fox)
Land/Jahr: Deutschland 2009
Regie: Björn R. Lob
Kinostart: 20.05.2010

Kaum zu glauben aber wahr: schon seit vielen Jahren zieht es begeisterte Surfer magisch an die Isar! In seinem Dokumentarfilm stellt Regisseur Björn R. Lob sozusagen die Kernmannschaft der Isarsurfer vor, die ganz schön viel riskieren um auf einer Welle im Fluss reiten zu können. Ein Kameramann, ein Instrumentenbauer und ein Marketingfachmann erzählen davon, wie es dazu kam, dass die bayerische Hauptstadt zur Surfer-Metropole wurde. Der unheimlich rasant geschnittene Film arbeitet mit modernster Kameratechnik, um die enthusiastischen Surfer bei ihrer Arbeit auf den Wellen hautnah zu beobachten. Die teilweise eingesetzte Split-Screen-Technik hätte dabei allerdings wesentlich besser im CinemaScope-Format gewirkt. Eingeblendete Namen werden leider in altbekannter “SEVEN”-Manier verwackelt und pulsierend eingeblendet, was deren Lesbarkeit erheblich reduziert. Selbes gilt für den gesamten Abspann. Dafür bietet der Film aber ein mitreissendes Sounddesign, das den Zuschauer inmitten der nassen und gefährlichen Action platziert. Sehenswert.

MIT DIR AN MEINER SEITE (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Last Song
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Julie Anne Robinson
Darsteller: Miley Cyrus, Kelly Preston, Liam Hemsworth
Kinostart: 29.04.2010

Teenager Ronnie muss zusammen mit ihrem kleinen Bruder bei deren Vater untertauchen, weil ihre Mutter neu heiraten will. Ronnie hasst ihren Vater, weil sie ihm die Schuld an der Trennung gibt. Erst durch Will, den sie kennen und lieben lernt, findet sie wieder zu sich selbst und ihrem Vater... Die Frage, ob es irgendein Klischee gibt, welches in diesem Film nicht vorkommt, muss eindeutig mit einem Nein beantwortet werden. Die oberflächlichen Charaktere sind genauestens nach Handbuch definiert, um den Bedürfnissen der potenziellen Zielgruppe gerecht zu werden. Sozusagen Rosamunde Pilcher für pubertierende Teenager. Es fehlt weder der Lover aus reichem Hause, der von den Eltern gegängelt wird, noch der heimlich sterbenskranke Vater, der das Herz seines Töchterleins zurückerobern kann. Kino kann manchmal richtig dumm sein.
Mittwoch, 17. März 2010
Road-Movie trifft auf Breakdance
Der heutige Mittwoch stand ganz im Zeichen deutscher Produktionen. Ich war sehr überrascht, dass mir die Dokumentation sehr viel besser gefallen hat als der Spielfilm!

VINCENT WILL MEER (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Ralf Huettner
Darsteller: Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Heino Ferch
Kinostart: 22.04.2010

Nach dem Tod seiner Mutter wird der 27jährige Vincent, der am Tourette-Syndrom leidet, von seinem gefühlskalten Vater in eine Spezialklinik abgeschoben. Dort lernt er die magersüchtige Marie kennen, die ihn zu einer nächtlichen Spritztour mit dem Auto der Klinikchefin überredet. Gemeinsam mit seinem zwangsneurotischen Zimmergenossen Alexander macht sich das Trio auf, um das Meer zu sehen... Das mit schönen Bilderbuchpanoramen aufwartende Road-Movie über drei Außenseiter hat mich nicht restlos überzeugt. Besonders gestört hat mich die Darstellung des Vaters, der vollkommen überzeichnet wird um anfangs als unangenehmer Geschäftsmann aufzutreten, nur um dann im Verlauf des Films plötzlich doch noch sein gutes Herz zu entdecken. Und das von einer Sekunde auf die andere. Wesentlich besser getroffen sind da die Charaktere des jungen Trios, im Speziellen Florian David Fitz als Vincent und Karoline Herfurth als Marie. Ein Film, der insgesamt jedoch keinen prägenden Eindruck hinterlässt.

NEUKÖLLN UNLIMITED (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: GMfilms (Barnsteiner)
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Agostino Imondi, Dietmar Ratsch
Kinostart: 08.04.2010

Mitreissende Dokumentation über drei libanesische Geschwister, die in Berlin-Neukölln aufgewachsen sind und mit Breakdance den großen Durchbruch erreichen wollen. Da sie jedoch in Deutschland nur geduldet werden, schwebt über ihnen stets das Damoklesschwert der Abschiebung. Im Verlaufe des Films entwickelt man als Zuschauer große Sympathien für Hassan, Maradona und Lial und versteht, mit welchen Problemen und Ängsten ihr tagtägliches Leben beladen ist. Durch die hervorragend eingesetzten Musik- und Tanznummern und einer entsprechend wuchtigen Tonmischung hebt sich der Film deutlich von anderen Dokumentarfilmen ab. Ein Geheimtipp!
Dienstag, 16. März 2010
Gangster, Flüchtlinge und eine Nanny
Gut unterhalten fühlte ich mich beim heutigen Einstieg in eine harte Presse-Woche...

SIN NOMBRE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Sin Nombre
Verleih: Prokino (Fox)
Land/Jahr: Mexiko, USA 2009
Regie: Cary Fukunaga
Darsteller: Paulina Gaitan, Edgar Flores, Kristian Ferrer
Kinostart: 29.04.2010

Zwei Schicksale, die sich kreuzen: Willy, der sich “El Caspar” nennt, gehört zu einer brutalen Gang an der mexikanischen Grenze, und Sayra, die mit ihrem Vater und dem Onkel Honduras verlässt, um in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Willy, dessen Freundin von Gang-Anführer ermordet wurde, rettet Sayra in letzter Sekunde das Leben und steht damit auf der Todesliste. Zusammen mit Sayra versucht er in die Staaten zu fliehen... Flüchtlingsdrama und Gangster-Movie in einem Film, der nicht unbedingt schlecht ist. Doch beide Genre wurden einzeln in anderen Filmen bereits wesentlich eindringlicher dargestellt, z.B. in CITY OF GOD. SIN NOMBRE besticht durch seine Kameraarbeit und vor allem durch die Besetzung, die sehr authentisch wirkt.

EINE ZAUBERHAFTE NANNY – KNALL AUF FALL IN EIN NEUES ABENTEUER (1:2.35, DD 5.1)
OT: Nanny McPhee and the Big Bang
Verleih: Universal
Land/Jahr: Großbritannien 2010
Regie: Susanna White
Darsteller: Emma Thompson, Maggie Gyllenhaal, Ralph Fiennes
Kinostart: 01.04.2010

Als einer armen Farmersfamilie, deren Vater sich im Krieg befindet, alles über den Kopf wächst, taucht eine geheimnisvolle ältere Dame auf, die ihre Dienste als Nanny zur Verfügung stellt. Sie erteilt den drei Farmerskindern sowie deren Cousin und Cousine aus reichem Hause fünf Lektionen fürs Leben und rettet dadurch die Farm vor dem Ruin... Wenn hier anfangs im wahrsten Sinne des Wortes “auf die Kacke gehauen wird”, dann täuscht der Eindruck. Denn dem nach einer Idee von Emma Thompson entstandene Fortsetzungsfilm von EINE ZAUBERHAFTE NANNY gelingt es, nach einer recht deftigen Ouvertüre in gemäßigtere Gefilde zu steuern. Ab hier darf dann auch herzhaft gelacht oder geschmunzelt werden, beispielsweise beim Wasserballett der kleinen Schweinchen (perfekt computeranimiert versteht sich!). Auch kommen jetzt richtige Gefühle nicht mehr zu kurz und die Lektionen der Nanny sind für jüngere Zuschauer gleichzeitig pädagogisch wertvoll. Besonders hat mich die gute Bildqualität sowie der wunderbare Score von James Newton Howard erfreut.
Samstag, 13. März 2010 & Sonntag, 14. März 2010

Fantasy Filmfest Nights #8

Donnerstag, 11. März 2010
Kaputte Familien und höfisches Gezänk
Die beiden letzten Pressevorführungen in dieser Woche. Doch halt: am Samstag und Sonntag gibt es nich die “Fantasy Filmfest Nights”! Wieder nichts mit Schlafen...

REMEMBER ME (1:1.85, DD 5.1)
OT: Remember Me
Verleih: Concorde
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Allen Coulter
Darsteller: Robert Pattinson, Emilie de Ravin, Pierce Brosnan
Kinostart: 25.03.2010

Seit dem Selbstmord von Tylers Bruder Michael hat deren Vater sich vom Familienleben komplett abgenabelt und lebt nur noch für seinen Wall-Street-Job. Darunter leidet vor allem Tylers kleine Schwester. Da lernt Tyler Allie kennen. Auch sie muss eine Tragödie verarbeiten: vor zehn Jahren wurde ihre Mutter vor ihren Augen ermordet. Die beiden verlieben sich ineinander. Doch schon bald wird das junge Glück ins Chaos gestürzt... Ein Film, der perfekt zu meinem Leitspruch passt: “Denke immer daran: morgen ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens!”. Ein sensibel inszeniertes und gespieltes Beziehungsdrama mit einem überraschenden und alles andere als positivem Ende. Pierce Brosnan in der Rolle des Bankers überzeugt als echter Kotzbrocken, der seine wahren Gefühle unter Verschluss hält und dafür ein aalglattes Äußeres präsentiert. Auch Robert “Twilight” Pattinson und Emilie de Ravin füllen ihre Rolle als Liebespaar in hervorragender Weise aus. Doch keiner von ihnen kommt an Ruby Jerins in der Rolle der kleinen Schwestern heran. Hier fühlt man sich unweigerlich an Abigail Breslin als “Little Miss Sunshine” erinnert.

YOUNG VICTORIA (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Young Victoria
Verleih: Capelight (Central)
Land/Jahr: USA 2009
Regie: Jean-Marc Vallee
Darsteller: Emily Blunt, Rupert Friend, Paul Bettany
Kinostart: 22.04.2010

Mit 18 Jahren wird Victoria zur Königin von England gekrönt. Doch bevor es soweit ist, muss sich die junge Monarchin gegen die Pläne ihrer Mutter zur Wehr setzen, die einen Regenten an ihre Stelle setzten möchte. In Lord Melbourne findet sie einen vermeintlichen Freund, der ihr zur Seite steht. Doch auch er scheint sie nur zur Durchsetzung seiner eigenen Interessen zu gebrauchen. Erst in dem Prinzen Albert von Coburg findet sie einen Untertützer ihrer Politik – und ihre große Liebe. – Jean-Marc Vallees opulent ausgestatteter Film ist perfektes Historienkino mit allem was dazugehört: herrlich sarkastische Dialoge, tolle Kostüme, prachtvolle Locations. Dazu gesellt sich ein hervorragendes Ensemble (vor allem Emily Blunt in der Rolle der jungen Königin) und eine passende Filmmusik von Ilan Eshkeri. Alles in allem perfektes “Date”-Kino mit viel Gefühl.
Mittwoch, 10. März 2010
Amoklauf trifft auf Call-Center
Bei einem Presse-Double-Feature ist alles möglich...

ZEIT DES ZORNS (1:1.85, DD 5.1)
OT: Shekarchi
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Iran, Deutschland 2010
Regie: Rafi Pitts
Darsteller: Rafi Pitts, Mitra Hajjar, Ali Nicksaulat
Kinostart: 08.04.2010

Als seine Frau und Tochter Opfer eines Schusswechsels zwischen Rebellen und der Polizei werden, läuft ein vorbestrafter iranischer Nachtwächter Amok und erschießt einen Polizisten... Obgleich der Film nur ganze 88 Minuten dauert, beinhaltet er Szenen, die zu ausgedehnt oder zu langsam erscheinen. Vieles deutet der Film nur an und überlässt es dem Zuschauer, zu interpretieren. Das mag in dem einen oder anderen Fall durchaus gut sein, da der Film dadurch interessanter wirkt. Das aber passiert einfach zu oft und führt dadurch zu einer gewissen Überforderung. Nichtsdestotrotz bleiben bestimmte Eindrücke des Films haften, geht es doch schließlich um die Auflehnung eines Einzelnen gegen eine Obrigkeit, die mit ihm sehr unsanft umgegangen ist und dafür büßen muss.

DAS GANZE LEBEN LIEGT VOR DIR (1:2.35, DD 5.1)
OT: Tutta La Vita Davanti
Verleih: Movienet
Land/Jahr: Italien 2008
Regie: Paolo Virzì
Darsteller: Isabella Ragonese, Micaela Ramazzotti, Sabrina Ferilli
Kinostart: 18.03.2010

Mit ihrem “Suma com laude” in der Tasche macht sich Philosophie-Studentin Marta auf die Suche nach einem Job bei einem Verlag. Vergebens. So betätigt sie sich nicht nur als Babysitter, sondern nimmt auch noch einen Job bei einem Call-Center an. Dass die dort angestellten Mädels nach allen Regeln der Kunst ausgebeutet werden, wird ihr aber erst nach einiger Zeit klar. Sie vertraut sich einem Gewerkschafter an... War der deutsche Film SELBSTGESPRÄCHE eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Machenschaften innerhalb eines Call-Centers, so kommt der Film von Paolo Virzi als schrille, sehr offenherzige und äußerst sarkastische “Dramödie” daher. Und die ist stellenweise wirklich amüsant, doch letztendlich leider wesentlich zu lang. Auch verliert sie sich des Öfteren in Handlungssträngen, die mit der eigentlichen Story keine Berührungspunkte haben (wie z.B. die Krankheitsgeschichte von Martas Mutter oder gar die deftigen Seitensprünge des Gewerkschafters).
Dienstag, 09. März 2010
Von Karrierefrauen, Komponisten und Aussenseitern
Wenn die Arbeitswoche schon so gut anfängt, dann lasse ich mir das gefallen!

COCO CHANEL & IGOR SRAVINSKY (1:2.35, DD 5.1)
OT: Coco Chanel & Igor Stravinsky
Verleih: Pa Co (24 Bilder)
Land/Jahr: Frankreich 2009
Regie: Jan Kounen
Darsteller: Anna Mouglalis, Mads Mikkelsen, Anatole Taubman
Kinostart: 15.04.2010

1920 nimmt die erfolgreiche Modedesignerin Coco Chanel den russischen Komponisten Igor Stravinsky und dessen Frau und Kinder in ihrem Landhaus bei Paris auf. Zwischen der kühlen, schamlosen Geschäftsfrau Chanel und dem Künstler Stravinsky funkt es und die beiden beginnen eine Affäre... Opulent ausgestattete und exzellent fotografierte Episode aus dem bewegten Leben der Coco Chanel, deren Leben vor ihrer Karriere bereits in einem Film im vergangenen Jahr verewigt wurde. Ganz im Gegensatz zu jener Verfilmung hat mich der neue Film wesentlich mehr fasziniert. Das lag zum größten Teil an den großartigen Schauspielern. Anna Mouglalis gibt der Rolle der Coco viel mehr Tiefe als die Darstellung durch Audrey Tautou. Und Mads Mikkelsen als teils exzentrischer Igor Stravinsky, der nur seine Musik als Kunst betrachtet und Channels Talent nicht anerkennt, überzeugt ebenfalls.

GREENBERG (1:2.35, DD 5.1)
OT: Greenberg
Verleih: Tobis
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Noah Baumbach
Darsteller: Ben Stiller, Greta Gerwig, Rhys Ifans
Kinostart: 01.04.2010

Robert Greenberg, eben aus einer Nervenheilanstalt entlassener New Yorker, soll in Los Angeles auf das Haus seines Bruders aufpassen, während dieser mit seiner Familie Urlaub in Vietnam macht. Florence, die junge Assistentin des Bruders, soll sich um Roberts Bedürfnisse kümmern. Die beiden kommen sich sehr schnell näher. Doch ohne Probleme bleibt die Affäre nicht... Das ich das noch erleben darf: der erste Film mit Ben Stiller, der mir richtig gut gefallen hat! Mit typisch Woody Allen’schem Humor versteht es Regisseur Noah Baumbach beim Zuschauer echte Sympathie für seine Charaktere aufzubauen. Das gelingt natürlich nur mit einer perfekten Besetzung. Ben Stiller und insbesondere Greta Gerwig (sehr hübsch auch ohne Hollywood-Klischee!) füllen ihre Rollen als Außenseiter hervorragend aus und machen einen der Leitsprüche des Films, “Verletzte Menschen verletzen Menschen” (im Original: “Hurt People Hurt People”) wahrhaftig greifbar. Sehenswertes Independent-Kino.
Freitag, 05. März 2010
Eine alternative Weihnachtsgeschichte
Die letzten beiden Presse-Screenings in dieser Woche...aber der Kalender für die nächste Woche ist auch schon wieder voll.

LEGION (1:2.35, DD 5.1)
OT: Legion
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Scott Charles Stewart
Darsteller: Paul Bettany, Lucas Black, Tyrese Gibson, Dennis Quaid
Kinostart: 18.03.2010

Gott hat die Schnauze voll von der Menschheit. Deren tödliches Schicksal ist damit beschlossene Sache. Doch einer seiner Engel hat den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren. Der Abtrünnige steigt hinunter auf die Erde, um den Menschen am Weihnachtsabend zu helfen. Die sind in einer kleinen Tankstation mitten im amerikanischen Niemandsland zu einem kleinen Haufen zusammengepfercht. Die himmlische Legion eröffnet den Kampf... Wenn Engel zu Zombies mutieren, um ein ungeborenes Kind zu töten, dann hilft natürlich nur noch rohe Gewalt. LEGION entpuppt sich also letztendlich als der alternative Film zur Weihnachtszeit. Daraus hätte ein wirklich richtig sarkastischer Film entstehen können oder eben ein richtig bluttriefendes Werk. Was dabei herausgekommen ist, ist weder Fisch noch Fleisch und dürfte beide Lager (die Sarkastiker ebenso wie die Zombiefans) enttäuschen. Handwerklich indes ist der Film solide inszeniert.

GREEN ZONE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Green Zone
Verleih: Universal
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Paul Greengrass
Darsteller: Matt Damon, Greg Kinnear, Brendan Gleeson
Kinostart: 18.03.2010

Ein Offizier der US-Armee mit der Aufgabe, nach den berüchtigten Massenvernichtungswaffen im Irak zu suchen, wird skeptisch, als sich sämtliche Geheimdienstinformationen als Farce herausstellen. Er beginnt zu recherchieren und kommt einem abgekarteten Spiel auf die Schliche... Ein spannend inszenierter Action-Thriller, der nicht wesentlich Neues zu bieten hat. Wackelkamera mit dokumentarischer Wirkung und die irakischen Locations (aufgenommen in Marokko und Spanien) kennt man bereits zur Genüge aus anderen Produktionen. GREEN ZONE gehört zu jener Welle von Filmen, mit denen sich die amerikanischen Filmemacher auf ihre Weise kritisch mit dem Irakkrieg auseinandersetzen. Zumindest das ist als gut zu werten.
Donnerstag, 04. März 2010
Blair Witch im Schwarzwald
Ein deutsches Doppel schickten die Filmverleiher heute in den Ring...

AYLA (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Zorro
Land/Jahr: Deutschland 2009
Regie: Su Turhan
Darsteller: Pegah Ferydoni, Mehdi Moinzadeh, Sesede Terziyan
Kinostart: 29.04.2010

Deutsch-Türkin Ayla lebt ganz nach westlichem Vorbild. Tagsüber jobt die junge Single-Frau als Kindergärtnerin, abends stylt sie sich als Garderobiere für einen angesagten Club auf. Mit ihrem patriarchalischem Vater hat sie längst gebrochen. Da lernt sie durch Zufall den Fotografen Ayhan kennen, ebenfalls ein Türke. Noch ahnt sie nicht, dass ausgerechnet Ayhan auserkoren wurde, an seiner eigenen Schwester einen Ehrenmord zu vollziehen... Nach dem erstklassigen Film DIE FREMDE nun noch ein Film zum Thema Ehrenmord. Nicht unbedingt schlecht, doch häufen sich die Zufälle in diesem Film etwas zu sehr, so dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass es dem Regisseur weniger auf Authentizität als vielmehr auf Polarisierung ankommt. Daran ändern auch die guten Darsteller (speziell Pegah Ferydoni in der Rolle der Ayla) nichts.

BLACK FOREST (1:1.85, Dolby SR)
Verleih: Kinostar
Land/Jahr: Deutschland 2009
Regie: Gert Steinheimer
Darsteller: Johanna Klante, Nikola Kastner, Adrian Topol
Kinostart: 15.04.2010

Zwei junge Paare wollen ohne TV und ohne Handy in einer abgelegenen Hütte mitten im Schwarzwald Urlaub machen. Die anfängliche Idylle wird jäh zerstört, als ein Fernsehapparat auftaucht, der Trugbilder wiedergibt... Schwabens Antwort auf BLAIR WITCH PROJECT. Immerhin versucht sich hier ein Regisseur an einer deutschen Genre-Produktion, was man ihm hoch anrechnen muss. Das ganze Projekt scheitert aber letztendlich daran, dass man ständig den Eindruck hat, einen Amateurfilm anzuschauen. Da ist einmal die mangelnde Ausleuchtung der Bilder, die zu kontrastarmen, unansehnlichen Einstellungen führt. Dann das Drehbuch, das offenkundig davon zeugt, dass die Filmemacher mit amerikanischen Vorbildern aufgewachsen sind. Ferner sind die Handlungsweisen der Darsteller nicht nachvollziehbar. Und zu guter Letzt wird der ganze Brei dann auch noch mit brachialem Vogelgezwitscher und einer unpassenden Filmmusik überzogen.
Mittwoch, 03. März 2010
Seichter Humor
Heute musste ich während des Screenings gegen gesunden Schlaf ankämpfen.

DATE NIGHT – GANGSTER FÜR EINE NACHT (1:2.35, DD 5.1)
OT: Date Night
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2010
Regie: Shawn Levy
Darsteller: Steve Carell, Tina Fey, Mila Kunis
Kinostart: 15.04.2010

Einmal in der Woche nehmen sich zwei Eheleute eine Auszeit von ihren Kindern und gönnen sich ein schönes Essen zu zweit in einem netten Vorstadtlokal. Das wollen die beiden dann durch den Besuch des angesagtesten Restaurants in der Großstadt toppen. Doch die Plätze dort sind rar gesät. Um den Abend nicht durch Warten zu runinieren, ergreifen die beiden eine Chance: als ein Tisch frei wird, geben sie sich als die Reservierer, das Ehepaar Tripplehorn aus. Das klappt wunderbar. Doch alsbald werden sie von zwei Bodyguards bedrängt. Die Tripplehorns sind offensichtlich in dunkle Machenschaften verstrickt. Das Abenteuer beginnt... Wem seichter Humor mit vielen sexuellen Anspielungen liegt, der dürfte hier auf seine Kosten kommen. Alle anderen (mich eingeschlossen) wird diese Version von INTO THE NIGHT nur langweilen. Richtige Lacher sind leider nur ganz spärlich verstreut. Für einen Film, der als Komödie funktionieren möchte, ist das einfach zu wenig.

DIL BOLE HADIPPA! – MEIN HERZ RUFT NACH LIEBE (1:2.35, DD 5.1 EX)
OT: Dil Bole Hadippa
Verleih: Rapid Eye Movies
Land/Jahr: Indien 2009
Regie: Anurag Singh
Darsteller: Shahid Kapur, Rani Mukherjee, Anupam Kher
Kinostart: 17.09.2009

Die junge Inderin Veera spielt besser Cricket als alle Männer zusammen. Nichts wünscht sie sich sehnlicher als in einem Männer-Team zu spielen. Als eine Mannschaft aufgestellt wird, die gegen die pakistanische Mannschaft antreten soll, bewirbt sich Veera – verkleidet als Mann. Zu ihrer Überraschung wird sie angenommen... Opulentes Bollywood-Kino – bestens geeignet als Seelenmassage. Wie üblich in solchen Filmen werde natürlich alle verfügbaren Klischees hineingepackt und sämtliche traditionellen Werte heraufbeschworen. Doch die knallig bunte Verpackung ist so überzeugend, dass man geneigt ist, die Klischees zu akzeptieren und schließlich mit den sympathischen Darstellern mitzufiebern. Und man wird belohnt. Denn DIL BOLE HADIPPA ist auch gleichzeitig ein Film zum Thema “Emanzipation”. In allerfeinstem CinemaScope und überzeugendem 5.1-Soundmix inszenierte Anurag Singh seinen Film mit Technik auf höchstem Niveau. Und wem das alles noch immer nicht genug ist, der wird sich spätestens an den Kostümen der weiblichen Darsteller begeistern: eine solche Nabelschau ist besser als jeder Softporno!
Dienstag, 02. März 2010
Eine Concierge und ein Filmproduzent
Französische Filmemacherinnen dominierten die heutigen Presse-Screenings.

DIE ELEGANZ DER MADAME MICHEL (1:2.35, DD 5.1)
OT: Le Herisson
Verleih: Senator
Land/Jahr: Frankreich, Italien 2009
Regie: Mona Achache
Darsteller: Josiane Balasko, Garance Le Guillermic, Togo Igawa
Kinostart: 06.05.2010

Die kleine Paloma beschließt, sich an ihrem 12. Geburtstag umzubringen. Das Leben mit der Familie in einem noblen Pariser Wohnhaus hat sie satt. Einzig die etwas mürrische Concierge macht ihr Freude. Die wiederum igelt sich in ihrer Wohnung ein. Niemand kennt ihre Leidenschaft für Bücher. Da zieht ein neuer Eigentümer in das Haus: ein geheimnisvoller Japaner... Mit viel hintergründigem Humor erzählt Regisseurin Mona Achache in ihrem Film über das Sterben und den Tod, aber auch über Menschen, die von anderen gar nicht richtig wahrgenommen werden (wie etwa die Concierge), aber genau diese selben Gefühle und Bedürfnisse haben wie alle anderen. Ein sehenswertes Stück Kino mit einer schönen Filmmusik von Gabriel Yared.

DER VATER MEINER KINDER (1:1.85, DD 5.1)
OT: Le Pere De Mes Enfants
Verleih: farbfilm (24 Bilder)
Land/Jahr: Frankreich, Deutschland 2009
Regie: Mia Hansen-Løve
Darsteller: Chiara Caselli, Dominique Frot, Sandrine Dumas
Kinostart: 20.05.2010

Filmproduzent Gregoire Canvel, stolzer Vater dreier Töchter, steht vor dem finanziellen Ruin. Oberflächlich sieht man es ihm nicht an, doch innerlich brodelt es in ihm. Die Probleme werden so groß, dass er nur noch einen einzigen Ausweg sieht... Als Hommage auf ihren Mentor, den Filmproduzenten Hubert Balsam, der im Jahre 2005 Selbstmord verübte, erschuf Mia Hansen-Love einen vorzüglich besetzten Film, der zum einen die Hektik des Produzentenjobs spürbar macht und zum anderen auch ein Film über das Filmemachen ist. Allerdings passiert es sehr leicht, dass man das Kino verlässt und sich fragt, was das Ganze eigentlich soll. Es gibt immer wieder Szenen, deren Bedeutung sich auch gewieften Zuschauern nicht erschließt, was in Folge dazu führt, diese als Banalitäten oder Belanglosigkeiten abzutun.

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