Wolfram Hannemann
Filmkritiker / Freelance Journalist / Filmemacher

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Donnerstag, 31. Januar 2013
Alter schützt vor Torheit nicht
Das Alter war heute jenes Thema, das die beiden Pressevorführungen miteinander verbunden hat.

SHOOTOUT – KEINE GNADE (1:1.85, DD 5.1)
OT: Bullet To The Head
Verleih: Constantin
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Walter Hill
Darsteller: Sylvester Stallone, Jason Momoa, Christian Slater
Kinostart: 07.03.2013

Um den Killer seines Kollegen und besten Freundes ausfindig zu machen, geht ein routinierter Auftragskiller einen Deal mit einem Cop ein. Gemeinsam will das ungleiche Paar die Drahtzieher im Hintergrund dingfest machen. Keine leichte Aufgabe. Aber mit Schusswaffen lässt sich jedes Problem lösen... Willkommen zurück in den 1980er-Jahren! Nicht etwa, dass dieser Action-Film in der Vergangenheit spielen würde. Ganz im Gegenteil: Walter Hills neuester Film spielt in der Gegenwart. Doch offensichtlich stecken sowohl der Inszenierung als auch dem Hauptdarsteller die längst vergangenen Achtziger Jahre noch voll in den Knochen. Sylvester Stallone mimt den eiskalten Killer mit lakonischem Humor, den man ihm aber angesichts seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr abnehmen mag. Auch Regie-Urgestein Walter Hill ist in die Jahre gekommen. Das merkt man deutlich daran, dass er nicht mehr auf dem Stand der Technik ist. Denn sonst wäre ihm ganz bestimmt aufgefallen, dass man die streng geheimen Daten auf einem USB-Stick ganz einfach kopieren kann. So aber freut sich im Film der Oberschuft darüber, dass er endlich wieder den Stick mit den ihn belastenden Daten in die Hände bekommt. Aber Handlung ist ja sowieso Nebensache. Es ist der Body Count der zählt. Und der ist hier so hoch, dass sogar eine Freigabe erst ab 18 Jahren in Betracht kommen könnte. Merke: wer auf Retro steht, der hat mit diesem Film seinen Spaß. Wer sich aber weiterentwickelt hat, der sollte besser in einen anderen Film gehen.

SONG FOR MARION (1:2.35, DD 5.1)
OT: Song For Marion
Verleih: Ascot Elite (24 Bilder)
Land/Jahr: Großbritannien 2012
Regie: Paul Andrew Williams
Darsteller: Gemma Arterton, Terence Stamp, Christopher Eccleston, Vanessa Redgrave
Kinostart: 14.03.2013

Arthur ist der Prototyp eines “Grumpy Old Man”, eines Miesepeters wie er im Buche steht. Mit seinem Sohn hat er alles andere als ein gutes Verhältnis. Und dass seine Frau Marion immer wieder an den Proben des Altenchors in der Gemeinde teilnimmt, gefällt ihm schon gar nicht. Dennoch liebt Marion ihren Arthur über alles, genauso wie sie den Chor liebt, der unter Leitung der jungen Elizabeth moderne Stücke einstudiert und sogar an einem Chorwettbewerb teilnehmen soll. Doch dann ereilt Arthur ein schwerer Schicksalsschlag: Marion stirbt viel zu früh. Wird es Arthur gelingen über seinen eigenen Schatten zu springen und ins Leben zurückzufinden? Elizabeth ist überzeugt davon und nimmt den Witwer unter ihre Fittiche... Paul Andrew Williams‘ Film erinnert an die wunderbare Dokumentation YOUNG@HEART, in der ein Altenchor bei den Proben zu modernen Pop- und Rock-Stücken beobachtet wird. Auch sein Spielfilm ist herzerwärmend erzählt und profitiert von einem guten Ensemble. Terence Stamp mimt Arthur, dem es extrem schwerfällt, seinen Lippen ein Lächeln abzuringen. An seiner Seite überzeugt Vanessa Redgrave als Marion, eine lebenslustige alte Dame, die mit “True Colors” sogar ein wundervolles Solo absolvieren darf. Gemma Arterton schlüpft in die Rolle der Chorleiterin Elizabeth, die in dem alten Nörgler Arthur Talente freisetzen kann, von denen nur seine verstorbene Frau wusste. Zusätzlich ist der Film noch mit einer schönen Auswahl an zeitgenössischen Songs ausstaffiert, die von den alten Stimmen interpretiert werden und zu denen “Let’s Talk About Sex” gehört. Let’s groove!
Mittwoch, 30. Januar 2013
Glaube macht blind
Heute gab es den zweiten Teil einer Trilogie, deren dritter Teil während der Berlinale aufgeführt wird.

PARADIES: GLAUBE (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Österreich, Deutschland, Frankreich 2012
Regie: Ulrich Seidl
Darsteller: Maria Hofstätter, Nabil Saleh, Natalija Baranova
Kinostart: 21.03.2013

Anna Maria arbeitet in einem Röntgenlabor. Doch ihrer eigentlichen Bestimmung geht sie in ihrer Freizeit nach: der Missionierung von Ungläubigen. So zieht sie mit einer Gottesmutter-Figur von Tür zu Tür und versucht, die Menschen dahinter mittels ihres extremen katholischen Glaubens zum Bereuen ihrer Sünden zu bewegen. Hat sie keinen Erfolg, bestraft sie sich durch Kasteien. Eines Abends sitzt plötzlich ihr vor Jahren ausgezogener Mann wieder im gemeinsamen Haus. Doch sie straft ihn nur mit Verachtung... Im zweiten Teil seiner “Paradies”-Trilogie widmet sich Regisseur Ulrich Seidl dem Thema Glaube und Religion. Und natürlich zeigt er uns eine sehr krasse Version davon. Denn seine Protagonistin hat alles andere als ein gesundes Verhältnis zum katholischen Glauben. “Österreich wird wieder katholisch!” schwört sie gemeinsam mit ihrem Religionskreis, der sich als eine Art Stoßtrupp Gottes versteht. Je mehr sich Anna Maria mit Religion zudröhnt, umso mehr verliert sie den Blick für das Wesentliche. Darunter hat nicht nur die in ihre Obhut gegebene Katze zu leiden, die sie wie ein Möbelstück behandelt, sondern auch ihr aus Ägypten zurückgekehrter Mann Nabil, ein querschnittsgelähmter Moslem. Unbarmherzig und gefühlskalt und damit vollkommen entgegen ihrer Glaubenslehre behandelt sie ihn wie ein Stück Dreck. Glaube (oder besser: Religion) macht blind – ein Sprichwort, das Regisseur Seidl passend bebildert. Mit einer Spiellänge von fast zwei Stunden ist er dabei aber leider etwas über das Ziel hinausgeschossen.
Dienstag, 29. Januar 2013
Krebskandidatin trifft auf Mörderin
Heute war viel Ausdauer und eine Großpackung Taschentücher gefragt.

HEUTE BIN ICH BLOND – DAS MÄDCHEN MIT DEN NEUN PERÜCKEN (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Universum (24 Bilder)
Land/Jahr: Deutschland, Belgien 2013
Regie: Marc Rothemund
Darsteller: Lisa Tomaschewsky, Karoline Teska, David Rott
Kinostart: 28.03.2013

Mit ihren 22 Jahren steht Sophie die ganze Welt offen. Sie freut sich darauf, in Hamburg ihr Studium zu beginnen und endlich aus dem elterlichen Haus auszuziehen. Doch es gibt dunkle Wolken am Horizont: Sophies ständiges Hüsteln wird als bösartiges Krebsgeschwür diagnostiziert! Sie muss sich einer langwierigen Chemotherapie unterziehen, deren Ausgang sehr ungewiss ist. Sie beginnt ihre Erfahrungen in einem Blog festzuhalten - und hat Erfolg... Ein Film mit einer jungen Frau in der Hauptrolle, die mit Krebs zu kämpfen hat, garantiert hohen Taschentuchfaktor. Inszeniert hat ihn Marc Rothemund nach dem autobiografischen Bestseller von Sophie van der Stap. Man gibt sich hier viel Mühe, die Untersuchungsmethoden sowie die Therapien, die Sophie durchläuft, möglichst realistisch wiederzugeben. Ebenso die Reaktionen von Sophies sozialem Umfeld auf die möglicherweise unheilbare Krankheit. Als Sophie ihre Haare verliert, entschließt sie sich, Perücken zu tragen. Je nach Perücke lebt sie einen anderen Charakter aus. Sie möchte noch einmal richtig leben, bevor es zu spät ist. Doch für die wahre Erkenntnis bedarf es keiner Perücken. Es sind die kleinen Dinge, die zählen. Dinge, die man als gesunder Mensch schon gar nicht mehr wahrnimmt. Auch wenn es sich bei diesem Film primär um einen gefühlten TV-Film handelt, werden sensible Gemüter reichlich Tränen vergießen.

SAFE HAVEN – WIE EIN LICHT IN DER NACHT (1:2.35, DD 5.1)
OT: Safe Haven
Verleih: Senator
Land/Jahr: USA 2013
Regie: Lasse Hallström
Darsteller: Josh Duhamel, Julianne Hough, Cobie Smulders
Kinostart: 07.03.2013

Auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit strandet die junge Katie in einem verschlafenen Küstenstädtchen irgendwo in Amerika. Während in ihrem Heimatort ein Polizist alle Hebel in Bewegung setzt, um Katie ausfindig zu machen, beginnt sie eine Freundschaft mit dem Gemischtwarenhändler Josh, der seine Frau vor vielen Jahren verloren hat und seine beiden Kinder alleine erziehen muss. Alles ändert sich, als Josh zufällig einen Steckbrief sieht: Katie wird unter einem anderen Namen wegen Mordes gesucht... Es dauert wirklich keine zwei Minuten, bis man den Fortgang dieser Geschichte Szene für Szene vorhersagen kann! So kann natürlich keine Spannung aufkommen. SAFE HAVEN dürfte sich in erster Linie an ein Publikum richten, das bislang nur Rosamunde Pilcher gewohnt ist. Dieses Publikum wird diese Verfilmung frei nach Nicholas Sparks vermutlich als nervenzerfetzenden Thriller einstufen. Gestandene Kinogeher aber werden mit Langeweile geplagt. Erst die letzten fünf Minuten des Films warten mit einer Überraschung auf, die man nicht erwartet hätte. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die überwiegende Zahl der Filmfans dann bereits fest schlummert. Schade drum.
Samstag, 26. Januar 2013
Inglorious Cowboys
Am Wochenende habe ich endlich den neuen Tarantino nachgesessen. Und weil es so schön war gleich zweimal – einmal in Deutsch, einmal in Englisch.

DJANGO UNCHAINED (1:2.35, DD 5.1)
OT: Django Unchained
Verleih: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio
Kinostart: 17.01.2013

Amerika zwei Jahre vor Ausbruch des Bürgerkriegs. Der Kopfgeldjäger und Zahnarzt Dr. King Schultz befreit den Sklaven Django, damit der für ihn drei steckbrieflich gesuchte Halunken identifizieren kann. Mit der Zeit freunden sich die beiden an und gehen gemeinsam auf Ganovenjagd. Als Schultz erfährt, dass Djangos Frau ebenfalls versklavt wurde, schmiedet er mit seinem Partner zusammen einen raffinierten Plan, um sie aus den Händen des bösen Calvin Candie zu befreien... Regie-Ikone und Erneuerer des jungen amerikanischen Kinos, Quentin Tarantino, huldigt hier einem Filmgenre, dessen Werke er als Jugendlicher massenweise in Kinosälen konsumierte: dem Italo-Western. Und er tut dies auf seine ganz eigene, sehr unterhaltsame Weise. Da gibt es immer ausgeklügelte, recht lange Dialogpassagen, die dann gekonnt in knallharte Action umschlagen. Insbesondere Christoph Waltz in der Rolle des Dr. King Schultz amüsiert den Betrachter kräftig mit der Art und Weise, Dinge auszudrücken. Seine Hochsprache wird natürlich von den meisten Cowboys erst gar nicht verstanden, was umso mehr Spaß macht. Im Grunde genommen wiederholt Waltz hier die Rolle, mit der ihn Tarantino zum Star machte: die des gnadenlosen SS-Manns in INGLOURIOUS BASTERDS. Aber es gibt in DJANGO UNCHAINED noch einen Anderen, der ihm hier Konkurrenz macht: Samuel L. Jackson in der Rolle eines skrupellosen Sklaven, der sich mehr seinem weißen Herrn verbunden fühlt als den schwarzen Sklaven. Seine Auftritte sind absolut köstlich! Allerdings – und das sollte einem schon bewusst sein, wenn man einen Tarantino-Film besucht – wird mit expliziten Gewaltdarstellungen alles andere als zimperlich umgegangen. DJANGO UNCHAINED dürfte der wohl brutalste Film sein, der jemals von der FSK mit einer Freigabe ab 16 Jahren abgenickt wurde. Zart Besaitete sollten tunlichst Abstand davon nehmen, diesen Film zu besuchen! Und noch etwas muss gesagt werden: auch wenn so mancher Kritikerkollege in diesem Werk einen Film sieht, der gegen Sklaverei und Rassenhass aufbegehren möchte, so hat er Tarantinos Absichten weit überschätzt. Denn der Mann, der in seinem eigenen Film übrigens den überhaupt lustigsten Tod der ganzen Geschichte stirbt, verarbeitet einfach nur seine frühkindlichen Kinoerlebnisse. Es ist also eine Art Selbsttherapie, mit der keine politische Aussage verbunden ist. Allerdings – und das muss man wirklich honorieren – hat noch keine Eigentherapie so viel Spaß gemacht! Kleiner Tipp: wer die Möglichkeit hat, den Film im englischen Originalton zu hören, sollte Gebrauch davon machen. Nur so kommt Christoph Waltzs Deutsch-Englisch richtig zur Geltung.
Freitag, 25. Januar 2013
Der Mond ist aufgegangen
Der heutige Film hat mich etwas eingelullt und ich habe mich einem winzig kleinen Nickerchen hingegeben.

DER MONDMANN (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Deutschland, Frankreich, Irland 2012
Regie: Stephan Schesch
Kinostart: 14.03.2013

Weil es ihm auf dem Mond sterbenslangweilig ist, lässt sich der Mondmann mittels eines Kometen auf die Erde hinab. Der Präsident der Welt sieht darin sofort eine große Bedrohung und macht Jagd auf den armen Kerl. Derweil können die Kinder nicht mehr richtig schlafen weil sie ihren Mondmann vermissen. Jetzt kann nur noch der Allround-Erfinder Bunsen van Dunkels helfen. Mit einer Rakete will er den Mondmann wieder nach Hause bringen... Da lässt sich der auf die Erde hinab gekommene Mondmann des Nächtens auf dem Rücken im Fluss treiben. Auf der Tonspur ertönt dazu Louis Armstrongs Version von Henry Mancinis Klassiker “Moon River”. Regisseur Stephan Schesch hat damit eine vollkommen neue Interpretation dieses Songs erschaffen! Überhaupt ist der Soundtrack dieses Animationsfilms nach einer Vorlage von Tomi Ungerer recht ungewöhnlich. Er reicht von jazzigen Klängen über bekannte Kinderlieder bis hin zu etwas Experimentalmusik. Die Geschichte erinnert irgendwie an E.T., speziell dann wenn Katharina Thalbach, die dem Mondmann ihre Stimme leiht, von “nach Hause” spricht. Inszeniert wurde der mit vielen skurrilen Einfällen aufwartende Film mit dem Mut zur Langsamkeit. Das kommt den ganz kleinen Zuschauern sicherlich sehr entgegen, verlangt von den Erwachsenen aber schon ein bisschen Disziplin ab.
Donnerstag, 24. Januar 2013
Erbschleicher und Polarfosrcher
Während sich der erste Film weder um Inhalt noch um Technik scherte, versuchte der zweite Film erfolgreich das Beste aus seinem Budget zu machen.

LEG IHN UM – EIN FAMILIENFEST (1:1.85, 5.1)
Verleih: Aries Images
Land/Jahr: Deutschland 2012
Regie: Jan Georg Schütte
Darsteller: Hans-Michael Rehberg, Oliver Sauer, Ole Schlosshauer
Kinostart: 07.03.2013

Sprachlos sitzen die inzwischen erwachsenen Kinder am gedeckten Tisch, als die Assistentin ihres patriarchischen Vaters dessen Willen vorliest. Da er unheilbar krank ist und nur noch ein paar Monate zu leben hat, will er denjenigen als Alleinerben einsetzen, der ihn innerhalb der nächsten zwei Wochen umbringt. Andernfalls geht das gesamte Vermögen an die Kriegsgräberfürsorge. Nachdem sich alle wieder gefangen haben, beginnt ein jeder damit, einen eigenen Plan zu schmieden. Doch einen Plan schmieden und ihn in die Tat umsetzen sind zweierlei Dinge, wie die potenziellen Erben bald erfahren müssen... Ganz am Ende des Abspanns wird alles klar: dieser Film wurde mittels “Crowd Funding” realisiert. Da muss man sich dann wirklich nicht wundern, dass der Film schon von der ersten Einstellung an wie ein stümperhaftes Werk aussieht! Offensichtlich reichte das Budget nur zur Beschäftigung von ungelernten Kräften. Zumindest die Kameraführung lässt darauf schließen. Da wird aus der Hand heraus gefilmt anstatt die Kamera auf ein Stativ zu montieren: Wackelbilder ohne Ende und plötzliche Unschärfen mitten in derselben Einstellung. Für solche Amateur-Bilder soll man tatsächlich Eintrittsgeld an der Kinokasse zahlen? Aber lassen Sie uns noch kurz auf den Inhalt schauen – vielleicht taugt der ja etwas. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Um diese Überlegung weiterzuspinnen: es bleibt bei der Beerdigung! Was als ein ernstes Familiendrama beginnt, kippt urplötzlich in eine Klamotte. Da versucht sich ein deutscher Regisseur an schwarzem Humor und scheitert damit kläglich. Neben gelernten Darstellern agieren oft untalentierte Laiendarsteller. Der ganze Film wird dadurch ins absolut Lächerliche gezogen. Schade um das Geld, das viele Damen und Herren in guter Absicht der Produktion zur Verfügung gestellt haben.

AN ENEMY TO DIE FOR (1:2.35, DD 5.1)
OT: En Fiende Att Dö För
Verleih: MFA
Land/Jahr: Schweden, Deutschland, Norwegen 2012
Regie: Peter Dalle
Darsteller: Tom Burke, Allan Corduner, Jeanette Hain, Axel Prahl
Kinostart: 14.03.2013

Unter deutscher Führung macht sich 1939 ein international zusammengesetztes Forscherteam zum Nordpol auf, um die Theorie von Alfred Wegener zu beweisen. Der behauptete 1912, dass alle Kontinente der Erde früher miteinander verbunden waren und gemeinsam Pangaea bildeten. Während der Expedition erreicht ein Funkspruch das Fosrchungsschiff: Deutschland ist in Polen einmarschiert und der Zweite Weltkrieg nimmt seinen Lauf. Das Team aus Deutschen, Engländern, Schweden und Russen sieht sich plötzlich mit Politik konfrontiert. Und mehr noch: an Bord befindet sich ein Spion... Eines muss man diesem Film lassen: er besitzt richtiges “Production Value”. Will heissen: vor und hinter der Kamera waren Profis beschäftigt. Das äußert sich in der guten und sehr überzeugenden Besetzung einerseits und in den großartigen CinemaScope-Bildern andererseits. Leider gibt es aber auch ein paar weniger ansprechende Elemente, zu denen insbesondere die Story gehört. Was als ein Abenteuerfilm beginnt, wandelt sich sehr schnell zu einem Spionagethriller, der zum Ende hin etwas aus dem Ruder läuft. Nichtsdestotrotz gelingt es dem Film, seinen Spannungsbogen stets aufrecht zu erhalten und damit der Langweile den Garaus zu machen. Auf der Tonebene scheint die Balance zwischen Front- und Surroundkanälen leider nicht immer ausgewogen, so dass einige Dialogpassagen in der unterlegten Musik und den Geräuschen untergehen. Dies bezieht sich zumindest auf die in der Pressevorführung gezeigte mehrsprachige Originalfassung.
Mittwoch, 23. Januar 2013
Von der Angst den Anschluss zu verpassen
Kann eine Beziehung aufrecht erhalten werden? Sarah Polley lieferte heute den passenden Film dazu.

TAKE THIS WALTZ (1:1.85, DD 5.1)
OT: Take This Waltz
Verleih: Kool
Land/Jahr: Kanada 2011
Regie: Sarah Polley
Darsteller: Michelle Williams, Luke Kirby, Seth Rogen
Kinostart: 07.03.2013

Nichts macht ihr solche Angst wie die Vorstellung, den Anschlussflug zu verpassen und auf einem vergessenen Flughafenterminal zu verrotten. Die 28-jährige, glücklich verheiratete Margot erzählt dies ihrem Sitznachbarn im Flugzeug, ohne zu ahnen, dass Daniel tatsächlich auch der Nachbar von gegenüber ist! Margot bandelt mit dem Lebenskünstler an, hält aber dennoch Distanz. Nur ungern gesteht sie sich selbst ein, dass sie sich in Daniel verliebt hat. Der macht gar keinen Hehl daraus, dass es ihm genauso geht. Margot steckt in der Zwickmühle – genau dort, wo sie nie sein wollte... In ihrer äußerst sensibel inszenierten Dramöde geht Regisseurin Sarah Polley der Frage nach, ob man eine Beziehung tatsächlich aufrecht erhalten kann und wenn ja wie? Margots Ehemann Lou (Seth Rogen) ist der liebste Mensch auf der Welt und sie möchte ihn nicht verletzen. Allerdings konzentriert sich Lou wesentlich mehr auf seine Kochkünste, die er für sein Kochbuch verfeinern möchte, als auf die Beziehung zu Margot. Denn die ist für ihn längst schon in trockenen Tüchern. Polley findet dazu aussagekräftige Bilder. So sieht man Margot und Lou an ihrem Hochzeitstag gemeinsam in einem Restaurant speisen, doch ein Dialog findet nicht statt. Äußerst gelungen und sehr überzeugend gespielt ist die Beziehung zwischen Margot (Michelle Williams) und Daniel (Luke Kirby), die sich fast den ganzen Film über ohne Körperkontakt entwickelt und wohl gerade deswegen ziemlich prickelnd ist. Auch wenn Polleys Film ab und zu mit ein paar Längen zu kämpfen hat, überwiegt der positive Eindruck: hier werden tatsächlich Gefühle transportiert.
Dienstag, 22. Januar 2013
Was Sie schon immer über Hänsel und Gretel wissen wollten...
Oder: wenn die Gebrüder Grimm Amerikaner gewesen wären

GOLD – DU KANNST MEHR ALS DU DENKST (1:1.85, 5.1)
Verleih: NFP (Warner)
Land/Jahr: Deutschland 2013
Regie: Michael Hammon
Darsteller: Kirsten Bruhn, Kurt Fearnley, Henry Wanyoike
Kinostart: 28.02.2013

Was treibt Menschen an, die an den Paralympics teilnehmen? Was sind ihre Ziele? Warum setzen sie sich trotz ihrer körperlichen Gebrechen extremen Strapazen aus? Für seinen Dokumentarfilm “Gold” pickte sich Regisseur Michael Hammon drei dieser Sportler heraus und verfolgte ihre Vorbereitungen für die Paralympics in London 2012 über ein Jahr lang mit seiner Kamera. Kristen Bruhn, durch einen Unfall querschnittsgelähmte Schwimmerin aus Deutschland, Kurt Fearnley, mit verkrüppelten Beinen geborener Rennrollstuhlfahrer aus Australien und Kenry Wanyoike, blinder Marathonläufer aus Kenia – sie alle erzählen aus ihrem Leben und lassen sich nicht nur beim Training beobachten, sondern auch in ihrem Privatleben. In Einem scheinen alle Drei einig zu sein: der harte Sport lässt sie ihre Behinderung vergessen und neue Kraft schöpfen. Eine Kraft, die auch für die Menschen um sie herum inspirierend wirkt. Dem Film gelingt es leider nicht ganz, den Spannungsbogen von den Vorbereitungen zuhause bis hin zum Wettkampf in London aufrecht zu erhalten. Zu oft wird er durch erneute Statements der Protagonisten vor der Kamera unterbrochen. Die besten Bilder liefert der Film interessanterweise ganz zum Schluss. Und die scheinen nicht einmal Eigenleistung zu sein, handelt es sich dabei lediglich um eine Montage von offiziellen Fernsehbildern der Paralympics. Etwas zwiespältig auch die Wahl der Protagonisten. Denn hier wurden offenbar nur echte Gewinnertypen in Betracht gezogen. Dabei wäre genau das Gegenteil viel interessanter gewesen. Abschließend noch ein paar Worte zur heutigen Vorführung. Man muss es einmal ungeschönt sagen dürfen: was uns heute hier als Pressevorführung vorgesetzt wurde, war eine Frechheit. Nicht nur dass der Film von einem minderwertigen Trägermedium (Blu-ray!) vorgeführt werden musste (das Kino trifft hier keine Schuld!), auch war dieser von Anfang bis Ende mit einem deutlich sichtbaren und extrem störenden Wasserzeichen ausgestattet. Aber selbst damit hätte man noch leben können. Dass der Film allerdings in einer Arbeitskopie gezeigt wurde, ist unzumutbar. Da stimmte nichts: die Bildbearbeitung ließ zu wünschen übrig und der Ton spottete jeder Beschreibung. War eine solche Vorführung tatsächlich im Sinne des Regisseurs? Wohl kaum. Eine objektive Beurteilung des Films war dadurch leider unmöglich. Insofern muss die oben stehende Beurteilung des Films als vorläufig betrachtet werden.

HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER (1:2.35, 3D, DD 5.1)
OT: Hansel And Gretel: Witch Hunters
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA, Deutschland 2012
Regie: Tommy Wirkola
Darsteller: Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen
Kinostart: 28.02.2013

Es war einmal im finsteren Mittelalter. Als Kinder werden Hänsel und Gretel von ihren Eltern im Wald ausgesetzt, finden ein Hexenhaus, töten die Hexe und werden schließlich als junge Erwachsene immer dann zu Hilfe gerufen, wenn Hexerei im Spiel ist. Die Geschwister haben sich auf die Hexenjagd gegen Bares spezialisiert und sind im Prügel einstecken genauso gut wie im Prügel austeilen. Doch als sie vom Bürgermeister eines Dorfes zu Hilfe geholt werden, müssen sie schon bald erkennen, dass sie die neue Aufgabe erneut mit ihrer Kindheit konfrontiert... Rechtzeitig zum 200-jährigen Jubiläum der Grimm’schen Märchensammlung erinnert sich auch Hollywood an die ungekrönten Könige der Fantasy-Geschichten. Freilich hat dieser Film mit dem Originalmärchen nicht mehr viel gemein. Oder war die gute Gretel etwa schon immer in ein enges, schwarzes Lederoutfit gezwängt? Natürlich nicht! Das berühmte Geschwisterpaar wird in Tommy Wirkolas Action-Film zu Hexen jagenden erwachsenen Superhelden aufgepeppt. Das Ganze ist natürlich augenzwinkernd gemeint, doch soviel wird gar nicht gezwinkert – leider. Der Stoff hätte in einer besseren Adaptation sicherlich großes Potenzial gehabt, doch das wird hier zugunsten visueller Effekte ziemlich zurückgedreht. So ist man am Ende des Films eigentlich sehr dankbar dafür, dass er nur knappe 90 Minuten lang ist. Die bekommt man allerdings zu spüren.
Montag, 21. Januar 2013
Zwei ungleiche Cops
Mehrere zusammengefügte Kurzfilme und Frankreichs Antwort auf “Bevery Hills Cop” standen heuet auf der Tagesordnung.

MOVIE 43 (1:1.85, DD 5.1)
OT: Movie 43
Verleih: Constantin
Land/Jahr: USA 2013
Regie: Elizabeth Banks, Steven Brill, Steve Carr, Rusty Cundieff, James Duffy, Griffin Dunne, Peter Farrelly, Patrik Forsberg, Brett Ratner, Will Graham, James Gunn, Jonathan van Tulleken
Darsteller: Kate Winslet, Hugh Jackman, Uma Thurman, Gerard Butler, Halle Berry, Naomi Watts, Richard Gere, Emma Stone, Johnny Knoxville, Seann William Scott, Christopher Mintz-Plasse, Chloe Moretz, Patrick Warburton, Kieran Culkin, Tony Shaloub, Julianne Moore, Liev Schreiber, Kate Bosworth, Elizabeth Banks, Josh Duhamel, Kristen Bell, Leslie Bibb, Bobby Carnivale, John Hodgman, Justin Long, Jason Sudeikis, Anna Faris, Chris Pratt, Anton Yelchin, Fisher Stevens, Terrence Howard, Stephen Merchant
Kinostart: 24.01.2013

Das einzig Gute an diesem Film ist, dass er hoffen lässt, gleich der Schlechteste des Jahres zu sein. Mit dieser Hoffnung hätte man praktisch das ganze Jahr über nur noch Meisterwerke vor sich. Allerdings ist zu befürchten, dass ein solch hirnloses Machwerk möglicherweise noch unterboten werden kann. Aber was genau ist denn nun so schlimm an dieser Ansammlung von kurzen Filmen, die durch eine blödsinnige Rahmenhandlung zusammengehalten werden sollen? Sind es die Hoden, die Hugh Jackman in einer der Episoden am Hals trägt und die scheinbar nur sein Blind Date Kate Winslet zu stören scheinen? Oder ist es vielleicht das junge Paar jener Episode, die sich einen Liebesbeweis durch das Entleeren des Darms auf dem Körper des jeweils anderen erbringen möchte? Vielleicht ist es aber sogar die Episode, in der sich ein Art Ersatz-Garfield-Kätzchen mit dem neuen Frauchen anlegt und dessen schmutzige Gedanken als Gedankenblasen im Bild erscheinen? Wie auch immer – nach diesem Film lässt sich besonders gut schei...! Einzig der nur ein paar Sekunden dauernde und mittendrin eingestreute Werbeclip für ein vollkommen undurchlässiges Tampon besitzt die Art von schwarzem Humor, über die man schmunzeln kann. Allerdings wäre es wahrhaftig zuviel verlangt, sich den Film nur dieses einen Clips wegen anzuschauen.

EIN MORDSTEAM (1:2.35, DD 5.1)
OT: De L'Autre Côté Du Périph
Verleih: Senator
Land/Jahr: Frankreich 2012
Regie: David Charhon
Darsteller: Omar Sy, Laurent Lafitte, Sabrina Ouazani
Kinostart: 21.03.2013

Zwei französische Polizisten – der eine aus der Pariser “Banlieu”, der andere aus dem gehobenen Pariser Kriminaldezernat – müssen unfreiwilligerweise an einem Fall zusammenarbeiten. Der Mord an der Gattin eines Gewerkschaftsbosses führt die ungleichen Cops in das für den jeweils anderen vollkommen ungewohnte Umfeld. So bleiben Zankereien zwischen den beiden nicht aus. Doch genau diese müssen sie überwinden, um den Fall erfolgreich abzuschließen... Nach dem großen Publikumserfolg mit ZIEMLICH BESTE FREUNDE ist der dunkelhäutige Omar Sy zum Frankreichs neuem Top-Star aufgestiegen. Mit diesem Film, in der Sy seine flapsige Rolle aus dem zuvor genannten Film quasi wiederholt, soll er nun zu einer Art französischem Eddie Murphy stilisiert werden. Nicht nur, dass er hier auch einen Polizisten mimt, vielmehr ertönt sogar die “Axel F”-Melodie aus seinem Handy. Sy ist zwar gut und besitzt durchaus großes Potenzial, doch das sollte tunlichst durch ein besseres Drehbuch freigelegt werden. Die Story erweist sich nämlich als eine vor sich hin plätschernde Krimigeschichte, die abgedroschener kaum sein könnte. Gemeinsam mit Kollege Laurent Lafitte, der den Kriminalbeamten aus Paris mimt, durchlebt er die übliche Hassliebe, die beispielsweise schon Filme wie die LETHAL WEAPON-Reihe prägte (und auf die natürlich ebenfalls in diesem Film angespielt wird). EIN MORDSTEAM ist einer jener Filme, die man nach Verlassen des Kinos sogleich wieder vergessen hat und die keinen großen Schaden anrichten.
Freitag, 18. Januar 2013
Psycho meets Kung Fu
Das letzte Doppel der Woche widmete sich einem Meisterregisseur und einer elitären Shaolin-Schule.

HITCHCOCK (1:2.35, DD 5.1)
OT: Hitchcock
Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Sacha Gervasi
Darsteller: Sir Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson
Kinostart: 14.03.2013

Nach seinem grandiosen Erfolg mit DER UNSICHTBARE DRITTE macht sich Regisseur Alfred Hitchcock auf die Suche nach einem neuen Stoff für den nächsten Film. Als ihm ein Tatsachenbuch über den Serienmörder Ed Gein in die Hände fällt, ist er von dessen Taten mehr als fasziniert. In Tagträumen spricht Ed Gein mit ihm, wird zu Hitchcocks Alter Ego. Hitchcock setzt alles daran, die gruseligen Taten des Ed Gein zu verfilmen. Doch Paramount weigert sich, den Film zu finanzieren. Der Meisterregisseur setzt alles auf eine Karte und nimmt einen Kredit auf sein Haus auf. Doch nicht nur die finanziellen Probleme, auch sein Verdacht, dass Ehefrau Alma fremdgeht, machen das neue Filmprojekt für Hitchcock zu einem Alptraum... Dass hinter jedem großen Mann eine Frau steht, die ihm den Rücken freihält und auch sonst alle Fäden in der Hand hält, bewahrheitet sich auch bei einem filmischen Genie wie Alfred Hitchcock. Wenn man als Zuschauer eine Lektion aus Sacha Gervasis Film lernt, dann jene, dass es Hitch’s Gattin Alma Reville war, die seinem Meisterwerk PSYCHO Leben einhauchte. Ob Drehbuch, Auswahl der Darsteller oder sogar Teile der Regie – Frau Hitchcock wird hier als das eigentliche Genie offenbart. Die vielen Details um die Entstehung von PSYCHO, wie etwa die Tatsache, dass die Hitchcocks den Film aus eigenen Mitteln finanzieren mussten, dürften für eingefleischte Filmfans hochinteressant sein. Den normalen Kinozuschauer hingegen werden solche Fakten eher langweilen. Und das ist auch verständlich. Denn Gervasi inszeniert sein Biopic extrem nüchtern und trocken. Dabei hätte es eigentlich gar nicht viel gebraucht, um den Film mit typisch Hitchcock’schem Witz für die breite Masse salonfähig zu machen. Nur anfangs und am Ende tritt Anthony Hopkins als Hitchcock vor die Kamera und spricht zum Publikum – so wie er es in seinen Fernsehsendungen immer tat oder auch in dem berühmt gewordenen Teaser zu PSYCHO. Die Darstellerriege freilich ist sehr gut und die Maskenbildner haben alles getan, um die Darsteller wie ihre Originale aussehen zu lassen. Selbst Bernard Herrmann (der die geniale Musik zu PSYCHO und vielen anderen Hitchcock-Filmen lieferte) ist unverkennbar. Herrmanns Musik inspirierte natürlich auch Danny Elfmans Score für HITCHCOCK. HITCHCOCK ist Pflichtprogramm für alle Film-Fans.

DRACHENMÄDCHEN (1:1.85, 5.1)
Verleih: Polyband (24 Bilder)
Land/Jahr: Deutschland 2012
Regie: Inigo Westmeier
Darsteller: Xin Chenxi, Chen Xi, Huang Luolan
Kinostart: 28.02.2013

Warum sie denn auf die Kung-Fu-Schule gehen wollte, wird eines der jungen chinesischen Mädchen gefragt. “Weil ich fliegen lernen wollte” ist ihre spontane Antwort. Dass die harte Ausbildung an dieser Schule nichts mit dem zu tun hat, was sie aus Kung-Fu-Filmen kennt, ist eine bittere Erkenntnis, die zu spät kommt. Denn ist mal einmal Teil dieser Schule, gibt es kein Entkommen mehr. Inigo Westmeiers unkommentierter Dokumentarfilm zeigt den Alltag an der Shaolin Tagou Kampfschule als ein knallhartes Trainingslager, dem zumeist schwer erziehbare Kinder zugeschanzt werden. Mit fast 35.000 Schülern ist die im Jahre 1979 gegründete Schule die größte im Lande. Dem harten Drill, dem die minderjährigen Kinder ausgesetzt sind, sind längst nicht alle gewachsen. Wer entkommen will, muss heimlich über die Mauer klettern oder die Wächter kennen. Tränen sind nicht gerne gesehen. Wer weinen muss, tut dies heimlich. Ein Mädchen sagt vor laufender Kamera, dass sich die Eltern viel mehr um ihre Kinder kümmern müssten. Es gelingt ihr nicht, ihre Tränen zu unterdrücken. Auch der Schulleiter, zwei der Trainer sowie zwei Väter holt Westmeier vor seine Kamera, aber auch ein Mädchen, dem der Ausstieg aus der Schule gelungen ist. Sie alle geben ihre Sichtweise der Dinge preis. Damit betrachtet man als Zuschauer die sportlichen Kampfdarbietungen der Schülerinnen mit ganz anderen Augen und sieht darin nicht nur die faszinierende Körperbeherrschung. Das Ziel: je besser man die Kampftechniken beherrscht, umso größere Chancen haben die Mädchen, ihrer ärmlichen Herkunft zu entrinnen. Die Antwort, ob dies auch tatsächlich gelingt, bleibt der Film leider schuldig.
Donnerstag, 17. Januar 2013
Kriegsdrama und Gangstermovie
Dass ein schlechter Film durchaus noch schlechter werden kann, bewies der erste Film des heutigen Presse-Doppels. Immerhin folgte danach ein optischer Leckerbissen.

DIE MÄNNER DER EMDEN (Langfassung) (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Kinostar
Land/Jahr: Deutschland 2012
Regie: Berengar Pfahl
Darsteller: Ken Duken, Sibel Kekilli, Felicitas Woll
Kinostart: 31.01.2013

Im Oktober des letzten Jahres wurde uns dieser fürs Fernsehen produzierte Film in einer von 180 Minuten auf 114 Minuten gekürzten Fassung gezeigt. Jetzt hat sich der Filmverleih dazu entschieden, den Film in einer längeren Version in die Kinos zu bringen. Das Machwerk dauert jetzt 144 Minuten lang und ist dadurch leider nicht besser, sondern eher noch schlechter geworden. Neu hinzugekommen ist jetzt ein Handlungsstrang, der die Flucht der Familie von Plettenberg aus der von den Japanern besetzten deutschen Dependence in China nach Deutschland schildert. Dieser neue Handlungsstrang wechselt sich in schöner Regelmäßigkeit mit der abenteuerlichen Reise der Emden-Crew ab und gibt dabei ganz klar zu erkennen, dass der Film der typischen Dramaturgie eines Fernsehfilms folgt. Fazit: waren die 114 Minuten schon zu viel, so sind es die jetzt 144 Minuten erst recht.

Die Rezension der Kurzfassung des Films gibt es hier.

GANSTER SQUAD (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Gangster Squad
Verleih: Warner
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Ruben Fleischer
Darsteller: Sean Penn, Josh Brolin, Ryan Gosling, Emma Stone, Nick Nolte
Kinostart: 24.01.2013

Ex-Boxer Mickey Cohen ist zu einem ganz großen Tier der Unterwelt aufgestiegen und hält alle Fäden in der Hand. Sein Ziel ist es, sich ganz Los Angeles Untertan zu machen. Mit Richtern und auch Polizisten in der Tasche ist er auch auf dem besten Wege dorthin. Als jedoch Sergeant O’Mara vom Polizeichef höchstpersönlich den Geheimauftrag erhält, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, um Cohen dingfest zu machen, sieht es für den Gangsterboss nicht mehr so rosig aus. Denn die “Gangster Squad”, wie sich O’Maras Truppe nennt, darf all das tun, was Polizisten niemals tun dürfen: sie wendet unlautere Methoden an, um ihr Ziel zu erreichen... Mit Sean Penn, Ryan Gosling, Nick Nolte und Josh Broslin hat Ruben Fleischers Film ein durchaus ansehnliches Starpotenzial zu bieten, doch ist der eigentliche Star des Films ein ganz anderer: der Look des Films! Kameramann Dion Beebe und Produktionsdesigner Maher Ahmad lassen das Los Angeles des Jahres 1949 wahrhaftig auferstehen. Ob Farbgebung, Locations oder Kostüme (Mary Zophres) – hier wird eine Zeit heraufbeschworen, die so echt aussieht, als wäre sie nie zu Ende gegangen. Die Faszination der Bilder entschuldigt sogleich dafür, dass GANGSTER SQUAD im Grunde genommen ein Remake von Brian De Palmas THE UNTOUCHABLES ist. Allerdings mit einem höheren Härtegrad. Denn wenn sich Sean Penn in der Rolle des Gangsterbosses Mickey Cohen ärgert, dann ist ihm jedes Mittel recht, um sich blutrünstig zu rächen. Aber Gewaltexzesse sind nun einmal Bestandteil harter Gangsterfilme. Josh Brolin spielt souverän den Chef der Gangster Squad, der immer gerne über die Stränge schlägt, wenn es der Gerechtigkeit dient. Ganz cool wie immer gibt sich Ryan Gosling als einer seiner Partner. Der von einer wahren Geschichte inspirierte Krimi ist lohnenswerte Kost für alle Fans mit einem Faible für Gangsterfilme alter Schule.
Montag, 14. Januar 2013
Qualen des Lebens
Immerhin: der zweite Film heute hat das Desaster des ersten Beitrags wieder wett gemacht

QUELLEN DES LEBENS (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: X Verleih (Warner)
Land/Jahr: Deutschland 2012
Regie: Oskar Roehler
Darsteller: Jürgen Vogel, Meret Becker, Moritz Bleibtreu
Kinostart: 14.02.2013

“Quellen des Lebens” ist die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg. Alles beginnt mit der Kriegsheimkehr von Erich Freytag, der von seiner Familie erst abgelehnt wird, aber diese dann durch den Aufbau einer Gartenzwergenmanufaktur zu Wohlstand verhilft. Sein Sohn Klaus, der in der Fabrik mitarbeitet, träumt indes von einer Karriere als Schriftsteller und lernt dabei die weitaus begabtere Gisela kennen, die er heiratet und mit der er seinen Sohn Robert zeugt. Doch die Ehe ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt und so wird der kleine Robert auf eine Odyssee durch die gesamte Familie geschickt. Diese ist erst zu Ende, als er als junger Erwachsener seine große Jugendliebe wieder trifft... Ganze drei Stunden wertvoller Lebenszeit bedarf es, um Oskar Roehlers autobiographischen Film anzuschauen. Und dabei gäbe es wesentlich interessantere und unterhaltsamere Dinge zu tun! Trotz seiner unglaublichen Länge wirkt das Epos so, als würden noch einmal genauso viele Szenen fehlen. Die Kindheits- und Jugenderinnerungen Roehlers steuern auf keinen Höhepunkt hin; einen Spannungsbogen sucht man verzweifelt. Derlei Kost ist gerade gut genug für eine Fernsehserie, aber nicht für die große Kinoleinwand. Die aufgebotene Darstellerriege spielt ihre Rollen oft ziemlich überzeichnet und lässt den Film damit zu einer Farce verkommen.

KON-TIKI (1:2.35, 5.1)
OT: Kon-Tiki
Verleih: DCM
Land/Jahr: Norwegen, Großbritannien, Dänemark, Deutschland 2012
Regie: Espen Sandberg, Joachim Rønning
Darsteller: Pål Sverre Hagen, Anders Baasmo Christiansen, Gustaf Skarsgård
Kinostart: 21.03.2013

Polynesien wurde vor über 1000 Jahren bereits von Südamerika aus besiedelt – und zwar mittels eines einfachen Floßes. Der Norweger Thor Heyerdahl, Abenteurer und Wissenschaftler, ist sich seiner Sache ganz sicher. So sucht er 1947 nach Sponsoren, die es ihm ermöglichen, mit einem Floß aus Balsa-Hölzern seine Theorie zu beweisen. Doch sowohl die gesamte Fachwelt als auch die großen Zeitungsverlage lehnen ab. Heyerdahl beschließt, sich auf eigene Faust und ohne fremde Hilfe auf den Weg zu machen. Ein Haufen von fünf kunterbunt zusammengewürfelten Männern bilden die Mannschaft, mit der er 8000 Kilometer auf einem selbst gebauten Floß zurücklegen will... “Kon-Tiki” hieß das Floß, auf dem sich Thor Heyerdahl 1947 gemeinsam mit fünf tapferen Gefährten aufmachte, um seine Theorie zu beweisen. Nicht nur gelang es dem Abenteurer, tatsächlich diesen Beweis zu erbringen, sondern er heimste sogar noch einen Oscar ein. Denn sein Dokumentarfilm “Kon-Tiki” wurde zum “Besten Dokumentarfilm” des Jahres 1951 gekürt. Die Regisseure Espen Sandberg und Joachim Rønning erschufen jetzt einen Spielfilm über jenes große Wagnis, mit dem Heyerdahl in die Annalen der Geschichte eingegangen ist. Mit Hilfe moderner Computertechnik ist es ihnen gelungen, das große Abenteuer hautnah einzufangen und es dem Zuschauer auf extrem spannende Weise zu vermitteln. Schon lange gab es keine derart erschreckenden Hai-Sequenzen im Kino zu sehen wie in diesem Film! Die Kameraarbeit von Geir Hartly Andreassen ist atemberaubend, fängt sie nicht nur grandiose Landschaften ein, sondern auch die sich auf See abspielenden Dramen. “Kon-Tiki” besitzt wahrhaftig jene Schauwerte, für die Kinos gebaut wurden. Aber es sollte schon eines mit einem großen Bild sein! In der Rolle des Thor Heyerdahl brilliert Pål Sverre Hagen als der von seiner Idee fast schon besessene Wissenschaftler, der seine Mannschaft auf eine harte Probe stellt. “Kon-Tiki” ist für den Auslands-Oscar 2012 nominiert.
Freitag, 11. Januar 2013
Natural Born Spring Breakers
Zum Wochenausklang noch ein Double Feature...

SPRING BREAKERS (1:2.35, DD 5.1)
OT: Spring Breakers
Verleih: Wild Bunch (Central)
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Harmony Korine
Darsteller: James Franco, Selena Gomez, Vanessa Anne Hudgens
Kinostart: 21.03.2013

Es ist der absolute Höhepunkt jedes amerikanischen Teenagers: die Teilnahme am “Spring Break”, jenem kollektiven Happening, wo sich Jungs und Mädels während der Semesterferien im Frühling zu Sex, Drogen und Alkohol im sonnigen Florida treffen. Doch für vier der College-Mädchen will sich der Traum vom Spring Break mangels klammer Kassen einfach nicht erfüllen. Da hat eine der vier Gören eine geniale Idee: man raubt gemeinsam ein Fast Food Restaurant aus! Und schon nimmt der ungebremste Spaß seinen Lauf. Aber nur solange, bis die vier Girls in Florida wegen eines Drogendelikts im Kittchen landen. Da tritt der obercoole Gangster Alien in ihr Leben: er spendiert die Kaution, dafür müssen ihm die Mädels Gefälligkeiten erweisen... Auch wenn die Handlung in seinem Film recht oberflächlich gehalten ist, so kann man sich dem visuellen Stil nicht entziehen. Die ungewöhnliche Erzählstruktur, die ganze Passagen oft wie Video Clips aussehen lässt, erinnert an einen Film von Oliver Stone: NATURAL BORN KILLERS. Sex und Crime stehen auch hier ganz oben auf der Agenda und man darf gespannt sein, ob die beantragte Freigabe ab 16 Jahren Probleme bereitet. Die Protagonistinnen sind alle hübsch anzuschauen und James Franco als der schräge Gangster mit Stahlgebiss macht wirklich Eindruck. Eine große Leinwand und voll aufgedrehter Surround Sound sind bei diesem Film allerdings Pflicht.

THE MASTER (1:1.85, DD 5.1)
OT: The Master
Verleih: Senator
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams
Kinostart: 21.02.2013

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trifft ein arbeitsloser Matrose auf einen charismatischen Führer, den alle nur “The Master” nennen. Er nimmt den Matrosen unter seine Fittiche und will seiner gestrandeten Seele helfen. Immer tiefer lässt sich der Matrose in die Welt des “Cause”, wie sich die Schar um den Guru nennt, hineinziehen... Seine Deutschlandpremiere erlebte Paul Thomas Andersons neuester Film während des “Todd-AO 70mm Filmfestivals” im vergangenen Oktober in Karlsruhe. Dort wurde der Film mit Spannung erwartet, handelt es sich doch tatsächlich um ein mit 65mm-Kameras aufgenommenes Werk, das der Regisseur zusätzlich zu den 35mm- und digitalen Kopien auch mit einer beeindruckenden Anzahl von 70mm-Kopien in die Kinos schickte. Die Vorführung der 70mm-Kopie in der Schauburg war zwar auf höchstem technischen Niveau, doch Andersons Film vermochte echtes 70mm-Feeling zu keinem Zeitpunkt zu vermitteln. Das lag nicht alleine an der Tatsache, dass Anderson sich für einen 1:1.85-Bildausschnitt entschied und damit vom originalen 1:2.2-Bildformat abschwor, sondern auch an den Filmaufnahmen selbst. Denn das Drama ist im Grund genommen ein Kammerspiel, das fast vollkommen auf Außenaufnahmen verzichtet. Glaubt man den Ausführungen von Anderson, so wollte er exakt den jetzt vorliegenden Look seines Films. Kenner wagen jedoch zu behaupten, dass er hier mit dem 65mm-Format mit Kanonen auf Spatzen geschossen hat. Abgesehen von den technischen Details wartet der Film immerhin mit einem grandiosen Schauspieler-Ensemble auf, das zurecht mit Oscar-Nominierungen bedacht wurde. Allerdings ist der Film etwas zu lang geraten, er scheint sich im Kreis zu drehen. Im ganzen Film gibt es keine “normale” Person, was ihn auf Dauer ziemlich sperrig werden lässt. Verglichen mit Andersons Meisterwerken BOOGIE NIGHTS oder MAGNOLIA tut man sich sehr schwer, seinen neuen Film zu mögen. Aber ein Versuch ist es allemal wert.
Donnerstag, 10. Januar 2013
Sondereinsatzkommando, Invasoren und fünf Freunde
Das erste Triple Feature in diesem Jahr begann gleich mit einem Knaller.

THE CRIME (1:2.35, DD 5.1)
OT: The Sweeney
Verleih: Universum (SquareOne)
Land/Jahr: Großbritannien 2012
Regie: Nick Love
Darsteller: Ray Winstone, Ben Drew, Hayley Atwell
Kinostart: 28.02.2013

Erfolg hat man nur, wenn man sich illegaler Methoden bedient. Das zumindest ist die Meinung von Jack Regan, dem Boss einer Spezialeinheit der Londoner Polizei. Dass das seinen Vorgesetzten nicht immer schmeckt, versteht sich von selbst. Doch Regan ist ein sturer Bock und lässt sich nicht in seine Methoden spucken. Als bei einem Überfall eine junge Frau ganz offensichtlich hingerichtet wird, führt die Spur zu Regans Erzfeind, dem Kriminellen Francis Allen. Der ist zwar schnell verhaftet, streitet aber alles ab. Zu Recht, wie Regan bald feststellen muss. Was er jedoch noch nicht ahnt: er tappt damit in eine tödliche Falle... Mit dem britischen Urgestein Ray Winstone in der Hauptrolle inszenierte Regisseur Nick Love einen der besten Action-Filme der letzten Zeit. Basierend auf einer englischen TV-Serie der 1970er-Jahre schildert er den rauhen Alltag eines Londoner Sondereinsatzkommandos, das sich unlauterer Methoden bedient, um Gangster dingfest zu machen. Winstone porträtiert dabei Jack Regan, den Prototyp des “Good Cop, Bad Cop”, der als Belohnung für seinen Informanten schon mal ein paar Unzen Gold vom Tatort verschwinden lässt und mit seiner attraktiven Kollegin Nancy (großartig: Hayley Atwell) ins Bett steigt – wohl wissend, dass deren Noch-Ehemann als interner Ermittler gegen ihn ermittelt. In THE CRIME dominieren nicht visuelle Effekte die Optik, sondern vielmehr Stunts der alten Schule. Genau das macht den Reiz dieses harten Polizeithrillers aus. Lorne Balfes teilweise an die DARK KNIGHT- oder INCEPTION-Rhythmen eines Hans Zimmer erinnernder Score passt hervorragend zu den Bildern und treibt den Film atemlos voran. THE CRIME ist tolles Thriller-Kino, bei dem man ganz sicher keine Langeweile verspüren wird!

INVASION (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Deutschland, Österreich 2011
Regie: Dito Tsintsadze
Darsteller: Burghart Klaußner, Heike Trinker, Merab Ninidze
Kinostart: 28.02.2013

Drei Monate sind vergangen, seit Josef seine Frau und den kleinen Sohn auf tragische Weise verloren hat. Jetzt lebt er ganz alleine und zurückgezogen in seinem schlossähnlichen, riesigen Haus. Das ändert sich, als ihn bei seinem Gang über den Friedhof Nina anspricht, eine Cousine seiner Frau. Aus Gefälligkeit lässt er sie und ihren erwachsenen Sohn Simon bei sich übernachten. Als sich herausstellt, dass Simon verheiratet ist und das junge Paar noch keine passende Wohnung gefunden hat, willigt der gutmütige Josef ein, die beiden bei sich wohnen zu lassen. Doch damit nicht genug: bald schon gesellt sich auch noch Simons Sohn Marco hinzu, gefolgt von Ninas neuem Freund Konstantin. Die Geister, die ich rief – Josef erkennt zu spät, in welch gefährliche Situation er sich hineinbegeben hat... Mit seinem Psycho-Thriller wandelt Regisseur Dito Tsintsadze auf den Spuren eines Michael Haneke, dessen Film FUNNY GAMES hier offensichtlich Pate gestanden hat. Doch was bei Haneke zu berstender Spannung führt, zieht sich bei Tsintsadze derart in die Länge, dass man gefühlte drei Stunden im Kino zu verweilen glaubt – und das bei gerade einmal knapp zwei Stunden realer Spielzeit. Nach einer gewissen Zeit weiß man als Zuschauer eigentlich schon längst, wie der Hase läuft. Das ist natürlich für den Spannungsaufbau nicht gerade förderlich.

FÜNF FREUNDE 2 (1:1.85, DD 5.1)
Verleih: Constantin
Land/Jahr: Deutschland 2012
Regie: Mike Marzuk
Darsteller: Valeria Eisenbart, Quirin Oettl, Justus Schlingensiepen
Kinostart: 31.01.2013

Bei einem gemeinsamen Fahrradausflug lernen die fünf Freunde den etwas angeberischen und stinkreichen Hardy kennen. Doch als ihr Freund Dick an Hardys Stelle von einem Gangster-Duo entführt wird, müssen sich die Anderen mit Hardy zusammenraufen, um Dick zu retten. Die Spur führt in eine verlassene Burg, die dazu noch das Geheimnis um einen riesigen Smaragden birgt... Ein Jahr nach ihrem ersten gemeinsamen Abenteuer sind die Freunde George, Julian, Dick, Anne und der Hund Timmy wieder im Kino zu sehen. Auch dieses Mal müssen die fünf Freunde frei nach Enid Blyton ein aufregendes Abenteuer bestehen, an dessen Ende natürlich wieder die Gerechtigkeit siegt. Der Film spricht dabei natürlich ein ganz junges Publikum an, das sich in der Altersregion bis etwa zehn Jahre bewegen dürfte. Für ältere Zuschauer wird auch das zweite Abenteuer der Kinder-Clique einfach zu langweilig sein, um noch als spannend empfunden zu werden. Vieles ist hier doch sehr vereinfacht dargestellt, trifft damit aber vermutlich genau die Phantasie der bis 10jährigen. Überhaupt nicht vereinfacht dargestellt jedoch ist der ganz böse Gangster Rookey (dargestellt von Peter Lohmeyer). Der nämlich bedroht die kleinen Detektive mit einer echten Schusswaffe, aus der sich dann sogar im freien Fall ein Schuss löst und den treuen Hund Timmy tödlich trifft. Dass der natürlich gar nicht tot ist, sondern sich nur tot stellt, um seine Freunde zu retten, ahnen zu diesem Zeitpunkt die kleinen Zuschauer ganz sicher nicht. Der Schock dürfte ihnen tief in den Knochen sitzen.
Mittwoch, 09. Januar 2013
Von Fischen und Hot Dogs
“Aus Alt mach Neu” war die Devise des ersten Films, gefolgt von einer Begegnung mit Schürzenjäger...äh... Präsident Franklin D. Roosevelt

FINDET NEMO 3D (1:1.85, 3D, DD 5.1 + 7.1)
OT: Finding Nemo
Verleih: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2003/2012
Regie: Andrew Stanton, Lee Unkrich
Kinostart: 14.02.2013

Genau zehn Jahre ist es her, als Pixar sein Unterwasserabenteuer FINDET NEMO in die Kinos brachte und prompt mit dem Oscar als Bester Animationsfilm belohnt wurde. Jetzt kommt die Geschichte des kleinen Nemo, der im Aquarium eines Zahnarztes landet und verzweifelt von seinem Vater gesucht wird, erneut in die Kinos. Leider hat der 3D-Hype auch vor diesem Werk nicht Halt gemacht: FINDET NEMO wurde im Computer mit einer dritten Dimension ausgestattet. Das ist sehr schade, denn sie bringt dem Film keinen Mehrwert, da sie vernachlässigbar ist. Schade auch deshalb, weil die 3D-Technik in vielen Kinos das Bild viel zu dunkel werden lässt. Damit gehen vielerorts die tollen Farben der Unterwasserwelt vollkommen verloren. Dabei hat der Film das 3D überhaupt nicht nötig, denn er funktioniert auch nach zehn Jahren noch uneingeschränkt gut! Die liebevoll animierten Charaktere, die vielen witzigen Einfälle sowie die wunderbare Musik von Thomas Newman haben das vergangene Jahrzehnt ohne Kratzer überlebt – und werden das auch noch weitere Jahrzehnte durchhalten. Es gibt aber einen kleinen Trost: schon einen Monat nach dem Start der Wiederaufführung gibt es FINDET NEMO bereits als Blu-ray zu kaufen. Damit kann der Film dann wenigstens im Heimkino in seiner ganzen Farbenpracht leuchten und strahlen!

HYDE PARK AM HUDSON (1:2.35, DD 5.1)
OT: Hyde Park On Hudson
Verleih: Tobis
Land/Jahr: Großbritannien 2012
Regie: Roger Michell
Darsteller: Bill Murray, Laura Linney, Samuel West
Kinostart: 28.02.2013

Ein Juni-Wochenende im Jahre 1939. Ganz Amerika leidet unter der Rezession. Präsident Roosevelt, aufgrund einer Kinderlähmung an den Rollstuhl gefesselt, hat sich auf seinen Landsitz zurückgezogen, um klare Gedanken fassen zu können. Dabei soll ihm Daisy helfen, eine entfernte Cousine des Präsidenten, mit der der Verheiratete prompt eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Als das britische Königspaar zu einem Besuch erwartet wird, bildet Daisy Roosevelts Ruhepol. Doch sie ist nicht die Einzige, wie sie bald erkennen muss... Der von Roger Michell inszenierte Film würde sich wunderbar als Double Feature mit THE KING’S SPEECH eignen. Auch er beruht auf einer wahren Begebenheit und hat eine gemeinsame Schnittmenge: Bertie, den stotternden britischen König. Hier ist er gemeinsam mit seiner Gattin zu Gast beim amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Und der wird von keinem Geringeren als Bill Murray gespielt – und wie! Hier sollte wenigstens eine Oscar-Nominierung herausspringen. Aber auch die anderen Darsteller in diesem humorvollen Film sind ausgezeichnet gewählt. Laura Linney spielt Roosevelts heimliche Muse Daisy sehr zurückhaltend, fast scheu. Samuel West gibt einen exzellenten Bertie, der sich weitaus weniger aus Etikette macht als seine von Olivia Colman dargestellte Gemahlin Elizabeth, was schließlich in seinem Entschluss gipfelt, tatsächlich die von Roosevelt bei einem Picknick kredenzten Hot Dogs zu essen. Michells Film zeigt hervorragend, dass auch die Großen der Politik nur Menschen sind – mit allen Stärken und Schwächen. Allerdings sind die Kommentare aus dem Off, die eine alte Daisy spricht, etwas zuviel des Guten. Ebenso die Musik von Jeremy Sams. Hier hätte man sich etwas mehr Zurückhaltung gewünscht, aber ist beides etwas aufdringlich.
Dienstag, 08. Januar 2013
Zwei die nicht voneinander lassen können
Eine nette kleine Romantikkomödie zwischendurch ist auch nicht zu verachten...

CELESTE & JESSE (1:2.35, DD 5.1)
OT: Celeste And Jesse Forever
Verleih: DCM
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Lee Toland Krieger
Darsteller: Rashida Jones, Andy Samberg, Ari Graynor, Elijah Wood, Emma Roberts
Kinostart: 14.02.2013

Außenstehende würden sie sofort als das ideale Paar deklarieren, ihre besten Freunde hingegen halten es einfach nicht mehr aus: Celeste und Jesse haben sich getrennt, sind aber nach wie vor noch die dicksten Freunde. Noch sind die Scheidungspapiere nicht unterschrieben und so sehen sich die beiden jeden Tag. Dass Jesse nach wie vor in Celestes kleinem Studio wohnt, kann sowieso den Gedanken an eine wirkliche Trennung nicht aufkeimen lassen. Als jedoch Jesses heimlicher Seitensprung Früchte trägt und er Vater werden soll, brechen andere Zeiten an – sowohl für Jesse selbst als auch für Celeste. Hier ist er also, der Film zum Valentinstag - verpackt als eine Romantikkomödie, deren Ausgang man von Anfang an zu kennen scheint, die aber dennoch überrascht. Getragen wird sie von den beiden äußerst sympathischen Protagonisten Rashida Jones und Andy Samberg, die man einfach liebhaben muss. In seinem Film schildert Regisseur Lee Toland Krieger, wie schwierig eine Trennung sein kann, wenn man unfähig ist, liebgewonnene Angewohnheiten einfach fallen zu lassen. Distanz lautet das Zauberwort, das alles wieder gut werden lässt.
Montag, 07. Januar 2013
Schwebende Artisten und ein sadistischer Serienkiller
Harte Kost gleich zu Beginn einer randvoll gepackten Pressewoche.

BELA KISS: PROLOGUE (1:2.35, DD 5.1)
Verleih: Drei-Freunde
Land/Jahr: Deutschland 2012
Regie: Lucien Förstner
Darsteller: Rudolf Martin, Kristina Klebe, Fabian Stumm
Kinostart: 10.01.2013

Auf der Flucht vor der Polizei tauchen fünf Bankräuber – drei Männer und zwei Frauen – in einem noblen Stundenhotel irgendwo mitten im Wald unter. Schon bald muss das Quintett feststellen, dass es an diesem Ort nicht mit rechten Dingen zugeht, die sich alle um einen Serienmörder drehen, der vor dem Ersten Weltkrieg in Ungarn sein Unwesen trieb... Das wirklich Erschreckende an diesem Horror-Thriller: es wird wohl eine Fortsetzung geben! Zu hoffen ist, dass spätestens bei Teil 2 dann mit einem Drehbuch gearbeitet wird. Denn was hier geboten wird erweckt den Anschein, dass es zwar eine grobe Idee zu der Geschichte gab, die jedoch nicht detailliert und damit plausibel ausgearbeitet wurde. Nun ist man ja vom Horrorfilm inzwischen einiges gewohnt und drückt auch hier und da gerne mal ein Auge zu. Im vorliegenden Fall jedoch kann man den drehbuchtechnischen Dilettantismus einfach nicht ignorieren. Die Schauplätze, das Verhalten der Akteure – alles wirkt hier als wäre es nicht von dieser Welt. Atmosphärisch lässt TWIN PEAKS grüßen, was dafür spricht, dass die Macher sich im Genre auskennen. Vielleicht aber ist genau das der Knackpunkt. Denn die Bilder holen immer wieder andere (und weitaus bessere!) Filme ins Gedächtnis. Hier hat sich jemand an einem Horrorfilm versucht, der gerne Horrorfilme schaut und sich vermutlich mit den oftmals offensichtlichen Ungereimtheiten in solchen Filmen bereits abgefunden hat. In technischer Hinsicht allerdings überzeugt die erste Spielfilmarbeit des Werbeprofis Lucien Förstner. Motivauswahl, Montage und Sounddesign führen einem ständig vor Augen, welches Potenzial hier vorhanden wäre, gäbe es eine ansprechende Story. Angesichts der hanebüchenen Handlung mag auch gar keine Spannung aufkommen – ein Todesstoß für jeden Horrorfilm. Nach spätestens einer Stunde schaut man verzweifelt auf die Uhr und erschrickt, dass tatsächlich erst eine Stunde vergangen ist. Das ist dann auch durch den massiven Einsatz von Splattereinlagen nicht mehr wett zu machen.

CIRQUE DU SOLEIL: TRAUMWELTEN 3D (1:1.85, 3D, 5.1)
OT: Cirque Du Soleil: Worlds Away
Verleih: Paramount
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Andrew Adamson
Darsteller: Erica Linz, Igor Zaripowv, Dallas Barnett
Kinostart: 07.02.2013

Eine junge Frau betritt eines Nachts einen Jahrmarkt, auf dem ihr ein Clown einen Flyer in die Hand drückt, auf der ein junger Mann abgebildet ist. Die junge Frau macht sich auf die Suche nach dem Schönling und gelangt von einer phantastischen Traumwelt in die nächste... Die extrem dünne Rahmenhandlung in diesem Artistenfilm dient nur dem Zusammenhalt der Darbietungen aus den unterschiedlichsten Shows, die der berühmte kanadische “Cirque Du Soleil” auf die Beine gestellt hat. Protegiert von Regie-Legende James Cameron werden die spektakulärsten artistischen und akrobatischen Acts dieser gigantischen Shows jetzt dreidimensional auf der Kinoleinwand angeboten. Doch so faszinierend und einfallsreich die vielen schwebenden Künstler auch sein mögen, gelingt es dem Film leider nicht, die tatsächliche Dimension zu erfassen. Denn was aus dem Zuschauerraum einer Halle aus betrachtet atemberaubend wirken mag, verliert sehr viel dieser Wirkung im Film. Das liegt vor allem daran, dass filmüblich mit vielen Nahaufnahmen gearbeitet wird, die mit Totalen gegengeschnitten werden. Dadurch relativiert sich selbst die schwindelerregendste Höhe. Auch die 3D-Technik kann hier nicht weiterhelfen. Dass sich der Film aus unterschiedlichen Programmteilen zusammensetzt, äußert sich auch in der musikalischen Untermalung – mal sind es bekannte Songs, mal bombastische Orchesterklänge. Insgesamt ein uneinheitliches Werk.
Freitag, 04. Januar 2013
Back to the Roots
Schön war sie, die Urlaubszeit! Doch jetzt ist Schluss mit lustig – die Arbeit ruft. Heute galt es zum ersten Mal in diesem Jahr, einen Film zu begutachten.

INUK (1:1.85, 5.1)
OT: Inuk
Verleih: Neue Visionen
Land/Jahr: Grönland, Frankreich 2010
Regie: Mike Magidson
Darsteller: Gaba Petersen, Ole Jørgen Hammeken, Rebekka Jørgensen
Kinostart: 07.02.2013

Hilflos muss der schwer kranke kleine Inuk miterleben, wie sein Vater beim Versuch, ihn ins Krankenhaus der weit entfernten Stadt zu bringen, ins Eismeer einbricht und nicht wieder auftaucht. Viele Jahre später lebt Inuk bei seiner Mutter in der Stadt. Von ihr allein gelassen droht er zu verwahrlosen. Da schaltet sich das Jugendamt ein. Gegen den Willen der Mutter wird Inuk in ein Jugendheim im äußersten Norden Grönlands gebracht. Unter der Führung der fürsorglichen Heimleiterin lernt er den Robbenjäger Ikuma kennen, der ihn und seine Kameraden mit auf die Jagd nimmt. Auch Ikuma hat Probleme, die er noch nicht überwunden hat. Durch ihre ungewöhnliche Freundschaft beginnen beide ganz allmählich wieder ins Leben zurückzufinden... “Das Eis ist unsere Seele!” – Das ist nicht etwa die Werbebotschaft eines Speiseeisherstellers, sondern sind die Worte von Aviaaja, der Leiterin des Jugendzentrums, in das Inuk gebracht wird. Wie er, so gehört auch sie den Inuit an. Ihre Stimme aus dem Off kommentiert den Film immer wieder und macht deutlich, um was es eigentlich geht. Aviaaja möchte Inuk seine verlorene Seele zurückgeben, indem sie ihn zu seinen Wurzeln zurückführt. Dort, in der eisigen Kälte, soll er auch sein traumatisches Kindheitserlebnis überwinden. Inuk steht dabei auch zugleich für ein ganzes Volk, das durch die Klimaänderung auf unserem Planeten ihres Lebensraumes beraubt wird. Mit grandiosen Bildern lässt Regisseur Mike Magidson nicht nur den Zuschauer die Kälte spüren, sondern auch gleichzeitig die überwältigende Schönheit arktischer Landschaften erleben. Stephane Lopez‘ Filmmusik bietet einen gelungen Mix aus ethnischen Klängen sowie modernen Rhythmen und unterstreicht damit den Zwiespalt zwischen Tradition und Fortschritt. Der Film INUK wird von Grönland offiziell ins Rennen um den Auslands-Oscar geschickt.

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